Johann VII. von Schönenburg

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1525-1599)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Johann VII. von Schönenburg, zeitgenössischer Stich. (Universität Mannheim)

Jo­hann von Schö­nen­burg war ein er­folg­rei­cher Kir­chen­re­for­mer und Ter­ri­to­ri­al­herr und setz­te da­mit die er­folg­rei­che Ar­beit sei­nes Vor­gän­gers Ja­kob von Eltz fort. Wie die­ser brach­te er sei­ne Er­fol­ge in ei­ner auf­wen­di­gen Kunst­po­li­tik zum Au­druck, die den Trie­rer Dom zum op­ti­schen Mit­tel­punkt ei­nes gut re­gier­ten ka­tho­li­schen Ter­ri­to­ri­ums mach­te.

Jo­hann von Schö­nen­burg wur­de 1525 auf Burg Har­tel­stein in der Ei­fel ge­bo­ren. Er stammt aus ei­ner Main­zer Mi­nis­te­ria­len­fa­mi­lie, die sich nach Schö­ne­berg bei Bin­gen nennt. Sein Va­ter war Jo­hann von Schö­nen­burg (ge­stor­ben 1540), sei­ne Mut­ter Eli­sa­beth Wey­her von Ni­cke­nich. Jo­hanns Ge­ne­ra­ti­on ge­lang der Zu­gang zu ho­hen geist­li­chen Äm­tern: Sein Bru­der Hans Va­len­tin, der zum lu­the­ri­schen Glau­ben über­trat (1552-1581 als Amt­mann des Am­tes Strom­berg er­wähnt), re­si­gnier­te zu­guns­ten von Hu­go (ge­stor­ben 1581), der in Trier Dom­herr, Kan­tor und Ar­ch­idia­kon von St. Pe­ter wur­de. Der Bru­der Wil­helm (ge­stor­ben 1571) war Dom­de­kan in Worms, Ge­org Dom­herr in Trier, Bi­schof in Worms (Epis­ko­pat 1580-1595) und Dom­propst in Mainz; an ihn er­in­nert ei­nes der auf­wen­digs­ten Grab­denk­mä­ler im Main­zer Dom.

Jo­hann von Schö­nen­burg wur­de 1538 Do­mi­zel­lar in Trier, da­nach stu­dier­te er in Hei­del­berg, das er we­gen der Re­for­ma­ti­on ver­las­sen muss­te, und Frei­burg die für die Auf­nah­me ins Dom­ka­pi­tel vor­ge­schrie­be­nen zwei Jah­re. 1548 wur­de er Dom­herr, 1567 Dom­kus­tos und 1570 Dom­propst. Wei­ter war er Dom­herr in Müns­ter und Stifts­herr an St. Mar­tin in Ober­we­sel. Par­al­lel zum Auf­stieg in die Äm­ter der Di­gni­t­are über­nahm er wei­te­re Funk­tio­nen: 1580 – nach dem Sieg im Pro­zess im Streit um die Reichs­un­mit­tel­bar­keit der Stadt Trier – be­stell­te ihn Erz­bi­schof Ja­kob von Eltz zum ers­ten Trie­rer Statt­hal­ter, zu ei­nem mit weit­ge­hen­den Voll­mach­ten aus­ge­stat­te­ten Ver­wal­ter der städ­ti­schen Ge­schäf­te. 1580 war er auch Rek­tor der Trie­rer Uni­ver­si­tät. 1581 wur­de er ge­gen Karl von Loth­rin­gen zum Erz­bi­schof ge­wählt. 1582 er­hielt er das Pal­li­um und auf dem Augs­bur­ger Reichs­tag die Bi­schofs­wei­he.

Jo­hann von Schö­nen­burg konn­te trotz au­ßer­or­dent­lich un­güns­ti­ger Rah­men­be­din­gun­gen die Früch­te der Po­li­tik sei­nes Vor­gän­gers ern­ten und setz­te die­se in ei­ner Fül­le von Ein­zel­maß­nah­men und -ver­ord­nun­gen fort. Kon­se­quent führ­te er die Re­form al­ler Be­rei­che des kirch­li­chen Le­bens durch: Für die Stif­te in Trier (St. Si­me­on), Ko­blenz (St. Kas­tor), Lim­burg, Wetz­lar, Kar­den, Prüm, May­en, Müns­ter­mai­feld und Kyll­burg er­ließ er Re­form­sta­tu­ten, au­ßer­dem re­for­mier­te er die Land­de­ka­na­te und das Send­we­sen. 1595 ge­lang ihm die tri­den­ti­ni­sche Re­form des Dom­ka­pi­tels, ein Vor­ha­ben, an dem seit 1585 ge­ar­bei­tet wor­den war und an dem noch sein Vor­gän­ger ge­schei­tert war. Die aus dem Adel der Re­gi­on stam­men­den Dom­her­ren hat­ten al­len­falls die nie­de­ren Wei­hen emp­fan­gen, ver­nach­läs­sig­ten an­geb­lich das Chor­ge­bet und hät­ten we­gen der Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Stadt Trier und ih­rer Pfrün­den­häu­fung die Re­si­denz na­he­zu auf­ge­ge­ben.

