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125 Jahre Eifelverein – Gegründet 1888

 

1. Vorgeschichte
2. Der Eifelverein unter Dr. Adolf Dronke (1888-1898)
3. Der Eifelverein unter Generalmajor a. D. Karl von Voigt (1898-1904)
4. Der Eifelverein unter Dr. Karl Leopold Kaufmann (1904-1938)
4. 1 Im Kaiserreich
4. 2 Die Weimarer Zeit
4. 3 Im „Dritten Reich“
5. Der Eifelverein unter Dr. Josef Schramm I (1938-1945)
6. Der Eifelverein unter Dr. Ludwig Rintelen (1945-1954)
7. Der Eifelverein unter Dr. Josef Schramm II (1954-1973)
8. Der Eifelverein unter Konrad Schubach (1973-1991)
9. Der Eifelverein unter Gerhard Schwetje (1991-1997)
10. Der Eifelverein unter Dr. Hans Klein (1997-2011)
11. Der Eifelverein unter Mathilde Weinandy (ab 2011)
Anmerkung
Literatur / Online

Am 22.5.1888 wurde im Kursaal von Bad Bertrich der Eifelverein gegründet. 25 und 50 Jahre später feierte er 1913 beziehungsweise 1938 in Trier, 1988 in Bad Bertrich sein 100. und 2013 in Prüm sein 125. Gründungsjubiläum. Zu jedem dieser Ereignisse erschien eine Festschrift, die im Rückblick deutlich macht, wie sehr sich der Eifelverein, aber auch die Eifel in diesen 125 Jahren verändert haben.

Adolf Dronke (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 201KB)
Adolf Dronke, um 1890, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

1. Vorgeschichte

Warum gründete man 1888 den Eifelverein? Der preußische Staat, zu dem die Eifel seit 1815 gehörte, beschränkte seine Verwaltungstätigkeit weitgehend auf die ordnungspolitische Dimension. Viele Bereiche des sozialen, karitativen und kulturellen Lebens wurden im 19. Jahrhundert von Vereinen abgedeckt. Sie stellten die populärste Organisationsform bürgerlicher Interessenvertretung und Freizeitgestaltung schlechthin dar. So waren bereits vor dem Eifelverein eine ganze Reihe regionaler Vereine zur Förderung des Tourismus in den Mittelgebirgsregionen entstanden: 1864 zum Beispiel der Badische Schwarzwaldverein und 1868 der Taunusklub. 1883 schlossen sich der Rhönklub, der Verein der Spessartfreunde Aschaffenburg, der Spessart-Touristenverein Hanau, der Thüringerwaldverein, der Offenbacher-Touristenverein und der Taunusklub, später noch weitere Organisationen zum ‚Allgemeinen Verband Deutscher Touristen-Vereine“ zusammen.

Zum Zweiten galt die Eifel im 19. Jahrhundert als „Preußisch Sibirien“: Eine dünn besiedelte und strukturschwache Region, die nach den Worten Kaiser Wilhelms II. (Regentschaft 1888-1918) allenfalls für die Jagd und für Manöver zu gebrauchen war. Es mangelte an allem: An der Bodenqualität, an Saatgut, an Zuchtvieh, an den Kenntnissen der Landwirte, an Gewerbe und Industrie, an Straßen und später dann an Eisenbahnen und Autobahnen. Auf der anderen Seite wuchs die Bevölkerung u. a. durch die verbesserte medizinische Versorgung sprunghaft an, von circa 166.000 (1815) auf 250.000 (1905). Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwischen 1840 und 1870 circa 60.000 und zwischen 1871 und 1910 sogar circa 100.000 Menschen die Eifel verließen. Viele zogen in die neu entstehenden industriellen Ballungsräume an Rhein und Ruhr, andere wanderten nach Amerika aus; sie gründeten in Chicago und San Francisco Ortsgruppen des Eifelvereins.

Bereits 1832 gründete der Bonner Professor für Staatswissenschaften, Peter Kaufmann (1804-1872), in Schleiden einen „Verein für gemeinnützige Bestrebungen zur Beförderung der Landwirtschaft, des Gewerbefleißes, der Intelligenz und der Sittlichkeit in den Eifelgegenden“, kurz „Eifelverein“. Er fand in dem Prümer Landrat Georg Bärsch (1778-1866) einen rührigen Vertreter vor Ort, der den Straßenbau vorantrieb und das Schulwesen reorganisierte. Weiter versuchte der Verein, die Viehzucht zu verbessern und rief Obstbaumschulen, Ackerbauschulen sowie landwirtschaftliche Winterschulen ins Leben. 1840 ging der „Eifelverein“ im „Landwirtschaftlichen Verein für Rheinpreußen“ auf. Der Verein entfaltete eine segensreiche Tätigkeit, die Probleme der Eifel konnte er jedoch nicht lösen, sie spitzen sich nach 1871 eher noch zu: 1879/1880 und 1882/83 gab es gravierende Missernten und Hungerkrisen. Die Zahl der Auswanderer stieg sprunghaft an. Der preußische Staat reagierte mit einem 1883 eingerichteten „Eifelfonds“, der jährlich 300.000 Mark ausgeben konnte, und einer 1887 gegründeten Kommission für landeskulturelle Arbeit.

1871 wurde der Preußenkönig Wilhelm I. (Prinzregent ab 1858, König ab 1861, Regentschaft bis 1888) in Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert. Die gewonnenen Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich steigerten neben dem Erwerb der Krone in einem kleindeutschen (ohne das katholische Österreich), überwiegend protestantischen Kaiserreich das Selbstbewusstsein des Herrscherhauses. Es hatte bereits zuvor Spannungen mit der Bevölkerung der rheinischen Städte gegeben, etwa in den Revolutionen von 1830 und 1848, zudem auch Konflikte mit der katholischen Kirche, zum Beispiel den Mischehenstreit. 1854 wurde das Dogma der unbefleckten Empfängnis verkündet, 1871 das der päpstlichen Unfehlbarkeit. Eine selbstbewusste katholische Kirche stieß so auf einen nicht minder selbstbewussten preußischen Staat. Es kam zum „Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. “, der seinen Höhepunkt in den Jahren 1871 bis 1878 erlebte: Ein komplexer Systemkonflikt, den man nicht aus der Perspektive einer Partei beziehungsweise Konfession sehen darf und der auch in anderen deutschen Bundesstaaten stattfand.

Im Rheinland hatte es bereits zuvor Spannungen zwischen dem an eine Staatskirche gewohnten preußischen Staat mit seiner in der Regel gebildeten, gut besoldeten und oftmals auch evangelischen Führungsschicht auf der einen und der mehrheitlich katholischen Bevölkerung auf der anderen Seite gegeben. Als Bischöfe verhaftet, Priester vor Gericht gestellt, Priesterseminare geschlossen sowie Mönche und Nonnen aus ihren Klöstern vertrieben wurden, solidarisierte sich die Bevölkerung mit ihnen. Die Katholiken organisierten sich zudem politisch (Zentrum), bauten eine eigene Presse auf und schufen ein ganzes Netz von karitativen, berufs- und gruppenspezifischen sowie kulturellen Vereinen.

Der bekannte katholische Publizist, Gründer des bistumsnahen „Paulinus“ und Zentrumsabgeordneter, der „Presskaplan“ Georg Friedrich Dasbach (1846-1907), rief 1884 den „Trierischen Bauernverein“ ins Leben, der die geistliche, sittliche und wirtschaftliche Verfassung der Mitglieder stärken sollte, getreu Dasbachs Motto: „Einer für alle und alle für jeden“. Hier zeigt sich das Vorbild der Genossenschaftsbanken von Friedrich Wilhelm Raiffeissen. 1885 gründete Dasbach eine „Landwirtschaftliche Bank“, die Bauern Kredite zum Erwerb von Vieh gab. Die katholische Bevölkerung der Eifel entwickelte große Sympathien für den Verein. Ende 1884 zählte er bereits 118 Ortsgruppen mit 2.145 Mitgliedern.

2. Der Eifelverein unter Dr. Adolf Dronke (1888-1898)

Am 22. Februar 1888 verschickte Dr. Adolf Dronke Einladungen zu einer vorbereitenden Besprechung zwecks Gründung eines „Eifelklubs“ am 18. März in Gerolstein. Adolf Dronke stammte aus Koblenz, studierte Mathematik und Naturwissenschaften in Bonn und war Lehrer in Bonn, Grevenbroich, Mönchengladbach und Koblenz. 1875 wurde er Direktor der Trierer Realschule, die sich zum Realgymnasium und schließlich zum Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (heute Max-Planck-Gymnasium) entwickelte. Weiter leitete er die königliche Provinzial-Gewerbeschule und die kaufmännische Fortbildungsschule in Trier. Dronke war schriftstellerisch tätig und kandierte für die Nationalliberalen.

Nach dem Treffen der vorbereitenden Kommission in Gerolstein fand am 22.5.1888 in Bad Bertrich die Gründungsversammlung statt. Ziel des Eifelvereins war die Erschließung der Eifel in landwirtschaftlicher, gewerblicher und wissenschaftlicher Hinsicht. Der Vorstand zählte zwölf Mitglieder, sechs davon waren Mitglieder der nationalliberalen Partei oder im Staatsdienst tätig. Bereits 1888 bildeten sich 25 Ortsgruppen: Alf, Bad Bertrich, Bitburg, Blankenheim, Bonn, Daun, Gemünd, Gerolstein, Gillenfeld, Hillesheim, Köln, Kyllburg, Malmedy, Manderscheid, Mayen, Mehren, Montjoie (Monschau), Neuerburg, Prüm, Remagen, Schönecken, Trier, Waxweiler und Wittlich. Schon ein Jahr später stieg die Zahl der Mitglieder von 1.200 auf 2.200 Personen, die der Ortsgruppen um 19 auf 43. Dronke war ein unermüdlicher und rastloser Organisator. In zahllosen Briefen an Bürgermeister und Landräte versuchte er, den Verein aufzubauen. Nachdem dieser 1891 dem „Allgemeinen Verband Deutscher Touristen-Vereine“ beigetreten war, wurde Dronke für drei Jahre auch noch dessen Vorsitzender.

