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Jakob von Sierck (1398/1399-1456), Erzbischof und Kurfürst von Trier (1439-1456)

Jakob von Sierck gehörte als Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. und Reichskanzler Bezeichnet (1) im alten  Deutschen Reich (bis 1806) den Reichserzkanzler (das Amt lag seit 965 beim Erzbischof von Mainz), (2) im Norddeutschen Bund 1867-1871 den vom Bundespräsidum, das der König von Preußen inne hatte,  bestimmten Bundeskanzler, (3) im Deutschen Reich 1871-1918 den Reichskanzler, den höchsten, vom Kaiser ernannten Regierungsbeamten und Vorsitzenden des Bundesrats, (3) 1919-1945 den deutschen Ministerpräsidenten, der (4) in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 wieder Bundeskanzler heißt. zu den einflussreichsten deutschen Fürsten des späten Mittelalters. Er stand für eine fürstliche Reformpolitik sowie den Versuch, die Reformen des Baseler Konzils zu retten, konnte als Erzbischof seine innerkirchlichen Reformen im Bistum Trier jedoch nur teilweise durchsetzen.

Jakob von Sierck wurde 1398/1399 als Sohn des Arnold von Sierck (1366-1455) aus einer nach Burg Sierck in Lothringen benannten ritterbürtigen Familie, die 1442 in den Grafenstand erhoben wurde, geboren. Seine Mutter war Elisabeth Bayer von Boppard (1380- nach 1427); ihr Bruder Konrad war Dompropst und Bischof der Trierer Suffragankirche Metz (Episkopat 1416-1459) und konnte dem Neffen dort Türen öffnen.

1414 wurde Jakob als Domizellar in das Trierer und in das Metzer Domkapitel aufgenommen. Danach studierte er in Heidelberg, Florenz und Rom kanonisches Recht. Zielstrebig setzte er seine geistliche Laufbahn fort: 1418 wurde er Domkapitular und 1423 Domscholaster in Trier. Zudem war er ab 1430 Kaplan Papst Martins V. (Pontifikat 1417-1431) und ab 1432 Protonotar Eugens IV. (Pontifikat 1431-1447); enge Beziehungen zur Kurie spielten bei seiner Karriere ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach dem Tod Ottos von Ziegenhain wählte ihn 1430 die Mehrheit des Domkapitels zum Erzbischof von Trier. Doch verzichtete Jakob von Sierck gegen eine stattliche Entschädigung, als Papst Martin V. weder ihn noch seinen Gegenkandidaten, den Kölner Domdekan Ulrich von Manderscheid bestätigte, sondern den Speyerer Bischof Rhaban von Helmstätt zum Erzbischof ernannte (Episkopat 1430-1439). Jakob erhielt als Entschädigung eine jährliche Rente in Höhe von 2.000 Gulden.

Zielstrebig sammelte er weiterhin Pfründen, darunter ein Kanonikat in Maastricht sowie Domkanonikate in Lüttich, Toul, Utrecht und Würzburg. Eine solche Häufung von Ämtern, die sich zum Teil gegenseitig ausschlossen, war nur mit päpstlicher Sondererlaubnis möglich. Bis 1438 war Jakob auch als Kanzler des Herzogs von Lothringen tätig. 1438 erfolgten seine Wahl zum Trierer Domdekan, die Ernennung zum Archidiakon von St. Peter und im gleichen Jahr – nach Rhaban von Helmstätts Verzicht – seine Ernennung zum Erzbischof von Trier. Am 30.8.1439 empfing er die Bischofsweihe. Jakob gelang es, seinen Bruder Philipp (1406-1492), der bereits Kanonikate in Trier, Metz, Toul, Köln, Mainz und Lüttich hatte, zum Nachfolger als Dompropst in Würzburg und Trier durchzusetzen. Er selbst war 1455/1456 Koadjutor des Bistums Metz, wo er seinen Onkel Konrad Bayer von Boppard unterstützte.

