Am Anfang der Positionen und Begriffe: Carl Schmitt in Bonn

René Schulz (Bonn)

Porträtfoto Carl Schmitts aus den 1920er Jahren. (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

1. Einleitung

Für die ei­nen war er der „Kron­ju­rist des III. Rei­ches“[1] und ein „Zu­häl­ter der Ge­wal­t“[2], für die an­de­ren ein mo­der­ner „Klas­si­ker des po­li­ti­schen Den­ken­s“[3]. Le­ben und Werk des Staats- und Völ­ker­recht­lers Carl Schmitt (1888-1985) po­la­ri­sie­ren bis heu­te und ein En­de ist nicht ab­zu­se­hen. Sei­ne Be­ra­ter­rol­le bei der De­mon­ta­ge der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie im Prä­si­di­al­sys­tem der spä­ten Wei­ma­rer Re­pu­blik, sein na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sches En­ga­ge­ment, der Il­li­be­ra­lis­mus sei­ner Wer­ke und der tief sit­zen­de an­ti­se­mi­ti­sche Af­fekt lie­gen dank der nicht mehr zu über­schau­en­den For­schung und der Edi­ti­on zahl­rei­cher Schmitt­scher Selbst­zeug­nis­se in er­schre­cken­der Wei­se of­fen zu Ta­ge. Und doch darf der aus dem klei­nen west­fä­li­schen Plet­ten­berg stam­men­de Ju­rist heu­te als ei­ner der meist­ge­le­se­nen und ein­fluss­reichs­ten po­li­ti­schen Den­ker des letz­ten Jahr­hun­derts gel­ten.

In Fas­zi­na­ti­on und Ab­scheu lie­gen Fo­kus und Flucht­punkt der Be­schäf­ti­gung mit Carl Schmitt all­zu oft auf dem „tra­hi­son de cler­c“ (Ju­li­en Ben­da), dem Ver­rat des In­tel­lek­tu­el­len an den Schlüs­sel­wer­ten sei­ner geis­ti­gen Exis­tenz zu­guns­ten ei­ner men­schen­ver­ach­ten­den Dik­ta­tur und ih­rem Wahn, von dem sich Schmitt nie mehr er­hol­te.[4] Sein En­ga­ge­ment für den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war ge­nau­so wie sei­ne Ent­täu­schung über die­sen ge­wiss kein Zu­fall, vor die­sem viel viel­be­ach­te­ten Fall des Staats­leh­rers, im dop­pel­ten Wort­sin­ne, lag je­doch der über­schat­te­te Auf­stieg ei­nes jun­gen Rechts­ge­lehr­ten: Der Be­ginn der 1920er Jah­re brach­te dem Do­zen­ten der exis­tenz­ge­fähr­de­ten Münch­ner Han­dels­hoch­schu­le den ers­ten Ruf auf ei­nen Lehr­stuhl in Greifs­wald (1921/1922) und nur kur­ze Zeit spä­ter den Wech­sel an ei­ne der re­nom­mier­tes­ten Uni­ver­si­tä­ten der noch jun­gen Re­pu­blik nach Bonn.

Trotz ei­nes grund­le­gen­den Früh­werks, in dem er das po­si­ti­vis­ti­sche Rechts­ver­ständ­nis ver­warf, In­di­vi­dua­lis­mus und Men­ta­li­tät des deut­schen Bür­ger­tums als „Po­li­ti­sche Ro­man­ti­k“ (1919) kri­ti­sier­te und „Die Dik­ta­tur“ (1921) in Rechts- wie Geis­tes­ge­schich­te aus­leuch­te­te, wird Schmitt erst im Rhein­land, wie es sein Bio­graph Rein­hard Meh­ring her­vor­ge­ho­ben hat, „als Ju­rist mit sei­nen Über­zeu­gun­gen greif­bar.“ Erst am Rhein „wird er der po­li­ti­sche Au­tor, als den man ihn heu­te kennt.“[5] Si­cher­lich wur­de sei­ne Po­si­tio­nie­rung durch ei­nen Lehr­stuhl an ei­ner gro­ßen und be­deu­ten­den Uni­ver­si­tät wie Bonn er­leich­tert, doch es war - wie oft­mals hin­ge­wie­sen - die dra­ma­ti­sche Kri­sen­la­ge der um ih­re Exis­tenz rin­gen­den Wei­ma­rer Re­pu­blik so­wie die Si­tua­ti­on des Rhein­lan­des nach dem ver­lo­re­nen Welt­krieg, die den jun­gen Bon­ner Pro­fes­sor zu sei­nen ers­ten In­ter­ven­tio­nen mo­ti­vier­te.[6] Wie po­si­tio­nier­te sich der auf­stre­ben­de Staats­leh­rer in sei­ner Zunft und wel­che Bon­ner oder auch all­ge­mein rhei­ni­schen Be­zü­ge sei­nes Wer­kes sind er­kenn­bar? Die­se durch­aus am­bi­va­len­te Be­zie­hungs­ge­schich­te soll im Fol­gen­den skiz­ziert wer­den.

2. Der Wechsel nach Bonn: Eine Juristische Fakultät zwischen Kontinuität und Wandel

Schmitts Wech­sel aus sei­nem nur ein­se­mest­ri­gen „Greifs­wal­der In­ter­mez­zo“[7] nach Bonn voll­zog sich äu­ßerst rasch: Mit Er­lass des preu­ßi­schen Kul­tus­mi­nis­ters vom 25.3.1922 wur­de er an die rhei­ni­sche Al­ma Ma­ter ver­setzt. Die Ju­ris­ti­sche Fa­kul­tät er­fuhr erst am 30. März von sei­nem Amts­an­tritt zum 1. April.[8] Schon früh war Schmitts Na­me für den frei­wer­den­den Lehr­stuhl des nach Ber­lin wech­seln­den Staats- und Kir­chen­recht­lers Ru­dolf Smend (1882-1975) im Ge­spräch ge­we­sen und es ist Smend so­wie sei­nem Kol­le­gen, dem Völ­ker­recht­ler Erich Kauf­mann (1880-1972) zu ver­dan­ken, dass sich Schmitt trotz Be­den­ken der Fa­kul­tät ge­gen die an­de­ren in Be­tracht kom­men­den Ge­lehr­ten durch­set­zen konn­te.[9] Der Wech­sel stell­te ei­nen er­heb­li­chen Kar­rie­re­sprung für Schmitt dar: Von der kleins­ten preu­ßi­schen Uni­ver­si­tät wech­sel­te er zur zweit­grö­ß­ten, die sich im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts zur zwei­ten preu­ßi­schen End­sta­ti­ons­uni­ver­si­tät für Pro­fes­so­ren­lauf­bah­nen nach Ber­lin ent­wi­ckelt hat­te.[10]

Die als Boll­werk des pro­tes­tan­ti­schen Preu­ßens im ka­tho­li­schen Rhein­land ge­grün­de­te Uni­ver­si­tät Bonn hat­te je­doch in Fol­ge der Nie­der­la­ge und der Re­vo­lu­ti­on von 1918 er­heb­lich an Glanz ein­ge­bü­ßt. Die Glo­rio­le der eins­ti­gen Prin­zen­uni­ver­si­tät war mit dem Um­bruch zur Re­pu­blik ver­blasst. Mit der Grün­dung der Uni­ver­si­tät Köln war ihr zu­dem 1919 in di­rek­ter Nach­bar­schaft Kon­kur­renz er­wach­sen. Schlim­mer als all das wirk­te nur noch die al­li­ier­te Be­sat­zung des Rhein­lan­des – in Bonn zu­erst durch bri­ti­sche, ab 1920 durch fran­zö­si­sche Trup­pen. Die­se Ein­bu­ßen hat­te auch der Ju­rist und Rek­tor Ernst Zi­tel­mann (1852-1923) im Blick, als er zur be­schei­de­nen Hun­dert­jahr­fei­er der Uni­ver­si­tät am 3.8.1919 das ver­lo­re­ne „Gut der Frei­heit“ be­schwor, der Ge­fal­le­nen ge­dach­te und in Dank­bar­keit an die en­ge Ver­bun­den­heit mit der ver­schwun­de­nen Ho­hen­zol­lern­mon­ar­chie er­in­ner­te.[11]

Zi­tel­mann selbst ge­hör­te ne­ben Ernst Lands­berg (1860-1927), Karl Berg­bohm (1849-1927), Carl Cro­me (1859-1931), Hein­rich Göp­pert (1867-1937), Kauf­mann und Smend zu den her­aus­ra­gen­den und prä­gen­den Köp­fen der Bon­ner Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät. Ih­re Aus­stat­tung nahm sich zu Schmitts Zei­ten al­ler­dings be­schei­den aus: Das Ju­ris­ti­sche Se­mi­nar be­leg­te das Erd­ge­schoss des kur­fürst­li­chen Re­si­denz­schlos­ses in der Fran­zis­ka­ner­stra­ße 13 am Stock­en­tor, wo es le­dig­lich über ein all­ge­mei­nes Do­zen­ten­zim­mer und nur ei­ni­ge we­ni­ge As­sis­ten­ten und Hilfs­kräf­te ver­füg­te.[12] Be­trach­tet man die per­so­nel­le Zu­sam­men­set­zung der Fa­kul­tät zu Be­ginn der 1920er Jah­re, do­mi­nier­te noch ein Lehr­kör­per, der – zum we­sent­li­chen Teil vor 1900 er­nannt – sei­ne grö­ß­ten Leis­tun­gen im wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reich ge­fei­ert hat­te. Schmitt kam in ei­nen ein­set­zen­den Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel hin­ein nach Bonn, denn bis zum En­de des Jahr­zehnts er­neu­er­te sich die Fa­kul­tät mit ei­ner jün­ge­ren Ju­ris­ten­ge­ne­ra­ti­on, die sich zu neu­en Ufern auf­ma­chen soll­te, grund­le­gend.[13] 

Die Ju­ris­ti­sche Fa­kul­tät konn­te bei al­lem Wan­del auf ei­ne lan­ge und gro­ße Tra­di­ti­on zu­rück­bli­cken, in der das Rö­mi­sche Recht ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein­nahm. Der 1919 eme­ri­tier­te Paul Krü­ger wirk­te zu­sam­men mit Theo­dor Momm­sen (1817-1903) an der Edi­ti­on des Cor­pus Iuris ci­vi­lis. Ne­ben ihm mehr­te vor al­lem Ernst Lands­berg, von Hau­se aus Ro­ma­nist und der ers­te Pri­vat­do­zent jü­di­schen Glau­bens an der Fa­kul­tät[14], in der Nach­fol­ge sei­nes aka­de­mi­schen Leh­rer­s Ro­de­rich von Stint­zing Ruhm und Be­deu­tung der Rechts­ge­schich­te in Bonn. Nach der Er­rich­tung des kir­chen­recht­li­chen In­sti­tuts durch Ul­rich Stutz im Jah­re 1904 und sei­ner Grund­la­gen­ar­beit fand eben­so die his­to­ri­sche Ka­no­nis­tik ste­te Be­rück­sich­ti­gung durch die nach­fol­gen­den Bon­ner Rechts­his­to­ri­ker. Als in­tel­lek­tu­el­les Haupt der al­ten Fa­kul­tät galt der stär­ker auf das an­ge­wand­te Recht aus­ge­rich­te­te Ernst Zi­tel­mann, wel­cher mit dem aus­ge­wie­se­nen Ken­ner des Code ci­vil, Carl Cro­me, in ei­nem Rangstreit um Be­deu­tung und Pres­ti­ge stand.[15]

Die Fa­kul­tät wand­te sich al­ler­dings auch neu­en Rechts­ge­bie­ten zu. Lands­berg, als En­kel der Ban­kiers­fa­mi­lie Bam­ber­ger und Schwa­ger des rhei­ni­schen Gro­ß­in­dus­tri­el­len Paul Sil­ver­berg eng mit der Wirt­schafts­welt ver­bun­den, er­mög­lich­te zu­sam­men mit dem Vor­stands­vor­sit­zen­den von Bay­er Le­ver­ku­sen und Prä­si­den­ten der 1917 ins Le­ben ge­ru­fe­nen Ge­sell­schaft der Freun­de und För­de­rer der Uni­ver­si­tät Bonn (Geff­rub), Carl Duis­berg die Ein­rich­tung ei­nes Lehr­stuhls für Han­dels- und In­dus­trie­recht, den 1919 der Un­ter­staats­se­kre­tär im Preu­ßi­schen Be­wirt­schaf­tungs­amt, Hein­rich Göp­pert ein­nahm.[16] Göp­pert ver­half mit grund­le­gen­den Ar­bei­ten über das Ver­hält­nis von Staat und Wirt­schaft dem neu ge­grün­de­ten In­dus­trie­recht­li­chen Se­mi­nar zu gro­ßer An­er­ken­nung und wirk­te über be­deu­ten­de Schü­ler fort, zu de­nen auch Ernst Ru­dolf Hu­ber zähl­te, der 1926 bei Schmitt pro­mo­vie­ren soll­te.[17]