Nicht ganz so er­folg­reich wa­ren die Grün­dung ei­nes Pries­ter­se­mi­nars 1585 durch die Je­sui­ten in Ko­blenz, das nur zwölf Stu­den­ten auf­neh­men konn­te, und das in Trier ge­grün­de­te Ban­thus­se­mi­nar. 1583 ließ Jo­hann ein Bre­vi­a­ri­um Tre­vi­ren­se dru­cken und 1589 ei­nen kur­trie­ri­schen Ka­te­chis­mus. Nach lan­gen Jah­ren wur­de 1585 wie­der der Hei­li­ge Rock aus­ge­stellt, der wie kein an­de­res Sym­bol das Be­kennt­nis zur Tra­di­ti­on der Trie­rer Kir­che und zum ka­tho­li­schen Glau­ben si­gna­li­sier­te. Dem ent­spricht al­ler­dings auch, dass Jo­hann so­wohl die Ju­den als auch die Pro­tes­tan­ten aus sei­nem Erz­stift ver­wies.

Zeit­ge­nos­sen ur­teil­ten, es gä­be kei­ne Kir­chen­pro­vinz in Deutsch­land, in der die Re­for­men des Kon­zils von Tri­ent so kon­se­quent durch­ge­setzt wor­den wä­ren und wo sich die Re­for­ma­ti­on und die Hä­re­sie we­ni­ger ver­brei­tet hät­ten, als im Ge­biet der Trie­rer Kir­che. Al­ler­dings wur­de Schö­nen­burgs Re­gie­rungs­zeit von Miss­ern­ten, Un­wet­ter, Teue­run­gen und Seu­chen, na­ment­lich der Pest, durch Krie­ge und mi­li­tä­ri­sche Durch­zü­ge, vor al­lem aber von der gro­ßen He­xen­ver­fol­gungs­wel­le der Jah­re 1585-1595 über­schat­tet, von Er­eig­nis­sen, bei de­nen der krän­keln­de und leicht zu be­ein­flus­sen­de Kir­chen­fürst oft über­for­dert war. Un­ter Jo­hann von Schö­nen­burg wur­de die kriegs­zer­stör­te Ab­tei St. Ma­xi­min wie­der auf­ge­baut. In Prüm wur­den das Dor­mi­to­ri­um, das Re­fek­to­ri­um und die Kir­che wie­der­her­ge­stellt. In sei­ner Re­si­denz in Witt­lich ließ er ei­nen Park mit künst­li­chen Brun­nen an­le­gen. In Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) ver­stärk­te er die Be­fes­ti­gungs­an­la­gen.

 

Jo­hann von Schö­nen­burg starb am 1.5.1599 in Ko­blenz und wur­de im nörd­li­chen Sei­ten­schiff des Trie­rer Do­mes bei­ge­setzt. Sein Grab­mal ver­weist auf sei­ne Kunst­po­li­tik, die wie sei­ne Kir­chen­po­li­tik das Werk sei­nes Vor­gän­gers fort­setz­te. Be­son­ders her­vor­zu­he­ben sind nach der Dom­kan­zel und dem Drei­fal­tig­keits­al­tar, dem Gra­bal­tar des Ja­kob von Eltz, der 1595 auf dem Haupt­markt er­rich­te­te Pe­trus­brun­nen, eben­falls ein Werk des Trie­rer Bild­hau­ers Hans Ru­precht Hoff­mann. Über ei­nem brei­ten, sechs­sei­ti­gen Trog er­hebt sich ei­ne reich­ge­schmück­te Brun­nen­säu­le mit Per­so­ni­fi­ka­tio­nen der vier welt­li­chen Kar­di­nal­tu­gen­den Klug­heit, Ge­rech­tig­keit, Stark­mut und Mä­ßig­keit. Vier hin­ter ih­nen ver­bor­ge­ne Af­fen sym­bo­li­sie­ren die Las­ter der Welt. Meh­re­re auf­ein­an­der­ge­sta­pel­te Säu­len­seg­men­te tra­gen In­schriften­ta­feln und Blu­men­ge­bin­de so­wie ei­ne Fi­gur des Stadt- und Bis­tums­pa­trons St. Pe­ter. In­schrif­ten­bän­der er­läu­tern das Bild­pro­gramm, wo­nach das Ge­mein­we­sen von den Kar­di­nal­tu­gen­den re­giert wer­den soll. Beim Pe­trus­brun­nen han­delt es sich um ein an die Be­su­cher des Haupt­mark­tes adres­sier­tes Er­in­ne­rungs­zei­chen kur­fürst­li­cher Stadt­herr­schaft, das durch die be­krö­nen­de Fi­gur des hl. Pe­trus zu­gleich ein Be­kennt­nis zur Ge­gen­re­for­ma­ti­on dar­stellt. Der Pe­trus­brun­nen ist ein Pen­dant zu den Grab­mä­lern der Erz­bi­schö­fe; die­se ver­kün­de­ten ih­re Bot­schaft im Dom, je­ner an ei­nem öf­fent­li­chen Platz.

