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Franz Karl von Hompesch (1735-1800), jülich-bergischer Kanzler, kurpfälzischer und kurbayerischer Finanzminister

Franz Karl von Hompesch erlebte als jülich-bergischer Kanzler 1794 die Besetzung des Linken Rheinufers durch die Franzosen. Die Brüchigkeit des Ancien Régimes war ihm nicht verborgen geblieben. Sein Versuch, Jülich-Berg in den norddeutschen Neutralitätsverbund einzubeziehen, scheiterte.

Er entstammte einer ritterbürtigen, zum katholischen Stiftsadel gehörenden rheinischen Familie mit dem Stammsitz Gut Tetz (heute Gemeinde Titz). Ihre Anfänge lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Geboren wurde er auf Schloss Bollheim und am 27.4.1735 in der Pfarrkirche von Oberelvenich (heute Stadt Zülpich) getauft. Sie lag in der jülichschen Unterherrschaft Auch Unterherrlichkeit, Form einer Kleinstherrschaft von Adel und seltener Kirche, die vor allem im Rheinland und Westfalen seit dem Spätmittelalter bis in die Frühe Neuzeit bestand. In den Herrschaften Kurköln, Jülich, Kleve, Berg, Geldern und Moers gab es in dieser Zeit über 180 davon. Die Unterherren besaßen in ihren Herrschaftsterritorien die Gerichtsbarkeit und zeichneten sich deswegen durch eine hohe Selbstständigkeit aus. Dennoch blieb die Lehnsabhängigkeit vom Landesherren bestehen. Ab 1564 bis 1792 versammelten sich die Unterherren auf Unterherrentagen, auf denen sie ihren Anteil an den Landessteuern verhandelten und gelegntlich auch Gravamina (Beschwerden) an den Landesherren formulierten.   Bollheim, die seine Familie zu Ende des 15. Jahrhunderts erworben hatte. Im Taufbuch erscheint er als erstes Kind des jülichschen Oberjägermeisters und Generalbuschinspektors Johann Wilhelm von Hompesch (1700-1762) und der Isabella von Bylandt-Schwarzenberg zu Rheydt (1709-1785). Von seinen Geschwistern brachte es sein jüngerer Bruder Ferdinand 1797 zum Großmeister des Malteserordens, was die ganze Familie mit großem Stolz erfüllte.

1747 ging Franz Karl als Page nach Brüssel an den Hof Karl Alexanders von Lothringen (1712-1780), Gouverneurs der Österreichischen Niederlande und Hochmeister des Deutschen Ordens. Dort lernte er perfekt Französisch zu sprechen und zu schreiben. Obgleich er eigentlich in ein österreichisches Reiterregiment eintreten wollte, musste er von 1750 bis 1753 in Wien Jura studieren, weil er seinem Vater in dessen Ämtern nachfolgen sollte. Nach seiner Wiener Zeit ging Franz Karl als Praktikant an das Reichskammergericht in Wetzlar und begann 1758 eine diplomatische Karriere. Zunächst wurde er an die kurpfälzische Gesandtschaft in Paris entsandt. Diese Berufung erfolgte vermutlich auf Veranlassung des Ministers und eigentlichen Leiters der kurpfälzischen Außenpolitik Hermann Arnold von Wachtendonk-Germenseel (1694-1768), mit dessen Nichte Antoinette von Hacke (1736-1778) Franz Karl verlobt war und die er 1759 heiratete. Der damals bereits verstorbene Vater der Braut, Ludwig Anton (1682-1752), hatte als Obristjägermeister der Kurpfalz in gleicher Funktion wie Franz Karls Vater in Jülich an der Spitze der Forstverwaltung gestanden. Er war mit Anna Theodora (1696-1776), der Schwester des Ministers von Wachtendonk verheiratet gewesen.

Franz Karl, der eigentlich dem kurpfälzischen Gesandten in Paris nachfolgen sollte, konnte sich in Frankreich vermutlich wegen seiner kritischen Töne gegenüber der dortigen Politik nicht halten. Deshalb wechselte er 1759 an den kurkölnischen Hof nach Bonn, wo er jedoch ebenfalls nicht willkommen war. Daraufhin ging er als jülich-bergischer Hofrat nach Düsseldorf, sollte aber 1763 die Botschaft in Berlin übernehmen. Doch wurde daraus nichts, vielleicht weil er seine Forderung nach einer standesgemäßen Besoldung und Ausstattung überzogen hatte. Seiner Bewunderung für Friedrich den Großen (Regierungszeit 1740-1786) tat dies jedoch keinen Abbruch. Bereits 1762 war er nach dem Tod seines Vaters weitgehend in dessen Ämter und Würden eingetreten. 1765 gehörte er in Düsseldorf zu den Mitgründern der Freimaurerloge „La Parfaite Amitié“, der auch der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi angehörte, mit dem er zeitlebens befreundet blieb.

1775 wurde Franz Karl an den Hof nach Mannheim zunächst als Minister ohne Portefeuille berufen. Seine Hoffnung, dass ihn Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. Karl Theodor von der Pfalz mit den Auswärtigen Angelegenheiten betrauen würde, zerschlug sich. Stattdessen übernahm er 1776 die Finanzen und erwies sich dabei als fähiger Minister. Weniger glücklich waren seine Ausflüge in die Kulturpolitik. Sein Versuch, Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) nach Mannheim zu berufen, um dort die Leitung eines deutschsprachigen Theaters zu übernehmen, scheiterte kläglich. Auch der von ihm in Auftrag gegebenen Oper „Rosamunde“, zu der Christoph Martin Wieland (1733-1813) das Textbuch und Anton Schweitzer (1735-1787) die Musik geschrieben hatte, blieb durch widrige Umstände ein größerer Erfolg versagt.

