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Peter Joseph Lenné (1789–1866), Gartenkünstler

Schon zu Lebzeiten war der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné renommiert, weil er über Jahrzehnte für das preußische Königshaus tätig war. In der Kunstgeschichte hat er einen festen Platz als herausragender Vertreter des späten Landschaftsgartenstils in Deutschland, der die Wandlung zum Historismus vollzog. Zuvor hatten Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817), Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823), Maximilian Friedrich Weyhe und Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) maßgeblich zur Etablierung des Landschaftsgartenstils in Deutschland beigetragen. International ist das Wirken Lennés vor allem im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe in Potsdam gewürdigt worden. Dass Lenné aus dem Rheinland stammte und dort ebenfalls bedeutende Werke schuf, ist hingegen weniger bekannt.

Peter Joseph Lenné wurde am 29.9.1789 in Bonn als Spross einer Gärtnerdynastie geboren, die über mehrere Generationen Hofgärtner hervorgebracht hat. Sein Geburtshaus (Konviktstraße 4) befindet sich in der Nähe des ehemaligen kurfürstlichen Zollhauses (Alter Zoll). Sein Vater, Peter Joseph Lenné der Ältere (1756-1821), war zu dieser Zeit Hofgärtner in Bonn und hatte diese Position vom eigenen Vater, Johann Cunibert Lenné (1714-1787), übernommen. Seine dreijährige Gärtnerausbildung absolvierte Peter Joseph Lenné der Jüngere ab 1805 bei seinem Onkel Joseph Clemens Weyhe dem Älteren (1749-1813) in Brühl. Insofern lernte er die dortigen barocken Anlagen von Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust sehr genau kennen, mit denen er sich später noch intensiv gestalterisch beschäftigen sollte.

Nach seiner Gärtnerlehre, die er 1808 beendete, unternahm er ausgedehnte Reisen, die mit verschiedenen Studien- und Arbeitsaufenthalten verbunden waren. Besonders bemerkenswert ist seine Reise nach Paris, die ihn 1811 zum Jardin des Plantes (Botanischer Garten) führte; dort konnte sich Lenné ein reiches Fachwissen über exotische Gewächse aneignen. Seine planerischen Kenntnisse vertiefte er bei dem Architekten Jean Nicholas Louis Durand (1760-1834) an der Ecole Polytechnique. Nach der Rückkehr aus Paris (Sommer 1812) unternahm er Reisen nach Süddeutschland und Österreich. Es ist anzunehmen, dass Lenné damals auch von Sckell kennen lernte, dessen frühe Landschaftsgärten er in Aschaffenburg (Schönbusch) und in München (Englischer Garten) besuchte. Wie schon vor ihm sein älterer Cousin Maximilian Friedrich Weyhe arbeitete auch Lenné längere Zeit in Schönbrunn bei Wien unter Hofgärtner Franz Boos (1753-1832). Danach kehrte er kurzzeitig zu seinem Vater zurück, der inzwischen in Koblenz arbeitete.

Wahrscheinlich durch Vermittlung des preußischen Staatskanzlers Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822) erhielt Peter Joseph Lenné in Potsdam die Chance seines Lebens: Im Schlosspark Sanssouci begann er 1816 als Gärtnergeselle und machte rasch Karriere. 1822 wurde ihm ein Studienaufenthalt in England ermöglicht, rund 100 Jahre nach Entstehung der ersten englischen Landschaftsgärten, also zu einer Zeit, als sich dort bereits deutliche Reformbestrebungen abzeichneten; vor diesem Hintergrund ist Lennés eigener künstlerischer Ansatz zu sehen. Bereits 1824 wurde Lenné unter König Friedrich Wilhelm III. (Regierungszeit 1797-1840) zum Gartendirektor ernannt, 1854 beförderte ihn König Friedrich Wilhelm IV. (Regierungszeit 1840-1858) zum General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten.

Schon bald nach seiner Ankunft in Potsdam im Jahr 1816 begab sich Lenné an Planungen für Sanssouci. Nach Jahren der Vernachlässigung während der Napoleonischen Kriege sollte eine zeitgemäße „Verschönerung" des Schlossparks erfolgen. Allerdings sahen seine ersten ehrgeizigen Entwurfspläne so weitreichende Änderungen vor, dass von deren Ausführung Abstand genommen wurde. Insbesondere wollte Lenné damals die auf das Neue Palais zuführende Hauptachse beseitigen, um dort einen Landschaftsgarten mit völlig neuer Wegeführung, großzügigen Rasen- und Wasserflächen sowie malerisch komponierten Gehölzgruppen einzufügen.

