Philipp von Heinsberg

Erzbischof von Köln (1167-1191)

Swen Holger Brunsch (Swisttal)

Grabmal Philipps von Heinsberg im Kölner Dom, Liegefigur des Erzbischofs auf einer als Festung dargestellten Tumba, um 1368. (Bildarchiv Foto Marburg)

Phil­ipp von Heins­berg schuf in sei­nem 24-jäh­ri­gen Epis­ko­pat we­sent­li­che Grund­la­gen für die Aus­bil­dung des Köl­ner Ter­ri­to­ri­ums und er­warb das Her­zog­tum West­fa­len für die Köl­ner Kir­che. Sei­ne en­ge Bin­dung an Kai­ser Fried­rich I. Bar­ba­ros­sa (Re­gie­rungs­zeit 1152-1190) und Kö­nig Hein­rich VI. (Re­gie­rungs­zeit 1190-1197) zeig­te sich durch zahl­rei­che Ge­sandt­schaf­ten und sei­ne Un­ter­stüt­zung im Kon­flikt mit Papst Alex­an­der III. (Pon­ti­fi­kat 1159-1181); sie wur­de nur für kur­ze Zeit un­ter­bro­chen, als Phil­ipp stär­ker ter­ri­to­ria­le In­ter­es­sen ver­folg­te.

Phil­ipp wur­de um 1130 als jüngs­ter Sohn Gos­wins II. von Heins­berg-Val­ken­burg (vor 1130-1167) und des­sen Frau Adel­heid (ge­stor­ben vor 1180), Toch­ter des säch­si­schen Pfalz­gra­fen Fried­rich II. von Som­mer­schen­burg (um 1100-1162), ge­bo­ren. Er hat­te drei äl­te­re Brü­der und fünf Schwes­tern. Sein äl­tes­ter Bru­der Gott­fried (ge­stor­ben nach 1181) war für die vä­ter­li­che Nach­fol­ge be­stimmt, so dass Phil­ipp ei­ne geist­li­che Kar­rie­re an­streb­te. Er be­such­te in der Stifts­schu­le von St. An­dre­as in Köln den Un­ter­richt des Scho­las­ters Gott­fried, der ihn als ma­gis­ter et pa­e­dago­gus zu wei­ter­füh­ren­den Stu­di­en nach Reims be­glei­te­te. Sei­ne Aus­bil­dung schloss er mit ei­nem Ma­gis­ter­ti­tel ab.

 

Nach sei­ner Rück­kehr aus Frank­reich be­geg­net er 1156 als Köl­ner Dom­de­kan und 1165 auch als Dom­propst und Ar­ch­idia­kon von Lüt­tich. Sein Auf­stieg er­folg­te im Um­feld Erz­bi­schof Rai­nalds von Das­sel. Im Auf­trag des ab­we­sen­den Erz­bi­schofs ver­tei­dig­te Phil­ipp 1164 die Burg Rheineck und das Erz­bis­tum ge­gen ei­nen Ein­fall des Pfalz­gra­fen Kon­rad (um 1140-1195) und be­wies so, dass er nicht nur ver­wal­tungs­er­fah­ren, son­dern auch kriegstüch­tig war. Im Herbst 1165 und im Früh­jahr 1166 ist Phil­ipp am Hof Kai­ser Fried­richs I. Bar­ba­ros­sa an­zu­tref­fen, dem er ge­mein­sam mit Erz­bi­schof Rai­nald im Ok­to­ber 1166 nach Ober­ita­li­en nach­reis­te.

