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Dietrich IV./VI. (um 1187/1196-1260), Graf von Kleve (1203/1208-1260)

Die lange Regierungszeit Dietrichs IV./VI. von Kleve wurde durch den andauernden Konflikt mit den Kölner Erzbischöfen und die Gründung der ältesten klevischen Städte geprägt.

Dietrich von Kleve wurde wohl zwischen 1187 und 1196 als Sohn Graf Dietrichs III./V. von Kleve (circa 1160/1170 geboren, Regierungszeit 1172-1200/1202) und der Margaretha von Holland (gestorben nach 1203) geboren; ob er Geschwister hatte, ist nicht bekannt. In den Quellen begegnet er erstmals 1202 als puer de Clive; zu diesem Zeitpunkt war sein Vater bereits verstorben. Als Vormund Dietrichs trat sein Onkel, Graf Dietrich von Holland (Regierungszeit 1190-1203), auf. Spätestens 1208 war Dietrich mündig und hatte die selbständige Regierung in der Grafschaft Kleve angetreten.

Der Name der ersten Frau Graf Dietrichs, die um 1224 starb, ist nicht bekannt. Sie hatte den um 1214/1215 geborenen Sohn Dietrich primogenitus (gestorben 1245) und die Tochter Margaretha (gestorben 1251), die spätere Frau Graf Ottos II. von Geldern (geboren um 1215, Regierungszeit 1229-1271), zur Welt gebracht. In zweiter Ehe heiratete der Klever Graf um 1226 Hedwig von Meißen (gestorben 1249/1250), mit der er die Kinder Dietrich (V./VII.), den späteren Nachfolger als Graf von Kleve, Dietrich Luf (I.) (um 1228-1277) sowie die Töchter Jutta (gestorben 1275/1276), die den Herzog von Limburg heiratete, und Agnes (gestorben wahrscheinlich 1285) hatte.

Über die Frühzeit der Regierung Graf Dietrichs ist wenig bekannt. Gegenüber dem 1216 auf den Kölner ErzstuhlBezeichnung für das Amt des Erzbischofs. gelangten Engelbert von Berg schlug er bald einen Konfrontationskurs ein. Bereits 1216 und wohl erneut 1218 unterstützte der Klever Graf den Jungherzog von Limburg in seinen Fehden gegen Engelbert. Bis 1220 gelang es dem Kölner Erzbischof jedoch, Graf Dietrich zur Anerkennung seiner herzoglichen Vormachtstellung zu zwingen. Nach der Ermordung Engelberts von Berg 1225 wurde der Klever der Mittäterschaft angeklagt, schließlich jedoch durch König Heinrich (VII.) (Regierungzeit 1220-1235, gestorben 1242) von diesem Vorwurf freigesprochen. Überhaupt pflegte Dietrich enge Beziehungen zu den Staufern. 1229 begegnet er erstmals im Besitz des Zolls von Nimwegen, den er möglicherweise durch Kaiser Friedrich II. (Regierungszeit 1196-1246/1250) erhalten hatte.

Unter Engelberts Nachfolger Heinrich von Müllenark brach der klevisch-kölnische Konflikt erneut aus. Zur Absicherung der nördlichen Außenposten des Kölner Erzstifts gegen den Grafen von Kleve verlieh Erzbischof Heinrich 1228 Rees und Xanten sowie 1233 Rheinberg das Stadtrecht. Durch die Einrichtung der „Kleinen Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. “ über Xanten wurde die Stadt von der Vogteigewalt Graf Dietrichs ausgenommen. Um nicht hinter der Entwicklung in den benachbarten Territorien zurückzubleiben – auch in Geldern wurden nun zahlreiche Orte mit Stadtprivilegien bedacht – und der Abwanderung klevischer Eigenleute entgegenzuwirken, musste Kleve ebenfalls Städtepolitik betreiben. 1230 erhielt der Graf vom Erzbischof, mit dem er sich wegen dessen herzoglicher Machtstellung verständigen musste, die Erlaubnis, auf der Insel Kalkar eine Stadt zu errichten. Ein gutes Jahrzehnt später trat die klevische Städtepolitik in eine neue Phase: 1241 verlieh Junggraf Dietrich primogenitus dem am Rhein gelegenen Marktort Wesel das Stadtrecht. 1242 privilegierte Graf Dietrich die bei der Burg Kleve planmäßig angelegte gleichnamige Stadt und wohl auch die Neugründung Kalkar; 1250/1255 folgte Grieth. Für die Ausbildung und Festigung des Klever Territoriums, das 1251 erstmals terra genannt wird, war diese erste Städtegründungsphase der entscheidende Schritt.

