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Wilhelm Egon von Fürstenberg (1629-1704), kurkölnischer Politiker

Wilhelm Egon von Fürstenberg war als kurkölnischer Diplomat der Initiator einer weit reichenden Anbindung des Erzstifts an Frankreich. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Franz Egon verantwortete er damit einen nicht nur für Kurköln, sondern für das ganze Reich äußerst riskanten Kurs, der sich zudem weniger an den jeweiligen staatlichen, sondern vielmehr an den persönlichen und familiären Interessen der Fürstenberger orientierte. Damit scheiterte er jedoch vollkommen und machte sich, der die Unabhängigkeit und Bedeutung seines Hauses stets abzusichern suchte, in seinem letzten Lebensjahrzehnt ganz von der Gunst des französischen Königs Ludwig XIV. (Regierungszeit 1643-1715) abhängig.

Wilhelm Egon von Fürstenberg wurde am 12.2.1629 als Sohn des Grafen Egon VIII. von Fürstenberg-Heiligenberg (1588-1635) und der Gräfin Anna Maria von Hohenzollern-Hechingen (1603-1652) geboren. Wie schon sein älterer Bruder erlebte er seinen Vater, der als bayerischer Generalfeldzeugmeister 1635 im Lauf des Dreißigjährigen Krieges gefallen war, kaum mehr bewusst und wurde stattdessen am Münchener Hof gemeinsam mit seinen Geschwistern und den fast gleichaltrigen Kindern des Kurfürsten Maximilian I. (Regierungszeit 1597-1651, seit 1597 als Kurfürst) erzogen. Insbesondere dem Prinzen Maximilian Heinrich, dem späteren Kölner Erzbischof, war er zusammen mit Franz Egon Gefährte und Freund.

Kurfürst Maximilian und sein Bruder, Kurfürst und Erzbischof Ferdinand von Köln, kümmerten sich intensiv um die Ausbildung der jungen Adligen. Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt Wilhelm Egon zur standesgemäßen Versorgung die Anwartschaft auf eine Domherrenpfründe in Köln, wo er ab 1638 das Jesuitengymnasium besuchte. Während Franz Egon noch an eine rein politische oder militärische Karriere dachte, wurde Wilhelm Egon von Fürstenberg von Beginn an auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet. Seine Erziehung und Unterweisung in religiösen Fragen war dementsprechend fundierter. Zwischen 1643 und 1645 studierte er in Löwen und anschließend am Priesterseminar des Collegium Germanicum in Rom. Die Priesterweihe empfing er freilich erst sehr viel später, und auch einen akademischen Abschluss erwarb er nicht. Zum Abschluss seiner theologischen Ausbildung wurde er 1649 lediglich zum Subdiakon geweiht, eine formale Voraussetzung für den Erwerb und den Nießbrauch seines Kanonikats, zu dem in den Folgejahren noch weitere Dompfründen in Straßburg, Lüttich und Hildesheim kamen.

Gefangennahme Wilhelm Egon von Fürstenbergs (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 81KB)
Gefangennahme Wilhelm Egons von Fürstenberg in Köln am 14.2.1674, Kupferstich von Romeyn de Hooghe (1645-1708), um 1675. (Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung)

Nach der Wahl Maximilian Heinrichs zum Kölner Erzbischof im Herbst 1650 folgte er Franz Egon in den kurfürstlichen Dienst. Stand er dabei anfangs noch im Schatten des erfahreneren Bruders, profilierte er sich rasch mit einer ehrgeizigen profranzösischen Außenpolitik, die Franz Egon zwar mit verantwortete, deren Konzeption und Umsetzung aber wesentlich in den Händen des Jüngeren lag. Anders als Franz Egon, der immer wieder auch zauderte, handelte Wilhelm Egon stets kühl und machtbewusst. So war er es auch, der den Geheimvertrag mit Ludwig XIV. vom 4.6.1658 aushandelte, der den beiden Fürstenberg-Brüdern französische Hilfe bei ihren Bewerbungen auf frei werdende Bistümer im Austausch für bedingungslose Unterstützung Ludwigs in allen Reichsangelegenheiten zusicherte.