Die gartenkünstlerische Entwicklung Lennés lässt sich beim Schlosspark Sanssouci bestens nachvollziehen, denn von einer Zerstörung barocker Anlagen distanzierte er sich später. In Potsdam nahm Lenné schließlich über Jahrzehnte die Umgestaltung einzelner Partien vor und darüber hinaus auch die Planung ergänzender Neuanlagen – etwa des Gartens vom Charlottenhof, des Nordischen und des Sizilianischen Gartens auf der Orangerieterrasse. Er erzielte eine Parkanlage, die sowohl architektonische Gärten als auch Landschaftsgärten umfasst. Der unterschiedliche Stil der separaten Gärten korrespondiert jeweils mit den Gebäuden, auf die sie ausgerichtet sind. Tatsächlich vollzog Lenné in seiner Laufbahn die Entwicklung vom klassischen Landschaftsgarten zum Historismus in der Gartenkunst. Seit 1990 steht die rund 500 Hektar umfassende Gesamtanlage der Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin, an deren Gestaltung Lenné über Jahrzehnte ganz entscheidenden Anteil hatte, als Welterbe unter dem Schutz der UNESCO. Lenné war als Gartenkünstler auch intensiv mit der Stadtplanung Berlins befasst – entwickelte Bebauungspläne, gestaltete Kanäle, Prachtstraßen, Stadtplätze und schuf zahlreiche öffentliche Grünanlagen zur Verbesserung der Lebensqualität in der mit zunehmender Industrialisierung rasch wachsenden Großstadt.

In seiner rheinischen Heimat übernahm Peter Joseph Lenné ab 1842 im Auftrag von König Friedrich Wilhelm IV. Umgestaltungsplanungen für den Park von Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust in Brühl, wo er seine Lehrjahre verbracht hatte. In dieser späten Phase war es für Lenné charakteristisch, den vorhandenen, seit 1729 angelegten barocken Parterregarten von Dominique Girard (circa 1680-1738) weitgehend zu erhalten und nur im Detail dem Zeitgeschmack anzupassen. Als Einfassung schuf er auf dem bewaldeten Areal des Tiergartens einen Landschaftsgarten, der für die Öffentlichkeit bestimmt war. Die zur gleichen Zeit erbaute und über Brühl durch den Landschaftsgarten geführte Eisenbahnstrecke von Köln nach Bonn bezog Lenné gestalterisch mit ein. Seit sie 1844 den Betrieb aufgenommen hatte, war ein reger Zustrom von Parkbesuchern zu verzeichnen. Als UNESCO-Welterbestätte (seit 1984) genießen die Schlösser von Brühl und ihre Anlagen inzwischen einen besonderen Schutzstatus und internationale Aufmerksamkeit.

In Koblenz, wo der 1821 verstorbene Vater über viele Jahre als Gartendirektor tätig war, wirkte Peter Joseph Lenné ab 1856 bis 1861 im Auftrag der späteren deutschen Kaiserin Augusta (1811-1890) neben Fürst von Pückler-Muskau maßgeblich an der Gestaltung der Rheinanlagen (Kaiserin-Augusta-Anlagen) im östlichen Umfeld des Schlosses mit. Hier konnte auf einem mehrere Kilometer langen, jedoch teils nur etwa 30 Meter breiten verwilderten Uferareal eine städtebaulich bedeutsame Verbindung zum Rhein geschaffen werden. Im Schatten zahlreicher Alleen und Baumreihen konnte die Bevölkerung an intensiv gestalteten Gartenpartien unterschiedlicher Stilrichtungen mit prächtigen Schmuckbeeten vorbeiflanieren und das Rheinpanorama genießen. Verschiedene Monumente wurden integriert: Ein Abguss der Lenné-Büste von Daniel Christian Rauch (1777-1857), die sich im Schlosspark Sanssouci befindet, erinnert seit 1895 an den berühmten Gartenkünstler. Infolge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und späterer Umgestaltungen wurden die Rheinanlagen überformt. Im Zuge der Bundesgartenschau 2011 konnten in den Rheinanlagen und ebenso im Park von Burg Stolzenfels mit seinem Pergolagarten, der ebenfalls Lennés gartenkünstlerische Handschrift trägt, notwendige Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden.

