Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Bildleiste
  
Navigationslinks überspringenStartseite  |  Persönlichkeiten  |  B  |  Julius Bachem

Julius Bachem (1845-1918), Zentrumspolitiker

Julius Bachem war ein Jurist, Journalist und katholischer Politiker im Deutschen Reich. Nach dem Jurastudium absolvierte er eine journalistische Ausbildung, trat 1875 in die Politik ein und schloss sich der katholischen Zentrumspartei an. Er galt bald als ein wichtiger Vermittler zwischen Partei und Presse. Seine gemäßigte Haltung im Ersten Weltkrieg brachte ihn in den Gegensatz zu seinem Verleger und Arbeitgeber, der eine nationalistische Kriegszielpolitik befürwortete und Vertreter einer expansiven deutschen Außenpolitik war.

Julius Bachem wurde am 2.7.1845 in Mülheim an der Ruhr geboren. Seine Eltern waren katholisch. Gemeinsam betrieben sie in Mülheim einen Farb- und Kolonialwarenladen. Bachem besuchte in seiner Heimatstadt zunächst die Realschule, verließ diese nach der Tertia und ging auf eine niederländische Handelsschule mit gymnasialem Zweig in der Nähe von Aachen. Die Abiturprüfungen musste Bachem jedoch auf einem deutschen Gymnasium ablegen. Nachdem er in Essen erfolglos geblieben war, bestand er auf dem Gymnasium in Kerpen die Abiturprüfungen. Im Wintersemester 1864/1865 begann er ein Studium der Neueren Sprachen und Naturwissenschaften an der Universität Bonn. Nach zwei Semestern wechselte er zu den Rechtswissenschaften und studierte in Bonn und Berlin.

Bachems Interesse galt dem Journalismus, und er hatte bereits Probearbeiten bei Verlagen eingereicht. Unter Vermittlung seines Vaters – eines Vetters des Kölner Zeitungsverlegers Joseph Bachem – absolvierte er nach bestandenem Jurastudium nicht nur eine juristische, sondern ab 1868 auch eine journalistische Ausbildung bei der Zeitung „Kölnische Blätter", die 1969 in „Kölnische Volkszeitung Ab 1868 durch Josef Bachem herausgegebene katholisch ausgerichtete Kölner Tageszeitung, die 1941 eingestellt wurde. " umbenannt wurde. Diese Zeitung verstand sich als ein katholisches Blatt, doch die politische Haltung war Parteien übergreifend, bis sich 1870/1871 die katholische Zentrumspartei gründete. Die Redaktion veröffentlichte, als erste Zeitung in Deutschland, den berühmten Aufruf zur Wahl katholischer Abgeordneter vom 11.6.1870. Von nun an unterstützte die „Kölnische Volkszeitung" das Zentrum publizistisch und wurde im Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. ein überregional bekanntes und auflagenstarkes Presseorgan der Partei. Maßgeblich beteiligt hieran waren Bachem und der Historiker und Journalist Hermann Cardauns (1847-1926).nach obenWährend seiner Tätigkeit als Journalist in Köln machte Bachem auch Bekanntschaft mit dem Zentrumspolitiker August Reichensperger, der ihn von nun an förderte. 1875 begann Bachems politische Karriere. Er wurde in das Kölner Stadtparlament gewählt und schloss sich dem Zentrum an. Auf die nationale politische Bühne trat er ein Jahr später, als er für den Wahlkreis Sieg-Mülheim-Wipperfürth in das preußische Abgeordnetenhaus einzog. In Berlin arbeitete er sehr eng mit den Brüdern August und Peter Reichensperger zusammen. In Ludwig Windthorst (1812-1891), dem parlamentarischen Führer der Partei während des Kulturkampfes, fand er einen einflussreichen Mentor. Bachem wurde bald einer der prägenden Figuren des Zentrums und galt als ein Vermittler zwischen Partei und Presse. In der Fraktion gehörte er der gemäßigt sozial-liberalen Seite an und unterstützte den vom Zentrumspolitiker Ferdinand Heribert Graf von Galen (1831-1906) im Jahr 1877 eingebrachten Antrag zum Schutze der Arbeiter. Auch versuchte er, dass Zentrum vom politischen Druck des Reichkanzlers Otto von Bismarcks (1815-1898) zu befreien und für Nichtkatholiken zu öffnen. Er war der Überzeugung, dass die Partei nur notgedrungen in die Rolle einer kirchlichen Kampfpartei hineingedrängt worden war.