Mit dem Ers­ten Welt­krieg, dem Un­ter­gang des al­ten eu­ro­päi­schen Mäch­te­sys­tems west­fä­li­scher Prä­gung und der Eta­blie­rung ei­ner li­be­ra­len Nach­kriegs­ord­nung, die das Selbst­be­stim­mungs­recht der Völ­ker pro­kla­mier­te und vom ius ad bel­lum ab­rück­te, voll­zog sich zu­gleich der Über­gang vom so­ge­nann­ten klas­si­schen zum mo­der­nen Straf- und Völ­ker­recht. Dies spie­gel­te sich auch im Wir­ken der Bon­ner Ju­ris­ten wi­der. Im Völ­ker­recht wies Karl Berg­bohm mit sei­ner Leh­re vom letzt­lich nur auf Staats­wil­len und Staats­au­to­no­mie grün­den­den in­ter­na­tio­na­len Recht noch lan­ge weit ins 19. Jahr­hun­dert zu­rück.[18] Nach­dem Fa­kul­tät und Ber­li­ner Kul­tus­mi­nis­te­ri­um er­folg­los ver­sucht hat­ten, Max We­ber (1864-1920) auf ei­nen für ihn ma­ß­ge­schnei­der­ten Bon­ner Lehr­stuhl für Staats­leh­re und Po­li­tik zu ho­len, wur­de 1920 mit Erich Kauf­mann ein Völ­ker­rechts­leh­rer be­ru­fen, der das in­ter­na­tio­na­le öf­fent­li­che Recht nicht mehr län­ger als blo­ße Sub­ord­i­na­ti­ons­ord­nung, son­dern viel­mehr als kom­ple­xe Ko­or­di­nie­rungs­ord­nung ver­stand.[19] 

Al­ler­dings war Kauf­mann als Be­ra­ter des Aus­wär­ti­gen Am­tes (AA) für die vom Ver­sailler Ver­trag ge­schaf­fe­nen Rechts­pro­ble­me Deutsch­lands in Be­zug auf Ost­eu­ro­pa und Min­der­hei­ten­fra­gen seit 1922 fast stän­dig be­ur­laubt, was ei­ne er­heb­li­che Be­las­tung der eh schon per­so­nel­len Fluk­tua­tio­nen un­ter­wor­fe­nen Fa­kul­tät dar­stell­te.[20] Schmitt lehr­te da­her nur vom Win­ter­se­mes­ter 1924/1925 bis zum Som­mer­se­mes­ter 1926 ne­ben Kauf­mann, wäh­rend an­de­re Bon­ner Grö­ßen wie Lands­berg oder Göp­pert durch­gän­gig in der Leh­re tä­tig wa­ren.[21] Ge­mein­sam mit Kauf­mann, ge­gen den er wohl nicht zu­letzt auf­grund der stän­di­gen Be­ur­lau­bun­gen lang­sam Aver­sio­nen ent­wi­ckel­te, über­nahm Schmitt 1923 die Lei­tung des durch Zu­sam­men­le­gung be­ste­hen­der Se­mi­na­re neu ent­stan­de­nen In­sti­tuts für in­ter­na­tio­na­les Recht und Po­li­tik.[22] 

Ab Mai 1922 be­gann er Staats­recht, Ver­wal­tungs- und Völ­ker­recht so­wie Po­li­tik und po­li­ti­sche Ide­en­ge­schich­te zu le­sen. Auch wenn sei­ne An­kün­di­gun­gen im Vor­le­sungs­ver­zeich­nis sehr all­ge­mein ge­hal­ten wa­ren und ein Stan­dard­re­per­toire ge­hal­ten wer­den muss­te, las­sen sich doch ein paar Auf­fäl­lig­kei­ten fest­hal­ten: 1923/1924 als auch 1926/1927 über­nahm Schmitt in Ver­tre­tung für Kauf­mann mit dem Völ­ker­recht ein Fach­ge­biet, auf dem er bis da­hin kaum in Er­schei­nung ge­tre­ten ist. Be­mer­kens­wert ist eben­falls die gro­ße Zahl an Ver­an­stal­tun­gen zur Ide­en­ge­schich­te und Staats­theo­rie, die ne­ben der Lehr­stuhl- und Se­mi­nar­aus­rich­tung auch sei­nem ei­ge­nen geis­tes­ge­schicht­li­chen Ar­beits­an­satz ge­schul­det sein dürf­te.[23] 

Ne­ben dem ein­set­zen­den Vor­le­sungs­be­trieb mach­te sich der neue Pro­fes­sor in sei­nem ers­ten Bon­ner Se­mes­ter mit dem Lehr­kör­per der Fa­kul­tät ver­traut. Zu den vor­läu­fig engs­ten Kol­le­gen zähl­ten Kauf­mann und Lands­berg, mit de­nen er auch pri­vat ver­kehr­te und sich ge­gen­sei­tig in den Vor­le­sun­gen be­such­te.[24] Wie eng sich der pri­va­te Ver­kehr mit Lands­berg an­fäng­lich ge­stal­te­te, il­lus­triert auch Schmitts Kon­takt zu des­sen Sohn, Paul Lud­wig Lands­berg (1901-1944), ei­nes bei Max Scheler (1874-1928) in Köln pro­mo­vie­ren­den Phi­lo­so­phen, der die „Po­li­ti­sche Ro­man­ti­k“ be­geis­tert ge­le­sen hat­te und auf sei­nen Va­ter Ein­fluss zu Guns­ten von Schmitts Be­ru­fung ge­übt ha­ben mag.[25] 

Zu den di­rek­ten Kol­le­gen der Zunft tra­ten schnell ei­ni­ge Ver­bin­dun­gen zu an­de­ren Fach­ver­tre­tern. Un­ter ih­nen ra­gen früh we­gen ih­res recht un­ge­trüb­ten freund­schaft­li­chen Um­gangs der ka­tho­li­sche Kir­chen- und Kunst­his­to­ri­ker Wil­helm Neuß und der Mu­sik­wis­sen­schaft­ler Ar­nold Schmitz (1893-1980) her­aus, wel­che die kunst­in­ter­es­sier­te und re­li­gi­ös-in­di­vi­dua­lis­ti­sche Sai­te des Ju­ris­ten zum Klin­gen brach­ten.[26] Schmitt scheint ins­ge­samt sehr schnell und freund­lich von der über­schau­ba­ren Bon­ner Ge­lehr­ten­welt und sei­nen Fach­kol­le­gen auf­ge­nom­men wor­den zu sein, was er al­ler­dings bei ein­zel­nen Per­so­nen, die sei­ne Po­si­ti­on be­rühr­ten, mit sehr ge­misch­ten Ge­füh­len oder gar Res­sen­ti­ments be­ant­wor­te­te.

3. Der Weimarer Methodenstreit und die Bonner Staatsrechtslehre

Der Ers­te Welt­krieg und sein Aus­gang stell­ten wis­sen­schafts­über­grei­fend ei­nen epo­cha­len Ein­schnitt dar. Die deut­sche His­to­ri­ker­zunft er­hielt mit der Kriegs­schuld­fra­ge ein die ge­sam­te Na­ti­on be­we­gen­des The­ma, an dem sie sich re­gel­recht ab­ar­bei­te­te. Die pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­gie muss­te den Ver­lust des ord­nungs­stif­ten­den Sum­mes­pis­ko­pus ver­ar­bei­ten, wäh­rend die ka­tho­li­sche Theo­lo­gie vor der Auf­ga­be stand, ei­nen Um­gangs­mo­dus mit dem neu­en frei­heit­li­chen Staat zu fin­den. Die Rechts­wis­sen­schaft, ih­rer ei­ge­nen Grund­la­gen nicht mehr si­cher, hat­te den Weg zur li­be­ra­len De­mo­kra­tie erst noch zu su­chen.

Es kam in­ner­halb der ju­ris­ti­schen Zunft zu ei­nem, seit 1926 auch selbst dia­gnos­ti­zier­ten „Me­tho­den­streit“, der deut­li­che Zü­ge ei­nes Ge­ne­ra­tio­nen­kon­flikts in sich trug.[27] Ei­ne be­deu­ten­de Zahl her­aus­ra­gen­der Köp­fe er­kann­te in ihm den vor­läu­fi­gen Schluss­punkt ei­ner lan­ge schon vor dem Welt­krieg ein­set­zen­den Kri­se, die zu­neh­mend den „Zen­tral­nerv des Fa­ches“ be­rühr­te[28], näm­lich die Fra­ge nach Weg und Aus­rich­tung der deut­schen Staats­rechts­leh­re in der Wei­ma­rer Re­pu­blik. Ge­gen den Ver­such des ös­ter­rei­chi­schen Staats- und Völ­ker­recht­lers Hans Kel­sen (1881-1973), das Rechts­den­ken von je­dem me­ta­ju­ris­ti­schen Ein­fluss ab­zu­schnei­den, for­mier­te sich ei­ne he­te­ro­ge­ne Grup­pe An­ti­po­si­ti­vis­ten, zu de­nen deutsch­na­tio­na­le Skep­ti­ker wie Smend und Kauf­mann eben­so ge­hör­ten wie der ent­schie­de­ne Re­pu­bli­ka­ner Her­mann Hel­ler (1891-1933) und die so­mit wis­sen­schaft­li­che Fron­ten schu­fen, die „quer zu den po­li­ti­schen“ ver­lie­fen.[29] Nicht nur vor dem Hin­ter­grund des „Me­tho­den-“ oder auch „Rich­tungs­streits“[30] der Wei­ma­rer Staats­rechts­leh­re al­lein ist es loh­nens­wert, ei­nen Blick auf die Stel­lung der Bon­ner Staats­rechts­leh­re in die­ser Aus­ein­an­der­set­zung und da­mit auf das nä­he­re Um­feld von Schmitts ei­ge­ner Po­si­tio­nie­rung zu wer­fen.

Moch­ten vie­le wie Ernst Zi­tel­mann dem Glanz und der Pro­tek­ti­on durch die Ho­hen­zol­lern­mon­ar­chie nach­trau­ern, vom mon­ar­chi­schen Ge­dan­ken ließ sich nicht nur kei­ne staat­li­che Le­gi­ti­mi­tät mehr ab­lei­ten, er hat­te auch längst nicht mehr als Be­grün­dungs­ba­sis ge­dient. Mit Karl Berg­bohm als Bonns viel­leicht wich­tigs­tem Rechts­phi­lo­so­phen hat­te der Po­si­ti­vis­mus um die Jahr­hun­dert­wen­de am Rhein Ein­zug ge­hal­ten. In schar­fer Front­stel­lung so­wohl zum Na­tur­recht als auch zur His­to­ri­schen Rechts­schu­le er­klär­te Berg­bohm das zu „Rech­t“, was auch tat­säch­lich prak­ti­ziert wer­de und so­mit von Wün­schen oder An­schau­un­gen klar zu tren­nen sei.[31] Schmitt selbst er­kann­te Jah­re nach sei­ner Bon­ner Zeit an, dass der Po­si­ti­vis­mus in Berg­bohms Rechts­leh­re sei­nen „kla­ren und bes­ten Aus­druck ge­fun­den“ ha­be.[32] Er ver­gaß aber an an­de­rer Stel­le nicht, sie ein „der­bes Bei­spiel na­ivs­ten Ge­set­zes­po­si­ti­vis­mus“ zu hei­ßen.[33] Mit der Be­ru­fung Ru­dolf Smends nach Bonn wur­de ab 1914 schlie­ß­lich ei­ne Ab­kehr vom Po­si­ti­vis­mus ein­ge­lei­tet. Sei­ne spä­te­re und bis in die jün­ge­re Ver­gan­gen­heit hin­ein ge­fei­er­te In­te­gra­ti­ons­leh­re war im We­sent­li­chen schon in sei­nen Bon­ner Jah­ren an­ge­legt.[34] Sei­ne dort auf­ge­nom­me­nen rechts­his­to­ri­schen Stu­di­en ver­an­schau­lich­ten ihm, dass so­wohl die In­ter­pre­ta­ti­on als auch die An­wen­dung von Rechts­nor­men im Lau­fe der Zeit ei­nem star­ken Wan­del un­ter­lie­gen kön­nen. „Rech­t“ be­deu­te­te für ihn in die­sem Zu­sam­men­hang nicht das staat­lich ge­setz­te Recht al­lein, son­dern auch die Rechts­pra­xis. Recht­s­prin­zi­pi­en und -nor­men gal­ten ihm folg­lich eher als Richt­li­ni­en zu­läs­si­ger In­ter­pre­ta­tio­nen und Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten.[35] 

Nur we­nig über­schnitt sich Smends Bon­ner Wir­ken mit dem von Erich Kauf­mann, des­sen Leh­re im Lau­fe sei­nes wech­sel­vol­len Le­bens im „Zeit­al­ter der Ex­tre­me“ (Eric Hobs­bawm) star­ken Ver­än­de­run­gen aus­ge­setzt war. In sei­ner Bon­ner Zeit rich­te­ten sich Kauf­manns Über­le­gun­gen mehr und mehr ge­gen den Po­si­ti­vis­mus. Kants Tren­nung von Sein und Sol­len fol­gend, un­ter­schied Kauf­mann zu­nächst zwi­schen po­si­ti­vem Recht und Na­tur­recht, was ihm al­ler­dings bald mehr als frag­lich er­schien.[36] Er un­ter­nahm dar­auf­hin den Ver­such, das Sein der Macht mit dem Sol­len des Rechts zu ver­knüp­fen. Das In­di­vi­du­um und die Macht hät­ten es ge­mein­sam in der Hand, die sitt­li­che Grund­la­ge des Rechts zu rea­li­sie­ren oder zum Scha­den sei­ner Le­gi­ti­mi­tät zu ver­wer­fen. Mit­tels der clau­su­la re­bus sic stan­ti­bus (Be­stim­mung der gleich­blei­ben­den Um­stän­de) zeig­te er die Mög­lich­keit auf, dem po­si­ti­ven Recht Gren­zen zu set­zen.[37] 

