Albert Hermann Küppers

Bildhauer (1842–1929)

Josef Niesen (Bonn)

Kriegerdenkmal auf dem Alten Friedhof in Bonn, 2012, Foto: Josef Niesen.

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Al­bert Küp­pers war ein klas­si­zis­ti­scher, in der Kon­ti­nui­tät der Ber­li­ner Bild­hau­er­schu­le ste­hen­der Bild­hau­er, Mal- und Zei­chen­leh­rer, der künst­le­risch hoch­ste­hen­de Re­li­efs, Skulp­tu­ren und Denk­mä­ler schuf, be­son­ders für den Al­ten Fried­hof und die Uni­ver­si­tät Bonn.

Ge­bo­ren wur­de Al­bert Küp­pers am 22.2.1842 in Coes­feld als zwei­tes Kind des Kon­di­tor­meis­ters Jo­hann Hein­rich Küp­pers (1804–1886) und des­sen zwei­ter Ehe­frau Cla­ra Adol­phi­na Edel­b­rock (1807–1886). Früh ver­wit­wet, hat­te der Va­ter 1839 er­neut ge­hei­ra­tet. Aus sei­ner ers­ten Ehe mit Fran­zis­ka Frie­de­ri­ka Gärt­ner (um 1810–vor 1886) wa­ren drei Kin­der her­vor­ge­gan­gen, aus der zwei­ten Ehe gin­gen noch­mals fünf Kin­der her­vor. Küp­pers’ um zwei Jah­re äl­te­rer Bru­der Ignaz (auch Ignatz) Jo­seph Bern­hard (ge­bo­ren 1840) wur­de spä­ter – nach ei­ni­gen Jah­ren als Se­mi­nar­lei­ter in Sieg­burg – Schul­rat in Ber­lin und war ei­ner der Mit­be­grün­der der Alt-Ka­tho­li­schen Kir­che in Deutsch­land.

Küp­pers selbst hei­ra­te­te erst im schon fort­ge­schrit­te­nen Al­ter von 40 Jah­ren am 25.9.1882 die aus Stadt­lohn stam­men­de An­ge­la Ma­ria Eli­sa­beth Of­fen­berg (1855–nach 1888), die ihm zwei Kin­der ge­bar: Wil­li­bald Theo­dor (ge­bo­ren 1884) und Ot­to Al­bert Fried­rich Igna­ti­us (1888–1986), der die künst­le­ri­sche Be­ga­bung des Va­ters erb­te und sich als Land­schafts­ma­ler und Re­stau­ra­tor ei­nen Na­men mach­te.

Schon wäh­rend der Gym­na­si­al­zeit zeig­te sich Küp­pers’ Nei­gung zur Kunst, so dass er zu­nächst nach Hol­land ging, um in Ro­er­mond die Bild­schnit­ze­rei zu er­ler­nen. Doch be­reits nach ei­nem hal­ben Jahr ver­ließ er das dor­ti­ge Ate­lier und be­such­te die Po­ly­tech­ni­schen Schu­le in Mün­chen, wo er bei Jo­hann von Hal­big (1814–1882) das Mo­del­lie­ren er­lern­te. Am 20.5.1859 schrieb er sich an der Münch­ner Aka­de­mie der Bil­den­den Küns­te in der An­ti­ken­klas­se Max von Wid­nmanns (1812–1895), dem Nach­fol­ger Lud­wig Schwantha­lers (1802–1848), ein. Für sei­ne ers­te ei­gen­stän­di­ge Ar­beit – dem Bron­ze­re­lief „Eli­sa weis­sagt den Kö­ni­gen“ nach ei­nem Ge­dicht La­dis­laus Pyr­kers (1772–1847) – er­hielt er ein Pro­vin­zi­al­s­ti­pen­di­um, das ihm 1863–1866 ein Stu­di­um an der Ber­li­ner Kunst­aka­de­mie er­mög­lich­te. Durch sei­ne dor­ti­gen Leh­rer Hu­go Ha­gen (1818–1871) und Al­bert Wolff (1814–1892), bei­des Schü­ler von Chris­ti­an Da­ni­el Rauch (1777–1857), dem Be­grün­der der Ber­li­ner Bild­hau­er­schu­le, steht auch Küp­pers künst­le­risch in der Tra­di­ti­on des Ber­li­ner Stils, der sich vor al­lem im um­fang­rei­chen Œv­re sei­ner Ge­lehr­ten­por­täts zeigt.

