August Bach

CDU-Vorsitzender in der DDR (1897–1966)

Helmut Müller-Enbergs (Berlin)

August Bach eröffnet den 11. Parteitag der CDU, Erfurt, 30.9.1964. (Bundesarchiv, Bild 183-C0930-0026-003)

Au­gust Bach war von 1958 bis 1966 Vor­sit­zen­der der Christ-De­mo­kra­ti­schen Uni­on Deutsch­lands, der CDU der DDR.

Au­gust Bach wur­de am 30.8.1897 in Rhe­ydt (heu­te Stadt Mön­chen­glad­bach) als Sohn ei­nes Pro­vin­zi­al­bau­ra­tes ge­bo­ren. „Evan­ge­lisch, Ari­er“ ver­merk­te er in sei­nem Le­bens­lauf im Ja­nu­ar 1939. Nach dem Be­such des Gym­na­si­ums leis­te­te er ab 1916 sei­nen Mi­li­tär­dienst. Be­reits ein Jahr spä­ter ge­riet er in fran­zö­si­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft, aus der er we­gen ei­nes Herz­lei­dens in ein In­ter­nie­rungs­la­ger in der Schweiz aus­ge­tauscht wur­de. Dem Deut­schen Heer ge­hör­te er den­noch bis 1918 an.

Im April 1918 nahm er das Stu­di­um der Ger­ma­nis­tik und Ge­schich­te an der Uni­ver­si­tät Bern auf, wech­sel­te zur Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main und schlie­ß­lich an die Ber­li­ner Uni­ver­si­tät. Zeit­gleich war er an der im Ok­to­ber 1920 ge­grün­de­ten pri­va­ten Deut­schen Hoch­schu­le für Po­li­tik in Ber­lin ein­ge­schrie­ben, die an­fangs le­dig­lich 120 Stu­den­ten zähl­te. Der Grün­der die­ser Hoch­schu­le war Fried­rich Nau­mann (1860–1919), zu­gleich ers­ter Vor­sit­zen­der der eher links­li­be­ra­len Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Par­tei (DDP). Mit­un­ter wird Au­gust Bach nach­ge­sagt, er sei ein An­hän­ger der DDP ge­we­sen, die 1930 in die ten­den­zi­ell na­tio­na­lis­ti­sche und an­ti­se­mi­ti­sche Deut­sche Staats­par­tei (DStP) auf­ging. 

Im Früh­jahr 1922 schloss der 24-jäh­ri­ge Au­gust Bach sein Stu­di­um als His­to­ri­ker ab – und fand im März 1922 ei­ne An­stel­lung. Über die schrieb er im Ja­nu­ar 1939: „Am 15. März 1922 trat ich in die Zen­tral­stel­le für Er­for­schung der Kriegs­ur­sa­chen ein, der ich bis zum 31. Dez[em­ber] 1936 an­ge­hör­te. An die­sem Tag er­losch die Zen­tral­stel­le. In­ner­halb der Zen­tral­stel­le be­stand mei­ne Auf­ga­be in der Re­di­gie­rung der von ihr her­aus­ge­ge­be­nen Zeit­schrift ‚Die Kriegs­schuld­fra­ge‘, ab 1928 un­ter dem Ti­tel ‚Ber­li­ner Mo­nats­hef­te‘. Seit dem 1. Ja­nu­ar 1937 bin ich Her­aus­ge­ber die­ser Zeit­schrift und In­ha­ber des Qua­der­ver­la­ges Au­gust Bach.“ 

