Der Wirtschaftsstandort Euskirchen und seine Weltunternehmen

Gabriele Rünger (Euskirchen)

Euskirchen um 1880, "Freimann-Druck", Aufnahmen A. Wengenroth, Steindruckerei Josef Freimann. (Stadtarchiv Euskirchen)

1. Vom Ackerbürgerstädtchen zur Industriestadt

Als im Jahr 1827 der Ver­wal­tungs­sitz des Krei­ses Eus­kir­chen von Le­che­nich (heu­te Stadt Erft­stadt) nach Eus­kir­chen ver­legt wur­de, be­schrieb der Krei­s­phy­si­kus Dr. Lud­wig sei­nen Wohn­ort Eus­kir­chen mit fol­gen­den Wor­ten: „Sämt­li­che Stra­ßen sind en­ge und mehr oder we­ni­ger krumm, die Häu­ser sind klein, von trau­ri­gem Aus­se­hen und durch die Zeit ge­beugt; der Markt­platz in der Mit­te der Stadt, ist ziem­lich ge­räu­mig, doch hat der­sel­be kei­ne an­de­re Be­stim­mung, als dass am 28­ten Oc­to­ber Pfer­de-Markt dar­auf ge­hal­ten wird.“[1] Ab Mit­te des 19. Jahr­hun­derts stieg das Acker­bür­ger­städt­chen Eus­kir­chen zur wich­tigs­ten Stadt am Nord­ost­hang der Ei­fel auf. Es über­flü­gel­te die vor­her be­deu­ten­de­ren Nach­barn Zül­pich, Le­che­nich (heu­te Erft­stadt) und Müns­ter­ei­fel (heu­te Stadt Bad Müns­ter­ei­fel) und ließ an­de­re wie Me­cken­heim oder Rhein­bach hin­ter sich zu­rück. Die güns­ti­ge Ver­kehrs­la­ge, ge­för­dert durch den Aus­bau der Pro­vin­zi­al­stra­ßen - 1826 bis 1837 wur­de die Land­stra­ße Köln–Kom­mern über Eus­kir­chen ge­baut, 1833 bis 1838 die Land­stra­ße Bonn–Schlei­den, 1835 die Stra­ße Eus­kir­chen–Zül­pich–Dü­ren und 1838 die Stra­ße Eus­kir­chen–Müns­ter­ei­fel - der Ei­sen­bahn­bau und die Ent­wick­lung der Tuch­in­dus­trie för­der­ten den Auf­stieg. Der An­schluss an das Ei­sen­bahn­netz mit der Er­öff­nung der Stre­cke nach Dü­ren am 6.10.1864 brach­te den grö­ß­ten Fort­schritt. Drei Jah­re spä­ter be­fuh­ren die ers­ten Zü­ge den Ab­schnitt Eus­kir­chen–Kall der Ei­fel­bahn, die ab 1871 durch­gän­gig bis Trier in Be­trieb ging. Ab 1875 konn­te man di­rekt nach Köln fah­ren. Mit den 1880 be­zie­hungs­wei­se 1890 er­öff­ne­ten Stre­cken nach Bonn und Müns­ter­ei­fel war Eus­kir­chen end­gül­tig zu ei­nem re­gio­nal be­deu­ten­den Bahn­kno­ten­punkt ge­wor­den. Spä­tes­tens im Jahr 1871 war aus dem Acker­bür­ger­städt­chen ei­ne wirt­schaft­lich blü­hen­de In­dus­trie­stadt ge­wor­den, die ih­re Gren­zen spreng­te und sich von ih­rem mit­tel­al­ter­li­chen Ge­prä­ge be­frei­te. Rui­nös ge­wor­de­ne Stadt­mau­ern und Stadt­to­re wur­den nie­der­ge­ris­sen, Aus­fall­stra­ßen und neue Plät­ze ge­schaf­fen; zahl­rei­che öf­fent­li­che mo­nu­men­ta­le Neu­bau­ten de­mons­trier­ten den neu­en Reich­tum. Do­mi­nie­ren­der Wirt­schafts­fak­tor war und blieb fast 100 Jahr lang die Tuch­in­dus­trie, spe­zia­li­siert auf die Her­stel­lung von Uni­form­stof­fen. Mit rund 20 Fa­bri­ken war Eus­kir­chen zum be­deu­tends­ten Stand­ort der Uni­form­tuch­her­stel­lung im Kai­ser­reich ge­wor­den, mit welt­wei­ter Auf­trags­la­ge.

Ne­ben die­ser tra­gen­den Säu­le der Eus­kir­che­ner Wirt­schaft ent­wi­ckel­ten sich wei­te­re In­dus­trie­be­trie­be mit welt­wei­ter Be­deu­tung. Zeit­ge­nös­si­sche An­sich­ten zei­gen die Sil­hou­et­te der Stadt mit ei­ner An­ein­an­der­rei­hung von rau­chen­den Fa­brik­schlo­ten, ne­ben de­nen die Kirch­tür­me klein er­schei­nen. Die Ein­woh­ner­zahl der Stadt stieg in we­ni­gen Jah­ren ra­sant von 5.326 im Jahr 1871 auf 13.014 im Jahr 1912. Die Be­schäf­tig­ten der Tuch­in­dus­trie be­stimm­ten das Bild der Stadt, vor al­lem in so­zia­ler Hin­sicht. Der Nie­der­gang der Tuch­in­dus­trie be­gann En­de der 1950er Jah­re und brach­te die öko­no­mi­sche Struk­tur der Stadt in ei­ne mas­si­ve Kri­se. Die stra­te­gi­sche Er­schlie­ßung neu­er In­dus­trie­ge­bie­te und das An­ge­bot preis­güns­ti­ger Flä­chen wa­ren weg­wei­send. Hin­zu kam, dass ei­ni­ge Be­trie­be, die schon lan­ge in der Stadt an­säs­sig wa­ren, sich in der Nach­kriegs­zeit ex­pan­siv ent­wi­ckel­ten. Die zen­tra­le La­ge mit­ten im west­li­chen EU-Raum und güns­ti­ge Ver­kehrs­an­bin­dun­gen ma­chen Eus­kir­chen bis heu­te zu ei­nem at­trak­ti­ven mit­tel­stän­di­schen In­dus­trie­stand­ort.

2. Tuchstadt Euskirchen - „Die tragende Säule der städtischen Wirtschaft“

Euskirchen um 1850, Lithographie von L. Cajetana. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

2.1 Von den Anfängen bis zur Schließung der Betriebe

In sei­nem Jah­res­be­richt vom 1.8.1827 schreibt Bür­ger­meis­ter Mi­cha­el Boe­ner: „Die Be­woh­ner Eus­kir­chens ha­ben seit dem Jah­re 1800 an­ge­fan­gen, sich auf den Han­del und die Tuch­fa­bri­ka­ti­on zu ver­le­gen.[...] Die Kriegs­jah­re bis 1816 ein­schlie­ß­lich ver­ur­sach­ten na­tür­li­cher­wei­se ei­ne au­ßer­or­dent­li­che Con­sump­ti­on zur Be­klei­dung der Ar­me­en und der De­cken zum Be­huf der Spi­tä­ler. Dies hat­te zur Fol­ge, dass die­je­ni­gen, die sonst nur den Acker­bau als die ein­zi­ge mög­li­che Nah­rungs­quel­le an­ge­se­hen hat­ten, ih­re Kin­der bei die we­ni­gen Tuch­ma­cher in die Leh­re tha­ten, und dass die Web­stüh­le vom Jah­re 1806 bis jetzt we­nigs­tens 70 Stück sich ver­mehrt ha­ben.“[2] Ers­te kon­kre­te Zah­len lie­fert das Jahr 1818: „In Eus­kir­chen wa­ren 38 Tuch­ma­cher-Fa­mi­li­en an­säs­sig.“ Sie pro­du­zier­ten als „klei­ne Fa­bri­kan­ten“ oder eher als „Hand­wer­ker“ und scheu­ten in die­sen Jah­ren noch ih­re Pro­duk­te nach au­ßen über­re­gio­nal dar­zu­stel­len. Im Jahr 1826 hat­ten elf „Fa­bri­kan­ten“ ei­ne Auf­for­de­rung, sich an ei­ner in Ber­lin statt­fin­den­den „Kunst­aus­stel­lung va­ter­län­di­scher Fa­bri­ka­te“ zu be­tei­li­gen, zu­nächst an­ge­nom­men, dann aber „im letz­ten Mo­ment be­stimmt, ih­re An­mel­dung zu­rück­zu­zie­hen.“ Wie die­se „Fa­bri­ken“ aus­sa­hen, zeigt die an­läss­lich der Ber­li­ner Aus­stel­lung auf­ge­lis­te­te Lis­te der elf Tuch­ma­cher. Da­nach ar­bei­te­ten acht von ih­nen auf je zwei Web­stüh­len und hat­ten durch­schnitt­lich be­schäf­tigt: „vier Ge­sel­len und drei theils Lehr­lin­ge, theils Spul­jun­gen“.[3] 

Postkarte mit der Silhouette der Tuchstadt, 1898. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Boe­ner star­te­te 1828 auch ei­nen ers­ten, al­ler­dings ver­geb­li­chen Ver­such, Mi­li­tär­tuch­auf­trä­ge nach Eus­kir­chen zu ho­len. Zu­neh­mend fan­den die Be­grif­fe „Fa­bri­kor­t“, zur Ar­beit „in die Fa­brik ge­hen“ und „Fa­bri­kan­t“ im Eus­kir­che­ner Sprach­ge­brauch Platz. Im Jahr 1831 leb­te, laut Boe­ner, ein Drit­tel der Stadt­be­völ­ke­rung vom „Fa­brik­we­sen“. Ein un­ter­neh­me­ri­sches Be­wusst­sein der „Tuch­fa­bri­kan­ten“ fehl­te je­doch noch. 1843 und 1844 konn­te man sich noch nicht ent­schlie­ßen, in Aa­chen und Ber­lin statt­fin­den­de Ge­wer­be­aus­stel­lun­gen zu be­schi­cken. 1848 reg­ten die Tuch­fa­bri­kan­ten und Tuch­ma­cher beim Land­rat an, zu­sätz­lich vier ei­ge­ne Tuch­märk­te in Eus­kir­chen ein­zu­rich­ten, um den Ab­satz zu stei­gern. Doch Dü­ren und Bonn be­fürch­te­ten Kon­kur­renz und ver­hin­der­ten zu­sätz­li­che Märk­te.

