Heroisches Kaiserdenkmal oder "Faustschlag aus Stein"? Das Deutsche Eck in Koblenz

Michael Koelges (Koblenz)

Blick auf die Kastorkirche, das Deutsche Eck und die Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein, April 2011, Foto: Holger Weinandt.

1. Einleitung

In der To­po­gra­phie der Stadt Ko­blenz ist die Mün­dung der Mo­sel in den Rhein ein ganz be­son­de­rer Ort. Von dem la­tei­ni­schen Wort Con­flu­en­tes („die Zu­sam­men­flie­ßen­den") lei­tet sich der Na­me der Sied­lung her. Wich­ti­ge geist­li­che Kor­po­ra­tio­nen lie­ßen sich in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft nie­der: das Kas­tor­stift mit der Kas­tor­kir­che, ei­ne Grün­dung der Erz­bi­schö­fe von Trier aus dem 9. Jahr­hun­dert, und der Deut­sche Or­den, dem die Land­spit­ze zwi­schen den bei­den Flüs­sen ih­re Be­zeich­nung ver­dankt. Die Nie­der­las­sung des geist­li­chen Rit­ter­or­dens als Ur­sprung des Na­mens „Deut­sches Eck" ist je­doch aus dem all­ge­mei­nen Be­wusst­sein fast völ­lig ver­schwun­den. Heu­te ver­bin­det man mit dem „Eck", so der lo­ka­le um­gangs­sprach­li­che Be­griff, ganz über­wie­gend das wie­der­her­ge­stell­te Pro­vin­zi­al­denk­mal der Rhein­pro­vinz für Kai­ser Wil­helm I. (Re­gent­schaft ab 1858, 1861-1888 als Kö­nig von Preu­ßen, seit 1871 als deut­scher Kai­ser).

 

2. Geschichte des Deutschen Ecks bis zur Einweihung des Kaiserdenkmals 1897

Schon we­ni­ge Jahr­zehn­te nach sei­ner Grün­dung im Hei­li­gen Land 1190 ließ sich der Deut­sche Or­den als Hos­pi­talb­ru­der­schaft in Ko­blenz nie­der. 1216 über­trug der Trie­rer Erz­bi­schof Diet­rich II. von Wied (Epis­ko­pat 1212-1242) dem Rit­ter­or­den das Ni­kolaus­spi­tal, das seit 1110 zum Stift St. Flo­rin ge­hört hat­te. Die Kom­men­de Ko­blenz ent­wi­ckel­te sich zu ei­ner Bal­lei, ei­ner über­ge­ord­ne­ten Ver­wal­tungs­ein­heit, de­ren Be­sit­zun­gen vor­nehm­lich ent­lang des Rheins kon­zen­triert wa­ren. Auch die Köl­ner Kom­men­de un­ter­stand der Bal­lei Ko­blenz, die 1807 auf­ge­löst wur­de. Da­nach dien­ten die Ge­bäu­de des Deut­schen Or­dens un­ter­schied­lichs­ten Zwe­cken. Schon 1795 hat­ten die fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen dort ei­ne Ka­ser­ne und ein Waf­fen­ma­ga­zin ein­ge­rich­tet. 1898 be­zog das preu­ßi­sche Staats­ar­chiv, das bis­lang im Re­gie­rungs­ge­bäu­de am Rhein un­ter­ge­bracht war, das ehe­ma­li­ge Deut­schor­dens­haus. Nach der Zer­stö­rung 1944 und dem Wie­der­auf­bau 1953 nutz­te die Stra­ßen­ver­wal­tung Rhein­land-Pfalz das Ge­bäu­de. Nach­dem es 1988 in städ­ti­schen Be­sitz über­ge­gan­gen war, wur­de dort am 18.9.1992 das „Lud­wig Mu­se­um im Deutsch­her­ren­haus" er­öff­net. Es prä­sen­tiert mo­der­ne – vor­wie­gend fran­zö­si­sche – Kunst und geht auf ei­ne Stif­tung des in Ko­blenz ge­bo­re­nen Mä­zens Pe­ter Lud­wig (1925-1996) und sei­ner Frau Ire­ne (1927-2010) zu­rück.

Ausschnitt aus dem Dilbecker-Plan, Oktober 1794. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Die ers­te be­kann­te Nen­nung des spä­te­ren Deut­schen Ecks da­tiert vom 5.2.1501. Da­mals wand­ten sich Bür­ger­meis­ter und Rat der Stadt Ko­blenz we­gen ei­ner Pfor­te am du­it­schen ort an den Rit­ter­or­den. Das Wört­chen „Ort" meint in ei­nem spe­zi­el­len, heu­te nicht mehr ge­bräuch­li­chen Sinn ei­ne Land­spit­ze an Ge­wäs­ser­mün­dun­gen. Im Lauf der Jahr­hun­der­te wan­del­te sich die Be­zeich­nung all­mäh­lich zu „Deut­sches Eck". Den ers­ten kar­to­gra­phi­schen Be­leg für den Ab­schluss die­ser Ent­wick­lung bie­tet der so­ge­nann­te Dil­be­cker-Plan vom Ok­to­ber 1794, der den Na­men am teut­sche eck be­nutzt. Hart am Was­ser ist der Rü­des­hei­mer Hof zu er­ken­nen, der zur Deut­schor­dens­kom­men­de ge­hör­te und 1805/1806 ab­ge­ris­sen wur­de.

Fo­to­gra­fi­sche Auf­nah­men aus dem letz­ten Vier­tel des 19. Jahr­hun­derts zei­gen, dass die Mo­sel am Deut­schen Eck na­he­zu recht­wink­lig in den Rhein mün­de­te. Un­mit­tel­bar vor dem Mo­sel­u­fer er­streck­te sich ei­ne Sand­bank, die im Volks­mund den Na­men „Hunds­schwanz" trug. Dort wur­de am 27.1.1858 ein Ge­denk­stein ent­hüllt, der an die Hoch­zeit des preu­ßi­schen Kron­prin­zen Fried­rich Wil­helm, des spä­te­ren Kai­sers Fried­rich III. (Re­gent­schaft 1888), und der eng­li­schen Prin­zes­sin Vic­to­ria (Kai­se­rin Fried­rich) (1840-1901) er­in­ner­te, die zwei Ta­ge zu­vor in Lon­don statt­ge­fun­den hat­te.[1] Über sein wei­te­res Schick­sal ist nichts be­kannt, doch wird er schon bald Hoch­was­ser und Eis­gang zum Op­fer ge­fal­len sein. Um 1880 er­folg­te an die­ser Stel­le der Bau ei­nes Schutz­ha­fens. Zu die­sem Zweck er­rich­te­te man zwei Däm­me, die sich von der Ver­län­ge­rung der Kas­tor­pfaf­fen­stra­ße mo­sel­ab­wärts und vom ehe­ma­li­gen Rü­des­hei­mer Hof rhein­ab­wärts er­streck­ten. Da­durch ver­la­ger­te sich die Mo­sel­mün­dung um et­wa 200 Me­ter wei­ter nach Nor­den. Die­ses Are­al bil­de­te den Grund­riss der Land­zun­ge, auf der rund 15 Jah­re spä­ter das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal der Rhein­pro­vinz er­rich­tet wer­den soll­te.