Schmitt, der sich in sei­nem Früh­werk schon an­ti­po­si­ti­vis­tisch fest­ge­legt hat­te, gleich­wohl oh­ne da­bei deut­lich ma­chen zu wol­len, in wel­chem Sin­ne er die­se Grund­le­gung ge­brau­chen wer­de, stieß mit der Bon­ner Staats­rechts­leh­re zu ei­ner Fach­aus­rich­tung, die sich im an­ge­bro­che­nen „Me­tho­den­streit“ Wei­mars dem Kampf ge­gen den Rechts­po­si­ti­vis­mus ver­schrie­ben hat­te. In me­tho­di­scher wie in­halt­li­cher Rich­tung wird an Schmitts Kol­le­gen und sei­nen zu­min­dest in ih­rem An­ti­po­si­ti­vis­mus mit ihm über­ein­stim­men­den Bun­des­ge­nos­sen Smend und Kauf­mann ei­ne an­hal­tend star­ke Be­deu­tung der Rechts- und Staats­phi­lo­so­phie als auch ih­rer Ge­schich­te in Bonn deut­lich, die die­se Rechts­ge­lehr­ten als An­ge­hö­ri­ge ei­ner „geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Rich­tun­g“[38] ih­res Fa­ches aus­wies und als Grup­pe von Bon­ner Staats­rechts­leh­rern ei­ne in der ju­ris­ti­schen Zunft spe­zi­fi­sche und ab­grenz­ba­re Grund­po­si­ti­on ver­lieh. Erst nach Schmitts Weg­gang aus Bonn soll­te mit Ri­chard Tho­ma, dem Nach­fol­ger auf sei­nem Lehr­stuhl, 1928 ei­ne Spiel­art des Po­si­ti­vis­mus an die Fa­kul­tät zu­rück­keh­ren, die sich mit ei­nem so­zio­lo­gi­schen An­satz re­for­miert gab, aber auch in ent­schei­den­den Mo­men­ten auf die His­to­rio­gra­phie als Wert­ar­gu­ment zu­rück­griff.[39]

 

4. Schmitt als Bonner Staatslehrer: Eine Ankunft im katholischen Milieu?

Schmitts Le­ben in Bonn ver­lief wie auch schon zu­vor in un­ru­hi­gen Bah­nen. Der al­lein le­ben­de Pro­fes­sor lo­gier­te zu­erst bei ei­ner Ge­ne­rals­wit­we in der Me­cken­hei­mer Al­lee 45, ehe er im April 1924 sein Pen­si­ons­zim­mer für ei­ne Woh­nung in der En­de­ni­cher Al­lee 20 auf­ge­ben und schlie­ß­lich im Herbst 1926 in Bad Go­des­berg-Fries­dorf ein ei­ge­nes Haus be­zie­hen konn­te.[40] Wäh­rend der ers­ten Wo­chen und Mo­na­te stan­den der An­schluss an den Uni­ver­si­täts­be­trieb und die an­lau­fen­de Lehr­tä­tig­keit im Mit­tel­punkt. Sein Ta­ges­ab­lauf war be­stimmt von der manch­mal eher mä­ßi­gen Vor­be­rei­tung sei­ner Lehr­ver­an­stal­tun­gen und aus­gie­bi­gen Re­stau­rant- und Ca­fé­be­su­chen mit sei­nen neu­en Be­kann­ten. Zum ge­ra­de­zu le­gen­dä­ren Treff­punkt abend­li­cher Run­den mit Schü­lern und Freun­den avan­cier­te die Wein­stu­be Streng am Maus­pfad (heu­te Irish Pub Ja­mes Joy­ce), an die sich spä­ter Ernst Ru­dolf Hu­ber we­gen der „Ebe­ne frei­mü­ti­ger Dis­kus­si­on, aus der sich auch zwi­schen uns Jün­ge­ren ei­ne so star­ke Bin­dung fürs Le­ben ent­wi­ckelt ha­t“, noch gern er­in­ner­te.[41] 

En­de Ju­li 1922 be­such­te Lud­wig Feucht­wan­ger (1885-1947), Chef­lek­tor und Syn­di­kus bei Schmitts Haus­ver­lag Duncker & Hum­blot, sei­nen Au­tor in Bonn. Man wird da­von aus­ge­hen kön­nen, dass in die­sen Ta­gen die Pu­bli­ka­ti­on von Schmitts „Po­li­ti­scher Theo­lo­gie“ ver­ab­re­det wor­den ist, die noch im Kon­text sei­ner Münch­ner Zeit steht. Ih­re ers­ten drei Ka­pi­tel er­schie­nen im De­zem­ber 1922 im zwei­ten Band der „Er­in­ne­rungs­ga­be für Max We­ber“, an des­sen Do­zenten­se­mi­nar Schmitt in Mün­chen teil­ge­nom­men hat­te. Das vier­te Ka­pi­tel „Zur Staats­phi­lo­so­phie der Ge­gen­re­vo­lu­ti­on“ schrieb Schmitt in sei­nem ers­ten Bon­ner Som­mer, um sie der En­de des Jah­res er­schei­nen­den Ge­samt­s­chrift hin­zu­zu­fü­gen.[42] 

Die Ge­samt­s­chrift hebt mit ei­nem von Schmitts be­kann­tes­ten Sät­zen an: „Sou­ve­rän ist, wer über den Aus­nah­me­zu­stand ent­schei­det.“[43] Er führ­te in die­ser Kon­se­quenz die Sou­ve­rä­ni­tät als Grenz­be­griff in die mo­der­ne Staats­rechts­leh­re ein, der er ins Stamm­buch schrei­ben woll­te, dass die fun­da­men­ta­len Ele­men­te ei­ner staat­li­chen Rechts­ord­nung, Norm und Ent­schei­dungs­macht, im Mo­ment des Aus­nah­me­zu­stan­des aus­ein­an­der­fal­len. Der pro­gram­ma­ti­sche Ti­tel der Schrift er­gab sich aus der zwei­ten star­ken The­se Schmitts: „Al­le prä­gnan­ten Be­grif­fe der mo­der­nen Staats­leh­re sind sä­ku­la­ri­sier­te theo­lo­gi­sche Be­grif­fe.“[44] Er mein­te ei­ne Wahl­ver­wandt­schaft zwi­schen Ab­so­lu­tis­mus und The­is­mus zu er­ken­nen und sah im De­is­mus ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung des mo­der­nen Rechts­staa­tes, wies die­se Ent­de­ckun­gen aber Hans Kel­sen zu[45], der ihm über die Fra­ge des Zu­sam­men­hangs von Welt­an­schau­ung und Staats­form zum Geg­ner wur­de. Wäh­rend die­ser im Geist des Re­la­ti­vis­mus ei­ne li­be­ra­le und plu­ra­lis­ti­sche De­mo­kra­tie ver­bürgt sah, ga­ran­tier­te für Schmitt nur ei­ne the­is­tisch-per­so­na­lis­ti­sche Welt­sicht fes­te po­li­ti­sche Au­to­ri­tät.[46] Die da­bei auf­ge­zeig­te Kon­kur­renz und Fra­gi­li­tät ei­ner sol­chen Welt­sicht schien ihn bei sei­ner hier­an an­schlie­ßen­de Par­tei­nah­me für ei­ne „Staats­phi­lo­so­phie der Ge­gen­re­vo­lu­ti­on“, wie er sie bei den re­ak­tio­nä­ren Theo­re­ti­kern Jo­seph de Maist­re (1753-1821), Louis-Ga­bri­el-Am­broi­se de Bo­nald (1754-1840) un­d  be­son­ders Juan Do­no­so Cor­tés (1809-1853) vor­fand, al­ler­dings nicht wei­ter be­un­ru­higt zu ha­ben.

Wäh­rend Schmitt die Ge­gen­re­vo­lu­ti­on staats­phi­lo­so­phisch be­schwor, schlug auf der Büh­ne der Wei­ma­rer Re­pu­blik die po­li­ti­sche Kon­ter­re­vo­lu­ti­on zu: An­ge­hö­ri­ge der rechts­ter­ro­ris­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on Con­sul er­mor­de­ten am 24.6.1922 Reichs­au­ßen­mi­nis­ter Wal­ter Ra­then­au (1867-1922). Das At­ten­tat scho­ckier­te auch Schmitt, der früh mit dem Er­mor­de­ten ei­ni­ge Brie­fe ge­wech­selt hat­te. Wie­der­holt be­schäf­tig­te der po­li­ti­sche Mord sei­ne Kol­le­gen und Be­kann­ten in Ge­sprä­chen mit ihm.[47] Sein Schock wich aber bald dem Mit­leid mit den Tä­tern, die schlie­ß­lich ge­stellt wur­den und den Tod fan­den: „Es hat doch Stil und Grö­ße. In­zwi­schen bin ich ganz auf ih­rer Sei­te, die ar­men Kerls, die mo­na­te­lang von der Po­li­zei ge­hetzt wur­den.“[48] Der Mord an Ra­then­au mo­bi­li­sier­te die Men­schen reichs­weit für die Wei­ma­rer De­mo­kra­tie, so auch in ei­ner De­mons­tra­ti­on auf dem Bon­ner Beet­ho­ven­platz, die Schmitt als schlich­t  „lä­cher­li­ch“ wahr­nahm.[49] 

Die Ra­then­au-At­ten­tä­ter woll­ten mit ih­rem Mord­an­schlag die Re­pu­blik schwä­chen und mit­tels Auf­ruhr und Bür­ger­krieg den Weg in ei­ne na­tio­na­le Dik­ta­tur eb­nen. Schmitt knüpf­te für sein nächs­tes Werk je­doch nicht an Do­no­so Cor­tés an, mit dem er die Wen­dung ge­gen­re­vo­lu­tio­nä­ren Den­kens von der dy­nas­ti­schen Le­gi­ti­mi­tät zur Dik­ta­tur nach­voll­zo­gen hat­te. Er ent­schied sich im Zu­ge sei­ner Ar­bei­ten am Es­say „Rö­mi­scher Ka­tho­li­zis­mus und po­li­ti­sche For­m“ für das Lob de Mais­tres auf die Au­to­ri­tät der rö­mi­schen Kir­che: Vom „an­ti­rö­mi­schen Af­fek­t“ ih­rer Geg­ner aus­ge­hend, er­klär­te er die­sen aus der kirch­li­chen Struk­tur als com­ple­xio op­po­si­to­rum her­aus[50], die ei­ne Viel­zahl von un­ter­schied­li­chen Ten­den­zen und Strö­mun­gen in sich ver­ei­ne. Für ihn re­prä­sen­tier­te die Kir­che nichts ge­rin­ge­res als die „wah­re Er­bin der rö­mi­schen Ju­ris­pru­den­z“.[51] Ih­re um­fas­sen­de und hier­ar­chi­sche Form konn­te in­so­fern Vor­bild für den Staat sein, als sie ei­ne au­to­ri­tä­re Herr­schafts­ord­nung mit ei­nem theo­lo­gisch-dog­ma­ti­schen Fun­da­ment ver­band, wäh­rend et­wa Kauf­mann, der Schmitts Sou­ve­rä­ni­täts­be­griff per­sön­lich ge­lobt hat­te, dies man­gels un­ter­stell­tem kirch­li­chen Macht­wil­len be­stritt.[52] Der re­li­giö­se In­halt des Ka­tho­li­zis­mus blieb hier­bei al­ler­dings aus­ge­klam­mert. Schmitts ho­hes Lied blieb so­mit of­fen für In­ter­pre­ta­tio­nen von ei­ner Kir­che als Ord­nungs­an­ker des un­ge­fes­tig­ten Ver­fas­sungs­staa­tes bis hin zu ei­ner Kir­che der welt­li­chen Macht.

