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Jan Baegert (Meister von Cappenberg) (um 1465-um 1535), Maler

Jan Baegert zählt zu den bedeutendsten Malern des niederrheinisch-westfälischen Raums in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts.

Baegert, in Wesel als Sohn des westfälisch-niederrheinischen Malers Derick Baegert geboren, wurde lange Zeit in der Forschung mit dem Notnamen „Meister von Cappenberg" belegt – abgeleitet von dem für die ehemalige Klosterkirche St. Johannes zu Cappenberg bei Lünen/Westfalen geschaffenen Triptychon Griechisch, dreiteiliges Altarbild, bestehend aus Mitteltafel und zwei Seitenflügeln. , dessen Programm von der Geburt Christi bis zur Marienkrönung reicht. Während der Lehrzeit bei seinem Vater wird er vermutlich in den 1480er Jahren auch die Niederlande bereist haben. 1492 wird er als Meister in den Rechnungsbüchern der Liebfrauenbruderschaft in Kalkar genannt; in Wesel ist er seit 1495 auch mit eigenem Haushalt im Mathena-Viertel nachweisbar.

Seinem Frühwerk (um 1490-1510) zugehörig ist die Tafel „Anna Selbdritt mit den Heiligen Judas Thaddäus und Jakobus d.Ä. und einem Kartäuser als Stifter" (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster), die noch gewisse Schwächen in den Körperproportionen der Bildfiguren offenbart. Die so genannte Clemens-Hospital-Folge (Stadtmuseum Münster), die lange Zeit im Münsteraner Clemens-Hospital aufbewahrt worden ist, setzt sich aus zwei Altarflügeln mit 16 Szenen aus dem Marienleben und der Passion Jesu Christi zusammen.

Baegerts Bildfiguren sind häufig einem Gesichtstypus mit hoher Stirn, weit auseinander stehenden Augen und einer kurzen Nase-Mund-Partie mit kleinem Kinn verpflichtet. Zeichnet sich sein Frühwerk durch eine sehr ausgewogene, strenge Symmetrie und Verteilung weniger Akzente aus, so gewinnt in seiner mittleren Schaffensphase (um 1510-1524) der Landschaftsraum eine größere Bedeutung. Beispielhaft für diese Phase, die auch durch eine zunehmende Plastizität der Figuren bestimmt wird, sind die Tafel „Anbetung der Heiligen Drei Könige" (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte , Münster), das schon genannte Cappenberger Triptychon sowie die Flügel des Antonius-Altarretabels im Xantener Dom. Der Schrein des Antonius-Retabels, der mit seinen geschnitzten Heiligenfiguren unter aufwendig gestalteten Baldachinen von einem Schüler des Bildhauers Dries Holthuys (vor 1480-nach 1528) geschaffen wurde, wird von zwei großen Flügeln mit Auszug flankiert, auf denen Baegert in mehreren Szenen die Geschichte des Heiligen Antonius visualisiert. Die Flügelaußenseiten sind Tafeln mit den Heiligen Antonius Abas, Thomas, Maria Magdalena, Dionysius, Viktor und Helena vorbehalten.

In seinem Spätwerk (um 1524-1535) nehmen – bedingt durch reiche RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte.-Dekorationen und eine klare Komposition – Monumentalität und Repräsentation zu. Beispielhaft hierfür stehen die beiden Flügel des ehemaligen Annen-Altarretabels von 1524 im Xantener Dom.

Baegert blieb in der eigenständigen Bilderfindung schwach, verstand es aber, vielfältige Anregungen aus den Arbeiten seines Vaters und aus der zeitgenössischen Graphik und anderen Quellen aufzunehmen. Nach den erhaltenen Werken zu urteilen, konzentrierte er sich auf religiöse Themen, obwohl ihm auch autonome Portraits und Landschaftsbilder möglich gewesen wären.

 

Literatur

Appuhn, Horst, Jan Baegert, Der Meister von Cappenberg, Katalog des Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund, Dortmund 1972.

Jászai, Geza, Baegert, Jan, in: Allgemeines Künstlerlexikon, Band 6, 1992, S. 233-234.

Marenk, Gisela (Red.), Jan Baegert. Die Heilige Sippe, Katalog des Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Dortmund 2009.

Martens, Didier/Mund, Hélène, Un fragment inédit de Jan Baegert. Analyse stylistique, iconographique et typologique, in: Jaarboek Koninklijk Museum voor Schone Kunsten 1997, S. 9-43.

Roelen, Martin Wilhelm, Der Weseler Maler Jan Baegert, in: Mitteilungen der Historischen Vereinigung Wesel 126 (2008), S. 5-8; 127 (2009), S. 2-5.

Tschira van Oyen, Gundula, Ein Fund aus dem Spätwerk von Jan Baegert, in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 77 (1999), S. 470-489.

 

30.9.2010
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Ulrike Wolff-Thomsen (Kiel) 
 

       
 

       
 
 Triptychon des Jan Baegert (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 243KB)

Triptychon des Jan Baegert, um 1501/1515, Original im Museum und Archiv Cappenberg, Foto: Michael Jeiter. (Bildarchiv Foto Marburg)

 Triptychon des Jan Baegert, die Geburt Christi (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 171KB)

Triptychon des Jan Baegert, Geburt Christi, um 1501/1515, Original im Museum und Archiv Cappenberg, Foto: Michael Jeiter. (Bildarchiv Foto Marburg)