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Pasqualini (Familie), Architektenfamilie

Mitglieder der Familie Pasqualini standen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 17. Jahrhunderts in drei Generationen als Architekten und Festungsbaumeister im Dienst der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg. Sie vertraten den für die RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte. neuartigen Typus des zunftunabhängigen, überwiegend in fürstlichen Diensten stehenden Architekten. Dadurch waren sie eher für die jeweilige Planung der Schlösser und Festungen verantwortlich als für die Details der praktischen Bauausführung. Durch dieses Berufsbild und ihre weit reichenden Kenntnisse waren die Pasqualinis nicht nur im Rheinland begehrte Architekten, die zahlreiche Projekte gleichzeitig verfolgen konnten.

Der Begründer der Baumeisterdynastie, Alessandro Pasqualini, wurde am 5.5.1493 in Bologna geboren. Über seinen Werdegang in Italien bis 1530 liegen bisher keine Quellen vor. Danach ist er in den Niederlanden im Dienst der Familie van Egmond, der Grafen von Buren, als Architekt und Festungsbaukundiger nachweisbar. Seine Bauten in IJsselstein und später in Jülich lassen Beziehungen zur Römischen Hochrenaissance vermuten. Zudem stehen seine Entwürfe teilweise in stilistischer Nähe zu Sebastiano Serlio (1472-1554), so dass direkte Kontakte, die Kenntnis der frühen Traktate Serlios oder ein vergleichbarer Lebensweg denkbar sind. Pasqualini gehörte zu den italienischen Künstlern, die das Formengut der italienischen RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte. und die Technik des bastionierten Festungssystems in die Niederlande und das Rheinland einführten.

Der Einsatz von Feuerwaffen im europäischen Kriegswesen seit dem späten Mittelalter veränderte als Teil einer tief greifenden militärtechnischen Revolution der Zeit um 1500 die Befestigungstechnik grundlegend. Die schmalen und hohen Mauern der Burgen und Stadtbefestigungen konnten den mit Schwarzpulver betriebenen Geschützen nicht länger standhalten. Ausgehend von den ersten Verstärkungen mit Erdwällen und runden Bollwerken, den Rondellen, entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts das so genannte Bastionärsystem. Eine Bastion Auch Bastei, Bezeichnung eines der Hauptfestung vorgelagerten, in die Umwallung hineinreichenden Verteidigungswerkes mit zumeist fünfeckigem Grundriss. ist ein fünfeckiges Verteidigungswerk, dessen Grundriss einer Pfeilspitze ähnelt. Es diente zur Aufstellung von Geschützen, mit denen ein anrückender Feind von mehreren Seiten beschossen werden konnte. Im Bereich der Flanken einer Bastion bildete man Kanonenhöfe aus. Zu diesem Zweck wurde die Flanke zurückgezogen, so dass die Kanonenstellung durch das Bastionsohr vor dem Angreifer geschützt war.

Die Entwicklung des bastionierten Festungsbaus nahm ihren Ausgang in Italien. Das Neuartige der für Angriff und Verteidigung mittels Artillerie eingerichteten Festungen war ihr polygonaler Grundriss, der so angelegt war, dass tote Winkel weitgehend vermieden wurden. So konnte das gesamte Vorfeld der Festung bestrichen, also mit Geschützen unter Beschuss genommen werden. Die mächtigen Wälle der Festungen, die aus Erde und Natursteinen oder Feldbrandziegeln errichtet wurden, boten dem Angreifer wenig Angriffsfläche, da sie meist in tiefen und breiten Gräben standen. Das Gelände um die Festung herum, das Glacis, wurde so gestaltet, dass es dem Angreifer keine Möglichkeit zur Deckung bot.