Dort, im La­ger vor Bre­scia, er­nann­te ihn der Kai­ser wohl auf Rai­nalds Emp­feh­lung hin am 6.1.1167 zum Lei­ter der Reichs­kanz­lei. Als Kanz­ler blieb Phil­ipp am kai­ser­li­chen Hof und folg­te des­sen Zug durch Ober­ita­li­en, wäh­rend sein För­de­rer Rai­nald sich nach Sü­den wand­te, um dem Heer den Weg nach Rom zu bah­nen. Als die Rö­mer sich En­de Mai dem Erz­bi­schof bei Tus­cu­lum in den Weg stell­ten, eil­te Phil­ipp ihm mit Trup­pen zu Hil­fe. Phil­ipp be­fand sich auch im La­ger vor Rom als die ver­hee­ren­de Seu­che aus­brach, an der Erz­bi­schof Rai­nald starb (14.8.1167). Kai­ser Fried­rich wand­te sich dar­auf­hin an die Köl­ner und emp­fahl sei­nen Kanz­ler als ein­zig wür­di­gen Nach­fol­ger Rai­nalds. Die Köl­ner ent­spra­chen dem kai­ser­li­chen Wunsch und wähl­ten im Herbst 1167 Phil­ipp zu ih­rem Bi­schof. Bis Ju­ni 1168 blieb Phil­ipp noch in Ober­ita­li­en, reis­te dann auf dem See­weg von Pi­sa nach Fréjus in die Pro­vence und von dort wei­ter nach Köln, wo er Mit­te Au­gust ein­traf. Am 29.9.1168 weih­te ihn Bi­schof Gott­fried von Ut­recht (Epis­ko­pat 1156-1177/1178) in Köln zum Erz­bi­schof.

Als Erz­bi­schof war Phil­ipp re­gel­mä­ßig am kai­ser­li­chen Hof, krön­te Fried­richs erst vier­jäh­ri­gen Sohn Hein­rich in Aa­chen zum Kö­nig (15.8.1169) und nahm als Erz­kanz­ler für Ita­li­en am fünf­ten Ita­li­en­zug (1174-1178) teil. Sei­ner di­plo­ma­ti­schen Fä­hig­kei­ten we­gen be­trau­te ihn Fried­rich Bar­ba­ros­sa mit zahl­rei­chen, wich­ti­gen Mis­sio­nen und Streit­schlich­tun­gen. Be­reits im Herbst 1168 ver­such­te Phil­ipp in kai­ser­li­chem Auf­trag in der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Kö­nig Hein­rich II. von Eng­land (Re­gie­rungs­zeit 1154-1189) und Kö­nig Lud­wig VII. von Frank­reich (Re­gie­rungs­zeit 1137-1180) zu ver­mit­teln. Eben­so war er an den Ver­hand­lun­gen über die Bei­le­gung des Kon­flikts zwi­schen Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa und Papst Alex­an­der III. und den Lom­bar­den ma­ß­geb­lich be­tei­ligt: Sie führ­ten zum Vor­frie­den von Ana­gni (1176) und dem Frie­dens­ver­trag von Ve­ne­dig (1177). Erz­bi­schof Phil­ipp be­schwor, un­ter­zeich­ne­te und be­sie­gel­te den Frie­dens­ver­trag ge­mein­sam mit den üb­ri­gen Fürs­ten. Da­durch er­hielt er die Be­stä­ti­gung sei­ner Bi­schofs­wür­de und nach­dem er Papst Alex­an­der III. Ge­hor­sam ge­schwo­ren hat­te, von die­sem im Au­gust 1177 auch das Pal­li­um.

