Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Bildleiste
  
Navigationslinks überspringenStartseite  |  Persönlichkeiten  |  D  |  Dietrich V. von Kleve

Dietrich V./VII. (um 1226-1275), Graf von Kleve (1260-1275)

Die Amtszeit dieses Klever Grafen wurde stark durch den Einfluss des Kölner Erzbischofs und von zunehmenden Bemühungen um den inneren Landesausbau seiner Grafschaft geprägt. Außerdem setzte er die von seinem Vater begonnene Städtegründungspolitik fort.

Dietrich von Kleve wurde um 1226 als ältester Sohn aus der zweiten Ehe Graf Dietrichs IV./VI. von Kleve mit Hedwig von Meißen (gestorben 1250) geboren. Aus der ersten Ehe des Vaters stammten die älteren Halbgeschwister Dietrich primogenitus (um 1214/1215-1245) und Margaretha (gestorben 1251), die Ehefrau des Grafen Otto II. von Geldern (Regierungszeit 1229-1271). Erstmals urkundlich erwähnt wird Dietrich 1242, als er anlässlich der Verleihung des Stadtprivilegs an Kleve durch seinen Vater als Zeuge auftrat. In Anlehnung an die Herkunft seiner Mutter erhielt der junge Dietrich den Beinamen „von Meißen“.

Durch den frühen Tod seines Halbbruders Dietrich primogenitus 1245 rückte Dietrich an die Stelle des zukünftigen Grafen von Kleve. 1255 nahm der alte Klever Graf eine Erbteilung unter seinen verbliebenen Söhnen vor, nach der Dietrich V./VII. das Klever Kerngebiet um Kleve und Kalkar und die südlichen Besitzungen erhielt, sein jüngerer Bruder Dietrich Luf hingegen die rechtsrheinischen Gebiete um Wesel und verschiedene Außenbesitzungen. 1257 heiratete Dietrich V./VII. Aleidis von Heinsberg (gestorben nach 1303), mit der er mindestens sechs Kinder hatte, darunter den Nachfolger Dietrich VI./VIII. und Dietrich Luf (II.), Graf von Hülchrath (um 1260-wohl 1308/1309). Als Mitgift brachte Aleidis die Grafschaft Hülchrath aus dem Erbe der Grafen von Sayn mit in die Ehe. Da diese Güter Lehen des Kölner Erzbischofs waren, geriet Dietrich stark in dessen Abhängigkeit.

Nach dem Tod des Vaters 1260 folgte Dietrich V./VII. als Graf von Kleve. In den 1262 ausbrechenden Kämpfen zwischen dem Kölner Erzbischof Engelbert II. von Valkenburg und der Stadt Köln gehörte der Klever Graf der erzbischöflichen Partei an; an den folgenden Schiedsverhandlungen war er aktiv beteiligt. Eine Belagerung Kölns brach der Klever Graf im September 1265 gegen den Willen des Erzbischofs ab. Der Kölner Stadtschreiber Gottfried Hagen macht hierfür einen Traum des Grafen verantwortlich, in dem ihm die Heilige Ursula als Schutzherrin der Stadt erschienen sei. Ob er nach einer verlorenen Schlacht bei Zülpich im Jahr 1267 gemeinsam mit dem Kölner Erzbischof in die Gefangenschaft des Grafen von Jülich geriet, ist nicht sicher. 1268 beteiligte sich Dietrich an den Planungen, die Stadt Köln durch ein unter der Stadtmauer gegrabenes Loch zu überrumpeln. Die Gefangennahme oder gar Tötung in der Schlacht an der Ulrepforte blieb dem Klever Grafen erspart, weil er – wie wiederum Gottfried Hagen erzählt – auf halbem Wege umkehrte und seine Vasallen alleine nach Köln ziehen ließ.

