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Georg Friedrich Dasbach (1846–1907), katholischer Priester, Verleger, Politiker

Georg Friedrich Dasbach war Priester, wirkungsmächtiger Publizist und Politiker. Seine sozialpolitischen und verlegerischen Tätigkeiten ließen ihn über die Grenzen des Bistums Trier bekannt werden und brachten ihm den Ruf eines kompromisslosen Verfechters der Rechte der Kirche und des „kleinen Mannes“ ein. Er hat als einer der wichtigsten Vertreter des sozialen und politischen Katholizismus in Deutschland zu gelten.

Georg Friedrich Dasbach, Porträtfoto (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 31KB)
Georg Friedrich Dasbach, Porträtfoto, undatiert.

Georg Friedrich Dasbach wurde am 9.12.1846 als Sohn des Bäckers, Kaufmanns und Gastwirts Ludwig Friedrich Dasbach (gestorben 1851) und seiner Ehefrau Katharina Veronika, geborene Gassen, in Horhausen im Westerwald geboren. Nach Privatunterricht besuchte er das humanistische Gymnasium Petrinum in Brilon und wechselte als Unterprimaner auf das Jesuiten-Gymnasium in Trier (seit 1896 Friedrich-Wilhelm-Gymnasium). Nach dem frühen Tod des Vaters – er starb mit 31 Jahren – übernahm der Patenonkel Georg Dasbach die Vormundschaft. Nach dem Abitur, das der erst 17-Jährige 1864 mit Bestnoten bestand, studierte er am Trierer Priesterseminar Theologie und Philosophie. 1866 wurde er von Bischof Leopold Pelldram zum Studium nach Rom (Collegium Germanicum et Hungaricum) geschickt. In Rom erhielt er am 31.5.1870 die Weihe zum Subdiakon und die zum Diakon am 17.12.1870 in Trier, wohin er krankheitsbedingt zurückgekehrt war. Seine Gesuche, das Studium in Rom fortsetzen zu dürfen, wurden insbesondere mit dem Blick auf die außenpolitisch angespannte Situation (Deutsch-Französischer Krieg) abgelehnt.

Nach der Priesterweihe am 24.3.1871 durch Bischof Matthias Eberhard in Trier wurde Dasbach eine Stelle als Kaplan in der Trierer Pfarrei St. Gervasius zugewiesen, die er bis zum Lebensende inne hatte. Zeitlich fiel der Antritt mit dem ausbrechenden Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts.  zusammen; das prägte den jungen Geistlichen und seinen Lebensweg entscheidend mit. Dass seine verlegerischen und sozialpolitischen Leistungen heute weitgehend vergessen sind, liegt nach Karl Josef Rivinius darin begründet, dass Dasbach „nach dessen Ende nicht fähig bzw. nicht willens war, in einer Zeit der sich anbahnenden Versöhnung zwischen Kirche und Staat in diesem Geist aktiv mitzuarbeiten“(1).

Es verwundert also nicht, dass Dasbach im Rahmen seiner in Rom gemachten Erfahrungen – darunter dem Ersten Vatikanischen Konzil – zu den Geistlichen gehörte, die sich früh gegen die kirchenpolitischen Eingriffe des Staates zur Wehr setzten. Einen ersten Anlass gab das Verbot des Jesuitenordens im Jahre 1872. In den weiteren Protesten gegen den Kanzelparagraphen und die Aufhebung der kirchlichen Schulaufsicht kristallisierte sich nicht nur sein immenses Organisationstalent heraus, sondern auch sein Hang zur Polemik. Seine rhetorische Begabung bestand darin, komplizierte Sachverhalte leicht verständlich, in einer gar volkstümlichen Art und Weise, zu vermitteln. Das führte dazu, dass er bereits 1873 zu den prominentesten Rednern im Bistum Trier gehörte. Welche Möglichkeiten ihm damit offen standen, hatte er bereits in seinem Abituraufsatz festgehalten, der den Titel trug: „Die Macht des Wortes“.

