Emil Fahrenkamp

Architekt, Direktor der Kunstakademie Düsseldorf (1885-1966)

Lothar Weiß (Frechen)

Emil Fahrenkamp, Porträtfoto.

Emil Fah­ren­kamp war ein ein­fluss­rei­cher Ar­chi­tekt, In­nen­ar­chi­tekt und Stadt­pla­ner wäh­rend der Wei­ma­rer Re­pu­blik und der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft im Rhein­land.

Emil Gus­tav Fah­ren­kamp wur­de am 8.11.1885 in Aa­chen als jüngs­tes von drei Kin­dern des streb­sa­men Zi­gar­ren­werk­meis­ters Lud­wig Fah­ren­kamp und des­sen Frau Wil­hel­mi­ne ge­bo­re­ne Lam­pe ge­bo­ren. 1918 hei­ra­te­te Emil Fah­ren­kamp Eli­sa­beth Brehm (1894-1967), Toch­ter ei­nes Kauf­manns aus ge­ho­be­nen bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen. Das Ehe­paar hat­te zwei Töch­ter (Il­se, ge­bo­ren 1919, Ur­su­la, ge­bo­ren 1924).

 

Nach dem Be­such der Volks­schu­le und der Ober­re­al­schu­le in Aa­chen bis 1901 stu­dier­te Fah­ren­kamp ein Se­mes­ter an der Kunst­ge­wer­be­schu­le Aa­chen. Auch der kurz­zei­ti­ge Be­such der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Aa­chen führ­te zu kei­nem be­rufs­qua­li­fi­zie­ren­den Ab­schluss. Ent­schei­dend war viel­mehr die Er­fah­rung und künst­le­ri­sche Prä­gung in den Jah­ren 1901-1908, die Fah­ren­kamp in sei­ner prak­ti­schen Aus­bil­dung und Tä­tig­keit im Bü­ro des Aa­che­ner Ar­chi­tek­ten Carl Sie­ben (1864-1927) mach­te. Im Stil war die his­to­ris­ti­sche Ge­stal­tung mit rei­chen Stu­ck­ele­men­ten ob­so­let ge­wor­den und als Re­form die­ser Zeit streb­te man ei­ne Klä­rung der ar­chi­tek­to­ni­schen Form und Ver­rin­ge­rung des De­kors an.

In den Jah­ren 1908 und 1909 wur­de Fah­ren­kamp als Lei­ten­der Ar­chi­tekt bei der Aa­che­ner Vil­len­bau­ge­sell­schaft be­schäf­tigt. Au­ßer­dem üb­te er ei­ne selb­stän­di­ge Tä­tig­keit für die Lan­des­ver­si­che­rungs­an­stalt aus und ar­bei­te­te ein Jahr bei dem Aa­che­ner Bild­hau­er Max Fi­scher (um 1867-1911). Den Ein­stieg in ei­ne stei­le be­ruf­li­che Kar­rie­re schaff­te er mit der Stel­le des Ers­ten Ar­chi­tek­ten im Düs­sel­dor­fer Pri­vat­ate­lier des pro­mi­nen­ten Ar­chi­tek­ten Wil­helm Kreis (1873-1955), der ihn stark för­der­te und ihm gu­te Per­spek­ti­ven bot. Zwi­schen 1909 und 1915 be­tei­lig­te sich Fah­ren­kamp an sie­ben Ar­chi­tek­ten­wett­be­wer­ben, bei sechs von ih­nen war Kreis Mit­glied der Ju­ry und wur­den sei­ne Ent­wür­fe an­ge­kauft und mit Lob be­dacht.

Shell-Haus in Berlin-Tiergarten.

 

1911 und 1912 war er un­ter Kreis' Di­rek­to­rat As­sis­tent von Al­fred Fi­scher (1881-1950) an der Kunst­ge­wer­be­schu­le mit be­son­de­rer Ar­chi­tek­tur­ab­tei­lung in Düs­sel­dorf. Im Leh­rer­kol­le­gi­um war der mit 25 Jah­ren be­ru­fe­ne Fah­ren­kamp ein loya­ler Kol­le­ge Kreis'. Dort stieg er im Jahr 1912 zum haupt­amt­li­chen Leh­rer auf und blieb bis 1919, als die Kunst­ge­wer­be­schu­le auf­ge­löst und die Ar­chi­tek­tur in die Kunst­aka­de­mie in­te­griert wur­de. Sei­ne Lehr­tä­tig­keit wur­de vom kurz­zei­ti­gen Kriegs­dienst zwi­schen 1915 und 1916 beim 70. Kö­nig­lich Preu­ßi­schen Ula­nen-Re­gi­ment Nr. 7 "Fried­rich von Ba­den" in Saar­brü­cken  un­ter­bro­chen. 1919 wech­sel­te er als Leh­rer an die Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf und wur­de 1920 zum Pro­fes­sor er­nannt.