Wichtig waren für Kleve die engen Verbindungen mit den Herzögen von Brabant, die währe89nd des 13. Jahrhunderts ebenfalls häufig mit den Kölner Erzbischöfen in Fehde Privatkrieg zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen. lagen. 1233 wurde die Heirat des Klever Grafensohns Dietrich primogenitus mit der Herzogstochter Elisabeth von Brabant (gestorben 1273) vereinbart. Weitgehend friedlich waren auch die klevisch-geldrischen Beziehungen, wenngleich Graf Dietrich anerkennen musste, dass sich sein Schwiegersohn Otto von Geldern stets in der stärkeren Position befand. So fiel die Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. Nimwegen 1247 als Pfand an Geldern, obwohl auch der Klever Graf sie gerne in seinen Besitz gebracht hätte.nach obenDer Konflikt Kleves mit demKölner Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr. steigerte sich unter Erzbischof Konrad von Hochstaden erneut. 1238 hatte Graf Dietrich die kölnische Burg Aspel bei Rees zerstören lassen und den Konflikt damit wieder aufgeheizt. Für die Jahre 1243, 1244 und 1246 sind kriegerische Auseinandersetzungen belegt. Zur Festigung ihrer jeweiligen territorialen Basis bedienten sich beide Seiten der Städtepolitik; parallel zu den Neugründungen beziehungsweise Privilegierungen Dietrichs förderte der Erzbischof die jungen kölnischen Städte am Niederrhein und bemühte sich um die Beilegung innerstädtischer Konflikte. Nachdem sich die Fehden zwischen den Parteien jahrelang hingezogen hatten, bedrohte Konrad von Hochstaden Dietrich von Kleve 1246 mit Bann und Interdikt, woraufhin dieser sich im folgenden Jahr offensichtlich unterwarf. Bis zu seinem Lebensende verhielt sich der Klever Graf Konrad gegenüber friedlich. Das Durchsetzungsvermögen des Erzbischofs zeigt sich beispielsweise an der Gründung der Stadt Dorsten 1251 auf Xantener Vogteigut Bezeichnung für den Sitz und das Verwaltungsgebiet eines Vogts , der Dietrich als zuständiger Vogt (1) Bezeichnung für einen Rechtsvertreter kirchlicher Institutionen,  (2) Bezeichnung für einen landesherrlichen Verwaltungsbeamten von Reichsgütern zustimmen musste. Gleichzeitig honorierte Konrad von Hochstaden die Kooperation des Klever Grafen; so gab er kurz vor Dietrichs Tod die Erlaubnis, die Burg Monterberg bei Kalkar wiederzuerrichten, die für die Zeit bis um 1340 zum wichtigsten Sitz der Klever Grafen wurde.

In seinen letzten Lebensjahren gestand Dietrich seinen noch lebenden Söhnen Dietrich (V./VII.) und Dietrich Luf (I.) großen Einfluss auf die Regierung der Grafschaft zu und nahm 1255 eine Erbteilung vor. Graf Dietrich IV./VI. von Kleve starb wahrscheinlich am 24.5.1260; sein Begräbnisort ist nicht bekannt, wahrscheinlich handelt es sich aber um das Kloster Bedburg (heute Gemeinde Bedburg-Hau).


Quellen

Ilgen, Theodor, Quellen zur inneren Geschichte der rheinischen Territorien, 2 Bände in 3 Teilen, Bonn 1921-1925, Nachdruck Düsseldorf 1978.

Flink, Klaus (Hg.), Klevische Städteprivilegien (1241-1609), Kleve 1989.

Schleidgen, Wolf-Rüdiger, Kleve-Mark Urkunden 1223-1368. Regesten des Bestandes Kleve-Mark im nordrhein-westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf, Siegburg 1983.

Schleidgen, Wolf-Rüdiger, Das Kopiar der Grafen von Kleve, Kleve 1986.


Literatur

Janssen, Wilhelm, Die Entwicklung des Territoriums Kleve (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande V/11-12), Bonn 2007.

Kastner, Dieter, Die Territorialpolitik der Grafen von Kleve, Düsseldorf 1972.

Kraus, Thomas R., Studien zur Frühgeschichte der Grafen von Kleve und der Entstehung der klevischen Landesherrschaft, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 46 (1982), S. 1-47.

Lieven, Jens, Adel, Herrschaft und Memoria. Studien zur Erinnerungskultur der Grafen von Kleve und Geldern im Hochmittelalter (1020 bis 1250), Bielefeld 2008.

Werd, Guido de (Redaktion), Land im Mittelpunkt der Mächte. Die Herzogtümer Jülich –Kleve – Berg, Kleve 1984.

 

Online

Weber, Dieter, Artikel „Kleve, Grafen von“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980) S. 58-59.

 

9.10.2012
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Manuel Hagemann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Siegel Dietrich IV./VI. von Kleve (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 112KB)

Siegel Dietrichs IV./VI. von Kleve, 1255. Bild: Ritter auf galoppierendem Pferd mit gezogenem Schwert in der Rechten und Kampfschild am linken Arm. Auf dem Schild als Wappenbild von Kleve ein Schildchen. Ursprüngliche Umschrift: + S(igillum) TEODERIC(i) DIE GRACIA … DE [C]LIVE. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

 Rückseite des Siegels (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 124KB)

Rückseite des Siegels Dietrichs IV./VI. von Kleve, 1255.(Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)