Ansicht des Deutschen Ecks von der Festung Ehrenbreitstein aus, um 1875. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Der spä­te­re Deut­sche Kai­ser Wil­helm I. wur­de am 22.3.1797 als zwei­ter Sohn des preu­ßi­schen Kö­nigs Fried­rich Wil­helm III. (Re­gent­schaft 1797-1840) in Ber­lin ge­bo­ren. We­gen sei­ner For­de­rung, die Ber­li­ner März­re­vo­lu­ti­on des Jah­res 1848 durch die Be­schie­ßung der Stadt mit Ka­no­nen (Kar­tät­schen) zu be­en­den, be­leg­te der ba­di­sche Re­vo­lu­tio­när Max Dor­tu (1826-1849) ihn mit dem Spott­na­men „Kar­tät­schen­prinz". Als Wil­helm im fol­gen­den Jahr, aus sei­nem Lon­do­ner Exil zu­rück­ge­kehrt, an der Spit­ze ei­nes preu­ßi­schen Ex­pe­di­ti­ons­korps die Auf­stands­ver­su­che in der baye­ri­schen Pfalz und in Ba­den nie­der­schlug, tauch­te auch in Ko­blenz ein Flug­blatt auf, das ihn un­ter dem Ti­tel Rhei­ni­scher Pro­test als Bür­ger­mör­der be­zeich­ne­te.

Rheinischer Protest, Flugblatt gegen Prinz Wilhelm von Preußen, 1849. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Von 1850 bis 1858 re­si­dier­te Wil­helm mit sei­ner Ge­mah­lin Au­gus­ta von Sach­sen-Wei­mar-Ei­se­nach (1811-1890), die er 1829 ge­hei­ra­tet hat­te, als Mi­li­tär­gou­ver­neur für Rhein­land und West­fa­len im Ko­blen­zer Schloss. Die li­be­ral ge­sinn­te Au­gus­ta fühl­te sich in Ko­blenz sehr wohl. Un­ter ih­rem Ein­fluss nahm ihr kon­ser­va­ti­ver Gat­te all­mäh­lich ei­ne ge­mä­ßig­te­re Hal­tung ein, ei­ne Ent­wick­lung, die am Ber­li­ner Hof nicht gern ge­se­hen wur­de. Nach dem Tod sei­nes Bru­ders Fried­rich Wil­helm IV. be­stieg Wil­helm 1861 den preu­ßi­schen Kö­nigs­thron. Am 18.1.1871 im Spie­gel­saal des Ver­sailler Schlos­ses zum Deut­schen Kai­ser pro­kla­miert, ge­wann Wil­helm I. nach dem En­de des Deutsch-Fran­zö­si­schen Krie­ges als „Reichs­grün­der", der für vie­le das „al­te Preu­ßen" ver­kör­per­te, zu­neh­mend an Po­pu­la­ri­tät. Nach kur­zer Krank­heit starb der Kai­ser am 9.3.1888 in Ber­lin.

Schon we­ni­ge Wo­chen spä­ter, am 13.4.1888, be­schloss die Ko­blen­zer Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, dem Ver­stor­be­nen vor dem Kur­fürst­li­chen Schloss ein Denk­mal zu set­zen. Zu die­sem Zweck stif­te­te die Stadt 30.000 Mark. Ko­blenz stand mit sei­nen Plä­nen nicht al­lein: In ganz Deutsch­land ent­stan­den nach dem Tod Wil­helms I., der sich jed­we­de Wür­di­gung sei­ner Per­son zu sei­nen Leb­zei­ten ver­be­ten hat­te, über 300 Denk­mä­ler, da­von 59 Rei­ter­stand­bil­der, von de­nen heu­te noch 13 er­hal­ten sind. Brei­te Schich­ten des deut­schen Bür­ger­tums brach­ten mit die­sem „Denk­mal­kult" ih­re Be­wun­de­rung für die preu­ßisch-deut­sche Macht­po­li­tik zum Aus­druck. Eif­rig ge­för­dert wur­den die­se Denk­mals­be­stre­bun­gen von Kai­ser Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918), dem En­kel des Ge­ehr­ten. In der Rhein­pro­vinz tru­gen sich die Städ­te Aa­chen, Bar­men (heu­te Stadt Wup­per­tal), Dü­ren, Es­sen, Glad­bach (heu­te Mön­chen­glad­bach), Köln und Trier eben­falls mit dem Ge­dan­ken, Wil­helm I. zu eh­ren, so dass sich ein re­gel­rech­ter Wett­lauf um den Stand­ort des Pro­vin­zi­al­denk­mals ent­wi­ckel­te. Ober­prä­si­dent Mo­ritz von Bar­de­le­ben (1814-1890) un­ter­stütz­te in­des­sen das Ko­blen­zer Pro­jekt, in­dem er am 9.6.1888 den An­trag des Denk­mal­ko­mi­tees an den Pro­vin­zi­al­land­tag der Rhein­pro­vinz wei­ter­lei­te­te.

Kaiser Wilhelm I., Porträt des Hoffotografen Wilhelm Kuntzemüller (1845-1918), 1884.

 

Auch pu­bli­zis­tisch ging das Ko­blen­zer Ko­mi­tee in die Of­fen­si­ve. Un­ter dem Pseud­onym „Ire­na­eus" (der Fried­fer­ti­ge) plä­dier­te Ober­bür­ger­meis­ter Emil Schül­ler (1843-1900) für Ko­blenz als Haupt­stadt und zen­tra­len Ort der Rhein­pro­vinz, wo­bei er jetzt al­ler­dings das Deut­sche Eck als Stand­ort vor­schlug. Es sei bes­ser ge­eig­net als ein Hö­hen- oder In­sel­denk­mal, das man eben­falls mit Blick auf das Sie­ben­ge­bir­ge und die In­sel Gra­fen­werth vor­ge­schla­gen hat­te. Au­ßer­dem sei nur ein Rei­ter­stand­bild der Wür­de und Grö­ße des ver­stor­be­nen Kai­sers an­ge­mes­sen. Am 11.12.1890 stimm­te der Pro­vin­zi­al­land­tag über die Denk­mal­fra­ge ab. Von 138 Ab­ge­ord­ne­ten spra­chen sich 54 für das Sie­ben­ge­bir­ge aus, 32 stimm­ten für das Deut­sche Eck, auf Ko­blenz oh­ne nä­he­re Be­zeich­nung des Plat­zes ent­fie­len 53 Stim­men. Man be­schloss an­ge­sichts die­ses un­kla­ren Ab­stim­mungs­er­geb­nis­ses, Kai­ser Wil­helm II. um ei­ne Ent­schei­dung zu bit­ten. Am 16.3.1891 er­ging ei­ne Ka­bi­netts­ord­re, die end­gül­tig das Deut­sche Eck zum Stand­ort be­stimm­te. Aus­schlag­ge­bend für das kai­ser­li­che Vo­tum dürf­te ei­ne Äu­ße­rung der Gro­ß­mut­ter Wil­helms II., Kai­se­rin Au­gus­ta, ge­we­sen sein, dass Ko­blenz der ge­eig­ne­te Platz für das Denk­mal sei, da ihr Gat­te hier vie­le Jah­re ge­lebt, sich mit der Re­or­ga­ni­sa­ti­on des preu­ßi­schen Hee­res be­fasst und so den Grund­stein für den Auf­bau des Deut­schen Rei­ches ge­legt ha­be. Auf Grund der Ka­bi­netts­ord­re lob­te der Pro­vin­zi­al­aus­schuss am 22.3.1892 ei­nen Wett­be­werb zur Er­rich­tung ei­nes Rei­ter­stand­bil­des am Deut­schen Eck aus. Aus den 26 ein­ge­gan­ge­nen Be­wer­bun­gen ent­schied sich die Ju­ry für den Ent­wurf „Rhein­stein" des Ar­chi­tek­ten Bru­no Schmitz (1858-1916) und des Bild­hau­ers Emil Hundrie­ser (1846-1911). Im De­zem­ber 1892 hieß der Pro­vin­zi­al­land­tag die Ent­schei­dung des Preis­ge­richts gut, und am 12. No­vem­ber ge­neh­mig­te Kai­ser Wil­helm II. die Aus­füh­rung des Mo­dells, das zwi­schen­zeit­lich ge­ring­fü­gig ge­än­dert wor­den war.

