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Ludwig Simon (1819-1872), Revolutionär

Ludwig Simon zählte als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung Auch Frankfurter Parlament oder Deutsche Nationalversammlung, erstes frei gewähltes deutsches Parlament, das 18.5.1848-31.5.1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. zu den führenden Köpfen der demokratischen Linken. Von seiner Schulzeit bis an sein Lebensende war er ein überzeugter Verfechter der nationalen Einigung Deutschlands auf der Grundlage eines parlamentarisch organisierten Staatswesens. Simon gehört zu der langen Reihe rheinischer Demokraten, die ihr Eintreten für ihre politischen Visionen nach 1849 mit dem Gang in die Emigration bezahlen mussten.

Ludwig Gerhard Gustav Simon wurde am 20.2.1819 in Saarlouis als Sohn des Gymnasiallehrers Thomas Simon (1794-1869) und dessen Ehefrau Susanne Auguste Walther geboren. Der Vater entstammte einer alteingesessenen katholischen Familie aus dem Moselland. Die in Meisenheim aufgewachsene Mutter war die Tochter eines protestantischen Schulmeisters. Aus der 1816 geschlossenen Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen Ludwig Simon das jüngste war. Die Schwester Friederike (1816-1839) wählte den Freitod, der Bruder Carl August Simon (1817-1887) durchlief eine erfolgreiche Laufbahn in der preußischen Armee und beendete diese 1874 im Rang eines Generalmajors.

1822 übersiedelte die Familie nach Trier, wo der Vater eine Anstellung als Lehrer am örtlichen Gymnasium erhalten hatte. Hier bestand Ludwig Simon unter dem liberal gesinnten Direktor Johann Hugo Wyttenbach (1767-1848) im Jahr 1836 die Prüfungen zum Abitur. Zu seinen Mitschülern zählte der Gesellschaftstheoretiker Karl Marx. Eine entscheidende politische Prägung erfuhr Simon jedoch nicht nur in der Schule, sondern auch durch das freisinnige Klima seines Elternhauses. Bereits in seinem Abituraufsatz „Die Vaterlandsliebe“ analysierte er die Notwendigkeit einer staatlichen Einigung Deutschlands, die zum zentralen Thema seines politischen Wirkens werden sollte.

Ab dem Sommersemester 1837 widmete sich Ludwig Simon dem Studium der Rechts- und Kameralwissenschaften an der Universität Bonn. Trotz der Gefahr politischer Verfolgung schloss er sich den Resten der 1834 aufgelösten Burschenschaft Bezeichnung einer von ehemaligen Teilnehmern an den Befreiungskriegen gegründeten, sich ab 1815 an den deutschen Universitäten ausbreitenden studentischen Nationalbewegung. 1819 auf Grundlage der Karlsbader Beschlüsse verboten. an, die ihre konspirativen Sitzungen im Wirtshaus „Im Ruland“ in der Stockenstraße abhielt. Diese sich als „Rulandia“ bezeichnende, formlos organisierte Kneipgesellschaft bestand vermutlich bis zum Sommersemester 1838. Nach ihrer Auflösung gehörte Ludwig Simon am 10.8.1838 zu den Gründungsmitgliedern des Corps Französisch, gebräuliche Bezeichnung für besonders alte Studentenverbindungen. „Palatia“.

1839 begann Simon seine praktische juristische Ausbildung am Landgericht in Trier, die er im Februar 1848 mit der Erlangung der Anwaltszulassung abschloss. Zwischen 1845 und 1846 leistete er seinen Militärdienst im 30. Landwehr-Regiment ab. Er bekleidete hier zuletzt den Rang eines Leutnants. In Trier unterhielt er während der 1840er Jahre enge und prägende Kontakte zu kleinbürgerlich-demokratischen Intellektuellen wie dem Staatsprokurator Joseph Schornbaum (1809-1858) und dem späteren Abgeordneten der Preußischen Nationalversammlung Josef Erasmus Graeff (1803-1877). Die Konfrontation mit dem sozialen Elend der moselländischen Bauern aber auch mit der erbitterten Kontroverse um die Trierer Wallfahrt bestärkte ihn in seinen radikaldemokratischen Ansichten.

Beim Ausbruch der Revolution im März 1848 trat Simon an die Spitze der republikanischen Bewegung seiner Heimatstadt. Er war maßgeblich an der Gründung des Demokratischen Vereins beteiligt, schrieb politische Beiträge für das „Trierer Volksblatt“ und zeichnete für eine an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (Regentschaft 1840-1858) gerichtete Protestadresse verantwortlich, in welcher dieser zur Gewährung allgemeiner und direkter Wahlen aufgefordert wurde. Der politische Wirkungskreis des 29-Jährigen erweiterte sich im April 1848 auch auf die nationale Ebene. Er gehörte dem Fünfzigerausschuss an und kandidierte bei der Wahl zur Frankfurter Nationalversammlung erfolgreich um ein Mandat im Wahlbezirk Trier.

In der Nationalversammlung schloss sich Simon kurzzeitig der Fraktion Deutscher Hof an, gehörte aber ab Mai 1848 zu den Begründern der radikalen linken Fraktion Donnersberg. Zur Unterscheidung von den ebenfalls der politischen Linken angehörenden Abgeordneten Heinrich Simon (1805-1860) und Max Simon (1814-1872) pflegte er sich fortan als „Simon von Trier“ zu bezeichnen. In den parlamentarischen Debatten profilierte er sich mittels seiner ebenso mitreißenden wie sprachlich präzisen Rhetorik als unumstrittener Wortführer der Demokraten. Ab September 1848 fungierte er auch als Redakteur der „Neuen Deutschen Zeitung“.