Mit­hin wirk­te Au­gust Bach über zwei Jahr­zehn­te lang an nichts ge­rin­ge­rem mit, als ei­ner staat­lich fi­nan­zier­ten Kam­pa­gne ge­gen den Ver­sailler Ver­trag, trug zu dem Hu­mus bei, der den Auf­stieg der Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deut­schen Ar­bei­ter­par­tei (NS­DAP) be­för­der­te. Im Ein­zel­nen: Das Aus­wär­ti­ge Amt rich­te­te am 1.10.1921 ein „Kriegs­schuld­re­fe­ra­t“ ein, be­zeich­net als „Zen­tral­stel­le für Er­for­schung der Kriegs­ur­sa­chen“. Es hat­te kei­ne an­de­re Auf­ga­be, als die Un­schuld Deutsch­lands am Ers­ten Welt­krieg „wis­sen­schaft­li­ch“ zu be­le­gen. Zu­nächst als Ge­schäfts­füh­rer, dann als Lei­ter wur­de der ehe­ma­li­ge Ge­ne­ral­stabs­of­fi­zier Ma­jor a.D. Al­fred von We­ge­rer (1880–1945) ein­ge­setzt, der zu­vor bei der Si­cher­heits­po­li­zei tä­tig ge­we­sen war. Er be­grün­de­te in die­sem Kon­text am 1.7.1923 die Zeit­schrift „Die Kriegs­schuld­fra­ge. Ber­li­ner Mo­nats­hef­te zur in­ter­na­tio­na­len Auf­klä­run­g“ mit ei­nem Um­fang von 60 bis 100 Sei­ten. Au­gust Bach re­di­gier­te dar­in nicht nur Bei­trä­ge, son­dern ver­öf­fent­lich­te auch selbst in die­sem Geist. 1929 er­schien in der Deut­schen Ver­lags­an­stalt in Stutt­gart der von ihm ver­fass­te 112-sei­ti­ge Band „Poin­ca­ré und der Kriegs­aus­bruch. Ei­ne kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem 4. Band sei­ner Me­moi­ren  L'Uni­on sa­crée“ für 3,60 RM, das wäh­rend des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus viel Zu­stim­mung fand, aber nach 1945 kei­ne Rol­le mehr spiel­te. Ray­mond Poin­ca­ré (1860–1934) war wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges Staats­prä­si­dent der Drit­ten Re­pu­blik Frank­reichs. 

Die 98-sei­ti­ge Ar­beit von Au­gust Bach über „Eng­lands Kriegs­zie­le im Welt­krie­ge“ aus dem Jah­re 1940 wur­de von der Deut­schen In­for­ma­ti­ons­stel­le her­aus­ge­ge­ben, die durch Reichs­mi­nis­ter Jo­seph Go­eb­bels kon­trol­lier­te wur­de. Go­eb­bels teil­te mit Au­gust Bach ei­nen Jahr­gang, Rhe­ydt als Ge­burts­stadt und war wohl­mög­lich auch ein „Freun­d“ von ihm, wie aus den Ta­ge­bü­chern von Go­eb­bels zu schluss­fol­gern ist. Nach 1945 lan­de­te die Ana­ly­se Bachs in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne al­ler­dings auf dem In­dex. Der Ti­tel war aus den Bi­blio­the­ken aus­zu­sor­tie­ren. Sein Qua­der-Ver­lag selbst wur­de 1944 aus­ge­bombt, wo­mit sich die Her­aus­ga­be der „Ber­li­ner Mo­nats­hef­te“ er­le­digt hat­te. Bach war be­reits 1943 nach Wei­mar um­ge­zo­gen. 

Be­mer­kens­wert ist schon, dass Bach über­haupt Ver­lags­lei­ter ge­wor­den war. Denn er hat­te kei­ner­lei Aus­bil­dung an der da­für vor­ge­schrie­be­nen Reichs­schu­le Leip­zig für Buch­händ­ler er­hal­ten, und ge­hör­te le­dig­lich der im April 1932 ge­grün­de­ten Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Volks­wohl­fahrt (NSV) ab Ok­to­ber 1934 und der von Go­eb­bels 1933 ein­ge­rich­te­ten Reichs­schrift­tums­kam­mer (RSK) so­gar erst ab Ok­to­ber 1936 an – aber nicht der NS­DAP oder ei­ner an­de­ren Glie­de­rung. 

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg war Au­gust Bach in Thü­rin­gen ver­le­ge­risch und po­li­tisch ak­tiv. Ihn zog es zu­gleich wie­der in das Ver­lags­we­sen. Von Mai 1946 an lei­te­te er den Ver­lag des „Thü­rin­ger Ta­ge­blat­tes“ in Wei­mar. Der Ta­ges­zei­tung stand er von Fe­bru­ar 1949 bis 1958 auch als Chef­re­dak­teur vor, nach­dem sein Vor­gän­ger Hein­rich Bau­mann (1901–1979) we­gen an­geb­li­cher Spio­na­ge von den so­wje­ti­schen Be­sat­zern ver­haf­tet und zu 25 Jah­re Ar­beits­la­ger ver­ur­teilt wor­den war. 