Sein Düs­sel­dor­fer Ar­chi­tek­tur­bü­ro be­schäf­tig­te in den 1920er Jah­ren zeit­wei­se zwölf Mit­ar­bei­ter, dar­un­ter bis zu sie­ben Ar­chi­tek­ten und zähl­te da­mit zu den gro­ßen im rhei­nisch-west­fä­li­schen In­dus­trie­be­zirk. Fah­ren­kamps star­ke Prä­senz in Wett­be­wer­ben und Me­di­en fiel auf. Er nutz­te ih­re Be­deu­tung ge­schickt aus und ver­stand es, wie sein Men­tor, sich selbst ins Ge­spräch zu brin­gen. Ne­ben sei­ner Pro­fes­sur war er seit cir­ca 1924 Künst­le­ri­scher Lei­ter der Bre­mer Holz­kunst-Werk­stät­ten, Jo­han­nes An­d­re­sen AG.

Künst­le­risch hat­te Fah­ren­kamp ei­ne Nei­gung zur ein­fa­chen, kla­ren und ku­bi­schen Form mit re­du­zier­tem De­kor. Um 1909/1910 zeig­te er, wie sein Men­tor, ei­ne Ten­denz zu ei­nem Neo­klas­si­zis­mus. Fah­ren­kamp ließ sich in sei­ner Ma­te­ri­al­ver­wen­dung von der re­gio­na­len Bau­tra­di­ti­on am Nie­der­rhein mit Back­stein mo­ti­vie­ren. Der ab 1926/1927 voll­zo­ge­ne Stil­wan­del im Werk Fah­ren­kamps ori­en­tier­te sich am Zeit­geist. Er kom­bi­nier­te Ele­men­te des mo­der­nen Neu­en Bau­ens mit klas­si­zis­ti­schen Ge­stal­tungs­grund­sät­zen und nahm sich des land­schafts­ge­bun­de­nen Bau­ens auf dem Lan­de an. Fah­ren­kamp wies ei­nen en­gen Be­zug zu Carl Sie­ben auf. Mit Wil­helm Kreis ver­band ihn die Auf­fas­sung über Stil­fra­gen und ei­ne Par­al­lel­ent­wick­lung ih­rer Ar­chi­tek­tur­sti­le. An­de­rer­seits konn­te sich Fah­ren­kamp früh­zei­tig als ide­en­rei­cher ei­gen­stän­di­ger Ar­chi­tek­ten pro­fi­lie­ren. Als In­nen­ar­chi­tekt stat­te­te Fah­ren­kamp Räu­me mit Ele­ganz aus.

Das Werk Fah­ren­kamps war von Auf­trag­ge­ber­grup­pen ge­prägt, die in per­sön­li­chen Ver­bin­dun­gen un­ter­ein­an­der stan­den. Fah­ren­kamp bau­te über­wie­gend für groß­bür­ger­li­che Auf­trag­ge­ber, In­dus­trie und Wirt­schaft wie zum Bei­spiel die I. G. Far­ben in Le­ver­ku­sen. Er un­ter­schied in sei­nem ar­chi­tek­to­ni­schen Aus­druck die deut­lich statt­li­cher aus­ge­bil­de­ten Bau­ten im öf­fent­li­chen Raum ge­gen­über Wohn­häu­sern und die städ­ti­sche La­ge ge­gen­über Land und Vor­stadt. Die tra­dier­ten Ge­schoss­hier­ar­chi­en und die Sym­me­trie als Ge­stal­tungs­maß­stä­be blie­ben er­hal­ten. Grund­sätz­li­che theo­re­ti­sche Kon­zep­te oder äs­the­ti­sche Ma­xi­men la­gen Fah­ren­kamp fern. Er nahm An­re­gun­gen aus Be­zie­hun­gen un­ter­schied­li­cher Her­kunft ger­ne auf und pass­te sich in sei­nem Stil an. Die­se Ei­gen­schaf­ten wa­ren we­sent­lich für sei­nen er­folg­rei­chen Le­bens­lauf.

