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Adolph Kolping (1813-1865), Gesellenvater

Adolph Kolping ist ein im 19. Jahrhundert im Rheinland wirkender katholischer Geistlicher und Gründer des weltweit agierenden Kolpingwerks. Er wurde 1991 von Papst Johannes Paul II. (Pontifikat 1978-2005) selig gesprochen.

Adolph Kolping wurde am 8.12.1813 im rheinischen Kerpen als viertes von fünf Kindern des Schäfers und Kleinbauern Peter Kolping und seiner Frau Anna Maria, geborene Zurheyden, geboren. Seine Kindheit und Jugend waren zwar auch durch Armut aber vor allem durch ein religiös geprägtes vorbildliches Familienleben bestimmt. Als kränkliches Kind besuchte Kolping die einklassige Volksschule und begann anschließend, 13-jährig, eine Schuhmacherlehre. Seit 1829 arbeitete er als Geselle, was mit traditionellen Wanderjahren begann. Auf diesen lernte er die soziale Not der Handwerksburschen kennen, die nicht zuletzt den zahlreichen politischen Umwälzungen der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts geschuldet war. Nebenher bildete sich der Autodidakt Kolping durch umfangreiche Lektüre im Selbststudium fort.

Trotz der Möglichkeit, in einen größeren Handwerksbetrieb einzuheiraten, entschloss sich Kolping zur schulischen Weiterbildung, um Priester werden zu können. 1837 bestand Kolping die Aufnahmeprüfung in die Tertia des berühmten wie ehrwürdigen Kölner Marzellen-Gymnasiums. Nachdem er 1841 das Abitur abgelegt hatte, studierte er in München, Bonn und Köln katholische Theologie und Philosophie. Zu seinen Lehrern zählten der antihermesianische Theologe Friedrich Windischmann (1811-1861), der Theologe Ignaz von Döllinger, der Publizist Joseph Görres und der Kirchenhistoriker Franz Xaver Dieringer. In Bonn vertrat Kolping, der großdeutschen und ultramontanen Ideen anhing, energisch die Partei der Antihermesianer. Der vorherrschende Hermesianismus an der Bonner Fakultät Lateinisch, bezeichnet fachlich nach den Hauptwissenschaften gegliederte Lehr- und Verwaltungseinheiten einer Hochschule. war ein wesentlicher Grund, warum er das Rheinland zum Studium zunächst Richtung München verließ.

Die Priesterweihe empfing er am 13.4.1845, einen Tag nach dem Tod seines Vaters in Köln. Im gleichen Jahr wurde er Kaplan und Religionslehrer in Elberfeld. Dort, in der durch Textilindustrie geprägten Stadt, heute ein Stadtteil von Wuppertal, wurde er mit der sozialen Not der Industriearbeiter konfrontiert. Dem vom Lehrer Johann Georg Breuer (1820-1897) am 30.8.1846 gegründeten „Katholischen Jünglingsverein" (später in „Katholischer Gesellenverein" umbenannt) diente Kolping ab 1847 als zweiter Präses (geistlicher Vorsitzender). Der Verein sollte der Proletarisierung der Elberfelder Industriearbeiter entgegenwirken und für eine bessere Bildung sorgen.

Schnell wurde Adolph Kolping die bestimmende Persönlichkeit des Vereins und formte ihn mit großem Einsatz und pädagogischer Begabung zu einem Vorbild für eine ganze Reihe weiterer solcher Einrichtungen. Als Kolping 1849 als Domvikar nach Köln berufen worden war, hatte der Verein, nicht zuletzt wegen Kolpings programmatischer Schrift „Der Gesellenverein" (1848/1849), eine große Ausbreitung gefunden. Hinzu kam eine intensive Publikationstätigkeit als Volksschriftsteller und Programmatiker des Vereins und seiner sozialen und kulturellen Ideen. Außerdem tat er sich als unermüdlicher und charismatischer Organisator der Gesellenvereine hervor.nach obenEine umfangreiche Reisetätigkeit diente ebenso der Entwicklung seines Vereins wie die vielfältige publizistische Arbeit. Die Einkünfte aus dem Schrifttum verwendete er zum Ausbau des Werkes. Schnell entstanden auch zahlreiche mehr oder weniger wichtige und bekannte Organe. Kolping redigierte das „Rheinische Kirchenblatt" mit den Beilagen „Vereinsorgan" und „Feierstunde" (1850-1854), die „Rheinischen Volksblätter für Haus, Familie und Handwerk" (ab 1854), 17 Jahrgänge von Kalendern: „Katholischer Volkskalender" (1850-1853) und den „Kalender für das katholische Volk" (1853-1866), den er fast vollständig selbst entwarf. Er veröffentlichte in den Zeitschriften auch eigene Artikel. Die „Rheinischen Volksblätter" wurden schnell zu einem der erfolgreichsten katholischen Presseorgane jener Zeit.

