Willy Schneider

Volks- und Heimatsänger (1905-1989)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Willy Schneider, Porträtfoto. (Privatbesitz)

Wil­ly Schnei­der er­lang­te als „Sän­ger vom Rhein und Wein" na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Be­rühmt­heit. Sei­ne be­reits in der Wei­ma­rer Re­pu­blik und im „Drit­ten Reich" be­lieb­ten, oft­mals nach­denk­li­chen Lie­der mach­ten ihn auch in der Nach­kriegs­zeit zu ei­nem der er­folg­reichs­ten deut­schen In­ter­pre­ten und zu ei­nem Sym­pa­thie­trä­ger der jun­gen Bun­des­re­pu­blik im Aus­land. Sei­ne Po­pu­la­ri­tät blieb bis ins ho­he Al­ter un­ge­bro­chen.

Wil­ly Schnei­der wur­de am 5.9.1905 als Sohn der Ehe­leu­te Jo­seph und Ber­tha Schnei­der in Köln-Eh­ren­feld ge­bo­ren. Nach dem Be­such der Volks- und Mit­tel­schu­le ging er ab 1921 in der el­ter­li­chen Metz­ge­rei in die Leh­re. Als der Va­ter im Jahr 1927 starb, wur­de Schnei­der die Ver­ant­wor­tung für die Wei­ter­füh­rung des Be­trie­bes über­tra­gen. Ab 1928 be­such­te er die Prak­ti­sche Flei­scher-Schu­le Köln, wo er am 28.2.1929 die Prü­fun­gen zum Di­plom zur Her­stel­lung fei­ner Fleisch- und Wurst­wa­ren mit Aus­zeich­nung be­stand. Zu sei­nem Le­bens­in­halt soll­ten der er­lern­te Be­ruf und das vä­ter­li­che Er­be je­doch nicht wer­den. Viel­mehr er­öff­ne­ten sich ihm am En­de der 1920er Jah­re güns­ti­ge Per­spek­ti­ven zum Be­ginn ei­ner Ge­sangs­kar­rie­re, die ihn schlie­ß­lich da­zu ver­an­lass­ten, den Metz­ger­la­den in Eh­ren­feld zu ver­kau­fen.

Im Ge­gen­satz zu sei­nem äl­te­ren Bru­der Jo­sef, der sich als Sän­ger an der Bres­lau­er Oper ei­nen Na­men ma­chen soll­te, wur­de der nicht we­ni­ger ta­len­tier­te Wil­ly Schnei­der für den Rund­funk ent­deckt: Am 24.1.1930 fand er als Bas­sist un­ter 354 Be­wer­bern Auf­nah­me in den Kam­mer­chor des Reichs­sen­ders Köln, dem er bis 1937 an­ge­hör­te. Sei­ne ge­sang­li­che Aus­bil­dung er­hielt er bei den Köl­ner Kan­to­ren Her­mann Fleisch­mann und Cle­mens Glet­ten­berg (1898-1969).

Die so­lis­ti­schen Auf­trit­te in der vom Reichs­sen­der Köln aus­ge­strahl­ten Sen­dung „Der fro­he Sams­tag­nach­mit­tag" be­grün­de­ten zu Be­ginn der 1930er Jah­re Schnei­ders weit über das Rhein­land hin­aus­rei­chen­de Po­pu­la­ri­tät. Zeit­le­bens soll­te sich sein Re­per­toire auf sämt­li­che Fa­cet­ten der leich­ten Un­ter­hal­tungs­mu­sik er­stre­cken: Es um­fass­te un­ter an­de­rem Stim­mungs- und Lie­bes­lie­der, tra­di­tio­nel­le Volks­wei­sen und die Ope­ret­te. 1935 nahm Schnei­der sei­ne ers­te Schall­plat­te auf: Das „Schwal­ben­lied" wur­de mit 300.000 ver­kauf­ten Ton­trä­gern auch zu ei­nem gro­ßen kom­mer­zi­el­len Er­folg. Ers­te Tour­ne­en nach Bel­gi­en, Ru­mä­ni­en und in die Schweiz folg­ten. Mit dem von Ger­hard Jus­sen­ho­ven (1911-2006) kom­po­nier­ten und von Jupp Schlös­ser (1902-1983) ge­tex­te­ten Gas­sen­hau­er „Korn­blu­men­blau" (1937), der bis heu­te zu den be­kann­tes­ten Kar­ne­vals­lie­dern zählt, fes­tig­te Schnei­der sei­nen Ruf als Bot­schaf­ter rhei­ni­schen Froh­sinns. Ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit pfleg­te Schnei­der mit den Kom­po­nis­ten Ro­bert Stolz (1880-1975) und Leo Ko­wal­ski (1911-1984). Zu sei­nen be­kann­tes­ten Lie­dern die­ser Zeit zäh­len „Ger­da Ma­rie, nichts ist so süß, so gol­dig wie sie" (1935), „Auf der Hei­de blüh’n die letz­ten Ro­sen" (1937), „Das kannst du nicht ah­nen" (1937) und „Grün ist die Hei­de" (1938). Nach Aus­bruch des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­de Schnei­der wie an­de­re po­pu­lä­re Un­ter­hal­tungs­künst­ler in den Diens­te der Fron­t­un­ter­hal­tung ge­stellt und war in die­ser Zeit vor al­lem durch Volks- und Sol­da­ten­lie­der prä­sent. Zu ei­nem bis heu­te be­lieb­ten Ever­green avan­cier­te der im Ori­gi­nal von Wil­helm Stri­enz (1900-1987) ge­sun­ge­ne, aber auch von Schnei­der er­folg­reich in­ter­pre­tier­te Ti­tel „Hei­mat dei­ne Ster­ne" (1942).

Am 18.11.1947 hei­ra­te­te Wil­ly Schnei­der die aus Köln stam­men­de Han­ny Oss­len­der (1915-1996). Zeit­gleich konn­te er sei­ne Rund­funk­kar­rie­re beim NW­DR in Köln er­folg­reich wie­der­auf­neh­men. Gro­ßer Be­liebt­heit er­freu­ten sich so­wohl sei­ne ge­fühl­vol­len In­ter­pre­ta­tio­nen tra­di­tio­nel­ler Köl­ner Volks­lie­der, vor al­lem von Wil­li Os­ter­mann, aber auch neue­re Wer­ke wie der von Au­gust Schnor­ren­berg (1896-1973) kom­po­nier­te Ti­tel „Am Dom zo Köl­le, zo Köl­le am Rhing" an­läss­lich des 700-jäh­ri­gen Dom­ju­bi­lä­ums im Jahr 1947. Sie wirk­ten ei­ner­seits wie weh­mü­ti­ge Rück­bli­cke auf die Ver­gan­gen­heit der zer­bomb­ten rhei­ni­schen Me­tro­po­le, brach­ten an­de­rer­seits aber in­mit­ten der Trüm­mer­wüs­te auch den Mut und den Wil­len ih­rer Be­völ­ke­rung zum Neu­an­fang zum Aus­druck.

Mit sei­nen Lie­dern traf Schnei­der schlie­ß­lich auch in der ge­sam­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land den Nerv der Zeit: Hei­te­re Ti­tel wie „Wenn das Was­ser im Rhein gold’ner Wein wär" (1950) bil­de­ten da­bei nur ei­ne Sei­te sei­nes Re­per­toires. Es wa­ren auch hier vor al­lem nach­denk­li­che, gleich­zei­tig aber Op­ti­mis­mus ver­brei­ten­de Ti­tel wie „Schütt die Sor­gen in ein Gläs­chen Wein" (1952) und „Man müss­te noch mal zwan­zig sein" (1953), die ihn zu ei­nem der er­folg­reichs­ten Sän­ger der frü­hen 1950er Jah­re wer­den lie­ßen. 1960 er­hielt er sei­ne ers­te Gol­de­ne Schall­plat­te.

