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Bernhard Letterhaus (1894-1944), christlicher Gewerkschaftsführer und NS-Widerstandskämpfer

Bernhard Letterhaus war als christlicher Gewerkschaftsführer und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime ein bedeutendes Mitglied des „Kölner Kreises". Wegen seiner Unterstützung des Attentats vom 20.7.1944 und seiner Beteilung an der Planung für eine Neuordnung Deutschlands nach einem Gelingen des Attentats wurde er zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Emil Bernhard Letterhaus wurde am 10.7.1894 in Barmen (heute Stadt Wuppertal) als Sohn des Schuhmachermeisters Johann Bernhard Letterhaus (1859-1939) und seiner Frau Emilie geborene Dessel (1863-1942) geboren. Zusammen mit zwei Brüdern wuchs er in einem streng katholisch geprägten Elternhaus auf. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er den Beruf des Bandwirkers, absolvierte anschließend die Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie und wurde Textiltechniker. Im Ersten Weltkrieg wurde er mehrfach verwundet und mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Anschließend arbeitete er kurzzeitig für die Zentrumspartei in Barmen, bevor er 1920 zum Zentralverband der christlichen Textilarbeiter nach Düsseldorf wechselte. Abends besuchte er die Staatliche Fachschule für Wirtschaft und bildete sich außerdem in autodidaktischer Weise fort.

1927 ging Letterhaus auf Wunsch Otto Müllers als Verbandssekretär zum Westdeutschen Verband der katholischen Arbeitervereine zunächst nach Mönchengladbach, ab 1928 in das Kölner Ketteler-Haus. Hier entwickelte er Programme für die Arbeit der Vereine, hielt Vorträge, schulte Arbeitersekretäre und schrieb in der „Westdeutschen Arbeiter-Zeitung" zu theoretischen und politischen Fragestellungen.

1928 wurde Bernhard Letterhaus als Abgeordneter der Zentrumspartei für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost in den Preußischen Landtag sowie in den Rheinischen ProvinziallandtagDie Errichtung von Provinzialständen in Preußen wurde 1823 angeordnet. Der Errichtung dieser neuen "Stände" lag ein neuer Ständebegriff zugrunde, wonach sich die Stände durch Grundbesitz qualifizierten und waren nach dem Grundeigentum abgestufte Besitzklassen waren. Jeder Stand hatte eigene Vertreter zu wählen, für die aber im Sinne repräsentativer Körperschaften Weisungsfreiheit und Allgemeinverantwortung gefordert wurden. Das monarchische Prinzip und die Souveränität des Monarchen blieben unangetastet, womit die Bürokratie ihre überragende Bedeutung behielt und deren Beamte weiterhin den eigentlich staatstragenden "Stand" bildeten. Die Kompetenzen der Landtage beschränkten sich auf das Petitionsrecht, auf reine Beratungsfunktionen und die Übernahme weniger Verwaltungsaufgaben. Dem Gesetz  folgten acht Gesetze für die Errichtung von Landtagen in den einzelnen Provinzen, das für den Rheinischen Provinziallandtag erschien am 27.3.1824, zu seiner ersten Sitzung trat der Rheinische Provinziallandtag aber erst am 29.10.1826 zusammen. gewählt, wobei zunächst die Auseinandersetzung mit der politischen Linken im Vordergrund stand. Neben den Kommunismus Lateinisch (communis = gemeinschaftlich), bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert politische Lehren und Ideologien, die auf der Grundlage des Kommunistischen Manifests von Friedrich Engels (1820-1895) und Karl Marx (1818-1883) von 1848 die Verwirklichung einer klassen- und herrscherlosen Gesellschaft durch Überwindung des Kapitalismus anstreben. als Hauptgegner trat für Letterhaus ab 1930 die NSDAP, die bei den Reichstagswahlen 107 Mandate erreicht hatte. Bereits vor dem Wahlsieg der Nationalsozialisten hatte Letterhaus Anfang September 1930 als Vizepräsident des Deutschen Katholikentages in Münster zur Abwehr des Nationalsozialismus aufgerufen. Gegen die SA und andere Parteikampftruppen der NSDAP forderte er am 24.3.1931 im Landtag ein staatliches Eingreifen. Ein 1932 unternommener Versuch, eine Art „Volksfront Seit 1935 angestrebtes politisches Bündnis von Kommunisten, Sozialisten und linksbürgerlichen Parteien zum Kampf gegen den Faschismus. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden derartige Zusammenschlüsse beispielsweise in Spanien und Frankreich. Anlässlich des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts revidierte man die Volksfrontpolitik. In der Nachkriegszeit bildeten sich in verschiedenen Satellitenstaaten der Sowjetunion erneut Volksfront-Bündnisse unter Führung kommunistischer Kräfte. " aus christlichen Gewerkschaften und katholischen Arbeiter- und Gesellenvereinen gegen die SA zu bilden, scheiterte.