Aus­ge­zeich­net mit meh­re­ren Prei­sen, ver­voll­komm­ne­te Küp­pers sei­ne Tech­nik 1866 und 1867 in Lon­don, als er je­weils ein Jahr lang in den Ate­liers von John Hen­ry Fo­ley (1818–1874) und Tho­mas Wool­ner (1825–1892) ar­bei­te­te. An­schlie­ßend ließ er sich 1868 in Bonn nie­der und konn­te ein Jahr dar­auf für sei­ne Kom­po­si­ti­on „Auf­er­ste­hung des La­za­rus“ den gro­ßen Staats­preis der Ber­li­ner Aka­de­mie ent­ge­gen neh­men. Sei­ne ers­te Bon­ner Ar­beit, zu­gleich Auf­takt des gro­ßen Rei­gens her­vor­ra­gen­der Ge­lehr­ten­por­träts, ist ei­ne mar­mor­ne Por­trät­büs­te des be­rühm­ten Bon­ner Phy­si­kers Ju­li­us Plü­cker (1801–1868) für des­sen Grab­stät­te auf dem Al­ten Fried­hof (1869).

Lan­ge hielt es Küp­pers in­des nicht in Bonn und er zog wei­ter in die da­mals be­deu­ten­de Deut­sche Bild­hau­er­ko­lo­nie nach Rom, wo er sich bis 1876 auf­hielt, um dann end­gül­tig nach Bonn zu­rück­zu­keh­ren. Auch wäh­rend sei­ner Jah­re in Rom scheint er wei­ter­hin Kon­takt nach Bonn ge­hal­ten zu ha­ben, denn er wur­de 1872 vom kurz zu­vor ge­grün­de­ten Denk­mal­ko­mi­tee zur Er­rich­tung ei­nes „Grab­denk­mals für die auf dem hie­si­gen Kirch­ho­fe ru­hen­den deut­schen Krie­ger aus dem letz­ten Krie­ge“ (ge­meint ist der Deutsch-Fran­zö­si­sche Krieg von 1870/1871) mit der Durch­füh­rung der Ar­bei­ten be­traut. Aus An­lass der Fer­tig­stel­lung des Krie­ger­eh­ren­mals er­hielt Küp­pers 1876 ei­nen Be­trag aus dem Ak­ti­en­ka­pi­tal der Stif­tung des ver­stor­be­nen Bon­ner Bür­gers Eu­gen Schmidtborn (1808-1873) (nicht zu ver­wech­seln mit dem fast gleich klin­gen­den Dich­ter Wil­helm Schmidtbonn!).

Die­ses in Rom ge­schaf­fe­ne und am 2.9.1878 auf dem Al­ten Fried­hof ein­ge­weih­te Krie­ger­denk­mal gilt als das Haupt­werk Küp­pers’, des­sen gan­ze Meis­ter­schaft sich in der „To­ten­wa­che auf dem Schlacht­fel­d“ ma­ni­fes­tiert. Ent­ge­gen dem Zeit­geist, der ein pa­trio­tisch-na­tio­na­les Denk­mal for­der­te, ge­lang es dem Künst­ler, durch Ver­zicht auf hoh­len, he­roi­sie­ren­den Pa­thos ein Mahn­mal ge­gen den Krieg zu er­schaf­fen; in klas­si­zis­ti­scher Ele­ganz, aber den­noch mit span­nungs­ge­la­de­nem, kraft­vol­lem Duk­tus. Da­mit geht das Werk weit über an­de­re Krie­ger­denk­mä­ler sei­ner Zeit hin­aus.

