Josef Kaspar Zilliken

Katholischer Pfarrer und Märtyrerpriester (1872-1942)

Sandra Ost (Trier)

Josef Kaspar Zilliken, Porträtfoto. (Bistumsarchiv Trier)

Jo­sef Kas­par Zil­li­ken war ein ka­tho­li­scher Geist­li­cher, der wäh­rend der NS-Zeit in KZ-Haft ge­riet. Nach Jah­ren der Be­spit­ze­lung und Schi­ka­nie­rung wur­de er von der Ge­sta­po fest­ge­nom­men, weil er Her­mann Gö­ring (1893-1946) bei ei­nem zu­fäl­li­gen Zu­sam­men­tref­fen nicht vor­schrifts­ge­mäß ge­grü­ßt hat­te. Er starb im treu­en Glau­ben an die Kir­che im KZ Dach­au, ge­schwächt durch die un­mensch­li­chen Le­bens­be­din­gun­gen. Er gilt als Wi­der­stands­kämp­fer und „Mär­ty­rer­pries­ter“.

Zil­li­ken wur­de am 17.9.1872 als Sohn ei­ner Uhr­macher­fa­mi­lie in May­en ge­bo­ren. Die El­tern wa­ren Fried­rich Zil­li­ken und Mar­ga­re­tha Klee. Von 1884 bis 1888  be­such­te er das Maye­ner Pro­gym­na­si­um, dann bis 1891 das Gym­na­si­um in Prüm und leg­te am 7.3.1894 am Kai­se­rin-Au­gus­ta-Gym­na­si­um in Ko­blenz die Rei­fe­prü­fung ab. Es folg­te das Stu­di­um der Phi­lo­so­phie und ka­tho­li­schen Theo­lo­gie am Bi­schöf­li­chen Pries­ter­se­mi­nar in Trier.

Am 26.3.1898 wur­de er in Trier von Bi­schof Mi­cha­el Fe­lix Ko­rum zu­sam­men mit 37 an­de­ren Kan­di­da­ten zum Pries­ter ge­weiht. An­schlie­ßend wirk­te er als Ka­plan im saar­län­di­schen Sulz­bach, bis er am 26.3.1901 nach Be­ste­hen sei­nes Pfar­r­ex­amens zum Pfar­rer in Wol­fers­wei­ler bei St. Wen­del be­ru­fen wur­de. 1905 wech­sel­te er in die Pfar­rei Thalex­wei­ler bei Ott­wei­ler, wo er sich bis 1922 um die ver­hält­nis­mä­ßig gro­ße Pfar­rei zu küm­mern hat­te. Im Fe­bru­ar 1922 wur­de Zil­li­ken zum Pfar­rer von Prüm und De­zem­ber des glei­chen Jah­res auch zum De­chan­ten des De­ka­nats Prüm er­nannt.

Der hei­mat­lie­ben­de und kir­chen­treue Jo­sef Kas­par Zil­li­ken er­wies sich zu­nächst als un­er­müd­li­cher Kämp­fer ge­gen die Se­pa­ra­tis­ten­be­we­gung in der Ei­fel und spä­ter als un­er­bitt­li­cher Geg­ner der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten. 

1932 hat­te er die ers­te, so­fort fol­gen­rei­che Be­geg­nung mit ei­nem Mit­glied der NS­DAP, ei­nem Zahn­arzt, der sei­ne Mo­no­pol­stel­lung in Prüm nutz­te, um sei­ne po­li­ti­schen An­sich­ten zu ver­brei­ten, wur­de zum Geg­ner, als Zil­li­ken ver­such­te, die­se Pro­pa­gan­da zu un­ter­bin­den und ihn aus sei­nem Amt zu ent­fer­nen. Das Bis­tum Trier un­ter­stütz­te den Pfar­rer, als der Zahn­arzt sich dort be­schwer­te. Ein Jahr spä­ter wur­de die­ser Mann Kreis­lei­ter der NS­DAP Prüm; von nun an stand Zil­li­ken un­ter stren­ger Be­ob­ach­tung und wur­de schi­ka­niert. So er­hielt er un­ter an­de­rem  An­zei­gen we­gen Ver­wei­ge­rung des deut­schen Gru­ßes und ähn­li­cher „De­lik­te“. Ei­ne auf Be­wäh­rung aus­ge­setz­te drei­mo­na­ti­ge Ge­fäng­nis­stra­fe be­kam er we­gen „Be­lei­di­gun­g“ des Par­teiideo­lo­gen Al­fred Ro­sen­berg (1893-1946) in der Sil­ves­ter­pre­digt 1934.