Au­gust Bach war be­reits im Ju­li 1945 Mit­be­grün­der der li­be­ral aus­ge­leg­ten Thü­rin­ger Volks­par­tei (TVP), die von der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­macht nicht li­zen­ziert wur­de. Bach trat dann der CDU bei. Im CDU-Lan­des­vor­stand Thü­rin­gen war er von April 1946 bis April 1947 und dann wie­der von Mai 1948 bis Au­gust 1952 Bei­sit­zer. Al­ler­dings ge­hör­te er seit Ok­to­ber 1945 dem ge­schäfts­füh­re­ren­den Aus­schuss der CDU Thü­rin­gens an. Am 19.6.1950 wähl­te ihn die CDU Thü­rin­gens zu ih­rem Vor­sit­zen­den, nach­dem er be­reits ein Jahr lang die Funk­ti­on des stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den in­ne hat­te. Bach trat da­mit die Nach­fol­ge des lang­jäh­ri­gen, dann ge­stürz­ten Vor­sit­zen­den Sieg­fried Tromms­dorffs (1902–1975) an. Er war nicht nur ab Ok­to­ber 1952 Mit­glied des Prä­si­di­ums des CDU-Haupt­vor­stan­des, son­dern zu­vor auch ab No­vem­ber 1950 ers­ter Vi­ze­prä­si­dent des Thü­rin­ger Land­tags. Er „ge­hör­te zu ei­ner Grup­pe von CDU-Funk­tio­nä­ren in Thü­rin­gen“, re­sü­miert Chris­to­pher Beck­manns vom Ar­chiv für Christ­lich-De­mo­kra­ti­sche Po­li­tik in St. Au­gus­tin, „die eng mit der so­wje­ti­schen Mi­li­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on zu­sam­men­ar­bei­te­ten und in­ner­halb der ei­ge­nen Par­tei pro­kom­mu­nis­ti­sche Po­si­tio­nen ver­tra­ten.“ Er­wä­gun­gen in­ner­halb des Lan­des­vor­stan­des, die „pro­kom­mu­nis­ti­sche Grup­pe um Bach“ (so der His­to­ri­ker Mi­cha­el Rich­ter) durch ge­mä­ßig­te­re Funk­tio­nä­re zu er­set­zen, schei­ter­ten. Im­mer­hin war Bach nicht nur Mit­glied der Deutsch-So­wje­ti­schen Freund­schafts­ge­sell­schaft (DSF), son­dern ge­hör­te 1947 dem pro­vi­so­ri­schen Lan­des­vor­stand an, ab 1949 als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der DSF in Thü­rin­gen. Als­bald ge­hör­te er auch dem Prä­si­di­um der DSF an. 

Au­gust Bach hat­te sich in Thü­rin­gen pro­fi­liert und sich so­mit für hö­he­re Auf­ga­ben emp­foh­len. Er wur­de Mit­glied der am 7.10.1949 ge­bil­de­ten pro­vi­so­ri­schen Volks­kam­mer, dann ab Ok­to­ber 1950 der Volks­kam­mer. Dar­in führ­te er als Vor­sit­zen­der von 1949 bis 1955 die CDU-Frak­ti­on an. Sei­ne Par­tei wähl­te ihn in den Jah­ren von Mai 1950 bis 1952 zum Vor­sit­zen­den des CDU-Lan­des­ver­ban­des Thü­rin­gen. An­schlie­ßend war er Mit­glied des Prä­si­di­ums des CDU-Haupt­vor­stan­des. Von 1955 bis zur Selbst­auf­lö­sung 1958 ge­hör­te er der Län­der­kam­mer der DDR an, zu­gleich über­nahm er den Pos­ten des ver­stor­be­nen Prä­si­den­ten der Län­der­kam­mer, Rein­hold Lo­be­danz (1880–1955). Im März 1958 fiel ihm die Funk­ti­on des im De­zem­ber 1957 ver­stor­be­nen Ot­to Nu­sch­ke (1883–1957) als Vor­sit­zen­den der CDU in der DDR zu, bis er selbst, 69-jäh­rig, für sei­nen lang­jäh­ri­gen Nach­fol­ger Ge­rald Göt­ting sei­nen Platz im Jah­re 1966 hat räu­men müs­sen. Gleich­falls gab er die Funk­ti­on ei­nes Stell­ver­tre­ters des Prä­si­den­ten und als Mit­glied des Prä­si­di­ums der Volks­kam­mer auf, die er seit 1963 in­ne hat­te. 

