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Johannes Johansen (1870–1945). Krefelder Oberbürgermeister in Kaiserreich und Weimarer Republik

Johannes Johansen war einer der bedeutendsten Oberbürgermeister der Stadt Krefeld im 19. und 20. Jahrhundert. Johansens Amtsführung fiel in schwierige Zeiten, umfasste den Ersten Weltkrieg, die nachfolgenden Jahre des Zusammenbruchs, die Zeit der belgischen Besatzung, der Inflation Lateinisch (das Sichaufblasen, Aufschwellen), deutliche Erhöhung des Preisniveaus, etwa durch Anstieg der umlaufenden Geldmenge ohne äquivalente Ausweitung der Gütermenge. und der Separatistenunruhen, schließlich der politischen und wirtschaftlichen Scheinblüte der späteren 1920er Jahre, die mit der Wirtschaftskrise des Jahres 1929 ein abruptes Ende fand. Mit seinen Namen untrennbar verbunden sind die Schaffung des Krefelder Grüngürtels sowie die Eingemeindungen von 1929. Wegen seiner großen Verdienste ernannte ihn die Stadt am 30.5.1930 zu ihrem Ehrenbürger.

Johannes Detlev Ernst Johansen wurde am 25.9.1870 in Hanerau (Kreis Rendsburg) als Sohn eines Arztes geboren. Nach Besuch des Gymnasiums in Glückstadt und dem Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, Leipzig und Kiel legte er im Herbst 1892 die 1. juristische Staatsprüfung in Kiel ab und leistete ab 3.1.1893 als Gerichtsreferendar seinen Vorbereitungsdienst im Bezirk des Oberlandesgerichts Kiel, unterbrochen durch die Dienstzeit als Einjährig-Freiwilliger. 1898 wurde er an der Universität Kiel zum Dr. iur. promoviert und legte im gleichen Jahr die große juristische Staatsprüfung ab. Vom 2.1. bis Mai 1899 war er zur unentgeltlichen informatorischen Beschäftigung beim Magistrat der Stadt Kiel angestellt, wurde dann für eine achtwöchige militärische Übung beurlaubt.

Johansen heiratete am 19.6.1897 in Hamburg Elisabeth Anna Margareta (Else) Heesch (1870-1956), Tochter des Hamburger Fabrikanten Heesch. Mit ihr hatte er eine Tochter.

Am 16. 6.1899 wählten die Mindener Stadtverordneten Dr. Johansen auf zwölf Jahre zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Minden (Amtsbezeichnung: Zweiter Bürgermeister), ab 22.7.1899 nahm er dieses Amt kommissarisch wahr, die offizielle Amtseinführung erfolgte am 2.11.1899. Am 6.8.1903 wurde er, ohne dass die Stelle ausgeschrieben worden war, auf zwölf Jahre zum ersten Bürgermeister der Stadt Minden gewählt und am 8.10.1903 in dieses Amt eingeführt. Da dienstliche Beurteilungen über Johansen ansonsten nicht überliefert sind, sei eine Aussage über ihn anlässlich der Abschiedsfeier in Minden zitiert, die des Vertreters des Regierungspräsidenten in Minden, Oberregierungsrat Reinhold Friedrich von Borstell. Dieser stellte das ersprießliche Verhältnis zwischen Stadt und Aufsichtsbehörde heraus als Folge der großzügigen Auffassung Dr. Johansens, der nie in seiner 11-jährigen Tätigkeit die notwendige Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit vergessen habe. Oftmals habe er wie "ein Löwe’" gekämpft; was er dem Ganzen schulde, sei ihm nie aus dem Sinn gekommen. Darum seien die Beziehungen so erfreuliche gewesen und die Regierung bedauere sein Scheiden. Infolge seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Krefeld wurde er am Abend des 13.2.1911 in Minden feierlich verabschiedet und verließ die Stadt am übernächsten Tag in Richtung Krefeld.