Als Ate­lier hat­te Küp­pers Räum­lich­kei­ten in ei­nem un­mit­tel­bar ne­ben dem heu­te noch be­ste­hen­de Wächt­er­häus­chen am Schloss ge­le­ge­nen Ge­bäu­de an der Pop­pels­dor­fer Al­lee 71 be­zo­gen, Woh­nung nahm er in der na­he ge­le­ge­nen Ar­ge­lan­der­stra­ße 5. Ne­ben sei­ner frei­be­ruf­li­chen Bild­hau­er­tä­tig­keit eta­blier­te er sich an der Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät, wo er am 27.1.1877 als aka­de­mi­scher  Mo­del­lier- und Zei­chen­leh­rer be­ru­fen wur­de und spä­ter bis zum Lei­ter der Kunst­klas­sen auf­stieg.

1878 wur­de Küp­pers von ei­nem ei­gens da­zu ge­grün­de­ten Denk­mal­ko­mi­tee für ein Ho­no­rar von 6.600 Mark mit der Schaf­fung ei­nes Bild­nis­ses für den im Jahr zu­vor ver­stor­be­nen Bon­ner Ober­berg­haupt­mann und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Jo­hann Ja­cob No­eg­gerath (1788–1877) be­traut. Der Bild­hau­er ent­schied sich zu ei­ner le­bens­gro­ßen Sitz­skulp­tur aus Car­ra­ra-Mar­mor, die dem Ty­pus des Ge­lehr­ten­denk­mals folg­te. In drei­jäh­ri­ger Ar­beit schuf er da­bei ein Werk, das durch sei­ne be­son­de­re Na­tür­lich­keit ganz un­mit­tel­bar auf den Be­trach­ter wirkt. 1881 fand das Denk­mal nach ei­ni­ger Dis­kus­si­on Auf­stel­lung auf dem Al­ten Fried­hof.

Als drit­te Gro­ß­plas­tik schuf der seit 1886 zum Ti­tu­lar­pro­fes­sor be­ru­fe­ne Bild­hau­er in den Jah­ren 1898–1902 ein bron­ze­nes Denk­mal für den Bon­ner Dich­ter und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Karl Sim­rock. Das et­was for­mel­haft wir­ken­de Werk, am 15.7.1903 im Bon­ner Hof­gar­ten ein­ge­weiht, be­ste­hend aus ei­nem zwei­stu­fi­gen So­ckel, über dem auf ei­nem obe­lis­kar­ti­gen Auf­bau das halb­fi­gu­ri­ge Por­trät Sim­rocks auf­rag­te, flan­kiert von der le­bens­gro­ßen Per­so­ni­fi­ka­ti­on der Poe­sie, ge­hör­te nicht zu den bes­ten Ar­bei­ten Küp­pers’. Den­noch ist es ein Ver­lust, dass es 1940 für Kriegs­zwe­cke ein­ge­schmol­zen wur­de und heu­te nur noch auf al­ten Fo­tos zu be­sich­ti­gen ist.

1922 wur­de  Al­bert Küp­pers für sei­ne Le­bens­leis­tung – als Bild­hau­er und Uni­ver­si­täts­leh­rer – mit der aka­de­mi­schen Eh­ren­dok­tor­wür­de der Uni­ver­si­tät Bonn ge­ehrt, be­vor er am 11.10.1929 im ho­hen Al­ter von 87 Jah­ren in Bonn ver­starb und auf dem Pop­pels­dor­fer Fried­hof bei­ge­setzt wur­de.