Ex­pres­sio­nis­mus, so­zia­lis­ti­sche oder so­zi­al­re­for­me­ri­sche An­lie­gen spra­chen ihn nicht an. Sein Werk ent­hält nur ei­ne Sied­lung und ei­ne Be­tei­li­gung an ei­nem Wett­be­werb im So­zia­len Woh­nungs­bau. Der Wett­be­werb für das Ge­bäu­de der „Deut­schen All­ge­mei­nen Zei­tun­g“ (DAZ) 1924 in Ber­lin, bei dem Fah­ren­kamp den 1. und 3. Preis ge­wann, mach­te ihn zu ei­nem der be­deu­tends­ten Ar­chi­tek­ten in Deutsch­land. Hin­ge­gen wur­de der 1. Preis im Wett­be­werb um den Neu­bau des Düs­sel­dor­fer Rat­hau­ses 1925 ei­ne gro­ße Ent­täu­schung, da er letzt­lich nicht zur Aus­füh­rung kam. Der in­ter­na­tio­na­le Durch­bruch ge­lang ihm ge­mein­sam mit dem Düs­sel­dor­fer Stadt­pla­ner Al­bert De­ne­ke (1882-1973) durch den 1. Preis für den Völ­ker­bund­pa­last 1927 in Genf (Schweiz) be­reits ein Jahr nach der Auf­nah­me Deutsch­lands in die Staa­ten­ge­mein­schaft. 1929 er­ziel­te er im Team mit sei­nem Kol­le­gen Hein­rich de Fries (1887-1938) den 1. Preis für die Er­wei­te­rung des Reichs­tags in Ber­lin. Das 1930 ent­stan­de­ne neu­sach­li­che Shell-Hoch­haus in Ber­lin, das für sei­ne Ver­hält­nis­se un­ge­wöhn­lich aus­fiel, wur­de zu ei­ner der po­pu­lärs­ten Bau­ten in Deutsch­land. Das kurz zu­vor rea­li­sier­te Kauf­haus Mi­chel in Wup­per­tal war am­bi­tio­niert. Die Freie deut­sche Aka­de­mie des Städ­te­baus er­nann­te Fah­ren­kamp 1927 we­gen sei­ner Ver­diens­te zu ih­rem or­dent­li­chen Mit­glied. Im sel­ben Jahr wur­de er in den Aus­schuss für Ar­chi­tek­tur des stil­prä­gen­den "Deut­schen Werk­bun­des" ko­op­tiert.

Die Welt­wirt­schafts­kri­se führ­te zwar zu ei­nem Ein­bruch der Auf­trä­ge, Fah­ren­kamps Le­bens­un­ter­halt war aber durch das Pro­fes­so­ren­ge­halt ge­si­chert. 1932 zog er in den Ei­fel­ort Kro­nen­burg (heu­te Ge­mein­de Dah­lem). Mit sei­nem Bü­ro ging er 1932 in die Kunst­aka­de­mie.

Fah­ren­kamp war an ei­nem star­ken Na­tio­nal­staat in­ter­es­siert, der reich­lich Auf­trä­ge er­tei­len konn­te. Er be­kann­te sich öf­fent­lich zu Adolf Hit­ler (1889-1945), konn­te aber mit na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Pa­ro­len, Uni­for­men und Gruß­for­meln nichts an­fan­gen. Fah­ren­kamp setz­te sich so lan­ge für be­droh­te Freun­de ein, wie er nicht selbst in Miss­kre­dit ge­riet. Er ge­hör­te dem Ro­ta­ry-Club Düs­sel­dorf als dem wich­tigs­tem ge­sell­schaft­li­chen Kreis in der Stadt an. In den spä­ten 1930er Jah­ren wur­de Fah­ren­kamp zum be­gehr­tes­ten Ar­chi­tek­ten im Wes­ten. Er be­tei­lig­te sich am Ber­li­ner Ge­sell­schafts­le­ben und wur­de von Her­mann Gö­ring (1893-1946) zum jähr­li­chen Opern­ball ein­ge­la­den.