Deutsches Eck mit Schutzhafen, um 1882. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Die Bau­ar­bei­ten be­gan­nen im Sep­tem­ber 1895 und ver­än­der­ten das Are­al am Deut­schen Eck grund­le­gend. Nach der Be­sei­ti­gung des Si­cher­heits­ha­fens er­höh­te man das neu­ge­won­ne­ne Ter­rain zum Schutz ge­gen Hoch­was­ser auf sie­ben Me­ter über dem Nor­mal­was­ser­stand und be­fes­tig­te die Ufer ent­lang von Rhein und Mo­sel mit 350 Me­tern Mau­er­werk. Der Denk­mal­so­ckel, auch als Pfei­ler­hal­le be­zeich­net, trug das 14 Me­ter ho­he Rei­ter­stand­bild und ist von ei­ner 88 Me­ter lan­gen Per­go­la halb­kreis­för­mig um­fan­gen. Die Fi­gu­ren­grup­pe, aus zwei bis drei Mil­li­me­ter star­kem Kup­fer­blech ge­trie­ben, be­stand aus dem Kai­ser zu Pfer­de in Ge­ne­ral­s­uni­form, den Mar­schall­stab in der rech­ten Hand, ein neun Me­ter ho­her Ge­ni­us zu sei­ner Lin­ken. Für das ins­ge­samt 44 Me­ter ho­he Denk­mal be­nö­tig­te man 350 Zent­ner Kup­fer und 2.900 Ku­bik­me­ter Schwarz­wäl­der Gra­nit. Die Bau­kos­ten la­gen mit über 1,5 Mil­lio­nen Reichs­mark um mehr als das Drei­fa­che über der ur­sprüng­lich ver­an­schlag­ten Sum­me. Auf Be­schluss des Pro­vin­zi­al­land­ta­ges vom 13.1.1897 wur­den drei In­schrif­ten an­ge­bracht, die für den na­tio­nal­po­li­ti­schen Sym­bol­ge­halt des Denk­mals kenn­zeich­nend sind. Der So­ckel trägt die Wid­mungs­in­schrift Wil­helm dem Gro­ßen, was den Ho­hen­zol­lern auf ei­ne Stu­fe mit Karl den Gro­ßen hob. Der Fries des Haupt­ge­sim­ses gibt die bei­den letz­ten Zei­len des Ge­dichts „Früh­lings­gruß an das Va­ter­land" des Dich­ters der Frei­heits­krie­ge 1813/1814 und Ko­blen­zer Re­gie­rungs­rats Max von Schen­ken­dorf (1783-1817) wie­der: Nim­mer wird das Reich zer­stö­ret, wenn Ihr ei­nig seid und treu. Die „Stif­ter­in­schrift" auf der Rück­sei­te des Denk­mal­so­ckels lau­tet: Er­rich­tet von der Rhein­pro­vinz i. J. 1897.

Die fest­li­che Ein­wei­hung fand am 31.8.1897 statt. Kai­ser Wil­helm II. und sei­ne Gat­tin Au­gus­te Vik­to­ria (1858-1921) tra­fen um 11 Uhr vor­mit­tags ein. Nach der Be­grü­ßungs­hym­ne der Ko­blen­zer und Köl­ner Ge­sang­ver­ei­ne hielt der Fürst zu Wied na­mens der Pro­vinz die Fest­re­de. Es folg­ten das Kai­ser­hoch, das Ab­sin­gen der Na­tio­nal­hym­ne, Ka­no­nen­don­ner und Glo­cken­ge­läut. Nach der of­fi­zi­el­len Be­sich­ti­gung und der Ab­nah­me der Pa­ra­de über die am Rhein­ufer auf­ge­stell­ten Trup­pen der Co­blen­zer Gar­ni­son zog sich das Kai­ser­paar ins Kur­fürst­li­che Schloss zu­rück. Ei­ne Rhein­fahrt der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie be­schloss den Fest­tag.

Das Denkmal am Deutschen Eck kurz vor der Vollendung, Frühjahr 1897. (Stadtarchiv Koblenz)

 

3. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – zeitgenössische Rezeption, Kritik und „Nutzung"

Ob­wohl Aus­füh­rung und Wir­kung des Pro­vin­zi­al­denk­mals am Deut­schen Eck in der zeit­ge­nös­si­schen Re­zep­ti­on meist gut­ge­hei­ßen wur­den, er­ho­ben sich doch schon bald kri­ti­sche Stim­men – auch aus ar­chi­tek­tur­his­to­ri­scher und denk­mal­pfle­ge­ri­scher Sicht. Das wohl ge­wich­tigs­te zeit­ge­nös­si­sche Ur­teil stammt von dem da­ma­li­gen Pro­vin­zi­al­kon­ser­va­tor der Rhein­pro­vinz, Paul Cle­men. Im De­zem­ber 1903 war Cle­men beim Kunst-, Kunst­ge­wer­be- und Al­ter­tums­ver­ein für den Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz zu Gast, als er im Gro­ßen Saal des Ko­blen­zer Ca­si­nos ei­nen Vor­trag über mo­der­ne Plas­tik hielt. Da­bei un­ter­zog er das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal ei­ner her­ben Kri­tik, die in der Fest­stel­lung gip­fel­te: Es sol­le wir­ken wie ein Faust­schlag in der Land­schaft, die­se aber hat den Faust­schlag wirk­lich nicht ver­dient. Der Kai­ser­fi­gur fehlt die Sil­hou­et­te voll­stän­dig, es sei denn, daß man sie vom Mast­korb ei­nes vor­über­fah­ren­den Schif­fes aus „ge­nie­ßt"[2]. Über 25 Jah­re spä­ter, 1930, ge­lang­te der links­li­be­ra­le Pu­bli­zist und Schrift­stel­ler Kurt Tuchol­s­ky (1890-1935), wenn auch aus gänz­lich an­de­rer In­ten­ti­on, an­läss­lich ei­ner Mo­sel­fahrt zu ei­nem ähn­li­chen Ur­teil, das ver­blüf­fen­der­wei­se die Cle­men­sche Me­ta­pher des „Faust­schlags" auf­griff: Da stand – Tsching­bumm! – ein rie­si­ges Denk­mal Kai­ser Wil­helms des Ers­ten: ein Faust­schlag aus Stein. [...] Das Ding sah aus wie ein gi­gan­ti­scher Tor­ten­auf­satz und re­prä­sen­tier­te je­nes Deutsch­land, das am Krie­ge schuld ge­we­sen ist [...] es war ganz gro­ßar­tig. Ich schwieg er­schüt­tert [...]. 1938 fer­tig­te ein Be­diens­te­ter der Stadt­ver­wal­tung ei­ne Ab­schrift die­ses Ar­ti­kels aus der „Welt­büh­ne" vom 14.1.1930 an und ver­sah sie mit der Be­mer­kung: Echt jü­di­sche Schrift, und ei­ne an­de­re Hand setz­te hin­zu: Die In-die-Ak­ten­nah­me er­folg­te ja auch des­halb, um der Nach­welt ein Bild von die­ser Auf­fas­sung zu er­hal­ten.[3] Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Guil­lau­me Apol­li­n­ai­re (1880-1918) sprach von ei­nem scheu­ß­li­chen Denk­mal, schau­rig und rie­sen­haft, zeigt den Deut­schen Kai­ser zu Pfer­de, mit Hand­schu­hen.