Wilhelm Egon wird häufig als Verräter am Reich und charakterlos beschrieben. Dass zumindest letztere Charakterisierung nicht ganz unzutreffend ist, zeigt sich in seinem Verhalten rund um die Wahl Kaiser Leopolds I. (1640-1705). Obwohl er sich vertraglich an die französische Krone gebunden hatte, unterstützte er die habsburgische Kandidatur, die zunächst den Bruder des verstorbenen Kaisers Ferdinand III. (1608-1657), Leopold Wilhelm (1614-1662), als Nachfolger vorsah. Dieser war Statthalter der Spanischen Niederlande und mehrfacher Bischof, unter anderem in Straßburg, auf das die Fürstenberger ein Auge geworfen hatten. Wilhelm Egon rechnete sich Chancen aus, den frei werdenden, prestigeträchtigen Bischofsstuhl für seinen Bruder sichern zu können; allerdings unterstützte Leopold Wilhelm die Kandidatur seines Neffen Leopold, sodass sich dieser Plan zerschlug. Immerhin erhielt Franz Egon 1658 das Bistum Metz, weil sich sein Bruder nach der für Frankreich ungünstig ausgegangenen Kaiserwahl für den RheinbundDer auf Initiative Napoleons I. zustandegekommene Bund knüpfte an den Fürstenbund gleichen Namens von 1658 an und besiegelte die enge Verbindung zwischen den deutschen Mittelstaaten und Frankreich. Die Vertreter von 16 süd- und südwestdeutschen Staaten unterzeichneten am 12.7.1806  in Paris die Bündnisakte und gingen die Verpflichtung ein, sich vom Reich loszusagen. Am 6.8.1806 legte Kaiser Franz II. (Regierungszeit als römisch-deutscher Kaiser 1792-1806) die Kaiserkrone nieder. Damit war das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekommen. Der Rheinbund löste sich Ende 1813 auf, nachdem Bayern durch den Vertrag von Ried vom 8.10.1813 ausgeschieden war. stark machte, der dem Allerchristlichsten König wichtige Mitspracherechte im Reichsgebiet einräumte. Außerdem musste der neue Kaiser in einem Zusatzartikel zur Wahlkapitulation schwören, niemals Spanien im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen.nach obenErst nachdem die Fürstenberger durch die Ereignisse des Jahres 1658 und ihren Einsatz für die französischen Interessen den erhofften Lohn in Form neuer Pfründen erhalten hatten, stellte sich auch Wilhelm Egon ganz in den Dienst Frankreichs. Maximilian Heinrich von Bayern, der seinen beiden Freunden sonst blind vertraute, sollen sogar gelegentlich Zweifel an deren Loyalität gekommen sein. Dass sie letztlich nur ihrer eigenen Sache dienten, hatte allerdings schon Kaiser Leopold erkannt. Mit der Erhebung in den Reichsfürstenstand im Jahr 1664 versuchte er erfolglos, sie an sich zu binden. Ludwig XIV. hielt mit der Verleihung zahlreicher Ämter und Würden dagegen: 1656 hatte er die Abtei Saint-Michel im heutigen Département In Frankreich 1800 eingeführte Verwaltungseinheit. Sie umfasst mehrere Arrondissements. An der Spitze des Departements steht ein Präfekt. Aisne erhalten, 1660 wurde Wilhelm Egon Kapitular in Lüttich, 1663 folgte er Franz Egon als Bischof von Metz nach, nachdem dieser doch noch das Bistum Straßburg gewinnen konnte.

Wie sein Bruder verlor Wilhelm Egon allerdings sämtliche Würden während des Holländischen Krieges. Nach dem Überfall Ludwigs XIV. auf die Niederlande hatten die Fürstenberger versucht, Kurköln und die rheinischen Fürsten zur aktiven Unterstützung Frankreichs zu bewegen. Die Allianz aus Spanien, dem Kaiser und den Niederlanden jedoch konnte militärischen Boden gut machen und belagerte Ende 1673 Bonn. Anders als seinem älteren Bruder gelang Wilhelm Egon die Flucht vor den alliierten Truppen nicht, und am 14.2.1674 wurde er in Köln von einem kaiserlichen Kommando festgenommen. Fast sechs Jahre lang wurde er in Wiener Neustadt inhaftiert, während Franz Egon sich in französischem Exil aufhielt.

Wie diesem brachte der Friede von Nijmegen 1678/1679 auch Wilhelm Egon die vollständige Restitution in seine Ämter und Pfründen. Anders als Franz Egon, der das Vertrauen Maximilian Heinrichs nicht mehr zurückgewinnen konnte, war das Verhältnis zwischen dem jüngeren Fürstenberg und seinem Kurfürsten offenbar nicht belastet, vielleicht, weil Wilhelm Egon geschickt genug war, sich nach seiner Rückkehr nach Köln erst einmal deutlich zurückzunehmen. Bereitwillig verlieh der Erzbischof Wilhelm Egon jedenfalls die Abtei Stablo-Malmédy und unterzeichnete am Heiligabend 1683 einen Bündnisvertrag mit Frankreich. Im gleichen Jahr war Wilhelm Egon bereits zum Bischof von Straßburg gewählt worden, wiederum als Nachfolger seines Bruders. Aus diesem Anlass empfing er auch die längst überfällige Priester- und Bischofsweihe; Ludwig XIV. wollte ihm überdies das Kardinalat verschaffen, wonach es den Fürstenberger allerdings mangels innerer Berufung und Bereitschaft zum priesterlichen Lebenswandel nicht drängte. Dennoch verlieh Papst Innozenz XI. (Pontifikat 1676-1689) die Würde am 2.9.1686 nach intensivem französischen Werben.

