Clemens Brentano

Dichter (1778-1842)

Clemens Brentano, Porträt, Kupferstich von Ludwig Grimm (1790-1863), 1837. (LVR-Zentrum für Medien und Bildung)

Cle­mens Bren­ta­no gab mit sei­nen Rhein­mär­chen, die den Burg­rui­nen zwi­schen Mainz und Ko­blenz neu­es Le­ben ein­hauch­ten, und der Er­fin­dung der Lo­re­ley, ei­ner Zau­be­rin aus Ba­cha­rach, die mit ih­ren Rei­zen al­le Män­ner „zu­schan­den" macht, ent­schei­den­de Im­pul­se für die Rhein­ro­man­tik des 19. Jahr­hun­derts.

Mit dem ma­le­ri­schen Rhein­tal ver­bun­den war Bren­ta­no be­reits durch die Ge­burt. Am Fuß der Fes­tung Eh­ren­breit­stein wur­de er am 9.9.1778 im Haus sei­ner Gro­ß­mut­ter, der Schrift­stel­le­rin So­phie von La Ro­che in Ko­blenz ge­bo­ren. Sei­ne Mut­ter Ma­xi­mi­lia­ne von La Ro­che war die zwei­te Ehe­frau des Kauf­manns Pe­ter An­ton Bren­ta­no (1735-1797), der, in Tre­mez­zo am Co­mer See ge­bo­ren, in Frank­furt am Main ei­ne Ex- und Im­port­fir­ma führ­te, die sich von ei­ner Fi­lia­le zu ei­ner pros­pe­rie­ren­den Hand­lung ent­wi­ckelt hat­te. In drei Ehen wur­den ihm 20 Kin­der ge­bo­ren, dar­un­ter zwölf von Ma­xi­mi­lia­ne. Als sie 1793 37-jäh­rig starb, war Cle­mens ge­ra­de 15 Jah­re alt. Aus dem El­tern­haus, dem „Haus zum Gold­nen Kopf" in der Nä­he von Goe­thes Ge­burts­haus, wur­de er zur Er­zie­hung zu Ver­wand­ten und in In­ter­na­te ge­schickt. Ähn­lich er­ging es sei­ner Lieb­lings­schwes­ter Bet­ti­ne (1785-1859), die 1811 den Schrift­stel­ler Achim von Ar­nim (1781-1831), ei­nen Freund ih­res Bru­ders, hei­ra­te­te und als ei­ne der wich­tigs­ten Ver­tre­te­rin­nen der Ro­man­tik gilt.

Nach dem To­de des Va­ters über­nahm Bren­ta­nos Halb­bru­der Franz 1797 Fir­ma und Vor­mund­schaft für sei­ne jün­ge­ren Ge­schwis­ter. Al­le Ver­su­che, Cle­mens zu ei­nem bür­ger­li­chen Be­ruf zu ver­hel­fen, schei­ter­ten. Als Stu­dent der Me­di­zin in Je­na schloss er sich dem Schle­gel-Tieck-Kreis an, der Keim­zel­le der Ro­man­tik, und schrieb im Sin­ne der ge­for­der­ten „pro­gres­si­ven ro­man­ti­schen Uni­ver­sal­poe­sie" den Ro­man: „God­wi oder das stei­ner­ne Bild der Mut­ter". Zu den ly­ri­schen Ein­la­gen des zwei­bän­di­gen Wer­kes von 1801 ge­hört sei­ne Bal­la­de von der „Lo­re Lay" (in den Rhein­mär­chen Lure­ley), zu der ihn die an den deut­schen Na­men Lo­re er­in­nern­de Be­zeich­nung ei­nes schrof­fen Echo-Fel­sens mit ge­fähr­li­cher Schiffs­pas­sa­ge im Rhein­tal in­spi­rier­te. In 26 vier­zei­li­gen Stro­phen er­zählt er die Lei­dens­ge­schich­te der Zau­be­rin aus Ba­cha­rach, ei­ner „Jung­frau", die von ih­rem Liebs­ten ver­las­sen wur­de und dann – wie von ei­nem Zwang be­herrscht – al­le Män­ner, die ihr be­geg­nen, mit weib­li­chen Waf­fen be­tört. Ei­nen Bi­schof bit­tet sie, sie von die­sem Fluch, un­ter dem sie lei­det, zu be­frei­en. Er ist je­doch der schö­nen Frau be­reits selbst ver­fal­len und weiß kei­nen an­de­ren Rat, als sie ins Klos­ter zu ver­ban­nen. Die drei Rit­ter, die sie dort­hin be­glei­ten, über­re­det Lo­re, mit ihr den Fel­sen am Rhein hin­auf­zu­klet­tern. In ei­nem vor­bei­fah­ren­den Kahn glaubt sie ih­ren Liebs­ten zu er­ken­nen und stürzt sich von der Hö­he auf das Schiff. Auch die drei Rit­ter, die ihr nach­ge­klet­tert wa­ren, kom­men um. Schlie­ß­lich bleibt nur ein drei­fa­ches Echo, das die Schif­fer seit­her bei der Vor­bei­fahrt er­pro­ben, wie Bren­ta­no in ei­ner An­mer­kung er­läu­tert. In dem von Hein­rich Hei­ne 1824 ver­fass­ten und von Fried­rich Sil­cher (1789-1860) ver­ton­ten sechs Stro­phen um­fas­sen­den Ge­dicht „Die Lo­re-Ley" so­wie zahl­rei­chen Nach­dich­tun­gen des 19. und 20. Jahr­hun­derts über­leb­te die­ser Kunst­my­thos in stark ver­än­der­ter und ver­kürz­ter Form.