Sängerbund der Münchner Straßenbahner am Deutschen Eck, August 1929. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Seit den 1920er Jah­ren ent­wi­ckel­te sich das Deut­sche Eck, sei­nes po­li­tisch-ideo­lo­gi­schen Be­deu­tungs­ge­halts nur vor­der­grün­dig ent­klei­det, mehr und mehr zu ei­ner At­trak­ti­on für den Frem­den­ver­kehr. Zahl­rei­che Be­su­cher- und Tou­ris­ten­grup­pen lie­ßen sich vor dem Denk­mal fo­to­gra­fie­ren. Aber auch Kund­ge­bun­gen, Fei­er­lich­kei­ten und po­li­ti­sche Ma­ni­fes­ta­tio­nen jeg­li­cher Art fan­den vor dem Denk­mal statt. Am 22.7.1930 be­grü­ß­te Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Carl Rus­sell (1870-1950) an­läss­lich der Rhein­land-Be­frei­ungs­fei­er für die Ko­blen­zer Be­sat­zungs­zo­ne Reichs­prä­si­dent Paul von Hin­den­burg (1847-1934, Reichs­prä­si­dent 1925-1934) am Deut­schen Eck. Der Fest­tag mit Stadt­rund­fahrt, Be­sich­ti­gung der Fes­tung Eh­ren­breit­stein und Ban­kett in der Stadt­hal­le en­de­te in­des­sen mit der grö­ß­ten zi­vi­len Ka­ta­stro­phe in der Ge­schich­te der Stadt Ko­blenz. Nach dem abend­li­chen Feu­er­werk vor der Ku­lis­se des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals brach ei­ne Pon­ton­brü­cke im Lüt­zeler Si­cher­heits­ha­fen un­ter der über­gro­ßen Last heim­wärts drän­gen­der Zu­schau­er zu­sam­men, 38 Men­schen er­tran­ken.

Der Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Karl Russell (rechts) begrüßt Reichspräsident Paul von Hindenburg am Deutschen Eck, 22.7.1930. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Wäh­rend des „Drit­ten Rei­ches" bot das Denk­mal den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten im­mer wie­der ei­ne will­kom­me­ne, sym­bol­träch­ti­ge Ku­lis­se für ih­re Pro­pa­gan­da­ver­an­stal­tun­gen. Am 1.5.1934 or­ga­ni­sier­te die NS­DAP aus An­lass des „Tags der Ar­beit" ei­ne Kund­ge­bung am Deut­schen Eck. We­ni­ge Mo­na­te spä­ter, im Au­gust des glei­chen Jah­res, in­stru­men­ta­li­sier­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten das Denk­mal ein wei­te­res Mal für ih­re Zwe­cke, in­dem sie ein Trans­pa­rent mit Max von Schen­ken­dorfs De­vi­se vom Denk­mal­so­ckel vor der Pfei­ler­hal­le auf­zo­gen: Nim­mer wird das Reich zer­stö­ret, wenn Ihr ei­nig seid und treu. Bei der völ­ker­rechts­wid­ri­gen Re­mi­li­ta­ri­sie­rung des Rhein­lands am 7.3.1936 be­schwor der Schluss­ap­pell der ein­ge­zo­ge­nen Trup­pen am Deut­schen Eck die „Wie­der­ge­win­nung der Wehr­ho­heit."

4. Zerstörung des Denkmals 1945 – Pläne zur Neugestaltung und Widmung als „Denkmal der deutschen Einheit"

Am 7.3.1945 be­setz­te die 4. US-Pan­zer­di­vi­si­on die Stadt­tei­le links der Mo­sel. Der ent­schei­den­de Vor­stoß in Rich­tung In­nen­stadt ge­lang am 17. März, nach­dem Trup­pen­tei­le bei Güls nach Mo­sel­weiß über­set­zen konn­ten. Ge­deckt wur­de die­ser An­griff un­ter an­de­rem durch das 346. US-Ar­til­le­rie­ba­tail­lon, dem auch ein Ober­leut­nant Stu­ckey an­ge­hör­te. Er lei­te­te aus ei­ner Stel­lung bei Rü­be­nach das Feu­er sei­ner Ein­heit auf Ko­blenz.

Denkmal am Deutschen Eck, August 1934. Transparent mit der Devise Schenkendorfs vom Denkmalsockel zwischen zwei Hakenkreuzfahnen. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Da­bei bil­de­te das Denk­mal am Deut­schen Eck auf den Mi­li­tär­kar­ten ei­nen wich­ti­gen Ziel­punkt. Mög­li­cher­wei­se ver­mu­te­ten die Ame­ri­ka­ner ei­nen deut­schen Be­ob­ach­tungs­pos­ten im Denk­mal­so­ckel – was auch tat­säch­lich der Fall war. Dass Ge­ne­ral Dwight D. Ei­senhow­er (1890-1969) per­sön­lich die Zer­stö­rung des Denk­mals be­foh­len ha­ben soll, ge­hört wohl ins Reich der Le­gen­de. Meh­re­re Ge­schos­se schlu­gen ne­ben dem Denk­mal­so­ckel ein, so dass Luft­druck und Split­ter­wir­kung das Rei­ter­stand­bild zur Sei­te kip­pen lie­ßen. Der Ko­blen­zer Franz Alt­mei­er no­tier­te am 16. März in sei­nem Ta­ge­buch: Vom Küs­ter Her­mann er­fah­ren wir, daß das Denk­mal am Deut­schen Eck be­reits be­schos­sen wur­de. Am 18. März war das links­rhei­ni­sche Ko­blen­zer Stadt­ge­biet voll­stän­dig in ame­ri­ka­ni­scher Hand.

Das Schick­sal des Rei­ter­stand­bil­des in der un­mit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit hat im­mer wie­der zu Spe­ku­la­tio­nen An­lass ge­ge­ben. Auf An­ord­nung der fran­zö­si­schen Mi­li­tär­re­gie­rung wur­de es 1946 oder 1947 de­mon­tiert, zu­nächst soll es im In­nen­hof des Rat­hau­ses ge­stan­den ha­ben. Tei­le des Denk­mals wa­ren im Spät­som­mer 1947 bei zwei Ko­blen­zer Fir­men ein­ge­la­gert, wo der wert­vol­le Schrott dann spur­los ver­schwand. Da er of­fen­sicht­lich „ver­scho­ben" wor­den war, mach­te bald das ge­flü­gel­te Wort vom „längs­ten Denk­mal der Welt" die Run­de, sei das Me­tall doch, wie es ge­rüch­te­wei­se hieß, zu Kup­fer­draht für die Ko­blen­zer Stra­ßen­bahn ver­ar­bei­tet wor­den. Nur der Kopf des Kai­sers blieb er­hal­ten und be­fin­det sich heu­te als Dau­er­leih­ga­be im Mit­tel­rhein-Mu­se­um.

