Georg Freiherr von Rheinbaben

Regierungspräsident, preußischer Staatsminister und Oberpräsident der Rheinprovinz (1855–1921)

Joachim Lilla (Krefeld)

Georg Freiherr von Rheinbaben, 1901. (Jahrbuch der Berliner Morgenzeitung, Kalender 1901, Seite 208)

Ge­org Frei­herr von Rhein­ba­ben war ein preu­ßi­scher Ver­wal­tungs­be­am­ter und Po­li­ti­ker, der al­s Re­gie­rungs­prä­si­dent in Düs­sel­dorf, preu­ßi­scher Staats­mi­nis­ter und schlie­ß­lich Ober­prä­si­dent der Rhein­pro­vinz in der rhei­ni­schen und preu­ßisch-deut­schen Po­li­tik zwi­schen der Mit­te der 1890er Jah­re und dem En­de der Mon­ar­chie 1918 ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spiel­te und auch im his­to­ri­schen Be­wusst­sein der Rhein­lan­de et­wa durch Stra­ßen­na­men prä­sent ge­blie­ben ist.

Ge­org Kreuz­wen­de­dich Frei­herr von Rhein­ba­ben wur­de am 21.8.1855 in Frank­furt an der Oder ge­bo­ren. Sei­ne El­tern wa­ren Ma­jor Gus­tav von Rhein­ba­ben (1817–1866) und Kla­ra ge­bo­re­ne von Ger­lach (1825–1895). Die Fa­mi­lie war evan­ge­lisch.  Nach dem Be­such ei­nes Gym­na­si­ums stu­dier­te er von 1873 bis 1876 Rechts­wis­sen­schaf­ten und Volks­wirt­schaft in Hei­del­berg und Ber­lin und leis­te­te dann sei­nen Mi­li­tär­dienst als Ein­jäh­rig-Frei­wil­li­ger bei ei­nem Ula­nen-Re­gi­ment ab. Nach der Ers­ten ju­ris­ti­schen Staats­prü­fung ab­sol­vier­te er ab 1877 als Ge­richts­re­fe­ren­dar sei­nen ju­ris­ti­schen Vor­be­rei­tungs­dienst zu­nächst beim Kreis­ge­richt Er­furt, ab 1879 in Frank­furt an der Oder. Die Gro­ße ju­ris­ti­sche Staats­prü­fung legt er 1882 ab, war dann als Ge­richt­s­as­ses­sor vor­über­ge­hend als Hilfs­ar­bei­ter im Preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­um be­schäf­tigt, bis er am 1.12.1882 als Re­gie­rungs­as­ses­sor in die in­ne­re Ver­wal­tung über­nom­men und dem Ober­prä­si­di­um in Schles­wig zur Dienst­leis­tung zu­ge­wie­sen wur­de. 1885 hei­ra­te­te er in St. Jo­han­nis vor Schles­wig Hed­wig ge­bo­re­ne von Li­li­en­cron (1854–1934); aus der Ehe gin­gen meh­re­re Kin­der her­vor. Zum 1.12.1885 wur­de Rhein­ba­ben in das Preu­ßi­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um ver­setzt, dort 1888 zum Re­gie­rungs­rat, be­reits 1889 zum Ge­hei­men Fi­nanz­rat und Vor­tra­gen­den Rat und 1892 zum Ge­hei­men Ober­fi­nanz­rat er­nannt. Sei­nen un­ge­wöhn­lich ra­schen Auf­stieg ver­dank­te er der Pro­tek­ti­on von Fi­nanz­mi­nis­ter Jo­han­nes von Mi­quel (1828–1901), des­sen en­ger Mit­ar­bei­ter er war, et­wa bei dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz von 1891 und der Kom­mu­nal­steu­er­re­form von 1893. 

