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Arnt Beeldsnider (gestorben 1492), Bildhauer

Arnt, der nach seinen Hauptwirkungsstätten auch Arnt von Kalkar und Arnt von Zwolle genannt wird, zählt zu den wichtigsten Bildhauern der SpätgotikDie Schlussphase der Gotik dauerte in Deutschland von circa 1360 bis circa 1510, während sie in Italien schon ab 1400 von der Renaissance abgelöst wurde.  Charakteristisch ist eine reiche und virtuose Kunstproduktion, die von Hallenkirchen über Werke der Bildhauerei bis zu den Flügelaltären reichte. im niederrheinischen Raum.

Nach Heribert Meurer dürfen alle archivalischen Quellen in Kleve, Kalkar und Zwolle, die zwischen 1460 und 1492 den Namen nennen, auf seine Person bezogen werden. Nach einer möglichen Ausbildung in Kleve bei einem in Arnheim oder Nimwegen tätigen Bildhauer wird Arnt 1453 das Kalkarer Bürgerrecht erworben haben. 1460 fertigte er für den Brüsseler Hof von Herzog Johann I. von Kleve einen Wappenschild. Vermutlich von Kalkar aus lieferte er 1479 drei bei ihm in Auftrag gegebene Bildwerke nach Zwolle. Dorthin übersiedelte er 1481/1484 mit seiner Werkstatt, blieb aber weiterhin für Kalkar tätig.

Als eines seiner frühesten und zugleich bedeutendsten Werke gilt das 1474 als Stiftung Herzog Johanns I. von Kleve geschaffene Chorgestühl der ehemaligen Klever Minoritenkirche St. Mariä Empfängnis, der heutigen katholischen Pfarrkirche. Das zweireihige Chorgestühl aus Eichenholz, das nicht mehr vollständig erhalten ist, zeigt auf den zweigeschossigen Seitenwangen Reliefs von verschiedenen Heiligen wie Elisabeth, Bernhadin von Siena, Barbara und Magdalena sowie Freifiguren der Klara von Assisi und des Ludwig von Toulouse. Derb realistische Drolerien bekrönen die niedrigen Seitenwangen und die Miserikordien. In dem Werk zeigt sich, dass Arnt einerseits durch die Kunst des altniederländischen Malers Roger van der Weyden (1399/1400-1464) hinsichtlich der Bilderfindung, andererseits durch die in Utrecht tätigen Bildhauerwerkstätten (unter anderem tätig am Domlettner) Anregungen empfangen hat.

Von hoher Qualität ist ebenso die 1487 von der Kalkarer Liebfrauenbruderschaft in Auftrag gegebene Figur des „Christus im Grabe", die für den Chor der Kalkarer St. Nicolaikirche bestimmt war und heute im südlichen Nebenchor aufgestellt ist. Der lebensgroße, auf einer (neueren) Tumba Griechisch-lateinisch, (1) Scheinbahre beim katholischen Trauergottesdienst, (2) sarkophagartiger Überbau eines Grabes mit rechteckiger Grabplatte; Grabplatte ist mit einem Relief geschmückt oder trägt eine vollplastische Darstellung der/des Toten. Die zunächst aus Stein errichteten Tumben wurden im späteren Mittelalter oft aus Bronze gestaltet.  liegende Leichnam Christi offenbart mit hohem Verismus Lateinisch, bezeichnet (1) die naturalistische Richtung der italienischen Oper zwischen etwa 1890 und den 1920er Jahren (Verismo), (2) mit veränderter Bedeutung  jeden Realismus mit sozialkritischer Absicht.  die Zeichen des Todes: Der Blick scheint gebrochen, im geöffneten Mund wird die obere Zahnreihe sichtbar. Lediglich stilistisch können ihm die 1477 vom Xantener Stiftskapitel erworbenen „Zwei Engel mit den Arma Christi" zugeschrieben werden.

Datiert Meurer den Mittelschrein des Georgsaltarretabels in der Kalkarer St. Nicolaikirche zwischen 1490 und 1492, so plädiert Hilger für eine Entstehung vor 1484. Ein einheitliches Panorama bildet die Kulisse für sieben Szenen aus der Legende des Heiligen Georg. Die drastisch zugespitzte Erzählung ist durch ihre ausgesprochen differenzierte Oberflächenstruktur und hohen Detailreichtum gekennzeichnet. Auch die technische Umsetzung beeindruckt: Der Schrein wurde lediglich aus vier Holzblöcken gestaltet, nur wenige Anstückungen schnitzerischer Details waren vonnöten.

Die umfangreiche Arbeit am Mittelschrein des Kalkarer Hochaltarretabels, für den er 1488 von der Kalkarer Liebfrauenbruderschaft beauftragt worden war und für dessen Gesamtplanung er verantwortlich zeichnete, konnte er durch sein Ableben 1492 nicht mehr selbst vollenden. Teile des Kalvarienbergs sowie die Predellenszene „Fußwaschung Christi" dürften als eigenhändige Werke anzusprechen sein.

Bedeutend ist zudem seine Schülerschaft – neben der urkundlichen Erwähnung von Jan von Halderen dürfen Dries Holthuys (vor 1480-nach 1528), Henrik Bernts (gestorben 1509), Kersten Woyers (gestorben nach 1520) und Tilman van der Burch genannt werden.

 

Literatur

Gorissen, Friedrich, Ein unbekanntes Kreuzbild des Meisters Arnt, in: Simiolus 3 (1968/1969), S. 15-21.

Hilger, Hans Peter, Stadtpfarrkirche St. Nicolai in Kalkar, Kleve 1990.

Meurer, Heribert, Das Klever Chorgestühl und Arnt Beeldesnider, Bonn 1968 [Dissertation mit Werkverzeichnis].

Schulze-Senger, Die spätgotische Altarausstattung der St. Nicolaikirche in Kalkar: Aspekte einer Entwicklung zur monochromen Fassung der SpätgotikDie Schlussphase der Gotik dauerte in Deutschland von circa 1360 bis circa 1510, während sie in Italien schon ab 1400 von der Renaissance abgelöst wurde.  Charakteristisch ist eine reiche und virtuose Kunstproduktion, die von Hallenkirchen über Werke der Bildhauerei bis zu den Flügelaltären reichte. am Niederrhein, in: Krohm, Hartmut/Oellermann, Eike (Hg.) Flügelaltäre des späten Mittelalters, Berlin 1992, S. 23-36.

Trauzeddel, Sigrid, Arnt Beeldsnider, in: Allgemeines Künstlerlexikon, Band 5, 1992, S. 254-255.

Westermann-Angerhausen, Hiltrud (Red.), Arnt von Kalkar und Zwolle - Das Dreikönigenrelief, Köln 1993.

 

Online

Sammlung Alte Kunst des Museum Kurhaus Kleve (Information über die Sammlung Alte Kunst des Museum Kurhaus Kleve, unter anderem über Meister Arnt).

 

30.9.2010
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Ulrike Wolff-Thomsen (Kiel) 
 

       
 

       
 
 Hochaltar in der Nikolai-Kirche, Kalkar (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 237KB)

Hochaltar mit Passionsszenen, Katholische Pfarrkirche Sankt Nikolai, Kalkar, 1488 durch Arnt Beeldsinder begonnen, Foto: Michael Jeiter. (Rheinisches Bildarchiv)