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Ernst Moritz Arndt (1769-1860), Schriftsteller und Revolutionär

Ernst Moritz Arndt war ein entschiedener Gegner Napoleon Bonapartes (1769-1821) und stieg als solcher während der Befreiungskriege Auch Freiheitskriege oder Sechster Koalitionskrieg. Bezeichnung der Kriege zwischen dem napoleonischen Frankreich und der Allianz seiner Gegner zwischen der Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug 1812 und der Unterzeichnung des Pariser Friedens 1814.  zu einem der populärsten Verfasser patriotischer Schriften auf. Er gilt neben Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) und Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) als einer der geistigen Väter der burschenschaftlichen Bewegung im frühen 19. Jahrhundert. Im Revolutionsjahr 1848 war er Abgeordneter und Alterspräsident in der deutschen Nationalversammlung. Seine Forderungen zur Schaffung eines deutschen Nationalstaates basierten neben chauvinistischen nicht zuletzt auf rassischen und antisemitischen Argumentationen, die sich auch die Nationalsozialisten zu eigen machten. Der Wert seiner Verdienste und Leistungen wird daher heute kontrovers diskutiert.

Ernst Moritz Arndt wurde am 26.12.1769 in Groß Schoritz auf der seit den Westfälischen Friedensschlüssen von 1648 zu Schwedisch-Pommern (Vorpommern) gehörenden Insel Rügen geboren. Er war der Sohn des Gutspächters und ehemaligen Leibeigenen Ludwig Nikolaus Arndt (1740-1808) und dessen Frau Wilhelmine, geborene Schuhmacher (1743-1804). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stralsund immatrikulierte er sich am 4.7.1791 an der Fakultät Lateinisch, bezeichnet fachlich nach den Hauptwissenschaften gegliederte Lehr- und Verwaltungseinheiten einer Hochschule.  für evangelische Theologie der Universität Greifswald. Zwischen 1793 und 1794 setzte er seine Studien in Jena fort, wo er auch historische und philosophische Vorlesungen besuchte. 1798 unternahm er eine ausgedehnte Bildungsreise, die ihn nach Österreich, Ungarn, Italien und Frankreich führte. Auf der Rückfahrt gelangte er 1799 erstmals ins Rheinland. Dessen 1794 erfolgte Besetzung durch französische Revolutionstruppen kommentierte er mit den Worten: „Du schöner germanischer Rhein, du hurtiger Rhein, du wirst hinfort der Sklave der Fremden mit deinen Kindern, die du nicht mehr schützen sollst." Im Jahr 1800 kehrte er nach Greifswald zurück und trat nach seiner Magisterprüfung als Privatdozent Habilitierter Wissenschaftler an einer Universität ohne Professorenstelle.  in den Dienst der dortigen Universität.

Seine 1803 veröffentlichte Schrift „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft Bezeichnet im deutschen Recht des Spätmittelalters die persönliche Abhängigkeit von einem Herrn, im Unterschied zu der Abhängigkeit des Hörigen von einer Grundherrschaft. Der Begriff wurde in der Forschung auch für ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse in anderen Ländern verwendet. Nachdem in der Neuzeit kaum noch zwischen Hörigen und Leibeigenen unterschieden wurde, wurde die Leibeigenschaft erst mit der Bauernbefreiung Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich zurück gedrängt. in Pommern und Rügen" trug maßgeblich zur Aufhebung der in Schwedisch-Pommern noch bestehenden Leibeigenschaft Bezeichnet im deutschen Recht des Spätmittelalters die persönliche Abhängigkeit von einem Herrn, im Unterschied zu der Abhängigkeit des Hörigen von einer Grundherrschaft. Der Begriff wurde in der Forschung auch für ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse in anderen Ländern verwendet. Nachdem in der Neuzeit kaum noch zwischen Hörigen und Leibeigenen unterschieden wurde, wurde die Leibeigenschaft erst mit der Bauernbefreiung Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich zurück gedrängt. durch den schwedischen König Gustav IV. (1778-1837) im Jahr 1806 bei. Am 11.4.1806 wurde Arndt zum außerordentlichen Professor ernannt. Seit der Veröffentlichung seiner Flugschrift „Geist der Zeit" im Jahr 1805, in der er die nationalstaatliche Einigung der deutschen Staaten gefordert und die Expansionspolitik Frankreichs angeprangert hatte, galt er als einer der vehementesten Kritiker Napoleons.