Am 22.2.1896 trat der im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um be­währ­te Frei­herr von Rhein­ba­ben als Re­gie­rungs­prä­si­dent an die Spit­ze der Re­gie­rung in Düs­sel­dorf. Die wäh­rend sei­ner Amts­zeit im Re­gie­rungs­be­zirk ge­schaf­fe­ne staat­li­che Woh­nungs­auf­sicht wur­de zum Vor­bild für ähn­li­che Be­hör­den im rest­li­chen Preu­ßen. In sei­ner Düs­sel­dor­fer Zeit kam er auch in nä­he­re, teils freund­schaft­li­che Kon­tak­te zur rhei­ni­schen Schwer­in­dus­trie, un­ter an­de­rem zu Franz Ha­ni­el un­d Fried­rich Al­fred Krupp, die die­se Kon­tak­te spä­ter in sei­ner Amts­zeit als Fi­nanz­mi­nis­ter per­sön­lich oder durch ih­re Nach­fol­ger in den Fir­men zu nut­zen wuss­ten. Als Re­gie­rungs­prä­si­dent war Rhein­ba­ben un­ter an­de­rem an den Vor­be­rei­tun­gen zum Bau des Rhein­ha­fens in Kre­feld in­ter­es­siert, schal­te­te sich im Be­darfs­fall per­sön­lich ein und sorg­te für die schnel­le Be­sei­ti­gung von Hin­der­nis­sen und die kurz­fris­ti­ge Be­ar­bei­tung von Ge­neh­mi­gungs­an­trä­gen; auch be­für­wor­te­te er die Ver­grö­ße­rung des Kre­fel­der Stadt­ge­biets durch die 1901 er­folg­te Ein­ge­mein­dung der Ge­mein­de Linn. In Düs­sel­dorf, ei­ner sehr be­deu­ten­den Stel­lung der preu­ßi­schen Ver­wal­tung, blieb er bis zum 9.9.1899, nach­dem er am 2. Sep­tem­ber zum preu­ßi­schen Staats­mi­nis­ter und Mi­nis­ter des In­nern er­nannt wor­den war. Auf Reichs­kanz­ler Fürst Chlod­wig zu Ho­hen­lo­he-Schil­lings­fürst (1819–1901) mach­te der neue „vom Kai­ser aus­ge­wähl­te Mi­nis­ter ei­nen gu­ten Ein­druck“[1]. Als Mi­nis­ter des In­nern am­tier­te er nur knapp zwei Jah­re; in die­ser Zeit bau­te ihn sein amts­mü­der För­de­rer Jo­han­nes von Mi­quel als sei­nen Nach­fol­ger an der Spit­ze des preu­ßi­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums auf. Nach An­nah­me von Mi­quels Rück­tritt am 5.5.1901 über­nahm Rhein­ba­ben noch am sel­ben Ta­ge das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Er lei­te­te die­ses Res­sort mit gro­ßem Er­folg und ge­wann zu­neh­mend po­li­ti­schen Ein­fluss. Be­son­ders her­vor­zu­he­ben ist die Neu­ord­nung der Be­am­ten­be­sol­dung so­wie sei­ne Mit­wir­kung an der (1909 al­ler­dings ge­schei­ter­ten) Reichs­fi­nanz­re­form. Nach dem durch die­ses Schei­tern ver­an­lass­ten Aus­schei­den des Fürs­ten Bern­hard von Bü­low (1849–1929) aus dem Amt des Reichs­kanz­lers im Ju­li 1909 galt Rhein­ba­ben als durch­aus chan­cen­rei­cher Be­wer­ber für die­ses Amt. Ob­wohl dienst­äl­tes­ter preu­ßi­scher Mi­nis­ter, kam er nicht zum Zu­ge, weil er bei Wil­helm II. (Re­gie­rungs­zeitt 1888-1918) nicht in höchs­ter Gunst stand. In ei­ner „fast­nachts­spiel­ar­ti­gen Wei­se“[2] ent­schied sich der Kai­ser, auf dem Sprung zu sei­ner jähr­li­chen Nord­land­rei­se, für den Staats­se­kre­tär des Reich­samts des In­nern, Theo­bald von Beth­mann Holl­weg (1856–1921), dem schon 1907 das ei­gent­lich von Rhein­ba­ben er­war­te­te Amt des Vi­ze­prä­si­den­ten des preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums über­tra­gen wor­den war. In sei­ner Ei­gen­schaft als preu­ßi­scher Mi­nis­ter des In­nern be­zie­hungs­wei­se der Fi­nan­zen war er vom 9.11.1899 bis 29.9.1910 (Da­ten der Pro­to­kol­lie­rung von Ein- und Aus­tritt) auch Be­voll­mäch­tig­ter Preu­ßens zum Bun­des­rat.

