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August R. Reichensperger (1808-1895),  Zentrumspolitiker

August R. Reichensperger war Jurist und katholischer Politiker im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Im Revolutionsjahr 1848 war er Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung Auch Frankfurter Parlament oder Deutsche Nationalversammlung, erstes frei gewähltes deutsches Parlament, das 18.5.1848-31.5.1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. und Gegner einer preußischen Vorherrschaft in Deutschland. Ab 1850 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und wurde 1858 Präsident des deutschen Katholikentages. Im Deutschen Reich von 1870/1871 schloss er sich der katholischen Zentrumspartei an und war im so genannten Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. einer der führenden Köpfe der Partei. Reichensperger war Kunstliebhaber und setzte sich seit den 1840er Jahren für den Weiterbau des Kölner Doms ein.

Reichensperger wurde am 22.3.1808 in Koblenz geboren. Sein Vater war Richter und starb bereits 1812, so dass die Mutter die vier aus der Ehe entstammenden Kinder allein versorgen musste. Trotz der schwierigen familiären Situation gelang es ihr, August auf ein Gymnasium zu schicken. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bestand Reichensperger 1827 das Abitur und studierte anschließend Jura in Berlin, Bonn und Heidelberg. Nach seiner Promotion Lateinisch, Beförderung, (1) Erlangung, Verleihung der Doktorwürde, (2) lateinisch-englisch, Absatzförderung, Werbung. trat er 1830 in den Staatsdienst ein. Er arbeitete zunächst als Auskultator (Gerichtsreferendar) in Münster und wechselte ein Jahr später nach Koblenz.

Von seinen Biografen wird der junge Reichensperger als ein Mann beschrieben, der viel las und reiste, ohne einen festen Sinn in seinem Leben zu erkennen. Dies habe sich erst durch die so genannten Kölner Wirren siehe Kölner Ereignis ab 1837 geändert, die durch den Kölner Erzbischof Clemens August Freiherr Droste zu Vischering ausgelöst wurden. Diese Konfrontation war zwar vorwiegend konfessionell motiviert, repräsentierte aber auch gleichzeitig die politische Spannung zwischen dem einem Großteil des rheinischen Bürgertums und dem preußischen Regierungssystem. Während der französischen Besetzung war im Rheinland ein modernes bürgerliches Gesetzbuch eingeführt worden. Seit dem Wiener Kongress gehörte das Rheinland zu Preußen und viele Einwohner fühlten sich von der neuen preußischen Gesetzgebung bevormundet. In den Kölner Wirren siehe Kölner Ereignis erwachte Reichenspergers katholisches und bürgerliches Bewusstsein. Er kämpfte von nun an gegen eine protestantisch-preußische Vormachtstellung und für eine liberalere Gesetzgebung. Ab 1840 engagierte er sich auch verstärkt für den Weiterbau des Kölner Doms und wurde Gründungsmitglied des Zentral-Dombau-Vereins zu Köln. 1844 wechselte er, nach einer weiteren beruflichen Station in Trier, in die Domstadt, wo er von 1848 bis 1879 als Appellationsgerichtsrat tätig war.nach obenIm Revolutionsjahrjahr 1848 wurde Reichensperger Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung Auch Frankfurter Parlament oder Deutsche Nationalversammlung, erstes frei gewähltes deutsches Parlament, das 18.5.1848-31.5.1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. . Er setzte sich für einen stärkeren Einfuß Österreichs im Deutschen Bund ein und stimmte gegen ein preußisches Erbkaisertum. 1850 wurde er Mitglied des Erfurter Unionsparlaments und erhielt einen Sitz im preußischen Abgeordnetenhaus, dem er bis 1863 und noch einmal im Jahre 1870 angehörte. Im Abgeordnetenhaus war er einer der führenden Köpfe der katholischen Fraktion und wurde im September 1858 auch Präsident des Katholikentages in Köln. Reichensperger galt als entschiedener Gegner der streng konservativ-preußischen Reaktionspolitik des preußischen Ministerpräsidenten Otto Theodor von Manteuffel (1805-1882). Auch Manteuffels Nachfolger, Otto von Bismarck (1815-1898), und dessen kleindeutsche Reichsgründungspolitik, bekämpfte er beharrlich.

Nach Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 und dem Scheitern einer großdeutschen Lösung mit Österreich blieb Reichensperger, trotz seiner großen Enttäuschung, weiterhin politisch aktiv. Er wurde Mitglied des Norddeutschen Reichstages und nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 Mitglied des Deutschen Reichstages für den Wahlkreis Krefeld. Im Deutschen Reich trat er der neu gegründeten Fraktion der Zentrumspartei bei. Neben seinem jüngeren Bruder Peter Franz Reichensperger, Karl Friedrich von Savigny (1814-1875), Ludwig Johann Ferdinand Gustav Windthorst (1812-1891) und Hermann von Mallinckrodt (1821-1874) gehörte er im so genannten Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. bald zu den führenden Persönlichkeiten des politischen Katholizismus.

Gegen Ende des Kulturkampfes Anfang der 1880er Jahre spielte Reichensperger innerhalb der Zentrumspartei keine wichtige Rolle mehr. Es kam zu Differenzen zwischen ihm und dem parlamentarischen Führer der Zentrumspartei, Ludwig Windthorst. 1884 zog Reichensperger sich aus der parlamentarischen Politik zurück. Er widmete sich verstärkt seinen Studien der christlichen Kunst und dem Ausbau des Kölner Doms, der zeitlebens ein Objekt seines Interesses blieb. Im Jahr 1895 wurde er Ehrenbürger der Stadt Köln, bereits im Jahr 1889 war er Ehrenbürger von Oppenheim und 1892 von Koblenz geworden.

Reichensperger starb am 16.7.1895 in Köln und wurde auf dem Melaten-Friedhof beerdigt. Die Stadt benannte 1897 einen Platz an der Merlo-, Weißenburg- und Riehler Straße nach ihm. Seit 1907 befindet sich dort das Justizgebäude für das Oberlandesgericht Köln. Auch die U-Bahn-Station an dieser Stelle trägt seinen Namen.

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Literatur

Becker, Hans-Jürgen, August Reichensperger (1808-1895), in: Rheinische Lebensbilder 10 (1985), S. 141-158.

Fuchs, Konrad, Artikel „Reichensperger, August R.", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 7 (1994), Sp. 1504-1505.

Kramp, Mario/Lauer, Rolf/Schäfke, Werner  (Hg.), August Reichensperger. Koblenz – Köln – Europa. Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz, 10. September bis 30. Oktober 2005; Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum 10. Dezember 2005 bis 19. Februar 2006, Koblenz 2005.

Stadt Koblenz (Hg.), August Reichensperger (1808-1895) und die Kunst des 19. Jahrhunderts. Dokumentation bearb. von Helmut Prössler/Udo Liessem/ Hans-Josef Schmidt, Koblenz 1985.

Strauch, Dieter, August Reichensperger als Rechtspolitiker, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 209 (2006), S. 307-338. 

9.11.2011

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Georg Arnold (Mönchengladbach) 
 

       
 

       
 

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August Reichensperger, Porträt von Johannes Niessen (1821-1910), 1867, Original im Kölnischen Stadtmuseum. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

 August Reichensperger (Bildvergrößerung öffnet in nuem Fenster, 75KB)

August Reichensperger, Skulptur am Kölner Rathausturm, 1989, Bildhauer: Hans-Otto Lohrengel. (© Kölner Stadtkonservator)