Aus Angst vor Verhaftung durch die herannahenden französischen Truppen flüchtete Arndt im Dezember 1806 nach Schweden. 1808 kehrte er unter falschem Namen nach Pommern zurück und dozierte nach dem Abzug der Franzosen von 1810 bis 1811 erneut an der Greifswalder Universität. Vor dem Russlandfeldzug Napoleons entzog sich Arndt dem Zugriff der Franzosen wiederum durch Flucht. Er gelangte auf Irrwegen nach St. Petersburg, wo er als Sekretär in den Dienst des Reichsfreiherrn Heinrich Karl Friedrich vom Stein (1757-1831) trat.

In den folgenden Jahren erlangte er durch seine patriotischen Schriften und Kampflieder einen hohen Bekanntheitsgrad. In seinen Texten predigte er den Hass gegen die Franzosen, den er zur „Religion des deutschen Volkes" erklärte, forderte den Zusammenschluss aller Deutschen und rief auch zum Ungehorsam gegen die regierenden Fürsten auf. Diese Inhalte gaben nicht zuletzt der Entstehung der studentischen Burschenschaften entscheidende Impulse. Die Jenaische Burschenschaft Bezeichnung einer von ehemaligen Teilnehmern an den Befreiungskriegen gegründeten, sich ab 1815 an den deutschen Universitäten ausbreitenden studentischen Nationalbewegung. 1819 auf Grundlage der Karlsbader Beschlüsse verboten.  leitete ihre Verfassung des Jahres 1815 mit der ersten Strophe seines populären Liedes „Des Deutschen Vaterland" ein.nach oben1818 wurde Arndt als Professor an die in diesem Jahr eröffnete preußische Universität Bonn berufen, zu deren Gründung er mit einer 1815 verfassten Denkschrift maßgeblich beigetragen hatte. Den ursprünglich vorgesehenen Standort Köln hatte er aufgrund der katholischen Tradition der Rheinmetropole vehement abgelehnt. Seine Lehrtätigkeit fand jedoch bereits 1819 ein jähes Ende. Die nach den Karlsbader Beschlüssen einsetzenden Demagogenverfolgungen boten der preußischen Regierung die Gelegenheit, auch den populären, in Friedenszeiten aber unbequemen Arndt, auszuschalten. Nach vorübergehender Verhaftung und Hausdurchsuchung wurde er im November 1819 von seinem Amt suspendiert und durfte trotz erwiesener Unschuld bis 1840 keine Vorlesungen mehr abhalten. Da er zudem befürchtete aus Bonn entfernt zu werden, stellte er auch seine Aktivitäten als Schriftsteller politischer Texte vollständig ein. Erst die Instabilität der Verhältnisse in Frankreich und Polen veranlassten ihn ab 1830 dazu, seinen Forderungen nach einer Einigung der deutschen Staaten unter Preußens Führung wieder öffentlich Nachdruck zu verleihen.

In der Bonner Bevölkerung genoss Arndt ein hohes Ansehen und galt als ein Opfer staatlicher Willkür. Die Nachricht von seiner Rehabilitierung durch König Friedrich Wilhelm IV. (Regierungszeit 1840-1858) am 2.7.1840 löste in Bonn daher eine Welle von Beifallsbekundungen und Ehrungen aus. Vom Senat der Universität im August 1840 zum RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. für das Amtsjahr 1840/1841 gewählt, konnte Arndt seinen Pflichten nach einer Unterbrechung von mehr als zwei Jahrzehnten wieder nachkommen.

Obwohl er weiterhin als politischer Märtyrer und Vorkämpfer des deutschen Einheitsgedankens gefeiert wurde, erwies sich Arndts Lehrer- und Forschertätigkeit an der Universität bald von geringem Wert. Seine Methodik galt als veraltet, und auch die von ihm gehaltenen Vorlesungen erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen nicht mehr.

In den folgenden Jahren mehrten sich kritische Stimmen. Der Student Napoleon Osmolski verspottete Arndt als „wahren, aber beschränkten deutschen Mann" sowie als „intoleranten Protestanten" und „fanatischen Franzosen-, Polen- und Katholikenfresser". Bei der Mehrheit der Studenten war seine Popularität bei Ausbruch der Revolution 1848/1849 jedoch ungebrochen. Am Abend des 17.3.1848 wurde er von der Studentenschaft mit einem Fackelzug geehrt und noch im Alter von 85 Jahren zum Hauptmann einer Studentenkompanie gewählt. Als Arndt sich jedoch gegen den politischen Radikalismus der demokratischen Bewegung wandte und sich für die konstitutionelle Monarchie Regierungsform, in welcher der Monarch als Staatsoberhaupt fungiert, aber durch die Verfassung und ihre parlamentarischen Organe kontrolliert und in seinen Machtbefugnissen eingeschränkt wird.  aussprach, wurde ihm „Zaghaftigkeit" vorgeworfen.