Als Kurfürst Karl Theodor 1778 die bayerische Erbschaft in München antrat, nahm er aus Mannheim nur drei Minister mit, darunter Franz Karl für die Finanzen, der sich aber beim Adel unbeliebt machte, weil er ihm einen Teil der Pensionen strich und dessen Rechte beim Verwalten und Eintreiben der Steuern einschränken wollte. Er wurde gestürzt und nach anderthalb Jahren nach Düsseldorf unter Beibehaltung seines Titels als „Wirklicher Staatsminister“ zurückgeschickt, wo ihm die Anwartschaft auf die Stelle des jülich-bergischen Kanzlers zugesprochen wurde. In Düsseldorf heiratete er 1778 nach dem Tod seiner ersten Frau, mit der er sieben Kinder hatte, die vermögende Maria Theresia von Nesselrode-Reichenstein (1728-1805), die unter anderem Schloss Mickeln bei Düsseldorf mit ihn die Ehe brachte. Sie war eine geborene Gräfin von Hoensbroech und bereits zweimal Witwe geworden. Seine jüngste Tochter (aus erster Ehe) war Louise von Hompesch, die Stiftsdame in Neuss wurde.

Nach seiner Rückkehr an den Rhein begann für Franz Karl eine lange Zeit des Wartens. Erst am 11.8.1794 konnte er das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. des Kanzlers von Jülich-Berg antreten. 1787 hatte es so ausgesehen, als wenn er nach München zurückkehren sollte, aber das scheiterte am Widerstand des amtierenden bayerischen Finanzministers. Franz Karls Plan, die Kassen von Bayern, Kurpfalz und Jülich-Berg zusammenzulegen, blieb deshalb auf der Strecke. Wohl nicht an die Öffentlichkeit gedrungen waren seine kühnen Überlegungen, alle grundherrlichen Rechte abzuschaffen. Ihm schwebte 1778 zusammen mit dem späteren bayerischen Staatsminister Maximilian von Montgelas (1759-1838) eine Revolution von oben vor.

Als Franz Karl schließlich am 11.8.1794 das Amt des jülich-bergischen Kanzlers antrat, hatten die Franzosen bereits nach der Schlacht von Fleurus die Österreichischen Niederlande erobert, und die Besetzung der gesamten Gebiete links des Rheins einschließlich des Herzogtums Jülich stand bevor. Zunächst machte sich Franz Karl darüber noch Illusionen, ließ jedoch vorsorglich die Düsseldorfer Gemäldegalerie und das Landesarchiv außer Landes bringen. Nach der Beschießung Düsseldorfs am 6.10,1794 flüchtete er zeitweise nach Barmen (heute Stadt Wuppertal). Da ihm München keine verbindliche Linie für Jülich-Berg vorgab, trieb er ohne ausdrücklichen Auftrag Außenpolitik und hoffte auf eine Einbeziehung Jülich-Bergs in den Norddeutschen Neutralitätsverband. Durch seinen Sohn Wilhelm (1761-1809), der am Rastätter Kongress teilnahm, erfuhr er jedoch Anfang 1798, dass eine etwaige Rückgabe des linken Rheinufers durch die Franzosen ein reiner Wunschtraum war.

Unerwartet wurde Franz Karl im Mai 1798 noch einmal als Finanzminister nach München berufen. Dort blieb ihm nicht mehr viel Zeit, um seine geplante Sparpolitik zu einem Erfolg zu führen. Am 11.8.1800 starb er in München und wurde in der Kirche St. Michael in Berg am Laim beigesetzt. Auf seinem Gedenkstein steht sein Wahlspruch. „Ehrlich währt ewig.“

Franz Karl von Hompesch, der den Lebensstil eines Grandseigneurs pflegte, fühlte sich der französischen Aufklärung eng verbunden, kannte aber ebenso gut die deutsche Literatur und pflegte Kontakt mit einigen ihrer bedeutendsten Repräsentanten, darunter Johann Wolfgang von Goethe (1748-1832). Religiös war Franz Karl vom Deismus beeinflusst. Dass in Folge der französischen Revolution seine Welt untergehen würde, war ihm nicht verborgen geblieben.


Literatur

Ebersold, Günther, Louise von Hompesch (1775/77-1801) und ihre Familie. Eine Frau zwischen Tradition und Revolution, Ubstadt-Weiher 2009. - Vgl. dazu die Rezension von Wolfgang Löhr in: Neue Beiträge zur Jülicher Geschichte 23 (2011), S. 231-235.

Löhr, Wolfgang, Franz Karl von Hompesch (1735-1800), in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 102 (1999/2000), S. 241-271.

Löhr, Wolfgang, Ein trauriger Zufluchtsort. Die Familie von Hompesch, Schloss Mickeln und der Friedhof in Himmelgeist, in: Düsseldorfer Jahrbuch 81 (2011), S. 67-92.

Löhr, Wolfgang, Vom Rhein an die Themse. Das abenteuerliche Leben des Freiherrn Karl von Hompesch, in: Düsseldorfer Jahrbuch 80 (2010), S. 31-52.

 

19.4.2013

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Wolfgang  Löhr  (Mönchengladbach) 
 

       
 

       
 
 Franz Karl von Hompesch, Kupferstich (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 198KB)

Franz Karl von Hompesch, Kupferstich von 1802