In Krefeld stand Ende 1910 die Neuwahl des Bürgermeisters an, nachdem der bisherige Stelleinhaber Adalbert Oehler (1860-1943) zum Oberbürgermeister in Düsseldorf gewählt worden war. Favorit war zunächst der Geheime Regierungsrat und Vortragende Rat im Reichsamt des Innern, Dr. Otto Wiedfeldt (1871-1926), der aber nicht kurzfristig aus seinem Amte scheiden konnte. Wann und wie die Kandidatur von Dr. Johansen ins Spiel kam, erhellt sich aus den Akten nur indirekt, im Ergebnis beschloss die Findungskommission am 28. November einstimmig, der Stadtverordneten-Versammlung die Wahl des Herrn Dr. Johansen zum Bürgermeister der Stadt Krefeld vorzuschlagen. Die Beschlussfassung über die Festsetzung der Anstellungsbedingungen für den zu wählenden Bürgermeister und die einstimmige Wahl Johansens zum Bürgermeister der Stadt Krefeld auf 12 Jahre in der Stadtverordnetenversammlung am 1.12.1910 war nur noch eine Formalität. Die Stadtverordneten sprachen ferner den Wunsch aus, daß dem neugewählten Bürgermeister der Titel ‚Oberbürgermeister’ verliehen werde. Seiner Berichterstattung über die Wahl fügte Oberbürgermeister Oehler auch folgende politische Beurteilung Johansens hinzu: Er ist in politischer Hinsicht nicht hervorgetreten, aber bezeichnet sich als zwischen der Nationalliberalen und Freikonservativen Partei stehend.

Nach königlicher Bestätigung vom 10.1.1911 (mit gleichzeitiger Verleihung des Titels Oberbürgermeister) führte  der Düsseldorfer Regierungspräsident Francis Kruse (1854-1930) am 16. Februar Johansen in sein neues Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. ein; fünf Tage später präsentierten die Stadtverordneten ihn noch für die Wahl in das preußische Herrenhaus.

Als Johansen an die Spitze des Stadtregiment in Krefeld trat, war die Lage der Stadt prosperierend: Durch die Eingemeindungen von Linn (1901) und Bockum-Verberg sowie Oppum (1907) war die Stadt einstweilen arrondiert worden mit ausreichenden Erweiterungsmöglichkeiten für Gewerbe und Wohnungsbau; der 1906 eröffnete Rheinhafen schaffte einen Anschluss der Stadt an die nationalen und internationalen Wasserstraßen.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte sich der Oberbürgermeister zunehmend mit der Verwaltung des Mangels auseinanderzusetzen, vor allem der Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung. Nach Kriegsende stellte die zunehmende Inflation Lateinisch (das Sichaufblasen, Aufschwellen), deutliche Erhöhung des Preisniveaus, etwa durch Anstieg der umlaufenden Geldmenge ohne äquivalente Ausweitung der Gütermenge. , die 1923 zu einem Kollaps der Währung führte, die Stadtväter vor neue Herausforderungen, ebenso wie die Besatzung durch die Belgier. Schließlich schuf die neue republikanische Staatsform veränderte politische Gegebenheiten. Beherzt trat Oberbürgermeister Johansen im Herbst 1923 den Separatisten gegenüber und war als Vertreter des besetzten Gebiets Teilnehmer an zahlreichen Besprechungen des Rhein-Ruhr-Ausschusses des Reichskabinetts mit Vertretern des besetzten Gebiets und der besatzungsbetroffenen Landesregierungen zwischen Dezember 1923 und März 1924 in Berlin.