Zwei Vor­gän­ge bo­ten Reichs­kanz­ler von Beth­mann Holl­weg schlie­ß­lich ei­nen will­kom­me­nen An­lass, sich am 27.6.1910 von sei­nem als Kon­kur­ren­ten emp­fun­de­nen Fi­nanz­mi­nis­ter zu tren­nen. Zum ei­nen das Schei­tern der von Rhein­ba­ben grund­sätz­lich mit­ge­tra­ge­nen (mo­dera­ten) Re­form des preu­ßi­schen Drei­klas­sen­wahl­rechts 1910. Rhein­ba­ben sprach sich bei­spiels­wei­se in der Sit­zung des Staats­mi­nis­te­ri­ums am 22.11.1909 mit Er­folg ge­gen die Al­ters­be­vor­rech­tung aus, durch die äl­te­ren Wäh­lern un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ein stär­ke­res Stimm­ge­wicht ge­ge­ben wer­den soll­te. Er be­fürch­te­te „un­er­träg­li­che de­mo­kra­ti­sie­ren­de und po­lo­ni­sie­ren­de Fol­gen“, hielt sie auch des­we­gen für un­trag­bar, weil dann „ein geis­tig und kör­per­lich ge­brech­li­cher Ren­ten­emp­fän­ger auf dem Lan­de in der II. Ab­tei­lung wäh­le, der in der Voll­blü­te des Le­bens ste­hen­de Bau­er aber ev[en­t­u­ell] in der III.“[3]. Be­son­de­res Auf­se­hen er­reg­te ei­ne öf­fent­li­che Kon­tro­ver­se Rhein­ba­bens mit dem Spre­cher des Vor­stands der Deut­schen Bank, Ar­thur von Gwin­ner (1856–1931), im Mai 1910 bei den Be­ra­tun­gen des Haus­halts­plans für 1911 im preu­ßi­schen Her­ren­haus über die preu­ßi­sche An­lei­he­po­li­tik und die Grund­sät­ze der Staats­fi­nanz­wirt­schaft. Gwin­ner warf dem Mi­nis­ter vor, wie er in sei­nen Er­in­ne­run­gen schreibt, dass er be­reits den sieb­ten Etat „mit schein­ba­rem De­fi­zit ein­brach­te, wäh­rend das wirk­li­che Aus­kom­men al­le­mal bes­ser war, und in dem da­mals vor­lie­gen­den Fal­le si­cher­lich sehr viel güns­ti­ger wer­den mu­ß­te“. Gwin­ner ging es dar­um, „die Be­ein­träch­ti­gung des Staats­kre­dits durch Ver­kün­dung ei­nes ewi­gen De­fi­zits, wo gar kei­nes war“, zu ver­hin­dern; „noch woll­te ich die Knaus­er­wirt­schaft an so vie­len Stel­len, wo der da­mals rei­che Staat bil­dend und för­dernd hät­te ein­grei­fen kön­nen und sol­len.“[4] 