Probeausgabe des St.Paulinus-Blatts, 14.12.1874 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster)
Probeausgabe des St.Paulinus-Blatts, 14.12.1874. (Universitätsbibliothek Trier)

Sein erstes publizistisches Projekt war die sogenannte „Volksbibliothek“ - kirchenpolitische Aufsätze, die in zehn Reihen erschienen. Von deren Erfolg bestärkt, erschien am Neujahrstag 1875 erstmals das „St. Paulinus-Blatt“, dem Dasbach den Charakter eines „politisch-kirchlichen Sonntagsblatts“ gab. Als täglich erscheinendes Gegenstück folgte am 1.4.1875 die „Katholische Volkszeitung“, alsbald in „Trierische Landeszeitung“ umbenannt. Kurze Zeit später – im Juli 1875 – kaufte der Kaplan die zuständige Druckerei, um diese als „St. Paulinus-Druckerei, F. Dasbach“ in Eigenregie zu betreiben. Wie Wilfried Loth schreibt, „[war] der Name Programm“(2), schließlich bezog sich Dasbach bei der symbolischen Namensgebung auf den Trierer Bischof Paulinus, der sich 353 gegen den Arianismus und für die Rechte der Kirche ausgesprochen hatte.

In den Zeitungen sahen Dasbach und andere ultramontane Mitglieder des Katholikenvereins den Weg dafür geebnet, das „einfache Volk“ in ihrem Sinne zu politisieren und im Rahmen des allgemeinen Wahlrechts  zu mobilisieren. Bischof Matthias Eberhard, der wegen seines kirchenpolitischen Engagements 1874 dreihundert Tage im Gefängnis verbracht hatte, wurde dabei als Mittelpunkt des Kampfes für die Freiheit der katholischen Kirche gefeiert. Das Paulinus-Blatt brachte es im ersten Jahr seines Erscheinens auf fast 15.000 Abonnenten und zwang damit das bislang erfolgreiche bürgerlich-katholische „Eucharius-Blatt“ zur Kapitulation. Friedrich Dasbach – er benutzte seinen ersten Vornamen selten – gelang es, seine Vorstellung von kirchentreuer Publizistik und medialer Seelsorge mit finanziellem und wirtschaftlichem Gespür zu verknüpfen. Welche kirchenpolitische Motivation er hatte, zeigt folgendes Beispiel: Im November 1879 kaufte er das marode Lokalblatt „Rhein-Wied-Zeitung“ in Linz, um die Stellung des Zentrums im Wahlkreis Neuwied-Altenkirchen auszubauen. Bis 1898 gründete oder kaufte er weitere fünf Tageszeitungen: „St. Johanner Volkszeitung“ (Saarland), „Metzer Presse“ (Lothringen),„Westpfälzische Zeitung“ (St. Ingbert), „Neunkirchener Zeitung“ (Saarland), „Märkische Volkszeitung“ (Berlin).

Im Dezember 1873 berichtete der Trierer Regierungspräsident nach Berlin, dass der Kaplan Dasbach der rührigste und gefährlichste Agitator in seinem Zuständigkeitsbereich sei. Dessen verlegerischer Erfolg gab nicht nur Anlass zur Missgunst konkurrierender Presseorgane, sondern auch den Anstoß für das weitere Vorgehen des Regierungspräsidenten. Am 31.7.1875 wurde dem Geistlichen die Erteilung des Religionsunterrichts untersagt, wenig später – am 16.9.1875 – erfolgte die „Sperre“ als Kaplan von St. Gervasius. Zwei Jahre später verbrachte Dasbach aufgrund eines „verleumderischen“ Artikels eine Woche im königlich-preußischen Gefängnis in Trier. Die Erfahrungen im Umgang mit der Exekutive gab er an seine Redaktion weiter, indem er dazu mahnte, „auf unseren Schreibtisch zwischen Tintenfaß und Sandfaß das Strafgesetzbuch zu legen.“ Dennoch kam es innerhalb von zehn Jahren zu weiteren 30 Verfahren, meist wegen Beleidigung.

Welche Rolle Dasbach in seinem Milieu spielte, zeigt auch die Tätigkeit außerhalb des Pressewesens. Als Gründer und späterer Präsident des Trierischen Bauernvereins versuchte er seit 1884 die Verarmung der rheinischen Landbevölkerung und die Ausbreitung des „Wuchers“ – meist auf steigende Kreditzinsen bezogen –  zu bekämpfen. Die Gründung des Vereins wurde von weiten Teilen der Trierischen Presse scharf verurteilt. Dabei stand weniger der Bauernverein im Mittelpunkt als dessen Gründer, der außerstande sei, „seine Parteihaut abzustreifen und in selbstloser Weise ganz unpolitischen Zielen nachzustreben“(3). Dabei griff diese Einschätzung seiner landwirtschaftlichen Reformbemühungen offensichtlich zu kurz. Vielmehr war es Dasbachs Anliegen, die Arbeiterschaft durch die Verschmelzung von sozialer Programmatik und kirchlichen Belangen für sich zu gewinnen. Das führte vermehrt zu dem Vorwurf, in Wirklichkeit einen „socialdemokratischen“ Kurs zu verfolgen. Im Jahre 1895 beschloss die Generalversammlung des Bauernvereins auf Anregung Dasbachs, einen Verband von Darlehenskassen einzurichten und dabei dem genossenschaftlichen Vorbild Friedrich Wilhelm Raiffeisens zu folgen. Die wirtschaftlich prekäre Lage der Winzer veranlasste Dasbach, die Gründung des „Trierischen Winzervereins“ in die Wege zu leiten, um deren Absatzmarkt – offensichtlich auch mit Unterstützung seiner verlegerischen Mittel – zu stärken.

Das Ziel, die Arbeiterschaft im Sinne der Zentrumspartei zu mobilisieren, führte Dasbach auch an die Saar. Die Unzufriedenheit der saarländischen Bergarbeiter hatte im Jahre 1889 zum Streik im Saar-Kohle-Revier geführt. Die vorangegangenen Proteste waren von Geistlichen entscheidend begleitet worden, vor allem von Dasbach, dessen 1884 gegründete „St. Johanner Volkszeitung“ die Missstände in den Saargruben öffentlich kritisierte. Gleichzeitig unterstützte er den 1887 gegründeten „Sozialpolitischen Verein für den Industriebezirk Saarbrücken“, bot den Arbeitern moralischen Beistand, ermahnte sie jedoch auch, sittlichem Fehlverhalten oder gewaltsamen Aufständen vorzubeugen beziehungsweise entgegenzutreten. Die zeitgenössische Vermutung, der Streikausbruch sei von ultramontanen Kreisen, allen voran von Dasbach, organisiert worden, erscheint daher unzutreffend. Nach dem Ende des Streiks gründeten Bergarbeiter unter der Führung Nikolaus Warkens (1851-1920) auf Initiative des Kaplans den „Rechtsschutzverein für die Bergleute im Saarrevier“.

Seit 1890 war Dasbach Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.  1898 gelang ihm mit 91,5 Prozent der abgegebenen Stimmen im Wahlkreis Aachen-Eupen der Einzug in den Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. . Von der regen politischen Betätigung des Kaplans zeugen rund 40 Reden in der Legislaturperiode bis 1903. Dabei konzentrierte er sich insbesondere auf sozialpolitische Belange, was – bedenkt man seine kämpferischen Auftritte – auch zu parteiinternen Auseinandersetzungen führte. Anerkennung erwarb sich Dasbach unabhängig davon vor allem durch seinen Sachverstand und das enorme Arbeitspensum, welches er sich neben dem täglichen Feiern der Heiligen Messe auferlegte.