Die nach 1923 einsetzende vorübergehende Scheinblüte der Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. ermöglichte der Stadt Krefeld eine Zeit auch der perspektivischen und gestaltenden Politik, die in erster Linie in der Schaffung eines Grüngürtels vornehmlich im Osten der Stadt (im Westen blieben die Planungen Stückwerk) bestand. Am Ende der Amtszeit von Johansen stand der Kraftakt der Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets 1929, durch die Krefeld vor allem mit der Eingemeindung von Uerdingen, Gellep-Stratum, Fischeln, Traar und Benrad einen erheblichen Zuwachs seines Stadtgebiets erfuhr. Die organisatorischen Begleiterscheinungen dieser Eingemeindungen führten allerdings auch zu einem vorzeitigen Ende der Amtszeit von Johansen, der im Mai 1922 auf weitere zwölf Jahre als Oberbürgermeister wiedergewählt worden war.

Neben dem preußischen Herrenhaus, dem Johansen bereits in seiner Mindener Zeit angehörte, vertrat Johansen die Stadt Krefeld 1911 bis 1921 im Rheinischen ProvinziallandtagDie Errichtung von Provinzialständen in Preußen wurde 1823 angeordnet. Der Errichtung dieser neuen "Stände" lag ein neuer Ständebegriff zugrunde, wonach sich die Stände durch Grundbesitz qualifizierten und waren nach dem Grundeigentum abgestufte Besitzklassen waren. Jeder Stand hatte eigene Vertreter zu wählen, für die aber im Sinne repräsentativer Körperschaften Weisungsfreiheit und Allgemeinverantwortung gefordert wurden. Das monarchische Prinzip und die Souveränität des Monarchen blieben unangetastet, womit die Bürokratie ihre überragende Bedeutung behielt und deren Beamte weiterhin den eigentlich staatstragenden "Stand" bildeten. Die Kompetenzen der Landtage beschränkten sich auf das Petitionsrecht, auf reine Beratungsfunktionen und die Übernahme weniger Verwaltungsaufgaben. Dem Gesetz  folgten acht Gesetze für die Errichtung von Landtagen in den einzelnen Provinzen, das für den Rheinischen Provinziallandtag erschien am 27.3.1824, zu seiner ersten Sitzung trat der Rheinische Provinziallandtag aber erst am 29.10.1826 zusammen.. Beiden Körperschaften gehörte Johansen quasi ex officio an: bei der Präsentation zum Herrenhaus brachte die Stadt Krefeld seit 1854 mit einer Ausnahme stets ihren Oberbürgermeister in Vorschlag, und bei den (drei) von den Stadtverordneten zu wählenden Krefelder Abgeordneten zum ProvinziallandtagDie Errichtung von Provinzialständen in Preußen wurde 1823 angeordnet. Der Errichtung dieser neuen "Stände" lag ein neuer Ständebegriff zugrunde, wonach sich die Stände durch Grundbesitz qualifizierten und waren nach dem Grundeigentum abgestufte Besitzklassen waren. Jeder Stand hatte eigene Vertreter zu wählen, für die aber im Sinne repräsentativer Körperschaften Weisungsfreiheit und Allgemeinverantwortung gefordert wurden. Das monarchische Prinzip und die Souveränität des Monarchen blieben unangetastet, womit die Bürokratie ihre überragende Bedeutung behielt und deren Beamte weiterhin den eigentlich