Arndt wurde als Abgeordneter der Stadt Solingen neben weiteren sechs Professoren der Universität Bonn in die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1789-1833 errichteter klassizistischer Kirchenbau der evangelischen Gemeinde Frankfurts am Main. 1848-1849 Tagungsort der deutschen Nationalversammlung.  gewählt. Seine Tätigkeit als Parlamentarier blieb allerdings ohne nachhaltige Wirkung. Die Neue Rheinische Zeitung Demokratische Tageszeitung aus Köln, 1848-1849 von Karl Marx geleitet. Bedeutendes Presseorgan der Revolution 1848/1849.  verspottete ihn als „liebenswürdigen Schwätzer", der „durch die Erzählung kindlicher Anekdoten und Schnurren nur der Unterhaltung diene." Nach der Ablehnung der Kaiserwürde durch Friedrich Wilhelm IV. (1849) trat Ernst Moritz Arndt enttäuscht von seinen politischen Ämtern zurück. Er kehrte nach Bonn zurück, wo er am 29.1.1860 an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn.

Die Diskussion über die Bedeutung und das Vermächtnis des Patrioten Ernst Moritz Arndt setzte bereits zu seinen Lebzeiten ein und dauert bis heute an. Im Kaiserreich zum Nationalhelden stilisiert, wurden seine Werke nach dem Ersten Weltkrieg durch die Nationalsozialisten ideologisch vereinnahmt. Seit 1945 wird Arndt einer zunehmend kritischeren Betrachtung unterzogen. Es würde der Vielschichtigkeit seines Wirkens jedoch nicht gerecht, Arndt lediglich zu einem Vorkämpfer der rassistischen Ideenwelt des Nationalsozialismus zu degradieren. Auch wenn seine Werke in vielen Passagen heute als überholt gelten, bleiben sein uneigennütziger Einsatz gegen die napoleonische Fremdherrschaft und den preußischen Polizeistaat davon unberührt. Seine Forderungen nach einer geistigen und politischen Überwindung deutscher Kleinstaaterei, an deren Stelle ein Nationalstaat moderner Prägung entstehen sollte, machen ihn trotz aller Schwächen zu einem wichtigen Visionär und Impulsgeber der deutschen Einheitsbewegung.

 nach obenLiteratur

Bautz, Friedrich Wilhelm, Artikel „Arndt, Ernst Moritz", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 1 (1990), Sp. 223-225.

Braubach, Max, Ernst Moritz Arndt (1769-1860), in: Rheinische Lebensbilder 7 (1977), S. 83-107.

Geppert, Dominik, Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Zwischen deutschem Nationalismus, regionaler Verwurzelung und europäischer Zivilisation, in: Institut für Geschichtswissenschaft (Hg.), 150 Jahre Historisches Seminar. Profile der Bonner Geschichtswissenschaft. Erträge einer Ringvorlesung, Siegburg 2013, S. 31-49.

Niesen, Josef, Bonner Personenlexikon, 3., erweiterte und verbesserte Auflage, Bonn 2011, S. 26-27.

Otte, Wiebke, Arndt und ein Europa der Feinde? Europagedanke und Nationalismus in den Schriften Ernst Moritz Arndts, Marburg 2007.

Tietz, Karl-Ewald /  Wichert, Sven  (Hg.), Ernst Moritz Arndt weiterhin im Widerstreit der Meinungen. Neue Materialien zu einer alten Diskussion, Greifswald 2003.

 

Online

Rößler, Hellmuth, Artikel "Arndt, Ernst Moritz", in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 358-360.

Website der „Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft e.V.

 

6.3.2013
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Björn  Thomann (Sankt Augustin) 
 

       
 

       
 

 

Ernst Moritz Arndt, signiertes Portrait (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 159KB)Ernst Moritz Arndt, Porträt mit Signatur. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

 Ernst Moritz Arndt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 178KB)     

Ernst Moritz Arndt, Porträt. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)