Un­ab­hän­gig von der Re­gie­rungs­po­li­tik fand Fah­ren­kamp im­mer noch in­ter­na­tio­na­le Be­ach­tung. 1936 er­hielt er den Ruf als Lei­ter der Aka­de­mie in Is­tan­bul, den er aber ab­lehn­te. In der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wuchs vor al­lem sein Ein­fluss auf den Städ­te­bau und die Ar­chi­tek­tur. Durch die strom­li­ni­en­för­mi­ge Aus­rich­tung sei­ner Ar­beit, sei­ne Pro­fes­sio­na­li­tät und den ho­hen po­li­ti­schen Stel­len­wert der Ar­chi­tek­tur ge­noss er stets das Ver­trau­en ein­fluss­rei­cher Par­tei­funk­tio­nä­re. Er lei­te­te den Bau der Her­mann-Gö­ring-Meis­ter­schu­le für Ma­le­rei in Kro­nen­burg (Ei­fel) in den Jah­ren 1937-1939 und die dor­ti­ge Dorf­er­neue­rung. Der In­nen­aus­bau von Schloss Rhe­ydt in Mön­chen­glad­bach zum Gäs­te­haus 1940 ge­schah im Auf­trag von Jo­seph Go­eb­bels. Fah­ren­kamp ent­warf Bau­pro­jek­te für Un­ter­neh­men wie ­die Au­gust-Thys­sen-Hüt­te in Duis­burg, die I. G. Far­ben mit dem Bay­er-Atri­um in Wup­per­ta, die ­Phar­ma-Ver­wal­tung in Le­ver­ku­sen oder die Kai­ser's Kaf­fee­ge­schäft AG in Vier­sen.

Der Pla­nungs­auf­trag für die Düs­sel­dor­fer Aus­stel­lung "Schaf­fen­des Volk" 1937 mit ih­ren ver­schie­de­nen Bau­ten be­legt die Rol­le des be­vor­zug­ten Ar­chi­tekt der In­dus­trie. Fah­ren­kamp be­ein­fluss­te die Kon­zep­ti­on der Aus­stel­lung stark auf Kos­ten sei­nes vor­ge­setz­ten Aka­de­mie­di­rek­tors Pe­ter Grund (1892-1966). Der fol­gen­de Per­so­nal­wech­sel in der Aka­de­mie­lei­tung stand in ei­nem of­fen­sicht­lich en­gen Zu­sam­men­hang die­ses Macht­kamp­fes. Der ehr­gei­zi­ge Fah­ren­kamp be­an­trag­te 1937 die Mit­glied­schaft in der NS­DAP, die al­ler­dings nicht voll­zo­gen wur­de. 1937 schied Grund aus dem Amt. Mit Un­ter­stüt­zung füh­ren­der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten er­hielt Fah­ren­kamp so­fort die kom­mis­sa­ri­sche Lei­tung der Aka­de­mie und 1938 sei­ne end­gül­ti­ge Er­nen­nung zum Aka­de­mie­di­rek­tor. We­ni­ge Mo­na­te zu­vor hat­te ihn der Gau­lei­ter der NS­DAP in Düs­sel­dorf, Fried­rich Karl Flo­ri­an, zum Re­fe­ren­ten für Städ­te­bau­we­sen in sei­nem Stab er­nannt.

Der neue Aka­de­mie­di­rek­tor Fah­ren­kamp ging sei­ne Rol­le mit Schwung an: Ei­ne Aka­de­mie lei­ten hei­ßt: Dem Staa­te die­nen. Die ein­ge­führ­ten öf­fent­li­chen Jah­res­be­rich­te, die die Ar­beit, Zie­le und das Per­so­nal dar­stel­len, wa­ren Teil ei­ner sys­te­ma­ti­schen Öf­fent­lich­keits­ar­beit. Fah­ren­kamp setz­te neue Ak­zen­te in der Aka­de­mie, in­dem er die Schu­lung an Al­ten Meis­tern aus­rich­te­te, ei­ne pra­xis­ori­en­tier­te Ar­chi­tek­tur­aus­bil­dung rea­li­sier­te und die In­dus­trie zur För­de­rung der Aka­de­mie mit Stif­tun­gen be­weg­te. Mit ih­rer städ­te­bau­li­chen Be­ra­tungs­tä­tig­keit wirk­te die Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf auf kom­mu­na­le Pla­nungs­be­hör­den ein, was aber nicht durch­weg auf ei­ne po­si­ti­ve Re­so­nanz stieß. Die gi­gan­ti­schen Neu­ge­stal­tungs­pro­jek­te Adolf Hit­lers bo­ten Fah­ren­kamp die Chan­ce ei­nes deutsch­land­wei­ten Wir­kungs­krei­ses. Mit sei­ner Er­nen­nung zum "Be­auf­trag­ten für die Pla­nun­gen der Film­stadt Ba­bels­berg" (heu­te Stadt Pots­dam) er­hielt er 1940 ei­ne zen­tra­le Stel­lung. Au­ßer­dem führ­te Fah­ren­kamp zahl­rei­che Auf­trä­ge na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Funk­tio­nä­re aus. Der kirch­lich nicht in­ter­es­sier­te Fah­ren­kamp trat 1942 aus der evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che aus, was die kir­chen­feind­li­che na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Po­li­tik na­he leg­te. 1942 wur­de Fah­ren­kamp Eh­ren­mit­glied der Kunst­hoch­schu­le Wien.