staatstragenden "Stand" bildeten. Die Kompetenzen der Landtage beschränkten sich auf das Petitionsrecht, auf reine Beratungsfunktionen und die Übernahme weniger Verwaltungsaufgaben. Dem Gesetz  folgten acht Gesetze für die Errichtung von Landtagen in den einzelnen Provinzen, das für den Rheinischen Provinziallandtag erschien am 27.3.1824, zu seiner ersten Sitzung trat der Rheinische Provinziallandtag aber erst am 29.10.1826 zusammen. hatte sich seit 1903 der Brauch eingebürgert, ein Mandat mit dem jeweiligen Oberbürgermeister zu besetzen. Im Herrenhaus ergriff Johansen häufiger das Wort, ermittelt wurden 13 Redebeiträge zwischen 1905 und 1915, vornehmlich zu Fragen von kommunaler Verfassung und kommunalem Finanzwesen; im Herrenhaus gehörte er bereits seit seiner Mindener Zeit der „Neuen Fraktion“, einer lockeren Gruppierung vorwiegend nationalliberaler Mitglieder, an.nach obenJohansen war ein Beamter mit politischem Gespür, aber kein Parteipolitiker, und er wurde nach 1918 nicht müde, den aus seiner Sicht schädlichen zunehmenden Einfluss der Parteien auf das politische Geschehen zu beklagen. Bis Ende 1918 hatte er sich mit Parteifragen kaum zu beschäftigen, das Dreiklassenwahlrecht Das von König Friedrich Wilhelm IV. (Regentschaft 1840-1858) 1849 verordnete Wahlrecht für das preußische Abgeordnetenhaus und die Gemeindevertretungen teilte die Wähler nach ihrem direkten Steueraufkommen in drei Klassen ein. Danach wählten in öffentlichen Wahlen wenige Höchstbesteuerte ebenso viele Wahlmänner wie die größere Zahl der mittleren Schicht und die große Zahl der gering Besteuerten. Erst die Wahlmänner wählten die Abgeordneten. Die Wahl zum preußischen Abgeordnetenhaus war also öffentlich, indirekt und ungleich. Erstmals verankert worden war das Dreiklassenwahlrecht in der Rheinischen Gemeindeordnung von 1845. Es galt in Preußen bis 1918. garantierte eine Zweidrittelmehrheit der Nationalliberalen, also des besitzenden evangelischen und mennonitischen Bürgertums, in der Krefelder Stadtverordnetenversammlung, der politischen Richtung also, der Johansen ohnehin nahestand. Wie selbstverständlich diese Situation selbst noch im Frühjahr 1918 war, erhellt folgende Episode: Bei der Ernennung eines Stadtassessors erhob der Zentrumsstadtverordnete Eugen Angerhausen in der Finanzkommission den Anspruch, die nächste freie Beigeordnetenstelle mit einem Zentrumsmann zu besetzen. Johansen erklärte hierauf, die Wahl eines nicht liberalen Beigeordneten würde die Einheitlichkeit der Verwaltung stören. Weniger einer grundsätzlichen Skepsis den Parteien gegenüber, als vielmehr der Ablehnung der fraglichen Partei dürfte seine Reaktion auf die im Dezember 1917 erfolgte Ankündigung seiner Wahl in den Hauptausschuss des Krefelder Ortsvereins der kurz zuvor gegründeten ultranationalen Deutsche Vaterlandspartei entsprungen sein: "Die Wahl in den Hauptausschuß der Vaterlands-Partei kann ich nicht annehmen. Ich bin mit der Gründung dieser Partei nicht einverstanden."

