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Albertus Magnus/Albert der Große (um 1200-1280), Universalgelehrter

Wegen seiner herausragenden Leistungen auf fast allen Wissensgebieten seiner Zeit schon zu Lebzeiten berühmt, wurde er als einzige Persönlichkeit der Wissenschaftsgeschichte durch die Nachwelt mit dem Beinamen „Magnus" (der Große) und dem Ehrentitel „Doctor universalis" (der Universalgelehrte) ausgezeichnet. Die katholische Kirche sprach ihn heilig und erhob ihn zum Kirchenlehrer (1931) sowie zum Schutzpatron der Naturwissenschaftler (1941).

Um 1200 in Lauingen an der Donau als Sohn eines staufischen Beamten geboren und im Familienkreis aufgewachsen, ging Albert zum Studium der Freien Künste (darunter Rhetorik, Logik Griechisch, Disziplin der Philosophie, die die strukturelle Gültigkeit von Argumenten untersucht.  und Arithmetik) nach Padua, wo er 1223 Jordan von Sachsen (um 1200-1237), Ordensmeister der Dominikaner und erster Nachfolger im Amt des Ordensgründers hl. Dominikus, begegnete und dem Dominikanerorden beitrat. Das Noviziat und die theologische Ausbildung absolvierte er in Köln und wurde anschließend Lektor der Theologie an den Ordenshäusern in Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und in Straßburg.

Anfang der 1240er-Jahre als erster deutsche Dominikaner zum Promotionsstudium an die Universität in Paris entsandt, wurde er dort 1245 promoviert und bis 1248 Theologieprofessor. Im Sommer 1248 kehrte er in Begleitung seines Schülers Thomas von Aquin (um 1225-1274) in seinen Heimatkonvent nach Köln mit dem Auftrag zurück, hier das Studium generale der Dominikaner, die erste Hochschule Deutschlands und Vorläuferin der Kölner Universität, einzurichten und zu leiten. Dieser organisatorischen und wissenschaftlichen Aufgabe widmete er sich mit einer dreijährigen Unterbrechung für die Wahrnehmung des Amtes des Provinzials der deutschen Dominikanerprovinz Teutonia (1254-1257) bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Regensburg am 5.1.1260.

Als Provinzial visitierte er, stets zu Fuß unterwegs, die Konvente des Ordens in einem Raum, der sich im Norden von Antwerpen, Utrecht, Stralsund und Riga bis Leipzig, Wien, Ptuj (Slowenien), Zürich, Straßburg und Trier im Süden erstreckte. 1256 trat er im Auftrag des Ordensmeisters an der päpstlichen Kurie nach Anagni als Verteidiger der Bettelorden (Dominikaner und Franziskaner) auf, die vom Weltklerus bekämpft wurden. Er nahm dort öffentlich Stellung zu den arabisch-islamischen Strömungen in der Philosophie an der Pariser Universität (Monopsychismus und astraler Determinismus Überzeugung, dass aufgrund eines dauerhaften Einflusses der Gestirne alle Ereignisse und Zustände auf der Erde vorher bestimmt sind. ), die mit den zentralen Aussagen des biblisch-christlichen Glaubens (zum Beispiel die individuelle Unsterblichkeit der menschlichen Seele und die Willensfreiheit Keine allgemein anerkannte Definition; im Allgemeinen die Fähigkeit Handelnder, Entscheidungen aus eigenem Willen und frei von Beschränkungen zu treffen.  des Menschen) unvereinbar waren. Von diesen öffentlichen Auftritten in Anagni sind Niederschriften erhalten, die in kritischen Druckausgaben vorliegen: „De unitate intellectus" („Über die Einheit des Intellekts") und „De fato" („Über das Schicksal").

Die päpstliche Ernennung zum Bischof von Regensburg nahm Albert trotz des Einspruchs des Ordensmeisters Humbert von Romans an. Doch schon ein Jahr später – nach dem Tod Alexanders IV. (25.5.1261) – gab er das Bischofsamt an Papst Urban IV. (Pontifikat 1261-1264) zurück. Um seine Entpflichtung zu erreichen, begab er sich im Frühjahr 1261 zur päpstlichen Kurie nach Viterbo nördlich von Rom, wo Urban IV. die ResignationLateinisch-mittellateinisch, (1) sich einfügen in scheinbar Unabänderliches, (2) Amtsverzicht, ein Amt niederlegen. annahm. Am päpstlichen Hof in Viterbo und anschließend in Orvieto blieb er mit verschiedenen Aufgaben betraut, wohl bis zu seiner am 13.2.1263 erfolgten Ernennung zum Kreuzzugsprediger für Deutschland, Böhmen und den übrigen deutschsprachigen Raum. Als dieser Auftrag 1264 mit dem Tod Urbans IV. erloschen war, ging er nach Würzburg, wo sein Bruder Heinrich als Dominikaner lebte; hier wirkte er wissenschaftlich und pastoral bis 1267.