Zerstörtes Reiterstandbild, 1946. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Bis zum En­de der 1950er Jah­re las­sen sich et­li­che Neu­ge­stal­tungs­vor­schlä­ge für das Deut­sche Eck nach­wei­sen, die aus­nahms­los von der Vor­aus­set­zung aus­gin­gen, dass ei­ne Wie­der­er­rich­tung des Denk­mals für Kai­ser Wil­helm I. nicht in Fra­ge kom­me. 1945 oder 1946 reg­te Os­wald Oeh­men beim Ko­blen­zer Ober­bür­ger­meis­ter an, ein ho­hes eher­nes Kreuz auf dem ver­wais­ten So­ckel zu er­rich­ten.[4] Aus der Be­grün­dung für die­sen Plan sprach ei­ne ka­tho­lisch-op­po­si­tio­nel­le Grund­hal­tung, die das un­ge­lieb­te Preu­ßen un­um­wun­den mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus gleich­setz­te. Ei­nen ähn­li­chen Ge­stal­tungs­vor­schlag mach­te die rhein­land-pfäl­zi­sche Lan­des­re­gie­rung 1951, die auf dem er­hal­te­nen So­ckel ein 40 Me­ter ho­hes Kreuz als Ge­denk­stät­te für die Ge­fal­le­nen al­ler am Zwei­ten Welt­krieg be­tei­lig­ten Na­tio­nen er­rich­ten woll­te. Auch der ehe­ma­li­ge preu­ßi­sche Staats­kon­ser­va­tor Ro­bert Hiecke (1876-1952) brach­te ein Mahn­mal ins Ge­spräch, das sich auf den Deut­schen Or­den als den Na­mens­ge­ber des Orts, die Zer­stö­rung der Stadt im Zwei­ten Welt­krieg oder die Völ­ker­ver­söh­nung be­zie­hen soll­te. Da­bei mahn­te er ei­ne be­schei­de­ne Di­men­sio­nie­rung an, hät­te man doch schon das zer­stör­te Kai­ser­denk­mal an die­ser Stel­le als schwe­re Stö­rung des Land­schafts­bil­des emp­fin­den müs­sen. Hiecke warn­te vor ei­ner über­stürz­ten Ent­schei­dung, da sonst nicht wie­der gut zu ma­chen­de Feh­ler zu be­fürch­ten sei­en.

Kopf des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Hof der Kunstschmiede Hermann Schröder in der Bendorfer Concordiastraße, um 1965. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Han­del­te es sich bei die­sen Plä­nen um Ein­zel­pro­jek­te, die der Öf­fent­lich­keit zum Teil gar nicht be­kannt wur­den, lob­te die fran­zö­si­sche Mi­li­tär­re­gie­rung Mit­te 1946 ei­nen Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb zur end­gül­ti­gen Ge­stal­tung des Deut­schen Ecks un­ter dem Mot­to „Frie­den und Völ­ker­ver­söh­nung" aus. Da­mit woll­te man auch ein wich­ti­ges Zei­chen für das Wie­der­auf­le­ben ar­chi­tek­to­ni­scher Tä­tig­keit in der fran­zö­si­schen Be­sat­zungs­zo­ne set­zen. Bis zum 15.10.1946 konn­ten Ide­en­skiz­zen ein­ge­reicht wer­den, die durch ein von der Mi­li­tär­re­gie­rung ein­ge­setz­tes Preis­ge­richt be­wer­tet wer­den soll­ten. Über 100 Ar­chi­tek­ten for­der­ten die Wett­be­werbs­un­ter­la­gen an, und bis zum fest­ge­setz­ten Ter­min gin­gen 75 Ent­wurfs­skiz­zen, von de­nen heu­te noch 24 do­ku­men­tiert wer­den kön­nen, beim Ko­blen­zer Staats­hoch­bau­amt ein. Der ein­zi­ge über­re­gio­nal be­kann­te Teil­neh­mer war Ot­to Ernst Schwei­zer (1890-1965), von 1930 bis 1960 Pro­fes­sor an der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Karls­ru­he. Schwei­zer for­der­te, dass die Um­ge­stal­tung des Deut­schen Ecks in den grö­ße­ren Zu­sam­men­hang ei­ner um­fas­sen­den städ­te­bau­li­chen Neu­kon­zep­ti­on für das kriegs­zer­stör­te Ko­blenz ge­stellt wer­den müs­se. Da­ge­gen schlu­gen die üb­ri­gen ein­ge­reich­ten Ent­wür­fe meis­ten­teils ei­ne eher kon­ven­tio­nel­le Denk­mal­ar­chi­tek­tur vor, die hier und da den noch vor­han­de­nen Denk­mal­so­ckel mit ein­be­zog, aber im­mer nur den en­ge­ren Be­reich der Mo­sel­mün­dung in den Blick nahm.

Die Ent­wür­fe las­sen sich grob in zwei Grup­pen un­ter­tei­len: Wäh­rend die ers­te Grup­pe, die oft­mals ir­gend­wel­che Ge­bäu­de am Deut­schen Eck vor­sah, sich an ei­ner zweck­haf­ten, eher „un­po­li­ti­schen" Ge­stal­tung des Are­als ori­en­tier­te, blieb die zwei­te Grup­pe noch stär­ker ei­ner land­läu­fi­gen Denk­mal­s­idee ver­haf­tet, wo­bei sich die Pla­ner der an­ti­ken, wil­hel­mi­ni­schen oder gar na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen For­men­spra­che be­dien­ten. „Aus­rei­ßer" war zwei­fels­oh­ne der pa­zi­fis­ti­sche Bei­trag des Ko­blen­zer Ar­chi­tek­ten Ot­to Schön­ha­gen (1885-1954) mit dem be­zeich­nen­den Ti­tel „Statt ei­nes Mo­nu­ments der Macht vier Gär­ten des Frie­dens".

Zustand des Denkmals am Deutschen Eck, um 1951. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Am 24.5.1947 be­rich­te­te die „Rhein-Zei­tung", dass der Ide­en­wett­be­werb vor ei­ni­gen Ta­gen ab­ge­schlos­sen wor­den sei. Aus 69 Ent­wür­fen – die Mit­glie­der der Be­wer­tungs­kom­mis­si­on hat­ten ih­re ei­ge­nen Bei­trä­ge zu­rück­ge­zo­gen – wähl­te die Ju­ry 20 Vor­schlä­ge aus. Dar­un­ter be­fan­den sich je­doch nicht die Ent­wür­fe von Schön­ha­gen und Pabst, die schon im No­vem­ber 1946 von der fran­zö­si­schen Mi­li­tär­re­gie­rung fa­vo­ri­siert wor­den wa­ren. Zwar be­män­gel­te Lan­des­kon­ser­va­tor Wer­ner Born­heim gen. Schil­ling (1915-1992), dass er nicht an der Ent­schei­dungs­fin­dung be­tei­ligt ge­we­sen sei, und in der Pres­se wur­den Stim­men laut, die die feh­len­de öf­fent­li­che Vor­stel­lung und Kri­tik der Bei­trä­ge rüg­ten. Doch lie­ßen die all­täg­li­chen Sor­gen und Nö­te der Nach­kriegs­zeit das In­ter­es­se an dem Wett­be­werb merk­lich schwin­den, so dass das groß di­men­sio­nier­te Pro­jekt der Neu­ge­stal­tung des Deut­schen Ecks letzt­lich im San­de ver­lief.