In den 1590er Jah­ren wur­de nicht nur der Gra­bal­tar für Ja­kob von Eltz er­rich­tet, son­dern auch das Grab­mal für Jo­hann von Schö­nen­burg. Be­reits zehn Jah­re vor sei­nem Tod ver­han­del­te er mit dem Dom­ka­pi­tel über sei­ne Grab­stät­te; das Grab­mal wur­de je­doch erst un­ter sei­nem Nach­fol­ger Lo­thar von Met­ter­nich 1602 voll­endet. Die Ges­ta Tre­ver­o­rum be­rich­ten in sei­ner Le­bens­be­schrei­bung, er ha­be ein „kost­spie­li­ges Denk­mal beim Al­tar des hei­li­gen Se­bas­ti­an in der Dom­kir­che er­rich­tet, und er stif­te­te auf dem­sel­ben Al­tar ei­ne täg­lich Mes­se.“ Zu sei­nem Ab­le­ben schrieb der Chro­nist, er wur­de „in sei­nem oben­ge­nann­ten Grab­mal bei­ge­setzt, das sich durch sei­ne Grö­ße, sei­nen Mar­mor, den Ala­bas­ter und die kunst­vol­le Plas­tik aus­zeich­net.“

Al­ler­dings sind an dem beim Dom­brand 1717 zer­stör­ten und da­nach recht un­glück­lich zu­sam­men­ge­setz­ten Grab­mal nur noch we­ni­ge Stü­cke ori­gi­nal, so dass der heu­ti­ge Zu­stand al­len­falls ei­nen Ab­glanz des ur­sprüng­li­chen Aus­se­hens über­lie­fert. Über der Men­sa be­fin­den sich ein Re­li­ef des Jüngs­ten Ge­richts so­wie Ala­bas­ter­re­liefs mit der Grab­le­gung und der Auf­er­ste­hung. In der Haupt­zo­ne sieht man ein Kru­zi­fix mit der hl. Agnes so­wie ein Stif­ter­bild des Erz­bi­schofs mit sei­nem Na­mens­pa­tron Jo­han­nes dem Täu­fer. Die ur­sprüng­li­che Ge­stalt des Grab­mals lässt sich aus der Be­schrei­bung von Bro­wer und Ma­sen und nach ei­ner Zeich­nung des 18. Jahr­hun­derts er­schlie­ßen. Da­nach be­stand das Mo­nu­ment aus meh­re­ren, von Säu­len ge­tra­ge­nen Platt­for­men. Un­ten war der Erz­bi­schof als lie­gen­der Leich­nam mit vier Grab­wäch­tern dar­ge­stellt, dar­über als be­ten­der Kur­fürst zu se­hen. Oben be­fand sich ei­ne Ma­ri­en­krö­nung, um­ge­ben von den vier Kar­di­nal­tu­gen­den. Ne­ben dem Schö­nen­burg-Grab­mal, das im nörd­li­chen Sei­ten­schiff auf­ge­stellt wur­de, stand der dem Evan­ge­lis­ten Jo­han­nes ge­weih­te Al­tar. Wir ha­ben es al­so hier nicht mit ei­nem Gra­bal­tar, son­dern mit ei­nem höchst auf­wen­di­gen Grab­mal mit zu­ge­hö­ri­gem Al­tar zu tun, das eben­falls ein ty­po­lo­gi­sches, den Stif­ter und sei­nen Na­mens­pa­tron ver­bin­den­des Pro­gramm dar­stellt.