Für Fah­ren­kamps Ar­chi­tek­tur­stil war der po­li­ti­sche Bruch 1933 nicht ent­schei­dend. Wich­ti­ger war sei­ne Neu­aus­rich­tung ab 1937/1938. Fah­ren­kamp in­te­grier­te die Trends der zeit­ge­nös­si­schen Stil­ent­wick­lung und be­hielt die tra­dier­ten Ge­stal­tungs­grund­sät­ze bei. Für mo­nu­men­ta­lis­ti­sche Re­prä­sen­ta­ti­ons­bau­ten mit ih­rem he­roi­schen Pa­thos setz­te er wei­ter­hin klas­si­zis­ti­sche Ele­men­te ein. Sei­ne Wohn­häu­ser nah­men ei­nen "eng­li­schen Land­haus­stil" an. Um 1943 kam Fah­ren­kamps Bau­tä­tig­keit zum Er­lie­gen. Ge­gen Kriegs­en­de wan­del­te sich sein Ver­hält­nis zum Staat in Sar­kas­mus. Noch 1944 er­hielt Fah­ren­kamp das Kriegs­ver­dienst­kreuz 2. Klas­se oh­ne Schwer­ter.

Der Bruch in Fah­ren­kamps Le­bens­lauf trat mit der Ka­pi­tu­la­ti­on der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur ein. Ein Vier­tel­jahr nach dem Kriegs­en­de 1945 stell­te er den An­trag auf Ent­bin­dung vom Amt des Aka­de­mie­di­rek­tors. Im Ja­nu­ar 1946 ver­such­te Fah­ren­kamp noch beim Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz sei­ne Pro­fes­sur zur ret­ten. Dies ge­lang ihm nicht, da die bri­ti­sche Be­sat­zung ihn aus­drück­lich ab­lehn­te und an­ord­ne­te, ihn zum 1.9.1946 zu ent­las­sen. Im deut­schen Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren wur­de er 1948 ent­las­tet. Zum 1.6.1948 ver­setz­te die Re­gie­rung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len Fah­ren­kamp in den end­gül­ti­gen Ru­he­stand. Dies war für ihn ei­ne nie über­wun­de­ne schwe­re Ent­täu­schung. Ver­bit­tert zog sich Fah­ren­kamp aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück. In sei­nen nun ent­ste­hen­den Bau­ent­wür­fen für die Wirt­schaft und Pri­vat­per­so­nen setz­te Fah­ren­kamp sei­ne bis­he­ri­gen Ge­stal­tungs­grund­sät­ze fort. Er be­trieb den Wie­der­auf­bau des Lu­xus­ho­tels "Brei­den­ba­cher Hof" in Düs­sel­dorf, kon­zi­pier­te das Ver­wal­tungs­ge­bäu­de für Klöck­ner in Duis­burg und bau­te bis 1965 Kauf­häu­ser und Vil­len.

Fah­ren­kamp hat­te ei­ne Dis­tanz zur mo­der­nen Ar­chi­tek­tur­be­we­gung. Sein Werk liegt nur be­dingt in der Ent­wick­lungs­li­nie der Mo­der­ne in Deutsch­land. Ge­gen­über dem Funk­tio­na­lis­mus wand­te er ein, dass er Bau­künst­ler sei.