Der politisch begabte und diplomatisch geschulte Erzbischof hatte regen Anteil an der Reichs- und Kirchenpolitik seiner Zeit. In Zusammenarbeit mit dem französischen König konnte er 1445 die ArmagnackengefahrBezeichnet die Bedrohung, Eroberung und Plünderung oberrheinischer Gebiete durch französische Söldnertruppen. Die während des Bürgerkrieges 1410-1435 durch Graf Bernard VII. von Armagnac angeheuerten großen Heerhaufen stellten sich nach Beendigung des Konflikts in den Dienst des französischen Königs (Hundertjähriger Krieg). Aufgrund von Versorgungsengpässen zogen die Armagnaken häufig plündernd durchs Land und verbreiteten Schrecken unter der Bevölkerung. Als Kaiser Friedrich III. (Regierungszeit 14bbb) 1444 Truppen zur Unterwerfung der Schweizer Eidgenossen benötigte, sandte ihm Karl VII. von Frankreich die Armagnaken an den Rhein, mit dem Hintergedanken, das Elsass und Lothringen in seine Gewalt bringen zu können. Nach der Niederlage in der Schlacht von St. Jakobs vor Basel zogen die Armagnaken bis 1445 plündernd durch die Pfalz, das Elsass und Lothringen. 1445 wurden Teile der Armagnaken in das neue französische Heer übernommen, der Rest löste sich auf. bannen. Als Reichskanzler Bezeichnet (1) im alten  Deutschen Reich (bis 1806) den Reichserzkanzler (das Amt lag seit 965 beim Erzbischof von Mainz), (2) im Norddeutschen Bund 1867-1871 den vom Bundespräsidum, das der König von Preußen inne hatte,  bestimmten Bundeskanzler, (3) im Deutschen Reich 1871-1918 den Reichskanzler, den höchsten, vom Kaiser ernannten Regierungsbeamten und Vorsitzenden des Bundesrats, (3) 1919-1945 den deutschen Ministerpräsidenten, der (4) in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 wieder Bundeskanzler heißt. Kaiser Friedrichs III. (Regierungszeit 1440-1493) betrieb er mit dem Kölner Erzbischof eine wichtige, aber nicht ungefährliche Politik zwischen diesem, dem Papst und dem französischen König als Wortführer der neutralen Gruppe im Schisma des Baseler Konzils. 1445 erkannte er den letzten Gegenpapst, Felix V. (Pontifikat 1439-1449), an, worauf ihn Papst Eugen IV. als Erzbischof von Trier absetzte, was aber ohne Wirkung blieb. Einen Adelsaufstand konnte er schnell niederschlagen. Papst Nikolaus V. (Pontifikat 1447-1455) setzte ihn 1447 wieder in seine Ämter ein. Auf dem Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. zu Neustadt 1445 war Sierck Anführer der antikaiserlichen Reichsreformpartei. Vergeblich versuchte er, den Verkauf Luxemburgs an das Haus Burgund zu verhindern. 1450 reiste er anlässlich des Heiligen Jahres in großer Begleitung nach Rom, wo er den JubelablassBedeutet den Gnadenakt, durch den die zeitlichen Sündenstrafen, nicht aber die Sünden selbst, ganz oder teilweise erlassen werden. Ursprünglich betraf dies die zeitlich befristeten Kirchenstrafen;  im Mittelalter entwickelte sich die Auffassung einer Verkürzung der Zeit im Fegefeuer. Für einen Ablass sind bestimmte Bedingungen zu erfüllen, die beispielsweise das Verrichten bestimmter Gebete, Werke der Nächstenliebe oder eine Wallfahrt umfassen können. Ablässe nicht nur in ihren missbräuchlichen Formen (Ablasshandel) wurden von den Reformatoren scharf kritisiert. erwarb und diplomatische Kontakte pflegte.nach obenAls Landesherr hatte er nach der Manderscheider Fehde Privatkrieg zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen. , die nach der Doppelwahl 1430/1432 ausgebrochen war, ein finanziell zerrüttetes Territorium übernommen, das er durch Steuererhebungen beim Klerus zu stabilisieren suchte.

Als Erzbischof konnte er seine großen Vorhaben nur zum Teil durchsetzen, etwa seine mit viel Energie begonnenen innerkirchlichen Reformversuche, die hinter den Leistungen seiner Vorgänger zurückblieben. 1441 erließ er Reformstatuten für die Trierer Stiftskirchen St. Paulin und St. Simeon, 1451 für St. Kastor in Koblenz und für das Trierer Domkapitel, wo die Zahl der Kanonikate auf 16 beschränkt wurde. 1450 bat er den Papst um die Erlaubnis, die Franziskanerklöster seiner Diözese zu reformieren. Eine weitere wichtige geistliche Institution entstand ganz in der Nähe; in Klausen fand der Einsiedler Eberhard ein wundertätiges Marienbild, das bald zum Ziel einer Wallfahrt wurde. 1447 begann der Bau der Wallfahrtskirche, die der Erzbischof 1449 weihte. Zur Betreuung der zahlreichen Pilger wurden 1461 AugustinerOrdensgemeinschaften, die sich auf den Heiligen Augustinus von Hippo (354-430) beziehen und der Augustinusregel folgen.-Chorherren nach Klausen berufen. Ihr Kloster mit seiner berühmten Bibliothek wurde ein wichtiges Zentrum der Gelehrsamkeit.