In der Köl­ner Kir­chen­pro­vinz ge­lang es Erz­bi­schof Phil­ipp durch den Bau und Kauf zahl­rei­cher Bur­gen, durch den Er­werb von Land­gü­tern und Rechts­an­sprü­chen so­wie durch den Aus­bau des erz­bi­schöf­li­chen Lehns­hofes und durch die För­de­rung der Köl­ner Mi­nis­te­ria­li­tät das erz­bi­schöf­li­che Ter­ri­to­ri­um ge­zielt aus­zu­bau­en und zu fes­ti­gen. Hier­für muss­te er al­ler­dings er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Mit­tel auf­brin­gen, die das Erz­bis­tum stark be­las­te­ten. Nach dem Sturz Hein­richs des Lö­wen, Her­zog von Sach­sen und Bay­ern (Re­gie­rungs­zeit 1142-1180 be­zie­hungs­wei­se 1156-1180), an dem Erz­bi­schof Phil­ipp 1180 ak­tiv mit­ge­wirkt und be­deu­ten­den An­teil hat­te, wur­de das Köl­ner Erz­bis­tum be­trächt­lich er­wei­tert und er­hielt durch die Geln­häu­ser Ur­kun­de vom 13.4.1180 das Her­zog­tum West­fa­len (du­ca­tus West­fa­liae et An­ga­riae). Der Be­fes­ti­gung der Stadt Köln durch ih­re Bür­ger, die Phil­ipp ver­bo­ten hat­te und da­her sehr wi­der­wil­lig auf­nahm, stimm­te er schlie­ß­lich in ei­nem Kom­pro­miss Mit­te 1180 zu. An geist­li­chen Ge­mein­schaf­ten för­der­te der Erz­bi­schof ins­be­son­de­re die Zis­ter­zi­en­ser, de­ren Grün­dung Heis­ter­bach er eben­so un­ter­stütz­te wie die Frau­en­k­lös­ter Ho­ven und Wal­ber­berg, so­wie die re­gu­lier­ten Au­gus­ti­ner­chor­her­ren in Mech­tern und Neuss. In geis­ti­gem Aus­tausch und Kon­takt stand er auch zu Hil­de­gard von Bin­gen (1098-1179) und Wi­bert von Gem­bloux (1124/25-cir­ca 1213).

Erz­bi­schof Phil­ipp er­lang­te im Nord­wes­ten des Rei­ches ein Macht­po­ten­ti­al, das Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa miss­fal­len muss­te, der sich nun dar­um be­müh­te, der Macht­kon­zen­tra­ti­on durch ein Bünd­nis­sys­tem im Wes­ten des Rei­ches (Lu­xem­burg, Na­mur, Hen­ne­gau) ent­ge­gen­zu­wir­ken. Zwi­schen Erz­bi­schof und Kai­ser gab es ver­mehrt un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen: Auf dem Main­zer Hof­fest von Mai 1184 kam es zu ei­nem Rangstreit zwi­schen Erz­bi­schof Phil­ipp und Abt Kon­rad von Ful­da (Amts­zeit 1177-1192) um den Platz zur Lin­ken des Kai­sers. Fried­rich Bar­ba­ros­sa bat den Erz­bi­schof um des Frie­dens wil­len nach­zu­ge­ben, was zu ei­ner Ver­stim­mung Phil­ipps führ­te, der nur mit Mü­he zum Ver­blei­ben auf­ge­for­dert wer­den konn­te. Zwar führ­te Phil­ipp ei­ne wei­te­re kai­ser­li­che Mis­si­on im Sep­tem­ber 1184 nach Eng­land, wo er den Ab­schluss ei­nes eng­lisch-stau­fi­schen Bünd­nis­ses vor­be­rei­te­te, doch söhn­te er sich gleich­zei­tig mit dem Geg­ner des Kai­sers, dem dort im Exil le­ben­den Hein­rich dem Lö­wen aus. In der Fol­ge zog sich der Köl­ner Erz­bi­schof vom Kai­ser­hof zu­rück, ver­harr­te meh­re­re Jah­re in Op­po­si­ti­on (1184-1188) und nahm auch am sechs­ten Ita­li­en­zug (1184-1186) nicht teil. Im Kon­flikt zwi­schen Fried­rich Bar­ba­ros­sa und Papst Ur­ban III. (Pon­ti­fi­kat 1185-1187) stell­te sich Phil­ipp nun auf die Sei­te des Paps­tes, der ihn zum päpst­li­chen Le­ga­ten in sei­ner Erz­diö­ze­se be­rief. Ei­ne Ver­söh­nung er­folg­te erst nach Ur­bans Tod (20.10.1187) auf dem Main­zer Hof­tag am 27.3.1188, wo Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa auch sei­ne Teil­nah­me am Kreuz­zug be­kannt gab.