Um Fördermittel gezielt einsetzen zu können, erstellte der wirtschaftliche Ausschuss des Eifelvereins unter Leitung von Dr. Hans Andreae († 1920) einen Fragebogen über die wirtschaftlichen Verhältnisse, der an die Ortsgruppen gesandt wurden. Danach flossen Gelder beispielsweise für die Fischzucht. So setzte man 80.000 Forellen aus, um die Fischerei zu beleben. Die Hauptaktivitäten lagen allerdings im touristischen Bereich. Die Ortsgruppen wurden mit der Erstellung eines Wegenetzes (Wegweiser, Bänke und Schutzhütten) betraut. In nur fünf Jahren entstanden 210 Kilometer Fußwege, 450 Wegweiser, 300 Bänke und 60 Schutzhütten. Noch 1888 beschloss man, einen Reiseführer für die Eifel herauszugeben. Dieser beschrieb die Wanderwege, gab Auskunft über Sehenswertes und nannte Übernachtungsmöglichkeiten. In nur drei Monaten waren die 1.500 Exemplare vergriffen. Bis 1897 erschienen sieben Auflagen.

Karl von Voigt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 243KB)
Karl von Voigt, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

3. Der Eifelverein unter Generalmajor a. D. Karl von Voigt (1898-1904)

1897 war der Eifelverein in eine Krise geraten: Die Mitgliederzahl war auf 2.700 gesunken, die schlechte Zahlungsmoral der Ortsgruppen führte zu Kürzungen bei der Wirtschaftsförderung und der Werbekampagne. 1898 legte der gesundheitlich angeschlagene Dronke sein Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. nieder. Sein Stellvertreter Heinrich Josef Thielen († 1900) trat ebenfalls zurück. Ohne Vorsitz berief der Hauptvorstand in einer außerordentlichen Sitzung den Generalmajor a. D. Karl von Voigt zum Vorsitzenden und den Industriellen Dr. Hans Andreae († 1911) zu seinem Stellvertreter.

Der Kriegsveteran und Kommandeur einer in Trier stationierten Kavallerie-Brigade, der sich 1896 aus dem Militärdienst verabschiedet hatte, konnte den Verein aus seiner Krise führen. Zunächst gelang ihm durch einen rigorosen Sparkurs die Sanierung der Vereinsfinanzen. Die Förderung der Landwirtschaft stellte er weitgehend ein. Die touristische Erschließung der Eifel machte durch die Anlage eines Wanderwegenetzes und einer einheitlichen Beschilderung der Wege große Fortschritte. Einheitlich beschilderte Hauptwanderwege sollten die Eifel von Ost nach West und von Süd nach Nord durchqueren.

Ortsgruppe Speicher wandert, 1900 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 269KB)
Die Ortsgruppe Speicher wandert um 1900 durch das Kylltal. (Eifelverein Speicher)

1899 erwarb von Voigt die Niederburg bei Manderscheid. 1900 übergab er die Ruine dem Eifelverein, der die nötigsten Renovierungsarbeiten vornahm, wobei die Provinzialverwaltung Als Teil der staatlichen Verwaltung für einen bestimmten Provinzbezirk zuständig. Die Provinzialverwaltung der preußischen Rheinprovinz unter der Leitung des Oberpräsidenten hatte von 1822 bis 1945 ihren Sitz in Koblenz. mehr als die Hälfte der Kosten trug und sich mit Kaiser Wilhelm II. ein namhafter Förderer fand. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges übernahm der Verein auch die Oberburg. Die von von Voigt neu begründete kulturelle Orientierung fand auch in der Mitgliedschaft in zahlreichen historischen und archäologischen Vereinigungen ihren Niederschlag. Ab 1900 besaß der Verein mit dem monatlich erscheinenden Eifelvereinsblatt ein eigenes Mitteilungsorgan.

1907 veröffentlichte der Eifelverein eine statistische Auswertung seiner Mitgliederliste hinsichtlich der vertretenen „Stände und Berufe“. Danach waren unter den 6.867 Mitgliedern die Beamten (mit Offizieren, Richtern, Förstern und Lehrern) mit 37 Prozent stark vertreten, Kaufleute und Fabrikanten bildeten mit 29 Prozent eine bedeutende Mitgliedergruppe, gefolgt von den Handwerkern, Wirten und Bauern. Auch die Ärzte und Apotheker sind mit 6 Prozent gut vertreten. Es lässt sich also feststellen, dass in der ländlich geprägten Eifel die Beamten und die Angehörigen des Militärs deutlich überrepräsentiert waren. Dies gilt auch für die Kaufleute und Fabrikanten sowie die freien Berufe. Der Eifelverein war also 1907 eher ein Verein der protestantischen preußischen Elite denn der einheimischen Bauern und Handwerker. Mit einer Ausnahme freilich, die Gastronomen erkannten bereits früh die Chance, die sich aus dem Engagement des Eifelvereins ergab.

Der Verbandstag deutscher Touristenvereine beschloss bereits 1903, Schüler- und Studentenherbergen einzurichten. Bald öffneten die ersten Gästehäuser: Sinzig, Quiddelbach, Ahrhütte, Dreis, Kelberg, Daun und Manderscheid. Das Programm erlebte mit dem Krieg einen ersten Rückschlag. Von den 52 Herbergen blieben bei Kriegsende lediglich 18 übrig. Die Wanderer, die hier übernachteten, waren die Schüler der höheren Lehranstalten, also überwiegend die Söhne der preußischen Beamten und Offiziere, Unternehmer und Angehörigen der freien Berufe. Konkurrenz für die Einrichtungen der Schüler- und Studentenherbergen entstand, als der Kölner Eifelverein ab 1909 eine Lehrlingsherberge einrichtete.

Karl Leopold Kaufmann (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 234KB)
Karl Leopold Kaufmann, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

4. Der Eifelverein unter Dr. Karl Leopold Kaufmann (1904-1938)

4. 1 Im Kaiserreich

1904 zog von Voigt aus Trier weg und trat zurück. Die Mitgliederversammlung wählte Dr. Karl Leopold Kaufmann zum neuen Vorsitzenden. Kaufmann wurde 1863 in Bonn als Sohn des Oberbürgermeisters Leopold Kaufmann geboren. Nach einem Jurastudium begann er eine Verwaltungslaufbahn als Justitiar der Königlichen Regierung in Trier. 1899 wurde er zum Landrat des Kreises Malmedy ernannt und 1907 nach Euskirchen versetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung 1929 wirkte. 1914 meldete sich Kaufmann als Freiwilliger und wurde der Zivilverwaltung in Belgien zugeteilt, wo er vor allem für die Ernährung der Zivilbevölkerung verantwortlich war. 1916 wurde er zum Präsidenten der belgischen Provinz Luxemburg ernannt. Kaufmann leitete den Eifelverein von 1904 bis 1938, also vom Kaiserreich über die Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. bis ins „Dritte Reich“, und sorgte so für eine außergewöhnliche Kontinuität in einer Epoche gravierender Umbrüche.

Kaufmann führte den Verein zunächst zu einer bis dahin nicht gekannten Blüte. 1914 konnte er auf die beachtliche Zahl von 150 Ortsgruppen und mehr als 20.000 Mitgliedern blicken. Die Eifel machte er mit der Veröffentlichung von „180 Tageswanderungen“ oder dem „Eifelliederbuch“ bekannt. Auf der Hauptversammlung 1906 fiel der Beschluss über die Herstellung eines einheitlichen Kartenwerkes. Für die Instandhaltung der Hauptwege berief der Vorstand 1907 eine „Wegebezeichnungskommission.“ Sie ernannte Obmänner, die die Pflicht hatten, alle zwei Jahre die Routen zu kontrollieren.

Anzeige aus dem Eifelvereinsblatt im Ersten Weltkrieg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 499KB)
Anzeige aus dem Eifelvereinsblatt im Ersten Weltkrieg. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Die Feierlichkeiten zum 25. Geburtstag des Eifelvereins 1913 in Trier - unmittelbar vor Beginn des Ersten Weltkriegs - stellen einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte dar. Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung fand eine Eifelausstellung in der neuen Kunstgewerbeschule statt, die einen Überblick über Kunst und Kunstgewerbe in Vergangenheit und Gegenwart geben sollte. Anlässlich des Jubiläums erschien eine 430 Seiten umfassende „Eifel-Festschrift“, die mit einer Auflage von 12.000 Stück rasch vergriffen war und heute noch als Standardwerk zur Eifel gilt. 18 Einzelbeiträge versuchten, das gesamte landeskundliche Wissen der Zeit zu bündeln.

4. 2 Die Weimarer Zeit

Der Erste Weltkrieg führte zu einem tiefen Einschnitt in die Geschichte des Eifelvereins. Wegen der Einberufung Kaufmanns übernahm Andreae stellvertretend den Vorsitz. Der verlorene Krieg, der Versailler Vertrag, die Besatzung, die Ruhrkrise, die Inflation Lateinisch (das Sichaufblasen, Aufschwellen), deutliche Erhöhung des Preisniveaus, etwa durch Anstieg der umlaufenden Geldmenge ohne äquivalente Ausweitung der Gütermenge. und die Weltwirtschaftskrise erschütterten die Menschen. Die Anzahl der Ortsgruppen war von 142 (1913) auf 102 mit insgesamt circa 12.000 Mitgliedern (1918) gesunken. Der Umfang des Eifelvereinsblatts musste aufgrund finanzieller Probleme reduziert werden. 1921 konnte der Vereinsvorstand erklären, dass sich der Eifelverein mit circa 19.000 Mitgliedern in 128 Ortsgruppen von den Auswirkungen des Krieges erholt habe. Dennoch sank aufgrund der skizzierten Zeitumstände die Mitgliederzahl bis 1933 auf circa 11.000.