Am 23.3.1966 ver­starb Au­gust Bach, wohl­mög­lich an ei­nem Herz­lei­den. Be­stat­tet wur­de der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Po­li­ti­ker und Prä­si­dent der Deut­schen Schil­ler­stif­tung (1948–1966) auf dem Do­ro­the­en­städ­ti­schen Fried­hof in Ber­lin-Mit­te. Das wan­dar­ti­ge Grab­mal ist noch heu­te zu be­sich­ti­gen. 

Schriften

Poin­ca­ré und der Kriegs­aus­bruch 1914. Ei­ne kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem 4. Band sei­ner Me­moi­ren „L'uni­on sa­crée“, Stutt­gart 1929.

Eng­lands Ent­schluss zum Krie­ge ... Ber­lin 1932.

Deut­sche Ge­sandt­schafts­be­rich­te zum Kriegs­aus­bruch 1914. Be­rich­te und Te­le­gram­me der ba­di­schen, säch­si­schen und würt­tem­ber­gi­schen Ge­sandt­schaf­ten in Ber­lin aus dem Ju­li und Au­gust 1914. Hg. im Auf­trag des Aus­wär­ti­gen Am­tes, Ber­lin 1937.

Sa­ra­je­vo 1914. Er­in­ne­run­gen des rus­si­schen Mi­li­tär­at­ta­chés in Bel­grad, Ber­lin 1938.

Sir Ne­vi­le Hen­der­sons Ber­li­ner Mis­si­on, Ber­lin 1940.

Eng­lands Kriegs­zie­le im Welt­krie­ge, Ber­lin 1940, 2. Auf­la­ge 1941.

Hun­dert Jah­re Deut­sche Schil­ler­stif­tung. 1859–1959, Wei­mar 1959.

Die Auf­ga­ben der CDU beim um­fas­sen­den Auf­bau des So­zia­lis­mus in der Deut­schen De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik, Ber­lin 1964.

Aus Re­den und Auf­sät­zen 1946–1966, Ber­lin 1977.

Literatur

Au­gust Bach, in: In­ter­na­tio­na­les Bio­gra­phi­sches Ar­chiv (1966)19 vom 2. Mai 1966. Beck­mann, Chris­to­pher, Au­gust Bach, in: Be­cker, Win­fried [u.a.] (Hg.), Le­xi­kon der Christ­li­chen De­mo­kra­tie in Deutsch­land, Pa­der­born [u.a.] 2002, S. 183. Bros­z­at, Mar­tin/We­ber, Her­mann (Hg.), SBZ-Hand­buch. Staat­li­che Ver­wal­tun­gen, Par­tei­en ge­sell­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen und ih­re Füh­rungs­kräf­te in der So­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne Deutsch­lands 1945–1949, Mün­chen 1993. Mül­ler-En­bergs, Hel­mut/Reu­ter El­ke, Au­gust Bach, in: En­bergs-Mül­ler, Hel­mut [u.a.] (Hg.), Wer war wer in der DDR? Ein Le­xi­kon ost­deut­scher Bio­gra­phi­en, Band 1, Ber­lin 2010, S. 53-54. Rich­ter, Mi­cha­el, Die Ost-CDU 1948–1952. Zwi­schen Wi­der­stand und Gleich­schal­tung. Düs­sel­dorf 1991. Schwie­ßel­mann, Chris­ti­an, Nord­deutsch, pro­tes­tan­tisch, li­be­ral – Grün­der­per­sön­lich­kei­ten der CDU in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, in: His­to­risch-Po­li­ti­sche Mit­tei­lun­gen 13 (2006), S. 25–46. Schwie­ßel­mann, Chris­ti­an, Rein­hold Lo­be­danz, in: Pett­ke, Sa­bi­ne (Hg.), Bio­gra­phi­sches Le­xi­kon für Meck­len­burg, Band 5, Ros­tock 2009, S. 201-204.

 
Zitationshinweis

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Müller-Enbergs, Helmut, August Bach, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/august-bach/DE-2086/lido/57b4131a6f2186.13111825 (13.12.2018)