Arnt Beeldsnider

Bildhauer (gestorben 1492)

Ulrike Wolff-Thomsen (Kiel)

Hochaltar mit Passionsszenen, Katholische Pfarrkirche Sankt Nikolai, Kalkar, 1488 durch Arnt Beeldsinder begonnen, Foto: Michael Jeiter. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

Arnt, der nach sei­nen Haupt­wir­kungs­stät­ten auch Arnt von Kal­kar und Arnt von Zwol­le ge­nannt wird, zählt zu den wich­tigs­ten Bild­hau­ern der Spät­go­tik im nie­der­rhei­ni­schen Raum.

Nach He­ri­bert Meu­rer dür­fen al­le ar­chi­va­li­schen Quel­len in Kle­ve, Kal­kar und Zwol­le, die zwi­schen 1460 und 1492 den Na­men nen­nen, auf sei­ne Per­son be­zo­gen wer­den. Nach ei­ner mög­li­chen Aus­bil­dung in Kle­ve bei ei­nem in Arn­heim oder Nim­we­gen tä­ti­gen Bild­hau­er wird Arnt 1453 das Kalka­rer Bür­ger­recht er­wor­ben ha­ben. 1460 fer­tig­te er für den Brüs­se­ler Hof von Her­zog Jo­hann I. von Kle­ve ei­nen Wap­pen­schild. Ver­mut­lich von Kal­kar aus lie­fer­te er 1479 drei bei ihm in Auf­trag ge­ge­be­ne Bild­wer­ke nach Zwol­le. Dort­hin über­sie­del­te er 1481/1484 mit sei­ner Werk­statt, blieb aber wei­ter­hin für Kal­kar tä­tig.

Als ei­nes sei­ner frü­hes­ten und zu­gleich be­deu­tends­ten Wer­ke gilt das 1474 als Stif­tung Her­zog Jo­hanns I. von Kle­ve ge­schaf­fe­ne Chor­ge­stühl der ehe­ma­li­gen Kle­ver Mi­no­ri­ten­kir­che St. Ma­riä Emp­fäng­nis, der heu­ti­gen ka­tho­li­schen Pfarr­kir­che. Das zwei­rei­hi­ge Chor­ge­stühl aus Ei­chen­holz, das nicht mehr voll­stän­dig er­hal­ten ist, zeigt auf den zwei­ge­schos­si­gen Sei­ten­wan­gen Re­li­efs von ver­schie­de­nen Hei­li­gen wie Eli­sa­beth, Bern­hadin von Sie­na, Bar­ba­ra und Mag­da­le­na so­wie Frei­fi­gu­ren der Kla­ra von As­si­si und des Lud­wig von Tou­lou­se. Derb rea­lis­ti­sche Dro­le­ri­en be­krö­nen die nied­ri­gen Sei­ten­wan­gen und die Mi­se­ri­kor­di­en. In dem Werk zeigt sich, dass Arnt ei­ner­seits durch die Kunst des alt­nie­der­län­di­schen Ma­lers Ro­ger van der Wey­den (1399/1400-1464) hin­sicht­lich der Bil­der­fin­dung, an­de­rer­seits durch die in Ut­recht tä­ti­gen Bild­hau­er­werk­stät­ten (un­ter an­de­rem tä­tig am Dom­lett­ner) An­re­gun­gen emp­fan­gen hat.

Von ho­her Qua­li­tät ist eben­so die 1487 von der Kalka­rer Lieb­frau­en­bru­der­schaft in Auf­trag ge­ge­be­ne Fi­gur des „Chris­tus im Gra­be", die für den Chor der Kalka­rer St. Ni­co­lai­kir­che be­stimmt war und heu­te im süd­li­chen Ne­ben­chor auf­ge­stellt ist. Der le­bens­gro­ße, auf ei­ner (neue­ren) Tum­ba lie­gen­de Leich­nam Chris­ti of­fen­bart mit ho­hem Ve­ris­mus die Zei­chen des To­des: Der Blick scheint ge­bro­chen, im ge­öff­ne­ten Mund wird die obe­re Zahn­rei­he sicht­bar. Le­dig­lich sti­lis­tisch kön­nen ihm die 1477 vom Xan­te­ner Stifts­ka­pi­tel er­wor­be­nen „Zwei En­gel mit den Ar­ma Chris­ti" zu­ge­schrie­ben wer­den.