Mutige Schritte waren in diesen Jahren die Eröffnung des Eifelvereinsmuseums und der Eifelbibliothek in Mayen. Der Ingenieur Arend Scholten († 1950) hatte dem Geschichts- und Altertumsverein Mayen den Ostflügel der Burg mit der Auflage geschenkt, darin ein Museum zur Geschichte und Kultur der Eifel einzurichten. Altertumsverein und Eifelverein legten ihre Sammlungen zusammen und bauten sie durch weitere Exponate aus. 1921 wurde das „Eifelvereinsmuseum“ eröffnet. Die Eifelbibliothek mit ihren wertvollen Altbeständen, ihren umfangreichen wissenschaftlichen Beständen und ihrer reichhaltigen Sammlung zum Thema Eifelliteratur stellt seither einen wichtigen Grundstock zur wissenschaftlichen Erforschung der Region dar.

Mit dem Eifelvereinsblatt verfügte der Verein über ein Publikationsorgan, durch das er breite Kreise der Eifelbevölkerung auch über den Kreis seiner Mitglieder hinaus erreichte. Ein weiteres Mittel in der Öffentlichkeitsarbeit war der Eifelkalender, der 1925 erstmals erschien. Er sollte wissenschaftliche Aufsätze und literarische Beiträge zur Geschichte, Kultur und Natur der Eifel sowie zahlreiche Abbildungen enthalten. Von der ersten Auflage wurden 18.000 Exemplare verkauft.

Anzeige aus dem Eifelvereinsblatt im Ersten Weltkrieg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 264KB)
Anzeige aus dem Eifelvereinsblatt im Ersten Weltkrieg. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Ein Schwerpunkt der Vereinstätigkeit war weiterhin die Unterstützung der touristischen Erschließung der Eifel. Der Verkehrsausschuss des Vereins setzte bei der Reichsbahndirektion ermäßigte Zugtickets für die sonntäglichen Wanderer aus den umliegenden Großstädten durch. Sonderzüge aus dem Ruhrgebiet brachten Ausflügler in die Eifel, der Tourismus wurde belebt.

Das Wegenetz des Eifelvereins war durch den Ersten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden. Immerhin konnte 1925 die Bezeichnung des „Eifelhöhenweges“ zwischen Köln und Trier abgeschlossen werden. Der Weg wurde zu Ehren des im Jahr zuvor aus der alliierten Verbannung zurückgekehrten Vorsitzenden in „Karl-Kaufmann-Weg“ umbenannt. Das Werben um die Jugend setzte unmittelbar nach Ende des Weltkriegs ein. Insbesondere der Kölner Eifelverein forcierte die Jugendarbeit. Bereits im Herbst 1919 hatte sich dort eine erste Jugendgruppe zusammengefunden. Die jungen Mitglieder sollten „für die idealen Bestrebungen des Eifelvereins“ begeistert werden. Neben dem Interesse an einer Hebung der Mitgliederzahl standen idealistische Bestrebungen zur Erziehung der Jugend durch die identitätsstiftende Funktion von Naturerlebnis und Heimatverbundenheit im Mittelpunkt.

Im Ersten Weltkrieg waren große Baumbestände gefällt worden. Auch in den Nachkriegsjahren bediente sich die Bevölkerung in den Wäldern. Zudem mussten umfangreiche Waldbestände als Reparationsleistungen abgeholzt und an die Alliierten geliefert werden. Hans Andreae beschwor den „Niedergang unseres Vaterlandes“, wenn weiter derart Raubbau an den Wäldern betrieben werde. 1921 richtete der Eifelverein eine Schutzstelle für den gefährdeten Wald ein. Die Stelle sollte die Öffentlichkeitsarbeit zum Waldschutz koordinieren und Gelder für den Ankauf von Schutzgebieten sammeln.

Foto aus der "Eifel", 1934 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 492KB)
Foto aus der "Eifel", 1934. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Als eigenständiger Tagesordnungspunkt wurde der „Schutz der Naturdenkmäler“ erstmals auf der Hauptversammlung 1925 aufgeführt. Zur Diskussion standen die Gefährdung der Papenkaule bei Gerolstein durch den Bau von Hochspannungsleitungen sowie der zunehmende Autoverkehr im Ahrtal. Mit dem geplanten Bau des Nürburgrings sowie den Plänen zur Errichtung eines Pumpspeicherwerkes am Laacher See sind auch die beiden wichtigsten Naturschutzkonflikte der folgenden Jahre genannt.

4. 3 Im „Dritten Reich“

Deutlich merkt man bei der Lektüre der Vereinszeitschrift, 1933 in „Die Eifel“ umbenannt, wie diese auf die neue Linie einschwenkte. Schriftleiter war seit 1932 der Journalist Dr. Viktor Baur († 1967). Regelmäßig finden sich fortan Bekenntnisse zum neuen Regime und Lobeshymnen auf dessen Leistungen in der Eifel: Die Ordensburg (1) Bezeichnung für die Burgen des Deutschen Ordens,  vor allem in West- und Ostpreußen,  (2) in der NS-Zeit Gründung von Ordensburgen als "Kaderschmieden" für den nationalsozialistischen Funktionärs- und Führernachwuchs; ab 1934 entstanden die Ordensburgen Sonthofen (Allgäu) Crössinsee in Pommern und im Rheinland in der Eifel die riesige Anlage der Ordensburg "Vogelsang", die 1936 eingeweiht wurde, insgesamt aber unvollendet blieb. Vogelsang, die Meisterschule der Malerei in Kronenburg, die Künstlerkolonie Heimbach und der Westwall 1938-1940 an der ehemaligen Westgrenze des Deutschen Reiches zwischen Kleve und Weil am Rhein errichtete, 630 Kilometer lange Verteidigungslinie. , aber auch der Bau von Stauseen (Rurtalsperre Schwammenauel). Die Mitgliederzeitschrift stellte sich bereitwillig in den Dienst der neuen Machthaber, forderte lautstark die Revision der Westgrenze und ist im Krieg voll von Treuebekundungen und Durchhalteparolen für den Endsieg.

Foto aus der "Eifel", 1937 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 204KB)
Foto aus der "Eifel", 1937. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Die Gleichschaltung des Vereins vollzog sich geräuschlos: Dem Führerprinzip entsprechend schlug die Ortsgruppe dem Hauptvorsitzenden einen Vorsitzenden vor, der Parteigenosse sein sollte. Wenn dieser bestätigt worden war, ernannte er die Mitglieder des Vorstands der Ortsgruppe. Aus Vorstandssitzungen wurden Befehlsausgaben. 1934 wurden Juden und Marxisten aus den Vereinen ausgeschlossen – der Mitgliederschwund der 30er Jahre setzte sich 1933/1934 noch einmal fort. Die Jugendarbeit im Eifelverein fand ein Ende, nachdem diese in der Hitlerjugend monopolisiert worden war. Auch für die Tourismuswerbung waren jetzt andere Verbände zuständig. Der Eifelverein verstand sich trotz aller Parolen als unpolitischer Wanderverein innerhalb des „Reichsverbands der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine“, der in seiner Zeitschrift und in seinem Jahrbuch mit Bildern und Texten die Schönheiten der Eifel und die gute alte Zeit feierte.

1938 beging der Eifelverein in Trier sein 50-jähriges Bestehen. Die Feierlichkeiten begannen mit einem Fahneneinmarsch der SA und der Partei, danach folgten die Ortsgruppen mit ihren Wimpeln. Der „Deutsche Wanderführer“ Ferdinand Werner (1876-1961) richtete ein pathetisches Grußwort an die Versammlung: „Ein fröhliches Frischauf dem Eifelverein zum 50. Jubelfeste! Unverzagt und unverdrossen in treuer Gefolgschaft dem Führer und der Fahne, dem Volke und dem Vaterlande ergeben, tue auch der Eifelverein sein Teil am großen deutschen Werke, dem Reich zur Ehre und zum Heile!“ In der Presse ging die Jubiläumsveranstaltung freilich wegen des einen Tag später mit großem Aufwand inszenierten „Besuchs der Alten Garde des Führers“ in Trier unter.

Josef Schramm (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 266KB)
Josef Schramm , Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

5. Der Eifelverein unter Dr. Josef Schramm I (1938-1945)

Im Rahmen der Trierer Jubiläumsfeier trat Geheimrat Kaufmann nach 34 Jahren als Vorsitzender zurück. Er beendete seine letzte Rede im Stil der Zeit: „Ich bitte Sie, mit mir auszurufen: Das große Deutschland und sein großer Führer: Siegheil!“ Sein Nachfolger wurde Dr. Josef Schramm († 1991). Der Regierungsassessor in Prüm und Aachen trat 1933 in NSDAP ein und konnte den dem Zentrum angehörenden Schleidener Landrat ablösen. In enger Kooperation mit dem NSDAP-Kreisleiter Franz Binz gelang es „Pg. Dr. Schramm“ durch eine Reihe großer Bauprojekte die Arbeitslosigkeit in dem strukturschwachen Kreis Schleiden zu beseitigen. 1945 wurde Schramm entlassen und bekleidete fortan kein öffentliches Amt mehr. Im Eifelverein war er seit 1934 erster Stellvertreter Kaufmanns. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden legte er 1938 in „der Eifel“ seine Auffassung über die künftige Vereinsarbeit dar: „Seit den Gründungstagen ist der satzungsmäßige Zweck des Eifelvereins die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Sinne des Volksstaates.“ Neben Naturliebe, Heimatliebe und Treue war ihm wichtig, dass „unsere Arbeit im Sinne der Bestrebungen Adolf Hitlers und seiner Bewegung liegt. Denn Ausgangspunkt allen nationalsozialistischen Denkens und Handelns ist das Volk.“

Neben Schramm und dem nicht minder linientreuen Viktor Baur gehörte der Historiker Dr. Emil Kimpen († 1965) zum engeren Führungskreis, den Schramm 1938 als Leiter der Geschäftsstelle berief. Eine seiner ersten Publikationen war eine „Geschichte des Eifelvereins“ anlässlich seines 50-jährigen Bestehens. Die Festschrift ist ein stolzes Bekenntnis zum neuen Staat, in dem sich der Eifelverein als wichtige Säule sah. Kimpen stellte fest, dass der Verein sich bereits 1933 „rückhaltlos der vaterländischen Bewegung angeschlossen“ habe. Die neue Vereinssatzung von 1934 habe den Führergrundsatz und die „Arierbestimmung“ endgültig für alle Ortsgruppen festgeschrieben. Der Verein habe die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates zum Ziel. Besonders der „Sieg des Führergedankens“ wurde von Kimpen begrüßt, denn nun war es seiner Meinung nach leichter geworden, Veränderungen durchzuführen, denn „dem Hauptvorstand war künftighin jede beschließende Tätigkeit versagt.“