Moch­te die Sto­ß­rich­tung auch dun­kel sein, Schmitt po­si­tio­nier­te sich mit dem Es­say als be­tont ka­tho­li­scher Staats­leh­rer in ei­ner Be­we­gung des er­neu­er­ten und in­tel­lek­tu­el­len Ka­tho­li­zis­mus, wie ihn et­wa der Hoch­land-Grün­der Carl Muth (1867-1944) oder der His­to­ri­ker Her­mann He­fe­le (1885-1936) ver­kör­per­ten. Zum an­de­ren zeigt die­se Po­si­tio­nie­rung auch Dif­fe­ren­zen, auf die Man­fred Dah­l­hei­mer zu­recht auf­merk­sam ge­macht hat: So­wohl zum christ­li­chen Na­tur­recht als auch zur Wie­der­auf­nah­me ei­nes ka­tho­li­schen Reichs­ge­dan­kens hielt Schmitt Dis­tanz. Dem­nach er­scheint An­dre­as Koe­nens The­se, Schmitt sei Prot­ago­nist ei­ner pu­bli­zis­ti­schen Grup­pe ge­we­sen, die ih­ren ge­mein­sa­men Flucht­punkt in der so­ge­nann­ten „Reichs­theo­lo­gie“ ge­fun­den ha­be, mehr als über­spitzt.[53] Nicht von un­ge­fähr no­tier­te Schmitt nach ei­nem Tref­fen mit Wil­helm Neuss, dem Ar­chi­var Wil­helm Kis­ky so­wie dem Zen­trums­po­li­ti­ker Ge­org Schrei­ber (1882-1963) im Som­mer 1922 in sein Ta­ge­buch: „Ich ge­hö­re wirk­lich nicht in die­ses Zen­trums­mi­lieu.“[54] Schmitt such­te zwei­fel­los die Wir­kung über Be­kannt­schaf­ten und Netz­wer­ke, aber nicht über ei­nen Kreis al­lein.[55]

Zu­dem bot ihm sei­ne ka­tho­li­sche Op­ti­on nur be­grenz­te Wir­kungs­mög­lich­kei­ten. Mit sei­nen Am­bi­tio­nen brach­te Schmitt auch sei­ne Ehe­pro­ble­me mit nach Bonn, die ihn per­sön­lich arg be­las­te­ten. Nach der Ent­schei­dung des Bon­ner Land­ge­richts vom 18.1.1924, das die ers­te Ehe Schmitts we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung durch sei­ne hoch­stap­le­ri­sche Ehe­frau, die fal­sche Adel­s­toch­ter Ca­ri­ta (von) Do­ro­tić (1883-1968) für nich­tig er­klär­te, streng­te er auch ei­ne kirch­li­che Nich­tig­keits­er­klä­rung an, die al­ler­dings aus­blieb. Noch vor dem Be­ru­fungs­ur­teil, das eben­falls ne­ga­tiv aus­fal­len soll­te, hei­ra­te­te Schmitt am 8.2.1926 sei­ne da­ma­li­ge As­sis­ten­tin Duš­ka To­do­ro­vić (1903-1950) stan­des­amt­lich und leb­te fort­an in Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on. Dies war ei­ne per­sön­li­che Wen­dung, die An­se­hen und Glaub­wür­dig­keit als ka­tho­li­scher Staats­leh­rer sehr schwäch­te.[56] 

5. Der Staatslehrer in Weimars Krisenjahr 1923

Schmitt hat­te sich den Aus­nah­me­zu­stand so­wie die ide­en­ge­schicht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen von Au­to­ri­tät und De­mo­kra­tie vor Au­gen ge­führt, als die Wei­ma­rer Re­pu­blik mit Be­ginn des Jah­res 1923 in die po­li­ti­sche und öko­no­mi­sche Sack­gas­se rutsch­te. Fran­zö­si­sche und bel­gi­sche Trup­pen be­setz­ten im Ja­nu­ar das Ruhr­ge­biet, um sich so „pro­duk­ti­ve Pfän­der“ auf noch aus­ste­hen­de Re­pa­ra­tio­nen des Rei­ches zu si­chern. Der pas­si­ve Wi­der­stand ge­gen die Be­sat­zer ließ die Hy­per­in­fla­ti­on ga­lop­pie­ren. Im Rhein­land er­hob sich mit Un­ter­stüt­zung der Fran­zo­sen der Se­pa­ra­tis­mus und in Mün­chen putsch­ten Hit­ler und Lu­den­dorff. Auf die zu­neh­mend hand­lungs­un­fä­hi­ge Re­gie­rung Wil­helm Cu­no (1876-1933) folg­te die gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter Gus­tav Stre­se­mann (1878-1929). Rund­um durch­leb­te der Wei­ma­rer Par­la­men­ta­ris­mus sei­ne ers­te tief­grei­fen­de und le­bens­be­droh­li­che Kri­se.[57] 

Schmitt re­gis­trier­te all die­se Ein­zel­kon­flik­te und ih­re Vor­bo­ten, die sich ge­gen­sei­tig zu ei­ner um­fas­sen­den Kri­sen­la­ge po­ten­zier­ten. Hat­te er im Welt­krieg ei­nen angst­er­füll­ten Hass auf den ver­meint­lich preu­ßi­schen Mi­li­ta­ris­mus ent­wi­ckelt, so war nun die fran­zö­si­sche Be­sat­zungs­macht das Ob­jekt sei­ner Furcht.[58] Das fran­zö­si­sche Mi­li­tär zeig­te im be­schau­li­chen Bonn nicht nur dau­er­haf­te Prä­senz, es ver­füg­te auch über das Recht zur Ein­quar­tie­rung, der Re­qui­si­ti­on so­wie der Aus­wei­sung miss­lie­bi­ger Per­so­nen. Durch die all­ge­mein em­pör­te Stim­mung nach dem Ruh­r­ein­bruch, die sich in er­neu­ten De­mons­tra­tio­nen ar­ti­ku­lier­te, sah sich die Be­sat­zungs­macht be­son­ders her­aus­ge­for­dert. Auch bei Schmitts Ver­mie­te­rin wur­den die Fran­zo­sen zwecks Re­qui­si­ti­on vor­stel­lig. Er selbst hör­te auf ei­ner Ku­rats­sit­zung bei Lands­berg von der zu­neh­mend schlech­ten Be­hand­lung der Uni­ver­si­tät durch die fran­zö­si­schen Be­sat­zer und von de­ren Über­le­gun­gen sie so­gar zu schlie­ßen.[59] Stän­di­ge Sor­ge be­rei­te­te dem Ju­ris­ten zu­dem sei­ne fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit, die nicht nur durch den ner­vös be­ob­ach­te­ten Wert­ver­fall der Mark al­lein be­droht war.[60] So wur­den die Lohn­gel­der der Hoch­schul­be­diens­te­ten in die Uni­ver­si­tät ge­schmug­gelt, um sie im feu­er­fes­ten Ur­kun­den­schrank des His­to­ri­schen Se­mi­nars (da­mals noch im West­flü­gel des Schlos­ses) dem Zu­griff der fran­zö­si­schen Gen­dar­me­rie zu ent­zie­hen.[61] 

Im Mai be­gann Schmitt mit sei­ner um­fas­sen­den Par­la­men­ta­ris­mus­kri­tik, so dass „Die geis­tes­ge­schicht­li­che La­ge des heu­ti­gen Par­la­men­ta­ris­mus“ in der „Bon­ner Fest­ga­be“ zum 50-jäh­ri­gen Dok­tor­ju­bi­lä­um von Ernst Zi­tel­mann er­schei­nen konn­te. Mit sei­nem Fest­schrift­bei­trag, der kur­ze Zeit spä­ter leicht über­ar­bei­tet auch als Bro­schü­re er­schien, prä­sen­tier­te sich Schmitt nicht nur als Teil der Bon­ner ju­ris­ti­schen Zunft, sei­ne Schrift lässt sich auch als Ant­wort auf sei­nen Lehr­stuhl­vor­gän­ger Smend und sei­ne Über­le­gun­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung des deut­schen Par­la­men­ta­ris­mus le­sen.[62] Smend hat­te 1919 in sei­nem Auf­satz über die „Ver­schie­bung der kon­sti­tu­tio­nel­len Ord­nun­g“ durch das mit der Re­pu­blik ein­ge­führ­te Ver­hält­nis­wahl­recht die Be­fürch­tung ge­äu­ßert, dass das Par­la­ment sei­ne in­te­gra­ti­ve Funk­ti­on durch die ihm „ei­gen­tüm­li­che schöp­fe­ri­sche Dia­lek­tik“ ein­bü­ße und da­mit zu ei­ner blo­ßen Fas­sa­de des Frak­ti­ons­streits ver­kom­me.[63] Das war kein rein re­ak­tio­nä­rer Re­flex auf ei­nen Um­bruch, wie die Zer­split­te­rung der Wei­ma­rer Par­tei­en­land­schaft bald be­wies.

Schmitt zeich­ne­te in sei­ner Kri­tik­schrift den Weg po­li­ti­scher Le­gi­ti­mie­rung nach: „Die Ent­wick­lung von 1815 bis 1918 lä­ßt sich dar­stel­len als die Ent­wick­lung ei­nes Le­gi­ti­mi­täts­be­griffs: von der dy­nas­ti­schen zur de­mo­kra­ti­schen Le­gi­ti­mi­tät.“[64] Die de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­mi­tät leg­te er mit Jean-Jac­ques Rous­seau (1712-1778) als „Iden­ti­tät von Re­gie­ren­den und Re­gier­ten“ und so­mit als Ho­mo­ge­ni­tät oder grund­sätz­li­che Ein­mü­tig­keit aus.[65] Seit der fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on er­kann­te Schmitt den re­vo­lu­tio­nä­ren Drang ei­ner Selbst­auf­he­bung des re­la­ti­ven Ra­tio­na­lis­mus, wie er dem par­la­men­ta­ri­schen Den­ken des Aus­gleichs und der Dis­kus­si­on zu ei­gen sei, hin zu ei­nem ab­so­lu­ten, der die höchst ver­mit­tel­te De­mo­kra­tie „im Na­men der wah­ren, erst noch zu schaf­fen­den De­mo­kra­tie“ sus­pen­die­ren wol­le.[66] Den Par­la­men­ta­ris­mus sei­ner Ge­gen­wart sah Schmitt vor der Her­aus­for­de­rung durch ir­ra­tio­na­lis­ti­sche „Theo­ri­en un­mit­tel­ba­rer Ge­walt­an­wen­dun­g“, die ei­nen ge­walt­tä­ti­gen Ak­ti­vis­mus mit­ein­an­der teil­ten.[67] Wie sehr die­se Par­la­men­ta­ris­mus­kri­tik als ei­ne Ant­wort auf Smend auf­ge­fasst wer­den kann, zeigt des­sen Re­ak­ti­ons­brief an Schmitt, in dem er sich ver­stan­den und zu­stim­mend gab: „Ich bin weit­hin sehr ein­ver­stan­den und dank­bar: Den Li­be­ra­lis­mus im Gan­zen fa­ße ich eben­so auf […].“ Ihn wun­der­te es nicht, dass „der Zu­sam­men­hang von D.[emo­kra­tie] und Par­la­men­ta­ris­mus nur höchst zu­fäl­li­g“ sei.[68] In eben die­se Ker­be soll­te Schmitt sei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Haupt­schlag füh­ren.

Der­wei­len spitz­te sich ge­gen Jah­res­en­de die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on wei­ter zu. In Bonn er­leb­te Schmitt den Be­la­ge­rungs­zu­stand, der nach dem Putsch­ver­such rhei­ni­scher Se­pa­ra­tis­ten und ih­rem Sturm auf das Bon­ner Rat­haus am 23.10.1923 aus­ge­ru­fen wor­den war.[69] Nach dem kläg­lich ge­schei­ter­ten Marsch der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten auf die Feld­herrn­hal­le in Mün­chen, wo er nur we­ni­ge Wo­chen zu­vor Lud­wig Feucht­wan­ger be­sucht hat­te, zeig­te er sich ge­gen­über die­sem elek­tri­siert, in so „ei­ne[r] sen­sa­tio­nel­le[n] Si­tua­ti­on, der be­rufs­mä­ßi­ge Be­ob­ach­ter des heu­ti­gen po­li­ti­schen Schau­spiels zu sein.“[70] Nach­dem al­le gro­ßen An­grif­fe auf die Re­pu­blik ab­ge­schla­gen wa­ren, stürz­te die gro­ße Ko­ali­ti­on un­ter Gus­tav Stre­se­mann durch ein Miss­trau­ens­vo­tum. Die Wei­ma­rer Re­pu­blik ging nach dem Kri­sen­jahr 1923, oh­ne an sta­bi­le­ren Par­la­ments­ver­hält­nis­sen zu ge­win­nen, in ei­ne Pha­se der re­la­ti­ven Be­ru­hi­gung über. Die Fra­ge sta­bi­ler Mehr­hei­ten soll­te Schmitt al­ler­dings wei­ter be­schäf­ti­gen.