Da er in Prüm nun als „ka­tho­li­scher Ak­ti­vis­t“ ei­ne schwie­ri­ge Stel­lung hat­te, bat er Bi­schof Franz Ru­dolf Bor­ne­was­ser um Ver­set­zung. Am 17.12.1937 über­nahm Zil­li­ken die klei­ne Pfar­rei Was­se­nach in der Ei­fel na­he dem Laa­cher See; die of­fi­zi­el­le Ein­füh­rung er­folg­te erst am 30.1.1938. In Was­se­nach tat Zil­li­ken sei­ne Ab­nei­gung ge­gen die NS-Ideo­lo­gie wei­ter­hin un­ver­min­dert kund. Nach Ver­hö­ren und Straf­be­feh­len we­gen Ver­ächt­lich­ma­chung der NS-Welt­an­schau­ung, we­gen ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen das „Heim­tü­cke­ge­set­z“, we­gen kri­ti­scher Pre­digt­äu­ße­run­gen und we­gen Be­lei­di­gung wur­de ihm schlie­ß­lich im Jahr 1939 der staat­li­che Ge­halts­zu­schuss ge­stri­chen. Am 27.5.1940 be­such­te Zil­li­ken in Ge­sell­schaft von Jo­han­nes Schulz (1884-1942), dem Pfar­rer des Nach­bar­or­tes Ni­cke­nich, das Aus­flugs­lo­kal „Wald­frie­den“ in Was­se­nach. Bei­de be­gin­gen den Af­front, den zu­fäl­li­ger­wei­se eben­falls als Gast an­we­sen­den Her­mann Gö­ring  nicht nur nicht mit dem ver­pflich­ten­den „Heil Hit­ler“ zu grü­ßen, son­dern ihn und sei­ne Be­gleit­of­fi­zie­re zu igno­rie­ren. Gö­ring fühl­te sich brüs­kiert und Zil­li­ken wur­den noch am sel­ben Abend von der Ge­sta­po ver­haf­tet und in das Ge­fäng­nis An­der­nach ver­bracht. 

Am 8.6.1940 ord­ne­te das Reichs­si­cher­heits­haupt­amt in Ber­lin für Zil­li­ken die so ge­nann­te „Schutz­haf­t“ an. Am 14.6.1940 wur­de er  in das KZ Bu­chen­wald de­por­tiert, am 31.7.1940 in das KZ Sach­sen­hau­sen-Ora­ni­en­burg über­stellt und schlie­ß­lich am 14.12.1940 in das KZ Dach­au. 

Schulz er­eil­te das glei­che Schick­sal, er wur­de zu­sam­men mit Zil­li­ken de­por­tiert und un­ter der Häft­lings­num­mer 22541 auch im Dach­au­er Pries­ter­block in­haf­tiert. En­de Mai 1942 er­krank­te er und starb nach ei­ner Bein­am­pu­ta­ti­on am 19.8.1942 im La­ger­kran­ken­haus des KZ Dach­au. Sei­ne Asche wur­de spä­ter in Saar­brü­cken auf dem Wald­fried­hof im Fa­mi­li­en­grab bei­ge­setzt.

In Dach­au wa­ren sehr vie­le Geist­li­che in­haf­tiert; un­ter un­mensch­li­chen Be­din­gun­gen leb­ten sie  im so ge­nann­ten Pries­ter­block. Zil­li­ken - Häft­lings­num­mer 22409 - war zu­nächst im Block 28, Stu­be 1 und spä­ter im Block 26, Stu­be 3 un­ter­ge­bracht. Zu die­ser Zeit wa­ren die geist­li­chen Häft­lin­ge noch von kör­per­li­cher Ar­beit frei­ge­stellt – ein Pri­vi­leg, das sie 1942 ver­lo­ren. Nun muss­ten auch die Geist­li­chen schwe­re kör­per­li­che Ar­bei­ten ver­rich­ten. Da­zu ka­men von An­fang an Quä­le­rei­en wie Straf­e­x­er­zie­ren und Stock­hie­be zur Ahn­dung von Zu­wi­der­hand­lun­gen ge­gen die La­ger­ord­nung. Au­ßer­dem lit­ten die Ge­fan­ge­nen un­ter Hun­ger und den ent­setz­li­chen Haft­be­din­gun­gen. Gna­den­ge­su­che des Ge­ne­ral­vi­ka­ri­ats des Bis­tums Trier, ver­tre­ten durch Ge­ne­ral­vi­kar Hein­rich von Meu­rers (1888-1953), an das Reichs­si­cher­heits­haupt­amt blie­ben oh­ne Er­folg.