Die gro­ße Zahl sei­ner Se­pul­krakunst prägt auch heu­te noch we­sent­lich das Bild des Bon­ner Al­ten Fried­hofs, da­ne­ben schuf er Wer­ke für den Pop­pels­dor­fer Fried­hof. Sei­ne Por­trät­büs­ten be­fin­den sich zu­dem in der Samm­lung der Uni­ver­si­tät Bonn eben­so wie in der Kunst­samm­lung der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin und der Cha­rité. Der Nach­guss sei­ner 1921 aus Mar­mor ge­schaf­fe­nen Büs­te Lud­wig van Beet­ho­vens steht im Bon­ner Beet­ho­ven-Haus. Als sein be­deu­tends­tes Werk kann ne­ben dem No­eg­gerath-Denk­mal vor al­lem das Krie­ger­denk­mal 1870/1871 an­ge­se­hen wer­den. Als Künst­ler war Küp­pers zwar kein Neue­rer, doch be­weg­ten sich sei­ne aus­ge­spro­chen qua­li­tät­vol­len Wer­ke künst­le­risch auf der Hö­he der Zeit oder wie­sen so­gar dar­über hin­aus, wo­bei die tech­ni­sche Qua­li­tät durch­weg ganz her­vor­ra­gend ist. Be­son­ders sei­ne sen­si­blen Por­trät­büs­ten und – re­li­efs wir­ken noch heu­te au­ßer­or­dent­lich le­ben­dig und tief emp­fun­den.

Werke (Auswahl)

1869 - Ju­li­us Plü­cker, Mar­mor­büs­te, Al­ter Fried­hof, Bonn.

Nach 1876 - Hein­rich Carl Brei­den­stein, Por­trät­me­dail­lon, Mar­mor, Al­ter Fried­hof, Bonn.

Nach 1876 - Diet­rich von der Lip­pe, Chris­tus­me­dail­lon, Mar­mor, Al­ter Fried­hof, Bonn.

1877 - Krie­ger­denk­mal, 1877, Mar­mor, Al­ter Fried­hof, Bonn.

1881 - No­eg­gerath-Denk­mal, Sitz­bild, Mar­mor, Al­ter Fried­hof, Bonn.

1883 - Carl Da­vid Wil­helm Busch, Bron­ze­büs­te, Al­ter Fried­hof, Bonn.

1897 - Fried­rich Au­gust Ke­ku­lé von Stra­do­nitz, Por­trät­me­dail­lon, Bron­ze, Pop­pels­dor­fer Fried­hof, Bonn.

1903 - Sim­rock-Denk­mal, Stand­bild, Bron­ze, Bon­ner Hof­gar­ten, 1940 de­mon­tiert.

Nach 1902 - Ot­to und Mat­hil­de We­sen­donck, Por­trät­me­dail­lon, Mar­mor, LVR-Lan­des­Mu­se­um Bonn.

1921 - Lud­wig van Beet­ho­ven, Mar­mor­büs­te, Beet­ho­ven-Haus, Bonn, Nach­guss.

Quelle

Zan­der, Eri­ka/Bätz, Jörg, Der Al­te Fried­hof in Bonn, Bonn 2001.

Literatur

Bio­gra­phi­sches Künst­ler-Le­xi­kon, Leip­zig 1882.

Bloch, Pe­ter/EIn­holz, Si­byl­le/Sim­son, Jut­ta von (Hg.), E­tho­sund Pa­thos, die Ber­li­ner Bild­hau­er­schu­le 1786–1914, Ber­lin 1990.

Nie­sen, Jo­sef, Bon­ner Denk­mä­ler und ih­re Er­bau­er, Bonn 2013 (im Druck).

Nie­sen, Jo­sef, Bon­ner Per­so­nen­le­xi­kon, 3. Auf­la­ge, Bonn 2011.

We­nig, Ot­to, Ver­zeich­nis der Pro­fes­so­ren und Do­zen­ten der Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät zu Bonn 1818-1968, Bonn 1868.

Wolf, Irm­gard, Bil­den­de Künst­ler und ih­re Wer­ke, Bonn in der Kai­ser­zeit, Bonn 1986.

 
Zitationshinweis

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Niesen, Josef, Albert Hermann Küppers, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/albert-hermann-kueppers/DE-2086/lido/57c93b5d9fc085.50173108 (22.04.2018)