Visitenkarte der Tuchfabrik Jakob Heimbach Nachf.. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Der ame­ri­ka­ni­sche Bür­ger­krieg 1861-1865 ver­schaff­te dem Eus­kir­che­ner Tuch den ers­ten Ex­port. Die Fir­ma Jo­sef Schiff­mann be­kam Lie­fe­rungs­auf­trä­ge in recht be­deu­ten­den Men­gen für Mi­li­tär­tuch in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870/1871 hat­te das Tuch­ge­wer­be ei­ne gol­de­ne Zeit. In 34 Be­trie­ben mit 362 Ar­bei­tern an 317 Web­stüh­len wur­de pau­sen­los, teil­wei­se so­gar in Nacht­schicht ge­ar­bei­tet. Die­se Ent­wick­lung ver­an­lass­te Bür­ger­meis­ter Karl Wil­helm Stein­hau­er zu der Vor­her­sa­ge: „dass, selbst wenn nach dem sieg­reich be­en­de­ten Krie­ge wie­der nor­ma­le Ver­hält­nis­se ein­trä­ten, bei dem gro­ßar­ti­gen Auf­schwung der Eus­kir­che­ner Fa­bri­ken und dem be­deu­ten­den Fort­schrit­ten der Tuch­fa­bri­kan­ten die Eus­kir­che­ner Fa­bri­ka­te zu den ge­such­tes­ten in ganz Deutsch­land ge­hö­ren wer­den.“[4] Nach Frie­dens­schluss san­ken die Pro­duk­ti­ons­zah­len zu­nächst, doch jetzt schaff­ten Ex­port­auf­trä­ge nach Hol­land, in die Schweiz und Skan­di­na­vi­en Aus­gleich; man führ­te Eus­kir­che­ner Bucks­kin in al­le Welt aus. 1877 lie­fer­te die Fir­ma C. Lü­ck­erath be­reits Mi­li­tär­tu­che nach Ja­pan. Die Kai­ser­li­che Post und ver­schie­de­ne Bahn­ver­wal­tun­gen wur­den eben­falls Kun­den. Doch Haupt­kun­de blieb die preu­ßi­sche be­zie­hungs­wei­se deut­sche Ar­mee. Dies be­deu­te­te für die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­la­ge der Eus­kir­che­ner Tuch­in­dus­trie, dass ih­re Kon­junk­tur oft der­je­ni­gen der Zi­vil­tuch­in­dus­trie ge­nau ent­ge­gen­ge­setzt ver­lief, das hei­ßt vor und in den Krie­gen pro­du­zier­ten die Eus­kir­che­ner Tuch­fa­bri­ken mit grö­ß­ter Aus­las­tung und nach den Krie­gen la­gen sie na­he­zu still oder ver­such­ten, ei­nen zi­vi­len Markt zu ge­win­nen. Au­ßer­dem blieb die Her­stel­lung des Mi­li­tär­tuchs Jahr­zehn­te hin­durch gleich, so dass ei­ne gro­ße tech­ni­sche Be­weg­lich­keit und stän­di­ge Neue­run­gen wie bei den von zi­vi­len Mo­de­lau­nen ab­hän­gi­gen Pro­duk­tio­nen zu­nächst nicht er­for­der­lich wa­ren. An­de­rer­seits war aber die deut­sche Ar­mee ei­ne sehr ak­ku­ra­te Kun­din, die bei bil­ligs­tem Preis auf erst­ran­gi­ger Qua­li­tät be­stand. So durf­ten die Eus­kir­che­ner Tuch­fa­bri­ken kei­nes­wegs bei der fort­schrei­ten­den Me­cha­ni­sie­rung den An­schluss ver­lie­ren, aber sie konn­ten mit Be­dacht vor­ge­hen. Die Uni­form­stof­fe wur­den be­reits seit 1871/1872 nach Ja­pan, Grie­chen­land, Nord­ame­ri­ka, Bul­ga­ri­en, Ru­mä­ni­en, Ser­bi­en und Chi­na ge­lie­fert. Nach 1900 ka­men Ar­gen­ti­ni­en, die Tür­kei, Chi­le, Pa­ra­gu­ay, Uru­gu­ay und Pe­ru als Kun­den hin­zu.

Visitenkarte der Tuchfabrik Joseph Schiffmann junior, Gerberstraße. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Vor Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs wa­ren in der Tuch­in­dus­trie ins­ge­samt 1.213 Per­so­nen be­schäf­tigt, da­von 1.043 männ­li­che und 170 weib­li­che. Ins­ge­samt wa­ren es nun 18 Tuch­fa­bri­ken. „Je­den­falls ist Eus­kir­chen der be­deu­tends­te Ort der Uni­form­tuch­in­dus­trie der Mon­ar­chie“, ver­mel­de­te stolz das Adress­buch der Stadt im Jahr 1912. Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs pro­du­zier­ten al­le Eus­kir­chen Tuch­fa­bri­ken nur noch Mi­li­tär­tuch. Im Jahr 1915 be­trug die Lie­fe­rung über ei­ne vier­tel Mil­li­on Me­ter mehr als die Frie­dens­pro­duk­ti­ons­leis­tung des Jah­res 1913. Der Ein­bruch kam 1917, be­dingt durch den Roh­stoff­man­gel muss­ten sämt­li­che Fa­bri­ken ei­ni­ge Zeit voll­stän­dig schlie­ßen. Die Um­stel­lung nach dem Krieg stieß in Eus­kir­chen auf we­nig Hin­der­nis­se, denn nach Kriegs­schluss wur­den al­le Stof­far­ten, ob Mi­li­tär- oder Zi­vil­tuch bei dem herr­schen­den Stoff­man­gel ger­ne ge­kauft. Am 31.12.1919 schlos­sen sich die bei­den grö­ß­ten Eus­kir­che­ner Tuch­fa­bri­ken C. Lü­ck­erath, Kom. und Jos. Ruhr zu ei­ner neu­en, ge­mein­sa­men Fir­ma „Ruhr-Lü­ck­erath, Ver­ei­nig­te Tex­til­in­dus­trie, Gmb­H“ zu­sam­men. Ein Be­trieb stell­te fort­an nur Zi­vil­tu­che, der an­de­re nur Lie­fe­rungs­wa­re her. Die Fa. Ruhr-Lü­ck­erath blieb bis zu ih­rer Schlie­ßung im Jahr 1982 der grö­ß­te und be­deu­tends­te Be­trieb. Mit der fran­zö­si­schen Be­sat­zung nach dem Ers­ten Welt­krieg hing der Ein­bruch zu­sam­men, so dass 1929 nur noch zwölf von vor­mals 20 Tuch­fa­bri­ken in Eus­kir­chen an­säs­sig wa­ren. Die Be­schäf­tig­ten­zahl sank auf 690. Fast hät­te die grö­ß­te Tuch­fa­brik, Ruhr-Lü­ck­erath, den Stand­ort Eus­kir­chen ver­las­sen. Der Här­te­grad des Vey­bachs hat­te sich dras­tisch ver­schlech­tert und die me­cha­ni­sche Ver­un­rei­ni­gung, die durch ei­ne Rot-Gelb-Fär­bung of­fen­sicht­lich wur­de, hat­te zu­ge­nom­men. Die Lö­sung des Pro­blems war der Bau der Stein­bach­tal­sper­re, die ab 1936 Stau­was­ser für die Eus­kir­che­ner In­dus­trie ab­ge­ben konn­te.

In der Tuchfabrik B & H Becker, Gansweide, 1949. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Nach den ty­pi­schen Wie­der­auf­bau­schwie­rig­kei­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg er­hol­te sich die Tuch­in­dus­trie dank des Un­ter­neh­mer­geis­tes, des Kön­nens und der Er­fah­run­gen al­ler rasch. Nicht zu­letzt der her­vor­ra­gen­de Ruf, den Ge­ne­ra­tio­nen für die Eus­kir­che­ner Er­zeug­nis­se er­ar­bei­tet hat­ten, führ­te in den 1950er Jah­ren wie­der zu al­ter Leis­tungs­fä­hig­keit. Im Jahr 1951 zähl­te die ört­li­che Tuch­in­dus­trie wie­der 1.932 Be­schäf­tig­te. Doch dann kam die über­ra­schen­de Wen­de: Die al­te Kar­tell-Si­tua­ti­on, wie sie in den 1920er Jah­ren mit dem „Deut­schen Tuch­syn­di­ka­t“ be­stan­den hat­te, war ein Wett­be­werbs­schutz ge­we­sen, aber in ei­ner frei­en Markt­wirt­schaft un­denk­bar. Mit Schaf­fung der Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft 1958 war ei­ne neue Wett­be­werbs­si­tua­ti­on ent­stan­den. Die ita­lie­ni­sche Streich­garn­in­dus­trie pro­du­zier­te bil­li­ger und mo­di­scher. Ei­ne er­neu­te kost­spie­li­ge Um­stel­lung und Me­cha­ni­sie­rung, vor al­lem in der We­be­rei und Spin­ne­rei, war er­for­der­lich. Doch dies ge­lang nur noch der Fa. Ruhr-Lü­ck­erath. Ei­ne Tuch­fa­brik nach der an­de­ren schloss ih­re To­re. En­de der 1960er Jah­re konn­ten nur noch Koe­nen in Ku­chen­heim und Ruhr-Lü­ck­erath pro­du­zie­ren. Doch auch für die­se bei­den kam 1982 das Aus. Das En­de der Tuch-Ära, die über 150 Jah­re Ar­beits­welt, wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und auch po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen be­stimmt hat­te, er­zwang die Schaf­fung neu­er An­rei­ze für die In­dus­trie­stadt. Die ehe­ma­li­gen Tuch­fa­bri­ken wur­den ent­we­der ab­ge­ris­sen oder um­ge­nutzt. Bei Ruhr-Lü­ck­erath und in der Fa­brik Jo­sef Schiff­mann jun. kann man heu­te im denk­mal­ge­schütz­ten Am­bi­en­te woh­nen im Loft. Wer den Pro­duk­ti­ons­pro­zess und die ein­zel­nen Pro­duk­ti­ons­schrit­te „von der Wol­le zum Tuch“ nach­er­le­ben möch­te, kann dies im LVR-In­dus­trie­mu­se­um Tuch­fa­brik Mül­ler in Eus­kir­chen-Ku­chen­heim tun.

2.2 Die Tuchfabrik Jacob Koenen - Uniformstoffe und die „Koenen-Hose“

Ex­em­pla­risch kann die Ent­wick­lung der Tuch­fa­brik Ja­cob Koe­nen in Eus­kir­chen-Ku­chen­heim nach­ge­zeich­net wer­den: Die Fir­ma Koe­nen, 1808 in Ku­chen­heim ge­grün­det, ge­hör­te zu den äl­tes­ten und grö­ß­ten Tuch­fa­bri­ken in Eus­kir­chen. Der Grün­der­va­ter, An­ton Koe­nen (ge­bo­ren 1783 in Ers­dorf, ge­stor­ben 1854 in Ku­chen­heim), stell­te mit­ten im Dorf, im sä­ku­la­ri­sier­ten Dom­hof, sei­ne ers­ten Web­stüh­le auf und be­trieb dort ei­ne klei­ne Ma­nu­fak­tur. An­ders als für vie­le klei­ne Web­ma­nu­fak­tu­ren, die sich wäh­rend der Fran­zö­si­schen Zeit im Rhein­land an­sie­del­ten und auch mit dem En­de der Fran­zo­sen am Rhein wie­der ver­schwan­den, konn­te An­ton Koe­nen sei­ne Pro­duk­ti­on stei­gern. Im Jahr 1851 reich­te der Platz nicht mehr aus. Die drei Söh­ne, un­ter ih­nen Ja­cob (ge­bo­ren 1820 in Ku­chen­heim, ge­stor­ben 1896 in Ku­chen­heim), nach dem das Werk dann be­nannt wur­de, kauf­ten die mit­tel­al­ter­li­che Obe­re Burg in Ku­chen­heim. Die ehe­mals zwei­tei­li­ge Was­ser­burg war zu die­ser Zeit schon stark ver­fal­len, der Was­ser­gra­ben zwi­schen Vor­burg und Her­ren­haus längst ver­füllt. Beim Aus­bau zur Tuch­fa­brik im Jahr 1856 wur­den gan­ze Trak­te der Burg­an­la­ge um­ge­baut, ab­ge­ris­sen und neue Pro­duk­ti­ons­ge­bäu­de er­rich­tet. Le­dig­lich der klei­ne Eck­turm, der heu­te noch auf dem Ge­län­de des LVR-In­dus­trie­mu­se­ums Ku­chen­heim er­hal­ten ist und der Nord­flü­gel der Vor­burg mit sei­ner rund­bo­gi­gen Tor­an­la­ge blie­ben be­ste­hen. 

In der Tuchfabrik Jakob Heimbach Nachf., 1956. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Die Koe­nen-Söh­ne un­ter­nah­men noch ei­nen wei­te­ren, be­triebs­wich­ti­gen Schritt. Sie er­war­ben ei­ne Walk­müh­le und ei­ne Spin­ne­rei, um die dort vor­han­de­ne Was­ser­kraft zu nut­zen. Mit der Um­stel­lung auf Dampf­kraft be­gann ein neu­er Auf­schwung in der Tuch­in­dus­trie. In der drit­ten Koe­nen-Ge­ne­ra­ti­on konn­ten die ver­schie­de­nen von­ein­an­der ge­trenn­ten Be­triebs­tei­le zu­sam­men­ge­legt, 1904 ei­ne mo­der­ne Streich­garn­spin­ne­rei und 1913 ei­ne Zwir­ne­rei und We­be­rei er­rich­tet wer­den. Wie al­le Eus­kir­che­ner Tuch­fa­bri­ken fer­tig­te die Tuch­fa­brik Ja­cob Koe­nen vor­wie­gend Uni­form­stof­fe. Doch um 1910 kam der Ge­dan­ke an die Wei­ter­ver­ar­bei­tung der selbst her­ge­stell­ten Stof­fe zur Fer­tig­klei­dung auf, da­mals schon als Spe­zia­li­sie­rung auf ei­nen Be­klei­dungs­typ: „Die Koe­nen-Ho­se“.

Da­mit in­ves­tier­te die Fir­ma in ei­ne zu­kunfts­wei­sen­de Bran­che. Denn seit An­fang des Jahr­hun­derts ging die Kund­schaft da­zu über, Klei­dung nicht mehr selbst her­zu­stel­len oder sie bei ört­li­chen Schnei­dern an­fer­ti­gen zu las­sen, son­dern man kauf­te sie jetzt „von der Stan­ge“.

Auf­grund der Dop­pel­struk­tur des Be­triebs, bei der Her­stel­lung und Ver­ar­bei­tung mit­ein­an­der ver­knüpft wa­ren, konn­te Koe­nen zu­dem preis­wer­ter pro­du­zie­ren, denn es ent­stan­den kei­ne Zwi­schen­kos­ten auf dem Weg von der Tuch­fa­bri­ka­ti­on zum Kon­fek­tio­när. Rück­schlä­ge wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs und wäh­rend der Wirt­schafts­kri­se 1929 bis 1932 konn­te die Tuch­fa­brik ver­kraf­ten. 1935 rat­ter­ten be­reits 35 Näh­ma­schi­nen in Ku­chen­heim, von den ins­ge­samt 218 Be­schäf­tig­ten ar­bei­te­ten 72 in der Nä­he­rei. Die „Koe­nen-Ho­se“ war ein Mar­ken­zei­chen Eus­kir­chens ge­wor­den. Die In­dus­tri­el­len­fa­mi­lie be­fand sich nun­mehr in der vier­ten Ge­ne­ra­ti­on.

Logo der Tuchfabrik Jakob Koenen in Euskirchen-Kuchenheim, 1958. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Nach Kriegs- und Kriegs­fol­ge­schä­den, ins­be­son­de­re der mo­na­te­lan­gen Be­sat­zung des Wer­kes, konn­te nach der Wäh­rungs­re­form 1948 die Ho­sen­pro­duk­ti­on wei­ter aus­ge­baut wer­den. In den 1950er Jah­ren mo­der­ni­sier­te man den Ma­schi­nen­park, ver­leg­te die Ho­sen­pro­duk­ti­on in neue gro­ße Hal­len und fir­mier­te mit ei­nem pfif­fi­gen, heu­te noch mo­dern wir­ken­den Lo­go.

Mit über 1.100 Be­schäf­tig­ten ge­hör­te die Ho­sen­fa­brik Ja­cob Koe­nen in den spä­ten 1950er Jah­ren zu den grö­ß­ten Ar­beit­ge­bern in der Eus­kir­che­ner Ge­gend. In den gro­ßen Schnei­de­rei­hal­len surr­ten meh­re­re hun­dert Näh­ma­schi­nen. Koe­nen war ein wich­ti­ger Ho­sen-Lie­fe­rant für Be­klei­dungs­häu­ser wie C & A, Hett­la­ge und Boecker ge­wor­den. Doch die Tex­til­kri­se seit den 1960er Jah­ren ver­schon­te auch die­ses tra­di­ti­ons­rei­che Un­ter­neh­men nicht. Nach­dem man die Tuch­fa­bri­ka­ti­on be­reits in den 1970er Jah­ren ein­ge­stellt hat­te, muss­te der Be­trieb 1982 sei­ne Pfor­ten schlie­ßen. 

3. Neben, nicht im Schatten der Tuchindustrie - Weltunternehmen vor 1945

Näherinnen in der Produktionshalle der Tuchfabrik Koenen, 1956. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

3.1 Zuckersüßes von Pfeifer & Langen

Dem un­ter­neh­me­ri­schen Pio­nier­geist sei­ner Grün­der­vä­ter und den Jagd­ge­sell­schaf­ten des Eus­kir­che­ner Freun­des, Lau­renz Fi­scher (ge­bo­ren 1807 in Fla­mers­heim, ge­stor­ben 1902 in Ber­lin), im Fla­mers­hei­mer Wald ist es zu ver­dan­ken, dass das Köl­ner Un­ter­neh­men Pfei­fer & Lan­gen im Jah­re 1879 sein zwei­tes Werk in Eus­kir­chen bau­te. Hier wur­de die Idee ge­bo­ren, mit dem Rü­ben­an­bau in der Vor­ei­fel zu be­gin­nen, des­sen Bö­den bis­lang als nicht ge­eig­net an­ge­se­hen wor­den wa­ren. Im Jahr 1870 hat­ten Eu­gen Lan­gen als tech­ni­scher Lei­ter, Emil Pfei­fer (1806-1889) und sein Sohn Va­len­tin (1837-1909) ge­mein­sam die Fir­ma Pfei­fer & Lan­gen mit Sitz in Köln ge­grün­det. Ge­gen­stand des Un­ter­neh­mens war die An­la­ge und der Be­trieb ei­ner Rü­ben­zu­cker­fa­brik zu Els­dorf im Krei­se Berg­heim (heu­te Rhein-Erft-Kreis). Der ab 1872 ex­pe­ri­men­tell ein­ge­führ­te Rü­ben­an­bau auf den Fel­dern bei Eus­kir­chen war er­folg­reich, so dass ei­ne zwei­te Rü­ben­zu­cker­fa­brik wirt­schaft­lich be­trie­ben wer­den konn­te. In den ers­ten Jah­ren en­de­te die Her­stel­lung von Zu­cker im Eus­kir­che­ner Werk mit der Ein­di­ckung des Rü­ben­saf­tes zur so ge­nann­ten Füll­mas­se, die dann in Els­dorf wei­ter­ver­ar­bei­tet wur­de. Die ers­te Kam­pa­gne in Eus­kir­chen be­gann am 19.10.1879 mit 153 Mit­ar­bei­tern und ei­ner Ta­ges­ver­ar­bei­tung von 230 Ton­nen Rü­ben - heu­te liegt die Ta­ges­ver­ar­bei­tung bei rund 10.000 Ton­nen. Schon 1880 galt das Werk Els­dorf als in­ter­na­tio­na­le „Mus­ter­an­stal­t“ und wur­de zu­sam­men mit dem Aus­stoß von Eus­kir­chen das grö­ß­te Zu­cker­un­ter­neh­men im Wes­ten des Deut­schen Rei­ches.

Die un­ter­neh­me­ri­sche Kar­rie­re Eu­gen Lan­gens war be­ein­dru­ckend. Schon im Jahr 1890 war er mit 1 Mil­li­on Mark am Ak­ti­en­ka­pi­tal der eu­ro­päi­schen Man­nes­mann-Wer­ke be­tei­ligt und mit der Gas­mo­to­ren-Fa­brik Deutz wirt­schaft­lich ver­floch­ten. Schlie­ß­lich wur­de ihm 1894 der Auf­trag zum Bau der Schwe­be­bahn in El­ber­feld-Bar­men er­teilt. Die Fir­men­grün­der leb­ten auf ih­ren Land­sit­zen, Eu­gen Lan­gen auf Haus Etzwei­ler bei Els­dorf, die Fa­mi­lie Pfei­fer auf Gut Os­sen­dorf (Stadt Köln). Mit Dr. Hans-Ru­dolf Lan­gen (1863-1935), Eu­gens Sohn, nahm ein Mit­glied der Fa­mi­lie auch für ei­ni­ge Zeit am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben in Eus­kir­chen teil. Im Jahr 1893 wur­de er Teil­ha­ber und über­nahm die Lei­tung der Fa­brik in Eus­kir­chen. Er wan­del­te Pfei­fer & Lan­gen in ei­ne GmbH, dann in ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft um, in der er als stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der fun­gier­te. Die bei­den Kin­der Hans Ru­dolf und Her­ta Her­mi­ne Hen­ri­et­te wur­den 1896 und 1897 in Eus­kir­chen ge­bo­ren. Am 3.9.1917 wur­de dem Guts- und Fa­brik­be­sit­zer Dr. Hans Ru­dolf Lan­gen, nun wohn­haft in Köln, der erb­li­che Adel ver­lie­hen. Die Fa­mi­lie führ­te fort­an den Fa­mi­li­en­na­men „von Lan­gen“.

Das tra­di­ti­ons­rei­che Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men, das 1870 in Köln ge­grün­det wur­de, ge­hört heu­te zu den grö­ß­ten Zu­cker­her­stel­lern in Eu­ro­pa. Ab Mit­te der 1920er Jah­re wur­de der Mar­ken­na­me KÖL­NER ZU­CKER ge­zielt auf­ge­baut und ent­wi­ckel­te sich im Be­wusst­sein der Ver­brau­cher zum Gü­te­zei­chen. 

Blick auf die Zuckerfabrik Pfeifer & Langen, 1955. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Un­ter sei­nen Mar­ken Köl­ner und Dia­mant ver­kauft Pfei­fer & Lan­gen un­ter­schied­li­che Zu­cker­spe­zia­li­tä­ten über den Le­bens­mit­tel­ein­zel­han­del di­rekt an den End­ver­brau­cher. Da­zu zäh­len ne­ben Pu­der­zu­cker, Raf­fina­de Zu­cker, Ge­lier- und Ein­mach­zu­cker auch Pro­duk­te wie Ge­lier­zau­ber, Eis­zau­ber und Kan­dis. Dar­über hin­aus fin­den die Zu­cker­pro­duk­te von Pfei­fer & Lan­gen auch An­wen­dung in der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie. Das Un­ter­neh­men be­treibt sechs Wer­ke in Deutsch­land und ist an wei­te­ren Zu­cker­ge­sell­schaf­ten in Eu­ro­pa be­tei­ligt. Im Jahr 2017 er­wirt­schaf­te­te die Pfei­fer & Lan­gen Grup­pe mit ins­ge­samt 2.390 Mit­ar­bei­tern ei­nen Ge­samt­um­satz von mehr als 1.1016 Mil­lio­nen Eu­ro.

Im Eus­kir­che­ner Werk wer­den ins­be­son­de­re Raf­fina­den, Wei­ßzu­cker, flüs­si­ge Zu­cker, die für die Le­bens­mit­tel­in­dus­trie wert­voll sind, und als be­son­de­re Spe­zia­li­tät ver­schie­de­ne brau­ne Kan­dis­sor­ten und brau­ner Zu­cker her­ge­stellt. Ein lan­ger Ar­beits­pro­zess ist not­wen­dig, ehe aus den Zu­cker­rü­ben, wie sie der Land­wirt auf dem Feld ern­tet, die rein-wei­ßen Zu­cker­kris­tal­le wer­den, mit de­nen zum Bei­spiel Ge­bäck erst sei­nen „rich­ti­gen Ge­schmack“ be­kommt.

Vie­le Ver­fah­rens­schrit­te in der Zu­cker­fa­brik sind seit den 1960er Jah­ren au­to­ma­ti­siert, me­cha­ni­siert und ra­tio­na­li­siert, die Be­schäf­ti­gung von Sai­son­ar­bei­tern wäh­rend der Kam­pa­gne­zeit ist seit­dem rück­läu­fig. Der Ein­satz schwe­rer Kör­per­kraft bei­spiels­wei­se beim Ab­la­den der Rü­ben, ge­hört der Ver­gan­gen­heit an. Wer heu­te durch die Fa­brik geht, könn­te sich ge­nau­so auch in ei­nen mo­der­nen Be­trieb der Gro­ßche­mie ver­setzt füh­len. Doch ge­nau da­mit hat die Zu­cker­her­stel­lung nichts zu tun – che­mi­sche Zu­sät­ze sind ge­setz­lich ver­bo­ten und auch gar nicht er­for­der­lich. Pfei­fer & Lan­gen ar­bei­tet eng mit den Rü­ben­bau­ern zu­sam­men. Pro Tag wer­den in der Kam­pa­gne bis zu 16.000 Ton­nen Zu­cker­rü­ben an­ge­lie­fert. Um das da­mit ver­bun­de­ne Ver­kehrs­auf­kom­men so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten, neh­men die An­fuhr­pla­nung und die Rü­ben­lo­gis­tik viel Zeit in An­spruch. Wie er­folg­reich die­se Vor­pla­nung ist, zeigt sich dar­an, dass ein in Eus­kir­chen frü­her ge­wohn­ter An­blick nun schon nicht mehr zu se­hen ist: lan­ge Schlan­gen von Trak­to­ren und mit Rü­ben be­la­de­nen An­hän­gern auf den Stra­ßen rund um die Zu­cker­fa­brik. Je­der Land­wirt möch­te sei­ne Knol­len ab­lie­fern, so­bald sie ge­ern­tet sind, und ge­ern­tet wird, wenn das Wet­ter güns­tig und der Zu­cker­ge­halt der Rü­ben hoch ist. Die Land­wir­te war­te­ten dann oft stun­den­lang in lan­gen „Rü­ben­schlan­gen“. Seit Ein­füh­rung des ge­nau ter­mi­nier­ten Lie­fer­pla­nes ist die An­lie­fer­zeit der Land­wir­te ge­re­gelt und Staus wer­den ver­mie­den.

3.2 Die „Westdeutschen Steinzeugwerke GmbH“ - Steinzeugrohre vom Pützberg

Ih­re zahl­rei­chen Fa­brik­schlo­te ha­ben über ein Jahr­hun­dert die Eus­kir­che­ner Stadt­sil­hou­et­te mit­ge­prägt. Auf dem flä­chen­mä­ßig grö­ß­ten Fir­men­ge­län­de - es um­fass­te mehr als 150.000 Qua­drat­me­ter – wur­den un­ter dem Fir­men­na­men „West­deut­sche Stein­zeug­wer­ke“ in den Öfen auf dem Pütz­berg Grob­ke­ra­mik­wa­ren her­ge­stellt.

Briefkopf der Firma Pfeifer & Langen, um 1890. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Fried­rich Wil­helm Hu­pertz, ge­bo­ren 1823 in Ol­pe, wur­de 1861 Ge­ne­ral­di­rek­tor des Blei­erz­werks im be­nach­bar­ten Me­cher­nich. 1882 lenk­te er sei­ne Auf­merk­sam­keit auf Eus­kir­chen und er­rich­te­te auf dem Pütz­berg zu­nächst ei­ne Dampf­zie­ge­lei, spä­ter ei­nen Ring­o­fen­brand­be­trieb mit dem Na­men „Eus­kir­che­ner Dampf­zie­ge­lei und Ton­wa­ren­fa­brik H.J. Hu­pertz und Co.“. Man be­gann mit der Fer­ti­gung von Hin­ter­maue­rungs­stei­nen und ro­ten Ver­blend­stei­nen. 1883 wur­de das Ton­gru­ben­ge­län­de im na­he ge­le­ge­nen Satz­vey an­ge­kauft; dort fand man das Roh­ma­te­ri­al für die Fa­bri­ka­ti­on von Stein­zeug­röh­ren in rei­cher Men­ge und Gü­te. Im Jahr 1892 fer­tig­ten die cir­ca 130 Ar­bei­ter die ers­ten „feu­er­fes­ten Stei­ne“. Be­reits 1898 er­folg­ten gro­ße, re­gel­mä­ßi­ge Aus­lands­lie­fe­run­gen – nach Lu­xem­burg, Bel­gi­en und Frank­reich; Röh­ren­lie­fe­run­gen gin­gen bis nach Über­see, bei­spiels­wei­se nach Ar­gen­ti­ni­en. Um die Wen­de zum 20. Jahr­hun­dert wa­ren cir­ca 400 Ar­bei­ter und An­ge­stell­te be­schäf­tigt. Für den Trans­port und Ver­trieb der schwe­ren Pro­duk­te spiel­te die gu­te Ei­sen­bahn­an­bin­dung der Stadt ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Ein ei­ge­ner Werks­an­schluss mach­te den Trans­port leicht. Hu­pertz nann­te die Fir­ma um in „Eus­kir­che­ner Ton- und Ze­ment­fa­brik Gmb­H“. Von 1901 an hieß das Werk dann schlie­ß­lich „West­deut­sche Stein­zeug-, Scha­mot­te und Di­nas Wer­ke.“

Blick vom Pützberg auf Euskirchen, 1970. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Die neue Fir­ma er­wei­ter­te die Fa­bri­ka­ti­ons­zwei­ge bald durch die Her­stel­lung von feu­er­fes­tem Ma­te­ri­al ver­schie­dens­ter Art so­wie che­misch-tech­ni­schem Stein­zeug. Vor Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs war sie das grö­ß­te grob­ke­ra­mi­sche Werk West­deutsch­lands mit et­wa 600 Be­schäf­tig­ten. Im Ers­ten Welt­krieg wur­den die Stein­zeug­wer­ke zum Rüs­tungs­be­trieb und be­lie­fer­ten mit feu­er- und säu­re­fes­ten Pro­duk­ten die Mon­tan- und Che­mie­in­dus­trie. Die Nach­kriegs­zeit war da­ge­gen zu­nächst ka­ta­stro­phal. Ei­sen­bahn­sper­ren, Koh­len­not und Ab­wan­de­rung von Fach­kräf­ten in die un­weit ent­fern­te Braun­koh­len­för­de­rung so­wie ein be­droh­li­cher Auf­trags­man­gel brach­ten Pro­ble­me auf al­len Ebe­nen. 1919 sank die Be­leg­schaft von 300 auf un­ter 200 Be­schäf­tig­te. Am En­de des Zwei­ten Welt­kriegs, am 29.9.1944, wur­de das Werk durch ei­nen Luft­an­griff zu fast 80 Pro­zent be­schä­digt. Al­lein im Frei­ge­län­de wur­den nach dem An­griff über 220 Bom­ben­trich­ter ge­zählt. 1950 ver­füg­ten die „West­deut­schen Stein­zeug­wer­ke“ (so der neue, grif­fi­ge Kurz­na­me) wie­der über 10.000 Qua­drat­me­ter Fa­bri­ka­ti­ons­raum und 800 Qua­drat­me­ter Ofen­bo­den­flä­che in ei­nem 150 Me­ter lan­gen Tun­ne­lofen. Der Bau von Tun­nel­öfen und Herd­wa­gen­öfen er­laub­te die Ver­grö­ße­rung der Ka­pa­zi­tä­ten, die Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät und ei­ne Er­leich­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen. Um das Jahr 1960 be­schäf­tig­te die Fir­ma 270 Mit­ar­bei­ter, die Jah­res­pro­duk­ti­on be­lief sich auf rund 50.000 Ton­nen. Bis zu­letzt wur­den am Pütz­berg Stein­zeug­röh­ren bis 1.500 Mil­li­me­ter für die Ka­na­li­sa­ti­on, Stall­ar­ti­kel – Pfer­de-und Schwei­ne­trö­ge und sa­ni­tä­re Stein­zeug­ge­gen­stän­de, zum Bei­spiel La­bor­be­cken, her­ge­stellt.

Im Jahr 2000 er­folg­te die schritt­wei­se Schlie­ßung des Be­triebs „in Eh­ren“. Den Fu­sio­nen der Kon­kur­renz im In- und Aus­land so­wie dem ste­ten Druck zu tech­ni­schen Neue­run­gen konn­te der Be­trieb trotz ste­ter Ver­klei­ne­rung des Fir­men­ge­län­des nicht be­geg­nen.

Produkte der Westdeutschen Steinzeugwerke, 1956. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

3.3 Latz füttert die Hunde

Al­bert Latz mel­de­te im Jahr 1905 ei­ne „Hun­de­ku­chen­fa­bri­k“ als Ge­wer­be bei der Stadt Eus­kir­chen an, im Ge­bäu­de der vä­ter­li­chen Loh- und Rot­gerbe­rei, in der Ger­ber­stra­ße 22. Die Idee war ihm durch sei­ne Hob­bys, Jagd und Auf­zucht von Jagd­hun­den, ge­kom­men. Da gleich­zei­tig auch Ge­flü­gel­fut­ter her­ge­stellt wur­de, zeig­te das ers­te Mar­ken­zei­chen ei­ne Deut­sche Dog­ge, auf de­ren Rü­cken ein stol­zer Hahn stand. Am 25.6.1912 wur­de die­ses Wa­ren­zei­chen ein­ge­tra­gen; der Ge­schäfts­be­trieb lau­te­te „Hun­de­ku­chen- und Kraft­fut­ter­fa­brik.“ Hun­de­ku­chen – in Ju­te­säcken ver­packt – wur­de im rei­nen Ver­sand­han­del an Züch­ter und Hun­de­hal­ter ver­trie­ben. Das Sor­ti­ment wur­de um ar­gen­ti­ni­sches Tro­cken­rind­fleisch, Reis/Tro­cken­fleischmi­schun­gen usw. er­wei­tert. Nach dem To­de von Al­bert Latz erb­ten 1923 die bei­den Stief­söh­ne Wil­helm (1873–1948) und He­ri­bert Reu­ter (1875–1947) die Fir­ma. Al­bert Latz hat­te die Wit­we des Dampf- und Wal­zen­müh­len­be­sit­zers Mar­tin Reu­ter, Ma­ria Eli­sa­beth Of­fer­mann (1850-1927) ge­hei­ra­tet. Das Paar leb­te in Eus­kir­chen und Köln. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­den die tie­ri­schen und pflanz­li­chen Roh­stof­fe für die Her­stel­lung von Hun­de­ku­chen knapp. Der Im­port des ar­gen­ti­ni­schen Rind­fleischs als we­sent­li­cher Be­stand­teil des Tro­cken­fut­ters war ab­ge­schnit­ten. Es ge­lang je­doch, im Auf­trag der Wehr­macht Hun­de­ku­chen für Wach­hun­de, Mi­nen­such­hun­de, Blin­den­füh­rer­hun­de her­zu­stel­len. Auch die Ge­flü­gel­fut­ter­fa­bri­ka­ti­on lief wei­ter.

Nach 1948 knüpf­te Latz - in­zwi­schen ei­ne Kom­man­dit­ge­sell­schaft mit den Er­ben des 1923 ver­stor­be­nen Al­bert Latz - an die Vor­kriegs­tra­di­ti­on an. Der Schrift­zug LATZ trat an die Stel­le von Hund und Hahn, erst­mals wur­de jetzt ein Kat­zen­fut­ter ent­wi­ckelt und ver­kauft. 1953 wur­de die Dampf­müh­le Reu­ter end­gül­tig still­ge­legt, um dem sich wei­ter aus­deh­nen­den LATZ-Be­trieb Raum zur Ka­pa­zi­täts­er­hö­hung zu ge­ben. Nach dem Tod der bei­den Se­nio­ren Wil­helm und He­ri­bert Reu­ter über­nahm Hel­mut Reu­ter, Sohn von He­ri­bert Reu­ter, in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on zu­sam­men mit Kurt Over­stolz die Lei­tung der bei­den Fir­men. Die Ex­pan­si­on des Ge­schäf­tes spreng­te den bis­he­ri­gen Rah­men des klei­nen Fa­mi­li­en­be­triebs. Die Fa­bri­ka­ti­on war be­reits teil­wei­se in ei­ne an­ge­mie­te­te ehe­ma­li­ge Tuch­fa­brik aus­ge­la­gert wor­den. Durch die Auf­nah­me ei­nes fa­mi­li­en­frem­den Ge­sell­schaf­ters, ver­bun­den mit ei­ner gro­ßen Ka­pi­tal­an­la­ge im Jah­re 1965, konn­te ein Fa­brik-Neu­bau im In­dus­trie­ge­biet in der von-Ste­phan-Stra­ße ge­plant wer­den. Der neue Be­trieb wur­de 1967/1968 ge­baut, und die Pro­duk­ti­on mit schritt­wei­sem Um­zug aus der Ger­ber­stra­ße auf­ge­nom­men. Am 1.9.1971 über­nahm die Rals­ton Pu­ri­na Com­pa­ny, USA, die Fir­ma Latz. 1982 fiel die Ent­schei­dung, dass sich Rals­ton Pu­ri­na Com­pa­ny vom deut­schen und eu­ro­päi­schen Markt für Heim­tier­hal­tung zu­rück­zie­hen woll­te. Das führ­te zum Ver­kauf von LATZ an Qua­ker Oats Com­pa­ny, Chi­ca­go, USA. 1995 ging die Fir­ma dann an den bri­ti­schen Kon­zern Spil­lers Pet­food und im Jahr 1998 über­nahm die Nest­lé Deutsch­land AG die Fir­ma Fris­kies LATZ von der Spil­lers GmbH. 1999 wa­ren bei Latz et­wa 300 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt. Der Pro­dukt­na­me LATZ ist ver­schwun­den, an den Fir­men­grün­der er­in­nert seit dem 1.1.1999 die Zu­fahrts­stra­ße zum Eus­kir­che­ner Werks­ge­län­de, denn die „von-Ste­phan-Stra­ße“ wur­de in „Al­bert-Latz-Stra­ße“ um­be­nannt.

Fotografie von Albert Latz. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

3.4 Kalff – Verband- und Vliesstoffe aus Euskirchen - Rheder

1883 bau­te der Köl­ner Fa­bri­kant An­dre­as Teusch aus der Müh­le in Rhe­der ei­ne klei­ne Fa­brik und ver­leg­te sei­ne Pro­duk­ti­on me­di­zi­ni­scher Ver­band­stof­fe, phar­ma­zeu­ti­scher Prä­pa­ra­te und Ar­ti­kel zur Kran­ken­pfle­ge von Köln dort­hin. Der Erft­müh­len­bach bot gu­tes Was­ser zum An­trieb der Ma­schi­nen, zum Krem­peln der Baum­wol­le und für den Bleich­pro­zess der Ver­band­wat­te. Durch den Bleich­vor­gang wur­de die Wat­te ste­ril und saug­fä­hig. Im Jahr 1903 kam Wil­helm Kalff (ge­bo­ren 1877 in Aa­chen, ge­stor­ben 1954 in Stotz­heim) als Ge­schäfts­füh­rer nach Rhe­der und kauf­te 1909 die Fir­ma, die er dann „Ver­band-Wat­te­fa­brik und Baum­woll­blei­che­rei Wil­helm Kalf­f“ nann­te. Mit sei­nem Part­ner Wil­helm Weis­wei­ler wan­del­te er die Fa­brik in ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft um mit dem Na­men „Wei­ka“. Lan­ge Jah­re be­schrieb die­ser Na­me Stand­ort und Ar­beits­platz „Er ar­bei­te­te auf der Wei­ka“, ob­wohl die Fir­ma die­sen Na­men nur sie­ben Jah­re lang trug.

Im Jahr 1926 muss­te durch den über­ra­schen­den Preis­ver­fall der Baum­wol­le ein Ver­gleich an­ge­mel­det wer­den. Es folg­te ei­ne Über­gangs­zeit, bis im Jah­re 1936 die Kom­man­dit­ge­sell­schaft Franz Kalff & Co. ge­grün­det wur­de. In der Zwi­schen­zeit stell­te man die Pro­duk­ti­on um auf „ge­we­be­lo­se Fa­ser­stof­fe“ (Vliesstof­fe). Aus die­sem Stoff konn­te in den Kriegs­jah­ren Kunst­le­der als Schuh­fut­ter her­ge­stellt wer­den. Auch spä­ter ent­hielt je­der hoch­wer­ti­ge Schuh ein Stück­chen Kalff-Stoff als Zwi­schen­fut­ter oder Ver­stär­kung.

Werbeschrift der Firma Latz. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

In den 1960er und 1970er Jah­ren ent­wi­ckel­te sich Kalff zum dritt­grö­ß­ten Her­stel­ler von Ver­band­stof­fen und Ver­band­wat­te in Deutsch­land. 200 Ar­bei­ter und An­ge­stell­te wa­ren be­schäf­tigt. Voll ma­schi­nell wur­de das zick-zack-Wat­te­band in Beu­tel ver­packt und hy­gie­nisch ein­ge­schwei­ßt. Wei­te­re Au­to­ma­ten fer­tig­ten Kos­me­tik­wat­te­bäll­chen, Wat­te­pads, Wat­te­stäb­chen und ähn­li­ches. 1989 schloss sich die Fir­ma ei­nem in­ter­na­tio­na­len Kon­zern an.

3.5 Die Papierfabrik Halstrick in Euskirchen-Stotzheim

Die Ur­sprün­ge der Pa­pier­fa­brik ge­hen auf das Jahr 1837 zu­rück, als Ar­nold Er­ven  (ge­bo­ren 1792 in Dü­ren, ge­stor­ben 1864 in Stotz­heim) aus der Frucht­müh­le Klos­ter Schwein­heim ei­ne Pa­pier­müh­le mach­te. Im Jahr 1917 kauf­te Adolf Halstrick, ge­bo­ren 1865 in Reck­ling­hau­sen, für 30.000 Mark Grund­stück und Ge­bäu­de der ver­al­te­ten Müh­le. Die ers­te Pa­pier­ma­schi­ne wur­de an­ge­schafft. Erst 1925, nach En­de des Ers­ten Welt­kriegs und der dar­auf­fol­gen­den Roh­stoff­schwie­rig­kei­ten, konn­te der Um­bau zu ei­ner Pa­pier­fa­brik in Stotz­heim be­gon­nen wer­den. Es soll­ten dort fei­ne­re Pa­pie­re pro­du­ziert wer­den, die Pa­pier­ma­schi­ne wur­de um­ge­baut und 1926 be­gann die Her­stel­lung von Packsei­den­pa­pie­ren und Toi­let­ten­pa­pier mit 52 Mit­ar­bei­tern. 1928 pro­du­zier­te Halstrick auch Pa­pier­ser­vi­et­ten und Krepp­pa­pie­re. Ein Jahr spä­ter konn­ten die ers­ten bunt be­druck­ten Fan­ta­sie­ser­vi­et­ten die Fa­brik ver­las­sen. Das Fal­zen er­folg­te noch von Hand und wur­de zum Teil in Heim­ar­beit ver­ge­ben. Mit die­sen Ar­ti­keln setz­te auch der Ex­port ein, Ser­vi­et­ten gin­gen nach Süd­ame­ri­ka und auf den Bal­kan, Krepp­pa­pie­re nach La­tein­ame­ri­ka, Chi­na und auf die Phil­ip­pi­nen. Trotz Welt­wirt­schafts­kri­se nahm die Pa­pier­fa­brik ih­ren Auf­schwung. Die Be­leg­schaft stieg auf 168 Mit­ar­bei­ter. Nach dem Tod von Adolf Halstrick 1932 über­nahm der Sohn Dr. Wal­ter Halstrick die Fa­brik in Stotz­heim. Im Zwei­ten Welt­krieg be­schränk­te sich die Pro­duk­ti­on auf Prä­ge­ser­vi­et­ten für Kran­ken­häu­ser, Ärz­te und Wehr­macht­dienst­stel­len. Die Krepp­ver­band­bin­den nah­men fast die ge­sam­te Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät ein. 

Am 1.3.1946 lief die Ar­beit mit 46 Lohn­emp­fän­gern wie­der an. Her­ge­stellt wur­den Zell­stoff­wat­te, Krepp­ver­band­bin­den, Wo­chen­bett­pa­ckun­gen und Da­men­bin­den. Nach 1948 wur­den auch wie­der Ser­vi­et­ten pro­du­ziert. Spä­ter ka­men Da­mast-Tisch­tü­cher, Schrank­pa­pier, Os­ter­gras, Pa­pier­ta­schen­tü­cher hin­zu. Um 1960 stell­te Halstrick 70 Pro­zent al­ler Pa­pier­ser­vi­et­ten auf dem deut­schen Markt her. Vier Pa­pier­ma­schi­nen pro­du­zier­ten. Im Jahr 1963 be­grü­ß­te man den 1000. Mit­ar­bei­ter. Nach 1973 ging es we­gen stei­gen­der Ra­tio­na­li­sie­rung durch mo­der­ne Pro­duk­ti­ons­an­la­gen mit der Be­schäf­ti­gungs­zahl kon­ti­nu­ier­lich ab­wärts. Seit dem 1.11.1998 ge­hört die Pa­pier­fa­brik Halstrick zum fin­ni­schen Fir­men­kon­zern Met­sä Tis­sue Oyi und fer­tigt in Stotz­heim mit 400 Mit­ar­bei­tern Ser­vi­et­ten und al­les, war zur Tisch­kul­tur aus Pa­pier ge­hört. 

Werbeanzeige der Firma Franz Kalff, 1953. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

3.6 Die Metall- und Sortierwarenfabrik J. Deutschbeim

Un­mit­tel­bar am Vey­bach stand von 1850 bis 1892 die Tuch­fa­brik Abs, die zum Fär­ben und Wal­ken auf das Was­ser des Ba­ches an­ge­wie­sen war. Im Jahr 1892 kauf­te Jo­seph Deutsch­bein (ge­bo­ren 1847 in Mett­lach, ge­stor­ben 1901 in Bonn) die ehe­ma­li­ge Tuch­fa­brik und pro­du­zier­te dort Si­cher­heits­na­deln in al­len Sor­ten und Grö­ßen. Be­reits zwei Jah­re nach ih­rer Grün­dung wa­ren im­mer­hin schon 44 Ar­bei­ter be­schäf­tigt. Die Nach­fra­ge nach Na­deln aus der Eus­kir­che­ner Me­tall- und Sor­tier­wa­ren­fa­brik Deutsch­bein stieg in Deutsch­land und Eu­ro­pa. Bald stell­te die über­wie­gend weib­li­che Ar­bei­ter­schaft täg­lich 100–1.200 Groß her. Wäh­rend bei­der Welt­krie­ge war die Me­tall- und Sor­tier­wa­ren­fa­brik Deutsch­bein ein wich­ti­ger Rüs­tungs­be­trieb und statt Na­deln fer­tig­ten die Ar­bei­te­rin­nen Gra­na­ten und Mu­ni­ti­on. Ein Wie­der­auf­bau nach 1945 war nicht mehr mög­lich.

4. Weltunternehmen nach 1945

Visitenkarte der Firma J. Deutschbein. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

4.1 Gläser aus Euskirchen

1949 grün­de­te Jo­hann Laub­ner auf dem Ge­län­de der Me­tall- und Sor­tier­wa­ren­fa­brik J. Deutsch­bein die „Jo­la-Glas­hüt­ten­wer­ke“, die er ge­mein­sam mit dem aus Hai­da (CZ) stam­men­den Ernst Han­tich (1893-1978) be­trieb. Han­tich kam erst 1950 aus tsche­chi­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Als Su­de­ten­deut­scher hat­te er im Raum No­vý Bor/Hai­da be­reits sei­ne ei­ge­ne Glas­hüt­te be­trie­ben, die 1946 von den neu­en kom­mu­nis­ti­schen Macht­ha­bern ver­staat­licht wur­de.

Die Hüt­te in Eus­kir­chen fer­tig­te Roh­glas aus­schlie­ß­lich für die im Raum Rhein­bach aus Böh­men an­ge­sie­del­ten Glas­raf­fi­ne­ri­en wie „Ra­sche“, „Hart­mann & Diet­rich“ oder „Fa­bi­g“. Auf­grund des Kon­junk­tur­ab­schwungs in der Ver­ede­lungs­in­dus­trie mel­de­te die „Jo­la-Glas­hüt­te“ Mit­te der 1950er Jah­re Kon­kurs an.

Logo der Ingridgläser. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Der Su­de­ten­deut­sche Kurt Wo­kan (ge­bo­ren 1927 in Prag, ge­stor­ben 1995 in Eus­kir­chen) avan­cier­te im An­schluss zu ei­ner der schil­lernds­ten Fi­gu­ren der Eus­kir­che­ner Wirt­schafts­ge­schich­te. Nach­dem der 29-Jäh­ri­ge die „Jo­la-Glas­hüt­te“ im Jahr 1956 über­nom­men und nach sei­ner Frau In­grid Hen­lein in „In­gridhüt­te“ um­be­nannt hat­te, kam es zu ei­nem Auf­stieg des Be­trie­bes, der eben­so ra­sant ver­lief wie sein spä­te­rer Ab­stieg. Bis Mit­te der 1960er Jah­re be­schäf­ti­ge die „In­gridhüt­te“ 600-700 Men­schen (dar­un­ter vie­le por­tu­gie­si­sche Gast­ar­bei­ter), hat­te meh­re­re Er­wei­te­run­gen hin­ter sich und er­öff­ne­te gar Zweig­stel­len in Por­tu­gal und im ös­ter­rei­chi­schen Salz­kam­mer­gut (1968). Die Hüt­te pro­du­zier­te un­ter an­de­rem die ers­ten zy­lin­dri­schen Trink­g­las­ser­vices so­wie de­ko­ra­ti­ves Ge­brauchs­glas. In­grid-Glä­ser be­fan­den sich in fast al­len Eus­kir­che­ner Haus­hal­ten.

Ein­mal wö­chent­lich lie­fer­te ein Last­wa­gen ei­sen­frei­en Sand aus Hol­land; die­se Men­ge ge­nüg­te, um die Ar­bei­ter der Glas­hüt­te zu be­schäf­ti­gen. Nachts wur­de der Sand auf die er­for­der­li­che Tem­pe­ra­tur von 1.489 Grad er­hitzt, da­mit die Glas­blä­ser am Mor­gen ihr Werk be­gin­nen konn­ten. Bei 1.200 Grad wur­de das ro­he Glas dann ver­ar­bei­tet. Um die­se Tem­pe­ra­tu­ren in den vier Öfen der In­gridhüt­te zu er­zie­len, wur­den täg­lich 25.000 Li­ter Heiz­öl ver­braucht. Die Glas­blä­ser hat­ten, nur ei­nen Schritt von­ein­an­der ent­fernt, in lan­ger Rei­he um den Schmelz­ofen ih­re Ar­beits­plät­ze. Die Glä­ser und Va­sen wur­den mund­ge­bla­sen, ab­ge­kühlt, ge­schlif­fen, ge­wa­schen, mehr­mals aus­sor­tiert, mit Eti­ket­ten ver­se­hen, in Kar­tons ver­packt und ver­sandt.  

Glasbläser der Ingridhütte, 1955. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Wo­kan, der in der frü­hen Nach­kriegs­zeit als pro­fes­sio­nel­ler Schwarz­händ­ler zum Glas­han­del ge­fun­den hat­te, be­zeich­ne­te sich selbst als ei­nen „Wirt­schafts­wun­der­man­n“ oder als „Pro­vinz-In­dus­tri­el­ler“. Er sorg­te für ste­te Schlag­zei­len und wur­de der Öf­fent­lich­keit als po­la­ri­sie­ren­der Ge­schäfts- und Pri­vat­mann eben­so ein Be­griff wie die in sei­nem Be­trieb her­ge­stell­ten „In­grid-Glä­ser“. So ge­lang es ihm 1968, den ehe­ma­li­gen Bun­des­kanz­ler und Va­ter der So­zia­len Markt­wirt­schaft, Lud­wig Er­hard (1887-1977), zu ei­nem Be­such in der „In­gridhüt­te“ zu ge­win­nen, nach­dem er die­sem zu­vor in spek­ta­ku­lä­rer Wei­se 10.000 DM ge­stif­tet hat­te - da­mit Er­hard „in die La­ge ver­setzt wer­de, sei­ne wirt­schafts­po­li­ti­sche Ar­beit fort­zu­füh­ren“. Zu die­sem Zeit­punkt lag Wo­kan des­sen un­ge­ach­tet auf­grund der in sei­nem Be­trieb ge­zahl­ten Nied­rig­löh­ne in Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Ge­werk­schaf­ten. So­gar das Fern­se­hen nahm sich der Ver­hält­nis­se in der In­gridhüt­te an, Gün­ter Wall­raf (ge­bo­ren 1942) wid­me­te sich 1969 in sei­nen „13 un­er­wünsch­ten Re­por­ta­gen“ dem um­strit­te­nen Eus­kir­che­ner Un­ter­neh­mer. Denn im por­tu­gie­si­schen Zweig­werk in Lei­ra, wo die In­grid-Glä­ser in die­sen Jah­ren haupt­säch­lich pro­du­ziert wur­den, herrsch­ten, wie im ge­sam­ten Por­tu­gal, noch kei­ne de­mo­kra­ti­schen Ver­hält­nis­se. Wo­kan in­ter­es­sier­ten mehr die bil­li­gen Löh­ne als de­mo­kra­ti­sche Wer­te. Die „Nel­ken­re­vo­lu­ti­on“ in Por­tu­gal 1974 mar­kier­te des­halb auch den Wen­de­punkt in Wo­kans Un­ter­neh­mer­kar­rie­re. Von nun an ging es berg­ab.

Im Jahr 1975 über­nahm das Land Nord­rhein-West­fa­len ei­ne 1,3 Mil­lio­nen-Bürg­schaft un­ter der Be­din­gung, dass die In­gridhüt­te in ei­ne GmbH um­ge­wan­delt wür­de. Wo­kan ver­lor 52 Pro­zent der An­tei­le. Es dau­er­te kein Jahr, bis die Ban­ken aus­stie­gen: Kre­di­te wur­den ge­sperrt, das Un­ter­neh­men sei mit 4,5 Mil­lio­nen Mark an Ver­bind­lich­kei­ten über­schul­det, hieß es. Doch Kurt Wo­kan woll­te wei­ter in­ves­tie­ren, bis die letz­te Bank die Kre­di­te stopp­te und den La­ger­ver­kauf im Eus­kir­che­ner Werk – viel mehr war in der Kreis­stadt nicht üb­rig­ge­blie­ben – ein­stell­te. Sechs Jah­re schlepp­te sich die einst­mals blü­hen­de Fir­ma da­hin, 1982 kam das end­gül­ti­ge Aus: Das Fi­nanz­amt stell­te Kon­kurs­an­trag we­gen ho­her Steu­er­schu­len. Das Ver­fah­ren zog sich vie­le Jah­re hin. Kurt Wo­kan hat­te sich in­zwi­schen in die Vil­la des ehe­ma­li­gen Tuch­fa­bri­kan­ten Lü­ck­erath an der Kes­se­ni­cher Stra­ße zu­rück­ge­zo­gen und führ­te dort ein ärm­li­ches Le­ben. Der Kom­plex der In­gridhüt­te an der Ge­org­stra­ße lag brach und wur­de zum Schand­fleck im Stadt­bild. 1995 wur­de der ge­sam­te Ge­bäu­de­kom­plex ab­ge­ris­sen. Meh­re­re Ein­kaufs­cen­tren fan­den dort ih­ren Stand­ort.  Im glei­chen Jahr, im April 1995, ver­starb Kurt Wo­kan mit 68 Jah­ren.

Glasbläser der Ingridhütte, 1955. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

4.2 „Guten Tag Europa, hier ist STEIBE!“ - Fa. STEIBE GmbH, Augenbroicher Straße

Im Jahr 1961 ver­leg­te die ein Jahr zu­vor in Neuss-Bü­de­rich ge­grün­de­te Fa. STEI­BE, Stahl- und Ei­sen­werks­ge­sell­schaft m.b.h. ih­ren Fir­men­sitz nach Eus­kir­chen. Das noch klei­ne Un­ter­neh­men war ein Zu­sam­men­schluss der fran­zö­si­schen, in Cor­beil-Es­so­nes (Re­gi­on Île-de-Fran­ce) an­ge­sie­del­ten, PRO­ME­DO-Grup­pe und ei­ner deut­schen Neu­grün­dung. Man stell­te exo­therm wir­ken­de Ein­satz­hau­ben her, die zur Her­stel­lung von Stahl ver­wandt wur­den. Da­zu wur­de flüs­si­ger Stahl zum Er­star­ren in Block- oder Bram­men­ko­kil­len ge­gos­sen und nach dem Er­star­ren zu Uni­ver­sal­ei­sen und Ble­chen ge­walzt. Die Ein­satz­hau­ben der Fa. STEI­BE dien­ten da­zu, den An­teil des bei die­sem Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren an­fal­len­den Schrot­tes zu ver­rin­gern und da­mit den Pro­duk­ti­ons­an­teil zu er­hö­hen. Ih­re Kun­den wa­ren die gro­ßen Stahl­hüt­ten Deutsch­lands. Dem Di­rek­tor der neu­en Fir­ma, Ot­to Hein­rich Mei­er, ehe­ma­li­ges Vor­stands­mit­glied der Man­nes­mann A.G., war der Kreis Eus­kir­chen durch Jagd­ge­sell­schaf­ten bes­tens be­kannt. So kam es, dass man den Kon­takt zum dem 85-jäh­ri­gen Eus­kir­che­ner Tuch­fa­bri­kan­ten Emil Ha­me­cher such­te. Die Tuch­fa­brik Ha­me­cher an der Au­gen­broi­cher Stra­ße stand seit 1957 leer. Den­noch ließ es sich Emil Ha­me­cher nicht neh­men, je­den Mor­gen von sei­ner Woh­nung in der Wal­ram­stra­ße quer durch die Stadt zu sei­nem Bü­ro in der Tuch­fa­brik zu ge­hen, be­klei­det mit ei­nem ele­gan­ten Uls­ter (Paletot-Man­tel), ei­nem Hom­burg (Hut) und die Bör­sen­kur­se der FAZ in der Hand. Im kal­ten Bü­ro stu­dier­te der dann die Bör­sen­kur­se und ging zum Mit­tag­es­sen wie­der nach Hau­se. Die Fa. STEI­BE wur­de mit Emil Ha­me­cher han­dels­ei­nig, doch nur durch das Zu­ge­ständ­nis, dass Emil Ha­me­cher sein Bü­ro auf dem Fa­brik­ge­län­de, und da­mit sei­nen ge­sell­schaft­li­chen „Fa­bri­kan­ten­sta­tus“ Zeit sei­nes Le­bens ge­heizt, ge­putzt und kos­ten­los be­hal­ten konn­te. Die still­ge­leg­te Tuch­fa­brik hat­te ei­nen fast mu­sea­len Cha­rak­ter: Ein Dampf­kes­sel trieb ei­nen Ge­ne­ra­tor an, der den Mo­tor mit ver­zweig­ten Trans­mis­sio­nen in al­len Hal­len in Gang setz­te. Bei den Um­bau­maß­nah­men des Fa­brik­ge­bäu­des auf den bau­li­chen und tech­ni­schen Stan­dard der Zeit (Bü­ros, Um­klei­den, Du­schen, Kan­ti­ne, Toi­let­ten, neue Elek­tri­fi­zie­rung und Brand­schutz­si­che­rung) wa­ren Emil Ha­me­chers Kennt­nis­se der Ge­ge­ben­hei­ten bis zu sei­nem Le­bens­en­de ei­ne wert­vol­le Stüt­ze. Erst nach sei­nem Tod am 28.2.1966 wur­de sein Bü­ro ab­ge­ris­sen und STEI­BE er­hielt end­lich ei­ne LKW- Um­fahrt.