Das Vereinsleben ging auch im Krieg noch weiter, wenn auch zunehmend mit Einschränkungen. Die Ortsgruppe Mayen beschloss 1943 nach dem Motto „Räder müssen rollen für den Sieg“, bei Wanderungen auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten. Im März 1943 kam das endgültige Aus für die Vereinszeitschrift. Der Vorsitzende verfasste für die letzte Ausgabe einen Artikel: „Der Eifelverein im totalen Einsatz.“ Hier betonte er, niemand könne sich der Lebensaufgabe, sein Land zu verteidigen, entziehen. „Als echter Heimatverein hat er [der Eifelverein] sich stets mit glühendem Herzen für die Belange des Vaterlandes eingesetzt. Ein Fünftel seiner Mitglieder stand und steht an den Grenzen Europas zur Abwehr bereit. Viele aus unseren Reihen haben Leben und Gesundheit dem Vaterland geopfert.“

Überraschend wurde im Herbst 1943 die Erlaubnis zum Druck des Eifelkalenders für das Jahr 1944 erteilt. Er erschien in einer Auflage von 6.000 Exemplaren, die sofort vergriffen war. Das Regime sah die Publikation offensichtlich als kriegswichtig an, weil sie nicht nur der Eifelbevölkerung, sondern auch den Bewohnern der zerstörten Großstädte und den Soldaten an der Front ein idyllisches Bild der Heimat vermittelte, die es gegen den Feind zu verteidigen galt. Auch der Vorsitzende machte einleitend auf diesen Zusammenhang deutlich: „Der Kalender ist wiederum ein recht wertvoller Beitrag zur Stärkung des Heimatgedankens, dieses mächtigen Impulses, der unsere Soldaten draußen zu höchsten Taten begeistert und der inneren Front die Kraft zum Durchhalten in Not und Tod gibt.[ ...] So möge denn unser fünfter Kriegskalender hinausziehen, nur mit dem einen Ziele, unsere Kräfte zu stärken und so einen Beitrag zu liefern, damit unsern Helden an der Front der endgültige Sieg beschert sein möge.“

Ludwig Rintelen (keine Bildvergrößerung möglich)
Ludwig Rintelen, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

6. Der Eifelverein unter Dr. Ludwig Rintelen (1945-1954)

Wohl schon 1945 übernahm Geheimrat Dr. Ludwig Rintelen († 1955) die Leitung des Eifelvereins. Er war zunächst Regierungsrat in Schleswig-Holstein, im Ersten Weltkrieg dann als Nachfolger von Karl Leopold Kaufmann Leiter der landwirtschaftlichen Verwaltung im besetzten Belgien, seit 1922 Chef der herzoglich-arenbergischen Verwaltung und schließlich Rechtsanwalt in Bad Godesberg. 1931 wurde er zum Vorstandsmitglied des Hauptvereins gewählt, „ein Amt, das er beim Umbruch (!) niederlegte. Nach dem Zusammenbruch 1945 stellte er sich dann […] bereitwilligst zur Verfügung, um das festgelaufene und fast dem Untergang geweihte Schifflein des Eifelvereins wieder in Gang zu bringen.“ Der greise Geheimrat, der auf den Versammlungen gerne lateinische Gedichte vortrug, war politisch nicht vorbelastet und galt als Symbol der „guten alten Zeit.“ Als Geschäftsführer stand ihm Emil Kimpen zur Seite, der in den Trümmern der ausgebombten Geschäftsstelle in Bonn die Akten zusammensuchte. Er leitete sie bis 1955. Viktor Baur stieß 1948 – ohne dabei zunächst öffentlich in Erscheinung zu treten – und ab 1950 offiziell zu Rintelen und Kimpen. Neben seiner 1949 wieder aufgenommenen Tätigkeit als Pressereferent der Landwirtschaftskammer Rheinland redigierte er bis 1966 die Publikationen des Eifelvereins.

Bereits im Juni 1945 meldete sich die Ortsgruppe Brühl zurück und feierte mit Sondererlaubnis der britischen Regierung ihr 25-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr machte die Ortsgruppe Bad Godesberg ihre erste Wanderung. 1946 und 1947 fanden wieder die beliebten Sternwanderungen statt. In der französischen Zone galt ein strengeres Versammlungsrecht, so dass erst 1947 die Ortsgruppen Gerolstein und Trier ihre Aktivitäten aufnehmen konnten. 1947 wurde die Wiederaufnahme der Tätigkeit des Gesamtvereins in Nordrhein-Westfalen genehmigt. Daraufhin trat in Bad Godesberg der erweiterte Hauptvorstand zu einer ersten Sitzung zusammen. Er verabschiedete eine neue Satzung und bekam die Erlaubnis, das Mitteilungsblatt „Eifelland“ herauszugeben. 1948 feierte der Verein sein 60-jähriges Jubiläum und erhielt auch von der französischen Militärregierung die Erlaubnis, Ortsgruppen in Rheinland-Pfalz zu gründen. 1948 fand die erste Jahreshauptversammlung des Gesamtvereins in Bad Godesberg statt.

Zum 60-jährigen Jubiläum erschien 1948 eine Vereinsgeschichte, deren Autor wiederum Emil Kimpen war. So ergab sich die pikante Situation, dass der gleiche Verfasser im Abstand von nur zehn Jahren zweimal die gleiche Vereinsgeschichte schrieb, freilich unter gänzlich anderen Vorzeichen. War die Festschrift von 1938 noch eine Verbeugung vor dem neuen Regime und eine Referenz an den neuen Vorsitzenden, so solidarisierte sich der ausgebombte und verarmte Verein 1948 mit der ebenso verarmten und ausgebombten Bevölkerung der Eifel. Von dem Band wurden 5.000 Exemplare gedruckt, der Verkaufspreis betrug 1 DM. Dem Verein war die neue Darstellung seiner Geschichte so wichtig, dass er die Festschrift vor der erst wieder ab Herbst 1949 erscheinenden „Eifel“ und dem ersten Eifelkalender für 1951 auf den Markt brachte. Auch die hohe Auflage und der niedrige Preis machen die Absicht deutlich, dass der Band in alle Haushalte gelangen sollte.

Eifelidylle in der "Eifel", 1953 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 311KB)
Eifelidylle in der "Eifel", 1953. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

In der Ära Rintelen erlebte der Eifelverein einen rasanten Wiederaufstieg. Die Mitgliederzahl wuchs von 4.000 (1948) über 9.000 (1951) auf 13.000 (1954). Das Wanderleben kam wieder in Gang, die Zahl der gemeldeten Touren stieg ebenso wie die der Mitglieder. 1950 zählte man wieder 505 Halbtags- und 493 Ganztagswanderungen, es gab Sternwanderungen, eine zehntägige Ferienwanderung in den Schwarzwald und eine achttägige Eifelwanderung.

Es war nicht nur das Wandern, das den Eifelverein in diesen Jahren so attraktiv machte. Das „Dritte Reich“ und der Zweite Weltkrieg, Flucht und Vertreibung hatten die Menschen ihrer Orientierung beraubt. Der wirtschaftliche Aufschwung und die Verkehrserschließung der Wirtschaftswunderzeit veränderten die Lebens- und Arbeitswelt auch in der Eifel nachhaltig. Auch die Häuser, die Dörfer, die Feste und die Gemeinschaften der Dörfer wandelten sich tiefgreifend. Der Heimatgedanke spielte in den 1950er Jahren eine bedeutende Rolle; es ist die Zeit der Heimatromane und der Heimatfilme. „Die Eifel“ und der Eifelkalender sind Organe, in denen die Schönheiten der Eifel, die ländliche Idylle, die Lebens- und Arbeitswelt in der „guten alten Zeit“ beschworen und mit entsprechendem Bildmaterial in Szene gesetzt wurden.

Eifelidylle in der "Eifel", 1955 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 331KB)
Eifelidylle in der "Eifel", 1955. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

„Die Jugendarbeit“, forderte der Eifelverein 1950, „muß mit größtem Nachdruck betrieben werden, wenn sie Erfolg haben soll; trotz aller ständigen Hinweise zu verstärkter Jugendwerbung ist die Zahl der gemeldeten jugendlichen Mitglieder und der Jugendgruppen noch immer völlig unbefriedigend.“ Der Rheinbacher Ortsgruppen-Vorsitzende Dr. Paul Möhrer († 1986) wurde Hauptjugendwart, ein Amt, das er in den folgenden Jahren mit viel Engagement ausfüllen sollte.

Ein weiteres wichtiges neues Thema war der Europagedanke. Auf der Hauptversammlung 1952 in Trier hielt der langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe, Paul Lieser, († 2006) einen vielbeachteten Vortrag über „Trier als Mitte und Grenze“. Er analysierte die geopolitische Stellung von Stadt und Region von der Antike bis in die Nachkriegszeit mit ihren neuen Grenzen zum Saarland und zu Luxemburg, die ein Notstandsgebiet ohne Entfaltungsmöglichkeiten entstehen ließen: „Allerdings wird die eigene Kraft nicht ausreichen, dieses Land wieder pulsierende Mitte werden zu lassen. Dazu ist eine politische Auffassung notwendig, die hüben und drüben nicht mehr von nationalstaatlichem Machtdenken erfüllt ist, sondern im Miteinander der Völker den Zukunftsweg sieht.“ Trier mit seinen Denkmälern, aber auch die Eifel mit ihren Burgen, Städten und Klöstern würden dann „nicht mehr Grenze, sondern Mitte sein.“ Damit war der Europagedanke im Eifelverein eingepflanzt.

