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Adela von Pfalzel (um 660/675-735), Äbtissin

Adela von Pfalzel gründete um 700 das Kloster Pfalzel bei Trier, dem sie als erste Äbtissin vorstand. Ihr Gedenktag ist der 24. Dezember.

Adela wurde um 660/675 vermutlich als Tochter der Irmina von Trier und des fränkischen Seneschalls und Pfalzgrafen Hugobert (gestorben um 697) geboren. Sie entstammte einem führenden austrasischen Adelsgeschlecht und hatte enge Beziehungen zu den Arnulfingern und Pippiniden Wie Arnulfinger Bezeichnung für die frühesten bekannten Karolinger, Spitzenahn ist der austrasische Hausmeier Pippin der Ältere (gestorben 640). . Als ihre Schwestern werden Plektrud, Bertrada die Ältere, Regentrud (um 660/665-730/740) und Chrodelinde vermutet, auch wenn diese Familienkonstruktion in der Forschung nicht unwidersprochen geblieben ist. Über ihre Schwester Plektrud war sie mit dem fränkischen Hausmeier Bezeichnung für das frühmittelalterliche Hofamt des maior domus (Verwalter). Unter den Merowingern gewannen die Hausmeier seit dem 6. Jahrhundert erheblichen Einfluss auf Politik und Königtum. Nach 639 führten sie faktisch die politischen Geschäfte. Pippin der Mittlere setzte 701 die Erblichkeit des Hausmeieramtes durch. Die herausragende Stellung des Hausmeiers ebnete den Karolingern den Weg zur Königswürde. Pippin der Jüngere schaffte das Amt 751 ab.  Pippin dem Mittleren (Regierungszeit 679-714) verschwägert.

Vor ihrem Klostereintritt war Adela verheiratet. Ihr Ehemann lässt sich möglicherweise mit dem vir inluster Odo identifizieren. Aus ihrer Ehe ging ein Sohn, Alberich (gestorben nach 714) hervor. Ihr Enkel war Gregor von Utrecht (707-776).

Nach dem Tode ihres Mannes erwarb Adela um 700 von ihrem Schwager Pippin dem Mittleren durch Gütertausch die Grundherrschaft in Pfalzel und gründete in dem weitgehend erhaltenen ehemals römischen Gebäudeareal aus dem 4. Jahrhundert ein Frauenkloster als Witwensitz. Sie übernahm die Leitung des Klosters, stattete es mit reichen Schenkungen aus und sorgte als Klostergründerin für die Zusammenführung des Konvents und dessen monastische Prägung. Die ersten Nonnen stammten möglicherweise aus Oeren und Nivelles, wohin Adela Beziehungen pflegte. Wahrscheinlich stand das Kloster Pfalzel über Echternach in Kontakt zur angelsächsischen Mission. Für das Jahr 721 ist ein Besuch des angelsächsischen Missionars Bonifatius (672/675-754/755) bezeugt, dem sich bei dieser Gelegenheit Adelas Enkel Gregor anschloss.nach obenAls Eigenkloster verblieb Pfalzel zunächst in der Hand der Klostergründerin; erst 732/733 übertrug Adela das Kloster in ihrem Testament dem Schutz und der Oberherrschaft der Trierer Kirche. Um das Kloster nach ihrem Tode in seinem weiteren Bestand zu sichern, stattete sie es zudem mit weiterem Landbesitz aus.

Adela starb um 735 und wurde in Pfalzel in der Klosterkirche beigesetzt. Zwischen 1207 und 1802 befand sich ihr Grab im Chor der Stiftskirche. Am 9.8.1802, nach der Aufhebung des Stiftes während der Säkularisation, wurden ihre Gebeine in die Pfarrkirche St. Martin in Pfalzel, 1962 schließlich in die St. Marien-Kirche übertragen.

Adela wurde nicht generell als Heilige verehrt, ihr Kult beschränkte sich auf Pfalzel. In der St. Marien- und der St. Martin-Kirche in Pfalzel wird ihrer am 3. Januar gedacht.

In Trier-Pfalzel ist die Adulastraße nach ihr benannt.

In der hochmittelalterlichen Trierer Tradition (Libellus de rebus Trevirensibus) wurde Adela unzutreffend zu einer Tochter König Dagoberts I. (Regierungszeit 629-639), um die Gründung des Klosters Pfalzel politisch aufzuwerten.

 

Quellen

Libellus de rebus Trevirensibus (MGH XIV, S. 98-106), bearb. von Georg Waitz, Hannover 1883.

Vita Gregorii abbatis Traiactensis auctore Liudgero (MGH SS XV, S. 63-79), bearb. von Oswald Holder-Egger, Hannover 1887.

Wampach, Camille, Urkunden- und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien bis zur burgundischen Zeit, Band 1, Luxemburg 1935.

 

Literatur

Bautz, Friedrich Wilhelm, Artikel „Adela", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990), Sp. 33-34.

Heyen, Franz-Josef, Das St. Marien-Stift in (Trier-)Pfalzel, Berlin 2005.

Heyen, Franz-Josef, Untersuchungen zur Geschichte des Benediktinerinnenklosters Pfalzel bei Trier (700-1016), Göttingen 1966.

Werner, Matthias, Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Die Verwandtschaft Irminas von Oeren und Adelas von Pfalzel, Sigmaringen 1982.

 

Online

Die digitalen Monumenta Germaniae Historica (dmgh) [Für eine Recherche innerhalb der dmgh siehe die jeweiligen Angaben unter der Rubrik Quellen].

 

30.09.2010

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Jennifer Striewski (Bonn)