Nach 1918 hatte Johansen es mit einer politischen stärker akzentuierten Stadtverordnetenversammlung zu tun. In der konstituierenden Sitzung der am 14.12.1919 erstmals nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht gewählten Stadtverordnetenversammlung warnte Johansen die Damen und Herren, "durch die Beobachtung anderer zunächst [zu] lernen, wie wir es nicht machen dürfen. Sehen Sie die Verhandlungen in der Nationalversammlung, der preußischen Landesversammlung und in mancher neuen Stadtverordnetenversammlung, in der geredet, geredet und nochmals geredet wird, zum Fenster hinaus, aus politischem Ehrgeiz, aus Wahlrücksichten, während Reich, Land und Stadt Arbeit und nochmals Arbeit verlangen."

Johansen hatte sich und der Öffentlichkeit nie verschwiegen, dass er nach politischer Herkunft und Konfession nicht die Mehrheit der Bevölkerung repräsentierte. Seine Vorstellung von Verwaltung und Entwicklung der Stadt konnte er jedoch auch mit der nach 1919 neuen Mehrheit von Zentrum und Bürgerlichen zunächst verwirklichen. Abgesehen von einer Personalsache ist nur ein Fall von Gewicht bekannt, in dem die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung ihm nicht folgte, überraschenderweise in einer Theaterfrage. Politische Klugheit und Weitsicht konnte man ihm nicht absprechen. Erinnert sei an die Bestellung eines sozialdemokratischen Beigeordneten (Arthur Mebus), der sich glänzend bewährte. Auch ist nicht zu verkennen, dass er die sachorientierte Arbeit der Verwaltung, wie er sie verstand, lange mit den von den Mehrheitsparteien vertretenen Vorstellungen in Einklang zu bringen wusste.

Die Frage der Eingemeindungen, vor allem derjenigen von Uerdingen, ließ sich nicht auf die gewohnte Weise erledigen, zumal sein Kontrahent Wilhelm Warsch jedes Einverständnis verweigerte. Im Streitfall war sein keineswegs unpolitisches, doch überparteiliches Amtsverständnis, das sich aus welchen Gründen auch immer parteipolitischer Einflussnahme zur Durchsetzung des als richtig Erkannten, enthalten musste, unterlegen. Über die Lage eines Stadtoberhaupts, das keiner politischen Partei angehört, dem alle Türen verschlossen, alle Wege versperrt sind, die zu den Parteifreunden in den zentralen und provinziellen Behörden und zu den Ausschüssen der gesetzgebenden Körperschaften führen, hatte sich Johansen schon seit längerem keine Illusionen gemacht. Zugleich schienen ihm die demokratischen Prozeduren für ein zügiges Vorankommen manchmal durchaus hinderlich, wenn die Parteien mit Blick auf Wahlen die eigenen Interessen vertraten. Solches musste einen Mann wie Johansen, der seinen Stand jenseits aller Parteipolitik gefunden zu haben glaubte, zunehmend beunruhigen.

Das Ende seiner Amtszeit kam in der Folge der kommunalen Neugliederung von 1929. Mit der Schaffung der neuen Stadt Krefeld-Uerdingen a. Rh. am 1.8.1929 war die bisherige Stadt Krefeld, die Anstellungskörperschaft des Oberbürgermeisters Johansen, erloschen; er amtierte zunächst als vom Regierungspräsidenten ernannter kommissarischer Bürgermeister der neuen Stadt weiter, war im Übrigen ein Beamter ohne Amt. Ihm war klar, dass er bei der erforderlichen Neuwahl des Oberbürgermeisters der neuen Stadt keine Chance mehr haben werde, weshalb er auf eine Kandidatur verzichtete. Als neues Stadtoberhaupt wurde der bisherige, dem Zentrum angehörende Neusser Oberbürgermeister Heinrich Hüpper gewählt.  Johansen schied zum 1.6.1930 aus dem Amt. Da er aber bis zum 15.2.1935 gewählt war, erhielt er bis dahin seine vollen Bezüge, danach das gesetzliche Ruhegehalt. Seine Verdienste um Krefeld würdigte die ihm am 30.5.1930 zuerkannte Ehrenbürgerschaft der Stadt Krefeld-Uerdingen a.Rh.