Sein letztes herausragendes Gartenkunstwerk schuf Lenné in Köln: Die Flora wurde 1862 von einem großbürgerlichen Kreis initiiert, der eine „Aktiengesellschaft zur Anlage eines Botanischen Zier- und Lustgartens" ins Leben rief und den königlichen General-Gartendirektor als Gestalter gewinnen konnte. Lenné verfolgte bei der 1864 eröffneten Flora nach eigenem Bekunden das künstlerische Ziel, die „Geschichte der Gartenkunst in den verschiedenen Stilarten zur lebendigen Anschauung zu bringen". In ihrer Gesamtanlage steht die Flora in der Tradition des Landschaftsgartens. Im Umfeld des Glaspalastes, der an den Chrystal Palace der Londoner Weltausstellung von 1851 erinnert, schuf Lenné separate Gärten, die verschiedene Stilrichtungen zitieren. Vor der südlichen Hauptfassade breitete Lenné ein Parterre im Stil französischer Barockanlagen aus. Auf der westlichen Seite entstand eine formale Anlage, die mit ihrer zentralen Kaskade und den begleitenden Laubengängen auf italienische Gärten der RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte. anspielt. Die Flora gilt damit ganz zu Recht als Meisterwerk des Historismus.

Seinen Ruhestand hatte Peter Joseph Lenné in Koblenz verbringen wollen, und er ließ dazu im fortgeschrittenen Alter ein neues Haus bauen – beziehen konnte er es jedoch nicht mehr. Peter Joseph Lenné starb am 23.1.1866 in Potsdam und wurde auf dem Bornstedter Friedhof bestattet.

Im Rheinland erinnern mehrere nach ihm benannte Straßen, unter anderem in Bonn, Koblenz und Düsseldorf, an Lenné.

 

Quellen (Auswahl)

Bestandskatalog der Berliner Pläne von Peter Joseph Lenné, bearb. von Clemens Alexander Wimmer, Berlin 1990.

Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen [Begleitpublikation zur Ausstellung „Peter Joseph Lenné, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner 1789–1866" im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main vom 21.5. bis 8.8.1993], bearb. von Harri Günther und Sibylle Harksen, Tübingen/Berlin 1993.

 

Werke (Auswahl)

Handbibliothek für Gärtner und Liebhaber der Gärtnerei, bearb. von Peter Joseph Lenné u.a., 6 Abteilungen, Berlin 1837–1842.

 

Literatur

Hinz, Gerhard, Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners, Hildesheim 1989.

Penning, Wolf D., Die kurkölnischen Hofgärtner – Dynastien Lenné und Weyhe. Dokumente und Materialien zu ihrer Geschichte (1665–1866), in: Bonner Geschichtsblätter 53/54 (2004), S. 153–202.

Peter Joseph Lenné. Parks und Gärten im Land Brandenburg. Werkverzeichnis, hg. vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Worms 2005.

 

Online

Weiermann, Herbert, Artikel „Lenné, Peter Joseph", in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 211-213.

 

30.9.2010
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Kerstin Walter (Pulheim) 
 

       
 

       
 
 Peter Joseph Lenné (Bildvergrößerung mit zusätzlichen Informationen öffnet in neuem Fenster, 1,2MB)

Peter Joseph Lenné, Porträt, Lithographie von Friedrich Jentzen (1815-1901) nach einer Zeichnung von Franz Krüger (1797-1857), 1854. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

Park Schloss Augustusburg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 306KB)

Von Peter Joseph Lenné ab 1842 umgestalteter Park von Schloss Augustusburg in Brühl. (© Jürgen Gregori, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland)

 Kölner Flora (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 292KB)

Die von Peter Joseph Lenné 1862-1864 gestaltete Kölner "Flora". (©  Jürgen Gregori, LVR-Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. für Denkmalpflege im Rheinland)

 Grab von Peter Joseph Lenné (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 184KB)

Grab von Peter Joseph Lenné und seiner Frau Friederike auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam, 2010, Foto: Margret Wensky.