Der Führungsriege um Rintelen, Baur und Kimpen gehörte inoffiziell auch Schramm an. 1947 wird von einer Vorstandssitzung berichtet: „So wurde der von Landrat Dr. Schramm [Schramm war als Landrat bereits 1945 abgesetzt worden!] geäußerte Wunsch, dass unser Geheimrat die Vereinsgeschäfte weiterführe, allseitig mit Freuden begrüßt.“ 1950 leitet er in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden eine Sitzung des Hauptvorstandes. Schramm war somit 1950 wieder Mitglied des Hauptvorstandes, und zwar nicht als Beisitzer, sondern als vermutlich zweiter stellvertretender Vorsitzender. Bei den Neuwahlen zum Vorstand 1948 und 1949 wurde sein Name nicht genannt, so dass Schramm wohl vom Vorstand kooptiert und nicht von der Mitgliederversammlung gewählt worden war. Hierzu war der Vorstand nach einem Beschluss von 1948 ausdrücklich „ermächtigt“. Im Septemberheft 1949 ist ganz unten auf der letzten Seite eine Mitteilung abgedruckt, die durch ihren Petitdruck leicht übersehen wird. „Da ich z. T. beruflich stark beansprucht bin“, schrieb der Vorsitzende, „und der Aufbau des Eifelvereins immer mehr Zeit und Arbeit verlangt, habe ich unseren verdienten ehemaligen Vorsitzenden Dr. Schramm gebeten, die Leitung der laufenden Geschäfte vorbehaltlich der Führung durch mich zu übernehmen!“

1952 gab es Neuwahlen. Der gesamte Vorstand unter dem 79-jährigen Dr. Rintelen wurde für vier Jahre wiedergewählt, einer der Stellvertreter war jetzt auch offiziell Schramm. 1954 fand dann ein überraschender Führungswechsel statt, der „Coup von Kyllburg“. Schramms langjähriger Mitstreiter, Walter Scheibler († 1965), setzte die überraschte Mitgliederversammlung von einem Brief Rintelens in Kenntnis, wonach dieser aus „Alters- und gesundheitlichen Gründen“ seinen Rücktritt erklärte. „Zum neuen Vorsitzenden des Eifelvereins brachte Walter Scheibler den Landrat a. D. Dr. Schramm in Vorschlag; und mit brausendem Beifall bestätigte die Versammlung diese Wahl.“

Josef Schramm (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 428KB)
Josef Schramm. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

7. Der Eifelverein unter Dr. Josef Schramm II (1954-1973)

Unter Dr. Josef Schramm erlebte der Eifelverein einen ungeheuren Aufschwung: Die Mitgliederzahlen wuchsen rapide, gleichzeitig verbreiterten sich die Aufgabengebiete. Außerdem veränderte sich der Charakter des Vereins: Aus einer Honoratiorengesellschaft mit einem greisen „Geheimrat“ an der Spitze wurde eine mitgliederstarke Heimatorganisation, die über das „System Schramm“, ein Netzwerk von Verbindungen zu Vereinen, Verbänden und Gebietskörperschaften, einen bedeutenden Einfluss gewinnen konnte.

1954 zählte der Eifelverein 13.000 Mitglieder, 1959 waren es bereits 28.000. Danach ging es etwas langsamer weiter: 1973 erreichte man 31.500. Erfreulich war auch der Erfolg der Jugendarbeit. Hier waren die Mitgliederzahlen von 400 (1950) über 2.000 (1954) auf 6.000 (1960) gewachsen, die Zahl der Jugendgruppen hatte sich von 60 (1954) über 98 (1958) auf 104 (1960) vergrößert. Die Zahlen erwecken den Eindruck, als habe der Verein in den Dörfern und Kleinstädten der Zentraleifel, wo er die Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs bündelte und zudem als Heimatverein das Kulturleben prägte, eine zentrale und in den mittleren und großen Städten des „Flachlandes“ als Wander- und Kulturverein eine zumindest bedeutende Rolle gespielt. Weiter wuchsen in der Ära Schramm die Zahl der Ortsgruppen von 60 auf 178 und der Haushalt von 39.000 auf 500.000 DM. Unter den 45 Vereinen im Verband der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine stand der Eifelverein an vierter Stelle, Schramm war seit 1960 dessen zweiter und seit 1969 erster stellvertretender Präsident.

Besondere Aufmerksamkeit erregt auch die Verlagstätigkeit des Vereins, für die ab 1966 – nach dem Ausscheiden von Viktor Baur – der Hauptgeschäftsführer Friedrich Wilhelm Knopp († 1986) zuständig war. Er machte aus der Mitgliederzeitschrift ein modern gestaltetes aktuelles Magazin. 1959 wurde die Rubrik „Eifeler Nachrichten“ eingeführt, in der jeden Monat über wichtige Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Tourismus berichtet wurde. 1960 ging man zu einem handlicheren Oktavformat über. 1967 erschien „Die Eifel“ in neuem Gewand; wesentlich flotter waren die graphische Gestaltung und das Layout. Auch inhaltlich gab es Veränderungen. In den 50er und 60er Jahren war „Die Eifel“ ein Heimatmagazin, das die Schönheiten der Eifel verherrlichte. Dazu trug die Bildausstattung wesentlich bei, ebenso die Gedichte und die Aufsätze, zum Beispiel von Dr. Fritz Milz († 1993). Anstelle von diesen und von heimatkundlichen Aufsätzen traten danach Artikel in den Vordergrund, die Glanzlichter unter den Ausflugszielen ins rechte Licht rückten.

Neben „der Eifel“ und dem Eifelkalender (seit 1956 Eifeljahrbuch) entwickelte der Verein eine reiche Verlagstätigkeit. 65 Verlagstitel hatte man 1969 im Angebot. Von dem Bildband „Die Eifel im Farbbild“ konnten mehrere Auflagen auf den Markt gebracht werden. Ein besonderer Glanzpunkt war der 1963 von Josef Schramm herausgegebene Sammelband „Die Eifel. Land der Maare und Vulkane“. Neben der graphischen Gestaltung mit zahlreichen ganzseitigen Schwarz-Weiß-Fotos ist die inhaltliche Konzeption dieses Eifelhandbuchs hervorzuheben.

In „der Eifel“ spielt auch das Thema Jugendarbeit eine zentrale Rolle. Sie besaß dafür sogar eine eigene Rubrik. Pejo Weiß († 2012) sorgte dafür, dass immer wieder Fotos von Wandergruppen, von Mandolinenorchestern und Volkstanzgruppen erschienen, die den Eindruck erwecken, dass die Jugendlichen innerhalb des Vereins eine zentrale Rolle spielten. 1956 wurde das Wanderheim des Eifelvereins in Kronenburg eröffnet, 1960 der Jugendzeltplatz im Schilsbachtal, der Platz für 250 Jungen bot – die Mädchen fuhr man abends in die Jugendherberge Rurberg.

1955 wurde die Europäische Vereinigung Eifel-Ardennen gegründet. Die nationalen Repräsentanten waren im vielbeschworenen „Geist von Kronenburg“ freundschaftlich miteinander verbunden. Die Vereinigung traf sich zu regelmäßigen Arbeitssitzungen und wollte die Probleme einer grenzüberschreitenden Mittelgebirgsregion im europäischen Rahmen lösen. Man forderte eine gemeinsame Strukturpolitik, die sich nicht auf die Förderung des Tourismus beschränkte und auch nicht an den nationalen Grenzen endete. Die regelmäßigen Tagungen (Prüm 1957, Aachen 1961, Wittlich 1965, Gemünd, Schleiden und Heimbach 1969) zogen zahlreiche Gäste an, ebenso 1956 der 57. Deutsche Wandertag in Aachen, der ein Großereignis von überregionaler Bedeutung darstellte.

Die Berichte der Ortsgruppen spiegeln weniger den Alltag der Sonntagswanderungen als die Höhepunkte im Vereinsjahr wider. Wachsender Beliebtheit erfreuten sich die Ferienwanderungen, die häufig in die Alpen führten. Ausführlich wird über die Busfahrten berichtet, die ein erstaunlich dichtes Programm aufwiesen. Eine große Bedeutung besaßen weiterhin die Lichtbildabende. Ungebrochen blieb die gesellige Funktion des Eifelvereins mit zahlreichen Heimatabenden sowie „Altenabenden“ und „Altenfahrten“. 1966 bot die Deutsche Lufthansa einen Sonderflug für Mitglieder in die USA an, um „Eifeler Landsleute und Verwandte zu besuchen“.

Die dreimal im Jahr stattfindenden zweitägigen Versammlungen waren die Höhepunkte des Vereinslebens, zu denen sich die „Eifelvereinsfamilie“ versammelte. Neben den obligatorischen, bis in die frühen Morgenstunden dauernden Heimatabenden gab es Arbeitssitzungen, an denen zahlreiche Vertreter der Ministerien, Regierungsbehörden und des Landschaftsverbandes Rheinland, aber auch Landräte und Bürgermeister teilnahmen. Auch die Jahresberichte des Vorsitzenden machen deutlich, dass der Eifelverein in zahlreichen Gremien mitwirkte, in denen es um Fragen des Naturschutzes, des Straßen- und Autobahnbaus, der Tourismus- und Strukturförderung ging. Ein wichtiger Bundesgenosse und regelmäßiger Gast war Udo Klausa (1910-1998), von 1954 bis 1975 Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland. Josef Schramm, der nach 1945 kein öffentliches Amt mehr bekleidete, machte den Eifelverein zum Zentrum eines verbandspolitischen Netzwerkes. Er war Mitglied im Vorstand des Naturparks Nordeifel e. V., der Landesfremdenverkehrsverbände Rheinland und Rheinland-Pfalz, des Landesverbandes Rheinland-Pfalz im Deutschen Jugendherbergswerk, des Rheinischen Heimatbundes sowie des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Weiterhin war Schramm, der bis zu seinem Tod ein begeisterter Jäger war, Leiter oder Mitglied zahlreicher jagd- und forstverbandlicher Gremien.

