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Adolf I. von Altena (um 1157- circa 1220), Erzbischof von Köln (1193-1205, 1212-1216)

Adolf von Altena war zwölf Jahre lang Erzbischof von Köln und kämpfte weitere elf Jahre um dieses Amt. Er gehörte zu den Hauptverantwortlichen für das staufischSchwäbisches Adelsschlecht, das von Konrad III. (Regierungszeit 1138-1152) bis Konrad IV. (Regierungszeit 1250-1254) deutsche Könige und Kaiser stellte. -welfische Doppelkönigtum und den Thronstreit, in dessen Folge das Kölner Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr.  mehrfach durch Kriegshandlungen verwüstet wurde. Viele, insbesondere welfisch gesinnte Quellen und die ältere Forschung zeichnen von ihm das Bild eines geldgierigen, selbstsüchtigen und opportunistischen Machtmenschen. Demgegenüber verweist die moderne Forschung auf die legitime Wahrung seiner fürstlichen Stellung und sein striktes Eintreten für die Freiheit der fürstlichen Königswahl nach einer bestimmten Rang- und Reihenfolge.

Adolf wurde wohl als dritter Sohn des Grafen Eberhard von Altena (gestorben 1180) und vielleicht der Adelheid von Arnsberg um 1157 geboren. Er hatte zwei ältere Brüder, die Grafen Arnold (um 1150-1209) und Friedrich (gestorben um 1198), und war Neffe des Kölner Erzbischofs Bruno III. und Vetter des späteren Erzbischofs Engelbert I. Als Nachgeborener schlug Adolf die geistliche Laufbahn ein: Er war bereits vor 1177 Kanoniker am Kölner Dom, avancierte 1183 zum Domdekan und schließlich 1191 zum Dompropst. Ebenso gehörte er dem Kapitel von St. Georg in Köln an, wo er ebenfalls die Leitung innehatte. Außerdem stand er noch dem Stift in Limburg an der Lahn bis 1192 als Propst vor. Nach dem Rücktritt seines betagten und altersschwachen Onkels Bruno vom Amt des Kölner Erzbischofs wurde Adolf in der zweiten Jahreshälfte 1193 zu dessen Nachfolger gewählt. Sein Suffragan Bischof Hermann II. von Münster (Episkopat 1174-1203) weihte ihn in Anwesenheit des Mainzer Erzbischofs Konrad (Episkopat 1183-1200) und des Mindener Bischofs Thietmar (Episkopat 1185/1186-1200) am 27.3.1194 zum Erzbischof, nachdem er am Tag zuvor zum Priester geweiht worden war.

Bereits am 6.1.1194 empfing Adolf die englische Königin Eleonore (um 1120-1200) in Köln, die mit großem Gefolge ihrem gefangenen Sohn Richard Löwenherz (Regierungszeit 1189-1199) nach Mainz entgegenreiste. Gemeinsam mit dem Mainzer Erzbischof setzte sich Adolf bei Kaiser Heinrich VI. (Regierungszeit 1190-1197) Anfang Februar erfolgreich für Richards Freilassung ein. Adolf selbst überbrachte ihm die gute Nachricht, lud ihn nach Köln ein und beherbergt ihn dort festlich für drei Tage, bevor er ihn Mitte Februar zum Antwerpener Hafen geleitete. Erzbischof Adolf demonstrierte auf diese Weise eine betont englandfreundliche Politik, die sich unter anderem aus den handelspolitischen Interessen der Stadt Köln ergab und die zugleich eine gewisse antistaufische Haltung widerspiegelte.

Diese eigenständige, selbstbewusste Politik Adolfs zeigte sich auch Weihnachten 1195 in Worms, als der Erzbischof den kaiserlichen Wunsch ablehnte, seinen einjährigen Sohn Friedrich (Regierungszeit als Kaiser Friedrich II. 1220-1250) zum König zu wählen. Auch dem kaiserlichen Erbreichsplan von April 1196 stand Adolf kritisch gegenüber. Erst im August 1197 gab Adolf seinen Widerstand gegen die Weihnachten erfolgte Wahl des jungen Staufers auf und leistete ihm in Boppard den Treueid. Doch nach dem Tod Heinrichs VI. (28.9.1197) erklärte er die Wahl Friedrichs für ungültig, da sie auf Druck des Kaisers erfolgt, der junge König damals noch ungetauft und als Kind regierungsunfähig sei.

