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Hermann von Wied (1477-1552), Erzbischof und Kurfürst von Köln

Hermann V. Graf von Wied war ab 1515 Erzbischof von Köln und ab 1532 auch Bischof von Paderborn. 1546 wurde er von seinen geistlichen und weltlichen Ämtern entbunden, weil er sich dem katholischen Glauben sichtlich entfremdet hatte. Wegen seines vergeblichen Versuchs, im Erzbistum Köln die Reformation in eingeschränkter Form einzuführen, zählt er bis heute zu den herausragenden, gleichwohl umstrittensten Figuren der rheinischen Kirchengeschichte.

Hermann von Wied kam am 14.1.1477 auf Burg Wied (später Burg „Altenwied" genannt) zur Welt. Als vierter oder fünfter nachgeborener Sohn seiner im Westerwald beheimateten gräflichen Familie war für ihn schon als Kind eine geistliche Karriere vorbestimmt. Schon mit sechs Jahren erhielt er ein Kanonikat am Kölner Domkapitel, das von seinen weltlichen Mitgliedern hochadlige Abstammung verlangte. Ab 1493 war Hermann pro forma an der Universität Köln immatrikuliert, um den weiteren Aufnahmebedingungen des Domkapitels zu genügen. Eine höhere Bildung hat er nie genossen, was allerdings mit den Standesvorstellungen des Adels zu seiner Zeit nicht vereinbar gewesen wäre. 1515 wählte ihn das Domkapitel zum Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Philipp II. von Daun-Oberstein (Episkopat 1508-1515). Durch die Bestätigung durch Kaiser Maximilian I. von Habsburg (Regierungszeit 1508-1519) wurde Hermann von Wied auch Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. und stieg somit in den Kreis der vornehmsten Reichsfürsten auf. Am 23.10.1520 war er es, der den 1519 neu gewählten Kaiser Karl V. (Regierungszeit 1519-1556) in Aachen krönte.

In den ersten zwei Jahrzehnten seiner bischöflichen Dienstzeit (Episkopat) erwies sich Hermann als folgsamer, dabei eher unauffälliger Anhänger der Katholischen Kirche. 1520 ließ er in Köln gleichwohl die Schriften Martin Luthers (1483-1546) verbrennen, und 1529 ist ihm ein maßgeblicher Anteil bei der Hinrichtung der evangelischen Prädikanten Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden als Ketzer zuzuschreiben. Weitere, von religiösem Eifer zeugende Maßnahmen Hermanns sind kaum überliefert. Allerdings war das von ihm (im Gegensatz zum Bistum) unmittelbar regierte Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr. Köln nur oberflächlich mit protestantischen Einflüssen konfrontiert worden.

Im gehobenen Alter war es Hermann von Wied selbst, der eine bis heute nicht schlüssig geklärte Motivation entwickelte, in seinen Landen evangelisches Gedankengut zu verbreiten. Wohl durch einen religiösen Impuls veranlasst und gestützt auf einen Kreis reformwilliger Berater um den Theologen und Kölner Kanoniker Johannes Gropper, hatte Hermann zunächst Reformen im katholischen Sinn angestrebt, insbesondere in der allgemein vernachlässigten Seelsorge. Er scheiterte hiermit jedoch letztlich an Kompetenzstreitigkeiten im unterentwickelten Verwaltungsapparat seines Territoriums. Unter dem Eindruck dieser Enttäuschung kam Hermann offenbar in Kontakt zu gemäßigten Vertretern des Protestantismus. Sie blieben bei dem theologisch wenig gebildeten, jedoch von einem hohen bischöflichen Pflichtbewusstsein geprägten Hermann nicht ohne Wirkung.nach obenAuf Hermanns Entscheidung hin predigten 1543 Philipp Melanchthon (1497-1560) und Martin Bucer und in der Folgezeit auch weitere, weniger prominente evangelische Theologen in Bonn und anderswo im Kölner Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr. . Linz am Rhein, daneben Bonn, Andernach, Kempen wurden Zentren einer reformatorischen Entwicklung im Rheinland, die auch bei Teilen der örtlichen Bevölkerung und ihren Obrigkeiten (Stadträte, Amtleute) Anklang und Unterstützung fand.

Aus ihrer Sicht gewiss nicht zu Unrecht, erkannte die katholische Gegenseite im Reformationsversuch Hermanns von Wied eine große Gefahr, weil das Umschwenken eines der Kurfürsten zum Protestantismus auf regionaler wie auf Reichsebene nicht ohne schwer wiegende konfessionelle Veränderungen bleiben konnte. Doch selbst ein persönliches Einlenken Kaiser Karls V. bei Hermann konnte diesen nicht zum Einlenken bewegen.

Der darauf folgenden Exkommunikation und Amtsenthebung durch Papst beziehungsweise Kaiser hatte Hermann nichts entgegenzusetzen. Denn auch die protestantische Fraktion im Reich unterließ es, sich für ihn stark zu machen, zumal er sich nicht als ihr Parteigänger zeigte: Hermann hatte versucht, evangelisches Gedankengut in die überkommene katholische Kirchenverfassung einfließen zu lassen, also auch das Amt des Bischofs in unveränderter Form beizubehalten. Das in seinem Namen publizierte, von Bucer und Melanchthon verfasste „Einfältige Bedenken", die Vorform einer Kirchenordnung, zeugt von diesem ebenso wagemutigen wie unkonventionellen Unterfangen. Diesem war unter den herrschenden macht- und konfessionspolitischen Voraussetzungen keine Zukunft beschieden.

Bis zur Rekatholisierung des Kurfürstentums Köln unter Erzbischof Ferdinand von Bayern sollten zwar noch Jahrzehnte vergehen. Dennoch waren die konkreten Folgen des Reformationsversuchs gering. Immerhin hatte es sich gezeigt, dass auch im gemeinhin für unerschütterlich katholisch geltenden Rheinland durchaus Neigung und Veranlassung zur Aufnahme der Reformation bestand.

Hermann hatte sich 1547 auf Burg Wied zurückgezogen. Dort starb er am 15.8.1552. Beigesetzt wurde er in der gräflichen Familiengruft in der evangelischen Pfarrkirche in Niederbieber im heutigen Neuwied.

Quellen

Martin Bucer, Schriften zur Kölner Reformation, Band 1, bearb. von Christoph Strohm und Thomas Wilhelmi, Band 2-3 bearb. von Thomas Wilhelmi, Gütersloh 1999-2006.

Literatur

Bautz, Friedrich Wilhelm, Artikel „Hermann von Wied", in : Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 2 (1990), Spalten 756-759.

Laux, Stephan, Reformationsversuche in Kurköln (1542-1548). Fallstudien zu einer Strukturgeschichte landstädtischer Reformationsgeschichte (Neuss, Kempen, Andernach, Linz), Münster i.W. 2000.

Molitor, Hansgeorg, Hermann V. von Wied als Reichsfürst und Reformer, in: Christine Roll (Hg.), Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift für Horst Rabe, Frankfurt a. M. 1997, S. 295-308.

Sommer, Rainer, Hermann von Wied. Erzbischof und Kurfürst von Köln, Teil 1: 1477-1539, Köln 2000. 

17.3.2014
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Stephan Laux (Düsseldorf) 
 

       
 

       
 
   Herrmann von Wied (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 264KB)

Hermann von Wied, Ausschnitt aus einem Ölgemälde, um 1540, Kopie von Franz Halm, 1909, Original im Kölnischen Stadtmuseum.