Seit Herbst 1267 bis 1270 hielt sich Albert im Straßburger Dominikanerkonvent auf. Anfang 1271 folgte er einer eindringlichen Bitte der Ordensmeisters Johannes von Vercelli, er möge nach Köln gehen, um in einem langwierigen und eskalierenden Streit zwischen der Bürgerschaft und dem Erzbischof von Köln, Engelbert von Falkenburg (Amtszeit: 1261-1274) zu vermitteln und die Stadt vom päpstlichen Interdikt und dessen verhängnisvollen Folgen zu befreien. Wie Albert schon 1252 im so genannten Kleinen Schied und 1258 im Großen Schied den Frieden zwischen dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden und den Bürgern von Köln wiederherstellen konnte, hat er auch 1271 die Stadt aus einer politisch, wirtschaftlich und geistig akuten Notlage herausgeführt. Seinem großen Ansehen, seiner Umsicht und politischen Klugheit war es zu verdanken, dass er die verfeindeten Parteien, vor allem aber den Erzbischof Engelbert von Falkenburg, umstimmen und dessen Aussöhnung mit der Kölner Bürgerschaft herbeiführen konnte.nach obenNach seiner 1271 erfolgten Übersiedlung nach Köln blieb Albertus der Stadt treu bis zu seinem Tode. In diesem letzten Lebensabschnitt war er trotz nachlassender Kräfte und fortgeschrittener Erblindung noch vielfältig aktiv. Er nahm Aufgaben innerhalb und außerhalb der Stadt wahr, die zum Teil dem Erzbischof beziehungsweise einem bischöflichen Generalvikar oblagen, wie Konsekrationen von Kirchen und Altarweihen, Beglaubigung von Ablassbriefen und verschiedenen Urkunden. Im Auftrag des Papstes betätigte er sich als Bevollmächtigter, Schiedsrichter und Schlichter in rechtspolitischen Streitfragen und disziplinarischen Angelegenheiten.

In kirchenpolitisch besonders schwierigen Fällen für die Stadt und ihre Bürger griff er teilweise auch ohne einen Auftrag der päpstlichen Kurie vermittelnd ein. In dieser Kölner Zeit war er auch für König Rudolf von Habsburg (Regierungszeit 1273-1291) tätig, der ihn 1275 beauftragte, dem Propst von St. Georg, Eberhard von Diest, als dem ernannten Bischof von Münster nach dem Treueid die entsprechende Urkunde über das Hoheitsrecht zu übergeben und ihm den Eid abzunehmen, dass er noch im selben Jahr beim König persönlich erscheine. Alberts Teilnahme am allgemeinen Konzil in Lyon 1274 und seine Reise nach Paris 1277 zwecks Verteidigung der Lehre seines Schülers Thomas von Aquin vor der Verurteilung sind historisch nicht gesichert und wegen seines hohen Alters als fragwürdig anzusehen.

In Köln schrieb Albert die meisten seiner zahlreichen (mehr als 70) und zum Teil sehr umfangreichen Werke und hielt seine Vorlesungen über die Nikomachische Ethik Griechisch, Sitte, Gewohnheit, das Teilgebiet der Philosophie, das sich mit der Frage nach Systemen und Prinzipien moralischen Handelns auseinandersetzt.  des Aristoteles (384-322). Mit der Kommentierung der aristotelischen Physik begann er hier sein philosophisches, mit größtem Erfolg gekröntes Projekt der Auslegung aller in lateinischer Sprache zugänglichen Schriften des Aristoteles und solcher, die Aristoteles zugeschrieben wurden. Ebenfalls in Köln verfasste er einer Reihe von Werken, die das Schriftenkorpus des Aristoteles ergänzen („De nutrimento et nutribili", „De intellectu et intelligibili", „De motibus animalium" und „De natura et origine animae"), ferner seinen Kommentar zum Matthäus-Evangelium und einige andere seiner Kommentare zur Hl. Schrift des Alten und Neuen Testaments sowie seine Spätwerke („De XV problematibus", „Problemata determinata", „Summa theologiae sive de mirabili scientia dei", den Doppeltraktat über die hl. Messe und die Eucharistie „Super missam" und „De corpore domini").