Im Auftrag von Floris und Maximilian van Egmond entwarf Alessandro Pasqualini den Kirchturm der heutigen reformierten Kirche in IJsselstein (um 1535) und übernahm die Bauleitung von Schloss Buren (1536-1548), dem Stammsitz der Familie van Egmond. Pasqualini selbst scheint zeitweilig seinen Wohnsitz in Antwerpen genommen zu haben und dort auch als Goldschmied tätig gewesen zu sein. Seit dem Ende der 1530er Jahre standen seine festungsbaukundlichen Kenntnisse im Vordergrund seiner Entwurfstätigkeit. Zahlreiche Verbesserungen und Modernisierungen bestehender Anlagen gehen auf ihn zurück. So war er für den Fürstbischof von Lüttich (Bouillon, Dinant, Lüttich, Tirlemont) und für einzelne Städte (Amsterdam, Diest, Grave, ‘s-Hertogenbosch, Kampen, Leerdam, Middelburg) tätig. Engen persönlichen Kontakt pflegte er zum Grafen von Arenberg, Johann de Ligne.nach oben

Nachdem Pasqualini 1547 für Wilhelm V., Herzog von Jülich-Kleve-Berg, in Jülich beratend tätig gewesen war, wurde er am 15.4.1549 offiziell zum Baumeister von Stadt und Festung Jülich bestallt. Die Stadt sollte nach dem verheerenden Stadtbrand von 1547 zu einer modernen Residenzstadt ausgebaut werden. Den architektonischen Höhepunkt der am Reissbrett geplanten Anlage bildete – neben einer fünfeckigen Stadtbefestigung und einer einheitlichen innerstädtischen Bebauung – das neue Residenzschloss in einer eigenen vierbastionären Festung („palazzo in fortezza"). Entwurf und Erhaltungszustand der Zitadelle Jülich sind für Nordeuropa nahezu einzigartig. Unter der Bauleitung Pasqualinis wurde zudem das Schloss in Düsseldorf, die spätere Hauptresidenz Wilhelms V., weit reichend ausgebaut. Ohne seine Tätigkeit jeweils genau eingrenzen zu können, ist er auch in Benrath, Bensberg, Hambach, Heinsberg, Kaster und Kleve nachweisbar.

1552 hatte der Rat der Stadt Köln bei Herzog Wilhelm V. um die Freistellung Pasqualinis gebeten. Dem Begehren wurde am 7.5.1552 stattgegeben. Der Architekt erschien daraufhin am 11. Mai in Köln. Bereits fünf Tage später legte er dem Rat „... etliche patronen van der befestigung d(er) statt ..." vor. Von den Vorschlägen Pasqualinis wurde lediglich die später so genannte „Bott" realisiert. Hierbei handelte es sich um eine halbrunde Geschützplattform als Erdaufschüttung, die an der Innenseite gegen die mittelalterliche Stadtmauer zwischen Bayenturm und Severinstor gelegt wurde. An der Realisierung dieses Entwurfes wurde noch 1554 gearbeitet. Zu dieser Zeit ergaben sich Probleme bei der Bauausführung, so dass der Rat Pasqualini um einen erneuten Beratungsbesuch bat. Dieser sagte sein Kommen jedoch schriftlich ab, worauf man Abgesandte zur Klärung offener Fragen nach Jülich schickte.

1556 übernahm Pasqualini als seine letzte Aufgabe die Modernisierung der Festung Sparrenburg oberhalb der Stadt Bielefeld (Grafschaft Ravensberg). Hier verstarb er 1559. Zu den wenigen überlieferten persönlichen Dokumenten Pasqualinis zählen sein Monogramm auf drei Plänen und zwei Abdrücke seines Briefsiegels, wofür er eine renaissancezeitliche Gemme Lateinisch, besonders in der Antike beliebter geschnittener Schmuckstein mit vertiefter (Intaglio) oder erhabener Darstellung (Kamee). (Schmuckstein) mit der Darstellung des antiken Physikers Mercurius Trismegistus verwendete.

Alessandro Pasqualinis Söhne und Enkel standen ebenfalls im Dienst des jülich-klevischen Hofs. Schon kurz vor dem Tod des Vaters war sein ältester Sohn Maximilian (1534-1572) in die Funktionen des Landesbaumeisters aufgerückt. Ihm zur Seite stand dessen jüngerer Bruder Johann (ca. 1535-1582), der sich zeitweilig die Arbeit mit seinem Bruder teilte. Maximilian, der wahrscheinlich eine Studienreise nach Italien gemacht hatte, ist als jülich-klevischer Landesbaumeister in Bensberg, Brüggen, Düsseldorf, Grevenbroich, Hambach, Heinsberg, Jülich, Kleve, Monschau, Münstereifel, Sinzig und Sittard nachweisbar. Ihm wird der Ausbau von Schloss und Festung Rheydt für Otto von Bylandt zugeschrieben. In beschränktem Maße war er auch außerhalb der Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg tätig. So lieferte er 1564 und 1568 Entwürfe für die Festung Ehrenbreitstein (Koblenz) im Auftrag des Trierer Kurfürsten.

