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Ezzo (circa 955–1034), Pfalzgraf von Lothringen

Ezzo, auch Erenfried genannt – lothringischer Pfalzgraf, Schwager Kaiser Ottos III. (Regierungszeit 983-1002), Vater der Polenkönigin Richeza und zahlreicher weiterer illustrer Kinder – zählt zweifellos zu den bedeutendsten Gestalten der rheinischen Geschichte seiner Zeit.

Ezzo entstammte einer seit dem Ende des 9. Jahrhunderts nachweisbaren, in der Gegend von Alzey begüterten und vielleicht mit den frühen Saliern verwandten Adelsfamilie, die nach ihm den Namen Ezzonen Seit Ende des 9. Jahrhunderts nachweisbares rheinisches Adelsgeschlecht, benannt nach ihrem prominentesten Vertreter, Pfalzgraf Ezzo. erhielt. Seine Eltern waren der seit 989 als lothringischer Pfalzgraf bezeugte Hermann Pusillus (gestorben 996) und dessen Gemahlin Helywiga, die vornehmer schwäbischer Abkunft war. Das Ehepaar hatte noch einen jüngeren Sohn mit Namen Hezelin (gestorben nach 1033).

Geboren um 955 wurde Ezzo als Kind dem wohl über seine Mutter mit ihm verwandten Bischof Ulrich von Augsburg (Episkopat 923–973) zur Erziehung übergeben. Über seine Jugend ist nichts Näheres bekannt. Rätselhaft ist jedoch, warum er erst im Alter von etwa 35 Jahren die Ehe mit Mathilde (978/979-1025), Tochter Kaiser Ottos II. (Regierungszeit 973-983), einging. Die Ehe war mit Zustimmung der Kaiserwitwe Theophanu zustande gekommen und daher entweder noch kurz vor ihrem Tod (15.6.991) geschlossen oder auch nur verabredet und später vollzogen worden, wobei der Zeitraum auf die Jahre 990 bis 993 einzugrenzen ist. Durch die Ehe, die von vielen als unstandesgemäß betrachtet und missbilligt wurde, wollte die Kaiserin wohl die mächtige Familie Ezzos enger an das Reich binden. Als Mitgift erhielt Mathilde die ostfränkischen Güter Coburg, Salz und Orlamünde, während ihr Gemahl ihr als Morgengabe das Familiengut Brauweiler übertrug.

Als Ezzos Vater Hermann Pusillus im Jahre 996 starb, teilten seine beiden Söhne sich seinen reichen Allodialbesitz. Ezzo erhielt dabei Güter an der Mosel, im Maifeld, den Flamersheimer Wald und die Tomburg nebst südlich von Rheinbach gelegenen Besitzungen sowie die Hälfte der Nutzungsrechte am Villewald. Um die gleiche Zeit muss er auch die Pfalzgrafschaft und einen Teil der von diesem Amt zu Lehen gehenden Grafenrechte erlangt haben, auch wenn er erst 1015 als Graf im Auelgau und 1020 als Pfalzgraf im Bonngau bezeugt ist; er erhielt vermutlich auch die Grafschaft im Ruhrgau mit Vogteirechten über das Stift Essen.

Ezzo wurde mit diesen Ämtern zweifellos schon von Otto III. belehnt, zu dem er ebenso wie zu dessen Kanzler, dem Erzbischof Heribert von Köln, enge Beziehungen unterhielt. Letzterer soll nach dem Tod des jungen Kaisers (24.1.1002) die als Herrschaftszeichen schlechthin geltende heilige Lanze an Ezzo übersandt haben, um sie dem Zugriff des nach der Krone strebenden Bayernherzogs Heinrich IV., dem späteren Kaiser Heinrich II. (Regierungszeit 1002-1024), zu entziehen.

Wenn diese nur schlecht verbürgte Nachricht stimmt, dann sollte Ezzo die Lanze wohl nur in seine Obhut nehmen bis über die Nachfolge im Reich entschieden war, denn von einer eigenen Thronkandidatur des Pfalzgrafen ist sonst nirgends die Rede.

Zu Heinrich II. stand Ezzo von vornherein in äußerst gespannten Beziehungen, weil der neue Herrscher Güter von ihm zurückforderte, die er „aus der Erbschaft seiner Gemahlin" besaß, wobei es sich, da Mathilde noch lebte, wohl kaum um deren Heiratsgut als vielmehr um Besitzungen aus dem Erbe Ottos III. handelte. Der Konflikt, der sich jahrelang hinzog, erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1011, als Ezzo sich durch einen offenbar seine Güter betreffenden Spruch auf einem Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. in Mainz übervorteilt fühlte, sich mit den aufständischen luxemburgischen Schwägern des Königs verband und dem im Auftrag Heinrichs II. mit Truppenmacht heranrückenden Herzog Dietrich von Oberlothringen (978–1027/1032) bei Odernheim unweit von Alzey eine vernichtende Niederlage zufügte.

nach obenEzzos Sieg bewog Heinrich II. zum Einlenken und zu einer völligen Umstellung seiner Politik. Er söhnte sich mit Ezzo aus, erkannte dessen Erbansprüche an und überließ ihm die Königshöfe Kaiserswerth, Duisburg und Saalfeld zu freiem Eigen. Außerdem band er den Pfalzgrafen in seine ostpolitischen Pläne ein, als er zu Pfingsten 1013 in Merseburg die möglicherweise schon bei Ottos III. Aufenthalt in Gnesen im Jahre 1000 in Aussicht genommene Ehe zwischen Ezzos Tochter Richeza und dem polnischen Thronfolger Mieszko II. (gestorben 1034) vermittelte.

