Adolf III. von Schaumburg

Erzbischof und Kurfürst von Köln (1547-1556)

Martin Bock (Frechen)

Epitaph des Adolf von Schaumburg in der Stephanuskapelle des Kölner Doms, Foto: Reinhard Max und Axel Schenk. (Dombauarchiv Köln)

Mit Erz­bi­schof Adolf III. von Schaum­burg kehr­te die Köl­ner Kir­che nach dem Re­for­ma­ti­ons­ver­su­ch Her­manns V. von Wied auf den alt­gläu­bi­gen Weg zu­rück. Zu­sam­men mit­ ­s­ei­nen wich­tigs­ten theo­lo­gi­schen Be­ra­tern, Jo­han­nes Grop­per un­d Eber­hard Billick (1499-1557), ver­such­te Adolf die Kir­che zu re­for­mie­ren, oh­ne ­sie zu spal­ten

Adolf vom Schaum­burg wur­de am 19.1.1511 als drit­ter Sohn des Gra­fen Jobst I. von Schaum­burg und Hol­stein-Pin­ne­berg (1483-1531) und sei­ner Frau Ma­ria von Nas­sau-Dil­len­burg (1491-1547) ge­bo­ren. Ne­ben zwei äl­te­ren Brü­dern hat­te er sie­ben jün­ge­re Brü­der und zwei Schwes­tern. An­ton, ei­ner der jün­ge­ren Brü­der, soll­te sein Nach­fol­ger als Köl­ner Erz­bi­schof und Kur­fürst wer­den. Un­ty­pisch war, dass Adolf sei­ne ers­ten ­geist­li­chen Pfrün­den erst ver­hält­nis­mä­ßig spät mit et­wa 17 Jah­ren er­warb. Zu­vor hat­te er be­reits mit elf Jah­ren ein Stu­di­um in Lö­wen be­gon­nen und of­fen­bar mit Er­folg ab­ge­schlos­sen. 1528 wur­de er Dom­herr in Lüt­tich, wo er 1533 zum Dom­propst auf­stieg und au­ßer­dem die Props­tei des Hei­lig-Kreuz-Stif­tes er­hielt. 1529 er­lang­te er Dom­her­ren­stel­len in Mainz und Köln, au­ßer­dem die De­chanei am frei­ad­li­gen Stift St. Ge­re­on in Köln, des­sen Props­tei er eben­falls im Jahr 1533 für sich er­wer­ben konn­te. Ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit war sein geist­lich-welt­li­ches Dop­pel­le­ben, das er nach dem Tod sei­nes Va­ters im Jahr 1531 führ­te. Jobst hat­te ihn auf dem To­ten­bett zum Vor­mund sei­ner jün­ge­ren Ge­schwis­ter be­stimmt. Nach­dem Erz­bi­schof und Dom­ka­pi­tel sei­ner zu­sätz­li­chen welt­li­chen Auf­ga­be zu­ge­stimmt hat­ten, über­nahm er die Re­gie­rung in der nord­deut­schen Graf­schaft Schaum­burg, die er 1534 je­doch wie­der an sei­nen Bru­der Jo­hann (1512-1560) ab­trat. Erst 1544 ver­zich­te­te er, dies­mal zu­guns­ten sei­nes Bru­ders Ot­to (1517-1576), end­gül­tig auf sei­ne sä­ku­la­ren Herr­schafts­an­sprü­che.

Die­se Ent­schei­dung wird wohl auch im Zu­sam­men­hang mit der sich für ihn ab 1543 an­bah­nen­den Wahl zum Köl­ner Erz­bi­schof ge­stan­den ha­ben. Schon zehn Jah­re frü­her, am 17.12.1533, hat­te das Dom­ka­pi­tel ihn zum Ko­ad­ju­tor und da­mit zum Mit­re­gen­ten und de­si­gnier­ten Nach­fol­ger Her­manns von Wied ge­wählt – mit nur 22 Jah­ren. Of­fen­bar über­zeug­te der jun­ge Geist­li­che sei­ne Mit­ka­pi­tu­la­ren durch Auf­tre­ten und In­tel­li­genz, die sich ja be­reits im früh ab­ge­schlos­se­nen Stu­di­um ge­zeigt hat­te. Al­ler­dings muss­te er vor sei­ner Wahl die Auf­recht­er­hal­tung der alt­hen lob­li­chenn ge­breu­chenn zu­si­chern und da­mit den An­schluss des Erz­stifts an die Re­for­ma­ti­ons­be­we­gung aus­schlie­ßen. Das war das ers­te Mal, dass sich das Köl­ner Dom­ka­pi­tel mit ei­nem Ver­bot der lu­the­ri­schen Neue­run­gen be­fass­te, das ein­zu­hal­ten die Mehr­heit der Dom­her­ren frei­lich selbst nicht be­ab­sich­tig­te. Adolf hielt sich da­ge­gen strikt an die­se Vor­ga­be, ob­wohl auch er die zahl­rei­chen kirch­li­chen Miss­stän­de be­sei­ti­gen woll­te. In den letz­ten Jah­ren des Epis­ko­pats Her­manns von Wied avan­cier­te er zum An­füh­rer der alt­gläu­bi­gen Rich­tung und konn­te den ka­tho­li­schen und in­dif­fe­ren­ten Teil des Dom­ka­pi­tels da­für ge­win­nen.