Johann Pasqualini der Ältere war überwiegend im Herzogtum Kleve tätig. Seit 1565 leitete er den Ausbau der damals zum Herzogtum gehörigen Stadt Orsoy (heute Stadt Rheinberg) zur fünfbastionären Landesfestung. Hier fand er seinen Lebensmittelpunkt, heiratete und kaufte ein Haus. Von Orsoy aus betreute Johann der Ältere 1568 den Bau der Flesgentorbastion in Wesel. Auch außerhalb des Rheinlands war er als Festungsbauspezialist sehr gefragt. Wiederholt stand er im Dienst der Herzöge von Württemberg, Brandenburg-Ansbach und Braunschweig-Lüneburg.

Die Söhne Maximilians, Johann der Jüngere (1562-1612) und Alexander (1567-1623) bildeten die dritte Baumeistergeneration. Johann der Jüngere fungierte 1604 und 1605 als Berater für die Stadt Köln. Er lieferte auch die Pläne für den 1592 begonnenen Ausbau der bergischen Stadt Mülheim am Rhein, den die Stadt Köln erfolgreich stoppen konnte. Er leitete auch die kurzzeitige Wiederaufnahme der Arbeiten im Jahr 1612, die ebenfalls wieder auf Druck Kölns eingestellt werden mussten. Sein Bruder Alexander stand zeitweilig sogar in kaiserlichen Diensten und begutachtete habsburgische Grenzfestungen gegen die Osmanen (Türken). 1608 wurde er zum Generalbaumeister für das Herzogtum Kleve und gleichzeitig zum Schlüter (Schatzverwalter) von Uedem ernannt. Noch vier Generationen der Nachfahren Johanns des Jüngeren lebten als niedere Adelige im deutsch-niederländischen Grenzbereich, ehe mit Anna Judit Elisabeth (1716-1761) die Linie erlosch.

 nach obenLiteratur

Bers, Günter / Doose, Conrad (Hg.), Der italienische Architekt Alessandro Pasqualini (1493-1559) und die RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte. am Niederrhein. Kenntnisstand und Forschungsperspektiven. Tagungshandbuch zum I. Jülicher Pasqualini-Symposium 1993, Jülich 1994.

Bers, Günter / Doose, Conrad  (Hg.), „Italienische" Renaissancebaukunst an Schelde, Maas und Niederrhein. Stadtanlagen, Zivilbauten, Wehranlagen. Tagungshandbuch zum II. Jülicher Pasqualini-Symposium 1998, Jülich 1999,

Büren, Guido von, Schlösser und Bastionen – Importierte RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte.. Alessandro Pasqualini (1493-1559), Architekt und Festungsbaukundiger in Nord-Westeuropa. Stand der Forschung, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 34 (1995), S. 57-79,

Mierlo, Theo van, Alexander Pasqualini (1493-1559), architect en vestingbouwkundige, in: Bulletin van de Koninklijke Nederlandse Oudheidkundige Bond 90 (1991), S. 157-174.

 

 Online

Büren, Guido von, „Pasqualini, Architekten und Ingenieure", in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 85-88.

Juliacum virtuell bis Jülich": Gemeinschaftsproduktion der Fachhochschule Köln, des Forschungszentrums Jülich, des Fördervereins „Festung Zitadelle Jülich e.V." und der Stadt Jülich.

 

13.3.2013

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Guido von Büren (Jülich) 
 

       
 

       
 
 Maximilian Paqualini (?) (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 166KB)

Darstellung eines Architekten, vermutlich Maximilian Pasqualini, auf der östlichen Abschlusswange der Jülicher Seite des Chorgestühls der Dürener St. Anna-Kirche, 1562/1563. (Rheinisches Bildarchiv, Negativ-Nummer 53571)

  

    

 Monogramm Alessandro Pasqualinis (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 125KB)

Monogramm Alessandro Pasqualinis auf seinem Plan für die Stadt Kampen, 1543, Original im Gemeentearchief Kampen. (Bildarchiv Museum Zitadelle Jülich)