Nach dem „Mi­nis­ter­schu­b“, ei­nem Re­vi­re­ment in der Lei­tung von Reichs­äm­tern und preu­ßi­schen Mi­nis­te­ri­en, no­tier­te der dem Reichs­kanz­ler na­he­ste­hen­de Le­ga­ti­ons­rat Kurt Riez­ler (1882–1955), des­sen Si­tua­ti­on ha­be sich „stark ver­bes­ser­t“[5], so galt Rhein­ba­ben bis zu sei­nem Aus­schei­den aus dem Mi­nis­ter­amt als ernst­zu­neh­men­der Kon­kur­rent Beth­mann Holl­wegs. Er blieb je­doch nur we­ni­ge Ta­ge oh­ne Be­schäf­ti­gung. Be­reits am 2. Ju­li wur­de er zum Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz er­nannt und trat sein Amt am 4. Ju­li an. Sein Vor­gän­ger im Amt, Cle­mens Frei­herr von Schor­le­mer-Lie­ser, war am 18. Ju­ni im Rah­men des ge­nann­ten „Mi­nis­ter­schub­s“ als preu­ßi­scher Staats­mi­nis­ter und Mi­nis­ter für Land­wirt­schaft, Do­mä­nen und Fors­ten be­ru­fen wor­den. Der Wech­sel von ei­nem Mi­nis­ter­amt in die Stel­le ei­nes Ober­prä­si­den­ten war üb­ri­gens kei­ne Sel­ten­heit, und Frei­herr von Rhein­ba­ben führ­te wei­ter­hin den Ti­tel ei­nes (in­ak­ti­ven) preu­ßi­schen Staats­mi­nis­ters. Am 3.7.1911 wur­de er durch Al­ler­höchs­ten Er­lass auf Prä­sen­ta­ti­on des Dom­ka­pi­tels zu Mer­se­burg, dem er als Dom­de­chant vor­stand, in das Her­ren­haus be­ru­fen; am 27.3.1912 trat er dort ein. Ab 1912 war er Grün­dungs­vor­sit­zen­der des Ver­eins Rhein-Mu­se­um Ko­blenz. Im Früh­jahr 1913 wähl­te ihn die Goe­the-Ge­sell­schaft zu ih­rem Prä­si­den­ten, in die­ser Funk­ti­on war er aber nicht un­um­strit­ten. Die Grün­de für sei­ne Wahl sind un­klar, zu­mal man ihn nicht mit li­te­ra­ri­schen Am­bi­tio­nen in Ver­bin­dung brin­gen konn­te; ver­mut­lich soll­te er der Ge­sell­schaft zu grö­ße­rer ge­sell­schaft­li­cher Re­pu­ta­ti­on ver­hel­fen. So wirk­ten sei­ne Wor­te in der Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Goe­the-Ge­sell­schaft am 5. Ju­ni 1914 zwar eh­ren­wert, aber auch ver­schwom­men. Der Dienst am Geis­te Goe­thes sei „nicht nur ei­ne Eh­re und Freu­de, son­dern über­haupt ei­ne ho­he Auf­ga­be“, oder die Goe­the-Ge­sell­schaft dür­fe „sich nicht nur an ei­nen klei­nen Kreis Ein­ge­weih­ter wen­den, son­dern an den gro­ßen, brei­ten Kreis der Ge­bil­de­ten und nach Bil­dung Stre­ben­den“, wo­bei auch „die Ju­gend wie­der in den ge­hei­lig­ten Geist Goe­thes [zu] zie­hen sei“ (Golz, S. 126). Rhein­ba­ben blieb im Amt, oh­ne dass von ihm nen­nens­wer­te Im­pul­se für die Ge­sell­schaft aus­gin­gen, bis am 21. Mai 1921 der Ber­li­ner Ger­ma­nist Gus­tav Ro­ethe (1859–1926) als sein Nach­fol­ger ge­wählt wur­de.