Die kirchliche Laufbahn war aber stets nur Mittel zum Zweck, das Hauptziel Wilhelm Egons blieb der Kölner Bischofsstuhl. Dieses Ziel schien zum Greifen nah, als Maximilian Heinrich endlich einwilligte, einen Koadjutor zu nehmen. Wilhelm Egon mobilisierte großzügige französische Bestechungsgelder und stiftete selbst für den Kölner Dom acht wertvolle Bildteppiche mit Motiven von Peter Paul Rubens, die den „Triumph der Eucharistie über den Götzendienst“ zeigen. Das Domkapitel wählte ihn dann auch am 7.1.1688 einstimmig zum Koadjutor. Papst Innozenz XI. verweigerte jedoch aus formalen Gründen die Anerkennung der Wahl, woraufhin Ludwig XIV. mit einem großen europäischen Krieg drohte. Die diplomatische Krise löste sich mit dem Tod Maximilian Heinrichs zunächst auf, stellte sich jedoch mit der Nachfolge-Frage erneut.

In den Wochen nach dem Tod des alten Erzbischofs hatten beide Seiten, Fürstenberg mit Frankreich im Rücken sowie die bayrischen Wittelsbacher, die von Kaiser und Papst unterstützt wurden, die Kölner Domherren intensiv umworben. Bei der Wahl am 19.7.1688 gelang es dann der bayerischen Partei, neun Stimmen für ihren Kandidaten Joseph Clemens zu gewinnen, während Wilhelm Egon 13 erhielt. Beide hatten damit die jeweils notwendige Mehrheit verfehlt; allerdings ließ Fürstenberg sich im Domchor öffentlich proklamieren und übernahm noch vor dem Monatsende die Regierung in Bonn. Dorthin befahl er auch das Domkapitel, woraufhin sich die Wittelsbacher Wähler zum allein rechtmäßigen Kapitel erklärten und Joseph Clemens proklamierten. Als dann auch der Papst zugunsten des Bayernherzogs entschied, entfesselte Ludwig XIV. wie angekündigt den als Pfälzischen Erbfolgekrieg bekannten Feldzug im Rheinland. Wiederum wurde Bonn von kaiserlichen Truppen belagert und Wilhelm Egon blieb diesmal nur die Flucht nach Paris.

Dort ließ er sich in der Abtei Saint-Germain-des-Prés nieder, deren Vorsteher er 1697 wurde. Obwohl er im gleichen Jahr durch den Frieden von Rijswijk auch in sämtliche Würden im Reich wieder eingesetzt wurde, kehrte er nie dorthin zurück. Er starb am 10.4.1704 in Paris.

 

Literatur

Böhmer, Hans, Forschungen zur französischen Bündnispolitik im 17. Jahrhundert. Wilhelm Egon von Fürstenberg und die französische Diplomatie in Deutschland, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 4 (1934), S. 225-259.

Braubach, Max, Minister und Kanzler, Konferenz und Kabinett in Kurköln im 17. und 18. Jahrhundert, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 144/145 (1947), S. 141-156.

Braubach, Max, Wilhelm von Fürstenberg (1629-1704) und die Französische Politik im Zeitalter Ludwigs XIV. ,Bonn 1972.

Hegel, Eduard, Das Erzbistum Köln zwischen Barock und Aufklärung. Vom Pfälzischen Krieg bis zum Ende der französischen Zeit 1688–1814 (Geschichte des Erzbistums Köln 4), Köln 1979, S. 35-43.

Leifeld, Marcus, Macht und Ohnmacht der Kölner Kurfürsten um 1700. Vier kurkölnische „Erste Minister“ als politische Bedeutungsträger, in: Zehnder, Frank Günter (Hg.), Im Wechselspiel der Kräfte. Politische Entwicklungen des 17. und 18. Jahrhunderts in Kurköln, Köln 1999, S. 62-95.

 

Online
Christ, Günter, „Maximilian Heinrich, Herzog von Bayern“, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 496-500.
Seelmann, Peter, Wilhelm Egon von Fürstenberg, in: Der Erste RheinbundDer auf Initiative Napoleons I. zustandegekommene Bund knüpfte an den Fürstenbund gleichen Namens von 1658 an und besiegelte die enge Verbindung zwischen den deutschen Mittelstaaten und Frankreich. Die Vertreter von 16 süd- und südwestdeutschen Staaten unterzeichneten am 12.7.1806  in Paris die Bündnisakte und gingen die Verpflichtung ein, sich vom Reich loszusagen. Am 6.8.1806 legte Kaiser Franz II. (Regierungszeit als römisch-deutscher Kaiser 1792-1806) die Kaiserkrone nieder. Damit war das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekommen. Der Rheinbund löste sich Ende 1813 auf, nachdem Bayern durch den Vertrag von Ried vom 8.10.1813 ausgeschieden war. (1658), in: historicum.net.

 

2.1.2012

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Martin Bock (Frechen) 
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 Wilhelm Egon von Fürstenberg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 373KB)

Wilhelm Egon von Fürstenberg, Porträt, Kupferstich von Nicolas de Larmessin (1640-1725). (Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung)