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Aegidius (gestorben 464), römischer Feldherr

Aegidius war einer der letzten römischen Feldherren, die in Gallien die Grenze gegen die heranrückenden Germanen verteidigten. Nach dem Zusammenbruch der Grenze und der Ermordung des Kaisers Maiorian (Regierungszeit 457-461) durch den Heermeister (1) deutsche Bezeichnung des römischen Magister equitum, militium, utriusque militiae, (2) stand an der Spitze des Deutschen Ordens in Livland, rangmäßig unter dem Landmeister, seit der Reformation unabhängig und seit 1525 Fürstenmeister; Heermeister hieß auch das Haupt der Ballei Brandenburg des Johanniterordens.  Ricimer (405-472), errichtete Aegidius einen de facto unabhängigen gallo-römischen Herrschaftsbereich, der sich noch unter Aegidius Sohn Syagrius (gestorben 486) bis 486 gegen die Franken behaupten konnte.

Aegidius entstammte dem vornehmen gallischen Geschlecht der Syagrier, das sich auf den Konsul Flavius Afranius Syagrius (350- nach 382) zurückführte.

Mit der Ermordung des weströmischen Heermeisters Aetius (390-454) im Jahre 454 brach die römische Abwehrlinie am Rhein nach jahrelangen Kämpfen endgültig zusammen. Nach dem Tode des Kaisers Avitus (Regierungszeit 455-456) 456 wurde Aegidius als Feldherr nach Nordgallien entsandt, wo er linksrheinische Römerstädte gegen ripuarische Franken verteidigte und mit seinen Truppen die nordgallische Grenze zum römischen Imperium sicherte. In Gallien gelang es Aegidius, die Westgoten und Burgunder in Schach zu halten und so zum letzten Mal die römische Herrschaft im gallischen Raum zu stabilisieren.

Weniger erfolgreich erwies sich Aegidius im Kampf gegen die Franken und in seinem Bemühen, die alte Rheingrenze wiederherzustellen. 456 griffen die ripuarischen Franken die von Aegidius verteidigte Stadt Köln an, die er aber gegen den an Zahl weit überlegenen Gegner nicht dauerhaft halten konnte. Als die Franken die Oberhand gewannen und viele Anhänger des Aegidius töteten, musste der Feldherr die Flucht antreten und Köln aufgeben. Im Sommer 457 führte Aegidius einige Feldzüge gegen die ripuarischen Franken in Köln durch, doch gelang es ihm nicht mehr, die Stadt zu entsetzen. Köln, einstmals Hauptstadt der Provinz Niedergermanien Auch Germania Inferior, 85/90 n. Chr. eingerichtete römische Provinz mit der Hauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensum (Köln). Umfasste Gebiete westlich des Rheins, in den Niederlanden und Belgien. , wurde nun zum Vorort eines fränkischen Gaues. Die Niederlage des Aegidius markiert somit das endgültige Ende römischer Herrschaftsansprüche im Rheinland.

Um die römische Militärmacht in Gallien zu stärken, arbeitete Aegidius auch mit dem salfränkischen König Childerich (gestorben 482), dem Vater Chlodwigs (466-511), zusammen. Mit dem neuen durch den römischen Heermeister Ricimer eingesetzten Kaiser Maiorian verband Aegidius eine enge Freundschaft, da beide zusammen in der Armee gedient hatten. Auf Befehl des Kaisers und mit Unterstützung der fränkischen Verbündeten brach Aegidius 458 nach Südgallien auf und eroberte das zuvor von den Burgundern besetzte Lyon zurück. Außerdem verteidigte er erfolgreich Arles, den Sitz der gallischen Präfektur, wo er jedoch von den westgotischen Truppen Theoderichs II. (gestorben 466) eingeschlossen wurde. Erst ein von Kaiser Maiorian geführtes Heer brachte 459 den endgültigen Sieg der römischen Truppen, die Westgoten mussten sich geschlagen geben und blieben FöderatenLateinisch (foedus = Vertrag), durch einen Vertrag gegenüber dem Römischen Reich zu Kriegsdienst verpflichtete Volksstämme. Im Gegenzug erkannte Rom die Souveränität und das Siedlungsgebiet des Stammes an. Darüber hinaus konnten die Föderaten durch Geldzahlungen oder Nahrungslieferungen noch enger an Rom gebunden werden.. Die Burgunder Germanischer Volksstamm, der sich während der Völkerwanderungszeit am Rhein niederließ und in der Gegend um Worms ein Königreich bildete. Nach Konflikten mit römischen Truppen wurde das Burgunderreich 437 von den Hunnen vernichtet (Vorbild für die Nibelungensage). 443 wurden die überlebenden Burgunder vom römischen Heermeister Aëtius als Föderaten im Gebiet des Genfer Sees und dem Tal der Rhône angesiedelt. Von hier aus expandierten die Burgunder und gründeten ein neues Reich. 451 besiegten burgundische und römische Truppen Hunnen und Ostgoten auf den Katalaunischen Feldern. Nach längeren Auseinandersetzungen unterlagen die Burgunder 532 den Franken, ihr Reich wurde in das Frankenreich eingegliedert.  durften die von ihnen eroberten Gebiete bis auf Lyon allerdings behalten.

Aufgrund seiner Erfolge im Kampf gegen die Westgoten und die Burgunder erhielt Aegidius daher 459 die Ernennung zum magister utriusque militiae per Gallias anstelle des bisherigen gallischen Heermeisters Agrippinus. Er bemühte sich in Gallien die römische Oberhoheit zu wahren, beziehungsweise wieder herzustellen. nach obenDie Niederlage Maiorians gegen den Vandalen Geiserich (389-477) 460, bei der die kaiserliche Flotte im Hafen von Cartagena vernichtend geschlagen wurde, untergrub das Ansehen des Kaisers, insbesondere, da sich Maiorian im Friedensvertrag mit den Vandalen große Gebiete in Africa abnehmen lassen musste. 461 wurde er bei seiner Rückkehr nach Italien durch Ricimer gefangen genommen und schließlich hingerichtet. Grund hierfür war wohl die zu eigenständige Politik des Kaisers, als Vorwand diente die misslungene Militäroperation gegen die Vandalen in Nordafrika. Als neuen Kaiser setzte Ricimer Libius Severus (Regierungszeit 461-465) ein, der als Schattenkaiser des Heermeisters regierte.

Nach der Ermordung Maiorians stellte sich Aegidius offen gegen Ricimer, da er dessen Justizmord an seinem Freund nicht hinnehmen wollte. Den von Ricimer zum Herrscher ernannten Libius Severus erkannte Aegidius nicht an und machte sogar Anstalten, dessen Regierung in Italien zu stürzen. Aegidius schloss erneut ein Bündnis mit dem Merowinger Fränkisches Königsgeschlecht, als dessen Stammvater der Salfranke Merowech gilt. Sein Enkel Chlodwig beendete 486 die spätrömische Herrschaft in Gallien und unterwarf in der Folge zahlreiche Kleinkönigreiche seiner Herrschaft. Die Reichsteilungen 511 und 561 sowie Familienfehden schwächten die Herrschaft der Merowinger. Nach dem Tod Dagoberts I. 638/639 ging die Macht endgültig an deren Hausmeier über. Die Absetzung König Childerichs III. 751 durch Pippin den Jüngeren (714/715-768) bedeutete das Ende der merowingischen Herrschaft und den Aufstieg der Karolinger. Childerich, dem König der salischen Franken, dessen Krieger ihn nach Italien begleiten sollten. Auch Geiserich und die Vandalen forderte er zum Krieg gegen Ricimer und Libius Severus auf. Sein Vorhaben scheiterte jedoch, da die Westgoten 462 Narbonne besetzten und die Thronfolge Libius Severus’ anerkannten. Mit Unterstützung Ricimers gelang es Theoderich II. und den Westgoten, Aegidius aus Südgallien zu verdrängen, der bis zur Loire zurück weichen musste.

Zusammen mit den fränkischen Verbündeten und seinen eigenen Soldaten führte Aegidius Krieg gegen die Goten und siegte schließlich 463 bei Orléans, woraufhin sich die Westgoten zurückziehen mussten. Unterdessen entsandten Libius Severus und Ricimer den früheren gallischen Heermeister Agrippinus, als Aegidius Nachfolger nach Gallien und enthoben diesen seines Amtes. Aegidius weigerte sich jedoch zurück zu treten und zog sich nach Nordgallien zurück, wo es ihm mit Hilfe der salischen Franken gelang, in der Region um Soissons eine gallo-römische Herrschaft zu errichten, zumal er auch weiterhin die Befehlsgewalt über große Teile des verbliebenen römischen Heeres in Gallien ausübte.

Ein Vierteljahrhundert gelang es Aegidius und seinem Sohn Syagrius sich mit Franken, Bretonen sowie Sachsen und Alanen an der Loire zu arrangieren. Aegidius hatte nach dem weströmischen Thronwechsel von 461 zwar mit Ravenna, wo Ricimer das Regiment führte, gebrochen, doch usurpierte er, im Gegensatz zu früheren Generationen, nicht den Kaisertitel. Spätere Generationen sahen in Aegidius und seinem Sohn Syagrius Könige der Römer. Gregor von Tours (538-594) berichtet sogar, Aegidius habe eine zeitlang als Frankenkönig regiert.

Um Ricimer endgültig aus Italien zu vertreiben, beabsichtigte Aegidius die Hilfe der Vandalen in Anspruch zu nehmen und nahm im Frühjahr 464 erneut Verbindung zu Geiserich auf. Seine Pläne konnte er jedoch nicht mehr verwirklichen, da er im Herbst 464 plötzlich verstarb. Er hinterließ das Gebiet nördlich der Seine mit der Hauptstadt Soissons seinem Sohn Syagrius als de facto eigene Herrschaft. Noch bis 486 sollte es Syagrius gelingen, seinen Herrschaftsbereich gegen die Expansionspolitik der Franken unter Chlodwig zu sichern.

 

Literatur

MacGeorge, Penny, Late Roman Warlords, Oxford 2002.

Martin, Jochen, Spätantike und Völkerwanderung, München 2001.

Pohl, Walter, Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration, Stuttgart / Berlin / Köln 2005.

Rosen, Klaus, Die Völkerwanderung, München 2003.

30.9.2010
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Jennifer Striewski (Bonn)