1848 bis 1871 - Zwischen Revolution und Reichsgründung. Durchbruch zur Industrialisierung

Jürgen Herres (Berlin)

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1. Überblick

In den bei­den Jahr­zehn­ten zwi­schen der Re­vo­lu­ti­on von 1848 und der Reichs­grün­dung von 1871 fand im preu­ßi­schen Rhein­land „der ent­schei­den­de Durch­bruch auf dem Weg zur In­dus­tria­li­sie­run­g“ (Her­mann Kel­len­be­nz) statt. Zu Recht stell­te das Deut­sche His­to­ri­sche Mu­se­um in ei­ner Aus­stel­lung im Jah­re 2008 die­se Epo­che als Grün­der­zeit her­aus.

Der öko­no­mi­sche, tech­ni­sche und so­zia­le Wan­del be­schleu­nig­te sich in ei­nem bis da­hin un­ge­kann­tem Ma­ße. Der Aus­bau von Ei­sen­bahn und elek­tri­scher Te­le­gra­phie er­höh­te ent­schei­dend Mo­bi­li­tät und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chan­cen der Men­schen. Der aus der fran­zö­si­schen Ära re­sul­tie­ren­de Struk­tur­vor­sprung in der Rechts-, Wirt­schafts- und So­zi­al­ver­fas­sung si­cher­te der Rhein­pro­vinz im preu­ßi­schen Ge­samt­staat wei­ter­hin ei­ne Vor­rei­ter­rol­le. In Wirt­schaft, Kul­tur und Po­li­tik drück­te ei­ne un­ter­neh­men­de Ge­ne­ra­ti­on der Zeit ih­ren Stem­pel auf, als Un­ter­neh­mens­grün­der, Er­fin­der und In­ge­nieu­re, aber auch als Ver­eins- und Par­tei­initia­to­ren, als Vor­kämp­fer so­zia­ler Ver­bes­se­run­gen so­wie als Weg­be­rei­ter der Ge­werk­schafts- und Ge­nos­sen­schafts­be­we­gun­gen.

In der Re­ak­ti­ons­ära der 1850er Jah­ren, im Ver­fas­sungs­kon­flikt in der ers­ten Hälf­te der 1860er Jah­re und im Vor­feld des Deut­schen Krie­ges von 1866 kam es zu erns­ten po­li­ti­schen Kon­flik­ten. Sie hat­ten mehr noch als im Vor­märz ei­ne ge­samt­preu­ßi­sche Di­men­si­on, aber sie wa­ren wei­ter­hin re­gio­nal ge­prägt und er­höh­ten die Span­nun­gen zwi­schen preu­ßi­scher Zen­tra­le und rhei­ni­scher Pro­vinz. Ins­be­son­de­re in der Re­ak­ti­ons­ära in­sze­nier­ten die preu­ßi­schen Hoch- und Ul­tra­kon­ser­va­ti­ven die Re­vi­si­on der Er­run­gen­schaf­ten der Re­vo­lu­ti­ons­zeit als Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Os­ten und dem Wes­ten der preu­ßi­schen Mon­ar­chie.

2. Politische Geschichte: Von der Reaktion zur Reichseinigung (1850-1870/1871)

In po­li­ti­scher Hin­sicht drück­te nach dem Schei­tern der Re­vo­lu­ti­on von 1848 die Re­ak­ti­on dem ers­ten Jahr­zehnt ih­ren Stem­pel auf. Aber die Dy­na­mik der po­li­ti­schen und so­zia­len Ent­wick­lun­gen ließ sich nur für ei­nen be­grenz­ten Zeit­raum ein­däm­men. Mit der „Neu­en Är­a“ setz­te seit 1858 ei­ne Pha­se be­grenz­ter Li­be­ra­li­sie­rung ein. Der preu­ßi­sche Ver­fas­sungs­kon­flikt, der sich 1862 mit Ot­to von Bis­marcks (1815-1898) Be­ru­fung zum preu­ßi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ver­schärf­te, mün­de­te 1866 in die Reich­s­ei­ni­gungs­ära, die im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg von 1870/1871 die Bil­dung des klein­deut­schen Kai­ser­reichs zur Fol­ge hat­te.

2.1 Reaktionsära (1849-1858)

Nach dem Schei­tern der Re­vo­lu­ti­on von 1848 woll­ten die Hoch- oder Ul­tra­kon­ser­va­ti­ven, die den preu­ßi­schen Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. (Re­gent­schaft 1840-1858) auf ih­rer Sei­te wuss­ten, Staat und Ge­sell­schaft ge­gen al­len Li­be­ra­lis­mus und all die Ten­den­zen, die vor­geb­lich zur Re­vo­lu­ti­on ge­führt hat­ten, ab­schir­men. Ihr Ziel war die Ein­he­gung ei­ner durch In­dus­tria­li­sie­rung und frei­heit­li­che Ide­en in Be­we­gung ge­ra­te­nen Ge­sell­schaft. 1851 cha­rak­te­ri­sier­te Leo­pold von Ger­lach (1790-1861), Ge­ne­ral­ad­ju­tant des Kö­nigs, die Re­vo­lu­ti­on von 1848 in Preu­ßen als „Ak­ti­on der Rhein­lan­de“ und die Kon­ter­re­vo­lu­ti­on als „Re­ak­ti­on der al­ten Pro­vin­zen ge­gen sie“. Aus die­ser Sicht war die Re­vi­si­on auch der letz­ten Er­run­gen­schaf­ten aus der Re­vo­lu­ti­ons­zeit nicht zu­letzt ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Os­ten und dem Wes­ten der preu­ßi­schen Mon­ar­chie. Dies kam vor al­lem im Kampf um die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung von 1856 zum Aus­druck.

Ei­nen gro­ßen per­sön­li­chen An­teil an der Re­ak­ti­ons­po­li­tik der 1850er Jah­re hat­te der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. durch die Be­ru­fung des pom­mer­schen Land­ra­tes Hans Hu­go von Kleist-Ret­zow 1851 zum Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz und da­mit zum obers­ten Be­am­ten am Rhein stell­te er Wei­chen: Kleist-Ret­zow, von sei­nem Bio­graph als ei­ner „der hart­nä­ckigs­ten und dok­tri­närs­ten Re­ak­tio­nä­re“ be­zeich­net, ver­trat in der Rhein­pro­vinz mit „un­beug­sa­mem Cha­rak­ter“ und pu­ri­ta­ni­scher Fröm­mig­keit die Sa­che der preu­ßi­schen Mon­ar­chie (Her­mann von Pe­ters­dorff).

Ge­gen die Köl­ni­sche Zei­tung, ei­ne der grö­ß­ten deut­schen Ta­ges­zei­tun­gen, ver­lang­te Fried­rich Wil­helm IV. in den 1850er Jah­ren im­mer wie­der aus­drück­lich po­li­zei­li­che Ver­fol­gungs- und Ver­bots­maß­nah­men, selbst ge­gen Recht und Ge­setz. Als Frank­reich 1852 zum Kai­ser­reich und der Nef­fe Na­po­le­ons I. (1769-1821), Charles-Louis-Na­po­lé­on Bo­na­par­te (1808-1873) zu Kai­ser Na­po­le­on III. (Re­gie­rungs­zeit 1852-1870) wur­de, hielt Fried­rich Wil­helm IV. ei­nen Ab­fall des west­li­chen Rhein­lan­des von Preu­ßen für fast un­ver­meid­bar. Er war von der „Rhei­nisch[en]. Treu­lo­sig­keit“ über­zeugt, wie er ei­nem en­gen Ver­trau­ten schrieb.

In der Schluss­pha­se der Re­vo­lu­ti­on wa­ren in Preu­ßen noch be­deu­ten­de Re­form­ge­set­ze er­las­sen wor­den, die in der ge­sam­ten Mon­ar­chie die Selbst­ver­wal­tung der Ge­mein­den, Krei­se, Be­zir­ke und Pro­vin­zen ver­grö­ßern und die länd­li­che Vor­herr­schaft der Rit­ter­guts­be­sit­zer des Os­tens ra­di­kal ein­schrän­ken soll­ten. Ge­gen bei­de Ge­set­ze lie­fen die kon­ser­va­ti­ven Eli­ten Preu­ßens er­folg­reich Sturm. 1853 setz­ten sie die förm­li­che Auf­he­bung der Re­form­ge­set­ze durch. Da­mit ga­ben sie sich je­doch nicht zu­frie­den. Seit der fran­zö­si­schen Ära be­stand in der Rhein­pro­vinz ei­ne für städ­ti­sche und länd­li­che Ge­mein­den ein­heit­li­che Kom­mu­nal­ver­fas­sung. An­ge­trie­ben von den Hoch­kon­ser­va­ti­ven im preu­ßi­schen Her­ren­haus (bis 1854 Ers­te Kam­mer) und Ab­ge­ord­ne­ten­haus (Zwei­te Kam­mer), setz­te die preu­ßi­sche Staats­spit­ze 1856 die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung durch und da­mit auch am Rhein die kom­mu­nal­recht­li­che Tren­nung von Stadt und Land.

Da­für ent­schei­dend wa­ren po­li­ti­sche Grün­de, we­ni­ger ver­wal­tungs- oder kom­mu­nal­recht­li­che. In ei­ner Kron­rats­sit­zung, die am 9. und 10.5.1856, fünf Ta­ge vor dem In­kraft­tre­ten der Rhei­ni­schen Städ­te­ord­nung, auf Be­trei­ben des Thron­fol­gers, Prinz Wil­helm von Preu­ßen (1797-1888), des spä­te­ren Kö­nigs Wil­helm I. (Re­gent­schaft als Kö­nig von Preu­ßen 1861-1888), ein­be­ru­fen wur­de, be­ton­te der rhei­ni­sche Ober­prä­si­dent Kleist-Ret­zow ge­gen­über Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. „ins­be­son­de­re die po­li­ti­sche Wich­tig­keit“ der Durch­set­zung der „Tren­nung von Stadt und Lan­d“ am Rhein.

Im preu­ßi­schen Her­ren­haus brach­te Fried­rich Ju­li­us Stahl (1802-1861), Füh­rer der hoch­kon­ser­va­ti­ven Frak­ti­on, die­se po­li­ti­schen Ab­sich­ten auf die For­mel, dass am Rhein „das Band zu der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on“ zu zer­schnei­den sei.

