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Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1739-1812), Erzbischof und Kurfürst von Trier (1768-1803)

Clemens Wenzeslaus von Sachsen war der letzte Erzbischof und Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. von Trier und kann als Vertreter der katholischen Aufklärung bezeichnet werden, der in seiner fast 30-jährigen Regierungszeit versuchte, Bildung und Wohlstand in seinem Kurstaat zu heben, während seine Haltung in kirchlichen Belangen eher schwankend war.

Clemens Wenzeslaus wurde am 28.9.1739 als vierzehntes Kind auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf geboren. Seine Eltern waren der Kurfürst von Sachsen und König von Polen, Friedrich August II. (als König von Polen August III., Regierungszeit 1733-1763), und die österreichische Erzherzogin Maria Josepha (1699-1757), seine Großväter der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke (Regierungszeit als Kurfürst ab 1694, als König von Polen 1697-1733) und Kaiser Joseph I. (Regierungszeit 1705-1711). Enge Verbindungen bestanden auch zum französischen Hof: Seine Schwester Maria Josefa war mit dem französischen Dauphin und späterem König Ludwig XV. (1710-1774) verheiratet. Seit sein Großvater und sein Vater zum Katholizismus übergetreten waren, spielte Sachsen neben Österreich, Bayern, Polen und Frankreich im Konzert der katholischen Mächte eine wesentliche Rolle, wie sich auch in den Patenschaften und in den Heiratsverbindungen von Clemens Wenzeslaus’ Geschwistern zeigt. Von den Schwestern wurde Maria Christina (1735-1782) Fürstäbtissin von Rémiremont und die ihrem Bruder besonders nahe stehende Maria Kunigunde (1740-1826) Fürstäbtissin von Thorn und Essen.

Clemens Wenzeslaus wurde am sächsischen Hof erzogen, Er schlug zunächst eine militärische Laufbahn ein und kämpfte während des Siebenjährigen Krieges 1760 auf der österreichischen Seite in der Schlacht bei Torgau als Feldmarschall. Danach schied er aus dem Militärdienst aus und entschied sich für eine geistliche Laufbahn. Nach vergeblichen Versuchen in Köln, Münster, Paderborn, Hildesheim und Passau wurde er 1763 Bischof von Freising und Regensburg, legte diese Ämter jedoch fünf Jahre spätere zugunsten der bischöflichen Stühle von Trier und Augsburg nieder. 1764 empfing er die Priesterweihe. 1787 wurde er zudem Fürstpropst von Ellwangen.

Clemens Wenzeslaus stand den Ideen der Aufklärung aufgeschlossen gegenüber, was sich auch in der Förderung des Schulwesens ausdrückte. In Trier führte er Unterrichtsanstalten für die Lehrerausbildung und Examina für Lehrer ein. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 verlegte er die Universität von der Dietrichstrasse in das Jesuitenkolleg und wandelte das Noviziatshaus der Gesellschaft in ein Priesterseminar (Bau des Clementinums) um.

Wenig Erfolg hatte er mit der Reform der Klöster seiner Diözese, die sich jeder Veränderung widersetzten und zunehmend in freiweltliche Ritter- beziehungsweise Damenstifte umgewandelt wurden (Stuben, Springiersbach). Durch ein Toleranzedikt lateinisch tolerare (erdulden), Bezeichnung für einen amtlichen Erlass, der die Duldung von religiösen Minderheiten zulässt im Jahre 1783, das erstmals wieder Protestanten, darunter bedeutenden Kaufmannsfamilien wie den Böcking von Trarbach (heute Stadt Traben-Trarbach) den Aufenthalt gestattete, sowie durch Schaffung gemeinnütziger und medizinischer Einrichtungen versuchte er, Bildung und Wohlstand zu heben. Seine Haltung in kirchlichen Dingen war eher schwankend: Er behielt die Jesuiten auch nach Auflösung ihrer Gesellschaft im Land und protestierte gegen radikale Reformen seines Vetters Joseph II. (Regierungszeit 1765-1790), schützte aber seinen umstrittenen Generalvikar und Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim, dessen unter dem Pseudonym Febronius verfasste aufklärerische Schrift für beträchtliches Aufsehen gesorgt hatte, und stellte 1786 die Emser Punktation Von den Erzbischöfen von Mainz, Trier, Köln und Salzburg am 25.8.1786 verfasste Erklärung, welche die deutsch-katholische Emanzipation von Rom forderte. Die Punktation scheiterte an der1789 ausbrechenden französischen Revolution, sowie der wachsenden Uneinigkeit des deutschen Episkopats, die Kaiser Joseph II. von seiner anfänglich wohlwollenden Haltung abrücken ließ. mit aus, die eine größere Unabhängigkeit der Kirche des Heiligen Römischen Reiches von Rom zum Ziel hatte. Außerdem verbot er Prozessionen und hob viele Feiertage auf.nach obenDurch eine 1787 von ihm erlassene Verordnung sollte mit dem Ersetzen der so genannten „rheinischen“ Reben durch Rieslingsorten die Qualität des Weinbaus verbessert werden. Diese Anordnung wurde im gesamten Herrschaftsbereich des Trierer Kurfürsten umgesetzt. Lediglich in den Gebieten, in denen Kondominate mit Frankreich und dem Herzogtum Luxemburg bestanden, wie zum Beispiel an der Obermosel, blieb die Anordnung wirkungslos.