Sei­ne Tä­tig­keit in der Rhein­pro­vinz ver­lief zu­nächst im Rah­men des üb­li­chen Ver­wal­tungs­han­delns und der Re­prä­sen­ta­ti­on. Bei­spiels­wei­se er­öff­ne­te er am 24.5.1911 die Ge­wer­be-, In­dus­trie- und Kunst­aus­stel­lung für den Nie­der­rhein (ver­an­stal­tet von der Hand­werks­kam­mer Düs­sel­dorf, Ab­tei­lung VI) auf dem Ge­län­de am Sprö­den­tal Kre­feld. Mit Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges hat­te die Ver­wal­tung ge­ra­de in der Rhein­pro­vinz mit ih­rer Grenz­la­ge be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen zu be­wäl­ti­gen. An­ge­sichts der sich ver­schär­fen­den Er­näh­rungs­kri­se wur­den An­fang 1917 Kriegs­wirt­schafts­äm­ter in den Pro­vin­zen er­rich­tet, die sich um die För­de­rung der land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­on küm­mern soll­ten. Das Kriegs­wirt­schafts­amt für die Rhein­pro­vinz ein­schlie­ß­lich des ol­den­bur­gi­schen Lan­des­teils Bir­ken­feld hat­te sei­nen Sitz zu­nächst in Ko­blenz, im April 1917 wur­de es zur Land­wirt­schafts­kam­mer für die Rhein­pro­vinz ver­legt. En­de 1917 gab es Hin­wei­se, dass Ober­prä­si­dent von Rhein­ba­ben ei­nen Rück­tritt vom Amt er­wä­ge, mut­ma­ß­lich im Zu­sam­men­hang mit der er­neut ent­brann­ten Dis­kus­si­on über die Re­form des preu­ßi­schen Drei­klas­sen­wahl­rechts. Spe­ku­la­tio­nen, dass Amts­vor­gän­ger Frei­herr von Schor­le­mer-Lie­ser (im Au­gust 1917 als Mi­nis­ter für Land­wirt­schaft, Do­mä­nen und Fors­ten aus­ge­schie­den) ihm auch nach­fol­gen soll­te, wur­den An­fang 1918 de­men­tiert. Zu­tref­fend war aber, dass Rhein­ba­ben in den Ru­he­stand tre­ten woll­te. Die Re­ge­lung sei­ner Nach­fol­ge war nicht ein­fach, weil sie im Zu­sam­men­hang mit der sich ab­zeich­nen­den po­li­ti­schen Neu­ord­nung zu se­hen war. Frei­herr von Schor­le­mer-Lie­ser ver­zich­te­te schlie­ß­lich of­fi­zi­ell auf ei­ne er­neu­te Be­ru­fung, auch un­ter Hin­weis auf die Wahl­rechts­fra­ge (er trat aber am 17.7.1918 er­neut an die Spit­ze der Land­wirt­schafts­kam­mer für die Rhein­pro­vinz). Als neu­er Ober­prä­si­dent wur­de dann ziem­lich un­er­war­tet zum 1.4.1918 der lang­jäh­ri­ge Land­rat in Rhein­bach, Ru­dolf von Groo­te, er­nannt. Die­ser war ka­tho­lisch und galt als zen­trums­na­he.

Rhein­ba­ben wur­de zum 1.4.1918 in den Ru­he­stand ver­setzt. Im Zu­sam­men­hang mit sei­nem Aus­schei­den ver­lie­hen ihm ei­ni­ge rhei­ni­sche Groß­städ­te (Duis­burg, Düs­sel­dorf und Kre­feld) im März 1918 ihr Eh­ren­bür­ger­recht. Die Kre­fel­der Stadt­ver­ord­ne­ten fass­ten den ent­spre­chen­den Be­schluss am 27.3.1918. Am 24.8.1918 wur­de dem neu­en Eh­ren­bür­ger ein pro­vi­so­ri­scher Eh­ren­bür­ger­brief aus­ge­hän­digt. Der end­gül­ti­ge Eh­ren­bür­ger­brief wur­de erst 1922, zeit­be­dingt in ein­fa­cher Form, auf Wunsch der Fa­mi­lie für das Fa­mi­li­en­ar­chiv ge­fer­tigt. Wei­te­re Eh­run­gen wur­den ihm zu­er­kannt: Die Uni­ver­si­tät Ber­lin er­nannt ihn zum Dr. med. h.c., die Tech­ni­sche Hoch­schu­le Aa­chen zum Dr.-Ing.E. h. Der Kö­nig von Preu­ßen ver­lieh ihm 1907 den höchs­ten preu­ßi­schen Or­den, den Schwar­zer Ad­ler-Or­den, ein Jahr dar­auf auch die Ket­te hier­zu. Rhein­ba­ben war In­ha­ber zahl­rei­cher wei­te­rer preu­ßi­scher Or­den und wei­te­rer Or­den der Bun­de­staa­ten. Meh­re­re Stra­ßen wur­den nach ihm be­nannt, un­ter an­de­rem 1908 die Haupt­ver­kehrs­stra­ße des Kre­fel­der Stadt­teils Linn, die die­sen Na­men bis heu­te führt. Auch die wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs nicht zu­letzt auf Rhein­ba­bens In­itia­ti­ve ge­bau­te und 1917 in Be­trieb ge­nom­me­ne Stra­ßen­brü­cke über den Rhein bei We­sel trug bis zu ih­rer Zer­stö­rung 1945 sei­nen Na­men.