Jo­hann von Schö­nen­burg er­rich­te­te au­ßer­dem den Al­tar Jo­han­nes des Täu­fers, der als Ge­gen­stück zum Drei­fal­tig­keits­al­tar am süd­öst­li­chen Vie­rungs­pfei­ler auf­ge­stellt wur­de. Auch die­ses Mo­nu­ment hat Jo­seph Wal­ter nach dem Dom­brand ver­setzt und neu ge­stal­tet. Es be­steht heu­te eben­falls aus sechs Eta­gen: Über der Men­sa be­fin­den sich Re­li­efs mit der An­be­tung der Hir­ten, der Be­schnei­dung und der Ver­kün­di­gung an Ma­ria; au­ßer­dem Kon­sol­fi­gu­ren von Sam­son und Ju­dith. Das Haupt­bild zeigt die Tau­fe Chris­ti und vier Wap­pen­rei­hen. Dar­über er­kennt man ei­ne Ma­ri­en­krö­nung und die vier welt­li­chen Kar­di­nal­tu­gen­den so­wie ei­ne Fi­gur Jo­han­nes des Täu­fers und ei­nen En­gel – das Bild­pro­gramm weist al­so auch hier Be­zü­ge zum Amt und zum Na­mens­pa­tron des Stif­ters auf. Auch hier wer­den der Ge­dan­ke der Kir­chen­re­form so­wie der Auf­er­ste­hung der To­ten und des Jüngs­ten Ge­richts the­ma­ti­siert. Die Gra­bal­tä­re des Ja­kob von Eltz und des Jo­hann von Schö­nen­burg de­mons­trie­ren in ih­rem An­spruch, ih­rem Auf­wand und in ih­rer ma­nie­ris­ti­schen For­men­spra­che das neue Selbst- und Sen­dungs­be­wu­ßt­sein der Erz­bi­schö­fe im Zeit­al­ter der er­folg­rei­chen ka­tho­li­schen Re­form.

Quellen

Zenz, Emil (Hg.), Die Ta­ten der Trie­rer - Ges­ta Tre­ver­o­rum, Band 7, Trier 1964, S. 8-16.

Literatur

Fleck, An­drea/Schmid, Wolf­gang, Die Rech­nung über die Her­stel­lung des Pe­trus­brun­nens auf dem Trie­rer Haupt­markt (1594/95). Edi­ti­on und Kom­men­tar, in: Kur­trie­ri­sches Jahr­buch 36 (1996), S. 123-154.
Sei­brich, Wolf­gang, Jo­hann von Schö­nen­burg, in: Gatz, Er­win, Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches 1448-1648. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1996, S. 647-649.
Heinz, Ste­fan/Ro­th­brust, Bar­ba­ra/ Schmid, Wolf­gang, Die Grab­denk­mä­ler der Erz­bi­schö­fe von Trier, Köln und Mainz, Trier 2004, S. 57-61,177-180.
Persch, Mar­tin, Jo­hann von Schö­nen­burg, in: Bio­gra­phisch-bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 3 (1992), Sp. 175-178.
Schmid, Wolf­gang, Die Erz­bi­schö­fe im 16. Jahr­hun­dert, in: Schnei­der, Bern­hard (Hg.): Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat. 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier Band 3) Trier 2010, S. 55-76, hier S. 73-76.
Schmid, Wolf­gang, Grab­denk­mä­ler und Kunst­po­li­tik der Erz­bi­schö­fe von Trier und Köln im Zeit­al­ter der Ge­gen­re­for­ma­ti­on, in: Sanc­ta Tre­ve­ris. Bei­trä­ge zu Kir­chen­bau und bil­den­der Kunst im al­ten Erz­bis­tum Trier. Fest­schrift für Franz J. Ro­nig zum 70. Ge­burts­tag, Trier 1999, S. 515-552.
Schnei­der, Bern­hard (Hg.), Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat. 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier Band 3), Trier 2010, S. 55-76.

Online

End­ru­lat, Bern­hard Fer­di­nand Ju­li­us, Jo­hann VII., in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie 14 (1881), S. 427-428. [On­line]

Grabdenkmal für Johann VII. von Schönenburg im Trierer Dom, 2009, Foto: Berthold Werner.

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Johann VII. von Schönenburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-vii.-von-schoenenburg/DE-2086/lido/57c92ed5c03bf5.47576008 (abgerufen am 19.08.2019)