Zu Be­ginn der 1950er Jah­re war al­so im­mer noch nicht über das wei­te­re Schick­sal des Deut­schen Ecks ent­schie­den, das in der Rechts­nach­fol­ge des durch al­li­ier­ten Kon­troll­rats­be­schluss auf­ge­lös­ten Frei­staats Preu­ßen nun dem Land Rhein­land-Pfalz ge­hör­te. Im Ge­gen­teil: Der Denk­mal­tor­so ver­wahr­los­te zu­se­hends, so dass sich das Staats­bau­amt 1951 ge­zwun­gen sah, das Bau­werk zu sper­ren, weil sich auf den schad­haf­ten Trep­pen­an­la­gen meh­re­re Un­fäl­le er­eig­net hat­ten.

Entwurf zur Neugestaltung des Deutschen Ecks von Josef Pabst, Adenau: „Friede, Freiheit, Arbeit“. Die Detailansicht des Reliefs in der Sockelzone (links oben) zeigt die allegorischen Figuren „'Vater Rhein“' und „'Mutter Mosel“'. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Im fol­gen­den Jahr setz­te das Land den Denk­mal­so­ckel für 250.000 Mark in­stand. Da­mit wur­de je­doch das al­te Pro­blem der end­gül­ti­gen Sinn­ge­bung des Denk­mals wie­der akut. In An­be­tracht des Ge­rüchts, dass dem­nächst auf dem Deut­schen Eck vor­erst die Bun­des­flag­ge we­hen sol­le, mahn­ten be­sorg­te Stim­men, man mö­ge doch bit­te kein kost­spie­li­ges Pro­vi­so­ri­um schaf­fen. In die­ser Si­tua­ti­on trat Mi­nis­ter­prä­si­dent Pe­ter Alt­mei­er (1899-1977, Mi­nis­ter­prä­si­dent 1947-1969) mit ei­ner Idee an die Öf­fent­lich­keit, die bun­des­weit Zu­stim­mung fand. Am rhein­land-pfäl­zi­schen Ver­fas­sungs­tag, dem 18.5.1953, er­klär­te Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss (1884-1963, Bun­des­prä­si­dent 1949-1959) in An­we­sen­heit Alt­mei­ers und zahl­rei­cher Eh­ren­gäs­te das Denk­mal zum „Mahn­mal der deut­schen Ein­heit". Die Bun­des­flag­ge, so hieß es, sol­le so lan­ge auf dem Denk­mal­so­ckel we­hen, bis die Ein­heit Deutsch­lands in Frei­heit wie­der­her­ge­stellt sei. Im Rund­gang der Per­go­la zei­gen Bron­ze­ta­feln die Wap­pen der da­ma­li­gen Bun­des­län­der. An den bei­den En­den der Wap­pen­rei­he nen­nen zwei wei­te­re Ta­feln die Län­der und Pro­vin­zen, die 1953 nicht zur Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ge­hör­ten: auf der lin­ken Sei­te Thü­rin­gen, Sach­sen, das Saar­ge­biet und Schle­si­en, rechts Bran­den­burg, Pom­mern, Meck­len­burg und Ost­preu­ßen.

Zustand des Denkmals am Deutschen Eck, um 1951. (Stadtarchiv Koblenz)

 

5. Wiederrichtung des Reiterstandbildes 1993

Schon 1958 be­fass­te sich der Ko­blen­zer Stadt­rat er­neut mit dem Deut­schen Eck. Ein Rats­mit­glied ver­wies auf die Ver­ständ­nis­lo­sig­keit vie­ler Tou­ris­ten, die frag­ten, war­um das ur­sprüng­li­che Denk­mal noch nicht wie­der­her­ge­stellt sei. In die­sem Zu­sam­men­hang mach­te Ober­bür­ger­meis­ter Jo­sef Schnor­bach (1893-1973) deut­lich, dass die Um­wid­mung des Tor­sos durch Bun­des­prä­si­dent Heuss für ihn per­sön­lich nur ein Pro­vi­so­ri­um dar­stel­le. Die Pres­se­be­richt­er­stat­tung über die­se Stadt­rats­sit­zung lös­te ein enor­mes Echo aus und rief meh­re­re Le­ser­brief­schrei­ber auf den Plan, die ve­he­ment die Wie­der­er­rich­tung des zer­stör­ten Rei­ter­stand­bil­des for­der­ten. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten stand das The­ma im­mer wie­der auf der Ta­ges­ord­nung der Lo­kal­po­li­tik, so auch im Jahr 1974: „Den ‚Kai­ser Wil­helm’ [...] möch­ten nach ei­ner Um­fra­ge der ‚R­hein-Zei­tung’ Ko­blenz 95 Pro­zent der Ko­blen­zer wie­der­ha­ben".[5] Im glei­chen Jahr wur­de zur Grün­dung ei­ner „Ak­ti­ons­ge­mein­schaft Deut­sches Eck" auf­ge­ru­fen, de­ren Zweck die Wie­der­er­rich­tung des Denk­mals sein soll­te. 1985 er­klär­te der in Ko­blenz ge­bo­re­ne Mä­zen und Kunst­samm­ler Pe­ter Lud­wig, das Preis­geld des ihm ver­lie­he­nen Ko­blen­zer Kul­tur­prei­ses für die Wie­der­er­rich­tung des Rei­ter­stand­bil­des spen­den zu wol­len. Am 14.11.1987 ga­ben der Ver­le­ger Dr. Wer­ner Thei­sen (1927-1993) und sei­ne Frau An­ne­lie­se be­kannt, dass sie sich no­ta­ri­ell ver­pflich­tet hät­ten, der Stadt Ko­blenz die noch her­zu­stel­len­de Re­kon­struk­ti­on des Rei­ter­stand­bil­des, de­ren Kos­ten mit drei Mil­lio­nen Mark ver­an­schlagt wur­den, zu schen­ken. Da­mit ge­wann die De­bat­te um das Für und Wi­der ei­ner even­tu­el­len Re­kon­struk­ti­on ei­ne neue Qua­li­tät.