Persönlich durchaus anspruchslos, war er doch für seine prächtige Hofhaltung bekannt. So ließ er in Koblenz, das er 1786 anstelle von Ehrenbreitstein (heute Stadt Koblenz) mit seinem angeblich baufälligen Schloss Philippsburg zu seiner Residenzstadt machte, ein neues Schloss errichten, welches im Zusammenhang mit der Anlage der Neustadt für die Bürger entstand. Es besteht aus einem parallel zum Rhein liegenden Corps Französisch, gebräuliche Bezeichnung für besonders alte Studentenverbindungen. de Logis von 39 Achsen, von denen je fünf auf die beiden Seitenrisalite entfallen. Die Rheinfront zeigt einen vorspringenden Mittelbau mit sechssäuligem Risalit. Darüber befindet sich ein Relief mit allegorischen Darstellungen von Rhein und Mosel sowie dem kurfürstlichen Wappen. Die Zirkularflügel mit ihren Pavilions umrahmen den großen Schlossvorplatz, der an Berninis Platz vor dem Petersdom erinnert. An dem 1786 bezogenen Hof wurde insbesondere die Musik gepflegt. Der kunstfreudige Kurfürst ließ auch ein öffentliches Theater und einen Brunnen errichten.

Obwohl kein Jagdfreund, hielt er sich oft in seinem Jagdschloss Kärlich (heute Stadt Mülheim-Kärlich) in der Nähe von Koblenz auf. 1784 empfing in der dortigen Kapelle der französische Theologiestudent Franz-Joseph Pey (1759-1792) die Priesterweihe. Während der Französischen Revolution 1792 wurden dieser und 190 weitere Geistliche in Paris durch die Guillotine Französisch, seit 1792 als Hinrichtungsgerät der Französischen Revolution verwendet, zunächst nach ihrem Erfinder, dem Arzt Louis (1723-1792) "Louisette" oder "Petite Louison" benannt, später nach dem Arzt Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814), von dem der Vorschlag, die Todesstrafe durch eine Köpfmaschine vollziehen zu lassen, stammte. Mit dem französischen Strafrecht wurde die Guillotine als Fallbeil auch in den meisten deutschen Ländern links der Elbe eingeführt. hingerichtet und fortan als Märtyrer verehrt; 1926 wurde er selig gesprochen.

Als Folge der Revolution führte der erschrockene Clemens Wenzeslaus ein strengeres Regiment und ließ von seinen Reformvorhaben ab. Aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum französischen Königshaus emigrierten zahlreiche gegenrevolutionäre RoyalistenAnhänger des Königs beziehungsweise der Monarchie, insbesondere Bezeichnung der Partei für die Anhänger Karls (Charles) I. (Regierungszeit 1625-1649) in England während des Bürgerkrieges und  Ludwigs XVI. (Regierungszeit 1774-1792, hingerichtet 1793) während der Französischen Revolution. nach Koblenz.

Nach den Napoleonischen Kriegen fielen die linksrheinischen Gebiete von Clemens Wenzeslaus’ Kurstaat an Frankreich. Während der Säkularisierung verlor er 1803 auch den rechtsrheinischen Teil an Nassau, außerdem seine Fürstpropstei Ellwangen an Württemberg und das Hochstift Augsburg an Kurbayern. Bereits im Herbst 1792 war er vor den anrückenden französischen Truppen nach Augsburg geflohen, wohin er sich 1794 endgültig zurückzog. Am 27.7.1812 verstarb er auf seinem Sommerschloss in Marktoberdorf im Allgäu, wo er auch begraben liegt, während sein Herz in St. Ulrich und Afra in Augsburg bestattet ist.


Literatur

Dominicus, Alexander, Coblenz unter dem letzten Kurfürsten von Trier Clemens Wenzeslaus. 1768-1794, Koblenz 1869.

Embach, Michael/Bohlen, Reinhold (Hg.), Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. Clemens Wenzeslaus (1739-1812). Eine historische Bilanz nach 200 Jahren, Mainz 2014.

Gatz, Erwin, Artikel „Klemens Wenzeslaus, Herzog von Sachsen“, in: Gatz Erwin (Hg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. 1648-1803. Ein biographisches Lexikon, Berlin 1990, S. 388-391.

Raab, Heribert, Clemens Wenzeslaus und seine Zeit (1739-1812) I: Dynastie, Kirche und Reich im 18. Jahrhundert, Freiburg/Basel/Wien 1962.

Rapp, Wolf-Ulrich, Stadtverfassung und Territorialverfassung. Koblenz und Trier unter Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1768-1794), Frankfurt 1995.

Seidl, Edith, Tod, Leichenfeierlichkeiten und Grabdenkmäler Clemens Wenzeslaus’ von Sachsen (1739–1812), des letzten Kurfürsten von Trier und Fürstbischofs von Augsburg, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 40 (2006), S. 477-519.

Wüst, Wolfgang, Fürstbischöfliche Amts- und Staatsführung im Hochstift Augsburg unter Clemens Wenzeslaus von Sachsen, 1768-1803, in: Fried, Pankraz (Hg.), Miscellanea Suevica Augustana. Der Stadt Augsburg dargebracht zur 2000-Jahrfeier 1985, Sigmaringen 1985, S. 129-147.


Online

Just, Leo, Artikel „Clemens Wenzeslaus“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 282-283.

Kraus, Franz Xaver, Artikel „Clemens Wenceslaus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 309–314.

 

3.9.2013

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Wolfgang Schmid (Winningen) 
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 Clemens Wenzeslaus von Sachsen (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 264KB)

Clemens Wenzeslaus von Sachsen, Gemälde von Heinrich Foelix (1757-1821), um 1776, Original in der Domschatzkammer Essen. (Domschatzkammer Essen)