Einer seiner Weggefährten in der Kirchenpolitik und Kirchenreform war Kardinal Nikolaus von Kues. Dieser verfügte testamentarisch die Errichtung eines Hospitals in seinem Heimatort. 1464 entstand hier ein Heim für 33 alte Männer aus allen Ständen der Christenheit, dem der Humanist auch seine bemerkenswerte Bibliothek vermacht hatte.

Eines von Jakobs Lieblingsprojekten war die Gründung einer Universität in Trier, um den Nachwuchs für die kirchliche und weltliche Verwaltung im eigenen Land und nicht an den hohen Schulen der Nachbarterritorien ausbilden zu können. 1455 erhielt er vom Papst die Erlaubnis zur Gründung einer Universität, konnte sie aus finanziellen Gründen aber nicht verwirklichen. Viele seiner Pläne konnte erst sein Nachfolger realisieren.

Jakobs Jahre als Erzbischof waren geprägt von ungeheurer Aktivität, wobei er sich auf den verschiedensten politischen Feldern gleichzeitig bewegte. Zeitgenossen warfen ihm blinden Nepotismus und eine fast krankhafte Raffgier vor. Einen Schlaganfall deuteten sie als Strafe Gottes. Kurz vor seinem Tod errichtete er ein umfangreiches Testament, in dem er seine Grablege in der Trierer Liebfrauenkirche wählte. Nach langer Krankheit verstarb Jakob von Sierck am 28.5.1456.

Der in Straßburg ansässige niederländische Bildhauer Nikolaus Gerhaert von Leyden (um 1430-1473), der wohl bedeutendste Künstler der deutschen SpätgotikDie Schlussphase der Gotik dauerte in Deutschland von circa 1360 bis circa 1510, während sie in Italien schon ab 1400 von der Renaissance abgelöst wurde.  Charakteristisch ist eine reiche und virtuose Kunstproduktion, die von Hallenkirchen über Werke der Bildhauerei bis zu den Flügelaltären reichte., schuf sein Grabmal. Das ikonographisch wie künstlerisch außergewöhnliche Denkmal zeigt den Verstorbenen oben als aufgebahrten Bischof in meisterhaft gestalteten liturgischen Gewändern (Bischöfliches Museum Trier); die untere Platte, die verloren ging, zeigte ihn als verwesenden, von Schlangen und Mäusen benagten Leichnam.

 nach obenLiteratur

Lager, Johann Christian, Jakob von Sierck, Erzbischof und Kurfürst von Trier, in: Trierisches Archiv 2 (1899), S. 1-40, 3 (1899), S. 1-38, 5 (1900), S. 1-36.

Miller, Ignaz, Jakob von Sierck 1398/99-1456, Mainz 1983.

Miller, Ignaz, Kurtrier und die Übernahme des Herzogtums Luxemburg durch Herzog Philipp den Guten von Burgund im Jahre 1443, in: Hemecht 36 (1984), S. 489-514.

Miller, Ignaz, Der Trierer Erzbischof Jakob von Sierck und seine Reichspolitik, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 48 (1984), S. 86-101.

Persch, Martin, Artikel „Jakob von Sierck", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 2 (1990), Sp. 1482-1484.

Schommers, Annette, Das Grabmal des Trierer Erzbischofs Jakob von Sierck († 1456). Deutungs- und Rekonstruktionsversuch von Inschrift und Grabaufbau, in: Trierer Zeitschrift 53 (1990), S. 311-333.

Seibrich, Wolfgang, Artikel „Jakob von Sierck", in: Gatz, Erwin (Hg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. 1448 bis 1648. Ein biographisches Lexikon. Berlin 1996, S. 663-665.

 

Online

Boockmann, Hartmut, „Jakob I. v. Si(e)rck", in: Neue Deutsche Biographie 10, S. 315-316.

Conrad, Joachim, Sierck Jakob von, in: Saarländische Biografien Online.

 

3.9.2013

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Wolfgang Schmid (Winningen) 
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 Grabplatte Jakobs I. von Sierck (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 315KB)

Grabplatte Jakobs I. von Sierck, Foto: Rudolf Schneider. (Museum am Dom Trier)