Von dem ho­hen An­se­hen, das Wil­ly Schnei­der auch im Aus­land ge­noss, zeu­gen nicht zu­letzt sei­ne welt­wei­ten Tour­ne­en, un­ter an­de­rem durch die USA in den Jah­ren 1961 und 1964. Sein Auf­trit­te im Ma­di­son Squa­re Gar­den und in der Car­ne­gie Hall in New York zäh­len zu den Glanz­lich­tern sei­ner Kar­rie­re. Un­ter dem Ti­tel „I re­mem­ber Ger­ma­ny" er­schien in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten auch ei­ne Lang­spiel­plat­te mit sei­nen Lie­dern in deut­scher Fas­sung.

In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten war Schnei­der durch zahl­rei­che Auf­trit­te in Sen­dun­gen wie „Im blau­en Bock", „Mu­sik ist Trumpf" oder „Me­lo­di­en für Mil­lio­nen" auch im Fern­se­hen prä­sent. En­de 1984 er­hielt er im Va­ti­kan ei­ne Pri­vat­au­di­enz bei Papst Jo­han­nes Paul II. (Pon­ti­fi­kat 1978-2005), wo­mit sich ein Le­bens­traum er­füll­te. Sei­nem Be­ruf ging Schnei­der bis in die letz­ten Le­bens­jah­re mit gro­ßer Dis­zi­plin nach. Mitt­ler­wei­le als ein Grand­sei­gneur des Volks­lie­des ge­ach­tet, nahm er im Al­ter von 82 Jah­ren sei­nen letz­ten Ti­tel „Ge­schenk­te Jah­re" (1988) auf, der als ei­ne Hom­mage an sei­ne Ehe­frau zu ver­ste­hen ist. Schnei­der galt zeit­le­bens als bo­den­stän­dig, pflicht­be­wusst und ver­läss­lich - Cha­rak­ter­zü­ge, die sei­nen Lie­dern zu­sätz­lich ein ho­hes Maß an Glaub­wür­dig­keit ver­lie­hen. Er selbst ur­teil­te über den Grund sei­nes Er­fol­ges: "Ich ha­be mir im­mer zu ei­gen ge­macht, was ich ge­sun­gen ha­be. Das war kei­ne Ma­sche! Bei al­len mei­nen Lie­dern bin ich mit dem Her­zen da­bei ge­we­sen."

Am 12.1.1989 starb Wil­ly Schnei­der in sei­ner Hei­mat­stadt Köln an den Fol­gen ei­nes Herz­in­fark­tes. Sein Grab be­fin­det sich auf dem Fried­hof im Stadt­teil Jun­kers­dorf, in dem das Ehe­paar Schnei­der seit 1956 leb­te. Wäh­rend sei­ner sich über sechs Jahr­zehn­te er­stre­cken­den Kar­rie­re be­sang Wil­ly Schnei­der cir­ca 800 Schall­plat­ten und ver­kauf­te über 18 Mil­lio­nen Ton­trä­ger. Er wur­de un­ter an­de­rem mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz Ers­ter Klas­se, der Os­ter­mann-Me­dail­le und dem Deut­schen Wein­kul­tur-Preis aus­ge­zeich­net. An der Stel­le sei­nes mitt­ler­wei­le ab­ge­ris­se­nen Wohn­hau­ses in Jun­kers­dorf er­in­nert ei­ne Ge­denk­pla­ket­te eben­so an ihn, wie der 2002 nach ihm be­nann­te „Wil­ly-Schnei­der-Weg". Auch ein Rhein­schiff trägt seit 1987 sei­nen Na­men.

Online

Wil­ly Schnei­der (Home­page mit aus­führ­li­cher Bio­gra­phie, Fo­to­gra­phi­en, Do­ku­men­ten so­wie Ton- und Film­ma­te­ri­al). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Willy Schneider, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/willy-schneider/DE-2086/lido/57c948aea16d41.32919276 (23.06.2018)