Konrad Schubach (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 297KB)
Konrad Schubach, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

8. Der Eifelverein unter Konrad Schubach (1973-1991)

Kurz vor Beginn der Frühjahrstagung 1973 teilte Josef Schramm mit, dass er nach 40-jähriger Mitgliedschaft im Vorstand nicht mehr kandidieren würde. Auf der Tagung stellte er Konrad Schubach als einzigen Kandidaten vor, der ohne Gegenstimmen gewählt wurde. Schubach, 1914 in Ahrweiler geboren, studierte in Bonn und Berlin Staats- und Rechtswissenschaften, legte 1939 und 1949 seine juristischen Examina ab und wurde persönlicher Referent von Ministerpräsident Peter Altmeier. 1952 wurde er Landrat des Kreises Bitburg, wo er die Beziehungen nach Luxemburg verbessern sollte. In dieser Zeit entstand der Deutsch-Luxemburgische Naturpark. Seit 1956 war Schubach Hauptvorstandsmitglied und Bezirksgruppenvorsitzender im Eifelverein. 1962 wechselte er als Landrat in Trier, 1964 wurde er Regierungspräsident in Trier und 1973 als Staatssekretär in das rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerium berufen.

Schubach, der noch weitaus besser in der Landespolitik vernetzt war als sein Vorgänger, nutzte dies dazu, den Eifelverein zu einer Bewegung für den Landschafts- und Umweltschutz, die Denkmalpflege und die Landwirtschafts- beziehungsweise Strukturpolitik zu machen. Die Basis reagierte zunächst zögerlich, doch dann sorgten Meldungen über das Waldsterben und den sauren Regen für Aufsehen, zumal sie in der „Eifel“ ausführlich referiert wurden. Die Katastrophe von Tschernobyl (1986) führte zu einer intensiven Diskussion um die künftige Energieversorgung. Hier plädierte der Eifelverein für Braunkohle- und Steinkohle-Kraftwerke. Die „Rheinbraun“ bot bei mehreren Tagungen des Vereins Informationsveranstaltungen an sowie Studienfahrten zu den Tagebauanlagen und den renaturierten Gebieten.

Schubach war mit dem Vorsitzenden des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Prof. Dr. Werner Bornheim gen. Schilling, und dem Geschäftsführer, Dr. Josef Ruland (1920-2000), eng befreundet. Mehrere Tagungen des Eifelvereins waren Themen der Denkmalpflege gewidmet, wozu die beiden referierten. Innovativ war dabei vor allem das Engagement für die historische Bausubstanz in den Dörfern, die durch den Rückgang der Landwirtschaft und durch Luxussanierungen gefährdet war, aber auch die Rettung der durch Straßenbau und Vandalismus bedrohten religiösen Kleindenkmäler.

Ein dritter neuer Akzent sind lautstarke Forderungen zu einer Strukturpolitik für die Eifel. „Die Eifel und die Ardennen können die ihnen zufallenden Ausgleichsfunktionen für die Ballungsgebiete in ihrer Nachbarschaft auf Dauer nur übernehmen, wenn der dort ansässigen Bevölkerung befriedigende Einkommensverhältnisse und angemessene Lebensverhältnisse geboten werden können.“ Da aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und der schlechten Infrastruktur keine nennenswerte Industrieansiedlung möglich sei, müsse die Landwirtschaft gefördert werden.

Bundespräsident Karl Carstens auf dem Titelbild der "Eifel" (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 414KB)
Bundespräsident Karl Carstens auf dem Titelbild der "Eifel", 1979. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Die Frühjahrs- und die Herbsttagungen des Eifelvereins, aber auch die Veranstaltungen der Europäischen Vereinigung Eifel-Ardennen blieben weiterhin die gut besuchten Höhepunkte des Vereinslebens. Die zunehmende Politisierung des Eifelvereins kommt in Einladungen an zahlreiche Minister zum Ausdruck, die Referate zu Grundsatzfragen hielten, so der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Heinrich Holkenbrink (1920-1998) zur Verkehrspolitik oder der rheinland-pfälzische Justizminister Otto Theisen (1924-2005) zur Europapolitik. Ereignisse von überregionaler Bedeutung waren die Deutschen Wandertage in Trier und Koblenz. Das Juliheft 1979 der „Eifel“ beginnt mit einem Glückwunsch an den neuen Bundespräsidenten. Karl Carstens (1914-1992, Amtszeit 1979-1984), der bei seiner Antrittsrede vor Bundestag (1) Unter der offiziellen Bezeichnung Bundesversammlung 1815-1866 (unterbrochen 1848-1850) ständiger Kongress der Gesandten der Mitgliederstaaten des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main,  (2) seit 1949 Bezeichnung des Parlaments der Bundesrepublik Deutschland. und Bundesrat gesagt hatte: „Wie ich mit Freude feststelle, nimmt die Wanderbewegung bei uns wieder zu. […] Ich möchte diese Bewegung auf das Wärmste unterstützen. Meine Frau und ich haben uns vorgenommen […] Deutschland von Norden bis zum Süden, von der Ostsee bis an den Alpenrand zu Fuß zu durchwandern.“ – Der Deutsche Wanderverband gewann mit dem wandernden Bundespräsidenten eine populäre politische Gallionsfigur.

Fünf Tage lang wurde 1979 in und um Trier beim 79. Deutschen Wandertag unter dem Motto „Kultur und Landschaft“ gewandert und gefeiert. Stolz konnte man beim Deutschen Wanderverband auf einen Zuwachs auf 525.000 Mitglieder verweisen, bei 60.000 Wanderungen zählte man 1,5 Millionen Teilnehmer. Es gab in Trier „Darbietungen der Deutschen Wanderjugend auf Straßen und Plätzen.“ 25.000 Wanderer hatten sich angemeldet. Abends versammelten sich die älteren Herrschaften zu einem „Eifelabend“ in der Europahalle; für die jüngeren fand in der Löwenbrauerei ein „Frohes Treffen und Tanz der Wanderjugend“ statt. Mit einer vielbesuchten Kundgebung auf dem Domfreihof, bei der der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel (geboren 1932, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz 1976-1988) sprach, endete die Veranstaltung.

Illustration zum Waldsterben, 1989 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 250KB)
Illustration zum Waldsterben in der "Eifel", 1989. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Der 85. Deutsche Wandertag 1986 in Koblenz hatte das Motto „Wandern – sinnvolle Freizeit für alle“. Am Donnerstag gab es den Eröffnungsabend in der Rhein-Mosel-Halle, am Freitag und Samstag jeweils einen „Heimatabend“ und am Sonntag einen Festzug, eine Wanderjugendkundgebung am Deutschen Eck und ein abschließendes „Wandertreffen mit Tanz im Weindorf.“ Am Montag beendete die „Schlußkundgebung auf der Festung Ehrenbreitstein“ die Veranstaltung. „Die Koblenzer Tagung wurde zu einer starken politischen Demonstration der Wandervereine. Wie selten zuvor wurde hier deutlich: Sie sind in großer Sorge um unsere Umwelt, um die Belastung der Natur und der kulturellen Werte, um die Zukunft des Waldes, um die Gefahren, die durch die Kernenergie drohen, und sie unterstützen die Suche nach alternativen Energien.“

Schließlich sei noch auf die 100-Jahrfeier des Hauptvereins - aber auch zahlreicher Ortsgruppen - im Jahre 1988 in Bad Bertrich hingewiesen. Ministerpräsident Bernhard Vogel dankte in seiner Festansprache dem Verein für seine Aktivitäten. Insbesondere hob er die Leistungen des Ehrenvorsitzenden Josef Schramm in 50- und die des Vorsitzenden Konrad Schubach in 15-jähriger Tätigkeit an der Vereinsspitze hervor. Er sprach über den geplanten Lückenschluss der A 1 und der A 60, über Landwirtschaft und Weinbau sowie die Kampagne für den ländlichen Raum. Nach der „Eifelhymne“ sprachen Altbundespräsident Carstens, EVEA-Präsident Gehlen, Landschaftsverbandsdirektor Dieter Fuchs und Professor Schönnamsgruber für den Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine.

Bis 1980 hatte man zwischen den zahlenden und Familienmitgliedern beziehungsweise Jugendlichen unterschieden. Seitdem wurden die Zahlen zusammengerechnet, was eine imposantere Summe ergab. Nach 1973 wuchs die Mitgliederzahl nur noch schwach von circa 34.000 auf 35.000. Seit 1980 stieg die Gesamtzahl von 46.000 auf 54.000 Mitglieder; der Verein hatte also vor dem Hintergrund des Deutschen Wandertages, des Wanderpräsidenten und seiner ökologischen Zielsetzung deutlich an Zulauf gewonnen. Einen anderen Trend als die Mitgliederzahl lässt der Haushalt erkennen, dessen Volumen von 500.000 DM am Ende der Ära Schramm (1971) auf 1.300.000 DM (1980 für 1979) geklettert, also um das Zweieinhalbfache gewachsen war; hier macht sich die neuen Aufgabenstruktur des Eifelvereins bemerkbar, die aber auch zu mehreren Beitragserhöhungen führte.

9. Der Eifelverein unter Gerhard Schwetje (1991-1997)

Das Jahr 1991 stellte einen tiefgreifenden Einschnitt in der Geschichte des Eifelvereins dar. Zunächst endete in diesem Jahr die Ära Schubach, in der das Wandern zu einer populären Massen- und Volksbewegung geworden war und in der sich der Verein zunehmend in die Politik eingemischt hatte. Zum Zweiten erfolgte ein Wechsel in der Geschäftsstelle: Nach dem Weggang von Edgar Manz, der seit 1985 Hauptgeschäftsführer war, übernahm Manfred Rippinger dieses Amt, der über die Amtszeit von drei Vorsitzenden hinweg für personelle Kontinuität sorgte. Schließlich starb im Jahre 1991 der langjährige Ehrenvorsitzende Josef Schramm, der bereits 1938 und dann erneut 1954 zum Hauptvorsitzenden gewählt worden war und auch nach seinem Ausscheiden noch viele Jahre lang an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen hatte.

Gerhard Schwetje (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 242KB)
Gerhard Schwetje, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Der neue Vorsitzende, Gerhard Schwetje, 1936 in Trier geboren, studierte Rechts- und Staatswissenschaften und war beim Landratsamt Bezeichung für (1) für die Verwaltung, (2) das Verwaltungsgebäude eines Landkreises, gleichbedeutend mit Kreisverwaltung und Kreishaus. Saarburg, bei der Bezirksregierung Trier und beim Ministerium für Wirtschaft und Verkehr in Mainz tätig. 1969 wurde er Landrat des neu geschaffenen Landkreises Landau-Bad Bergzabern (heute Südliche Weinstraße) und 1982 Regierungspräsident in Trier. Schwetje stammt also wie Schubach aus dem südlichen Bundesland und war wie dieser als Landrat und Regierungspräsident in Trier tätig. Nach Adolf Dronke, Karl von Voigt und Konrad Schubach gilt er als vierter Trierer an der Vereinsspitze.