Ezzos wachsende Macht und das gesteigerte Ansehen seines Hauses fanden ihren Niederschlag in der Gründung des Familienklosters Brauweiler, mit dessen Bau nach einer Romfahrt des Stifterpaares im Jahre 1024 begonnen wurde. Das Kloster, das 1028 geweiht wurde, sollte geistliches Zentrum und Grablege des pfalzgräflichen Hauses sein. Das erste Mitglied der Familie, das hier - wenn auch zunächst nur provisorisch - bestattet wurde, war Ezzos Gemahlin Mathilde, die am 4.11.1025 starb. Aus ihrer Ehe mit Ezzo waren drei Söhne und sieben Töchter hervorgegangen. Die beiden älteren Söhne Ludolf (gestorben 1031) und Otto (gestorben 1047) sollten die Dynastie fortsetzen, während der jüngere Hermann für den geistlichen Stand erzogen und 1036 als Hermann II. Erzbischof von Köln wurde.

Von den sieben Töchtern war auffälligerweise nur Richeza verheiratet, wogegen die übrigen in Klöstern und Stiften untergebracht wurden, wo sie mit einer Ausnahme alle zu Vorsteherinnen avancierten. Adelheid (gestorben vor 1011) wurde Äbtissin in Nivelles, Theophanu in Essen und Gerresheim, Heylwig (gestorben circa 1076) in Neuss, Mathilde (gestorben circa 1070) in Dietkirchen und Vilich, Ida (gestorben 1060) in St. Marien vor Gandersheim und (später oder zusätzlich) in St. Maria im Kapitol in Köln, während Sophia (gestorben 1031/1038) einfache Stiftsdame in Gerresheim und Mainz blieb. Den Aufstieg seiner Kinder dürfte Ezzo, der in den Jahren nach dem Tod seiner Frau mit einer Konkubine noch einen Sohn mit Namen Heinrich (1055–1093), später Abt von Gorze, zeugte, tatkräftig gefördert haben, zumal auch sein Verhältnis zu dem Salier Konrad II. (Regierungszeit 1024-1039) ganz ungetrübt war.

Seine letzten Lebensjahre hat Ezzo wahrscheinlich in Saalfeld verbracht, wo er am 20. oder 21.5.1034 starb. Sein Leichnam wurde später nach Brauweiler überführt und an der Seite seiner Gemahlin beigesetzt.

Ezzo muss eine recht eindrucksvolle Persönlichkeit gewesen sein, auch wenn die Ausführungen des allein über sein Leben und Wirken berichtenden, den Stifter seines Klosters glorifizierenden Verfassers der "Fundatio monasterii Brunwilarensis" tendenziös und oft zweifelhaft sind. Dies gilt sowohl für die weitgehend den Schriften Sallusts entnommene Schilderung der körperlichen und geistigen Vorzüge Ezzos als auch für die führende Rolle und den überragenden Einfluss, den der Autor seinem Helden am Hof Ottos III. und auf reichspolitischer Ebene zuschreibt. In den Urkunden Ottos III. wird Ezzo jedenfalls nirgends und in denen der folgenden Herrscher nur ganz vereinzelt erwähnt. Aktiven Anteil an der Reichspolitik nahm er offenbar nur, wenn es um seine eigenen Interessen und das Ansehen seines Hauses ging, wobei er seinen Besitz und seine Macht zielstrebig ausbauen konnte. Wenn er sich dabei die Gunst der Kaiserin Theophanu, Ottos III. und später auch Heinrichs II. zu verschaffen wusste, so zeugt dies auch von seinem persönlichen Ehrgeiz, Machtstreben und politischen Geschick.

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Quellen

Pabst, Hermann (Hg.), Fundatio monasterii Brunwilarensis, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 12 (1874), S. 147–192.

Waitz, Georg (Hg.), Brunwilarensis monasterii fundatorum actus, in: MG SS XIV (1883), S. 121-144.

 

Literatur

Gerstner, Ruth, Die Geschichte der lothringischen und rheinischen Pfalzgrafschaft von ihren Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz, Bonn 1941.

Kluger, Helmuth, Propter claritatem generis. Genealogisches zur Familie der Ezzonen Seit Ende des 9. Jahrhunderts nachweisbares rheinisches Adelsgeschlecht, benannt nach ihrem prominentesten Vertreter, Pfalzgraf Ezzo. , in: Vollrath, Hanna/Weinfurter, Stefan (Hg.), Köln. Stadt und Bistum in Kirche und Reich des Mittelalters, Köln/Weimar/Wien 1993, S. 223–258.

Lewald, Ursula, Die Ezzonen Seit Ende des 9. Jahrhunderts nachweisbares rheinisches Adelsgeschlecht, benannt nach ihrem prominentesten Vertreter, Pfalzgraf Ezzo. . Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 43 (1979), S. 120-168.

Sauser, Ekkart, Artikel "Erenfrid (Ezzo)", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 22 (2003), Sp. 310.

 

Online

Uhlirz, Mathilde, Artikel "Ezzo", in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959) S. 715-716.

 

7.3.2013
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Heinz Wolter (Köln) 
 

       
 

       
 
 Erenfried und Mathilde (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 617KB)

Das Stifterpaar Erenfried und Mathilde, Gemälde in der Sakristei der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus in Brauweiler, 18. Jahrhundert, Foto: Viola Blumrich. (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland)