Bedeutende Schokoladenunternehmen prägten einst die Wirtschaftslandschaft an Rhein und Ruhr. Entdecken Sie die Geschichte dieses untergegangenen Wirtschaftszweiges im Rheinland zwischen 1850 und 1970.

Außer Stollwerck ist kaum noch ein anderes Schokoladenunternehmen im Gedächtnis der Öffentlichkeit vorhanden. Dabei existierten im Rheinland zwischenzeitlich mehrere hundert Schokoladenfirmen. Auch einst renommierte Firmen wie Lohmann & Neugebaur (Emmerich), Novesia (Neuss), Wissoll (Mülheim) und Kaisers (Viersen) zählen dazu. Im Rahmen einer ersten auf 10 Städte begrenzten Recherche an der Universität Düsseldorf wurden fast 500 Schokoladenunternehmen gefunden, die zwischen 1850 und 1970 existierten. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl noch wesentlich höher war.

Die Schokoladenindustrie war seit der Ankunft der Schokolade in Europa ein global ausgerichteter Wirtschaftszweig bedingt durch die klimatischen Erfordernisse des Kakaobaums. Ihre Geschichte war durch die Abhängigkeit von den tropischen Anbaugebieten unmittelbar in globale marktwirtschaftliche und politische Entwicklungen eingebettet, die Schokoladenunternehmen organisierten und strukturieren also globale Warenströme und beeinflussten die Arbeitsbedingungen in den Tropen erheblich. Bislang kaum bekannt ist, dass die westdeutschen Schokoladenunternehmen Vorreiter nachhaltiger ökologischer Anbaumethoden und fairer Arbeitsbedingungen in den Tropen waren. Entsprechende Forderungen und Engagements reichen bis in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zurück. Die Nähe zum Meer und der Rhein als bedeutendste Binnenwasserstraße waren entscheidende Faktoren für die außergewöhnlich dichte Ansiedlung von Schokoladenfirmen im Rheinland. Die große Nachfrage aus dem Ruhrgebiet, dem größten Wirtschaftszentrum Europas, machte das Rheinland zugleich zu einem Zentrum des Nahrungsmittelgewerbes und der Konsumgüterindustrie.

Diese Facetten der rheinischen Konsumgüterindustrie sind weitestgehend vergessen. Umfangreiche Nachlässe - mit Ausnahme von Stollwerck - sind nicht vorhanden. Das Ziel des Projektes ist es, die noch vorhandenen Informationen, über die einst "süße Seite" des Rheinlands zu sammeln und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In Zusammenarbeit mit der Universität Düsseldorf plant das LVR-Internetportal Rheinische Geschichte eine Datenbank, welche die Daten aller erforschten Unternehmen kartographisch und systematisch verzeichnet. Bleiben Sie dran!