We­ni­ge Mo­na­te spä­ter, im Fe­bru­ar 1988, lehn­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Bern­hard Vo­gel (ge­bo­ren 1932, Mi­nis­ter­prä­si­dent von Rhein­land-Pfalz 1976-1988) für das Land Rhein­land-Pfalz als Ei­gen­tü­mer des Denk­mal­grund­stücks das Schen­kungs­an­ge­bot des Ehe­paars Thei­sen ab. Die Bun­des­flag­ge sol­le so lan­ge auf dem Denk­mal­so­ckel we­hen, wie auch die deut­sche Fra­ge of­fen sei. Kurz dar­auf grün­de­te ein Kreis von Be­für­wor­tern die „Bür­ger­initia­ti­ve Deut­sches Eck", die am 28.2.1989 den Düs­sel­dor­fer Bild­hau­er Rai­mund Kittl ver­trag­lich ver­pflich­te­te, ei­ne Nach­bil­dung des Rei­ter­stand­bil­des in Form ei­nes Bron­ze­gus­ses an­zu­fer­ti­gen. In­zwi­schen war die An­ge­le­gen­heit be­reits The­ma der über­re­gio­na­len Be­richt­er­stat­tung, so dass Bür­ger­meis­ter Gün­ter Hank für die Stadt Kö­nigs­win­ter En­de 1988 be­kannt gab, dort wür­de man das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal gern auf­stel­len, falls die Ko­blen­zer es nicht woll­ten – der Rhei­ni­sche Pro­vin­zi­al­land­tag hat­te sich sei­ner­zeit ge­gen Kö­nigs­win­ter als Denk­mal­stand­ort aus­ge­spro­chen. Die von der Lan­des­re­gie­rung ein­ge­setz­te Ex­per­ten­kom­mis­si­on, die die künst­le­ri­schen, kunst­ge­schicht­li­chen, his­to­ri­schen und ak­tu­el­len po­li­ti­schen Fra­gen und Pro­ble­me ei­ner mög­li­chen Re­kon­struk­ti­on zu er­ör­tern hat­te, riet am 7.9.1990 mit sie­ben ge­gen vier Stim­men von ei­ner Wie­der­auf­stel­lung ab. Das Vo­tum wur­de in­des­sen schon we­ni­ge Ta­ge spä­ter durch die Ent­schei­dung der Lan­des­re­gie­rung hin­fäl­lig, an­ge­sichts der be­vor­ste­hen­den deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung am 3.10.1990 der Wie­der­her­stel­lung zu­zu­stim­men und das Schen­kungs­an­ge­bot des Ehe­paars Thei­sen an­zu­neh­men. Zur Be­grün­dung er­klär­te Kul­tus­mi­nis­ter Ge­org Göl­ter (ge­bo­ren 1938, Kul­tus­mi­nis­ter 1981-1991) am 11. Sep­tem­ber, nach dem Fall der Mau­er im No­vem­ber 1989 hät­te der Denk­mal­tor­so sei­ne Be­deu­tung als Mahn­mal der deut­schen Ein­heit end­gül­tig ver­lo­ren.

Einweihung des Deutschen Ecks als Mahnmal der deutschen Einheit durch Bundespräsident Theodor Heuss am 18.5.1953. (Stadtarchiv Koblenz)

 

Nun­mehr schlos­sen sich die Geg­ner ei­ner Re­kon­struk­ti­on des Denk­mals en­ger zu­sam­men. Im No­vem­ber 1990 sprach sich die Syn­ode des evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Ko­blenz mit gro­ßer Mehr­heit ge­gen die Wie­der­er­rich­tung aus und emp­fahl, die künf­ti­ge Ge­stal­tung des Denk­mals am Bei­trag der fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on in der ehe­ma­li­gen DDR für die Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands aus­zu­rich­ten. Die im Fe­bru­ar 1991 ge­grün­de­te Bür­ger­initia­ti­ve „Der De­mo­kra­tie ein Denk­mal" be­zeich­ne­te aus­drück­lich die Ver­hin­de­rung ei­nes neu­en Stand­bil­des als obers­tes Ziel ih­rer Ar­beit. Aus Pro­test ge­gen die Rol­le Wil­helms I. bei der Nie­der­schla­gung der pfäl­zi­schen und ba­di­schen Re­vo­lu­ti­on im Jahr 1849 ver­hüll­ten Mit­glie­der der Ko­blen­zer „Grü­nen" am 17.3.1991 Tei­le des Denk­mal­so­ckels mit Trans­pa­ren­ten. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass der Neu­guss des Stand­bil­des durch Bild­hau­er Rai­mund Kittl schon recht weit fort­ge­schrit­ten war, er­klär­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Ro­se Göt­te (ge­bo­ren 1938, Mi­nis­te­rin 1991-2001) in ei­ner Land­tags­de­bat­te am 14.11.1991, dass ein Kom­pro­miss zwi­schen dem Ehe­paar Thei­sen und der Lan­des­re­gie­rung in greif­ba­re Nä­he ge­rückt sei. Das neue Rei­ter­stand­bild sol­le nicht auf dem So­ckel, son­dern eben­er­dig auf­ge­stellt wer­den; dar­über hin­aus sei für 1992 die Aus­schrei­bung ei­nes Ide­en­wett­be­werbs für die end­gül­ti­ge Ge­stal­tung des Deut­schen Ecks ge­plant.

Am 16.5.1992 traf der Bron­ze­guss, in meh­re­re Tei­le zer­legt, auf dem Fracht­schiff „Fu­tu­ra" am Ko­blen­zer Mo­sel­u­fer ein. Meh­re­re tau­send Schau­lus­ti­ge ver­folg­ten sei­ne An­kunft. Von der Bon­ner Süd­brü­cke hat­ten Un­be­kann­te ei­nen Ei­mer wei­ßer Far­be auf das Schiff ge­schleu­dert, oh­ne dass die Fracht grö­ße­ren Scha­den er­lit­ten hät­te. Zwei Ta­ge spä­ter trans­por­tier­te man das Rei­ter­stand­bild in den Wal­lers­hei­mer Ha­fen, wo es so lan­ge la­gern soll­te, bis es fer­tig mon­tiert war und über sein wei­te­res Schick­sal Klar­heit herrsch­te. Am 4.6.1992 nahm der Stadt­rat das An­ge­bot des Lan­des an, der Stadt Ko­blenz das Denk­ma­lare­al kos­ten­los zu über­las­sen und dar­über hin­aus 1,1 Mil­lio­nen Mark für ei­ne teil­wei­se Re­stau­rie­rung und ei­ne sta­ti­sche Er­tüch­ti­gung zu­zu­schie­ßen, denn mit 69 Ton­nen war die Nach­bil­dung er­heb­lich schwe­rer als das Ori­gi­nal, das nur 40 Ton­nen ge­wo­gen hat­te. Al­ler­dings soll­te das Land die Sa­nie­rung der Ba­lus­tra­de vor der Ei­gen­tums­über­tra­gung an die Stadt in Ei­gen­re­gie durch­füh­ren. Im Au­gust ei­nig­ten sich das Ehe­paar Thei­sen, das Land Rhein­land-Pfalz und die Stadt Ko­blenz end­gül­tig in die­sem Sin­ne. Zu­sätz­lich hat­te die Stadt nun al­le Kos­ten zu tra­gen, die mit der Mon­ta­ge des Stand­bil­des auf dem Denk­mal­so­ckel zu­sam­men­hin­gen.