Als die parlamentarischen Institutionen in der zweiten Hälfte des Jahres 1848 den Rückhalt durch die Bevölkerung zu verlieren drohten, rief Simon zur kompromisslosen Verteidigung der Märzerrungenschaften gegenüber der erstarkenden preußischen Reaktion auf. Für Aufsehen sorgte seine aktive Teilnahme am Frankfurter Aufstand im September 1848. Vergeblich versuchte die Frankfurter Justiz die Nationalversammlung zur Aufhebung seiner Immunität zu bewegen, um polizeiliche Maßnahmen gegen ihn einleiten zu können. Im Oktober 1848 nahm er am zweiten Demokratenkongress in Berlin teil und war außerdem an der Gründung des Zentralmärzvereins maßgeblich beteiligt. Trotz seines rastlosen Einsatzes sollte es aber weder ihm noch seinen Parteigängern gelingen, die Vision eines großdeutschen Verfassungsstaates mehrheitsfähig zu erhalten.
In den Wirren des Frühjahrs 1849 wurde Ludwig Simon durch das Stuttgarter Rumpfparlament in den Fünfzehnerausschuss zur Durchsetzung der Reichsverfassung gewählt. Zuletzt beteiligte er sich aktiv am Badischen Aufstand. Steckbrieflich gesucht entzog er sich seiner Verhaftung im Juni 1849 durch Flucht in die Schweiz. Im Exil betätigte er sich vor allem als Autor verschiedener Emigrantenzeitschriften. Derweil wurde er im Februar 1850 in Abwesenheit wegen Fahnenflucht zu einer Geldstrafe von 1.000 Talern und im Januar 1851 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde symbolisch am Trierer Schandpfahl vollstreckt. Um die Prozesskosten zu bezahlen, sahen sich Simons Eltern dazu gezwungen ihr Trierer Haus zu veräußern.

Die ersten Jahre der Emigration waren von einer fortwährenden Rastlosigkeit geprägt. Zwischen 1849 und 1853 lebte und arbeitete Ludwig Simon unter anderem in Bad Horn, Lausanne, Bern und zuletzt in Genf. Nach seiner Ausweisung aus der Schweiz im November 1853 gelangte er über Dijon und Marseille nach Nizza, wo er seine zweibändige Autobiographie „Aus dem Exil“ niederschrieb. 1855 trat er in den Dienst des Bankiers Maximilien Koenigswarter (1817-1878) in Paris. Erst hier wurde er über mehrere Jahre sesshaft. 1866 gründete er in der Pariser Rue de Provence ein eigenes florierendes Bankhaus und heiratete 1869 die gebürtige Schweizerin Marie Schmidlin (1824-1877).

Die Einigungspolitik Otto von Bismarcks (1815-1898) beobachtete er mit großer Skepsis, sah sich in seiner ungebrochen demokratischen und antipreußischen Haltung aber weitgehend isoliert. Unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges verkaufte er Ende 1870 sein Pariser Bankhaus und zog sich mit seiner Ehefrau nach Montreux am Genfer See zurück, wo am 23.7.1871 die gemeinsame Tochter Frédérique geboren wurde. Nur wenige Monate später, am 2.2.1872, verstarb Ludwig Simon ebenda.

 

Werke
Ein Wort des Rechts für alle Reichsverfassungskämpfer an die deutschen Geschworenen, Frankfurt a.M. 1849.
Aus dem Exil, 2 Bände, Gießen 1855.
Leben und Wirken Sr. Majestät Friedrich Wilhelms des Vierten, Königs von Preußen, Leipzig 1855.
Meine Desertion. Ein Zeitbild im Rahmen des preußischen Gottesgnadentums, Frankfurt a.M. 1862.
Politisches und internationales Recht. Die elsass-lothringische Frage, Bern/Lausanne/Paris 1871.

 

Literatur
Best, Heinrich/Weege, Wilhelm, Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Düsseldorf 1996, S. 320-321.
Böse, Heinz-Günther, Ludwig Simon von Trier. 1819-1872. Leben und Anschauungen eines rheinischen Achtundvierzigers, Dissertationsschrift, Mainz 1951.
Dvorak, Helge, Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band 1, Politiker, Teilband 5, Heidelberg 2002, S. 442–444.
Hildebrandt, Gunther, Ludwig Simon, in: Männer der Revolution von 1848, Band 1, Berlin 1970, S. 329-343.
Jansen, Christian, Demokrat und Kosmopolit. Der politische Weg des Trierer Paulskirchenabgeordneten Ludwig Simon (1819-1872) gegen den Strom des nationalistischen 19. Jahrhunderts, in: Müller, Guido/Herres, Jürgen (Hg.), Aachen, die westlichen Rheinlande und die Revolution von 1848/49, Aachen 2000, S. 279-308.

 

Online
Eisenhardt, Johann August Ritter von, "Simon, Ludwig", in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 377-379.
Ludwig Gerhard Gustav Simon (1819-1872), Kurzbiographie auf demokratiegeschichte.eu.

 

25.2.2013

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Björn  Thomann  (Sankt Augustin) 
 

       
 

       
 
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Ludwig Simon, Porträt.