Die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung von 1856 traf im Rhein­land auf er­heb­li­chen Wi­der­stand. Von rhei­ni­scher Sei­te wur­den noch ein­mal al­le Ar­gu­men­te vor­ge­bracht, die seit 1831 ge­gen ei­ne Tren­nung von Stadt und Land ins Feld ge­führt wor­den wa­ren. In den bei­den Kam­mern des preu­ßi­schen Land­tags ver­such­te die klei­ne Grup­pe der li­be­ra­len und ka­tho­li­schen Ab­ge­ord­ne­ten ver­geb­lich, das 1850 er­wei­ter­te Maß der Ge­mein­de­frei­heit zu be­wah­ren. Lu­dolf Cam­phau­sen be­ton­te am 3.3.1852 in der Ers­ten Kam­mer, im Rhein­land be­ste­he kei­ne Not­wen­dig­keit, „daß den Rit­ter­guts­be­sit­zern ein Vor­recht ein­ge­räumt wer­de“. Der ka­tho­li­sche Kon­ser­va­ti­ve Franz Egon Graf von Fürs­ten­berg-Stamm­heim (1787-1859) stell­te sich am 30.4.1856 an die Spit­ze ei­ner Pe­ti­ti­on von vor al­lem ka­tho­li­schen Ab­ge­ord­ne­ten, die an den Kö­nig ge­rich­tet, die kom­mu­nal­recht­li­che Tren­nung von Stadt und Land kri­ti­sier­te.

Die rhei­ni­schen Städ­te und Ge­mein­den wand­ten sich in ei­ner Fül­le von Pe­ti­tio­nen und Ein­ga­ben ge­gen den Ge­set­zes­ent­wurf. Im Ja­nu­ar 1853 tra­fen sich auf In­itia­ti­ve des Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ters die Ver­wal­tungs­spit­zen der Städ­te El­ber­feld und Bar­men (bei­de heu­te Stadt Wup­per­tal), Düs­sel­dorf, Köln, Kre­feld, Aa­chen, Mül­heim an der Ruhr und Eu­pen in Köln. Ein­mü­tig spra­chen sie sich ge­gen die Plä­ne der Re­gie­rung aus, die „we­der den Wün­schen, noch den Be­dürf­nis­sen der Ge­mein­den“ ent­spre­chen wür­den. Noch we­ni­ge Ta­ge vor In­kraft­tre­ten der Städ­te­ord­nung, am 2.5.1856, rich­te­te der Köl­ner Stadt­rat ei­nen Ap­pell an den Kö­nig, in dem es hei­ßt: „Rech­te, die in den an­dern Pro­vin­zen den kleins­ten Städ­ten ge­wahrt blie­ben, sol­len hier be­deu­ten­den Städ­ten ent­zo­gen wer­den“. In ei­ner Trie­rer Pe­ti­ti­on vom 29.3.1856 wur­de aus­drück­lich Be­zug ge­nom­men auf  die „An­trä­ge und Ue­ber­zeu­gun­gen, wel­che seit bei­na­he 25 Jah­ren von den Ver­tre­tern der Pro­vinz ... aus­ge­spro­chen wor­den“ sei­en. Es soll­ten „die Ei­gen­t­hüm­lich­kei­ten und die his­to­ri­schen Zu­stän­de der Pro­vin­zen be­rück­sich­tigt wer­den“.

We­ni­ge Jah­re spä­ter, 1859 und 1860, kam es er­neut zu Pe­ti­ti­ons­be­we­gun­gen rhei­ni­scher Städ­te, die auf ei­ne Ab­än­de­rung der Städ­te­ord­nung von 1856 dran­gen – im Na­men al­ler rhei­ni­schen Ge­mein­den.

2.2 Neue Ära (1858-1862) und preußischer Verfassungskonflikt (1862-1866)

Als im Ok­to­ber 1857 Prinz Wil­helm von Preu­ßen die Stell­ver­tre­tung und 1858 die Re­gent­schaft für den un­heil­bar er­krank­ten Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. über­nahm, er­reich­te die Re­ak­ti­ons­zeit ihr En­de. Das po­li­ti­sche Kli­ma än­der­te sich. Wil­helm be­rief ein neu­es Re­gie­rungs­ka­bi­nett und ent­ließ im Rhein­land den Ober­prä­si­den­ten Hans Hu­go von Kleist-Ret­zow.

Die li­be­ral-kon­ser­va­ti­ve In­nen­po­li­tik Wil­helms I. weck­te auch im Rhein­land Hoff­nun­gen, die er je­doch An­fang der 1860er Jah­re durch sei­ne um­fas­sen­den Hee­res­re­form­plä­ne und die da­mit ver­bun­de­ne Steu­er­er­hö­hung um 25 Pro­zent schnell ent­täusch­te. Die Er­war­tun­gen schlu­gen in po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on um.

Die 1861 ge­grün­de­te Fort­schritts­par­tei wur­de in den preu­ßi­schen Land­tags­wah­len von 1862 die be­stim­men­de li­be­ral-de­mo­kra­ti­sche Op­po­si­ti­ons­kraft in Preu­ßen und in der Rhein­pro­vinz. Von den ins­ge­samt 62 rhei­ni­schen Ab­ge­ord­ne­ten schlos­sen sich 50 der Fort­schritts­par­tei oder dem Lin­ken Zen­trum an. Aus der Ab­leh­nung der Mi­li­tär­aus­ga­ben im preu­ßi­schen Etat für 1862 durch die links­li­be­ra­le Ab­ge­ord­ne­ten­mehr­heit ent­wi­ckel­te sich nach der Be­ru­fung Bis­marcks zum Mi­nis­ter­prä­si­den­ten (Sep­tem­ber 1862) der preu­ßi­sche Ver­fas­sungs­kon­flikt. Brei­te Krei­se der Be­völ­ke­rung op­po­nier­ten ge­gen die Re­gie­rungs­po­li­tik und brach­ten in Wah­len und po­li­ti­schen De­mons­tra­tio­nen ih­re Miss­bil­li­gung zum Aus­druck.

Für die zwei­te Kam­mer des preu­ßi­schen Land­tags (Haus der Ab­ge­ord­ne­ten) galt ein in­di­rek­tes Drei-Klas­sen-Wahl­recht. Die ge­sam­te er­wach­se­ne männ­li­che Be­völ­ke­rung war zwar wahl­be­rech­tigt, aber das Ge­wicht ei­ner Wahl­stim­me hing von der Steu­er­leis­tung des Ein­zel­nen ab. Dar­über hin­aus war die Stimm­ab­ga­be öf­fent­lich. Im Ver­fas­sungs­kon­flikt stieg die Wahl­be­tei­li­gung, die in den 1850er Jah­ren höchs­tens acht bis 14 Pro­zent be­tra­gen hat­te, auf 18 bis 22 Pro­zent an, in grö­ße­ren Städ­ten so­gar auf über 25 Pro­zent, in Köln auf 34 (1862) und 28 Pro­zent (1863), in Düs­sel­dorf auf 24 bis 25 Pro­zent. Selbst in der drit­ten Wahl­klas­se, die die Mehr­heit der Män­ner um­fass­te, gin­gen 14 bis 18 Pro­zent zur Wahl, in Köln 25 bis 31 Pro­zent, in Düs­sel­dorf 20 Pro­zent. Li­be­ra­le und vor al­lem die de­mo­kra­ti­sche Fort­schritts­par­tei konn­ten im Ver­fas­sungs­kon­flikt er­heb­li­che Tei­le der er­wach­se­nen Män­ner zur öf­fent­li­chen Stimm­ab­ga­be ge­gen die preu­ßi­sche Steu­er- und Mi­li­tär­po­li­tik be­we­gen.

Gro­ßes Auf­se­hen er­reg­te 1863 die Ent­schei­dung der Köl­ner Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, sich nicht an dem ge­plan­ten Dom­bau­fest zu be­tei­li­gen - aus Pro­test ge­gen die Teil­nah­me des preu­ßi­schen Kö­nigs. 1863 und 1865 wur­den in öf­fent­li­chen Fes­ten die rhei­ni­schen und west­fä­li­schen Ab­ge­ord­ne­ten ge­ehrt, die ge­gen die Re­gie­rungs­po­li­tik op­po­niert hat­ten.

2.3 Jubiläumsfeiern 1865: Konfrontation und Kooperation

Die Fei­er­lich­kei­ten zur 50-jäh­ri­gen Zu­ge­hö­rig­keit der Rhein­lan­de zu Preu­ßen im Mai 1865 of­fen­bar­ten noch ein­mal die Span­nung von Kon­fron­ta­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on, die für das Ver­hält­nis von Zen­tral­staat und Rhein­pro­vinz be­stim­mend war.

Am Rhein wa­ren zwei Grund­stein­le­gun­gen ge­plant; am 15. Mai in Aa­chen zur Kö­nig­lich Rhei­nisch-West­phä­li­schen po­ly­tech­ni­schen Schu­le, dem ers­ten preu­ßi­schen Po­ly­tech­ni­kum, der heu­ti­gen Rhei­nisch-West­fä­li­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le (RWTH), und am 16. in Köln zum um­strit­te­nen Pro­vin­zi­al­denk­mal für Fried­rich Wil­helm III. (Re­gent­schaft 1797-1840). Das Denk­mal auf dem Köl­ner Heu­markt wur­de erst 1878 als Rei­ter­denk­mal mit um den So­ckel ver­sam­mel­ten Groß­fi­gu­ren und Re­li­efs voll­endet. Wäh­rend die Fei­er­lich­kei­ten in Aa­chen oh­ne re­gie­rungs­kri­ti­sche De­mons­tra­tio­nen ver­lie­fen, ließ die Köl­ner Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung es zum Eklat kom­men. Sie lehn­te ei­ne Fi­nan­zie­rung der Köl­ner Grund­stein­le­gung ab und wei­ger­te sich, ei­ne De­le­ga­ti­on nach Aa­chen zu sen­den. Durch ei­ne Pri­vat­in­itia­ti­ve mach­te der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Alex­an­der Ba­chem schlie­ß­lich die Durch­füh­rung der Fest­ver­an­stal­tung am 16. Mai mög­lich. Nach ei­nem Dom- und Mu­se­ums­be­such fand ein Fest­es­sen im Köl­ner Gür­ze­nich statt. Auch an der an­schlie­ßen­den Rhein­fahrt nah­men ne­ben Kö­nig Wil­helm I. und sei­ner Fa­mi­lie ei­ni­ge Mi­nis­ter und vie­le Ho­no­ra­tio­ren der Rhein­pro­vinz teil. Die Be­tei­li­gung der Köl­ner Be­völ­ke­rung war sehr zahl­reich, was die kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung in den fol­gen­den Wo­chen als Kö­nigs­treue und Zu­stim­mung der Rhein­län­der zur preu­ßi­schen In­nen­po­li­tik deu­te­te.

In Aa­chen sah Wil­helm I. über al­le Kri­tik an sei­ner Po­li­tik hin­weg und stell­te die "An­er­ken­nung der Rhein­län­der für die Tä­tig­keit der 3 Kö­ni­ge", die seit 1815 re­giert hat­ten, "hö­her als al­les", wie sein Sohn, der spä­te­re Kö­nig und Kai­ser Fried­rich III., no­tier­te. Die preu­ßi­schen Hoch­kon­ser­va­ti­ven sol­len dar­über "ent­setzt" ge­we­sen sein (Hein­rich Ot­to Meis­ner, S. 389-390). In den 1850er Jah­ren hat­te Wil­helm I., der als „Lieb­ling der Ar­mee“ galt und die März­re­vo­lu­ti­on von 1848 am liebs­ten ge­walt­sam nie­der­ge­wor­fen hät­te, im Ko­blen­zer Schloss als Mi­li­tär­gou­ver­neur der West­pro­vin­zen ge­lebt und die Ver­hält­nis­se am Rhein ken­nen ge­lernt.

2.4 Neuanfänge politischer Parteien in den 1860er Jahren

In den 1860er Jah­ren be­gan­nen sich nach den er­folg­lo­sen An­sät­zen im Vor­märz und in der Re­vo­lu­ti­on von 1848 aus ei­ner dif­fu­sen po­li­ti­schen Öf­fent­lich­keit her­aus er­neut po­li­ti­sche Par­tei­en zu bil­den.

Mit der 1861 ge­grün­de­ten Fort­schritts­par­tei ent­stand erst­mals wie­der ei­ne or­ga­ni­sier­te po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on in Preu­ßen. Der Li­be­ra­lis­mus, der in den 1860er Jah­ren er­neut gro­ße Be­völ­ke­rungs­krei­se für Rechts­staat­lich­keit und na­tio­na­le Ei­ni­gung mo­bi­li­sie­ren konn­te, fiel je­doch durch die „von oben“ rea­li­sier­te Reich­s­ei­ni­gung aus­ein­an­der. Wäh­rend die Links­li­be­ra­len nach 1866 schnell An­hän­ger ver­lo­ren, ge­lang es den Na­tio­nal­li­be­ra­len auch in Rhein­preu­ßen zu­neh­mend für die Kul­tur- und Mi­li­tär­po­li­tik der Bis­marck-Re­gie­rung die Un­ter­stüt­zung bür­ger­li­cher Krei­se zu or­ga­ni­sie­ren.

Die Ver­su­che des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus von 1848, zu ei­nem par­teiähn­li­chen Zu­sam­men­schluss zu kom­men, blie­ben in Rhein­preu­ßen bis 1870 Epi­so­de. Ka­tho­li­sche Par­tei­po­li­tik war Frak­ti­ons­po­li­tik, aber auch dies nur vor­über­ge­hend bis zum An­bruch der Neu­en Ära. In Fol­ge der Op­po­si­ti­on ge­gen die Rau­mer­schen Er­las­se – nach dem preu­ßi­schen Kul­tus­mi­nis­ter Karl Ot­to von Rau­mer (1805-1859) be­nann­te in­ter­ne Ver­wal­tungs­an­ord­nun­gen zur Be­auf­sich­ti­gung ka­tho­li­scher Volks­mis­sio­nen und der Pries­ter­aus­bil­dung – schlos­sen sich im Ab­ge­ord­ne­ten­haus En­de 1852 zu­erst 63, spä­ter rund 50 Ab­ge­ord­ne­te zur Ka­tho­li­schen Frak­ti­on, seit 1859 Frak­ti­on des Zen­trums (Ka­tho­li­sche Frak­ti­on), zu­sam­men. Von den ge­wähl­ten 39 ka­tho­li­schen Rhein­län­dern tra­ten ihr 33 bei. Die Rau­mer­schen Er­las­se wur­den zwar nicht förm­lich, aber schlie­ß­lich in der Sa­che zu­rück­ge­zo­gen. Wäh­rend des Ver­fas­sungs­kon­flik­tes ging die Zahl der ka­tho­li­schen Ab­ge­ord­ne­ten stark zu­rück und wur­den die Fort­schritt­ler auch durch An­hän­ger des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus ge­wählt.

Im west­fä­li­schen Soest fan­den 1864, 1865 und 1866 Be­ra­tun­gen zur Grün­dung ei­ner ka­tho­li­schen Par­tei statt, die im De­zem­ber 1870 als Zen­trums­par­tei ins Le­ben trat. Wie der in Müns­ter ge­bo­re­ne Kreis­ge­richts­rat Al­fred Hüf­fer (1818-1899) in ei­ner Ge­dan­ken­skiz­ze 1865 for­mu­lier­te, sa­hen sich die Teil­neh­mer der Kon­fe­ren­zen "in ei­nen of­fe­nen Kampf ge­gen die so­ge­nann­ten Preu­ßi­schen Tra­di­tio­nen ge­wie­sen". Aus ih­rer Sicht be­schritt Kö­nig Wil­helm I., im Ge­gen­satz zu sei­nem Vor­gän­ger Fried­rich Wil­helm IV., den Weg "ei­nes ab­so­lu­ten, an­ti­deut­schen und pro­tes­tan­ti­schen Preu­ßens".

Für die Er­hal­tung der welt­li­chen Macht des Paps­tes – ei­ne Fra­ge, die die ita­lie­ni­sche Ei­ni­gung (1859-1861) of­fen ge­las­sen hat­te – konn­ten die rhei­ni­schen Ka­tho­li­ken En­de 1859/An­fang 1860 so­wie 1868 in spek­ta­ku­lä­ren Pe­ti­ti­ons­ak­tio­nen im Rhein­land Zehn­tau­sen­de von Un­ter­schrif­ten ge­win­nen. Im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz sam­mel­ten die Ka­tho­li­ken bei­spiels­wei­se 44.000, im Re­gie­rungs­be­zirk Trier 39.000 Un­ter­schrif­ten für die Un­ter­stüt­zung von Papst Pi­us IX. (Pon­ti­fi­kat 1846-1878).

Schlie­ß­lich kam es auch zur Neu­bil­dung so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Or­ga­ni­sa­tio­nen. 1863 rief Fer­di­nand Las­sal­le (1825-1864) in Leip­zig den All­ge­mei­nen Deut­schen Ar­bei­ter­ver­ein (ADAV) ins Le­ben. In sei­nem „Off­nen Ant­wort­schrei­ben“ an ein Zen­tral­ko­mi­tee zur Be­ru­fung ei­nes Ar­bei­ter­kon­gres­ses for­der­te er, „der Ar­bei­ter­stan­d“ müs­se „sich als selb­stän­di­ge po­li­ti­sche Par­tei con­sti­tui­ren und das all­ge­mei­ne glei­che und di­rec­te Wahl­recht zu dem prin­ci­pi­el­len Lo­sungs­wort ... die­ser Par­tei ma­chen“, um den Staat zwin­gen zu kön­nen, die „Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Selbstas­so­cia­ti­on“ der Ar­bei­ter in Pro­duk­tiv­ge­nos­sen­schaf­ten zu un­ter­stüt­zen. Au­ßer im Kö­nig­reich Sach­sen fand er vor al­lem im Rhein­land An­klang. Fünf der elf auf dem Grün­dungs­kon­gress ver­tre­te­nen Städ­te la­gen in der Rhein­pro­vinz: Köln und Düs­sel­dorf so­wie die ber­gi­schen Städ­te El­ber­feld, Bar­men und So­lin­gen. 1864 leb­te mehr als die Hälf­te der Mit­glie­der des ADAV am Rhein (2.669 von ins­ge­samt 4.605 Mit­glie­dern). Die 1869 von Au­gust Be­bel und Wil­helm Lieb­knecht (1826-1900) in Ei­se­nach ge­grün­de­te So­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Ar­bei­ter­par­tei Deutsch­lands (SDAP) hat­te eben­falls Stütz­punk­te am Rhein, vor al­lem in Köln und Um­ge­bung.

Seit 1865/1866 bil­de­ten sich dar­über hin­aus ers­te ge­werk­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen. Es kam zu ers­ten Streiks. Im No­vem­ber 1867 und im Sep­tem­ber 1868 leg­ten 1.100 und 1.300 Berg­ar­bei­ter meh­re­rer Es­se­ner Ze­chen ih­re Ar­beit nie­der. Er­folg­reich for­der­te 1868 ihr „Co­mité“ die „Rück­nah­me“ von Lohn­kür­zun­gen und die „ge­naue acht­stün­di­ge Schicht mit Re­gu­li­rung al­ler hier­mit zu­sam­men­hän­gen­den Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten“. In Re­ak­ti­on auf die so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­ons­an­stren­gun­gen ent­wi­ckel­te sich seit 1869/1870 auch ei­ne ka­tho­li­sche Ar­bei­ter­be­we­gung, die ih­re Zen­tren vor al­lem in Aa­chen und Es­sen hat­te.

Zum ers­ten Mas­sen­streik in der Ge­schich­te des Ruhr­ge­biets kam es im Ju­ni/Ju­li 1872. Für ei­ne so­for­ti­ge Lohn­er­hö­hung von 25 Pro­zent tra­ten in Es­sen und Um­ge­bung rund 20.000 Berg­leu­te in den Ar­beits­kampf, der je­doch nach fünf Wo­chen er­geb­nis­los ab­ge­bro­chen wer­den muss­te. Auf­grund der Un­ter­stüt­zung durch jun­ge ka­tho­li­sche Geist­li­che wur­de der Streik in der Öf­fent­lich­keit als "Je­sui­ten­streik" und das Werk ul­tra­mon­ta­ner Ma­chen­schaf­ten dar­ge­stellt. Auf ei­ner Ge­ne­ral­ver­samm­lung des Ar­bei­ter­ge­ber-Ver­eins für die berg­bau­li­chen In­ter­es­sen im Ober­berg­amts­be­zirk Dort­mund for­der­te des­halb Fried­rich Ham­ma­cher im Ju­li 1872: "Ge­gen die maul­wur­far­ti­gen Mit­tel des Thei­les der kle­ri­ka­len Par­tei reicht nur ein lan­ger Kul­tur­kampf aus."

2.5 Reichseinigungsära (1866-1871)

Der Sieg Preu­ßens im Deut­schen Krieg von 1866, der die Ri­va­li­tät der bei­den Gro­ß­mäch­te Preu­ßen und Ös­ter­reich um die Füh­rungs­stel­lung in Deutsch­land ent­schied, mün­de­te in die Reich­s­ei­ni­gungs­ära und hat­te nach dem Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg von 1870/1871 die Bil­dung des klein­deut­schen Kai­ser­reichs zur Fol­ge.

Dem in­ner­deut­schen Krieg zwi­schen Preu­ßen und Ös­ter­reich sah die rhei­ni­sche Be­völ­ke­rung, nicht nur die ka­tho­li­sche Mehr­heit, 1865/1866 mit weit­ge­hend ein­hel­li­ger Ab­leh­nung ent­ge­gen. In Kol­lek­tiv­pe­ti­tio­nen wand­ten sich selbst 17 rhei­nisch-west­fä­li­sche Han­dels­kam­mern am 24.5.1866 ge­gen den Krieg. Und die Köl­ner Stadt­ver­ord­ne­ten be­rie­ten dar­über, „ei­nen rhei­nisch-west­phä­li­schen Städ­te­tag nach Cöln zu be­ru­fen, um ... in der jet­zi­gen kri­ti­schen Zeit ... mit ver­ei­nig­ten Kräf­ten zu wir­ken“.

Auch in ih­ren re­gel­mä­ßi­gen Mo­nats­be­rich­ten an den Kö­nig ka­men die Be­hör­den vor Ort nicht um die Wahr­heit um­hin. „Ei­nem Krie­ge mit Ös­ter­reich“, mel­de­te die Aa­che­ner (Be­zirks-)Re­gie­rung am 5.4.1866, „ist nach den über­ein­stim­men­den Be­rich­ten sämmt­li­cher Land­rä­the die öf­fent­li­che Mei­nung ab­hold.“ Ähn­lich be­rich­te­te die Köl­ner (Be­zirks-)Re­gie­rung am 9.6.1866 nach Ber­lin: „Die Stim­mung ist sehr ge­drückt, in­dem für den ge­fürch­te­ten Krieg kein En­thu­si­as­mus sich re­gen will.“ Noch ein­mal war die Re­gi­on in ei­ner po­li­ti­schen Fra­ge ge­eint, ähn­lich wie in den Pe­ti­ti­ons­kam­pa­gnen der 1840er Jah­re und im Kampf ge­gen die Rhei­ni­sche Städ­te­ord­nung von 1856.

Nach dem Sieg bei Kö­nig­grätz im Krieg von 1866 über Ös­ter­reich konn­te sich Preu­ßen durch um­fang­rei­che An­ne­xio­nen und durch die Bil­dung des Nord­deut­schen Bun­des ar­ron­die­ren. Han­no­ver, Kur­hes­sen, Nas­sau, die bis­he­ri­ge Reichs­stadt Frank­furt am Main und die Her­zog­tü­mer Schles­wig und Hol­stein wur­den zu preu­ßi­schen Pro­vin­zen. Die vom Wie­ner Kon­gress ge­schaf­fe­ne Lü­cke zwi­schen den bei­den West­pro­vin­zen Rhein­land und West­fa­len ei­ner­seits und der Mehr­heit der preu­ßi­schen Pro­vin­zen an­de­rer­seits wur­de aus­ge­füllt. Preu­ßen bil­de­te nun ein geo­gra­phisch zu­sam­men­hän­gen­des Staats­ge­biet.

Auch in wich­ti­gen Tei­len der rhein­preu­ßi­schen Be­völ­ke­rung setz­te ein Um­schwung der po­li­ti­schen Stim­mung ein. Das ge­mä­ßigt li­be­ral oder gar kon­ser­va­tiv ge­sinn­te Bür­ger­tum, ins­be­son­de­re das Wirt­schafts­bür­ger­tum, ver­söhn­te sich weit­ge­hend mit der Bis­marck-Re­gie­rung und be­gann die preu­ßi­sche Re­al- und Macht­po­li­tik zu be­für­wor­ten. Sie fan­den ih­re Ver­tre­tung in der Na­tio­nal­li­be­ra­len Par­tei. Die Köl­ner (Be­zirks-)Re­gie­rung war sicht­lich er­leich­tert, als sie am 10.8.1866 an den Kö­nig mel­den konn­te: „In der öf­fent­li­chen Stim­mung ist seit den letz­ten Er­eig­nis­sen ein we­sent­li­cher, sehr er­freu­li­cher Um­schwung ein­ge­tre­ten.“

Nach 1866 ge­wan­nen die of­fi­zi­el­len Ge­burts­tags­fei­er­lich­kei­ten für den re­gie­ren­den Kö­nig (un­ter Fried­rich Wil­helm IV. am 15. Ok­to­ber und un­ter Wil­helm I. am 22. März) auch in der Rhein­pro­vinz an öf­fent­li­cher Be­deu­tung, wie die His­to­ri­ke­rin Ute Schnei­der ge­zeigt hat.

Im Fe­bru­ar und im Au­gust 1867 fan­den für den Reichs­tag des Nord­deut­schen Bun­des zum ers­ten Mal seit dem Re­vo­lu­ti­ons­jahr 1848/1849 wie­der Wah­len auf der Grund­la­ge ei­nes all­ge­mei­nen, ge­hei­men und di­rek­ten Männerwahl­rechts statt. Die Wahl­be­tei­li­gung war auch im Rhein­land re­la­tiv hoch, ins­be­son­de­re in grö­ße­ren Städ­ten; in Köln lag sie im Fe­bru­ar bei 50 Pro­zent bis über 60 Pro­zent. Auch im Rhein­land ver­lo­ren die Fort­schritt­ler und Links­li­be­ra­len Stim­men.

Wäh­rend im Fe­bru­ar 1867 nur im Kö­nig­reich Sach­sen zwei So­zi­al­de­mo­kra­ten in den kon­sti­tu­ie­ren­den Reichs­tag des Nord­deut­schen Bun­des ge­wählt wur­den, so wur­den im Au­gust 1867 auch im Wahl­kreis Düs­sel­dorf 1 (Len­nep) und im Wahl­kreis Düs­sel­dorf 2 (El­ber­feld) zum ers­ten Mal So­zi­al­de­mo­kra­ten in den Reichs­tag ge­wählt. Es han­del­te sich um den Rechts­an­walt Jo­hann Bap­tist von Schweit­zer (1833-1875), Prä­si­dent des ADAV, und um den Arzt Pe­ter Adolf Reincke (1818-1886), der be­reits im No­vem­ber 1867 aus po­li­ti­schen Grün­den aus dem ADAV aus­ge­schlos­sen wur­de und für den Fried­rich Wil­helm Fritz­sche (1825-1905), Vor­sit­zen­der des All­ge­mei­nen Deut­schen Ta­bak­ver­eins, nach­rück­te. 1869 wur­de in ei­ner Nach­wahl fer­ner der so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Zei­tungs­re­dak­teur Wil­helm Ha­sen­cle­ver (1837-1889) im Wahl­kreis Düs­sel­dorf 6 (Duis­burg) als Ab­ge­ord­ne­ter ge­wählt.

In den ers­ten Wah­len im März 1871 zum Reichs­tag sieg­te im Rhein­land der po­li­ti­sche Ka­tho­li­zis­mus. Die ka­tho­li­sche Köl­ni­sche Volks­zei­tung mel­de­te stolz am 21.3.1871: „Von den 35 Man­da­ten für den Reichs­tag ge­hö­ren al­so 23 der ka­tho­li­schen Volks­par­tei: 5 von 6 im Re­gie­rungs­be­zirk Köln, 7 von 12 im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf, 3 von 6 im Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz, 3 von 6 im Re­gie­rungs­be­zirk Trier, so­dann sämmt­li­che 5 im Re­gie­rungs­be­zirk Aa­chen.“ Kon­fes­si­on wur­de zu ei­nem Mo­ment po­li­ti­scher Par­tei­bil­dung, die re­gio­na­le Schwer­punk­te auf­wies. Aber die ka­tho­li­sche Zen­trums­par­tei, die kir­chen- und so­zi­al­po­li­ti­sche For­de­run­gen ver­trat, wur­de nie zu ei­ner Re­gio­nal­par­tei.

Auch wenn die Wahl­er­fol­ge der So­zi­al­de­mo­kra­tie noch sehr ge­ring wa­ren und in der Wahl zum ers­ten Deut­schen Reichs­tag im März 1871 so­gar nicht mehr er­reicht wer­den konn­ten, be­gann sich be­reits das für das Rhein­land cha­rak­te­ris­ti­sche Bild ei­nes Drei-Par­tei­en-Sys­tems ab­zu­zeich­nen. Im spä­te­ren Kai­ser­reich be­stimm­ten Zen­trums­par­tei (mit ka­tho­li­scher Ar­bei­terwäh­ler­schaft), So­zi­al­de­mo­kra­tie mit ei­ner (auch ka­tho­li­schen) Ar­bei­terwäh­ler­schaft und Na­tio­nal­li­be­ra­lis­mus, der vor al­lem den evan­ge­li­schen Teil des Bür­ger­tums und der Land­be­völ­ke­rung, aber auch ei­nen Teil der Ar­bei­ter­schaft hin­ter sich hat­te, die po­li­ti­sche Land­kar­te.

3. Wirtschaftsgeschichte: Durchbruch zur Industrialisierung

Der seit den 1830er Jah­ren an­ge­lau­fe­ne Pro­zess der In­dus­tria­li­sie­rung be­schleu­nig­te sich in den 1850er und 1860er Jah­ren. Es voll­zog sich, was der ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schafts­his­to­ri­ker Walt Whit­man Ros­tow den „ta­ke-of­f“, den dra­ma­ti­schen Durch­bruch der in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on, ge­nannt hat. Koh­le wur­de der En­er­gie­trä­ger der In­dus­tria­li­sie­rung, Ei­sen und Stahl die Werk­stof­fe der Zu­kunft. Ei­sen­bahn und Werk­zeug­ma­schi­ne tra­ten ih­ren Sie­ges­zug an. Die Rhein­pro­vinz - mit den ver­wal­tungs­mä­ßig zu West­fa­len ge­hö­ren­den Tei­len des Ruhr­ge­bie­tes - wur­de „zur wirt­schaft­li­chen Haupt­re­gi­on“ und zur un­ter­neh­me­risch dy­na­mischs­ten Pro­vinz der preu­ßi­schen Mon­ar­chie (so der His­to­ri­ker Wil­helm Treue). Be­reits 1851/1852 wur­den im Ruhr­ge­biet, im Aa­che­ner Re­vier und an der Saar mehr als die Hälf­te (52 Pro­zent) der Stein­koh­le im Ge­biet des Deut­schen Zoll­ver­eins ge­för­dert, 1870 so­gar 58 Pro­zent, da­von al­lein 32 Pro­zent be­zie­hungs­wei­se 44 Pro­zent an der Ruhr.

Der His­to­ri­ker Jür­gen Reule­cke hat den Gro­ß­raum Rhein­land-West­fa­len En­de der 1860er Jah­re mit ei­nem „viel­far­bi­gen Fle­cken­tep­pich“ ver­gli­chen. Die­ser be­stand „aus al­ten Ge­wer­be­land­schaf­ten, die sich ent­we­der er­folg­reich in­dus­tria­li­sier­ten oder sta­gnier­ten, un­ter­schied­lich struk­tu­rier­ten agra­ri­schen Ge­bie­ten, neu­en kraß von der In­dus­trie ge­präg­ten Bal­lungs­zen­tren mit ho­her Ei­gen­dy­na­mik und ein­zel­nen klei­ne­ren Nach­züg­ler­räu­men, wo sich in agra­ri­schem Um­feld punk­tu­ell ei­ne spe­zia­li­sier­te In­dus­trie­bran­che an­sie­deln konn­te“.