Die Pro­duk­ti­on der ver­schie­de­nen, meist pa­ten­tier­ten Ein­satz­hau­ben war auf dem eu­ro­päi­schen Markt bis zur Mit­te der 1960er Jahr sehr ge­fragt. Ein High­light der Pro­duk­ti­on und ei­ne Welt­pre­mie­re war die Aus­stat­tung des schwers­ten Schmie­de­blo­ckes der Welt mit den Ein­satz­hau­ben der Fa. STEI­BE in der Hen­richs­hüt­te, Hat­tin­gen. Doch die Kon­kur­renz blieb nicht un­tä­tig. 1964 über­nahm die Fa. FO­SE­CO das Sand­vi­ken-Ver­fah­ren, mit dem die Ein­satz­hau­ben durch Schläm­me aus Was­ser, feu­er­fes­ten Fa­sern, or­ga­ni­schen Ma­te­ria­li­en, Gra­nu­lat und Bin­der leich­ter und bil­li­ger her­ge­stellt wer­den konn­ten als mit den exo­ther­men Du­plex-Plat­ten der Fa. STEI­BE. Doch STEI­BE, ge­nau­er ge­sagt der fran­zö­si­sche Teil, die Fir­ma PRO­ME­DO, ant­wor­te­te mit der Ent­wick­lung von STEX, das ähn­lich wie das Sand­vi­ken-Ver­fah­ren funk­tio­nier­te, aber den­noch pa­ten­tier­ba­re Un­ter­schie­de auf­wies. Zur Her­stel­lung der neu­en Schläm­me wur­de der Pro­duk­ti­ons­be­reich in Eus­kir­chen er­wei­tert und da­zu die be­nach­bar­te, leer­ste­hen­de Tuch­fa­brik Jo­sef Heim­bach Nachf. ge­kauft. Die neu­en Ma­schi­nen zur Her­stel­lung von STEX-Hau­ben konn­ten bald in der ers­ten Hal­le der ehe­ma­li­gen Tuch­fa­brik Heim­bach auf­ge­stellt wer­den. Die Schläm­me, die zur Her­stel­lung der Ein­satz­hau­ben pro­du­ziert wur­den, wur­den mit­tels pneu­ma­ti­schem Trans­port vom al­ten Fa­brik­teil (Tuch­fa­brik Ha­me­cher) in den neu­en (Tuch­fa­brik Heim­bach) ge­pumpt. An den al­ten Fa­brik­schorn­stein der Tuch­fa­brik Heim­bach konn­te der neue Tro­cken­ofen an­ge­schlos­sen wer­den. Das Fir­men­ge­län­de der Tuch­fa­brik wur­de nun suk­zes­si­ve in­te­griert. Auf schnells­tem Weg war die Fa. STEI­BE wie­der kon­kur­renz­fä­hig ge­wor­den und konn­te sei­nen Kun­den­stamm mit dem neu­en Pro­dukt be­lie­fern.

25-jähriges Jubiläum der Firma Steibe, Augenbroicher Straße, 1985, Foto: Ralf Hamacher. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

In­fol­ge ei­nes Pa­tent­strei­tes der bei­den Kon­kur­ren­ten PRO­ME­DO/STEI­BE und auf der an­de­ren Sei­te Sand­vi­ken/FO­SE­CO, der im Jahr 1973 mit ei­ner güt­li­chen Ei­ni­gung ab­ge­schlos­sen wer­den konn­te, kam es zu ei­ner An­nä­he­rung der Fir­men PRO­ME­DO und FO­SE­CO. Die­se führ­te im Ju­li 1974 zum Ver­kauf des fran­zö­si­schen Teils der GmbH, PRO­ME­DO, an die eng­li­sche Fa. FO­SE­CO mit Haupt­sitz in Bir­ming­ham und Nie­der­las­sung im nie­der­rhei­ni­schen Bor­ken. Fort­an wur­den die bei­den ähn­li­chen Pro­duk­te von ei­ner Fir­ma, näm­lich STEI­BE/FO­SE­CO, je­doch ge­trennt von­ein­an­der in Bor­ken und Eus­kir­chen ge­fer­tigt. Die fol­gen­den Jah­re wa­ren ge­prägt durch ei­ne in­no­va­ti­ve Wei­ter­ent­wick­lung der Pro­dukt­pa­let­te. Da­bei be­stimm­te vor al­lem das aus Bir­ming­ham über­nom­me­ne Pro­dukt Pro­cal den Weg, das ab 1977 ne­ben STEX-Hau­ben in Eus­kir­chen ge­fer­tigt wur­de. Das Pro­dukt Pro­cal er­setz­te nach und nach die Pro­duk­ti­on von STEX in Eus­kir­chen. Ein wei­te­res in Eus­kir­chen ent­wi­ckel­tes Pro­dukt trug den Na­men Si­vex. Da­bei han­del­te es sich um ei­nen Fil­ter für Gie­ße­rei­en zum Ver­gie­ßen von Me­tal­len, der aus Ke­ra­mik und Schaum­stoff be­stand. Der ers­te Auf­trag für Si­vex kam aus Ve­ne­zue­la und war so er­folg­reich, dass die Pro­duk­ti­ons­stät­te in Eus­kir­chen er­neut um­ge­stal­tet wer­den muss­te. Zu Be­ginn der 1980er Jah­re wur­de in Bel­gi­en, bei der Fa. GLA­VER­BEL, ein Ver­fah­ren ent­wi­ckelt, das „Ke­ra­mi­sches Schwei­ßen“ ge­nannt wur­de und ein Re­pa­rie­ren von Schä­den in Ko­ke­rei­en und Glas­schmelz­öfen er­mög­lich­te. Die Eus­kir­che­ner Fir­ma STEI­BE wur­de mit der eu­ro­pa­wei­ten Ak­qui­si­ti­on und An­wen­dung be­auf­tragt und ver­zeich­ne­te ers­te Er­fol­ge in den Ko­ke­rei­en der Ruhr­koh­le AG. Ei­ne rei­ne Ser­vice­leis­tung steck­te da­hin­ter, Ma­te­ri­al, Ma­schi­nen und Per­so­nal wur­den ge­stellt. Nach­dem die ers­ten Auf­trä­ge für das „Ke­ra­mi­sche Schwei­ßen“ über die Fa. STEI­BE ab­ge­wi­ckelt wur­den, grün­de­te man als „Joint Ven­tu­re“ die FOS­BEL EU­RO­PE GmbH. Der neue Fir­men­na­me setz­te sich aus den Na­men der be­tei­lig­ten Fir­men FO­SE­CO und GLA­VER­BEL zu­sam­men. Ge­schäfts­füh­rer wur­de Ralf Ha­ma­cher aus Eus­kir­chen. Die Fa. STEI­BE GmbH sorg­te für Mar­ke­ting, Or­ga­ni­sa­ti­on, Ver­wal­tung und Durch­füh­rung der Ar­bei­ten vor Ort. GLA­VER­BEL lie­fer­te die Tech­nik, die Ma­schi­nen, das Ma­te­ri­al und die Schwei­ßer. Die Ar­bei­ten für die neue Fir­ma, FOS­BEL EU­RO­PE, konn­ten in den Ge­bäu­den der Fa. STEI­BE an der Au­gen­broi­cher Stra­ße nicht zu­sätz­lich auf­ge­nom­men wer­den. So zog FOS­BEL EU­RO­PE zu­nächst mit ih­ren Bü­ros und La­ger­hal­len in die ehe­ma­li­ge Tuch­fa­brik Lü­ck­erath, In den Ben­den, und fand dann ge­nü­gend Raum im neu­en In­dus­trie­park am Sil­ber­berg in Eus­kir­chen-Groß­bül­le­s­heim, wo sie sich noch be­fin­det. FOS­BEL EU­RO­PEs Auf­stieg ging wei­ter mit Zweig­nie­der­las­sun­gen in Frank­reich, Eng­land, Ita­li­en und Spa­ni­en, im Jahr 1990 wa­ren es acht eu­ro­päi­sche und wei­te­re zehn in der Welt.

Beim 25-jäh­ri­gen Fir­men­ju­bi­lä­um im Ok­to­ber 1985 zähl­te die Fa. STEI­BE 130 Mit­ar­bei­ter und pro­du­zier­ten für Stahl-, Kfz- und Haus­halts­wa­ren­in­dus­trie in al­len In­dus­trie­staa­ten der Welt. Die Stahl­kri­se der Jah­re 1988 bis 1990 mach­te sich bei der Un­ter­neh­mens­grup­pe FO­SE­CO be­merk­bar, we­ni­ger je­doch bei der Fa. STEI­BE in Eus­kir­chen, die dank viel­fäl­ti­ger Pro­dukt­an­ge­bo­te auf Al­ter­na­ti­ven zu­rück­grei­fen und die­se aus­bau­en konn­te. Im Jahr 1994 wur­den die Fa­brik­ge­bäu­de in der Au­gen­broi­cher Stra­ße ge­räumt und ver­kauft; ein Jahr spä­ter ab­ge­ris­sen. Die Fa. STEI­BE blieb im Rah­men der FOS­BEL EU­RO­PE-Grup­pe er­hal­ten, die ihr Ser­vice-An­ge­bot durch wei­te­re Tech­no­lo­gi­en wie exo­ther­me Mör­tel, Plas­mas­prit­zen und Ther­mok er­wei­ter­te. Sie er­hielt ei­ne ei­ge­ne Ver­wal­tung und ei­ge­ne Struk­tur, un­ter­stand aber nun dem Cas­trol-Ma­nage­ment, das Mehr­hei­ten über­nom­men hat­te. Die Auf­trä­ge führ­ten mitt­ler­wei­le in die gan­ze Welt. Ralf Ha­ma­cher rück­te in die Vor­stand-Po­si­ti­on des Welt­kon­zerns Cas­trol. Im Jahr 2000 über­nahm BP den Cas­trol-Kon­zern und stieß al­le Fir­men, die bran­chen­fremd wa­ren, ab, da­mit auch FO­SE­CO und FOS­BEL EU­RO­PE. FO­SE­CO wur­de von ei­nem frü­he­ren Kon­kur­ren­ten über­nom­men, die FOS­BEL EU­RO­PE GmbH wech­sel­te mehr­fach den Ei­gen­tü­mer, blieb aber im In­dus­trie­park am Sil­ber­berg.