6. „Die Diktaturgewalt des Reichspräsidenten“: Eine verfassungsrechtliche Debatte

Wei­mar ist als ei­ne Re­pu­blik der Über­for­de­rung und der Po­la­ri­sa­ti­on in das po­li­tisch-his­to­ri­sche Ge­dächt­nis ein­ge­gan­gen. Auch die in ei­ner Neu­ori­en­tie­rung be­grif­fe­ne Staats­rechts­leh­re stand zu Be­ginn der 1920er Jah­ren vor der Ge­fahr ei­ner Spal­tung in un­ter­schied­li­che La­ger. Der hoch­an­ge­se­he­ne Ber­li­ner Or­di­na­ri­us Hein­rich Trie­pel (1868-1946) ant­wor­te­te dar­auf mit der Grün­dung der Ver­ei­ni­gung der Deut­schen Staats­rechts­leh­rer, die sich bis heu­te ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung be­wahrt hat. Für den April 1924 lud Trie­pel zur mitt­ler­wei­le zwei­ten Ta­gung der Ver­ei­ni­gung nach Je­na ein, de­ren Pro­gramm aus zwei hoch ak­tu­el­len Be­ra­tungs­ge­gen­stän­den be­stand: „Der deut­sche Fö­de­ra­lis­mus in Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunf­t“, über den Ger­hard An­schütz (1867-1948) und Carl Bil­fin­ger (1879-1958) re­fe­rier­ten, zum an­de­ren „Die Dik­ta­tur­ge­walt des Reichs­prä­si­den­ten nach Art. 48 der Reichs­ver­fas­sun­g“, wo­für Carl Schmitt und Er­win Ja­co­bi (1884-1965) vor­ge­se­hen wa­ren.[71] 

Weit­läu­fi­ge Be­kannt­heit hat der Ar­ti­kel 48 durch den Un­ter­gang der Wei­ma­rer De­mo­kra­tie er­hal­ten, bei dem die­ser das ma­ß­geb­li­che In­stru­ment zur Ent­mach­tung des Par­la­ments und der Aus­he­be­lung der Grund­rech­te dar­stell­te.[72] Die Per­spek­ti­ve auf den Ar­ti­kel 48 und die Ent­wick­lung der deut­schen Not­stands­ge­setz­ge­bung muss aber viel­mehr auf den Be­ginn der Re­pu­blik und da­mit auf den Aus­gangs­punkt wie Wis­sens­stand der Han­deln­den um­ge­kehrt wer­den. Der Sinn des im Ver­fas­sungs­text ent­for­ma­li­sier­ten Aus­nah­me­zu­stands war die freie Wahl und Ver­füg­bar­keit der Not­stands­ge­walt, da sich die Re­pu­blik seit ih­rer Ge­burt in äu­ße­rer Be­dräng­nis und in­ne­rer Kri­sen­si­tua­ti­on be­fand. Und in der Tat er­wies sich der Ar­ti­kel 48 in den un­ru­hi­gen Fol­ge­jah­ren bald als ei­nes der wich­tigs­ten Mit­tel zur Ver­tei­di­gung des Wei­ma­rer Staa­tes, auch wenn sich schon Ex­ten­si­ons­ten­den­zen ab­zeich­ne­ten.[73] Ernst Ru­dolf Hu­ber, Chro­nist wie Mit­han­deln­der, stell­te schon für die Zeit­ge­nos­sen pro­ble­ma­ti­sie­rend her­aus: „Es war of­fen­bar, dass der Not­zu­stand sich künf­tig vom Nor­mal­zu­stand nicht mehr wie frü­her zeit­lich ge­nau ab­gren­zen las­sen wer­de.“[74] Nicht um­sonst for­der­te die Wei­ma­rer Ver­fas­sung da­her von den par­la­men­ta­ri­schen In­stan­zen für die Zu­kunft ein Aus­füh­rungs­ge­setz, das den Ar­ti­kel 48 im Rah­men der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung nä­her be­stim­men und um­gren­zen soll­te.[75] 

Schon am 4. Fe­bru­ar hat­te Schmitt per Eil­brief die Nach­richt von Trie­pel er­hal­ten, dass er „ein Re­fe­rat auf dem Staats­rechts­leh­rer-Kon­gres­s“ hal­ten soll­te.[76] Gleich­wohl Schmitt ge­sell­schaft­lich und ar­beits­mä­ßig viel be­schäf­tigt war, sag­te er zu und be­trat am 14. April den Ka­the­der vor der Ver­ei­ni­gung. Vor 43 an­we­sen­den Staats­rechts­leh­rern, dar­un­ter sein An­ti­po­de Hans Kel­sen und sein kol­le­gia­ler Freund Ru­dolf Smend, se­zier­te er mit sei­nem be­griffs­ge­schul­ten In­stru­men­ta­ri­um de­tail­reich Wort­laut wie Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ar­ti­kels 48, um in al­ler Klar­heit vor dem dro­hen­den Ver­lust von Ge­wal­ten­tei­lung und -kon­trol­le zu war­nen. Schmitt ver­such­te die all­ge­mei­nen Be­fug­nis­se des Staats­ober­haup­tes von den au­ßer­or­dent­li­chen zu tren­nen, „[d]enn es muß ir­gend­ei­ne Gren­ze der Be­fug­nis des Reichs­prä­si­den­ten ge­fun­den wer­den.“ Für ihn stell­te sich nur die scharf for­mu­lier­te Fra­ge, „ob die Gren­ze mit Hil­fe ei­ner Schein­ar­gu­men­ta­ti­on, oder im vol­len ju­ris­ti­schen Be­wusst­sein der Be­son­der­heit und Schwie­rig­keit des Art. 48 Abs. 2 WRV ge­fun­den wer­den soll.“[77] Für das bis­he­ri­ge Aus­blei­ben des um­gren­zen­den Aus­füh­rungs­ge­set­zes be­nann­te er nicht un­kor­rekt die Schwä­che des Wei­ma­rer Par­la­men­ta­ris­mus. Schmitt for­der­te dem­ge­gen­über ei­ne so­wohl sach­ge­rech­te als auch prag­ma­ti­sche Re­ge­lung, wel­che die Aus­le­gung klä­ren wür­de.[78] 

Trotz der Un­ter­stüt­zung sei­nes Mit­re­fe­ren­ten Ja­co­bi ha­gel­te es in der Dis­kus­si­on Wi­der­spruch von den ver­sam­mel­ten Ju­ris­ten. Schmitt selbst fühl­te sich in sei­nem schwer zu stil­len­den Ehr­geiz ge­kränkt.[79] Sein An­lie­gen, die He­gung der prä­si­dia­len Dik­ta­tur­ge­walt, hör­te er je­doch nicht auf, wei­ter aus­zu­for­mu­lie­ren. In ei­ner Rei­he von Ar­ti­keln, so­wohl in ei­nem Fach­or­gan wie dem Ar­chiv des öf­fent­li­chen Rechts als auch in der Köl­ni­schen Volks­zei­tung warb er für sei­ne Re­ge­lungs­idee. In ei­nem zur Reichs­prä­si­den­ten­wahl 1925 von der Volks­zei­tung ge­wünsch­ten Ar­ti­kel warn­te er äu­ßerst hell­sich­tig für den un­ter Hin­den­burg ein­set­zen­den Ver­fas­sungs­wan­del: „Mit ei­nem neu­en Prä­si­den­ten kann die Wei­ma­rer Ver­fas­sung ein völ­lig neu­es Ge­sicht er­hal­ten.“[80] Noch warn­te er und ver­such­te mit sei­nen Vor­stel­lun­gen das zu ver­hü­ten, an dem er spä­ter als „An­walt des Rei­ches“[81] selbst mit­ar­bei­ten soll­te: Die au­to­ri­tä­re Um­for­mung der Wei­ma­rer De­mo­kra­tie mit ih­ren ei­ge­nen ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Mit­teln.

Schmitts „An­tritts­er­klä­rung in der Zunf­t“[82] hat­te je­doch noch ein an­de­res Nach­spiel: Durch ei­nen ver­nich­ten­den Ta­gungs­be­richt über das Je­na­er Tref­fen so­wie ei­ne ne­ga­ti­ve Re­zen­si­on von Schmitts Par­la­men­ta­ris­mus­schrift zog der Köl­ner Staats­recht­ler Fritz Stier-Som­lo (1873-1932), den ge­ball­ten Zorn sei­nes ei­ni­ge Ki­lo­me­ter rhein­auf­wärts sit­zen­den Fach­kol­le­gen zu. Schmitt ant­wor­te­te sei­ner­seits auf die Kri­tik des wert­re­la­ti­ven Rechts­po­si­ti­vis­ten jü­di­scher Ab­stam­mung, dem die neu ge­grün­de­te Köl­ner Uni­ver­si­tät ei­nen Gut­teil ih­res ju­ris­ti­schen Pro­fils zu ver­dan­ken hat­te, mit ei­nem über­zo­ge­nen Ver­riss. Nach har­schen Re­ak­tio­nen konn­te Schmitt da­von ab­ge­bracht wer­den, den Re­zen­si­ons­krieg wei­ter es­ka­lie­ren zu las­sen.[83] Sich selbst sah er wie­der ein­mal in die gern ge­pfleg­te Rol­le ei­nes Au­ßen­sei­ters ge­drängt. Ge­gen­über Smend ließ er sei­nen Res­sen­ti­ments un­ge­bremst freie Bahn: „Ich füh­le mich in mei­nem Be­ruf iso­liert, […]. Da­zu […] die lä­cher­li­che Si­tua­ti­on, daß Witt­may­er, Stier-Som­lo, Men­dels­sohn Bar­thol­dy und Na­wi­as­ky, - 4 Ju­den ge­gen ei­nen Chris­ten – in sämt­li­chen Zeit­schrif­ten über mich her­fal­len, und nie­mand merkt, um was es sich han­delt.“[84] 

7. Mit dem Rechtsprinzip gegen Genf und Versailles

Schon sei­ne Straß­bur­ger Stu­di­en­zeit stell­te ei­ne „ers­te Grenz­lan­der­fah­rung [dar], die ihn für spä­te­re na­tio­na­lis­ti­sche Wahr­neh­mun­gen sen­si­bi­li­sier­te.“[89] Wäh­rend die aber von Schmitt un­be­han­delt ge­blie­be­ne Pro­ble­ma­tik El­sass-Loth­rin­gens von dem Ver­such ge­prägt ge­we­sen war, die selbst­be­wuss­te Kul­tur­re­gi­on als nicht gleich­be­rech­tig­ten Glied­staat in das Kai­ser­reich zu in­te­grie­ren, so war das Rhein­land nach dem Ers­ten Welt­krieg pri­mär durch die fran­zö­si­sche Au­ßen- und Be­sat­zungs­po­li­tik, durch An­ne­xi­on oder Se­pa­ra­ti­on be­droht. Schmitt hat sich durch die Rhein­land­fra­ge und den da­mit ver­bun­de­nen Ge­samt­pro­ble­men des Ver­sailler Frie­dens da­zu her­aus­ge­for­dert ge­fühlt, die Macht­ver­hält­nis­se be­griff­lich zu fas­sen so­wie die Fra­ge nach dem Recht die­ser aus Nie­der­la­ge und Dik­tat­frie­den her­vor­ge­gan­ge­nen Ord­nung zu stel­len. So­mit stieß er auch auf das noch von ihm gänz­lich un­be­ar­bei­te­te Ge­biet des Völ­ker­rechts vor, wo er zu­gleich für Erich Kauf­mann als Leh­rer­satz aus­hel­fen muss­te.

Den ers­ten Auf­takt mach­te im De­zem­ber 1924 ei­ne Be­spre­chungs­ab­hand­lung für Schmol­lers Jahr­buch über „Die Kern­fra­ge des Völ­ker­bun­des“, die er pas­send zum Auf­nah­me­ge­such Deutsch­lands in den Völ­ker­bund im Früh­jahr 1926 zur gleich­na­mi­gen Mo­no­gra­phie aus­ar­bei­te­te. Er stell­te dar­in her­aus: „Nicht die Ga­ran­tie des ter­ri­to­ria­len Sta­tus quo, son­dern die Ga­ran­tie der Le­gi­ti­mi­tät des heu­ti­gen Sta­tus quo ist das ei­gent­li­che Pro­blem des Völ­ker­bun­des.“[90] Mit Erich Kauf­manns auf das Völ­ker­recht an­ge­wand­te clau­su­la re­bus sic stan­ti­bus wand­te er ge­gen die Völ­ker­bunds­sat­zung ein, dass ein Prin­zip zur Ab­än­de­rung von le­gi­ti­men Be­sitz­stän­den nicht be­nannt wer­de und drin­gend ge­fun­den wer­den müs­se, da an­dern­falls je­de Än­de­rung Un­recht wä­re oder im Völ­ker­bund trotz der heh­ren Zie­le Rechts­un­si­cher­heit herr­sche.[91] Die Le­gi­ti­mi­tät ei­nes „wirk­li­chen Bun­des liegt in ei­nem Mi­ni­mum von Ga­ran­tie und Ho­mo­ge­ni­tät“, hielt Schmitt dem ent­ge­gen.[92] In der Mo­no­gra­phie­fas­sung er­läu­ter­te er dies am Bei­spiel der Hei­li­gen Al­li­anz und der Mon­roe-Dok­trin aus­führ­li­cher. Für ihn er­gab sich das zwin­gen­de Er­for­der­nis ge­mein­sa­mer Ver­fas­sungs­stan­dards: „Kein Bund oh­ne Ho­mo­ge­ni­tät, kei­ne zwi­schen­staat­li­che oh­ne in­ner­staat­li­che Ord­nung.“[93] Nicht von un­ge­fähr warn­te er vor ju­ris­ti­schen Le­gi­ti­mie­rungs­ver­su­chen der Po­li­tik, wie bei In­ter­ven­tio­nen oder  ge­gen­sei­ti­gen Ga­ran­ti­en ter­ri­to­ria­ler Un­ver­sehrt­heit, in der er ein Deutsch­land dis­kri­mi­nie­ren­des „In­stru­ment zum Schutz der Sie­ger von Ver­sailles und zur Le­ga­li­sie­rung ih­rer Beu­te“ aus­mach­te.[94] 

Zwar sprach er sich mit kei­nem Wort ge­gen den Völ­ker­bunds­bei­tritt des Rei­ches aus, gleich­wohl lehn­te er die Lo­car­no-Po­li­tik Stre­se­manns, die Deutsch­lands Weg in den Völ­ker­bund durch die Fest­schrei­bung sei­ner West­gren­ze eb­ne­te, strikt ab. Wäh­rend Kauf­mann die Lo­car­no-Ver­trä­ge im per­sön­li­chen Ge­spräch als „ei­ne gro­ße Sa­che“ rühm­te, hielt Schmitt sie schlicht für „ein gro­ßes Un­glück“.[95] In ei­nem Ar­ti­kel für das Hoch­land über den eu­ro­päi­schen Sta­tus quo scheint sein gan­zer Schre­cken vor der Nor­ma­li­sie­rung der Gen­fer und Ver­sailler Nach­kriegs­ord­nung auf: Der ge­gen­wär­ti­ge Zu­stand ga­ran­tier­te für ihn kei­nen dau­er­haf­ten Frie­den, weil er von zu he­te­ro­ge­nen In­ter­es­sen und An­schau­un­gen ge­stützt wer­de, was er zum ers­ten Mal nä­her am Bei­spiel des Rhein­lan­des im Ge­flecht der Mächt­ein­ter­es­sen er­läu­ter­te.[96] Von der Per­pe­tu­ie­rung des an Le­gi­ti­mi­täts­prin­zi­pi­en un­si­che­ren und zu un­ba­lan­cier­ten Frie­dens er­war­te­te Schmitt nur neue Kon­flik­te, gar hin zu der „Le­ga­li­sie­rung ei­nes un­er­träg­li­chen Zwi­schen­zu­stan­des von Krieg und Frie­den“.[97] 