Über verschiedene Konflikte, in die Graf Dietrich verwickelt war, ist nur wenig bekannt. So erfolgte 1266 ein Friedensschluss mit dem Grafen von Geldern, gegen den Dietrich Krieg geführt hatte. 1270 lag er im Streit mit seinem Bruder Dietrich Luf. In Holland und Utrecht soll er an langwierigen Fehden beteiligt gewesen sein.nach oben1273 verlieh Dietrich V./VII. Dinslaken das Stadtrecht und knüpfte damit an die von seinem Vater begonnene Städtegründungspolitik an. Schon zuvor muss er der Stadt Kalkar ein neues Stadtrechtsprivileg verliehen haben; Kalkar lag in der Nähe der bevorzugten klevischen Landesburg Monterberg und sollte offensichtlich gezielt zu einem zentralen Ort der Grafschaft ausgebaut werden. Die bruchrechtlichen Bestimmungen dieses Privilegs deuten auf die Binnenkolonisation Landgewinnung und Besiedlung durch Kultivierung bisher ungenutzter und unzugänglicher Flächen. Die geldrisch-klevischen Binnenkolonisation von Mitte 13. bis Mitte 14. Jahrhundert war die bei weitem bedeutendste Landgewinnungsaktion in den Niederrheinlanden zwischen der frühmittelalterlichen Rodungsphase und den Kultivierungsmaßnahmen des 19. Jahrhunderts. Dabei wurden vor allem Bruchgebiete im Hinterland von Rhein und Maas trocken gelegt und urbar gemacht. Plan und Anlage der Entwässerungsarbeiten erfolgten nach holländischem Muster. am unteren Niederrhein hin, die um 1270 in größerem Umfang einsetzte. Dietrich V./VII. hat auch Büderich (heute Stadt Wesel) und Orsoy (heute Stadt Rheinberg) zu Städten erhoben, vielleicht auch das heute niederländische Huissen.

Eine Gesamtbewertung der Regierungszeit Graf Dietrichs V./VII. von Kleve muss zwiespältig ausfallen. Politisch blieb Dietrich eher schwach, da er unter starkem Einfluss des Kölner Erzbischofs stand und die klevischen Rechte und Besitzungen unter ihm und seinem Bruder Dietrich Luf aufgesplittert waren. Abgesehen von der durch Heirat an Kleve gefallenen Grafschaft Hülchrath gelangen keine größeren Erwerbungen, allerdings traten auch keine Verluste ein. Der innere Landesausbau durch Städtegründungen und Bruchkolonisation schuf hingegen die Basis, auf der den Nachfolgern die Festigung des Klever Territoriums gelingen sollte.

Graf Dietrich starb wohl im September 1275 und wurde im Stift Wissel begraben.


Quellen

Flink, Klaus (Hg.), Klevische Städteprivilegien (1241-1609), Kleve 1989.

Flink, Klaus (Bearb. und Hg.), Das Stadtrecht von Kalkar, Kleve 1993.

Ilgen, Theodor, Quellen zur inneren Geschichte der rheinischen Territorien, 2 Bände in 3 Teilen, Bonn 1921-1925.

Schleidgen, Wolf-Rüdiger, Kleve-Mark Urkunden 1223-1368. Regesten des Bestandes Kleve-Mark im nordrhein-westfälischen Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf, Siegburg 1983.

Schleidgen, Wolf-Rüdiger, Das Kopiar der Grafen von Kleve, Kleve 1986.

 

Literatur

Diederich, Toni, Rheinische Städtesiegel, Neuss 1984, S. 203-206, 308-310.

Janssen, Wilhelm, Die Entwicklung des Territoriums Kleve (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande V/11-12), Bonn 2007.

Kastner, Dieter, Die Territorialpolitik der Grafen von Kleve, Düsseldorf 1972.

Werd, Guido de (Red.), Land im Mittelpunkt der Mächte. Die Herzogtümer Jülich–Kleve–Berg, Kleve 1984.


 

9.10.2012

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

 



Manuel  Hagemann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Siegel Dietrichs V./VII. (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 718KB)

Siegel Dietrichs V./VII., 1270. Das  Bild zeigt einen Ritter auf galoppierendem Pferd mit gezogenem Schwert in der Rechten und Schild am linken Arm. Auf dem Schild ist die Lilienhaspel von Kleve erkennbar. Das Pferd ist mit einer Decke geschmückt. Umschrift: + SIGILLV[M] · THEODERICI · COMITIS · CLE[VE]NSIS.(Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)

 Siegel Dietrichs V./VII. von Kleve (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 670KB)

Rückseite des Siegels Dietrichs V./VII. von Kleve, 1270. (Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)