Trotz sich verschlechternder Gesundheit kandidierte Dasbach im Januar 1907 erneut für den Reichstag. In seinem Wahlkreis Daun-Prüm-Bitburg errang er mit, rund 92 Prozent der Stimmen einen triumphalen Wahlerfolg. Weiteren politischen Erfolgen stand sein Krebsleiden entgegen, dem er am 11.10.1907 im Bonner Johannishospital erlag. 1959 wurden seine sterblichen Überreste vom Städtischen Friedhof in Trier auf den kleinen Kirchhof der Trierer Marktkirche St. Gangolf umgebettet. An Dasbach erinnert in Trier eine Gedenktafel am ehemaligen Raiffeisen-Haus in der Glockenstraße. Seit 1948 ist eine Straße im Industriegebiet nach ihm benannt.

In den letzten Jahren ist Dasbach erneut zum Thema der historischen Forschung geworden. Olaf Blaschke weist beispielweise vermehrt auf die antisemitischen Tendenzen in Dasbachs Arbeiten hin. Tatsächlich sprach dieser im Paulinus von der „heutigen Herrschaft des Judenthums in sehr vielen Ländern, wo sie als Vampire das Mark und Blut des Volkes aussaugen und als feiste Herren in der Geldwelt, in der Presse sich großthun und über Krieg und Frieden verfügen“. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass der politisch engagierte Kaplan in einer Zeit lebte, in der antisemitische Tendenzen nicht nur zur Populärkultur zählten, sondern zunehmend in den Wahlkämpfen eine Rolle spielten. Es ist daher zu prüfen, inwiefern Dasbachs Verknüpfung von „Judenfrage“ und „sozialer Frage“ dem nationalistisch-völkisch motivierten Antisemitismus Griechisch-neulateinisch, (1) Abneigung oder Feindschaft gegenüber den Juden, (2) politische Bewegung mit ausgeprägten judenfeindlichen Tendenzen. Den Begriff Antisemitismus prägte 1879 der deutsche Publizist Wilhelm Marr (1818-1904).   zuzuordnen ist oder ob diese vielmehr eine antiliberale, sozioökonomische Prägung besaß.

 

Anmerkungen
(1) Rivinius, S. 236.
(2) Loth.
(3) Zit. n. Stegemann, S. 176.

 

Literatur

Blaschke, Olaf, Katholizismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 122), 2. Aufl., Göttingen 1999.

Fohrmann, Ulrich, Trierer Kulturkampfpublizistik im Bismarckreich. Leben und Werk des Preßkaplans Georg Friedrich Dasbach, Trier 1977.

Kampmann, Helmut, Georg Friedrich Dasbach, in: Rheinische Lebensbilder, Band 16, Köln/Bonn 1997,
S. 147-160.

Persch, Martin, Artikel Dasbach, Georg Friedrich; in: Bautz, Traugott, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band 15, Herzberg 1999, Spalte 463-464.

Rivinius, Karl Josef, Kaplan Georg Friedrich Dasbach und der Rechtsschutzverein für Bergleute im Saarrevier, in: Jahrbuch für christliche Sozialwissenschaften 26 (1985), S. 221-250.

Rivinius, Karl Josef, Sozialpolitische Wirksamkeit des Preßkaplans Georg Friedrich Dasbach (1846-1907), in: Jahrbuch für christliche Sozialwissenschaften 21 (1980), S. 233-262.

Stegemann, Franz Josef, Soziale Frage und Kirche im Saarrevier. Beiträge zu Sozialpolitik und Katholizismus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, Saarbrücken 1984.

Thoma, Hubert, Georg Friedrich Dasbach. Priester – Publizist - Politiker, Trier 1975.

 

Online

Haacke, Wilmont: Dasbach, Georg Friedrich; in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 518 [Onlinefassung]

Loth, Wilfried, Georg Friedrich Dasbach – Kulturkämpfer und Baumeister des Katholizismus, in: theologie.geschichte 2 (2007) [Onlinefassung]

 

19.10.2015

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Keywan K. Münster (Bonn)