Spä­tes­tens seit 1542 streb­te Erz­bi­schof Her­mann die Ein­füh­rung der Con­fes­sio Au­gustana in Kur­k­öln an. Mit Mar­tin Bu­cer und Phil­ipp Me­lan­chthon (1497-1560) lud er pro­mi­nen­te pro­tes­tan­ti­sche Pre­di­ger ins Erz­stift ein, auf­grund de­ren Be­ra­tung er im Som­mer 1543 das „Ein­fäl­ti­ge Be­den­ken", ein re­for­ma­to­ri­sches Pro­gramm, ver­öf­fent­lich­te. Wäh­rend Gra­fen, Rit­ter und Städ­te sich so­fort da­mit ein­ver­stan­den er­klär­ten, for­der­te Papst Paul III. (Pon­ti­fi­kat 1534-1549) den Ko­ad­ju­tor Adolf auf, ge­gen die Hä­re­ti­ker mit al­ler Stren­ge vor­zu­ge­hen. Al­ler­dings wuss­te Her­mann von Wied die welt­li­chen Stän­de und zu­min­dest ei­nen Teil des Dom­ka­pi­tels hin­ter sich und konn­te erst durch ein ent­schie­de­nes Ein­grei­fen Kai­ser Karls V. (Re­gie­rungs­zeit 1519-1556) zum Jah­res­wech­sel 1546/1547 sei­nes Am­tes ent­ho­ben wer­den. Oh­ne for­mell vom Dom­ka­pi­tel ge­wählt wor­den zu sein und ge­gen den Wil­len der üb­ri­gen Stän­de wur­de Adolf am 24.1.1547 auf ei­nem von kai­ser­li­chen Kom­mis­sa­ren be­stimm­ten Land­tag zum Erz­bi­schof und Kur­fürs­ten er­klärt und um­ge­hend in­thro­ni­siert, nach­dem er über­gangs­wei­se als Ad­mi­nis­tra­tor des Erz­stif­tes fun­giert hat­te. Er ver­pflich­te­te sich, Glau­bens­neue­run­gen um­ge­hend auf­zu­he­ben, die evan­ge­li­schen Pre­di­ger ab­zu­set­zen und in Klös­tern und Stif­ten ei­nen vor­re­for­ma­to­ri­schen Zu­stand wie­der­her­zu­stel­len. Die­sen Ver­pflich­tun­gen kam er schnell nach. Noch be­vor er im Herbst 1547 zum „Ge­har­nisch­ten Reichs­tag" nach Augs­burg reis­te, ließ er sich am 3.5.1547 in Köln zum Pries­ter wei­hen und do­ku­men­tier­te da­mit sei­ne Be­reit­schaft, ein got­tes­fürch­ti­ges und ei­nes Erz­bi­schofs wür­di­ges Le­ben zu füh­ren. Die Bi­schofs­wei­he folg­te am 8.4.1548. Die da­hin­ter ste­hen­de Ent­schie­den­heit kann erst im Ver­gleich er­kannt wer­den: nicht ein­mal Fer­di­nand von Bay­ern bei­spiels­wei­se, der die ka­tho­li­sche ­Kon­fes­sio­na­li­sie­rung mit gro­ßem En­ga­ge­ment und Ei­fer in Kur­k­öln vor­an­trieb, hat­te sich zum Pries­ter wei­hen las­sen. Ob­wohl Adolf al­so so­wohl mit die­ser äu­ßer­li­chen De­mons­tra­ti­on als auch in sei­nem Han­deln kon­se­quent und en­er­gisch ge­gen die Neu­gläu­bi­gen vor­ging, dräng­te er zu­sam­men mit den an­de­ren Kur­fürs­ten, We­ge und Mög­lich­kei­ten der fried­li­chen Ko­exis­tenz bei­der Kon­fes­sio­nen zu er­öff­nen. Da­mit war er dem in­fol­ge sei­nes mi­li­tä­ri­schen Er­fol­ges über die Pro­tes­tan­ten kom­pro­mis­s­un­wil­li­gen Kai­ser vor­aus und nahm die Ge­dan­ken des Augs­bur­ger Re­li­gi­ons­frie­dens von 1555 vor­weg.