5. Der Industriestandort Euskirchen – Neue Standorte und neue Ideen

Produktion von STEX, 1965, Foto: Ralf Hamacher. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

5.1 Vom Industrie- und Gewerbegebiet Euskirchen–Roitzheim zum EURO-Park West und Ost

Die Schlie­ßung der Tuch­fa­bri­ken, die Mit­te der 1950er Jah­re be­gann, zwang die Eus­kir­che­ner Po­li­tik da­zu, die ent­stan­de­ne Lü­cke im Wirt­schafts­le­ben zu schlie­ßen. Al­le Be­mü­hun­gen gin­gen da­hin, Lö­sun­gen für die Kri­se in der öko­no­mi­schen Struk­tur zu fin­den. Ei­ne stra­te­gi­sche Er­schlie­ßung neu­er In­dus­trie­ge­bie­te und das An­ge­bot preis­güns­ti­ger Flä­chen „auf der grü­nen Wie­se“ soll­ten An­rei­ze schaf­fen, so­wohl für Neu­an­sied­lun­gen als auch für die Ex­pan­die­rung und För­de­rung an­säs­si­ger Be­trie­be, die bis­lang noch ihr Do­mi­zil in der In­nen­stadt hat­ten. Rund um die Roitz­hei­mer Stra­ße, süd­lich der West­deut­schen Stein­zeug­wer­ke und par­al­lel west­lich zur Bun­des­stra­ße 51 ent­wi­ckel­te sich auf ei­ner Ge­samt­flä­che von ur­sprüng­lich 1.541 ar ein neu­es In­dus­trie­ge­biet, in dem zum Bei­spiel die alt­ein­ge­ses­se­nen Fir­men Latz, die Wä­sche­fa­brik Schewe und das auf­stre­ben­de Mie­le-Werk Platz fan­den. Mitt­ler­wei­le ha­ben vie­le nam­haf­te Un­ter­neh­men aus den Be­rei­chen Pro­duk­ti­on, Hand­werk, Han­del, Dienst­leis­tun­gen und Ver­sand in dem heu­te so ge­nann­ten EU­RO-Park West ih­ren Sitz. 

Als ei­nes der ers­ten auf­stre­ben­den Un­ter­neh­men sie­del­te das Mie­le-Werk von der Kern­stadt ins In­dus­trie­ge­biet um. Im Ju­li 1951 hat­te das drit­te Mie­le-Werk (nach Gü­ters­loh und Bie­le­feld) mit 16 Mit­ar­bei­tern in Eus­kir­chen den Be­trieb auf­ge­nom­men. Da­mals preis­wert zu mie­ten war das leer­ste­hen­de Ge­bäu­de der Tuch­fa­brik Ruhr-Lü­ck­erath in der Spie­gel­stra­ße. Dort be­gann man mit der Pro­duk­ti­on von Dy­na­mos für die vom Werk Bie­le­feld ge­lie­fer­ten Fahr­rä­der, bald dar­auf wur­den in Eus­kir­chen al­le Mo­to­ren für die Mie­le-Wasch­ma­schi­nen pro­du­ziert. Nur vier Jah­re spä­ter, am 1.11.1955, zog das Mie­le-Werk an sei­nen heu­ti­gen Stand­ort im da­mals neu ent­ste­hen­den In­dus­trie- und Ge­wer­be­ge­biet an der Roitz­hei­mer Stra­ße. Bis heu­te ist Mie­le an die­sem Stand­ort ein Er­folgs­ga­rant: Die Mit­ar­bei­ter­zahl von über 500 Be­schäf­tig­ten, bleibt in Eus­kir­chen seit Jah­ren auf kon­stant ho­hem Ni­veau, die Werk­an­la­ge ex­pan­dier­te bis auf ei­ne heu­ti­ge Flä­che von 126.000 Qua­drat­me­tern. Heu­te wer­den täg­lich 14.000 Elek­tro­mo­to­ren und 6.000 Ka­bel­trom­meln pro­du­ziert, das Werk ist nach wie vor ein be­deu­ten­der Mie­le-in­ter­ner Zu­lie­fe­rer.

Von 1965 bis zum Jahr 2000 stell­te an der Vo­gel­ru­te die Fir­ma Schewe „mo­di­sche Da­men- und Kin­der Tag- und Nacht­wä­sche“ her. Hier wur­den bei­spiels­wei­se für ver­schie­de­ne Ver­sand­häu­ser pro Wo­che 13.000 Da­men-Nacht­hem­den ge­fer­tigt und Wa­ren­häu­ser wie Kauf­hof und C & A be­lie­fert. Im Jahr 2000 kam für die 99 Mit­ar­bei­ter der Fir­ma Schewe die Kün­di­gung, da die Fir­ma zu­neh­mend un­ter Druck durch Pro­du­zen­ten in Bil­lig­lohn­län­dern ge­riet.

Blick auf die Wäschefabrik Schewe und die Westdeutschen Steinzeugwerke, um 1970. (Stadtarchiv Euskirchen)

 

Die Hun­de­ku­chen­fa­brik Latz ver­leg­te in den Jah­ren 1967/1968 ih­ren Stand­ort aus der In­nen­stadt in das In­dus­trie- und Ge­wer­be­ge­biet Eus­kir­chen–Roitz­heim. Durch die Er­schlie­ßung wei­te­rer Flä­chen ent­stand erst vor we­ni­gen Jah­ren zum Ge­wer­be­ge­biet EU­RO-Park West der neue EU­RO-Park Ost (öst­lich der B 51 zum Orts­teil Roitz­heim ge­le­gen). Heu­te bil­det das In­dus­trie- und Ge­wer­be­ge­biet Eus­kir­chen–Roitz­heim in sei­ner Ge­samt­heit ein in sich zu­sam­men­hän­gen­des, di­rekt an die Stadt an­gren­zen­des, et­wa 1,5 Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter gro­ßes Are­al. 

5.2 IPAS – Der Industrie- und Gewerbepark am Silberberg

Das prä­gnan­te Kür­zel IPAS steht für In­dus­trie-Park Am Sil­ber­berg. Mit ei­ner Flä­che von über 2 Mil­lio­nen Qua­drat­me­tern ist der IPAS das grö­ß­te zu­sam­men­hän­gen­de In­dus­trie- und Ge­wer­be­ge­biet im Kreis Eus­kir­chen. Er liegt ver­kehrs­güns­tig im Nor­den der Stadt Eus­kir­chen, zum Orts­teil Groß­bül­le­s­heim ge­hö­rend, am Au­to­bahn­zu­brin­ger zur A 61 und ver­fügt über ei­nen ei­ge­nen Bahn­an­schluss. Der La­ge­vor­teil zu Köln und zur Rhein­schie­ne hat da­zu bei­ge­tra­gen, dass sich heu­te be­reits über 70 Be­trie­be un­ter­schied­lichs­ter Bran­chen mit cir­ca 4.000 Be­schäf­tig­ten dort nie­der­ge­las­sen ha­ben. Die Band­brei­te der Bran­chen um­fasst die Ab­fall­ent­sor­gung, die Her­stel­lung von Well­pap­pe und Haut­schutz­pro­duk­ten, Er­satz­tei­le­ver­trieb, Ma­schi­nen­bau und Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en und vie­les mehr. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men ha­ben welt­wei­tes An­se­hen.

Vor fast 40 Jah­ren be­gann mit der An­sied­lung des ame­ri­ka­ni­schen Welt­un­ter­neh­mens Proc­ter & Gam­ble im IPAS ei­ne neue in­dus­tri­el­le Keim­zel­le in Eus­kir­chen zu wach­sen. Bis heu­te ver­bin­det man Eus­kir­chen mit sei­nem grö­ß­ten Ar­beit­ge­ber und dem Pro­dukt, das dort für über 40 Län­der pro­du­ziert wird, den Hös­chen­win­deln „Pam­per­s“. Bei Pro­duk­ti­ons­be­ginn im Jahr 1975/1976 be­schäf­tig­te das Werk knapp 500 Mit­ar­bei­ter, heu­te sind es 1.600, die im Drei­schicht­be­trieb rund um die Uhr ar­bei­ten. Ne­ben den Hös­chen­win­deln pro­du­ziert der ame­ri­ka­ni­sche Kon­zern in Eus­kir­chen Feucht­tü­cher und seit dem Jahr 2001 ist Proc­ter & Gam­ble, Eus­kir­chen, ei­nes der mo­derns­ten Dis­tri­bu­ti­ons­cen­tren der Bun­des­re­pu­blik. Hier wer­den fast al­le der 300 Mar­ken­pro­duk­te des Kon­zerns an­ge­lie­fert, um­ge­packt und wei­ter­ex­pe­diert. Die ers­te Stra­ße im IPAS, die E.T.A.-Hoff­mann-Stra­ße wur­de mit zu­neh­men­der Ver­ste­ti­gung des In­dus­trie­parks nach dem ame­ri­ka­ni­schen Kon­zern um­be­nannt in „Proc­ter & Gam­ble - Stra­ße“. Mit die­sem Welt­kon­zern, dem grö­ß­ten Ar­beit­ge­ber im Um­kreis, ver­bin­det man heu­te den Wirt­schafts­stand­ort Eus­kir­chen.

Quellen

Stadt­ar­chiv Eus­kir­chen, Be­stän­de Eus­kir­chen III bis VI, Zei­tungs­aus­schnitt­samm­lun­g 
Stadt­ar­chiv Eus­kir­chen, Be­stand I, Ak­te 257

Literatur

Bau­er, Kat­rin, Die Be­völ­ke­rung Eus­kir­chens 1799, in: Bür­ger­tum im 19. Jahr­hun­dert in den Land­krei­sen Eus­kir­chen und Schlei­den, Wei­ler­s­wist 2003, S. 13-37. 
raumann, Sa­bi­ne (Be­arb.), Jo­hann Wil­helm Carl Lud­wig, Der Kreis Le­che­nich um 1826. Preu­ßi­sche Be­stands­auf­nah­me des Lan­des und sei­ner Be­völ­ke­rung, Köln, Wei­mar, Wien 2008.
Ha­ma­cher, Ralf, Die Fa. Stei­be, un­ver­öf­fent­lich­tes Ma­nu­skript 2012 [Stadt­ar­chiv Eus­kir­chen].
Kalff, Franz, Von der Müh­le zum In­dus­trie­be­trieb, in: 750 Jah­re Rhe­der, Rhe­der 1990, S. 160-171.
Koe­nen, Von der Wol­le zur fer­ti­gen Ho­se, Wer­be­schrift 1953.
Küp­per, Heinz, Eus­kir­chens Tuch­ma­cher und ih­re Ar­bei­ter, in: Jahr­buch des Krei­ses Eus­kir­chen 1955, S. 17-53.
Ren­elt, Hans, Die his­to­ri­sche Ent­wick­lung der Eus­kir­che­ner Tuch­in­dus­trie bis 1914, Eus­kir­chen 1921.
Sten­der, Det­lef, An den Wie­sen des Vey­bachs ei­ne blü­hen­de In­dus­trie, in: 700 Jah­re Stadt Eus­kir­chen, Wei­ler­s­wist 2002, S. 11-36.
Stotz­heim er­zählt. Ein Hei­mat­le­se­buch, 2 Bän­de, Me­cken­heim 2006-2007.
Weitz, Rein­hold, Eus­kir­chen in der Kai­ser­zeit. Stadt­ent­wick­lung, Stadt­pla­nung und Stadt­bild 1871-1918, Eus­kir­chen 1992.
Zim­mer­mann, Hans, Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Krei­ses Eus­kir­chen im 19. Jahr­hun­dert, Diss. phil. Köln, Eus­kir­chen 1926.

Im Mielewerk, um 1970. (Stadtarchiv Euskirchen)

 
Anmerkungen
  • 1: Graumann, S. 83.
  • 2: Küpper, S. 19.
  • 3: Küpper, S. 22 sowie Renelt, S. 39
  • 4: StA EU I, 257: Bericht des Bürgermeisters Steinhauer über den Stand der Gemeinde-Angelegenheiten der Stadt Euskirchen (§ 56 der Städte-Ordnung) am 29.11.1872.
Zitationshinweis

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Rünger, Gabriele, Der Wirtschaftsstandort Euskirchen und seine Weltunternehmen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/der-wirtschaftsstandort-euskirchen-und-seine-weltunternehmen/DE-2086/lido/603df1cb1729e6.86036599 (abgerufen am 31.07.2021)