Fah­ren­kamp starb am 24.5.1966 in Breit­scheid (heu­te Stadt Ra­tin­gen) als ei­ner der wich­tigs­ten Ar­chi­tek­ten der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts in Deutsch­land, des­sen In­dus­trie- und Wohn­bau­ten zahl­reich im Rhein­land ver­tre­ten sind. Der er­kenn­ba­re Schü­ler von Kreis be­wies mit sei­nem Stilp­lu­ra­lis­mus Viel­sei­tig­keit und An­pas­sungs­fä­hig­keit an den zeit­ge­nös­si­schen Ge­schmack und Be­darf. "Sein Le­ben und sein Werk, sei­ne Er­fol­ge in vier po­li­ti­schen Sys­te­men spie­geln ex­em­pla­risch die bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven Tra­di­tio­nen und Ver­stri­ckun­gen in der deut­schen Ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts wi­der" (Heu­ter 2002, S. 174).

Literatur

Busch, Wil­helm, Bau­ten der 20er Jah­re an Rhein und Ruhr. Ar­chi­tek­tur als Aus­drucks­mit­tel, Köln 1993.
Heu­ter, Chris­toph, Emil Fah­ren­kamp 1885-1966. Ar­chi­tekt im rhei­nisch-west­fä­li­schen In­dus­trie­ge­biet, Pe­ters­berg 2002, zu­gleich ­Dis­ser­ta­ti­on ­Uni­ver­si­tät Bonn 2000.
Ja­cob, Bri­git­te, Emil Fah­ren­kamp. Bau­ten und Pro­jek­te für Ber­lin, Ber­lin, Delft 2007.
Wie­ner, Jür­gen, Ei­ne deut­sche Ar­chi­tek­ten­kar­rie­re. An­mer­kun­gen zu Chris­toph Heu­ters Buch über Emil Fah­ren­kamp, in: Düs­sel­dor­fer Jahr­buch 75 (2004/2005), S. 443-458.

Werke

Quel­le: Heu­ter, Chris­toph, Emil Fah­ren­kamp 1885-1966. Ar­chi­tekt im rhei­nisch-west­fä­li­schen In­dus­trie­ge­biet, Pe­ters­berg 2002, S. 212-219.
Va­ge zu­ge­schrie­be­ne Pro­jek­te vgl. Quel­le, S. 219f. Nicht be­rück­sich­tigt wur­den ein­zel­ne Mö­bel, die kei­nem Ge­bäu­de zu­zu­ord­nen sind. Die Über­lie­fe­rung ist frag­men­ta­risch.