In An­we­sen­heit von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ru­dolf Schar­ping (ge­bo­ren 1947, Mi­nis­ter­prä­si­de­net 1991-1994) und Ver­tre­tern fast al­ler Bun­des­län­der wur­den am 20.12.1992 zum Ab­schluss der 2000-Jahr-Fei­er der Stadt Ko­blenz die Fah­nen al­ler 16 deut­schen Bun­des­län­der ge­hisst. Im Fe­bru­ar 1993 be­gan­nen un­ter der Re­gie des Staats­bau­amts Ko­blenz-Süd die In­stand­set­zungs­ar­bei­ten am So­ckel und an der Ba­lus­tra­de. Ein­ge­schal­tet war auch das städ­ti­sche Hoch­bau­amt, des­sen Auf­ga­be in der Vor­be­rei­tung und Über­wa­chung der Wie­der­auf­stel­lung be­stand. En­de Mai gab die Bür­ger­initia­ti­ve Deut­sches Eck be­kannt, dass die Wie­der­auf­stel­lung für An­fang Sep­tem­ber ge­plant sei und dass man das Er­eig­nis am 25. Sep­tem­ber of­fi­zi­ell fei­ern wol­le. Al­ler­dings be­stand noch im Som­mer ei­ne Fi­nan­zie­rungs­lü­cke von 350.000 Mark, so dass sich Ober­bür­ger­meis­ter Wil­li Hör­ter zu ei­nem Spen­den­auf­ruf an die Öf­fent­lich­keit ver­an­lasst sah. Bei der Auf­takt­ver­an­stal­tung im Gast­haus „Deut­scher Kai­ser" sam­mel­ten die An­we­sen­den spon­tan 32.000 Mark. Am 2.9.1993 war es dann so­weit: Am „Se­dans­tag", dem Jah­res­tag des Sie­ges der deut­schen über die fran­zö­si­schen Trup­pen im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870, wie lo­ka­le Geg­ner und auch über­re­gio­na­le Kom­men­ta­to­ren kri­tisch an­merk­ten, hob der zu die­sem Zeit­punkt grö­ß­te Kran der Welt die Nach­bil­dung des Rei­ter­stand­bil­des Kai­ser Wil­helms I. auf die re­no­vier­te Pfei­ler­hal­le. Am 25. Sep­tem­ber fand ein gro­ßes Volks­fest statt, das al­ler­dings we­gen des reg­ne­ri­schen Wet­ters weit we­ni­ger Zu­spruch fand als er­war­tet. Die Fei­er­lich­kei­ten er­leb­te der Stif­ter der Re­kon­struk­ti­on, Wer­ner Thei­sen, nicht mehr; er war am 5. 5.1993 ge­stor­ben.

6. Zusammenfassung und Ausblick

Das „Deut­sche Eck" trägt sei­nen Na­men von der Nie­der­las­sung des Deut­schen Or­dens, die un­mit­tel­bar an der Mün­dung der Mo­sel in den Rhein lag. Nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen über die Fra­ge des Stand­orts wur­de dort am 31.8.1897 das Kai­ser-Wil­helm-Denk­mal der Rhein­pro­vinz fei­er­lich ein­ge­weiht. Dies hat­te zur Fol­ge, dass die to­po­gra­phi­sche Be­zeich­nung aus ih­ren lo­ka­len Be­zü­gen ge­löst und in ei­nen na­tio­nal­po­li­tisch-ideo­lo­gi­schen Kon­text ge­stellt wur­de. Am 16.3.1945 fiel das Rei­ter­stand­bild ame­ri­ka­ni­schem Ar­til­le­rie­be­schuss zum Op­fer. Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss er­klär­te den Denk­mal­so­ckel am 18.5.1953 zum „Mahn­mal der deut­schen Ein­heit". Das An­ge­bot der Ehe­leu­te Thei­sen, der Stadt Ko­blenz ei­ne Nach­bil­dung des Rei­ter­stand­bil­des zu schen­ken, führ­te an­fangs der 1990er Jah­re zu hef­ti­gen Dis­kus­sio­nen über das Für und Wi­der der Wie­der­her­stel­lung des Kai­ser­denk­mals. Heu­te ist das Deut­sche Eck ei­ne aus­ge­spro­che­ne Tou­ris­ten­at­trak­ti­on und ein be­lieb­ter Ver­an­stal­tungs­ort. 2009 wur­de der Denk­mal­so­ckel ein zwei­tes Mal sa­niert. Zur Bun­des­gar­ten­schau (Bu­ga), die vom 15.4.-16.10.2011 in Ko­blenz statt­fand, er­fuhr der Be­reich um das Deut­sche Eck ei­ne grund­le­gen­de Neu­ge­stal­tung, die je­doch die ar­chi­tek­to­ni­schen Ge­ge­ben­hei­ten un­an­ge­tas­tet ließ. Das Denk­mal lag au­ßer­halb des Bu­ga-Be­reichs und blieb für die Öf­fent­lich­keit frei zu­gäng­lich. Kri­tik rief der Bau der Seil­bahn zur Fes­tung Eh­ren­breit­stein her­vor, da ins­be­son­de­re die fu­tu­ris­tisch ge­stal­te­te Tal­sta­ti­on den Blick auf die Kas­tor­kir­che und das Deut­sche Eck be­ein­träch­ti­ge. Ob die Seil­bahn dau­er­haft wei­ter­be­trie­ben oder, wie ur­sprüng­lich ge­plant, wie­der ab­ge­baut wird, soll nach Prü­fung der Wirt­schaft­lich­keit und un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Land­schafts­schut­zes – das Deut­sche Eck mar­kiert das En­de des UNESCO-Welt­er­bes Obe­res Mit­tel­rhein­tal – im Jahr 2013 ent­schie­den wer­den.

Quellen

Un­ge­druck­te Quel­len
Ar­chi­va­li­en zur Ge­schich­te des Deut­schen Ecks be­fin­den sich vor­nehm­lich im Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz (Be­stand 403, Ober­prä­si­di­um der Rhein­pro­vinz), im Stadt­ar­chiv Ko­blenz (Be­stand 623, Stadt Ko­blenz) und im Ar­chiv des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land (LVR) in Pul­heim-Brau­wei­ler.

Ge­druck­te Quel­len
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Kur­ze ge­schicht­li­che und bau­li­che Da­ten über das Kai­ser Wil­helm I. Denk­mal am Deut­schen Eck zu Co­blenz, Düs­sel­dorf 1897.

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Weerth, Ernst aus’m, Das Kai­ser­denk­mal der Rhein­pro­vinz. Ein Wort zur Aus­glei­chung der Ge­gen­sät­ze, Ber­lin 1891.

Literatur

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Online

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Der „'Kaiser“ in der Luft': Montage des Reiterstandbildes am 2.9.1993. (Stadtarchiv Koblenz)

 
Anmerkungen
  • 1: Bellinghausen, Hans, Ein eigenartiger Gedenkstein in Koblenz, in: Koblenzer Heimatblatt 3 (1926), Nr. 44, S. 3; Digitalisat: http://www.dilibri.de/rlb/periodical/pageview/179568 (Zugriff 13.4.2012).
  • 2: Coblenzer Volks-Zeitung Nr. 618, 12.12.1903: Locales.
  • 3: Stadtarchiv Koblenz 623 Nr. 7079, S. 92-97, Zitat S. 94-95.
  • 4: Stadtarchiv Koblenz 623 Nr. 7307, S. 41.
  • 5: Vereine – Veranstaltungen, in: Rheinische Heimatpflege N. F. 11 (1974), S. 233-235, hier S. 233.
Zitationshinweis

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Koelges, Michael, Heroisches Kaiserdenkmal oder "Faustschlag aus Stein"? Das Deutsche Eck in Koblenz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/heroisches-kaiserdenkmal-oder-%2522faustschlag-aus-stein%2522-das-deutsche-eck-in-koblenz/DE-2086/lido/57d129cb4966f6.01154517 (16.07.2018)