Ne­ben der Lo­re Lay-Bal­la­de hat Bren­ta­no zahl­rei­che Ge­dich­te ge­schrie­ben, die heu­te als Meis­ter­wer­ke der deut­schen Ro­man­tik gel­ten. Nicht nur die­se Ly­rik blieb zum gro­ßen Teil „in der Schub­la­de", auch die gro­ßen Mär­chen­kom­ple­xe, die so­ge­nann­ten „Ita­lie­ni­schen Mär­chen", nach den Wer­ken des ita­lie­ni­schen Schrift­stel­lers Giam­bat­tis­ta Ba­si­le (1575-1632), und die „Rhein­mär­chen" wur­den, von dem „Mär­chen von Go­ckel, Hin­kel und Ga­cke­leia" (1838) ab­ge­se­hen, zu Leb­zei­ten des Au­tors nicht ge­druckt.

Ein Er­folgs­pro­jekt war die Samm­lung „Des Kna­ben Wun­der­horn", die Bren­ta­no ge­mein­sam mit Achim von Ar­nim in drei Bän­den 1806/1808 ver­öf­fent­lich­te. Aus meist schrift­lich über­lie­fer­ten Quel­len füg­ten die bei­den „Re­stau­ra­tio­nen und Ip­se­fak­ten" zu­sam­men. Die ein­zel­nen Fas­sun­gen dis­ku­tier­ten sie im Brief­wech­sel, nur kur­ze Zeit­span­nen ar­bei­te­ten sie in Hei­del­berg und Kas­sel mit­ein­an­der an die­sem Pro­jekt.

In Hei­del­berg leb­te Bren­ta­no mit sei­ner Frau So­phie Me­reau (1770-1806) zu­sam­men, die er 1803 in Mar­burg ge­hei­ra­tet hat­te. Zwei ge­mein­sa­me Kin­der star­ben kurz nach der Ge­burt, die Tot­ge­burt des drit­ten 1806 über­leb­te So­phie nicht. Der zu­nächst un­tröst­li­che Dich­ter hei­ra­te­te be­reits 1807 die 16-jäh­ri­ge Au­gus­te Bu­ß­mann (1791-1832), trenn­te sich aber schon 1809 wie­der von ihr.

Nach Auf­ent­hal­ten in Wien, Prag und Ber­lin ge­riet Bren­ta­no im Jah­re 1816 in den Sog ei­ner re­li­giö­sen Er­we­ckungs­be­we­gung und leg­te 1817 in Ber­lin ei­ne Ge­ne­ral­beich­te ab. Er ver­damm­te al­le Poe­sie als „Lü­ge", ver­äu­ßer­te die welt­li­chen Bü­cher sei­ner Bi­blio­thek und be­gab sich zu der stig­ma­ti­sier­ten ehe­ma­li­gen Au­gus­ti­ner-Non­ne An­na Ka­tha­ri­na Em­me­rick (1774-1824) in Dül­men. Bis zu de­ren Tod 1824 zeich­ne­te er dort ih­re „Vi­sio­nen" auf und be­rei­te­te sie zu ei­ner Tri­lo­gie auf, von der zu sei­nen Leb­zei­ten nur „Das bit­te­re Lei­den un­se­res Herrn Je­su Chris­ti" 1833 an­onym er­schien und zu ei­nem Best­sel­ler der ka­tho­li­schen Er­bau­ungs­li­te­ra­tur wur­de. Das erst nach Bren­ta­nos Tod ver­öf­fent­lich­te „Ma­ri­en­le­ben" führ­te so­gar zur Ein­rich­tung ei­ner Kult­stät­te bei Ephe­sus.

Ab 1833 leb­te Bren­ta­no in Mün­chen, wand­te sich in sei­nen Wer­ken nun wie­der welt­li­chen The­men zu, schrieb Lie­bes­ge­dich­te an die Ma­le­rin Emi­lie Lin­der (1797-1867) und ar­bei­te­te sein „Go­ckel-Mär­chen" aus. Zu Be­ginn der 1840er Jah­re stell­te sich ei­ne rasch vor­an­schrei­ten­de Ver­schlech­te­rung sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des ein. An Herz­schwä­che lei­dend starb er am 28.7.1842 nach der Aus­fer­ti­gung sei­nes Tes­ta­ments bei sei­nem Bru­der Chris­ti­an in Aschaf­fen­burg.

Werke

Cle­mens Bren­ta­no. Sämt­li­che Wer­ke und Brie­fe (Frank­fur­ter Bren­ta­no-Aus­ga­be), kom­men­tier­te His­to­risch-kri­ti­sche Aus­ga­be ver­an­stal­tet vom Frei­en Deut­schen Hoch­stift, 36 Bän­de seit 1975.
Schultz, Hart­wig, Ge­dich­te, Stutt­gart 1995.
Schultz Hart­wig (Hg.), Achim von Ar­nim und Cle­mens Bren­ta­no, Freund­schafts­brie­fe, 2 Bän­de, Frank­furt 1998.

Literatur

Kie­witz, Su­san­ne, Ar­ti­kel "Bren­ta­no, Cle­mens", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 25 (1998), Sp. 319-325.
Schultz, Hart­wig, Cle­mens Bren­ta­no, Stutt­gart 1999.
Schultz, Hart­wig, Schwar­zer Schmet­ter­ling. Zwan­zig Ka­pi­tel aus dem Le­ben des ro­man­ti­schen Dich­ters Cle­mens Bren­ta­no, Ber­lin 2000.

Online

Bio­gra­phie über Cle­mens Bren­ta­no (Home­page des Goe­the-Hau­ses Frank­furt a. M.). [On­line]

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Clemens Brentano, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/clemens-brentano-/DE-2086/lido/57c588b4dd6aa1.09937483 (abgerufen am 24.05.2019)