Wel­che Me­cha­nis­men ge­nau da­bei wir­ken und wel­che be­griffs­po­li­ti­sche Ver­wir­rung hier­durch ent­ste­hen konn­ten, be­leuch­te­te er in sei­nem ers­ten gro­ßen po­li­ti­schen Auf­ritt, dem Vor­trag über „Die Rhein­lan­de als Ob­jekt in­ter­na­tio­na­ler Po­li­ti­k“ auf der „Jahr­tau­send­fei­er“ der Rhei­ni­schen Zen­trums­par­tei am 14.4.1925 in Köln. Schmitt blieb, gleich­wohl er von vie­len als ein rech­ter Zen­trums­mann be­trach­tet wur­de, auf Dis­tanz zur par­tei­po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on des deut­schen Ka­tho­li­zis­mus. Im März 1924 hat­te er das An­ge­bot des Zen­trums er­hal­ten, auf ei­nem si­che­ren Lis­ten­platz für den Reichs­tag zu kan­di­die­ren, und es um­ge­hend aus­ge­schla­gen. Sei­ne er­neu­te Ehe schob auch ei­nem spä­te­ren Ver­such, Schmitt zur po­li­ti­schen Mit­ar­beit zu be­we­gen, ei­nen Rie­gel vor. Das In­ter­es­se des rhei­ni­schen Zen­trums an Schmitt, wenn schon nicht als Kan­di­dat, so doch als Red­ner, liegt da­bei auf der Hand: Hier war ein ka­tho­li­scher Staats- und Völ­ker­recht­ler, der ei­ne rechts­wis­sen­schaft­li­che Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on zu den Ver­trags­sys­te­men von Genf und Ver­sailles for­mu­lier­te, die für das Rhein­land so schwer­wie­gen­de Fol­gen zei­tig­ten.[98] 

An­lass und Rah­men sei­nes Vor­trags spiel­ten in die da­ma­li­ge Bri­sanz und Ak­tua­li­tät von Schmitts Be­schäf­ti­gung mit hin­ein. 1925 be­ging das Rhein­land mit ei­ner Viel­zahl von Fei­er­lich­kei­ten die tau­send­jäh­ri­ge Wie­der­kehr der Zu­ge­hö­rig­keit des al­ten Stam­me­s­her­zog­tums Lo­tha­rin­gi­en zum Ost­frän­ki­schen Reich. Im en­ge­ren Sin­ne wur­de da­mit die „Zu­ge­hö­rig­keit ei­nes Ver­lus­tes“ ge­fei­ert[99], die sich je­doch als his­to­ri­sches Fei­er­da­tum al­lein aus der Ab­wehr­hal­tung ge­gen die fran­zö­si­sche Rhein­land­po­li­tik so­wie die nach wie vor be­ste­hen­den se­pa­ra­tis­ti­schen Ten­den­zen emp­fahl und da­mit ge­eig­net er­schien, rhei­ni­sches Ei­gen- und Selbst­be­wusst­sein in Ver­bun­den­heit zum Deut­schen Reich zu de­mons­trie­ren. In Köln und Aa­chen ver­sam­mel­ten Jahr­tau­send­aus­stel­lun­gen Kunst- und Kul­tur­schät­ze des Rhein­lan­des und ver­an­schau­lich­ten sei­ne Be­deu­tung bis in die Ge­gen­wart. Schmitt selbst ge­riet über die Köl­ner Aus­stel­lung ins Schwär­men, wenn er sie ge­gen­über Smend als „et­was so Gro­ßar­ti­ges, da­bei Un­wie­der­hol­ba­res“ be­schrieb.[100] Der An­lass mach­te die Fei­er­lich­kei­ten aber auch zu ei­nem aka­de­mi­schen Er­eig­nis, denn wer schien ge­eig­ne­ter zu sein, die Ge­scheh­nis­se aus­zu­deu­ten, als be­deu­ten­de Wis­sen­schaft­ler der hei­mi­schen Uni­ver­si­tä­ten?

Vor der ge­sam­ten Pro­mi­nenz der rhei­ni­schen Zen­trums­par­tei, dar­un­ter Ober­bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er und Lan­des­haupt­man­n Jo­han­nes Ho­ri­on – bei­de trei­ben­de Kräf­te hin­ter den ge­sam­ten Fei­er­lich­kei­ten, ent­fal­te­te Schmitt auf der „Jahr­tau­send­fei­er“ ein Pan­ora­ma von Herr­schafts­for­men. Er mein­te ei­ne Ent­wick­lung zu er­ken­nen, die be­strebt sei, „aus den Rhein­lan­den ein Ob­jekt in­ter­na­tio­na­ler Po­li­tik zu ma­chen und den Ob­jekt­cha­rak­ter zu or­ga­ni­sie­ren und zu le­ga­li­sie­ren“.[101] Deutsch­land sah er durch ei­ne Zahl un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe ge­bun­den, die „un­ab­seh­ba­re Aus­le­gun­gen“ mög­lich mach­ten.[102] „Die Fol­ge die­ser Me­tho­de ist, daß Wor­te wie Un­ab­hän­gig­keit, Frei­heit, Selbst­be­stim­mung, Sou­ve­rä­ni­tät ih­ren al­ten Sinn ver­lie­ren.“[103] Das po­li­ti­sche Vo­ka­bu­lar mach­te er im Zeit­al­ter der Ideo­lo­gi­en als ei­ne Waf­fe aus, wel­che die bis­he­ri­ge Staat­lich­keit un­ter­gra­be. Dem „Un­recht der Fremd­herr­schaf­t“ mit ih­rem „Be­trug der An­ony­mi­tät“ durch in­stru­men­ta­li­sier­te Be­griff­lich­kei­ten[104], hin­ter de­nen er nicht nur po­li­ti­sche, son­dern auch öko­no­mi­sche In­ter­es­sen ver­mu­te­te, stell­te er kla­re und rechts­si­che­re Herr­schafts­ver­hält­nis­se ge­gen­über, die er mit ei­nem über­kom­me­nen christ­li­chen Ord­nungs­rah­men be­grün­de­te. Er for­der­te da­her Klar­heit und Rechts­si­cher­heit ein und schloss mit dem pa­the­ti­schen Ruf nach „Wahr­heit, Frei­heit und Rech­t“ als Grund­vor­aus­set­zun­gen ei­ner sta­bi­len Staa­ten­ord­nung.[105] 

Schmitts Vor­trag rief bald als Bro­schü­re ein um­fas­sen­des und be­geis­ter­tes Echo her­vor.[106] Für den Au­tor be­stand je­doch kein un­mit­tel­ba­rer Grund zu Freu­de, denn er fürch­te­te wie­der ei­ne ver­meint­li­che Nicht­ach­tung: „Mein Vor­trag über die Rhein­lan­de ist ganz ver­lo­ren ge­gan­gen, ver­mut­lich, weil nie­mand mit ei­nem Vor­trag zu tun ha­ben woll­te, der bei ei­ner Zen­trums-Ver­an­stal­tung ge­hal­ten wur­de“.[107] Sein an­thro­po­lo­gi­scher Pes­si­mis­mus täusch­te ihn wie­der ein­mal. Schmitts völ­ker­recht­li­che Ab­hand­lun­gen wa­ren nur ein kur­zer Aus­flug, der nicht um­sonst in ei­nem zeit­lich par­ti­el­len Zu­sam­men­hang mit der Ver­tre­tung Erich Kauf­manns und der sich für Deutsch­land und sei­nen Wes­ten wan­deln­den in­ter­na­tio­na­len La­ge ge­stan­den ha­ben dürf­te. Schon bald ver­leg­te er sich wie­der auf ver­fas­sungs­recht­li­che und de­mo­kra­ti­e­theo­re­ti­sche Stu­di­en.

Foto der Gartenseite der Villa in Friesdorf im Juni 1927; links stehend ist Schmitts Schwester Anna neben den Eltern abgebildet. (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

 

8. Eine „Bonner Ernte“?: Der Begriff des Politischen und die Verfassungslehre

Ge­nau hier traf er sich mit ei­nem im­mens wich­ti­gen Ge­sprächs­part­ner sei­ner Bon­ner Jah­re, mit dem pro­tes­tan­ti­schen Theo­lo­gen Erik Pe­ter­son (1890-1960). Pe­ter­son, dem Schmitt schon kurz wäh­rend sei­ner Münch­ner Zeit be­geg­net war[112], folg­te 1924 ei­nem Ruf auf den Bon­ner Lehr­stuhl für Al­te Kir­chen­ge­schich­te und Neu­es Tes­ta­ment. Der jun­ge Theo­lo­ge war mit sei­ner Dis­ser­ta­ti­ons- und Ha­bi­li­ta­ti­ons­schrift „Heis Theo­s“, die sich der Ak­kla­ma­ti­on in An­ti­ke und frü­hem Chris­ten­tum wid­me­te, in ei­ne Schnitt­flä­che von Re­li­gi­ons-, Rechts- und po­li­ti­sche Ge­schich­te vor­ge­sto­ßen.[113] Pe­ter­son stieg rasch zum wich­tigs­ten Ge­gen­über ne­ben Wil­helm Neuß auf, der we­gen Schmitts zwei­ter Ehe aus dem en­ge­ren Freun­des­kreis aus­schied. Die bei­den Pro­fes­so­ren sa­hen sich bei­na­he täg­lich.[114] Der pro­tes­tan­ti­sche Theo­lo­ge teil­te mit Schmitt die Be­to­nung des au­to­ri­ta­tiv-dog­ma­ti­schen In­halts des Chris­ten­tums als auch die Ab­leh­nung des Li­be­ra­lis­mus, in Po­li­tik wie Theo­lo­gie.[115] 

Sei­nen An­griff auf den Li­be­ra­lis­mus führ­te Schmitt mit sei­nem be­rühmt-be­rüch­tigt ge­blie­be­nen „Be­griff des Po­li­ti­schen“ auf ei­nen Hö­he­punkt und for­mu­lier­te staats­theo­re­ti­sche Grund­sät­ze, die auch in die „Ver­fas­sungs­leh­re“ ein­gin­gen. Bei­de  von Schmitts Na­men nicht zu tren­nen­de Ar­bei­ten sind in der Tat ei­ne „Bon­ner Ern­te“[120], wie sie Meh­ring nann­te, denn sie ver­dan­ken ih­re Ent­ste­hung Bon­ner Um­stän­den und Er­geb­nis­sen. Im Früh­jahr 1927 er­hielt Schmitt ei­ne Ein­la­dung der Hoch­schu­le für Po­li­tik in Ber­lin zu ei­nem Vor­trags­abend über Pro­blem­stel­lun­gen der In­nen­po­li­tik. „Der Be­griff des Po­li­ti­schen“, wel­cher ur­sprüng­lich laut Ta­ge­buch als Ka­pi­tel ei­nes grö­ße­ren Wer­kes ge­dacht war, ver­selbst­stän­dig­te sich da un­ter sei­ner Hand.[121] Schmitt tes­te­te sei­ne Über­le­gun­gen, wenn auch sehr rasch zu Pa­pier ge­bracht, zu­nächst in sei­ner ak­tu­el­len Bon­ner Vor­le­sung aus.[122] Nach ge­nü­gen­der Er­pro­bung trug er am 20.5.1927 den „Be­grif­f“ in der Hoch­schu­le für Po­li­tik vor und hielt sei­nen, wie­der ein­mal durch­wach­se­nen Ein­druck im Ta­ge­buch fest: „[...] ver­lor die Über­sicht, kein gu­ter Vor­trag, de­pri­miert. Ab­scheu­li­che Dis­kus­si­on (der As­sis­tent Bloch von Som­bart, Paul Lands­berg sehr schön, Hel­ler ver­tei­dig­te mich rüh­rend)“.[123] 