Bauten und städtebauliche Entwürfe

Pro­jek­te im Rhein­land in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge und nach Or­ten
1910/11 Düs­sel­dorf Ober­kas­sel Wohn­häu­ser Bel­sen-, Sa­li­er-, Wil­den­bruch­stra­ße
1911 (Le­ver­ku­sen-) Hit­dorf Rat­haus
1919 Düs­sel­dorf Is­rae­li­ti­scher Fried­hof Trau­er­hal­le Wett­be­werb Ent­wurf
1921 Düs­sel­dorf Bör­sen­ge­bäu­de Wett­be­werb 1. Preis
1922 Duis­burg Ruhr­ort Bü­ro­hoch­haus Rhei­ni­sche Stahl­wer­ke AG Wett­be­werb Ent­wurf
1922 Düs­sel­dorf Reis­holz Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Ei­sen­wer­ke Reis­holz Ent­wurf
1923 Düs­sel­dorf Haupt­ver­wal­tung, Woh­nun­gen, Hal­le Rhe­in­stahl-Han­dels GmbH Ent­wurf
1924 Aa­chen Bü­ro­hoch­haus "Loch­ner­haus" Ent­wurf und Roh­bau
1925 Düs­sel­dorf Evan­ge­li­sche Kir­che Ko­per­ni­kus­stra­ße Wett­be­werb Ent­wurf
1925 Düs­sel­dorf Rat­haus­neu­bau Wett­be­werb Ent­wurf mit Fritz Kunz 1. Preis
1925 Es­sen Ver­lag Th. Reis­mann-Gro­ne Fas­sa­de Ent­wurf Sach­sen­stra­ße
1926 Duis­burg Bahn­hofs­vor­platz Wett­be­werb Ent­wurf mit Ar­thur Bro­cke
1927 Köln Ho­tel Mo­no­pol-Me­tro­pol Um­bau u. In­nen­aus­ge­stal­tung
1927 Köln Ka­tho­li­sches Fort­bil­dungs­in­sti­tut Wett­be­werb 1. Wer­tung
1927 So­lin­gen Ober­ly­ze­um Wett­be­werb 1. Preis
1928 Düs­sel­dorf Au­gust-Thys­sen-Haus Wett­be­werb Ent­wurf
1928 Mül­heim a. d. R. Kauf­haus Othe­gra­ven Schloss­stra­ße
1928 Mül­heim a. d. R. Kir­che St. Ma­riae Ge­burt
1928 Mül­heim a. d. R. Sied­lung Spel­dorf
1929 (Wup­per­tal-) El­ber­feld Kauf­haus Mi­chel AG Ent­wurf mit Ge­org Schä­fer
1929 Mül­heim a. d. R. Forst­bach­tal DWB-Sied­lung Pla­nung, Wohn­häu­ser Ent­wür­fe
1930 Düs­sel­dorf Stadt­hal­le und Bü­ro­haus Ent­wurf
1932-1938 (Dah­lem-) Kro­nen­burg (Kreis Eus­kir­chen) Dorf­er­neue­rung, Her­mann-Gö­ring-Meis­ter­schu­le für Ma­le­rei, Häu­ser, Eh­ren­mal
1934 Stadt­kyll (Land­kreis Vul­kan­ei­fel) Krie­ger­eh­ren­mal
1937 (Mön­chen­glad­bach-) Rhe­ydt Städ­te­bau­li­che Neu­ge­stal­tung Pla­nung
1937 Düs­sel­dorf Aus­stel­lung "Schaf­fen­des Volk" künst­le­ri­sche Lei­tung, Hal­len, Fest­platz, Haupt­re­stau­rant, Kon­gress­saal und mehr
1937 Le­ver­ku­sen I. G. Far­ben (Bay­er) "Phar­ma"-Ta­blet­ten­fa­brik 1927, Bü­ro­haus u. Po­li­kli­nik, Kraft­werk mit Karl Hencky 1935
1937 Vier­sen (Kreis Vier­sen) Bahn­hofs­vor­platz Neu­ge­stal­tung Ent­wurf
1937-1939 Vier­sen (Kreis Vier­sen) Kai­ser’s Kaf­fee AG Ver­wal­tung, Sport­haus, Wohn­häu­ser, Kraft­werk
1938 Duis­burg Haupt­ver­wal­tung Au­gust-Thys­sen-Hüt­te

Ent­wurf
1938 Es­sen Eh­ren­mal "Blut­zeu­gen der Be­we­gung", ehem. Süd­fried­hof
1938 Gre­ven­broich (Rhein-Kreis Neuss) Schloss u. Um­ge­bung Stadt­ge­stal­tungs­plan
1938 So­lin­gen Stadt­mit­te "Adolf-Hit­ler-Platz", Alt­stadt­sa­nie­rung Ent­wurf mit Al­bert Den­ecke
1938 Wup­per­tal El­ber­feld I. G. Far­ben-Werk Fest- und Ver­samm­lungs­hal­le
1939 Xan­ten (Kreis We­sel) Her­mann-Gö­ring-Meis­ter­schu­le für Ma­le­rei
1940 (Mön­chen­glad­bach-) Rhe­ydt Schloss In­nen­ge­stal­tung Gäs­te­haus Jo­seph Go­eb­bels
1940 Er­krath (Kreis Mett­mann) Be­bau­ungs­plan mit der DAF Ent­wurf
1940 Gum­mers­bach (Ober­ber­gi­scher Kreis) Be­bau­ungs- u. Wirt­schafts­plan
1942 Düs­sel­dorf Rat­haus­neu­bau und Alt­stadt­um­ge­stal­tung Ent­wurf 1930 mit Al­bert Den­ecke und 1942, Gau­fo­rum
1945 Düs­sel­dorf Kunst­aka­de­mie Auf­sto­ckung Ent­wurf 1929, Wie­der­auf­bau Be­ra­tung
1946/48 Düs­sel­dorf Ho­tel Brei­den­ba­cher Hof Neu­ge­stal­tung 1926, Um­bau 1936, Wie­der­auf­bau und La­den­lo­ka­le, Um­bau 1957 
1947 Duis­burg Stadt­thea­ter Wie­der­auf­bau künst­le­ri­sche Be­ra­tung
1949 Duis­burg Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Klöck­ner & Co., Bü­ro­haus Pro­jekt 1960er
1950 Duis­burg Kauf­haus Hor­ten Fas­sa­de
1952 Duis­burg Hoch­haus Pro­jekt für Hel­mut Hor­ten
1952 Duis­burg Stadt­hal­le, Eu­ro­pa­haus, Aus­stel­lungs­fo­rum Pro­jekt "Der Duis­bur­ger Plan"
1952-1964 Ra­tin­gen (Kreis Mett­mann) Breit­scheid Ho­tel, Spar­kas­se u. Evan­ge­li­sches Ge­mein­de­haus, Hösel, Lin­torf Wohn­häu­ser
1953 Düs­sel­dorf Kauf­haus Peek & Clop­pen­burg
1954 Gel­dern (Kreis Kle­ve) Kauf­haus Hor­ten
1963 Köln Kauf­haus Kar­stadt Er­wei­te­rung, Zep­pe­lin­stra­ße u.a.
1965 Es­sen Kauf­haus Cra­mer & Meer­mann Fas­sa­de 