Zu den wirt­schaft­lich er­folg­rei­chen Re­gio­nen zähl­ten der Raum Kre­feld-Glad­bach mit do­mi­nie­ren­dem Tex­til­ge­wer­be, der Raum Aa­chen eben­falls mit Tex­til­ge­wer­be und ei­ner lo­ka­len Mon­tan­in­dus­trie, das Ber­gi­sche Land und das Wup­per­tal mit Ei­sen- und Tex­til­in­dus­trie so­wie das Saar­ge­biet, aber vor al­lem das zwi­schen Rhein-Ruhr-Em­scher ge­le­ge­ne Ruhr­ge­biet. Hin­zu ka­men die Städ­te Köln und Düs­sel­dorf. In ein­zel­nen Ge­wer­be­zen­tren – wie in Aa­chen – war be­reits im ers­ten Drit­tel des 19. Jahr­hun­derts der Über­gang zur fa­brik­mä­ßi­gen Pro­duk­ti­on voll­zo­gen wor­den.

In Köln, 1850 mit 100.000 Ein­woh­nern die dritt­grö­ß­te Stadt Preu­ßens, lag der un­ter­neh­me­ri­sche und ka­pi­tal­mä­ßi­ge Schwer­punkt der Rhein­pro­vinz. Köl­ner Ban­ken, ge­folgt von Düs­sel­dor­fer, aber auch von Aa­che­ner und El­ber­fel­der Geld­in­sti­tu­ten, tru­gen we­sent­lich zur Fi­nan­zie­rung der In­dus­tria­li­sie­rung bei. Ih­re Ka­pi­tal­be­tei­li­gun­gen ziel­ten auf die über­re­gio­na­le Kom­bi­na­ti­on von Koh­le und Ei­sen und er­mög­lich­ten die stür­mi­sche Ent­wick­lung des Stein­koh­len­berg­baus an der Ruhr.

Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten, zu­nächst zur Fi­nan­zie­rung der gro­ßen Ei­sen­bahn­li­ni­en ins Le­ben ge­ru­fen, wur­den zur wich­tigs­ten Ba­sis, um die ge­wal­ti­gen Ka­pi­tal­mit­tel für den Koh­le- und Ei­sen­berg­bau wie auch für die Hüt­ten­wer­ke auf­brin­gen zu kön­nen. Nach­dem 1843 die Grün­dung von Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten im preu­ßi­schen Han­dels­ge­setz er­leich­tert wor­den war, wuchs ih­re Zahl in den 1850er Jah­ren stark an. Auch aus­län­di­sches Ka­pi­tal aus Bel­gi­en, Eng­land und Frank­reich be­tei­lig­te sich.

Be­ste­hen­de Be­trie­be ex­pan­dier­ten, zahl­rei­che neue wur­den ge­grün­det. Neue Pro­duk­ti­ons­tech­no­lo­gi­en wur­den ein­ge­setzt. Die Er­fin­dung des at­mo­sphä­ri­schen Flug­kol­ben­mo­tors lei­te­te die Ent­wick­lung des Gas­mo­to­ren­baus ein. Das ers­te er­folg­rei­che Mo­dell des be­son­ders für Klein­ge­wer­be ge­eig­ne­ten Mo­tors prä­sen­tier­te der Au­to­di­dakt Ni­ko­laus Au­gust Ot­to auf der Pa­ri­ser Welt­aus­stel­lung 1867. 1878 stell­te er in Pa­ris den ers­ten Vier­takt­mo­tor vor, den heu­te so ge­nann­ten Ot­to­mo­tor. Zu­sam­men mit dem Köl­ner In­ge­nieur und Kauf­mann Eu­gen Lan­gen grün­de­te er 1864 die ers­te Mo­to­ren­fa­brik der Welt, die Gas­mo­to­ren-Fa­brik Deutz AG.

Das Es­se­ner Un­ter­neh­men von Al­fred Krupp, der 1835 sei­ne ers­te Dampf­ma­schi­ne auf­stell­te und 67 Ar­bei­ter be­schäf­tig­te, 1847 mit dem Gie­ßen ers­ter Guss­stahl­ka­no­nen­roh­re be­gann, lie­fer­te seit 1864 jähr­lich 10.000 Ei­sen­bahnach­sen und 20.000 Rä­der. Auf der Pa­ri­ser Welt­aus­stel­lung 1867 stell­te er ei­ne wuch­ti­ge Rie­sen­ka­no­ne aus. 1870 pro­du­zier­te er mit 12.000 Ar­bei­tern Ei­sen­bahn­tei­le, Schiffs­ma­te­ri­al, Ma­schi­nen­tei­le und Ka­no­nen aus Guss­stahl. Im Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870/1871 si­cher­ten sei­ne Ar­til­le­rie­waf­fen den preu­ßi­schen Trup­pen ei­nen waf­fen­tech­ni­schen Vor­sprung.

In ei­ner Be­stands­auf­nah­me der „Gross­in­dus­trie Rhein­lands und West­fa­len­s“ stell­te Ni­ko­laus Ho­cker (1822-1900), ei­ner der In­itia­to­ren der Köl­ner Ar­bei­ter­de­mons­tra­ti­on vom März 1848, 1867 die Be­deu­tung des Ruhr­ge­biets „für die mo­der­ne In­dus­trie durch sei­ne Koh­len- und Erz­la­ger, wie sei­ne Hüt­ten­wer­ke und sons­ti­gen ge­werb­li­chen Eta­blis­se­ments“ her­aus. Schon da­mals grü­ß­ten auf ei­ner Fahrt durch das Ruhr­tal „zur Rech­ten wie zur Lin­ken ... die ho­hen Schorn­stei­ne, die man so tref­fend die Obe­lis­ken der Neu­zeit ge­nannt ha­t“, und „das Ge­sau­se der Dampf­ma­schi­nen, das Brau­sen der Walz­wer­ke“ (Ni­ko­laus Ho­cker) war nicht mehr zu über­hö­ren.

Das Ruhr­ge­biet sei ein Netz­werk von Ge­wer­ken, fass­te 1869 der iri­sche Ju­rist und Volks­wirt­schaft­ler Tho­mas Ed­ward Clif­fe Les­lie (1827-1882) sei­ne Rei­se­ein­drü­cke ge­gen­über den Le­sern der Lon­do­ner Mo­nats­zei­tung „The Fort­night­ly Re­view“ zu­sam­men. Nicht nur die Städ­te, auch die gro­ßen Fa­bri­ken und Berg- und Hüt­ten­wer­ke sei­en mit Ei­sen­bahn­li­ni­en ver­bun­den. Mas­sen­ar­mut sei ver­schwun­den.

Im Ruhr­ge­biet er­höh­te sich die Stein­koh­le­för­de­rung von 1850 bis 1870 um das Sechs­fa­che, die Zahl der Be­schäf­tig­ten um das Vier­fa­che. Auch als die Hoch­kon­junk­tur der 1850er Jah­re 1857 vor­über­ge­hend ei­ner wirt­schaft­li­chen De­pres­si­on wich, stieg die Koh­le­för­de­rung un­un­ter­bro­chen wei­ter an. Be­reits um 1870 lag im Ruhr­ge­biet das wich­tigs­te deut­sche Zen­trum der Stein­koh­le­för­de­rung und der Roh­ei­sen­pro­duk­ti­on mit An­tei­len von 40 bis 45 Pro­zent. In ab­so­lu­ten Zah­len wur­de die Stein­koh­len­pro­duk­ti­on von 1850 2,0 Mil­lio­nen Ton­nen an der Ruhr und 0,6 Mil­lio­nen Ton­nen an der Saar auf 1870 11,8 und 2,8 Mil­lio­nen Ton­nen ge­stei­gert. Im Rhein­land, in West­fa­len und im Saar­ge­biet wur­den 1870 zu­sam­men so­gar 55 Pro­zent des Roh­ei­sens pro­du­ziert. Auch wenn die­se Zah­len­an­ga­ben aus heu­ti­ger Sicht lä­cher­lich ge­ring er­schei­nen, wa­ren sie schon den Zeit­ge­nos­sen Be­leg für die Un­um­kehr­bar­keit des wirt­schaft­li­chen Pro­zes­ses.

Al­ler­dings gab es auch in der Rhein­pro­vinz Ge­bie­te, die, am Ran­de des wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs ge­le­gen, an die­sem nur zö­gernd oder in­di­rekt teil­nah­men, so wie gro­ße Tei­le der süd­li­chen Rhein­pro­vinz. Durch Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men, Be­schaf­fung von Kre­di­ten und Ge­nos­sen­schaf­ten, nicht zu­letzt in­iti­iert vom dem in Hamm an der Sieg ge­bo­re­nen Fried­rich Wil­helm Raiff­ei­sen, ver­such­te sich die Land­wirt­schaft zu be­haup­ten. 1864 ent­stand in Hed­des­dorf bei Neu­wied die ers­te Raiff­ei­sen-Dar­le­hens­kas­se, 1866 in Bit­burg die ers­te Mol­kerei­ge­nos­sen­schaft.

3.1 Beschleunigung von Kommunikation und Verkehr

Die Dy­na­mik die­ser Epo­che kam nir­gends mehr zum Aus­druck als in der Be­schleu­ni­gung und Ver­dich­tung von Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­kehr. Die Trans­port­ge­schwin­dig­keit, die sich über Land seit den Ta­gen des Rö­mi­schen Rei­ches kaum er­höht hat­te, nahm nun durch den Aus­bau der Ei­sen­bahn ent­schei­dend zu. Gleich­zei­tig wur­de der ra­sche und vor al­lem preis­wer­te Mas­sen­trans­port von Roh­stof­fen und Gü­tern nicht wie bis da­hin nur auf dem Rhein in Nord-Süd-Rich­tung mög­lich, son­dern nun über Land auch in West-Ost-Rich­tung.

Durch den Aus­bau der Bahn­stre­cken ver­kürz­te sich die Fahr­zeit von Köln in die preu­ßi­sche Haupt­stadt Ber­lin 1847 auf zwei Ta­ge, mit der Ein­füh­rung von Nacht­zü­gen auf et­was mehr als ei­nen Tag. Zu­vor war ein Brief von Köln nach Ber­lin drei Ta­ge und acht Stun­den un­ter­wegs ge­we­sen. In der Re­vo­lu­ti­on von 1848 er­fuhr man am Rhein nach rund 26 Stun­den von den Ber­li­ner Bar­ri­ka­den­kämp­fen vom 18./19. März und von den ent­schei­den­den Zu­ge­ständ­nis­sen des Kö­nigs. 1851 leg­ten Schnell­zü­ge die Stre­cke in 16 Stun­den zu­rück, seit En­de 1852 in et­was mehr als 14 Stun­den. 1871 be­nö­tig­te ein nor­ma­ler Zug von Köln nach Ber­lin noch 20 Stun­den (in der Lon­do­ner Ti­mes wur­de die Ver­bin­dung als „the slo­west of the slo­w“ be­zeich­net), ein Schnell­zug nur zwölf Stun­den.

Die Ver­bin­dun­gen nach Pa­ris und Lon­don hat­ten sich be­reits 1850/1851 auf we­ni­ger als 20 Stun­den be­schleu­nigt. 1860 war es mög­lich, den Weg von Pa­ris nach Ber­lin in 24 Stun­den zu­rück­zu­le­gen, ein­schlie­ß­lich ei­ner ein­stün­di­gen Rast in Köln.

Par­al­lel zur Rhein­ver­bin­dung in­ten­si­vier­ten sich die Bahn­ver­bin­dun­gen nach Süd­deutsch­land. Nach der Er­öff­nung der links­rhei­ni­schen Bahn von Köln über Ko­blenz nach Mainz im De­zem­ber 1859 wur­de ei­ne di­rek­te Ei­sen­bahn­ver­bin­dung mit Schnell- und Nacht­schnell­zü­gen in die bay­ri­sche Haupt­stadt Mün­chen ge­schaf­fen. Seit Ju­ni 1860 wur­de es so mög­lich, von Mün­chen nach Brüs­sel, Ant­wer­pen und Ams­ter­dam über Mainz und Köln in we­ni­ger als 24 Stun­den zu fah­ren.

Als Sym­bo­le der neu­en Zeit sind nicht zu­letzt die am 18. Au­gust in Ko­blenz und am 3.10.1859 in Köln er­öff­ne­ten Ei­sen­bahn­brü­cken zu be­trach­ten. Es wa­ren nach der Rö­mer­zeit die ers­ten fes­ten Rhein­über­gän­ge zwi­schen Ba­sel und den Nie­der­lan­den. Wäh­rend die Ko­blen­zer Brü­cke ei­ne Ver­bin­dung zum ba­di­schen und schwei­ze­ri­schen Ei­sen­bahn­netz her­stell­te, schuf die Köln-Deut­zer Brü­cke ei­ne durch­ge­hen­de Bahn­ver­bin­dung von Aa­chen nach Kö­nigs­berg. „Wenn je, so ist es heu­te wahr“, rief der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann Jo­seph Stupp an­läss­lich der Er­öff­nung der Ei­sen­bahn­brü­cke über den Rhein den zahl­reich an­we­sen­den Zu­schau­ern zu, „daß Gott den schöns­ten Strom Eu­ro­pa's nicht zur Grän­ze ge­macht, son­dern mit­ten in das war­me Herz von Deutsch­land hin­ein­ge­legt hat.“ (All­ge­mei­ne Zei­tung, Augs­burg, Nr. 281, 8.10.1859.) Am 24.7.1870 folg­te die von der Ber­gisch-Mär­ki­schen Ei­sen­bahn-Ge­sell­schaft er­bau­te Brü­cke in Düs­sel­dorf-Hamm und 1874 die in We­sel von der Köln-Min­de­ner Ei­sen­bahn-Ge­sell­schaft be­auf­trag­te Brü­cke.

Die Aus­wei­tung der Ab­satz­ge­bie­te für rhei­ni­sche Roh­stof­fe und Wa­ren, die mit Bil­dung des Deut­schen Zoll­ver­eins in den 1830er Jah­ren ein­ge­setzt hat­te, konn­te nun völ­lig neue Di­men­sio­nen er­rei­chen. Aber auch das Frei­zeit­ver­hal­ten der Men­schen und ih­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­chan­cen ver­än­der­ten sich. Es er­öff­ne­ten sich neue Mög­lich­kei­ten po­li­ti­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on. Als sich am 29.8.1860 im Bon­ner Rat­haus­saal die Bür­ger­meis­ter der grö­ße­ren rhei­ni­schen Städ­te ver­sam­mel­ten, um sich über ih­re For­de­run­gen im Fal­le der „Ema­ni­rung ei­ner neu­en Städ­te-Ord­nun­g“ zu ver­stän­di­gen, tra­fen au­ßer dem Trie­rer Ober­bür­ger­meis­ter al­le Städ­te­ver­tre­ter mor­gens mit dem Zug ein und konn­ten noch am glei­chen Abend wie­der zu­rück­rei­sen.

Seit En­de der 1840er Jah­re er­setz­te der elek­tri­sche den op­ti­schen Te­le­gra­phen und wur­de zum wich­tigs­ten Mit­tel ra­scher In­for­ma­ti­on. Nach dem Auf­bau ei­ner ers­ten elek­tri­schen Ver­suchs­li­nie im Jah­re 1846 be­gann die preu­ßi­sche Re­gie­rung im Au­gust 1848 mit der Ein­rich­tung der zwei ers­ten Staats­te­le­gra­phen­li­ni­en von Ber­lin über Köln nach Aa­chen und von Ber­lin nach Frank­furt am Main. Das rasch ent­stan­de­ne in­ter­na­tio­na­le Te­le­gra­phen­netz­werk be­zeich­net man heu­te oft­mals als das „In­ter­net des 19. Jahr­hun­derts“, da es schon bald - in Preu­ßen be­reits im Ok­to­ber 1849 - auch für wirt­schaft­li­che und pri­va­te Zwe­cke ge­nutzt wer­den konn­te. Dem­ge­gen­über hat­ten nur staat­li­che und mi­li­tä­ri­sche Be­hör­den die op­ti­sche Te­le­gra­phien­li­nie be­nut­zen dür­fen, die in den 1830er Jah­ren von Ko­blenz über Köln nach Ber­lin er­rich­tet wor­den war.

In den 1850er Jah­ren er­reich­ten die Zei­tun­gen trotz der ri­gi­den preu­ßi­schen Re­ak­ti­ons­po­li­tik hö­he­re Auf­la­gen­zah­len und ei­ne grö­ße­re Ver­brei­tung als im Vor­märz. 1857 stell­te die Post in Preu­ßen ins­ge­samt rund 87.000 Ex­em­pla­re po­li­ti­scher Zei­tun­gen zu, da­von im Rhein­land rund 16.000. In die­sen sta­tis­ti­schen Auf­stel­lun­gen wur­den nur die mit der Post ver­sand­ten Zei­tungs­ex­em­pla­re er­fasst. Der Teil der Zei­tungs­auf­la­gen, der in den je­wei­li­gen Druck­or­ten ver­blieb, wur­de nicht er­fasst. So hat­te die Köl­ni­sche Zei­tung, die grö­ß­te rhei­ni­sche Zei­tung, ei­ne Ge­samt­auf­la­ge von 12.000 bis 14.000, von der der grö­ß­te Teil in Köln selbst ge­le­sen wur­de. Nach­rich­ten aus Ber­lin er­fuhr das Pu­bli­kum am Rhein nicht aus Ber­li­ner Zei­tun­gen, son­dern ver­mit­telt durch rhei­ni­sche Zei­tun­gen.

4. Sozialgeschichte: Auf dem Weg zur Industriegesellschaft

Die ra­sche In­dus­tria­li­sie­rung be­gann auch im Rhein­land die so­zia­len Struk­tu­ren und Le­bens­ver­hält­nis­se zu ver­än­dern, ob­wohl ent­schei­den­de Struk­tur­ein­schnit­te be­reits in der fran­zö­si­schen Ära zu Be­ginn des Jahr­hun­derts er­folgt wa­ren. Ein weit­ge­hend aus dem Raum stam­men­des rhei­nisch-west­fä­li­sches Wirt­schafts­bür­ger­tum hat­te sich schon im Vor­märz her­aus­zu­bil­den be­gon­nen. Fa­bri­kan­ten, Kauf­leu­te, Ban­kiers und Di­rek­to­ren wur­den we­sent­li­che Trä­ger und Ge­stal­ter der fort­schrei­ten­den In­dus­tria­li­sie­rung. Sie kon­trol­lier­ten Han­del und In­dus­trie, er­war­ben Grund­be­sitz und ge­wan­nen po­li­ti­schen Ein­fluss. An­ders als in den an­de­ren preu­ßi­schen Pro­vin­zen spiel­te da­ge­gen der Adel am Rhein öko­no­misch wie po­li­tisch nur ei­ne sehr un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le.

Die Mit­tel­schich­ten er­leb­ten gro­ße Um­schich­tun­gen. Die selb­stän­di­gen Hand­wer­ker wa­ren Ab­stiegs-, aber auch Auf­stiegs­pro­zes­sen un­ter­wor­fen. Die Be­deu­tung der Klein­händ­ler so­wie der mitt­le­ren und klei­nen Bau­ern nahm ab. Dem­ge­gen­über wuchs die Zahl der öf­fent­li­chen und pri­va­ten An­ge­stell­ten, des mitt­le­ren und klei­ne­ren Be­am­ten­tums, aber auch der In­ge­nieu­re und Tech­ni­ker.

In­ner­halb der Un­ter­schich­ten war das zu­neh­men­de Wachs­tum der In­dus­trie­ar­bei­ter­schaft der fol­gen­reichs­te Vor­gang. Zwi­schen 1852 und 1871 ström­te ein hal­be Mil­li­on Men­schen al­lein in das neu ent­ste­hen­de Ruhr­ge­biet, für vie­le ei­ne Al­ter­na­ti­ve zur Aus­wan­de­rung nach Über­see. Nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben ver­lie­ßen zwi­schen 1844 und 1871 min­des­tens 125.600 Aus­wan­de­rer das Rhein­land; 70 Pro­zent kam aus den stär­ker land­wirt­schaft­lich ge­präg­ten Re­gie­rungs­be­zir­ken Ko­blenz und Trier.

Die Rhein­län­der des 19. Jahr­hun­derts wa­ren jung, 35 Pro­zent war un­ter 14 Jah­ren, nur sechs bis sie­ben Pro­zent über 60 Jah­re. Der grö­ß­te Teil der Kin­der ar­bei­te­te wie in den Jahr­zehn­ten zu­vor auf dem Lan­de, in der Fa­mi­lie oder in klei­ne­ren Ge­wer­be­be­trie­ben. In Fa­bri­ken hat­te das preu­ßi­sche Re­gu­la­tiv über die Be­schäf­ti­gung ju­gend­li­cher Ar­bei­ter vom 9.3.1839, das auf Druck des Rhei­ni­schen Pro­vin­zi­al­land­tags rea­li­siert wor­den war und als ers­tes so­zi­al­po­li­ti­sches Ge­setz Deutsch­lands gilt, re­gel­mä­ßi­ge Fa­brik­ar­beit für Kin­der un­ter neun Jah­ren ver­bo­ten und für Ju­gend­li­che die Ar­beits­zeit auf zehn Stun­den be­schränkt. Ei­ne zen­tra­le Rol­le hat­ten bil­dungs­po­li­ti­sche Er­wä­gun­gen ge­spielt. Zu­ver­läs­si­ge An­ga­ben über die Zahl der in Fa­bri­ken be­schäf­tig­ten Kin­der feh­len zwar, aber der Be­darf war groß und zu­min­dest bis 1855 nahm die Kin­der­ar­beit in Fa­bri­ken zu. In der Bür­ger­meis­te­rei Glad­bach (heu­te Stadt Mön­chen­glad­bach) wa­ren 1853 nach ei­nem re­gie­rungs­amt­li­chen Be­richt von den 703 Kin­dern im Al­ter von neun bis 14 Jah­ren 339 in den ört­li­chen Spin­ne­rei­en und 364 in an­de­ren Fa­brik­zwei­gen be­schäf­tigt.

Im Mai 1853 ver­schärf­te die Ber­li­ner Re­gie­rung die Kin­der­schutz­be­stim­mun­gen. Die "Be­schäf­ti­gung von Kin­dern in Fa­bri­ken" war nun nur nach voll­ende­tem zwölf­ten Le­bens­jahr ge­stat­tet. Mit der Kon­trol­le der Vor­schrif­ten wur­den in den Re­gie­rungs­be­zir­ken Aa­chen, Arns­berg und Düs­sel­dorf erst­mals Fa­bri­k­in­spek­to­ren be­auf­tragt. Dar­auf­hin ging zwar die Kin­der­ar­beit in den über­wach­ten Fa­bri­ken zu­rück, im ge­sam­ten Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf von 2.011 (1855) Kin­dern (un­ter 14 Jah­ren) auf 890 (1864) und 608 (1866). Aber letzt­lich wur­de sie le­dig­lich „aus den ge­schlos­se­nen Fa­bri­ken in ein­zel­ne Werk­stät­ten“ ver­legt. Um sich je­der staat­li­chen Kon­trol­le zu ent­zie­hen, be­rich­te­te der Düs­sel­dor­fer In­spek­tor 1865 und 1866, hat­ten „vie­le Fa­bri­kan­ten den El­tern die Ar­beit für ih­re Kin­der in ih­re Pri­vat­woh­nun­gen über­ge­ben“ (Wolf­gang Ayass, S. 2. Zah­len­an­ga­ben nach Ot­to von Mül­mann, S. 599).

Mit dem tief­grei­fen­den Wan­del der Ar­beits- und Le­bens­ver­hält­nis­se ging auch ei­ne Aus­wei­tung der Be­schäf­ti­gungs- und Ver­dienst­mög­lich­kei­ten für Frau­en ein­her. Hef­tig um­strit­ten war die zu­neh­men­de Fa­brik­ar­beit von Frau­en, in der die männ­li­chen Ar­bei­ter ei­ne un­lau­te­re Kon­kur­renz sa­hen. 1861/1862 wa­ren im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf 23,1 Pro­zent der Frau­en über 14 Jah­re er­werbs­tä­tig, ent­we­der als Dienst­bo­ten oder Mäg­de, als Hand­ar­bei­te­rin­nen oder als Schnei­de­rin­nen und Putz­ma­cher-Ge­hil­fin­nen. In Fa­bri­ken ar­bei­te­ten 12.500 Frau­en (3,5 Pro­zent), nur in Ber­lin lag mit 4,2 Pro­zent der An­teil der Fa­brik­ar­bei­te­rin­nen in der preu­ßi­schen Mon­ar­chie hö­her. (Jahr­buch für die amt­li­che Sta­tis­tik des preus­si­schen Staa­tes, Jg. 2., Ber­lin 1867. S. 257 und 263.) Mit dem Sie­ges­zug der Näh­ma­schi­ne, die sich seit den 1860er Jah­ren von Ame­ri­ka kom­mend in Eu­ro­pa durch­setz­te, wuchs die Zahl der Nä­he­rin­nen und Schnei­de­rin­nen, meist Heim­ar­bei­te­rin­nen. Durch die Neu­grün­dung und Wie­der­be­le­bung von Or­dens­ge­mein­schaf­ten seit Mit­te der 1840er Jah­re ent­stan­den nicht zu­letzt im kirch­li­chen und so­zia­len Be­reich neue Be­tä­ti­gungs­mög­lich­kei­ten für re­li­giö­se mo­ti­vier­te Frau­en, die jen­seits von Ehe und Fa­mi­lie ei­ne Per­spek­ti­ve be­ruf­li­cher Tä­tig­keit such­ten.

Die Fra­ge, in wel­chem Ma­ße sich der Le­bens­stan­dard er­höh­te und wel­che Be­völ­ke­rungs­krei­se tat­säch­lich da­von pro­fi­tier­ten, war und ist um­strit­ten. Bis weit in die 1880er Jah­re blieb die Re­al­lohn­ent­wick­lung er­heb­li­chen und oft kurz­fris­ti­gen Schwan­kun­gen un­ter­wor­fen. Die Rhein­pro­vinz wies in je­dem Fall das höchs­te Ein­kom­mens­ni­veau und den höchs­ten Le­bens­stan­dard in Preu­ßen auf. Nach An­ga­ben des His­to­ri­kers Wil­helm Treue lag das Pro-Kopf-Ein­kom­men im Rhein­land 1849 15 Pro­zent und 1867 18 Pro­zent über dem Durch­schnitts­ein­kom­men in der preu­ßi­schen Ge­samt­mon­ar­chie, so­gar 31 Pro­zent be­zie­hungs­wei­se 28 Pro­zent über dem Ost­preu­ßens, der Pro­vinz mit dem nied­rigs­ten Pro-Kopf-Ein­kom­men. Bran­den­burg mit Ber­lin er­reich­te 1849 den Durch­schnitt und über­traf ihn 1867 auch nur um 6 Pro­zent. Das West-Ost-Ge­fäl­le ver­schärf­te sich von Jahr­zehnt zu Jahr­zehnt (Sie­he In­dex der Ent­wick­lung des Pro-Kopf-Ein­kom­mens in den preu­ßi­schen Pro­vin­zen 1816-1883 bei Wolf­ram Fi­scher, S. 121).

Das Rhein­land war ei­ne Ge­wer­be- und Städ­te­land­schaft, in der die Be­völ­ke­rungs­dich­te re­la­tiv hoch war. Städ­ti­sche Le­bens­wei­sen be­gan­nen die Ge­samt­ge­sell­schaft zu durch­drin­gen. Und die Land­wirt­schaft war fast voll­stän­dig auf die städ­ti­schen Märk­te ori­en­tiert. Be­reits zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts leb­te in der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz rund ein Vier­tel der 1,9 Mil­lio­nen Ein­woh­ner in Städ­ten. Im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts stieg der städ­ti­sche Be­völ­ke­rungs­an­teil, zu­nächst lang­sam und in der zwei­ten Jahr­hun­dert­hälf­te im­mer schnel­ler. 1849 wohn­ten rund 28 Pro­zent der 2,8 Mil­lio­nen Ein­woh­ner, 1875 rund 40 Pro­zent der 3,8 Mil­lio­nen und 1900 rund die Hälf­te der 5,7 Mil­lio­nen Ein­woh­ner der Rhein­pro­vinz in ei­ner Stadt. Den grö­ß­ten Ver­städ­te­rungs­grad wies der Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf auf, wo be­reits 1871 mehr als die Hälf­te der Men­schen Stadt­be­woh­ner wa­ren, ge­folgt von den Re­gie­rungs­be­zir­ken Köln und Aa­chen. In den Re­gie­rungs­be­zir­ken Trier und Ko­blenz blieb der Grad der Ver­städ­te­rung re­la­tiv kon­stant bei knapp un­ter be­zie­hungs­wei­se knapp über 20 Pro­zent. Nach Ber­lin (547.000) und Bres­lau (145.000) wa­ren 1861 Köln (120.000) so­wie El­ber­feld und Bar­men (zu­sam­men 106.000), das heu­ti­ge Wup­per­tal, die grö­ß­ten städ­ti­schen Bal­lungs­zen­tren in Preu­ßen. Düs­sel­dorf (1871: 69.000) so­wie die rasch ex­pan­die­ren­den Ruhr­städ­te Es­sen (1849: 8.700, 1871: 51.000), Duis­burg (1849: 8.900, 1871: 30.500) und Mül­heim (1849: 10.700, 1871: 14.000) folg­ten noch weit hin­ten nach.

5. Kultur-, Religions- und Bildungsgeschichte

Im Bil­dungs­be­reich hat­te der preu­ßi­sche Staat 1825 auch in der Rhein­pro­vinz die all­ge­mei­ne Schul­pflicht ein­ge­führt, ne­ben der Steu­er- und Wehr­pflicht ei­ne der drei gro­ßen Grund­pflich­ten des 19. Jahr­hun­derts. Re­for­men in der Schul­ver­wal­tung und in der Aus­bil­dung der Leh­rer zeig­ten schon bald Wir­kung, im hö­he­ren Schul­we­sen, aber auch im Ele­men­tar­schul­we­sen. Wäh­rend 1816 in ganz Preu­ßen 60 Pro­zent der schul­pflich­ti­gen Kin­der re­gel­mä­ßig die Schu­le be­such­ten, wa­ren es im Rhein­land le­dig­lich 49 Pro­zent. Die Schul­be­suchs­quo­te konn­te im Rhein­land bis 1846 auf 86 Pro­zent und 1864 auf 90 Pro­zent ge­stei­gert wer­den.

Be­reits für die Zeit­ge­nos­sen stand au­ßer Fra­ge, dass der preu­ßi­sche Staat am Rhein We­sent­li­ches ge­leis­tet ha­be: „Die preus­si­sche Re­gie­rung fand 1814 ein sehr man­gel­haf­tes Schul­we­sen vor. ... Es be­stan­den da­mals et­wa 6 ge­lehr­te Schu­len, wel­che als Gym­na­si­en gel­ten konn­ten“. 50 Jah­re spä­ter fan­den sich in der Rhein­pro­vinz „57 öf­fent­li­che an­er­kann­te hö­he­re Un­ter­richts­an­stal­ten: 23 Gym­na­si­en, 12 selb­stän­di­ge und 1 mit ei­ner Re­al­schu­le ver­bun­de­nes Pro­gym­na­si­um, 10 selb­stän­di­ge und 1 mit ei­nem Gym­na­si­um ver­bun­de­ne Re­al­schu­le, 10 selb­stän­di­ge hö­he­re Bür­ger­schu­len." (Lud­wig Wie­se, S. 334-335.) Um 1870 hat­te Preu­ßen in der Al­pha­be­ti­sie­rungs­ent­wick­lung ei­nen „Vor­sprung von ei­ner Ge­ne­ra­ti­on ge­gen­über Frank­reich“ (Eti­en­ne François).

Köln und Düs­sel­dorf wa­ren seit den 1840er Jah­ren ne­ben Leip­zig und Ber­lin wich­ti­ge Zen­tren des mu­si­ka­li­schen Le­bens. Die „Düs­sel­dor­fer Ma­ler­schu­le“, her­vor­ge­gan­gen aus der 1819 vom preu­ßi­schen Staat wie­der be­grün­de­ten Kunst­aka­de­mie, war un­ter der lang­jäh­ri­gen Lei­tung Wil­helm von Scha­dows zu ei­nem Be­griff ge­wor­den. In den 1850er Jah­ren stu­dier­ten vie­le Aus­län­der in Düs­sel­dorf Ma­le­rei. Der Künst­ler­ver­ein „Mal­kas­ten“ or­ga­ni­sier­te nach 1848 auf­wen­di­ge Künst­ler­fes­te, die in Form von his­to­ri­schen Auf­zü­gen und der Dar­stel­lung le­ben­der Bil­der öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit er­reg­ten. Die 1818 ge­grün­de­te Bon­ner Uni­ver­si­tät er­hielt wach­sen­de Be­deu­tung als rhei­nisch-west­fä­li­sche Uni­ver­si­tät. In Aa­chen wur­de im Ok­to­ber 1870 die po­ly­tech­ni­sche Schu­le er­öff­net, die ers­te (seit 1879 auch of­fi­zi­ell) als Tech­ni­sche Hoch­schu­le de­kla­rier­te An­stalt die­ser Art.

Der in den 1820er Jah­ren – aus­ge­hend von Köln – er­neu­er­te rhei­ni­sche Kar­ne­val litt in den 1850er Jah­ren un­ter der po­li­ti­schen Re­ak­ti­on, die im Kar­ne­val staats­ge­fähr­den­de Ele­men­te am Werk sah. Mehr­fach muss­ten die Ro­sen­mon­tags­zü­ge aus­fal­len. Preu­ßi­sche Stren­ge und rhei­ni­sche Aus­ge­las­sen­heit ver­tru­gen sich nicht. Seit den 1860er Jah­ren wur­de der Kar­ne­val zu ei­ner Tou­ris­ten­at­trak­ti­on und ei­nem wich­ti­gen Wirt­schafts­fak­tor. 1866 ka­men al­lein mit der Ei­sen­bahn an den Kar­ne­vals­ta­gen 17.000 Men­schen nach Köln.

Ein rhei­ni­sches Ge­schichts­be­wusst­sein be­gann sich – zu­min­dest in­sti­tu­tio­nell - nur ver­spä­tet zu ent­wi­ckeln. Die in Trier be­reits 1802 ent­stan­de­ne Ge­sell­schaft für nütz­li­che For­schun­gen und der 1841 in Bonn ge­grün­de­te Ver­ein von Al­ter­tums­freun­den im Rhein­land wid­me­ten sich vor al­lem kunst­ge­schicht­li­chen und ar­chäo­lo­gi­schen Fra­gen. Das 1820 in Bonn ge­grün­de­te "Mu­se­um va­ter­län­di­scher Al­ter­tü­mer" (heu­te LVR-Lan­des­Mu­se­um), führ­te bis 1876 ein Schat­ten­da­sein. Erst in den 1850er und 1860er Jah­ren ent­stan­den in der Rhein­pro­vinz lan­des­ge­schicht­lich ori­en­tier­te Ver­ei­ne. Die re­gio­na­le und kon­fes­sio­nel­le He­te­ro­ge­ni­tät der Rhein­pro­vinz stan­den ei­ner - vor al­lem ge­mein­sa­men - lan­des­ge­schicht­li­chen Rück­be­sin­nung im We­ge. Dem­ge­gen­über war in West­fa­len be­reits 1824 ei­ne Ge­sell­schaft für west­fä­li­sche Ge­schich­te und Al­ter­tums­kun­de ins Le­ben ge­tre­ten, als dritt­äl­tes­ter deut­scher Ge­schichts­ver­ein. 1854 wur­de der His­to­ri­sche Ver­ein für den Nie­der­rhein ge­grün­det. Von ka­tho­li­schen Geist­li­chen do­mi­niert, war der mit­glie­der­star­ke Ver­ein der Lan­des- wie der Kir­chen­ge­schich­te ver­pflich­tet, wie er dies auch von An­fang an in dem Na­mens­zu­satz ("ins­be­son­de­re [für] die al­te Erz­diö­ze­se Köln") zum Aus­druck brach­te. Der 1863 ins Le­ben ge­ru­fe­ne Ber­gi­sche Ge­schichts­ver­ein war da­ge­gen im pro­tes­tan­ti­schen Wup­per­ta­ler Bil­dungs- und Wirt­schafts­bür­ger­tum ver­an­kert.

Von den gro­ßen rhei­ni­schen pri­va­ten Kunst­samm­lun­gen war le­dig­lich die des Geist­li­chen Fer­di­nand Franz Wall­raf am Rhein ver­blie­ben. 1861 er­hielt sie durch die Stif­tung des Kauf­manns Jo­hann Hein­rich Ri­ch­artz ein ei­ge­nes Mu­se­um in Köln, das Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um.

5.1 Katholische Erneuerung

In den 1820er Jah­ren hat­ten preu­ßi­sche Mon­ar­chie und rö­mi­sche Ku­rie das nie­der­rhei­ni­sche Kir­chen­we­sen neu or­ga­ni­siert. Köln war Sitz ei­nes Erz­bi­schofs und Me­tro­po­le der nie­der­rhei­ni­schen Kir­chen­pro­vinz mit den Suf­frag­an­bis­tü­mern Trier, Müns­ter und Pa­der­born ge­wor­den. Der Köl­ner Erz­bi­schof Fer­di­nand Au­gust Graf Spie­gel, und der Trie­rer Erz­bi­schof Jo­seph von Hom­mer schu­fen bis zur Mit­te der 1830er Jah­re die grund­le­gen­den in­sti­tu­tio­nel­len Struk­tu­ren und er­reich­ten ei­ne Kon­so­li­die­rung der ka­tho­li­schen Kir­che in Rhein­preu­ßen

Ih­re Amts­nach­fol­ger, Kle­mens Au­gust Dros­te zu Vi­sche­ring, und vor al­lem Jo­han­nes von Geis­sel in Köln so­wie Wil­helm Ar­nol­di in Trier, be­für­wor­te­ten ei­nen streng­kirch­li­chen und nach Rom ori­en­tier­ten Ka­tho­li­zis­mus, ei­ne Ul­tra­mon­ta­ni­sie­rung von Kir­che und Re­li­gi­on. Zur Be­le­bung der Re­li­gio­si­tät und zur In­ten­si­vie­rung der Kir­chen­bin­dung grif­fen sie über die Seel­sor­ge­tä­tig­keit der ein­zel­nen Pfarr­geist­li­chen hin­aus auf au­ßer­or­dent­li­che Maß­nah­men zu­rück, die er­neu­te Or­ga­ni­sie­rung von Wall­fahr­ten und Volks­mis­sio­nen so­wie die er­neu­te An­sied­lung von Or­dens­ge­mein­schaf­ten. Die Je­sui­ten lie­ßen sich 1852 in Aa­chen, 1853 in Köln, 1855 in Bonn und 1856 in Trier nie­der, die Redemp­to­ris­ten 1849 in Ko­blenz (1855 von Je­sui­ten ab­ge­löst), 1851 in Trier und 1859 in Burt­scheid (heu­te Stadt Aa­chen). Sie re­or­ga­ni­sier­ten das kirch­li­che Ver­eins­we­sen und rie­fen neue re­li­gi­ös-kirch­li­che Bru­der­schaf­ten ins Le­ben. Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die­se amts­kirch­li­che Mo­bi­li­sie­rung bot die preu­ßi­sche Ver­fas­sung von 1848/1850, die den Hand­lungs­spiel­raum der ka­tho­li­schen Kir­che er­heb­lich aus­ge­dehnt hat­te.

Der Ka­tho­li­zis­mus be­gann zum Ver­eins- und Ver­bands­ka­tho­li­zis­mus zu wer­den. 1874 un­ter­nahm das preu­ßi­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um ei­ne Be­stands­auf­nah­me und er­mit­tel­te knapp 2.500 ka­tho­li­sche Ver­ei­ne und kirch­li­che Bru­der­schaf­ten. Da­von be­fan­den sich in der Rhein­pro­vinz 61 Pro­zent, in West­fa­len zwölf Pro­zent und in Schle­si­en neun Pro­zent. Er­folg­reichs­ter Pro­pa­gan­dist und Vor­kämp­fer der ka­tho­li­schen Ge­sel­len­ver­ei­ne war Adolph Kol­ping, zu­nächst als Ka­plan in El­ber­feld und ab März 1849 als Dom­vi­kar in Köln. En­de der 1870er Jah­re wur­den in der Erz­diö­ze­se Köln 42 Ver­ei­ne mit 3.700 Ge­sel­len­mit­glie­dern ge­zählt, in der Diö­ze­se Trier 19 Ver­ei­ne mit über 1.000 Mit­glie­dern.

Seit Mit­te der 1840er Jah­re ent­stan­den in der Rhein­pro­vinz aber auch neue Or­dens­ge­nos­sen­schaf­ten, die ins­be­son­de­re von Frau­en ge­stif­tet wur­den und sich der Kran­ken-, Ar­men- und Wai­sen­kin­der­pfle­ge wid­me­ten. Al­lein in der früh­in­dus­tri­el­len Fa­brik- und Ba­de­stadt Aa­chen bil­de­ten sich drei Or­dens­ge­mein­schaf­ten. Die bei­den Ge­nos­sen­schaf­ten der Ar­men-Schwes­tern und der Ar­men-Brü­der vom Hei­li­gen Fran­zis­kus wid­me­ten sich der am­bu­lan­ten Ar­men- und Kran­ken­pfle­ge; die ers­te wur­de von Fran­zis­ka Scher­vier 1845/1851 ins Le­ben ge­ru­fen, die zwei­te 1856/1857 von dem Aa­che­ner Ele­men­tar­schul­leh­rer Phil­ipp Hö­ver. Cla­ra Feys Schwes­tern vom ar­men Kin­de Je­su nah­men sich seit 1844 der Be­treu­ung von ver­las­se­nen und ver­wais­ten Kin­dern an und dehn­ten sich – wie die bei­den an­de­ren Aa­che­ner Ge­nos­sen­schaf­ten – rasch im Rhein­land aus. Die von Pau­li­ne von Mal­linck­rodt (1817-1881) in Pa­der­born 1849 ge­stif­te­te Kon­gre­ga­ti­on der Schwes­tern von der Christ­li­chen Lie­be wid­me­te sich der Blin­den­pfle­ge. Sie wa­ren ge­gen­über den kom­mu­na­len und staat­li­chen, aber auch den kirch­li­chen Be­hör­den auf Selb­stän­dig­keit be­dacht. Nach der Grün­dung ei­nes Pro­vin­zi­al­mut­ter­hau­ses in Trier im Jah­re 1849 über­nah­men die Bor­ro­mäe­rin­nen in ra­scher Fol­ge die Be­treu­ung zahl­rei­cher Kran­ken­an­stal­ten in West- und Nord­deutsch­land.

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Zitationshinweis

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Herres, Jürgen, 1848 bis 1871 - Zwischen Revolution und Reichsgründung. Durchbruch zur Industrialisierung, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Epochen/1848-bis-1871---zwischen-revolution-und-reichsgruendung.-durchbruch-zur-industrialisierung-/DE-2086/lido/57ab24eb4ee734.38439215 (23.04.2018)