Politisch unterschätzte er für kurze Zeit die Nationalsozialisten als wirtschaftspolitische Laien, Demagogen und Erfüllungsgehilfen der sozialen Reaktion. Rasch desillusionierte ihn die Erkenntnis, dass der christliche Anspruch auf Lebensgestaltung und Sinndeutung mit dem totalitären NS-Anspruch kollidierte. Daher mündete sein Bestreben um ein auch öffentlich wirksames christliches Leben in ein Streben nach Befreiung vom System, wobei er letztlich auch das Mittel des Attentats billigte.

Hatte Letterhaus die politische Bedeutung und Tragfähigkeit des Nationalsozialismus zunächst unterschätzt und diesen als „Noterscheinung" gedeutet, so schärfte er in der folgenden Zeit bis zum Sturz des Reichskanzlers Heinrich Brüning (1885-1970) den Blick für die Gefährlichkeit der Nationalsozialisten. Nach 1933 warb er heimlich in katholischen Kreisen für den Widerstand gegen das NS-Regime.nach oben

Nach dem Sturz Brünings am 30.3.1932 bekämpfte Letterhaus entschieden die Politik von dessen Nachfolger Franz von Papen (1879-1969). Weil er das ErmächtigungsgesetzAm 23.3.1933 als „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ beschlossenes und am 24.3.1933 in Kraft getretenes Reichsgesetz, das der Reichsregierung die Befugnis gab, Gesetze ohne Bestätigung des Reichstages, des Reichsrates und des Reichspräsidenten zu erlassen. Das zunächst bis zum 1.4.1937 befristete, 1937 und 1939 durch Reichstagsbeschluss, 1943 durch Führererlass verlängerte Ermächtigungsgesetz setzte grundlegende Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates und der Weimarer Verfassung außer Kraft. Zusammen mit der „Reichstagsbrandverordnung“ vom 28.2.1933 bildete es die gesetzlichen Grundlagen für die Errichtung des NS-Diktatur. ablehnte, blieb er im März 1933 der Abstimmung im Landtag fern. Außerdem kritisierte er den Abschluss des Reichskonkordats, da er befürchtete, dass sich damit die Institutionen des politischen Katholizismus nicht schützen ließen.

Nach der "Machtergreifung Bezeichnung für die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) zum Reichskanzler am 30.1.1933 und die Übertragung der Regierungsgewalt auf die Nationalsozialisten. Die Machtergreifung bedeutete das endgültige Ende der demokratischen Weimarer Republik und den Beginn der Terrorherrschaft der NS-Diktatur. " der Nationalsozialisten am 30.1.1933 wurde Bernhard Letterhaus nach und nach aller politischer Betätigungsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit beraubt. Dafür intensivierte er die Vereins- und Verbandsarbeit, bis es nach Auflösungen von lokalen Arbeitervereinen im Herbst 1935 zum Verbot der katholischen Arbeitervereine in Münster, im Kerngebiet des Verbandes, kam. 1938 wurden die Diözesanverbände in Mainz und Limburg verboten. Das endgültige Verbot der Verbandszeitschrift „Ketteler-Wacht" im gleichen Jahr beraubte Letterhaus seines letzten Sprachrohrs.

1939 wurde Bernhard Letterhaus zum Wehrdienst eingezogen und nahm an der West- und der Ostfront an Kriegshandlungen teil. 1942 wurde er zum Hauptmann befördert und zum Oberkommando der Wehrmacht nach Berlin versetzt.

Spätestens seit 1942 traf sich Letterhaus mit Gleichgesinnten aus den katholischen Arbeitervereinen, Christlichen Gewerkschaften und der Zentrumspartei in der Verbandszentrale der katholischen Arbeitervereine, dem Kölner Ketteler-Haus, um im so genannten „Kölner-Kreis" über Alternativen zum NS-Regime zu beraten. Er hatte enge Kontakte zu führenden Widerstandkämpfern, wie Alfred Delp SJ (1907-1945), Carl Goerdeler (1884-1945), Nikolaus Groß, Jakob Kaiser (1888-1961), Heinrich Körner, Wilhelm Leuschner (1890-1944) und Josef Wirmer (1901-1944). Letterhaus sollte nach dem Umsturz das Amt des „Politischen Beauftragten" im Wehrkreis VI (Münster) übernehmen und Aufbauminister in einem geplanten Kabinett Goerdeler werden.