Ge­org Frei­herr von Rhein­ba­ben starb am 25.3.1921 in Düs­sel­dorf und wur­de auf dem dor­ti­gen Nord­fried­hof be­gra­ben.

Quellen

Ge­hei­mes Staats­ar­chiv Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz Rep. 90 Nr. 990.
Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz Best. 403 Nr. 14475.

Literatur

Golz, Jo­chen: Klas­si­sches Er­be und deut­sches Na­tio­nal­emp­fin­den. Die Kul­tur­po­li­tik der Goe­the-Ge­sell­schaft, in: Ilm-Ka­ka­ni­en. Wei­mar am Vor­abend des Ers­ten Welt­krie­ges, Göt­tin­gen 2014, S. 117–135.
Gwin­ner, Ar­thur von, Le­bens­er­in­ne­run­gen, hg. von Man­fred Pohl im Auf­trag der His­to­ri­schen Ge­sell­schaft der Deut­schen Bank, 2. Auf­la­ge, Frank­furt am Main 1992.
Hand­buch für das preus­si­sche Her­ren­haus 1911, S. 353.
Hand­buch über den Kö­nig­lich Preu­ßi­schen Hof und Staat für das Jahr 1914, Ber­lin 1913.
Ho­hen­lo­he-Schil­lings­fürst, Fürst Chlod­wig zu, Denk­wür­dig­kei­ten der Reichs­kanz­ler­zeit, hg. von Karl Alex­an­der von Mül­ler, Stutt­gart/Ber­lin 1931.
Küh­ne, Tho­mas, Drei­klas­sen­wahl­recht und Wahl­kul­tur in Preu­ßen 1867–1914. Land­tags­wah­len zwi­schen kor­po­ra­ti­ver Tra­di­ti­on und po­li­ti­schem Mas­sen­markt, Düs­sel­dorf 1994.
Lil­la, Joa­chim, Der Bun­des­rat 1867-1919 – ein bio­gra­phi­sches Hand­buch [in Vor­be­rei­tung].
Riez­ler, Kurt, Ta­ge­bü­cher, Auf­sät­ze, Do­ku­men­te. Ein­ge­lei­tet und hg. von Karl Diet­rich Erd­mann, Göt­tin­gen 1972.
Röhl, John C.G., Wil­helm II. Der Weg in den Ab­grund 1900–1941, Mün­chen 2008.
Ro­meyk, Horst, Die lei­ten­den staat­li­chen und kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­be­am­ten der Rhein­pro­vinz 1816–1945, Düs­sel­dorf 1994, S. 689-690.
Ro­meyk, Horst, Ver­wal­tungs- und Be­hör­den­ge­schich­te der Rhein­pro­vinz, Düs­sel­dorf 1985.
Win­zen, Pe­ter, Reichs­kanz­ler Bern­hard von Bü­low. Mit Welt­macht­phan­ta­si­en in den Ers­ten Welt­krieg. Ei­ne po­li­ti­sche Bio­gra­phie, Re­gens­burg 2013. 

Online

Al­den­hoff, Ri­ta, „Mi­quel, Jo­han­nes von“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 17 (1994), S. 553-554 [On­line­fas­sung]; URL: http-blank://www.deut­sche-bio­gra­phie.de/pn­d11873413X.html
Zilch, Rein­hold, „Rhein­ba­ben, Ge­org Kreuz­wen­de­dich Frei­her­r“, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 21 (2003), S. 487-488 [On­line­fas­sung]; URL: http-blank://www.deut­sche-bio­gra­phie.de/pn­d116499184.html 

 
Anmerkungen
  • 1: Hohenlohe-Schillingsfürst, S. 526.
  • 2: Röhl, Wilhelm II., S. 795.
  • 3: Kühne, Dreíklassenwahlrecht, S. 535.
  • 4: Gwinner, Lebenserinnerungen, S. 108.
  • 5: Riezler, Tagebücher, S. 167.
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Lilla, Joachim, Georg Freiherr von Rheinbaben, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-freiherr-von-rheinbaben/DE-2086/lido/5db70ffeaf4618.29246068 (abgerufen am 16.11.2019)