Am 15.11.1280 starb Albert im Kölner Dominikanerkonvent in der Stolkgasse und wurde in der Klosterkirche Heilig Kreuz begraben. Als 1802 die französische Verwaltung im Zuge der Säkularisation die Klosterkirche schließen und das Kloster unter Anwendung von Zwang räumen ließ, übertrugen die Dominikaner den Reliquienschrein Alberts in die nahe gelegene Kirche St. Andreas. Er wurde dort im Chor, später im nördlichen Seitenchor aufgestellt. 1954 wurden die sterblichen Überreste in einen antiken Sarkophag übertragen, der seinen vorerst letzten Platz in der Krypta unter dem Hochaltar fand. Die alte Dominikanerkirche, deren Chor Albert aus eigenen Mitteln bauen ließ, wurde 1804 abgerissen.

Die Domstadt am Rhein, in der Albert die meiste Zeit seines Lebens wirkte, um deren Wohlergehen und Bedeutung als Wissenschaftsstandort er sich große Verdienste erworben hat, in der er starb und seine letzte Ruhestätte fand – und so auch als „Albert von Köln" (Dante Alighieri, „La divina commedia", Paradiso X, 97-99) in die Geschichte einging –, diese Stadt verdankt Albertus Magnus, einem ihrer prominentesten Bürger des 13. Jahrhunderts, im erheblichen Maße ihren Weltruhm und ihr Ansehen.

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Werke

Historisch-kritische Gesamtausgabe

Alberti Magni Opera omnia. Ad fidem codicum manuscriptorum (...) curavit Institutum Alberti Magni Coloniense B. Geyer (ab 1974 Wilhelm Kübel, ab 1995 Ludger Honnefelder) praeside, Münster i.W. 1951ff.

[Von den geplanten 40 Bänden sind bisher 28 Bände bzw. Teilbände erschienen]

 

Frühere Gesamtausgaben (unkritisch und unvollständig)

Alberti Magni Opera. Studio et labore Petri Iammy, 21 Bände, Lyon 1651.

Alberti Magni Opera omnia. Cura ac labore Augusti (et Æmilii) Borgnet, 38 Bände, Paris 1890-1899.

 

Schriften in deutscher Übersetzung, die im Literaturverzeichnis bei I. Craemer-Ruegenberg (wie unten, S.191-192) nicht erfasst sind:

Albertus Magnus, Buch über die Ursachen und den Hervorgang von allem aus der ersten Ursache / Liber de causis et processu universitatis a prima causa, Lateinisch-Deutsch, übersetzt und hg. von Henryk Anzulewicz, Maria Burger, Silvia Donati, Ruth Meyer und Hannes Möhle, Hamburg 2006.

Albert der Große, Liber de natura et origine animae/Über die Natur und den Ursprung der Seele, Lateinisch-Deutsch, übersetzt und hg. von Henryk Anzulewicz, Freiburg i.Br. 2006.

 

Literatur

Bautz, Friedrich-Wilhelm, Artikel "Albertus Magnus", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990), Sp. 86-88.

Craemer-Ruegenberg, Ingrid, Albertus Magnus, völlig überarbeitet und hg. von Henryk Anzulewicz, Leipzig 2005.

Honnefelder, Ludger u.a. (Hg.), Albertus Magnus und die Anfänge der Aristoteles-Rezeption im lateinischen Mittelalter, Münster i.W. 2005.

Resnick, Irven M./Kitchell Jr., Kenneth F., Albert the Great: A Selectively Annotated Bibliography (1900-2000), Tempe (Arizona) 2004.

Sanders, Willy, Albertus Magnus und das Rheinische, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 42 (1978), S. 402-454.

Senner, Walter u.a. (Hg.), Albertus Magnus. Zum Gedenken nach 800 Jahren: Neue Zugänge, Aspekte und Perspektiven, Berlin 2001.

Stehkämper, Hugo (Hg.), Albertus Magnus. Ausstellung zum 700. Todestag, Köln 1980 (Katalog und Textband).

Strauch, Dieter, Der Große Schied von 1258. Erzbischof und Bürger im Kampf um die Kölner Stadtverfassung, Köln u.a. 2008.

 

Online

Grabmann, Martin, Artikel "Albertus Magnus", in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 144-148.

Website des Albertus-Magnus-Institutes Bonn(Informationsangebot über die Tätigkeit des Instituts sowie über Leben und Werk von Albertus Magnus inklusive weiterer Literaturhinweise).

 

28.2.2013
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Henryk Anzulewicz (Bonn) 
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 Albertus Magnus, Teil eines Altarbildes          (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 264KB)

Albertus Magnus auf einem Ausschnitt aus dem Gemälde des Hochaltars des ehemaligen Frankfurter Dominikanerklosters, rechter Flügel,  von Hans Holbein dem Älteren (um 1465-1524), 1501. (Städelsches Kunst-institut und Museum Frankfurt)