Aus christlicher Verantwortung heraus führte für Letterhaus ein gerader Weg in die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Der Beseitigung Hitlers durch einen Staatsstreich stimmte er zwar zu, eine persönliche Beteiligung lehnte er jedoch ab. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20.7.1944 weigerte er sich, in den Niederlanden unterzutauchen. Bereits am 25.7.1944 wurde er verhaftet. Er wurde aus der Wehrmacht ausgestoßen und kam über das Konzentrationslager Ursprünglich als „Schutzhaftlager“ verwendet, wurden die vom NS-Regime während des "Dritten Reiches" errichteten Lager zur Internierung missliebiger Personen (zum Beispiel Juden, Zigeuner, demokratische und kommunistische Politiker, Geistliche, NS-Widerstandskämpfer, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Behinderte und sogenannte Asoziale) genutzt. Als wichtiges Instrumente des Staatsterrors wurden bis Kriegsbeginn sieben KZ errichtet, bis 1945 22 Hauptlager mit zahlreichen Außenlagern und Außenkommandos. Neben der Nutzung als Arbeitslager dienten einige der KZ ab 1941 als Vernichtungslager. Ravensbrück in die Haftanstalt Berlin-Tegel. Am 13.11.1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof 1934 eingerichteter Sondergerichtshof des NS-Regimes zur Aburteilung und Einschüchterung politischer Gegner. unter der Leitung Roland Freislers (1893-1945) wegen Landes- und Hochverrats zum Tod durch den Strang. Alle Gnadengesuche wurden abgelehnt, und am 14.11.1944 wurde Bernhard Letterhaus im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Bereits 1948 wurde in Köln die Odenkirchener Straße in Bernhard-Letterhaus-Straße umbenannt. Auch in Bonn, Wuppertal-Barmen und Leverkusen erinnern Straßennamen an den Widerstandskämpfer. Am 2.5.1987 ehrte Papst Johannes Paul II. (Pontifikat 1978-2005) Bernhard Letterhaus, indem er ihn in die Reihe der Männer und Frauen stellte, die ihr Leben für ihren Glauben hingegeben haben. Im Figurenprogramm des Köln-Rathausturmes wurde ihm eine Figur (Bildhauer: Martin Krämer) gewidmet.

 nach obenLiteratur

Aretz, Jürgen, Bernhard Letterhaus (1894-1944), in: Rudolf Morsey (Hg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 20.Jahrhunderts, Mainz 1975, S. 11-24.

Bernhard-Letterhaus-Schule (Hg.), Nur aus Standhaftigkeit wird die Welt gerettet, Wuppertal 1994

Bücker, Vera, Bernhard Letterhaus, in: Karl-Joseph Hummel (Hg.), Zeugen einer besseren Welt. Christliche Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Leipzig 2000, S. 276-296.

Hürten, Heinz, Deutsche Katholiken 1918-1945, Paderborn 1992, S. 523-541.

Kier, Hiltrud/ Bernd Ernsting u.a. (Hg.), Köln: Der Ratsturm. Seine Geschichte und sein Figurenprogramm, Köln 1996, S. 601-603.

Noethen, Stefan, Pläne für das Vierte Reich. Der Widerstandskreis im Kölner Kettelerhaus 1941-1944, in: Geschichte in Köln 39 (1996), S. 51-73.

Persch, Martin, "Letterhaus, Bernhard", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 4 (1992), Sp. 1555-1558.

Stehkämper, Hugo, Protest, Opposition und Widerstand im Umkreis der (untergegangenen) Zentrumspartei, in: Hugo Stehkämper, Köln – und darüber hinaus. Ausgewählte Abhandlungen, Band 2, Köln 2004, S. 1523-1589.

Steinbach, Peter, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S. 153-163.

 

Online

Aretz, Jürgen, "Letterhaus, Bernhard", in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 357-358.

Bernhard Letterhaus (Biographische Kurzinformation auf der Website der Gedenkstätte Deutscher Widerstand).

Bücker, Vera, Mitglieder des Kölner Kreises - Bernhard Letterhaus (Information auf der Website echtnahdran - Historisch-wissenschaftliche Dienste und Studientouren im Ruhrgebiet).

 

9.8.2016

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Jennifer Striewski (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Bernhard Letterhaus (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 150KB)

Bernhard Letterhaus bei der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof, 13.11.1944.