Als Jurist arbeitet Bachem nach seiner Assessorprüfung und der Ernennung zum Advokaten am Kölner Landgericht nur in einem sehr geringen Umfang. Dem 1875 verhafteten Kölner Erzbischof, Paulus Melchers,  leistete er Rechtsbeistand und er beriet Katholiken und katholische Vereine im Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. . Seine Arbeit auf juristischem Gebiet blieb meist theoretischer und wissenschaftlicher Natur. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er zahlreiche Kommentare und Anmerkungen zu Gesetzestexten und war im preußischen Abgeordnetenhaus an verschiedenen Gesetzesvorlagen beteiligt.

Bachem war aktiv im Verbandskatholizismus tätig. Er engagierte sich im Augustinusverein zur Pflege der katholischen Presse und war auf den Katholikentagen ein gern gesehener Gast. 1876 wurde er Mitbegründer der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften im katholischen Deutschland. Bei der Gründung des Vereins stand der Gedanke Ludwig Windthorsts Pate, dass die Katholiken in der Wissenschaft weder nach Zahl noch nach Leistung einen gebührenden Platz einnähmen. Bis zu seinem Tod war Bachem einer der Vorsitzenden des Vereins und förderte zahlreiche Publikationen. Eines der bekanntesten Werke ist das von 1896 bis 1912 publizierte Staatslexikon der Görres-Gesellschaft, für das er viele Artikel schrieb.

Gegen Ende seines Lebens kam es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und der Redaktion der „Kölnischen Volkszeitung". Obwohl er zu Beginn des ersten Weltkrieges 1914 von der nationalen Begeisterung ebenso ergriffen wurde wie die meisten anderen Deutschen auch, wollte Bachem den extrem nationalen Kurs, den sein Vetter und Verleger Karl Bachem (1858-1945) einschlug, nicht mittragen. Auch widerstrebte ihm die Diskussion um eine expansive deutsche Annexionspolitik. Die Auseinandersetzungen führten zum Austritt Bachems aus der Redaktion. Während des Novemberumsturzes 1918 kam dem Zentrum diese mäßigende Haltung Bachems zugute. Sie erleichterte der Partei den Weg in die neue Zeit. Die Verleger der „Kölnischen Volkszeitung" und die Anhänger einer expansiven deutschen Weltmachtpolitik waren diskreditiert. Dies erlebte Bachem nicht mehr. Er starb am 22.1.1918 in Köln.

 

Literatur

Heinen, Ernst, Zentrumspresse und Kriegszieldiskussion unter besonderer Berücksichtigung der „Kölnischen Volkszeitung" und der „Germania", Dissertation,  Köln 1963.

Morsey, Rudolf, Die deutsche Zentrumspartei 1917-1923, Düsseldorf 1966.

Stehkämper, Hugo, Julius Bachem, in: Morsey, Rudolf (Hg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts, Band 1, Mainz 1973, S. 29-42.

Stehkämper, Hugo, Julius Bachem, in: Rheinische Lebensbilder 5 (1973), S. 213-226.

 

30.9.2010
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.



Georg Arnold (Mönchengladbach) 
 

       
 

       
 
  Julius Bachem (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 133KB)

Julius Bachem, Porträtfoto, vor 1918. (Rheinisches Bildarchiv)