Dass ihm ei­ne Re­form und da­mit Ver­bes­se­rung der kirch­li­chen Ver­hält­nis­se ein ech­tes An­lie­gen war, zeigt auch sei­ne per­sön­li­che Teil­nah­me an der zwei­ten Sit­zungs­pe­ri­ode des Tri­en­ter Kon­zils 1551/1552. Als Be­ra­ter stan­den ihm der ehe­ma­li­ge Di­plo­mat und Pries­ter­ka­no­ni­ker und am­tie­ren­der Ar­ch­idia­kon Jo­han­nes Grop­per, ei­ner der be­deu­tends­ten deutsch­spra­chi­gen Theo­lo­gen sei­ner Zeit, und der Pro­vin­zi­al des Kar­me­li­ter­or­dens und Köl­ner Weih­bi­schof Eber­hard Billick zur Sei­te. Al­ler­dings schei­ter­te ei­ne Um­set­zung der ehr­gei­zi­gen Re­form­vor­ha­ben, die sie in Adolfs Auf­trag for­mu­lier­ten, am Wi­der­stand der Stän­de wie auch an dem Be­mü­hen des Her­zogs von Jü­lich-Kle­ve-Berg, der die Auf­sicht über die Kir­chen in sei­nem Ter­ri­to­ri­um selbst be­an­spruch­te. Adolf war so­mit so­wohl als Lan­des­herr im Erz­stift;Köln wie auch als Bi­schof der Erz­diö­ze­se ge­hemmt. Trotz meh­re­rer gro­ßer Syn­oden wie et­wa dem Pro­vin­zi­al­kon­zil von 1549 ge­lang es ihm nicht, sich kir­chen­po­li­tisch zu be­haup­ten. So muss­te er bei­spiels­wei­se das Vi­si­ta­ti­ons­recht über die au­ßer­halb des Erz­stifts lie­gen­den Pfar­rei­en dem je­wei­li­gen Lan­des­herrn über­las­sen.

Als kur­k­öl­ni­scher Lan­des­herr un­ter­nahm er nur we­nig, die aus der Zeit Erz­bi­schof Diet­richs II. von Mo­ers her­rüh­ren­den im­men­sen fi­nan­zi­el­len Pro­ble­me des Erz­stif­tes zu lö­sen oder die ter­ri­to­ria­le Ord­nung im Sin­ne der sich an­de­ren­orts, vor al­lem in den grö­ße­ren welt­li­chen Ter­ri­to­ri­en des Rei­ches ent­wi­ckeln­den Staat­lich­keit zu be­ein­flus­sen. Im­mer­hin ent­stand mit sei­ner Ho­f­ord­nung vom 11.8.1548 ei­ne an­satz­wei­se vom Hof ge­trenn­te Ver­wal­tung im mo­der­ne­ren Sinn.

Am 20.9.1556 starb Adolf III. in sei­ner Brüh­ler Re­si­denz. Wie es üb­lich war, wur­de sein Leich­nam mit dem Schiff nach Köln ge­bracht und dort im Cho­r­um­gang des Do­mes bei­ge­setzt. Erz­bi­schof Jo­hann Geb­hard von Mans­feld ließ zu sei­nem An­denken ei­ne le­bens­gro­ße Lie­ge­fi­gur er­rich­ten, die sich heu­te in der Ste­pha­nu­s­ka­pel­le be­fin­det. Dass sein Kopf nicht vom Kur­hut, son­dern der Bi­schofs­mi­tra be­deckt wird, be­tont das un­ter den Köl­ner Erz­bi­schö­fen des 16. Jahr­hun­derts ein­zig­ar­ti­ge, ehr­li­che und weit­rei­chen­de Be­mü­hen Adolfs, sei­ner geist­li­chen Auf­ga­be ge­recht zu wer­den. Dass er trotz die­ser Ziel­stre­big­keit und sei­nes Weit­blicks letzt­lich schei­ter­te, mag sei­nem frü­hen Tod im Al­ter von nur 45 Jah­ren zu­zu­schrei­ben sein. Das Po­ten­zi­al, Kur­k­öln auf ei­nen an­de­ren als den wech­sel­haf­ten, von Krieg und Span­nun­gen ge­präg­ten Weg, den es im 16. Jahr­hun­dert ge­hen muss­te, zu brin­gen, hät­te er wohl ge­habt.

Literatur

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Online

Haaß, Ro­bert, Ar­ti­kel „Adolf III.", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 1 (1953), S. 83-84. [On­line]

Stein­mann, Marc, Epi­taph Adolph von Schau­en­burg, 1561 (In­for­ma­ti­on auf der Web­site des Köl­ner Doms). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Bock, Martin, Adolf III. von Schaumburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/adolf-iii.-von-schaumburg/DE-2086/lido/57a9bfb1c52737.44530993 (15.07.2018)