Die Be­griffs­schrift liegt in meh­re­ren Fas­sun­gen vor, aber schon in der Fas­sung von 1927 las­sen sich in we­ni­gen Grund­sät­zen die theo­rie­bil­den­den An­sprü­che skiz­zie­ren. Schmitts ers­ter und be­kann­tes­ter Grund­satz lau­tet: „Der Be­griff des Staa­tes setzt den Be­griff des Po­li­ti­schen vor­aus.“[124] Das Po­li­ti­sche war für Schmitt et­was vor­staat­li­ches, auf dem der Staat als ei­ne Grup­pen­kon­struk­ti­on auf­bau­en kann. Es han­delt sich bei dem Po­li­ti­schen dem­nach um ei­ne Ka­te­go­rie von Hand­lungs- und Mo­tiv­op­tio­nen, für die Schmitt fest­hielt: „Die spe­zi­fisch po­li­ti­sche Un­ter­schei­dung, auf wel­che sich die po­li­ti­schen Hand­lun­gen und Mo­ti­ve zu­rück­füh­ren las­sen, ist die Un­ter­schei­dung von Freund und Feind.“[125] Für die Cha­rak­te­ri­sie­rung ei­ner Ka­te­go­rie des Po­li­ti­schen führ­te er sei­ne klas­sisch ge­wor­de­ne Freund-Feind-Un­ter­schei­dung ein, die sich al­ler­dings an­ders ge­stal­tet als das land­läu­fi­ge Kli­schee ei­ner sol­chen Un­ter­schei­dung es an­nimmt. Mit Schmitts Un­ter­schei­dung war ein dua­les Ver­hält­nis um­schrie­ben, das von In­ten­si­tä­ten und Span­nungs­ver­hält­nis­sen, von na­hen und fer­nen, ver­trau­ten und frem­den oder eben feind­lich und freund­lich ge­sinn­ten Ak­teu­ren des Po­li­ti­schen aus­geht.[126] 

Die „Ver­fas­sungs­leh­re“ stellt kein blo­ßes Ver­fas­sungs­recht dar, da es die Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung nicht al­lein be­han­delt, son­dern die Ver­fas­sungs­theo­rie ins­ge­samt in den Blick nimmt. Die für ei­ne Ver­fas­sungs­ord­nung grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen be­zeich­ne­te Schmitt als „Sub­stan­z“, die er von den ein­zel­nen Ver­fas­sungs­nor­men un­ter­schie­den wis­sen woll­te. Er for­der­te dar­an an­schlie­ßend in der Ver­fas­sungs­in­ter­pre­ta­ti­on die stän­di­ge Be­rück­sich­ti­gung der „Sub­stan­z“ und ei­ne not­wen­di­ge Re­la­ti­vie­rung ein­zel­ner gel­ten­der Ver­fas­sungs­nor­men ge­gen­über die­sen Grund­ent­schei­dun­gen.[136] Die­se Un­ter­schei­dung ist durch­aus ein „ver­fas­sungs­po­li­ti­scher He­bel zur Af­fir­ma­ti­on und Kri­ti­k“, denn er kann auch um­ge­kehrt und da­mit  zur Re­la­ti­vie­rung des Ver­fas­sungs­rechts als sol­ches ge­gen­über ei­ner bloß an­ge­nom­me­nen „Sub­stan­z“ ver­wen­det wer­den.[137] 

Trotz die­ses Kipp­bil­des er­weckt die Ver­fas­sungs­leh­re in wei­ten Tei­len nicht den Ein­druck von ei­nem Ver­fas­sungs­skep­ti­ker ge­schrie­ben wor­den zu sein. Das mag wohl am meis­ten an Schmitts Pas­sa­gen zum Rechts­staat lie­gen. Im zwei­ten Teil sei­nes Wer­kes ging er zu den Grund­la­gen des bür­ger­li­chen Rechts­staa­tes über und be­schrieb die Grund­rech­te so­wie die Ge­wal­ten­tei­lung als Ord­nungs­prin­zi­pi­en des Ver­fas­sungs­staa­tes.[138] Und doch: Im be­deu­tungs­schwe­ren Ka­pi­tel „Bür­ger­li­cher Rechts­staat und po­li­ti­sche For­m“ wand­te er sei­ne Un­ter­schei­dung von Li­be­ra­lis­mus und De­mo­kra­tie so kon­se­quent an, dass er sich so­gar zu dem Ur­teil ver­stieg, ei­ne rechts­staat­li­che Ver­fas­sungs­ord­nung stel­le kei­ne Staats­form dar, son­dern nur die Ver­wirk­li­chung ih­rer Idee von der ei­ge­nen kon­sti­tu­tio­nel­len He­gung.[139] Ge­ra­de­zu pro­phe­tisch, wie schon ei­ni­ge Aus­sa­gen des Bon­ner Carl Schmitt, ließ er den Teil über das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem mit dem „Auf­lö­sungs­recht des Reichs­prä­si­den­ten“ en­den.[140] In ge­wis­ser Wei­se spie­gel­te dies die Ver­fas­sungs­wirk­lich­keit wie­der, in wel­che die Wei­ma­rer Re­pu­blik schon bald ein­tre­ten soll­te.

9. Schluss

„Wenn ich an die Ge­sprä­che den­ke, die wir 1921-1928 in Bonn ge­führt ha­ben, so kom­me ich mir leicht­sin­nig vor“, be­kann­te Carl Schmitt in ei­nem Brief aus dem vom Krieg zer­stör­ten Ber­lin des Jah­res 1946 an sei­nen al­ten Freund Wil­helm Neuß. „Wer weiß, ob wir die Früch­te un­se­rer For­schun­gen und Er­fah­run­gen noch ein­mal in ei­nem schö­nen Ge­spräch ern­ten kön­nen?“[141] Das war weit­aus mehr als der Ver­such ei­ner Kon­takt­auf­nah­me durch ei­nen Mann, der am vor­läu­fi­gen En­de sei­ner Kar­rie­re an­ge­langt nicht nur im me­ta­pho­ri­schen Sin­ne in Trüm­mern stand. Es war auch die Er­in­ne­rung an geis­tig äu­ßerst re­ge und an­re­gungs­rei­che Zei­ten.

An der Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn stieß Schmitt zu ei­ner geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fach­aus­rich­tung, die sich wie er ge­gen den Rechts­po­si­ti­vis­mus stell­te. Die Fa­kul­tät zeich­ne­te sich trotz ei­nes Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sels und der vie­len Um­brü­che in Wis­sen­schaft und Po­li­tik durch gro­ße the­ma­ti­sche Kon­ti­nui­tät aus. Be­stim­mend blieb für die Bon­ner Staats­rechts­leh­re ei­ne star­ke Stel­lung der Rechts­ge­schich­te und der Staats­phi­lo­so­phie, auf die auch Schmitt in sei­nem be­griffs­be­ton­ten Zu­gang im­mer wie­der zu­rück­griff. Ein­zig auf dem für Bonn so er­folg­rei­chen und in­no­va­ti­ven Ge­biet des Wirt­schafts­rechts fand er kei­ne ei­ge­nen An­knüp­fungs­punk­te, was sich aus sei­nem stär­ker ar­ti­ku­lie­ren­den Il­li­be­ra­lis­mus und Un­be­ha­gen an der Öko­no­mie er­klä­ren lässt. Mag er auch kennt­nis­reich an die Schrif­ten sei­ner Kol­le­gen und da­mit an die Bon­ner Rechts­leh­re an­ge­knüpft ha­ben, ge­fes­tig­te Ban­de zu der Fa­kul­tät und ih­ren Mit­glie­dern er­ga­ben sich nicht.

Die äu­ße­re La­ge Deutsch­lands und das durch Be­sat­zung und Se­pa­ra­ti­on be­droh­te Rhein­land, mit dem sich Schmitt als ei­ne zwei­te Hei­mat ver­bun­den fühl­te und von des­sen Pro­ble­men er als Bon­ner Pro­fes­sor selbst be­trof­fen war, mo­ti­vier­ten ihn da­zu, ex­em­pla­risch an­hand des Rhein­lan­des den Kampf mit der von ihm als rechts­un­si­cher und dis­kri­mi­nie­rend ge­brand­mark­ten Nach­kriegs­ord­nung von Genf und Ver­sailles auf­zu­neh­men. Die hier ge­won­ne­nen Ein­sich­ten in die Not­wen­dig­keit ei­ner star­ken po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung schlu­gen auf die wie­der auf­ge­nom­me­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Ar­bei­ten zu­rück und führ­ten zu dem Vor­ha­ben ei­ner Aus­dif­fe­ren­zie­rung von Li­be­ra­lis­mus und De­mo­kra­tie, die ge­fähr­li­che Im­pli­ka­tio­nen mit sich brach­te und noch im­mer mit sich bringt.

Schmitts po­li­ti­sche Po­si­tio­nen sind gründ­lich dis­kre­di­tiert und ha­ben sich – gleich­wohl die so­ge­nann­te „Neue Rech­te“ an sie an­zu­knüp­fen ver­sucht – über­lebt, wie auch Na­tio­na­lis­mus und Eta­tis­mus Wei­mars ver­schwun­den sind. Aus der Aus­ein­an­der­set­zung mit Schmitt zieht al­ler­dings nur der ei­nen Ge­winn, der sich auf die ju­ris­tisch-staats­theo­re­ti­schen Ar­gu­men­te, nicht auf sei­ne Res­sen­ti­ments und Ver­zer­run­gen ein­lässt. So lie­ße „sich mit Carl Schmitt ge­gen Carl Schmit­t“ ler­nen.[142] 

Quellen

Un­ge­druck­te Quel­len
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Uni­ver­si­täts­ar­chiv Bonn (UA Bonn)
Per­so­nal­ak­ten (PA)
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Sie­bels, Vol­ker, Ernst Lands­berg (1860–1927). Ein jü­di­scher Ge­lehr­ter im Kai­ser­reich, Tü­bin­gen 2011.
Smend, Ru­dolf, Die Ver­ei­ni­gung der deut­schen Staats­rechts­leh­rer und der Rich­tungs­streit, in: Ehm­ke, Horst/Kai­ser, Jo­seph H./Ke­we­ning, Wil­helm A./Mees­sen, Karl Mat­thi­as/Rüf­ner, Wolf­gang, Fest­schrift für Ul­rich Scheu­ner zum 70. Ge­burts­tag, Ber­lin 1973, S. 575-589.
Stoll­eis, Mi­cha­el, Ge­schich­te des öf­fent­li­chen Rechts in Deutsch­land, Band 3: Staats- und Ver­wal­tungs­rechts­wis­sen­schaft in Re­pu­blik und Dik­ta­tur 1914-1945, Mün­chen 1999.
Tripp, Diet­rich, Der Ein­fluss des na­tur­wis­sen­schaft­li­chen, phi­lo­so­phi­schen und his­to­ri­schen Po­si­ti­vis­mus auf die deut­sche Rechts­leh­re im 19. Jahr­hun­dert, Ber­lin 1983.

On­line
Lang-Hin­rich­sen, Diet­rich, Berg­bohm, Karl Ma­gnus, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 2 (1955), S. 77. [On­line]
Lier­mann, Hans, Kauf­mann, Erich in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 11 (1977), S. 349-350. [On­line]
Münk­ler, Her­fried, Er­kennt­nis wächst an den Rän­dern – Der Den­ker Carl Schmitt be­schäf­tigt auch 20 Jah­re nach sei­nem Tod Rech­te wie Lin­ke, in: Die Welt. [On­line
Ot­to, Mar­tin, Stier-Som­lo, Fritz, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 25 (2013), S. 354-355. [On­line]

Die im Jahr 1928 von Schmitt verfasste "Verfassungslehre". (© Carl-Schmitt-Gesellschaft e.V.)