Da­tiert Meu­rer den Mit­tel­schrein des Ge­orgs­al­tar­re­ta­bels in der Kalka­rer St. Ni­co­lai­kir­che zwi­schen 1490 und 1492, so plä­diert Hil­ger für ei­ne Ent­ste­hung vor 1484. Ein ein­heit­li­ches Pan­ora­ma bil­det die Ku­lis­se für sie­ben Sze­nen aus der Le­gen­de des Hei­li­gen Ge­org. Die dras­tisch zu­ge­spitz­te Er­zäh­lung ist durch ih­re aus­ge­spro­chen dif­fe­ren­zier­te Ober­flä­chen­struk­tur und ho­hen De­tail­reich­tum ge­kenn­zeich­net. Auch die tech­ni­sche Um­set­zung be­ein­druckt: Der Schrein wur­de le­dig­lich aus vier Holz­blö­cken ge­stal­tet, nur we­ni­ge An­stü­ckun­gen schnit­ze­ri­scher De­tails wa­ren von­nö­ten.

Die um­fang­rei­che Ar­beit am Mit­tel­schrein des Kalka­rer Hoch­al­tar­re­ta­bels, für den er 1488 von der Kalka­rer Lieb­frau­en­bru­der­schaft be­auf­tragt wor­den war und für des­sen Ge­samt­pla­nung er ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, konn­te er durch sein Ab­le­ben 1492 nicht mehr selbst voll­enden. Tei­le des Kal­va­ri­en­bergs so­wie die Pre­del­len­sze­ne „Fuß­wa­schung Chris­ti" dürf­ten als ei­gen­hän­di­ge Wer­ke an­zu­spre­chen sein.

Be­deu­tend ist zu­dem sei­ne Schü­ler­schaft – ne­ben der ur­kund­li­chen Er­wäh­nung von Jan von Hal­de­ren dür­fen Dries Hol­t­huys (vor 1480-nach 1528), Hen­rik Bernts (ge­stor­ben 1509), Kers­ten Woy­ers (ge­stor­ben nach 1520) und Til­man van der Burch ge­nannt wer­den.

Literatur

Go­ris­sen, Fried­rich, Ein un­be­kann­tes Kreuz­bild des Meis­ters Arnt, in: Si­mio­lus 3 (1968/1969), S. 15-21.
Hil­ger, Hans Pe­ter, Stadt­pfarr­kir­che St. Ni­co­lai in Kal­kar, Kle­ve 1990. Meu­rer, He­ri­bert, Das Kle­ver Chor­ge­stühl und Arnt Beel­des­nider, Bonn 1968 [Dis­ser­ta­ti­on ­mit Werk­ver­zeich­nis].
Schul­ze-Sen­ger, Die spät­go­ti­sche Al­tar­aus­stat­tung der St. Ni­co­lai­kir­che in Kal­kar: As­pek­te ei­ner Ent­wick­lung zur mo­no­chro­men Fas­sung der ­Spät­go­ti­k am Nie­der­rhein, in: Krohm, Hart­mut/Oel­ler­mann, Ei­ke (Hg.) Flü­gel­al­tä­re des spä­ten Mit­tel­al­ters, Ber­lin 1992, S. 23-36.
Trau­zed­del, Sig­rid, Arnt Beeld­s­nider, in: All­ge­mei­nes Künst­ler­le­xi­kon, Band 5, 1992, S. 254-255.
Wes­ter­mann-An­ger­hau­sen, Hil­trud (Red.), Arnt von Kal­kar und Zwol­le - Das Drei­kö­ni­gen­re­lief, Köln 1993.

Online

Samm­lung Al­te Kunst des Mu­se­um Kur­haus Kle­ve (In­for­ma­ti­on über die Samm­lung Al­te Kunst des Mu­se­um Kur­haus Kle­ve, un­ter an­de­rem über Meis­ter Arnt). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Wolff-Thomsen, Ulrike, Arnt Beeldsnider, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/arnt-beeldsnider-/DE-2086/lido/57c57875131d46.47422694 (23.05.2018)