Eine weitere Zäsur ist für dieses bedeutungsschwere Jahr festzuhalten: 1991 verabschiedeten die Naturschutzwarte eine Resolution über „Windkraftanlagen in der Eifel.“ Bis dahin findet sich das Thema Windkraft weder im Eifeljahrbuch noch in der „Eifel“. Erst mit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991 kam Bewegung in die Diskussion. Die Naturschutzwarte begrüßten grundsätzlich die „umweltfreundliche Stromerzeugung“, forderten aber nachdrücklich die Berücksichtigung von Gesichtspunkten des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Anlagen mit einer Höhe von 40 und 50 Metern – heute sind die meisten mehr als dreimal so hoch – an exponierten Standorten seien „keine positive Bereicherung des Landschaftsbildes.“ Deshalb forderte man eine Zusammenfassung der Windkraftanlagen zu Windparks und ein Verbot der Errichtung einzelner Anlagen insbesondere in geschützten Gebieten. 1992 finden wir in der „Eifel“ einen Artikel „gegen Wildwuchs bei Windkraftanlagen“ und 1995 die vieldiskutierte „Resolution des Eifelvereins zum Thema Windkraftanlagen in der Eifel."

Deutlich zeigt das Thema Windkraft die strukturellen Grenzen des Eifelvereins: Da in dessen Vorstand Bürgermeister und Landräte eine wichtige Rolle spielten, bemühte sich der Verein stets um eine ausgleichende Position zwischen Ökonomie und Ökologie. Zwar gab es seit den 1930er Jahren immer wieder Resolutionen gegen den Abbau der Vulkankegel, für die Entfichtung von Talwiesen und die Anlage von Biotopen, doch gingen seit den 90er Jahren die entscheidenden Impulse eher von den Grünen, dem BUND und dem NABU aus, die als reine Naturschutzorganisationen weniger Rücksicht auf Politik, Behörden und Sparkassen nehmen mussten. Dennoch spielt das Thema weiterhin eine große Rolle, seitdem auch die Ortsgruppen für Fragen des Umwelt- und Naturschutzes sensibilisiert worden waren. Seit 1992 werden mit dem „Konrad-Schubach-Naturschutzpreis“ besondere Initiativen in diesem Bereich ausgezeichnet.

Verändert hat sich auch die Vereinskultur. Die Herbsttagung in Hellenthal fand 1992 erstmals an einem einzigen Tag statt. Waren die Hauptversammlungen vor dem Ersten Weltkrieg noch dreitägige und nach dem Zweiten Weltkrieg noch zweitägige Veranstaltungen, so straffte man ab 1992 das Programm. Der traditionelle Heimatabend mit Tanz entfiel, ebenso die streng nach Konfessionen getrennten Gottesdienste am Sonntagmorgen. Auf diesen Termin wurden jetzt die Sitzungen des Hauptausschusses und des Beratenden Ausschusses verlegt. Parallel dazu bot man für die anreisenden Eifelfreunde Wanderungen an. Um 15.00 Uhr versammelte man sich zur Festversammlung in der Grenzlandhalle und um 17.30 Uhr endete die Veranstaltung mit der Ausgabe der Wimpelbänder. Zwar gab es 1993 in Bleialf noch eine zweitägige Frühjahrstagung mit großem Heimatabend, aber die eintägigen Veranstaltungen setzten sich durch.

10. Der Eifelverein unter Dr. Hans Klein (1997-2011)

1997 verabschiedete sich Gerhard Schwetje von der Vereinsspitze, da er nach dem Tod seiner Frau in den Priesterstand treten wollte. Er hatte den Eifelverein als „Erlebnisgemeinschaft“ mit dem Ziel einer „naturschonenden und -pflegenden Entwicklung der Eifel, die Förderung des Natur- und Denkmalschutzes … auch für die nachfolgenden Generationen“, und zwar notfalls auch im „Widerstand gegen den Zeitgeist“ verstanden. Bevor er die „Stafette an den Nachfolger“ übergab, formulierte er ein umfangreiches Zukunftspapier, die „VISION EIFELVEREIN.“ Er schrieb bereits 1996: „Was nützt es dem Menschen, wenn er den ganzen Tag im Internet herumsurft, aber seine Heimat nicht kennt.“

Hans Klein (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 218KB)
Hans Klein, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Schwetjes Nachfolger wurde Dr.-Ing. Hans Klein aus Stolberg-Breinig, also aus dem nördlichen Teil des Vereinsgebiets. Er war zuvor Hauptgeschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen“ (AIF) in Köln, die staatliche und industrieeigene Mittel zur Gemeinschaftsforschung verwaltete. Zudem leitete er die Ortsgruppe Breinig, war stellvertretender Schatzmeister und schließlich stellvertretender Vorsitzender des Eifelvereins. In seiner „Regierungserklärung“ unterstrich er die Bedeutung der Gewinnung jugendlicher Mitglieder. Nachdem bereits 1993 ein Familientag eingeführt worden war, sollte jetzt jede Ortsgruppe einen Jugendwart benennen. Neben dem Naturschutz sah er im Radwandern eine wichtige Zukunftsaufgabe. Es sollten Radwanderwege angelegt, Radwanderkarten veröffentlicht und Lehrgänge für Randwanderführer organisiert werden.

Ein Rückschlag bedeutet 1997 das Ausscheiden der französischen Landesgruppe aus der Europäischen Vereinigung Eifel und Ardennen. Dadurch kam auf die deutschen, belgischen und luxemburgischen Partner eine höhere Belastung zu. Andererseits ist festzuhalten, dass diese Initiative inzwischen viel von ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren hat. Die eng miteinander befreundeten Gründungsväter sind verstorben, ihren Nachfolgern gelang es nicht mehr, mit Veranstaltungen und Resolutionen eine solche Resonanz zu erzielen, und durch das Schengener Abkommen wurden zudem viele der ursprünglich verfolgten Ziele erreicht.

Hervorzuheben ist die Stiftung des Wolf-von-Reis-Kulturpreises im Jahre 2007. Aus den Erlösen der nach dem ehemaligen Schatzmeister und seiner Frau Erica benannten Stiftung sollten jedes Jahr besondere kulturelle Aktivitäten ausgezeichnet werden, insbesondere Aktionen von Ortsgruppen, aber auch einzelne Persönlichkeiten und wissenschaftliche Arbeiten. 2005 gelang es schließlich auch, mit Unterstützung der NRW-Stiftung die Bestände der Eifelbibliothek in Mayen digital zu erfassen und zugänglich zu machen.

Wimpelgruppe auf dem Deutschen Wandertag, 2006 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 614KB)
Die Wimpelgruppe auf dem Deutschen Wandertag 2006 in Prüm. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

Der Höhepunkt der Ära Klein war der 106. Deutsche Wandertag vom 12.-17.7.2006. Er wurde zum ersten Mal nicht in einer der benachbarten Großstädte (Aachen, Trier, Koblenz), sondern dezentral in Prüm mit Veranstaltungen in der Südeifel, der Nordeifel, der Vulkaneifel und in Luxemburg durchgeführt. Neben Wanderungen gab es ein breites Angebot an Busreisen, Fahrradtouren, Exkursionen und Kulturveranstaltungen. Logistisch war die Veranstaltung unter dem Motto „Natur und Kultur im Herzen Europas“ ein bisher einmaliger Kraftakt von Eifelverein, Eifeltouristik, zehn Kreisen und zahlreichen Gemeinden. Auch publizistisch setzte die Veranstaltung neue Maßstäbe: Die 26-tägige Wanderung der Wimpelgruppe von Saalfeld in Thüringen nach Prüm, bei der neun Personen 650 Kilometer zurücklegten, fand großes Interesse in den Medien. Ebenso die Feierstunde, bei der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt feststellte: „In Deutschland bewegt sich mehr als viele denken.“ Ministerpräsident Kurt Beck würdigte die Leistung der Wandervereine, die „tiefe Freundschaften über nationale Grenzen hinweg“ pflegten. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Festzug, bei dem man 15.000 Zuschauer und 17.000 Mitwirkende zählte. 57 Wandergruppen, 22 Musikvereine, 33 Themengruppen in Bauernkittel, Barocklivree, Dirndl und Ritterrüstung, 16 Volkstanzgruppen und fünf Jugendgruppen reihten sich in einen farbenfrohen Lindwurm ein, den der Südwestfunk in einer zweistündigen Sondersendung dokumentierte.

Die Zahl von 32.000 Besuchern hat aber noch eine andere Dimension. Nicht nur die Eifel und der Eifelverein änderten sich, sondern auch die Zeitumstände. In den 1890er Jahren, in den 30er und in den 50er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ermöglichten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen kräftigen Aufschwung des Vereins. Seit den 90er Jahren veränderten sich die Rahmenbedingungen: Die Menschen strömen in großen Scharen zu Mega-Events wie Kirchentagen, Volksfesten, Konzerten und IVV-Wanderungen, kehren aber zunehmend organisierten Freizeitformen wie den Vereinen den Rücken zu, ein Trend, der auch Parteien, Kirchen und Gewerkschaften zu schaffen macht. Der Mitgliederstand sinkt, wodurch es langfristig schwierig werden wird, die große Bandbreite an Vereinsaktivitäten gerade auch im Umwelt-, Natur- und Denkmalschutz, in der Verlagsarbeit und im Kulturbereich aufrecht zu erhalten. Der Eifelverein zählt heute (2013) 18.000 Voll-, 8.000 Partner-, 1.700 Jugend- und 400 Einzelmitglieder zuzüglich 400 korporative Mitglieder, zusammen 28.500. Um nicht das vielzitierte Sprichwort von der „größten Bürgerinitiative der Eifel“ zu verwenden: Das ist durchaus auch ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

Bereits seit Jahrzehnten wird die Gefahr der Überalterung beschworen. Auch wenn gerade die großstädtischen Ortsgruppen aus dem Kreis der kurz vor oder nach dem Eintritt in den Ruhestand tretenden Jahrgänge kräftige Zuwächse zu verzeichnen haben, gibt es viele Ortsgruppen auf dem Lande, die sich über sinkende Mitgliederzahlen Sorgen machen. In den 90er Jahren hatten der wandernde Bundespräsident sowie umfangreiche Frühverrentungs- und Vorruhestandsregelungen den Wandervereinen einen kräftigen Mitgliederzuwachs beschert. Die Rente mit 67, das Ende der Altersteilzeit, sinkende Renten sowie steigende berufliche Belastungen der Arbeitsnehmer drehten in den letzten Jahren diesen Trend um.

