Adela von Pfalzel

Äbtissin (um 660/675-735)

Jennifer Striewski (Bonn)

Ade­la von Pfal­zel grün­de­te um 700 das Klos­ter Pfal­zel bei Trier, dem sie als ers­te Äb­tis­sin vor­stand. Ihr Ge­denk­tag ist der 24. De­zem­ber. 

Ade­la wur­de um 660/675 ver­mut­lich als Toch­ter der Ir­mi­na von Trier und des frän­ki­schen Se­ne­schalls und Pfalz­gra­fen Hu­go­bert (ge­stor­ben um 697) ge­bo­ren. Sie ent­stamm­te ei­nem füh­ren­den au­st­ra­si­schen A­dels­ge­schlecht und hat­te en­ge Be­zie­hun­gen zu den Ar­nul­fin­gern und Pip­pi­ni­den. Als ih­re Schwes­tern wer­den Plek­trudBer­tra­da die Äl­te­re, Re­gen­trud (um 660/665-730/740) un­d Chro­de­lin­de ­ver­mu­tet, auch wenn die­se Fa­mi­li­en­kon­struk­ti­on in der For­schung nicht un­wi­der­spro­chen ge­blie­ben ist. Über ih­re Schwes­ter Plek­trud war sie mit dem frän­ki­schen Haus­mei­er Pip­pin dem Mitt­le­ren (Re­gie­rungs­zeit 679-714) ver­schwä­gert. 

Vor ih­rem Klos­ter­ein­tritt war Ade­la ver­hei­ra­tet. Ihr Ehe­mann lässt sich mög­li­cher­wei­se mit dem vir in­lus­ter Odo iden­ti­fi­zie­ren. Aus ih­rer Ehe ging ein Sohn, Al­be­rich (ge­stor­ben nach 714) her­vor. Ihr En­kel war Gre­gor von Ut­recht (707-776).

Nach dem To­de ih­res Man­nes er­warb Ade­la um 700 von ih­rem Schwa­ger Pip­pin dem Mitt­le­ren durch Gü­ter­tausch die Grund­herr­schaft in Pfal­zel und grün­de­te in dem weit­ge­hend er­hal­te­nen ehe­mals rö­mi­schen Ge­bäu­de­are­al aus dem 4. Jahr­hun­dert ein Frau­en­klos­ter als Wit­wen­sitz. Sie über­nahm die Lei­tung des Klos­ters, stat­te­te es mit rei­chen Schen­kun­gen aus und sorg­te als Klos­ter­grün­de­rin für die Zu­sam­men­füh­rung des Kon­vents und des­sen mo­nas­ti­sche Prä­gung. Die ers­ten Non­nen stamm­ten mög­li­cher­wei­se aus Oe­ren und Ni­vel­les, wo­hin Ade­la Be­zie­hun­gen pfleg­te. Wahr­schein­lich stand das Klos­ter Pfal­zel über Ech­ter­nach in Kon­takt zur an­gel­säch­si­schen Mis­si­on. Für das Jahr 721 ist ein Be­such des an­gel­säch­si­schen Mis­sio­nars Bo­ni­fa­ti­us (672/675-754/755) be­zeugt, dem sich bei die­ser Ge­le­gen­heit Ade­las En­kel Gre­gor an­schloss. Als Ei­gen­klos­ter ver­blieb Pfal­zel zu­nächst in der Hand der Klos­ter­grün­de­rin; erst 732/733 über­trug Ade­la das Klos­ter in ih­rem Tes­ta­ment dem Schutz und der Ober­herr­schaft der Trie­rer Kir­che. Um das Klos­ter nach ih­rem To­de in sei­nem wei­te­ren Be­stand zu si­chern, stat­te­te sie es zu­dem mit wei­te­rem Land­be­sitz aus. 

Ade­la starb um 735 und wur­de in Pfal­zel in der Klos­ter­kir­che bei­ge­setzt. Zwi­schen 1207 und 1802 be­fand sich ihr Grab im Chor der Stifts­kir­che. Am 9.8.1802, nach der Auf­he­bung des Stif­tes wäh­rend der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on, wur­den ih­re Ge­bei­ne in die Pfarr­kir­che St. Mar­tin in Pfal­zel, 1962 schlie­ß­lich in die St. Ma­ri­en-Kir­che über­tra­gen. 

Ade­la wur­de nicht ge­ne­rell als Hei­li­ge ver­ehrt, ihr Kult be­schränk­te sich auf Pfal­zel. In der St. Ma­ri­en- und der St. Mar­tin-Kir­che in Pfal­zel wird ih­rer am 3. Ja­nu­ar ge­dacht. 

In Trier-Pfal­zel ist die Adu­la­stra­ße nach ihr be­nannt. 

In der hoch­mit­tel­al­ter­li­chen Trie­rer Tra­di­ti­on (Li­bel­lus de re­bus Tre­vi­ren­si­bus) wur­de Ade­la un­zu­tref­fend zu ei­ner Toch­ter Kö­nig Da­go­berts I. (Re­gie­rungs­zeit 629-639), um die Grün­dung des Klos­ters Pfal­zel po­li­tisch auf­zu­wer­ten.

Quellen

Li­bel­lus de re­bus Tre­vi­ren­si­bus (MGH XIV, S. 98-106), be­arb. von Ge­org Waitz, Han­no­ver 1883.

Vi­ta Gre­go­rii ab­ba­tis Trai­ac­ten­sis auc­to­re Li­ud­ge­ro (MGH SS XV, S. 63-79), be­arb. von Os­wald Hol­der-Eg­ger, Han­no­ver 1887.

Wam­pach, Ca­mil­le, Ur­kun­den- und Quel­len­buch zur Ge­schich­te der alt­lu­xem­bur­gi­schen Ter­ri­to­ri­en bis zur bur­gun­di­schen Zeit, Band 1, Lu­xem­burg 1935.

Literatur

Bautz, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel „Ade­la", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 1 (1990), Sp. 33-34.

Heyen, Franz-Jo­sef, Das St. Ma­ri­en-Stift in (Trier-)Pfal­zel, Ber­lin 2005.

Heyen, Franz-Jo­sef, Un­ter­su­chun­gen zur Ge­schich­te des Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters Pfal­zel bei Trier (700-1016), Göt­tin­gen 1966.

Wer­ner, Mat­thi­as, Adels­fa­mi­li­en im Um­kreis der frü­hen Ka­ro­lin­ger. Die Ver­wandt­schaft Ir­mi­nas von Oe­ren und Ade­las von Pfal­zel, Sig­ma­rin­gen 1982. 

Online

Die di­gi­ta­len Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca (dmgh) (Für ei­ne Re­cher­che in­ner­halb der dmgh sie­he die je­wei­li­gen An­ga­ben un­ter der Ru­brik Quel­len). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Striewski, Jennifer, Adela von Pfalzel, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/adela-von-pfalzel/DE-2086/lido/57a8b61aca71d8.07762682 (07.12.2018)