**Fah­ren­kamp als Preis­rich­ter in Ar­chi­tek­ten­wett­be­wer­ben im Rhein­lan­d **
1925 Köln Brü­cken­kopf­be­bau­ung Hän­ge­brü­cke
1927 (Es­sen-) Kett­wig Städ­te­bau­li­cher Wett­be­werb Sied­lung Am Bö­gels­knap­pen
1927 Es­sen Ver­wal­tung Sied­lungs­ver­band Ruhr­koh­len­be­zirk
1927 Mön­chen­glad­bach Müns­ter­turm
1927 Mül­heim a. d. R. Evan­ge­li­sches Ge­mein­de­haus und Pfarr­haus
1928 Düs­sel­dorf Heerdt Evan­ge­li­sches Ge­mein­de­haus
1935 Düs­sel­dorf 39er-Denk­mal
1938 Mön­chen­glad­bach Bes­te Häu­ser
1938 Neuss (Rhein-Kreis Neuss) Reu­schen­berg Sied­lungs­mit­te
1938 Wup­per­tal Ge­ne­ral­be­bau­ungs­plan Preis­rich­ter u. Gut­ach­ter
1941 Düs­sel­dorf Aus­stel­lungs­aus­schuss Ju­ry „Die schö­ne Stadt“
1948 Duis­burg Burg­platz
1949 Duis­burg Ruhr­ort Schif­fer­bör­se 

Be­deu­ten­de aus­ge­führ­te Bau­pro­jek­te au­ßer­halb des Rhein­lan­des
1921-1922 Ber­lin Neu­kölln Rhe­in­stahl-Han­dels GmbH Nie­der­las­sung
1928 E Bre­men At­lan­tic-Haus Um­bau
1929 As­co­na (Tes­sin, Schweiz) Ho­tel "Mon­te Ve­ri­ta"
1929-1930, 1934-1935 Ber­lin Wil­mers­dorf Deut­scher Ver­si­che­rungs­kon­zern (DVK) Ver­wal­tungs­ge­bäu­de
1930-1932 Ber­lin Tier­gar­ten Rhen­a­nia-Os­sag "Shell-Haus"
1938-1939 Marl (Kreis Reck­ling­hau­sen) Ze­che Au­gus­te Vik­to­ria I/II Kraft­werk
1939 Lié­ge (Bel­gi­en) In­ter­na­tio­na­le Was­ser­bau­aus­stel­lung "Deut­sches Haus"
1960-1961 Her­ne (West­fa­len) Kauf­haus Alt­hoff-Kar­stadt

Online

In­ter­na­tio­na­le Ar­chi­tek­tur Da­ten­bank, E­mil Fah­ren­kamp. [On­line]
Ar­chi­tek­ten­kam­mer Nord­rhein-West­fa­len, E­mil Fah­ren­kamp. [On­line]

Ehemaliges Kaufhaus Michel in Wuppertal, Foto: Daniel Jünger.

 
Zitationshinweis

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Weiß, Lothar, Emil Fahrenkamp, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/emil-fahrenkamp-/DE-2086/lido/57c6a958be4f37.70362007 (07.12.2018)