Kolping organisierte das Werk angelehnt an das Ideal der christlichen Familie. Seine soziale Herkunft, aber vor allem die Erfahrung eines erfüllten Familienlebens in seiner Jugend sind wohl die Hauptgründe für die an der Familie orientierte Organisation seines Sozialwerkes. Familienväter sollten durch das Werk zu einer aus christlicher Verantwortung erwachsenen Lebenseinstellung geführt werden.

Das „Kolpingwerk" war ein typischer kirchlicher Laienverein aus der Mitte des 19. Jahrhunderts unter geistlicher Führung und stand damit in einem gewissen Gegensatz zu den christlichen Gewerkschaften, wenn auch die meisten Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung, wie etwa Adam Stegerwald, ihr geistiges Rüstzeug bei Kolping erhielten. Die direkte Einflussnahme auf die Sozialpolitik war nur geringfügig, da es Kolping vor allem um eine Verbesserung der Lage hinsichtlich Bildung und Caritas ging und weniger um grundlegende politische Veränderungen wie bei Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877, Bischof und Sozialreformer), Franz Hitze (1851-1921, Theologe, Zentrumspolitiker und Sozialexperte) und Georg Friedrich Freiherr (seit 1914: Graf) von Hertling (1843-1919, Philosoph, Zentrumspolitiker, 1917-1918 Reichskanzler Bezeichnet (1) im alten  Deutschen Reich (bis 1806) den Reichserzkanzler (das Amt lag seit 965 beim Erzbischof von Mainz), (2) im Norddeutschen Bund 1867-1871 den vom Bundespräsidum, das der König von Preußen inne hatte,  bestimmten Bundeskanzler, (3) im Deutschen Reich 1871-1918 den Reichskanzler, den höchsten, vom Kaiser ernannten Regierungsbeamten und Vorsitzenden des Bundesrats, (3) 1919-1945 den deutschen Ministerpräsidenten, der (4) in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 wieder Bundeskanzler heißt. ). 1862 wurde Kolping in Anbetracht seiner Verdienste von Papst Pius IX. zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt. Im gleichen Jahr wurde er zudem RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. der Minoritenkirche in Köln.

Bei seinem Tode hinterließ Kolping ein gut organisiertes, europaweit agierendes Werk, das 1933 den Namen „Gesellenvereine" in „Kolpingfamilie" umänderte. 1865 gab es über 400 Gesellenvereine mit 25.000 Mitgliedern in Europa und Übersee, im Jahr 1879 zählten die Gesellenvereine bereits 70.000 Mitglieder. Schließlich entstand das Kolpingwerk, das heute weltweit in 30 Ländern vertreten ist und über 350.000 Mitglieder hat. Seit 1966 gehören auch Frauen dem Werk an. Das Kolpingwerk gehört zu den katholischen Arbeitnehmerverbänden und vertritt auch ihre Interessen. Weltweit engagiert sich das Werk besonders in der Entwicklungspolitik und -hilfe.

Adolph Kolping starb am 4.12.1865 in Köln und wurde dort auf eigenen Wunsch in der Minoritenkirche beigesetzt. Der Kirchenvorplatz wird durch eine 1903 errichtete große Kolpingstatue geschmückt. Der Gesellenvater wurde am 27.10.1991 von Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen.

 

Schriften

Adolph Kolping-Schriften - Kölner Ausgabe, 16 Bände, Köln 1981-2000.

Literatur

Kettern, Bernd, Artikel "Kolping, Adolph, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 4 (1992), Sp. 357-361.

Kracht, Hans-Joachim, Adolph Kolping, Priester, Pädagoge, Publizist. Im Dienst christlicher Sozialreform. Leben und Werk aus den Quellen dargestellt, Freiburg i.Br. 1993.

Lüttgen, Franz, Adolph Kolpings soziale Bedeutung, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 210 (2007), S. 165-179.

Lüttgen, Franz, Johann Gregor Breuer und Adolph Kolping. Studien zur Frühgeschichte des Katholischen Gesellenvereins, Paderborn 1997.

Feldmann, Christian, Adolph Kolping. Für ein soziales Christentum, Freiburg i.Br. 1991. 

Online

Reusch, Heinrich, "Kolping, Adolf", in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 475-477.

 

14.1.2014

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Helmut Rönz (Bonn) 
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Adolph Kolping, Porträtfoto.