Am 27.5.1930, also noch kurz vor seinem offiziellen Ausscheiden aus den Diensten der Stadt, meldete Johansen sich polizeilich von Krefeld als auf Reisen ab. Dank der überaus lebhaften Korrespondenz über die Fortzahlung seiner Gehalts beziehungsweise die Zahlung seiner Rente lassen sich die Orte, in denen er sich in der Folgezeit auf Reisen oder vorübergehend aufgehalten hat, zumindest teilweise rekonstruieren: August 1930 vorübergehend in einem Kurheim in Mülheim a.d. Ruhr-Speldorf, November 1930 vorübergehend Krefeld, Januar 1931 bis 1933 Hamburg-Winterhude, Juli 1931 vorübergehend Klingberg am See (Ostholstein), Oktober 1931 vorübergehend wieder Krefeld, 1933 Hamburg, September 1933 vorübergehend Remagen. Von Hamburg aus zog Johansen Ende September 1933 nach Düsseldorf-Kaiserswerth. In Kaiserwerth war er von Januar 1936 bis März 1939 als Vorstandsmitglied (Schatzmeister) des Rheinisch-Westfälischen Diakonissenvereins tätig. Anfang Dezember 1939 kehrte er wieder nach Krefeld zurück. Zunächst wohnte er im Hause Crousstraße 18, nach dessen Kriegszerstörung wohl ab Juni 1943 am Hülser Berg in einem Blockhaus der ihm befreundeten Familie Mengelberg. Am 21.4. 1945 war er Mitgründer (und dann erster Leiter) der Krefelder Nothilfe (spätere Krefelder Familienhilfe). Dieses Hilfswerk sammelte mit seinen zeitweise mehr als Tausend freiwilligen Helfern allein in den ersten drei Jahren zwei Millionen Mark, unzählige Kleidungsstücke und Haushaltsgegenstände. Seine Betreuungskartei umfasste 1948 nicht weniger als 55.000 Personen, also fast ein Drittel der Einwohner.

Im Frühsommer 1945 konnte ihn der Krefelder Oberbürgermeister Johannes Stepkes (1884-1966) für einen Wiedereintritt in die Verwaltung gewinnen. Johansen sollte nach dem absehbaren Ausscheiden von Stadtkämmerer Paul Witten als ehrenamtlicher Dezernent das Finanzdezernat übernehmen, wurde dann aber zunächst mit dem Krankenhausdezernat betraut. Nach der Gründung der CDU in Krefeld gehörte Johansen zu den ernst zu nehmenden kritischen Stimmen. So rügte er die enge Verbandelung des Oberbürgermeisters mit dem katholischen Klerus und kritisierte das Programm der neuen Partei: Über das – vorläufig entworfene – Programm der christlich demokratischen Partei war er empört, weil es ein föderalistisches Deutschland und ein ‚christliches Naturrecht Rechtsphilosophische Bezeichnung für Recht, das nicht auf menschlicher Setzung oder Vereinbarung beruht. ‘ fordert. Zehn Tage nach Vollendung seines 75. Lebensjahres beging der lange an den Folgen eines schweren Sturzes leidende Dr. Johansen am 5.10.1945 Selbstmord. Die Kosten für das Begräbnis in einer Grabstätte im Schönwasserpark, einem Teil des von ihm geschaffenen Grüngürtels, übernahm die Stadt als eine Ehrenpflicht gegenüber ihrem Ehrenbürger und früheren Oberbürgermeister.

 

Quellen

Personalakte Oberbürgermeister Dr. Johansen (Stadtarchiv Krefeld P 83).

 

Literatur

Feinendegen, Reinhard/Vogt (1) Bezeichnung für einen Rechtsvertreter kirchlicher Institutionen,  (2) Bezeichnung für einen landesherrlichen Verwaltungsbeamten von Reichsgütern , Hans (Hg.), Krefeld. Geschichte der Stadt, Band 3:  Von der Franzosenzeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1794-1918), Krefeld 2006 [darin Beitrag von Wilhelm Stratmann]; Band 5: Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart (1918-2004), Krefeld 2010 [darin Beiträge von Heribert Houben und Joachim Lilla].

Lilla, Joachim (Hg.), Krefelder Abgeordnete. Abgeordnete aus Krefeld in überörtlichen Parlamenten unter besonderer Berücksichtigung des Deutschen Bundestages, Krefeld 2000.

Romeyk, Horst, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994. S. 558.

 

9.10.2012

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Joachim Lilla (Krefeld) 
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Johannes Johansen, Porträtfoto, 1920er Jahre. (Stadtarchiv Krefeld)

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Johannes Johansen, Porträt, Gemälde von Hugo Ziegler (1957), Original im Eingangsbereich der Johansenschule in Krefeld-Linn, Foto: Stefanie Zimmermann. (Stadtarchiv Krefeld)