Jo­sef Kas­par Zil­li­ken starb am 3.10.1942; die of­fi­zi­el­le To­des­ur­sa­che lau­te­te Herz-Kreis­lauf-Ver­sa­gen in Ver­bin­dung mit ei­ner Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se. Vor sei­ner Ver­le­gung in die Kran­ken­sta­ti­on hat­te er noch von sei­nen Mit­ge­fan­ge­nen in der „Block­ka­pel­le“ das Sa­kra­ment der Kran­ken­sal­bung emp­fan­gen und ei­ne letz­ten Bot­schaft an sei­ne Pfarr­kin­der in Was­se­nach über­mit­teln kön­nen, loy­al zur ka­tho­li­schen Kir­che zu ste­hen und im Glau­ben fest zu blei­ben. 

Zehn Ta­ge nach sei­nem Tod fand in der Pfarr­kir­che von Was­se­nach im Bei­sein von 60 Geist­li­chen und un­ter gro­ßer An­teil­nah­me der Be­völ­ke­rung das Ster­be­amt für den Ver­stor­be­nen statt, des­sen Ur­ne im No­vem­ber 1942 auf dem Fried­hof in Was­se­nach be­stat­tet wur­de. Nach dem En­de des NS-Re­gimes er­hielt sei­ne letz­te Ru­he­stät­te ei­ne wür­di­ge Ge­stal­tung in der Mit­te des Pries­ter­grä­ber­fel­des. In der Pfar­rei Was­se­nach wur­de ei­ne Stra­ße nach ihm be­nannt.

Jo­sef Kas­par Zil­li­ken war ein ka­tho­li­scher Geist­li­cher, der in der NS-Zeit treu zu sei­ner Kir­che stand und mu­tig, oh­ne die Kon­se­quen­zen zu fürch­ten, den NS-Scher­gen und ih­rer Ideo­lo­gie die Stirn bot. Er gilt als „Mär­ty­rer­pries­ter“ und un­beug­sa­mer Wi­der­stands­kämp­fer. Pfar­rer Zil­li­ken setz­te ein Zei­chen, dass es wich­tig ist, auch in schwe­ren Zei­ten zu sei­nen Über­zeu­gun­gen und Idea­len zu ste­hen.

Literatur

Münch, Mau­rus: Un­ter 2579 Pries­tern in Dach­au- Zum Ge­den­ken an den 25. Jah­res­tag der Be­frei­ung in der Os­ter­zeit 1945, Trier 1972.
Ost, San­dra, Jo­seph Kas­par Zil­li­ken, in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon XXIV (2005), Sp. 1586-1589.
Persch, Mar­tin, „Mei­ne Zeit hier ist reich…“. Die Trie­rer Mär­ty­rer­pries­ter im ­Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger D­ach­au 1940-1945, in: Kur­trie­ri­sches Jahr­buch 37 (1997), S. 157-182.
Persch, Mar­tin,  Ar­ti­kel Zil­li­ken, in: Moll, Hel­mut (Hg.), Zeu­gen für Chris­tus. Das deut­sche Mar­ty­ro­lo­gi­um des 20. Jahr­hun­derts, Pa­der­born 1999,  Band 1, S. 584-587.
Zu­t­ter, Al­brecht / El­sigk, Ri­chard, Weil er Gö­ring nicht grü­ß­te. Das Schick­sal des saar­län­di­schen Pfar­rers Jo­han­nes Schulz, St. Ing­bert 1995.

 
Zitationshinweis

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Ost, Sandra, Josef Kaspar Zilliken, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/josef-kaspar-zilliken-/DE-2086/lido/57c8296ba8ad60.86722718 (07.12.2018)