Adolf beabsichtigte eine Neuwahl und beanspruchte dabei für sich die führende Rolle, da der Mainzer Erzbischof Konrad und der rheinische Pfalzgraf Heinrich (V.) der Ältere von Braunschweig (Regierungszeit 1195-1212, gestorben 1227) auf dem Kreuzzug waren und ihm der Trierer Erzbischof Johann I. für die anstehende Kur seine Stimme verkauft hatte. Als die Erzbischöfe Adolf und Johann mit ihren Anhängern zunächst keinen geeigneten Bewerber fanden, lenkten sie gegenüber dem staufischen Kandidaten Philipp von Schwaben (1177-1208) ein, dem Onkel und nächsten Agnaten Lateinisch, Blutsverwandte gemeinsamer männlicher Abstammung.  des jungen Friedrich. Sie zogen ihre Unterstützung jedoch sofort zurück, als sie hörten, dass Philipp Anfang März 1198 in Thüringen von sächsischen Fürsten auch ohne ihre Beteiligung zum König erhoben worden war. Zwar warb Philipp weiter um Zustimmung, doch wandte sich Erzbischof Adolf nun dem welfischen Kandidaten Otto von Poitou-Braunschweig (1175/1176-1218) zu, dem zweiten Sohn Herzog Heinrichs des Löwen (Regierungszeit 1142-1180, gestorben 1195), der von seinem Onkel (Richard Löwenherz) und der Stadt Köln favorisiert wurde. Er erhob ihn am 9.6.1198 in Köln und krönte ihn am 12.7.1198 in Aachen zum König. Adolf bemühte sich durch eine Gesandtschaft an Papst Innozenz III. (Pontifikat 1198-1216) um eine Bestätigung der Wahl, Weihe und Krönung Ottos sowie um die Zustimmung zur künftigen Kaiserkrönung.nach obenDie folgenden päpstlichen Schreiben, in denen Innozenz zusicherte, den Kandidaten auf Eignung und Würdigkeit zu prüfen, und die Entsendung päpstlicher Legaten führten zu einer Verstimmung Adolfs, obwohl der Papst Otto im Frühjahr 1201 als König bestätigte. In der Zwischenzeit stritten beide Konkurrenten um den Thron und drangen mit Waffengewalt in das Kölner Erzstift ein. Gleichzeitig kam es zum Zerwürfnis zwischen König Otto IV. (Regierungszeit 1198-1218) und dem Erzbischof. Adolf begann, sich von dem Welfen abzuwenden, so dass ihn der Papst bereits Ende 1201 ermahnte, die Unterstützung des Königs beizubehalten oder die Gunst des apostolischen Stuhles zu verlieren. Endgültig wechselte Adolf Ende 1204 auf die Seite Philipps von Schwaben. Zwar musste dieser offiziell zuerst auf sein Königtum verzichten, wurde dann aber am 6.1.1205 in Aachen neu gewählt und durch Adolf sogleich gekrönt. Der Erzbischof wahrte damit seinen Rechtsstandpunkt des Vorrangs der freien Fürstenwahl vor dem Geblütsrecht und der Kur in bestimmter Rang- und Reihenfolge.

Allerdings überschätzte Erzbischof Adolf damit sein politisches Gewicht; der Wechsel führte zum Bruch mit Papst Innozenz III. Dieser ließ Adolf am 19.5.1205 durch seine Delegierten, Erzbischof Siegfried II. von Mainz (Episkopat 1200/1208-1230), Bischof Johann von Cambrai (Episkopat 1200-1219) und den Scholaster Heinrich von St. Gereon, im Kölner Dom exkommunizieren und nach einer Frist am 19. Juni seines Amtes entheben. Danach konnte sich Adolf nur noch in einigen Gebieten des Kölner Erzstifts gegen Bruno von Sayn behaupten, der bereits im Juli zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Zwar wurde Adolf im März 1207 auf dem Hoftag König Philipps in Augsburg durch päpstliche Legaten vom Kirchenbann gelöst, doch unter der Auflage nach Rom zu gehen und sich dem Urteil des Papstes zu unterwerfen. Das Kölner Schisma blieb indessen bestehen und Adolf kämpfte weiter vergeblich um das Bischofsamt.