Zu­gleich nor­ma­li­sier­te sich sei­ne Be­zie­hung zu Kö­nig Hein­rich VI. Im März 1190 wirk­te Erz­bi­schof Phil­ipp an der Aus­söh­nung zwi­schen Hein­rich VI. und Hein­rich dem Lö­wen mit. Nach dem Tod des Kai­sers (10.6.1190) schick­te der Kö­nig den Köl­ner Erz­bi­schof im No­vem­ber 1190 nach Ita­li­en vor­aus. Dort soll­te Phil­ipp mit der Ku­rie über die seit lan­gem zu­ge­sag­te Kai­ser­krö­nung Hein­richs und sei­ner Gat­tin Con­stan­ze von Si­zi­li­en (1154-1198) ver­han­deln. Der selbst erst kurz zu­vor kon­se­krier­te Papst Coeles­tin III. (Pon­ti­fi­kat 1191-1198) krön­te am Os­ter­sonn­tag 1191 (15. April) das Paar. Nach den Fei­er­lich­kei­ten be­glei­te­te Erz­bi­schof Phil­ipp den Kai­ser auf des­sen Zug nach Süd­ita­li­en. Bei der Be­la­ge­rung Nea­pels brach ei­ne Seu­che im Heer aus, ver­mut­lich die Pest, an der Phil­ipp am 13.8.1191 starb; er er­litt so­mit ein ähn­li­ches Schick­sal wie sein Vor­gän­ger und För­de­rer Rai­nald von Das­sel. Phil­ipps Ge­bei­ne wur­den nach Köln über­führt und am 26.9.1191 fei­er­lich ne­ben dem Grab sei­nes Vor­gän­gers im Köl­ner Dom (heu­te Ma­ter­nus­ka­pel­le) be­stat­tet.

Quellen (Auswahl)

Die Re­ges­ten der Erz­bi­schö­fe von Köln im Mit­tel­al­ter, Band 2, be­arb. von Ri­chard Knip­ping, Bonn 1901, Nach­druck Düs­sel­dorf 1985, S. 162-286.

Literatur (Auswahl)

Aring, Paul Ger­hard, „Phil­ipp von Heins­berg" in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 7 (1994), Sp. 481. Burk­hardt, Ste­fan, Mit Stab und Schwert. Bil­der, Trä­ger und Funk­tio­nen erz­bi­schöf­li­cher Herr­schaft zur Zeit Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sas. Die Erz­bis­tü­mer Köln und Mainz im Ver­gleich, Ost­fil­dern 2008. Es­ser, Fried­rich Jo­sef, Stu­di­en zum Köl­ner Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg, [Diss., ma­schi­nen­schrift­lich] Köln 1955. Kal­len, Ger­hard, Phil­ipp von Heins­berg, Erz­bi­schof von Köln (et­wa 1130-1191), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 1 (1961), S. 12-29. Oedi­ger, Fried­rich Wil­helm, Das Bis­tum Köln von den An­fän­gen bis zum En­de des 12. Jahr­hun­derts (Ge­schich­te des Erz­bis­tums Köln 1), 2. Auf­la­ge, Köln 1972, S. 156-167. Phil­ipp von Heins­berg. Erz­bi­schof und Reichs­kanz­ler (1167-1191), Stu­di­en und Quel­len, Heins­berg 1991. Wein­fur­ter, Ste­fan, Erz­bi­schof Phil­ipp von Heins­berg und der Sturz Hein­richs des Lö­wen, in: Voll­rath, Han­na/Wein­fur­ter, Ste­fan (Hg.), Köln. Stadt und Bis­tum in Kir­che und Reich des Mit­tel­al­ters. Fest­schrift für Odi­lo En­gels zum 65. Ge­burts­tag, Köln 1993, S. 455-481.

Grabmal Philipps von Heinsberg im Kölner Dom, um 1368. Tumba in Gestalt einer mit Zinnen bekrönten Festung als Anspielung auf die Erweiterung der Kölner Stadtmauer 1180, Foto: Reinhard Matz und Axel Schenk. (Dombauarchiv Köln)

 
Zitationshinweis

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Brunsch, Swen Holger, Philipp von Heinsberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/philipp-von-heinsberg/DE-2086/lido/57c959bb27a8d4.58344253 (16.07.2018)