Ungeachtet der Faszination für die neuen Medien und die Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation ist Wandern bei jungen Erwachsenen außerordentlich populär. Allerdings propagiert die Outdoor-Industrie das spontane und individuelle Wandern, wonach sich kleine Gruppen per facebook verabreden, eine Karte downloaden und dann mit einem GPS in der Hand losziehen. Für die Wandervereine stellt dies eine weitere große Herausforderung dar. Der gesellschaftliche Wandel betrifft auch das von der Politik immer wieder lautstark beworbene Ehrenamt. Es fällt angesichts des skizzierten gesellschaftlichen Wandels den Ortsgruppen zunehmend schwer, Mitglieder für den Vorstand und Wanderführer zu finden. Diese sehen sich mit der gewachsenen Kritikbereitschaft und der gestiegenen Anspruchshaltung der Mitglieder auf der einen und einem undurchschaubaren Wust von rechtlichen Vorschriften (Versicherungsfragen) auf der anderen Seite konfrontiert.

Ein zweiter Trend macht nicht nur dem Eifelverein zu schaffen. 2008 wurde der Eifelsteig eröffnet, es folgten der Ahrsteig, der Rheinsteig, der Rhein-Burgen-Weg, die Traumpfade, die Traumschleifen und der Moselsteig. Über 100 Jahre lang hatte der Eifelverein die Planung, die Anlage und die Unterhaltung der Wanderwege durchgeführt, hatte ein einheitliches Wegenetz konzipiert und markiert sowie ein entsprechendes Kartenwerk aufgelegt und in immer neuen Auflagen aktualisiert. Jetzt entstand eine Koalition von öffentlichen Institutionen, die für die Tourismusförderung zuständig waren (Eifeltouristik, Rhein-Mosel-Eifel-Touristik, Mosellandtouristik, Ahrtal-Tourismus u. a.), und kommerziellen Planungsbüros, die Wanderwege konzipierten, anlegten und vermarkteten. Sie brachten eine neue Kreativität und Professionalität in die Wegeplanung und erschlossen neue Geldquellen, zum Beispiel in Form von Drittmitteln, zum Teil auch durch Sponsoren. Die ehrenamtlich tätigen Vereine mit ihren eher konservativen Wegekonzepten wurden dabei zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Selbst das Wegemanagement, die Betreuung der neuen Pfade, die zum Teil auf den alten Wegen des Eifelvereins geführt wurden und die von diesem jahrzehntelang ehrenamtlich gepflegt worden waren, ging dem Eifelverein bei einigen Strecken verloren.

Diese Individualisierung, Kommerzialisierung und Professionalisierung hatte für den Eifelverein negative Folgen: Erstens verlor der Verein seine Nähe zur Politik. So ist die Zeit vorbei, in der Minister auf den Frühjahrs- und Herbsttagungen referierten oder auf den Jubiläumsveranstaltungen Ministerpräsidenten und Bundesminister auftraten. Zum Zweiten veränderte sich die regionale Presselandschaft. Man berichtet lieber von Sensationen und Skandalen als von der unspektakulären Arbeit der Vereine, die zudem mit der professionellen Pressearbeit der Tourismusagenturen konkurrieren müssen. Aus diesen Gründen erfährt die Öffentlichkeit ständig etwas über Traumpfade und Traumschleifen, aber höchst selten über das umfangreiche, qualitätsvolle und kostengünstige Angebot der Wandervereine. Zum Dritten konnte der Eifelverein seine früher einmal monopolartige Stellung im Verlagsbereich nicht halten. Zusammen mit den Eifelkrimis kam eine ganze Reihe von Wanderführern auf den Markt, die von den großen Verlagen professionell gestaltet, in hohen Auflagen gedruckt und über den Buchhandel bundesweit vertrieben wurden. Auch hier kann ein weitgehend ehrenamtlich arbeitender Verein nur schwer konkurrieren. Immerhin ist es dem Eifelverein gelungen, als Kooperationspartner am Eifelliteraturfestival mitzuwirken, das sich inzwischen nicht nur über prominente Gäste und ungeheuren Zulauf, sondern auch über ein überregionales Medienecho freuen kann.

Mathilde Weinandy (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 170KB)
Mathilde Weinandy, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)

11. Der Eifelverein unter Mathilde Weinandy (ab 2011)

125 Jahre nach seiner Gründung steht der Eifelverein vor neuen Herausforderungen. Er muss den schwierigen Spagat zwischen einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer zunehmend professionalisierten Umwelt bewältigen. Er muss in einer Zeit, in der Vereine und das Ehrenamt an Ansehen verlieren, neue Mitglieder gewinnen, und er muss über das Gesamtpaket seiner in der Ära Schubach gewaltig gewachsenen Aufgabengebiete nachdenken. Er braucht ein hohes Maß an Kreativität, um seine zum großen Teil älteren und an eine traditionelle Wanderkultur gewohnten Mitgliedern behutsam zu neuen Wegen und neuen Techniken zu führen, er muss verstärkt wieder an die Politik herantreten und häufiger als bisher auf dem Markt der Drittmitteltöpfe agieren, und er muss mehr Präsenz in den Medien zeigen. Zwar werden in der Tagespresse die Wanderpläne veröffentlicht, aber die Leserschaft erfährt nicht, mit wie viel Mühe und Sorgfalt die Wanderführer die Touren vorbereiten und wie viel Leistung jedes Mitglied für einen – im Vergleich zu anderen Sportvereinen – außerordentlich bescheidenen Jahresbeitrag bekommt. Der Eifelverein ist nicht nur ein Wanderverein, sondern er vermittelt auch historisches, kulturelles sowie ökologisches Wissen und besitzt eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente – dies und nicht nur die Treffpunkte und Abfahrtszeiten muss man der Öffentlichkeit vermitteln.

2011 wurde ein neuer Vorstand gewählt, bei dem sieben von 17 Positionen neu besetzt wurden; eine erhebliche Verjüngung trat ein. Außerdem erhielt der Eifelverein mit Mathilde Weinandy erstmals eine weibliche Vorsitzende. Die Stadtbürgermeisterin von Prüm war zuvor bei den Landfrauen aktiv und war mehrere Jahre lang Landtagsabgeordnete. In ihre Amtszeit fiel zunächst eine Resolution zum Thema Windenergie, die zu diesem derzeit kontrovers diskutierten Thema eine kritische Position einnimmt. Weiter sind die Feierlichkeiten zum 125. Gründungsjubiläum anzuführen. Auf der Frühjahrstagung in Hillesheim 2013 konnte eine zweibändige Jubiläumsschrift vorgestellt werden. Der erste Band behandelt die Vereinsgeschichte und arbeitet insbesondere das Dritte Reich und die Nachkriegszeit auf. Der zweite Band enthält 16 Beiträge zu einer Landeskunde der Eifel.

Winterwandergruppe, 2014 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 823KB)
Winterwanderung der Ortsgruppe Untermosel an der Ahr, 2014. (Eifelverein Untermosel)

Die 125-Jahrfeier, verbunden mit dem 60. Jahreskongress der EVEA, fand am 25.5.2013 in Prüm statt. Bei dem Festakt in der mit circa 400 Wanderfreunden und Politgrößen vollbesetzten Karolingerhalle sprach unter anderem die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken ein Grußwort, in dem sie den Eifelverein als Geschenk für die Eifel und als Motor ihrer Entwicklung würdigte. Der Wanderer, Autor und Fernsehmoderator Manuel Andrack trug einen Liebesbrief vor, in dem er die Eifel als schönstes Wandergebiet der Welt lobte. Weiterhin präsentierte der Eifelverein ein Zukunftspapier, in dem er seine traditionellen und neuen Ziele festschrieb. Weitaus mehr Vereinsmitglieder zog es zu den verschiedenen Wanderungen rund um Prüm, sie alle trafen sich dann auf dem „EIFEL-Markt der Möglichkeiten“. Ein Historienspiel über die Gründung des Eifelvereins und eine Abschlussparty mit den „Dicken Kindern“ – die kurzfristig wegen des Champions League Endspiel zu einem Public Viewing umgewandelt wurde –, beendeten den Feiertag.

 

Anmerkung

Alle Zitate stammen aus de Mitgliederzeitschrift bzw. dem Jahrbuch des Eifelvereins

Eifelvereinsblatt 1900-1933.

Die Eifel 1933-1943, 1949 ff. (Ab 2001).
Eifelkalender 1926-1943.
Eifel-Jahrbuch 1955 ff.
Alle Inhaltsverzeichnisse sind auf der Homepage des Eifelvereins digital erschlossen.

 

Literatur

Publikationen (Auswahl)
Festschriften des Vereins

Herrmann, Alfred (Hg.), Eifel-Festschrift zur 25jährigen Jubelfeier des Eifelvereins 1888-1913, Bonn 1913.

Kimpen, Emil, Geschichte des Eifelvereins. 1888-1938. Zum 50 jährigen Bestehen, Bonn 1938.

Kimpen, Emil, 60 Jahre Eifelverein. 1888-1948, Bonn 1948.

Weiß, Peter Josef, Der Eifeler und sein Verein. 1888-1973. 85 Jahre Eifelverein, Düren 1973.

Die Eifel. 1888-1988, Zum 100jährigen Jubiläum des Eifelvereins, Düren 1988.

Schmid, Wolfgang (Hg.), Festschrift 125 Jahre Eifelverein (1888-1913), 2 Bände. Düren 2013.

 

Online

Homepage des Eifelvereins.


13.11.2014

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Wolfgang Schmid (Winningen) 
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