Die Situation verschlimmerte sich für ihn durch die Ermordung König Philipps (21.6.1208) und änderte sich auch nicht durch Brunos Tod (2.11.1208), da diesem Erzbischof Dietrich I. am 22.12.1208 folgte. Erst als Kaiser Otto IV. sich mit dem Papst entzweite und sich die politische Lage dadurch grundlegend änderte, setzte der päpstliche Legat Erzbischof Siegfried von Mainz den welfentreuen Amtsinhaber Dietrich ab und Adolf wieder in sein Amt ein. Papst Innozenz III. ließ Adolf zunächst amtieren, ohne jedoch seine Restitution zu bestätigen. Im Erzbistum konnte sich Adolf zu dieser Zeit nicht mehr gegen seinen Widersacher durchsetzen. Bei der Krönung König Friedrichs II. in Mainz (9.12.1212) und abermals in Aachen (25.7.1215) verzichtete Adolf sogar zugunsten seines Mainzer Amtsbruders auf das Kölner Krönungsrecht Bezeichnet das Recht, den Monarchen zu krönen, in der Regel durch den höchsten Kirchenfürsten des Landes ausgeübt. . Anfang 1216 trat Adolf (wie auch Dietrich) endgültig als Erzbischof zurück, da der Papst die Kölner Prioren zur Neuwahl aufgefordert hatte, die schließlich auf Adolfs Vetter Engelbert von Berg fiel. Adolf zog sich zurück und lebte von einer Rente, die ihm aus erzbischöflichen Einkünften zugewiesen wurde. Noch Anfang 1220 weihte er in Stellvertretung des Erzbischofs einen Altar zu Ehren der 11.000 Jungfrauen in der Krypta der Kirche St. Ursula in Köln. Am 15. April, vermutlich des gleichen Jahres, ist Adolf an einem nicht sicher bezeugten Ort (Neuss?) gestorben.

Quellen (Auswahl)

Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Band 2, bearb. von Richard Knipping, Bonn 1901, Nachdruck Düsseldorf 1985, S. 293-347; Band 3, bearb. von Richard Knipping, Bonn 1909,  Nachdruck Düsseldorf 1985, S. 21-25.

 

Literatur (Auswahl)

Janssen, Wilhelm, Adolf von Altena, in: Gatz, Erwin (Hg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1198 bis 1448, Berlin 2001, S. 269-270.

Janssen, Wilhelm, Das Erzbistum Köln im späten Mittelalter (1191-1515) (Geschichte des Erzbistums Köln 2, 1), Köln 1995, S. 124-127.

Röhrich, Victor, Adolf I., Erzbischof von Köln, Königsberg 1886.

Stehkämper, Hugo, Der Kölner Erzbischof Adolf von Altena und die deutsche Königswahl (1195-1205), München 1973, S. 5-83.

Stehkämper, Hugo, Über das Motiv der Thronstreit-Entscheidungen des Kölner Erzbischofs Adolf von Altena 1198-1205: Freiheit der fürstlichen Königswahl oder Aneignung des Mainzer Erstkurrechts?, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 67 (2003), S. 1-20.

Wolfschläger, Caspar, Erzbischof Adolf I. von Köln (1193-1205) als Fürst und Politiker, Münster 1905.

 Online

Grundmann, Herbert, Artikel „Adolf I:", in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 82-83.

29.1.2014
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Swen Holger Brunsch (Swisttal) 
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 Siegel von Adolf I. von Altena (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 276KB)

Siegel des Erzbischofs Adolf I. von Altena. (Historisches Archiv der Stadt Köln)