 
Anmerkungen
  • 1: Gurian, Kronjurist des III. Reiches, S. 52-54.
  • 2: Christian Graf von Krockow im FAZ-Magazin vom 18.4.1986, S. 28; zitiert nach: Rüthers, Entartetes Recht, S. 155.
  • 3: Münkler, Erkenntnis wächst an den Rändern.
  • 4: Vgl. beispielsweise Koenen, Der Fall Carl Schmitt u. Blasius, Preußischer Staatsrat.
  • 5: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 140.
  • 6: Vgl. Noack, Schmitt, S. 65; Mehring, Aufstieg und Fall, S. 189.
  • 7: Mehring, Greifswalder Intermezzo, S. 323-353.
  • 8: Vgl. Schreiben des Universitätskurators Norrenberg vom 30.3.1922 an Schmitt, in: UA Bonn PA 8888; Schmitt am 9.3.1922 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 20-21.
  • 9: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 31-32.
  • 10: Vgl. Baumgarten, Professoren, S. 168-169, 177, 248.
  • 11: Zitelmann, Bonner Universität, S. 3, 8-9.
  • 12: Vgl. Friesenhahn, Juristen der Universität Bonn, S. 44-45.
  • 13: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 241; jüngst auch Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 299.
  • 14: Landsberg gilt gar als erster jüdischer Privatdozent an einer preußischen Rechtsfakultät, jedenfalls war er es sicher für Bonn; vgl. Siebels, Ernst Landsberg, S. 24, 33.
  • 15: Vgl. Friesenhahn, Juristen der Universität Bonn, S. 36.
  • 16: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 245-246; Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 302-303.
  • 17: Zu Hubers Bonner Werdegang vgl. Maetschke, Im Schatten Carl Schmitts, S. 368-386.
  • 18: Vgl. Lang-Hinrichsen, Bergbohm, S. 77.
  • 19: Vgl. ausführlich Liermann, Kaufmann, S. 349-350; Degenhardt, Machtstaat und Völkerbund.
  • 20: Vgl. Erich Kaufmann am 1.6.1923 an Schmitt, LAV NRW R RW 265-7314. Zur Beratertätigkeit für das AA und andere Institutionen vgl. Degenhardt, Machtstaat und Völkerbund, S. 91-109.
  • 21: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 141; Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 20 Anm. 5.
  • 22: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 202, 315 u. zum neuen Institut Schmitt, Seminar für internationales Recht und Politik, S. 41-42.
  • 23: Eine nicht ganz vollständige Übersicht über Schmitts Bonner Lehrveranstaltungen bietet Mehring, Aufstieg und Fall, S. 616 Anm. 6.
  • 24: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 77-79.
  • 25: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 79.
  • 26: Zu den ersten Nennungen im Tagebuch vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 90ff., 114ff.
  • 27: Hermann Heller diagnostizierte als erster eine grundlegende Krise, vgl. Heller, Krisis der Staatslehre, S. 289-316. Die Bezeichnung „Methodenstreit“ prägte hingegen Schwinge, Methodenstreit. Zu Generationsmerkmalen vgl. Möllers, Generationenkonflikt, S. 399-424.
  • 28: Stolleis, Geschichte des öffentlichen Rechts, S. 155.
  • 29: Grothe, Verfassungsgeschichtsschreibung, S. 150.
  • 30: Smend, Richtungsstreit, S. 575-589.
  • 31: Tripp, Positivismus, S. 278-279.
  • 32: Schmitt, Über die drei Arten, S. 32.
  • 33: Schmitt, Lage der europäischen Rechtswissenschaft, S. 32.
  • 34: Vgl. so etwa Korioth, Rudolf Smend, S. 590-593.
  • 35: Vgl. Smend, Ungeschriebenes Verfassungsrecht, S. 39-59.
  • 36: Vgl. Kaufmann, Kritik der neukantischen Rechtsphilosophie.
  • 37: Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 309-310.
  • 38: Rennert, Klaus: Die „geisteswissenschaftliche Richtung“.
  • 39: Vgl. Schmoeckel, Schmitt in Bonn, S. 254-255; Schmoeckel/Düppe, Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, S. 314-315.
  • 40: Vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 75 Anm. 220, 99, 324-325, 340; Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 82 Anm. 498. Schmitts angemietetes Haus trägt heute die Adresse Godesberger Allee 155.
  • 41: Ernst Rudolf Huber am 8.7.1978 an Schmitt, in: Grothe (Hg.), Carl Schmitt – Ernst Rudolf Huber, S. 388.
  • 42: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 124, 151.
  • 43: Schmitt, Politische Theologie, S. 13.
  • 44: Schmitt, Politische Theologie, S. 43.
  • 45: Schmitt konnte dies mit gewissem Recht tun; vgl. Kelsen, Gott und Staat, S. 261-284.
  • 46: Vgl. Schmitt, Politische Theologie, S. 46-55, 64ff.
  • 47: So etwa mit Landsberg jun. und Göppert, der Rathenau gekannt hatte; vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 106, 124.
  • 48: Schmitt, Schatten Gottes, S. 116-117.
  • 49: Schmitt, Schatten Gottes, S. 106.
  • 50: Damit zitiert er ohne Verweis einen Ausdruck Harnacks; vgl. Harnack, Marcion, S. 7, 9, 12-13.
  • 51: Schmitt, Römischer Katholizismus, S. 26.
  • 52: Vgl. Kaufmann, Wesen des Völkerrechts, S. 136.
  • 53: Vgl. Dahlheimer, Schmitt und Katholizismus, S. 56-81, 82-84. Zu Koenens Ausführungen in Bezug auf die Bonner Zeit siehe Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 32-62.
  • 54: Schmitt, Schatten Gottes, S. 96.
  • 55: Vgl. so Mehring, Aufstieg und Fall, S. 152.
  • 56: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 85-87.
  • 57: Zum Krisenjahr 1923 und seinen verfassungsgeschichtlichen Konsequenzen vgl. Huber, Verfassungsgeschichte, Band 7, S. 390-401.
  • 58: Als immer wiederkehrendes Motiv vgl. Schmitt, Schatten Gottes, S. 140, 145, 192, 203.
  • 59: Schmitt, Schatten Gottes, S. 139-140.
  • 60: Schmitt, Schatten Gottes, S. 142-143, 151, 159.
  • 61: Vgl. Becker, Geistesgrößen und Gefahren, S. 104-105.
  • 62: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 158.
  • 63: Smend, Verschiebung der konstitutionellen Ordnung, S. 64.
  • 64: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 39.
  • 65: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 20.
  • 66: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 37.
  • 67: Schmitt, Die geistesgeschichtliche Lage, S. 77.
  • 68: Rudolf Smend am 22.12.1923 an Schmitt, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 24-25.
  • 69: Vgl. Schmitt am 28.10.1923 an Ludwig Feuchtwanger, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 38-39 mit Anm. 4.
  • 70: Schmitt am 24.11.1923 an Ludwig Feuchtwanger, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 46.
  • 71: Vgl. Stolleis, Geschichte des öffentlichen Rechts, S. 186-189; Friedrich, Geschichte der Staatsrechtswissenschaft, S. 320-324.
  • 72: Vgl. Bracher, Auflösung der Weimarer Republik, S. 47-52, 56-57.
  • 73: Vgl. Huber, Verfassungsgeschichte, Band 6, S. 688-689; Bracher, Auflösung der Republik, S. 47-48.
  • 74: Huber, Verfassungsgeschichte, Band 6, S. 689.
  • 75: Art. 48 Abs. 4 WRV: „Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.“
  • 76: Schmitt, Schatten Gottes, S. 311. Der Originalbrief Triepels vom 3.2.1924 befindet sich im Nachlass: LAV NRW R RW 265-16399. Schmitt, Schatten Gottes, S. 311. Der Originalbrief Triepels vom 3.2.1924 befindet sich im Nachlass: LAV NRW R RW 265-16399.
  • 77: Schmitt, Diktatur des Reichspräsidenten, S. 81.
  • 78: Schmitt, Diktatur des Reichspräsidenten, S. 82-104.
  • 79: Schmitt, Schatten Gottes, S. 337.
  • 80: Schmitt, Reichspräsident und Weimarer Verfassung, S. 27.
  • 81: Seiberth, Anwalt des Reiches.
  • 82: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 168.
  • 83: Vgl. Ludwig Feuchtwanger am 23.3.1925 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Schmitt – Feuchtwanger, S. 127 u. zum Kontrahenten Otto, Stier-Somlo, S. 354-355.
  • 84: Schmitt am 21.5.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 44.
  • 85: as war nicht der einzige antisemitische Bannstrahl, der seine Fachkollegen traf. Auch zu den bisher engen Fakultätskollegen Landsberg und Kaufmann notierte er wachsende Distanz in seinem Tagebuch. Ein Bonner Kinobesuch bot Anlass zu ähnlichen Worten: „[...] the Kid, weil Landsberg das so gerühmt hatte; Dreck, jüdische Sentimentalität. Sah die Entfernung zu diesen Leuten.“
  • 86: as war nicht der einzige antisemitische Bannstrahl, der seine Fachkollegen traf. Auch zu den bisher engen Fakultätskollegen Landsberg und Kaufmann notierte er wachsende Distanz in seinem Tagebuch. Ein Bonner Kinobesuch bot Anlass zu ähnlichen Worten: „[...] the Kid, weil Landsberg das so gerühmt hatte; Dreck, jüdische Sentimentalität. Sah die Entfernung zu diesen Leuten.“
  • 87: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 185.
  • 88: as Rheinland war für den gebürtigen Sauerländer Schmitt eine zweite Heimat. Vielen seiner Freunde und langjährigen Bekannten war er schlicht weg nur als Rheinländer bekannt. Gerne bezeichnete er sich immer wieder als Moselaner, auch wenn dies auf die Herkunft seiner Familie nur unzureichend zutrifft.
  • 89: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 26.
  • 90: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 12.
  • 91: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 12.
  • 92: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1924), S. 4.
  • 93: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1926), S. 118.
  • 94: Schmitt, Kernfrage des Völkerbundes (1926), S. 97.
  • 95: Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 23.
  • 96: Vgl. Schmitt, Status quo, S. 51ff.
  • 97: Vgl. Schmitt, Status quo, S. 59.
  • 98: Vgl. Koenen, Der Fall Carl Schmitt, S. 45 Anm. 118; Dahlheimer, Schmitt und Katholizismus, S. 419.
  • 99: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 192.
  • 100: Schmitt am 5.6.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 46.
  • 101: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 27.
  • 102: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 32.
  • 103: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 30.
  • 104: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 36.
  • 105: Schmitt, Die Rheinlande als Objekt, S. 39.
  • 106: Vgl. dazu Piet Tommissens Rezensionssammlung, die sich in seinem Nachlass erhalten hat: LAV NRW R RW 579-893.
  • 107: Schmitt am 5.6.1925 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 45.
  • 108: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 198.
  • 109: chmitt schloss aus seinem Angriff auf Genf und Versailles sowie die Lage der europäischen Nachkriegsordnung, dass das deutsche Volk eines stärkeren politischen Willens zur Selbstbehauptung und Anfechtung einer ihm aufgezwungenen Ordnung benötige.
  • 110: chmitt schloss aus seinem Angriff auf Genf und Versailles sowie die Lage der europäischen Nachkriegsordnung, dass das deutsche Volk eines stärkeren politischen Willens zur Selbstbehauptung und Anfechtung einer ihm aufgezwungenen Ordnung benötige.
  • 111: chmitt schloss aus seinem Angriff auf Genf und Versailles sowie die Lage der europäischen Nachkriegsordnung, dass das deutsche Volk eines stärkeren politischen Willens zur Selbstbehauptung und Anfechtung einer ihm aufgezwungenen Ordnung benötige.
  • 112: Vgl. Nichtweiß, Erik Peterson, S. 727.
  • 113: Peterson, Heis Theos.
  • 114: Vgl. sehr intensiv Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 24ff., 31ff.
  • 115: Vgl. Nichtweiß, Erik Peterson, S. 742-743.
  • 116: nzeichen dafür, wie sehr Peterson bei Schmitt einen Nerv getroffen haben muss, ist der Verweise des Juristen auf die Arbeit des Theologen: In „Volksentscheid und Volksbegehren“ lobte er Petersons „grundlegende, in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung weit über den Rahmen ihres Sonderfachs hinausgehende Untersuchung“ über die Akklamation.
  • 117: nzeichen dafür, wie sehr Peterson bei Schmitt einen Nerv getroffen haben muss, ist der Verweise des Juristen auf die Arbeit des Theologen: In „Volksentscheid und Volksbegehren“ lobte er Petersons „grundlegende, in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung weit über den Rahmen ihres Sonderfachs hinausgehende Untersuchung“ über die Akklamation.
  • 118: ür die Moderne begab sich die Akklamation in die Abhängigkeit von den gestellten, vor allem einfachen Fragen, denn für die Komplexität gilt: „Die Unmittelbarkeit der Demokratie lässt sich nicht organisieren, ohne daß sie aufhört, unmittelbar zu sein.“
  • 119: Gedankengang aus „Volksentscheid und Volksbegehren“ aufgenommen in Schmitt, Demokratie und Finanz, S. 97.
  • 120: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 200.
  • 121: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 202 u. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 129-130.
  • 122: Vgl. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 137-138.
  • 123: Vgl. Schmitt, Tagebücher 1925 bis 1929, S. 137-138.
  • 124: Schmitt, Begriff, S. 196.
  • 125: Schmitt, Begriff, S. 196.
  • 126: Schmitt, Begriff, S. 196-197.
  • 127: Schmitt, Begriff, S. 198.
  • 128: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 211.
  • 129: Schmitt, Begriff, S. 210.
  • 130: ennoch rief er dazu auf, dies im Gegensatz zu einem ökonomisierenden und daher nivellierenden Liberalismus als existentiell, das heißt selbst- und gruppenkonstituierend, zu begreifen, wie er es auf dem Feld eines ungehegten, quasi zum offenen Ausbruch gebrachten Freund-Feind-Verhältnisses darlegte: „Der Krieg folgt aus der Feindschaft, denn diese ist die seinsmäßige Negierung eines anderen Seins. Krieg ist nur die äußerste Realisierung der Feindschaft.“
  • 131: on einer grundsätzlichen Kritik am Liberalismus, in die der „Begriff“ mündete, ging auch die Verfassungslehre aus. Früh hatte Schmitt, der im Wintersemester 1926/1927 erneut Vertretung für Erich Kaufmann leistete, Gedanken zu einem umfassenden „Lehrbuch des Völkerrechts“ gehegt.
  • 132: Vgl. Ludwig Feuchtwanger am 25.5.1927 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Carl Schmitt – Ludwig Feuchtwanger, S. 202ff. u. Ludwig Feuchtwanger am 14.6.1927 an Schmitt, in: Rieß (Hg.), Carl Schmitt – Ludwig Feuchtwanger, S. 207.
  • 133: Schmitt am 17.10.1927 an Rudolf Smend, in: Mehring (Hg.), Schmitt – Smend, S. 65.
  • 134: Vgl. Mehring, Aufstieg und Fall, S. 202, 204-205.
  • 135: Vgl. so schon Huber, Schmitt in der Reichskrise, S. 33-70.
  • 136: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 3, v. a. S. 23-24.
  • 137: Mehring, Aufstieg und Fall, S. 216.
  • 138: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 14-15.
  • 139: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 16.
  • 140: Vgl. Schmitt, Verfassungslehre, § 28.
  • 141: Schmitt am 20.12.1946 an Wilhelm Neuß, in: ULB Bonn NL Neuss 19:044.
  • 142: Meier, Zwischenbilanz, S. 223.
Zitationshinweis

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Schulz, René, Am Anfang der Positionen und Begriffe: Carl Schmitt in Bonn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/am-anfang-der-positionen-und-begriffe-carl-schmitt-in-bonn/DE-2086/lido/6093b1903c0b48.99330509 (abgerufen am 29.01.2022)