Grafschaft Gerolstein

Peter Neu (Bitburg)

Turm- und Burgreste der im 17. Jhd. zerstörten Burg Löwenburg in Gerolstein. (CC BY-SA 4.0)

Die ur­sprüng­li­che Na­mens­form von Ge­rol­stein „Ger­hard­stein" ist im 14. Jahr­hun­dert erst­mals be­zeugt. Der Na­me geht wohl auf Graf Ger­hard VI. von Blan­ken­heim (cir­ca 1314-1350) zu­rück, der der Er­bau­er von Burg und Stadt ge­we­sen sein dürf­te. Letz­te­re er­hielt 1336 ei­nen Frei­heits­brief. Von Be­deu­tung für die Ent­wick­lung des Or­tes und Lan­des wur­de die so ge­nann­te Lö­wen­burg ober­halb der Stadt. Für die Sied­lungs­ent­wick­lung der nä­he­ren Um­ge­bung war wohl auch die seit dem Früh­mit­tel­al­ter nach­weis­ba­re Grund­herr­schaft Sar­res­dorf der Ab­tei Prüm von Be­deu­tung. In der zwei­ten Hälf­te des 13. Jahr­hun­derts dehn­te Graf Ger­hard IV. von Blan­ken­heim (ge­stor­ben um 1315) sei­nen Ein­fluss im Ge­rol­stei­ner Raum aus. 1291 kam Sar­res­dorf durch Gü­ter­tausch zwi­schen den Gra­fen von Blan­ken­heim und der Ab­tei Prüm an das Blan­ken­heim-Ge­rol­stei­ner Ter­ri­to­ri­um.

Burg und Ort Ge­rol­stein ge­hör­ten seit dem Mit­tel­al­ter zur Herr­schaft/Graf­schaft Blan­ken­heim. Im 14. Jahr­hun­dert nann­ten sich die In­ha­ber von Ge­rol­stein „Gra­fen von Blan­ken­heim, Her­ren von Ger­hard­stein". Der Zeit­punkt der Er­he­bung der Herr­schaft Ge­rol­stein zur Graf­schaft ist un­be­kannt. 1380 er­hiel­ten die Her­ren von Blan­ken­heim den Graf­en­ti­tel. Zum Be­sitz „Ge­rol­stein" ge­hör­te of­fen­bar seit frü­hes­ter Zeit die Kas­sel­burg, die sich im 16. Jahr­hun­dert mit we­ni­gen Or­ten als ei­ge­nes klei­nes Ter­ri­to­ri­um ab­spal­te­te. Das „Kas­sel­bur­ger Land" kam über die Gra­fen von Man­der­scheid-Schlei­den in den Be­sitz der Gra­fen von der Marck (seit 1611), spä­ter der Her­zö­ge von Aren­berg. Die „Herr­schaft Kas­sel­burg" um­fass­te En­de des 18. Jahr­hun­derts le­dig­lich die Or­te Bet­tel­dorf, Gees und Pelm.

Mit Blan­ken­heim fiel Ge­rol­stein 1469 durch Erb­fall an die Gra­fen von Man­der­scheid. 1524 wur­de der Ort Re­si­denz ei­ner Ne­ben­li­nie des Hau­ses Man­der­scheid, die sich Gra­fen von Man­der­scheid–Blan­ken­heim–Ge­rol­stein nann­ten und bis 1697 hier re­si­dier­ten. Die Re­for­ma­ti­on konn­te in der Graf­schaft nicht Fuß fas­sen, da der Graf von Man­der­scheid-Blan­ken­heim-Ge­rol­stein ka­tho­lisch blieb.

Ver­schie­de­ne um­woh­nen­de Reichs­fürs­ten ver­such­ten seit dem Mit­tel­al­ter, Ge­rol­stein an sich zu brin­gen. 1353 be­la­ger­te der Trie­rer Kur­fürs­t Bal­du­in von Lu­xem­burg er­folg­los Stadt und Burg. Lehns­ban­de be­stan­den seit dem 14. Jahr­hun­dert zu Jü­lich. Bis ins 16. Jahr­hun­dert er­kann­ten die Ge­rol­stei­ner den Her­zog von Jü­lich als Ober­lehns­herrn an. Im 17. Jahr­hun­dert be­an­spruch­te der Graf die Reichs­un­mit­tel­bar­keit und als Lan­des­herr Sitz und Stim­me im Reichs­tag. 1668 er­kann­te der Her­zog von Jü­lich die Reichs­un­mit­tel­bar­keit an, zu­gleich auch die des be­nach­bar­ten Blan­ken­heim. Der Graf von Man­der­scheid-Ge­rol­stein wur­de, wie sein Nach­bar in Blan­ken­heim, Mit­glied im Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis.

Durch Erb­ver­trag kam die Graf­schaft Ge­rol­stein 1697 nach dem Aus­ster­ben der Man­der­scheid-Ge­rol­stei­ner Li­nie zur Graf­schaft Blan­ken­heim, wo sie bis zum En­de des Al­ten Rei­ches ver­blieb. Die Graf­schaft wur­de bis En­de des 18. Jahr­hun­derts meist als Amt Ge­rol­stein be­zeich­net. Die Graf­schaft glie­der­te sich im 18. Jahr­hun­dert in vier Hö­fe: 1. Ge­rol­stein mit Schloss, Stadt und um­lie­gen­den Or­ten, 2. Hof Lis­sen­dorf mit Au­el, Bas­berg, Bir­gel und Dup­pach, 3. Hof Roth mit Ka­len­born, Müllen­born, Nie­der- und Ober­bet­tin­gen so­wie Scheu­ren, 4. Hof Stadt­kyll mit Nie­der­kyll, Ker­schen­bch, Neu­en­dorf, Reuth und Schloss und Hof Neu­en­stein. Seit 1742 ge­hör­te auch die hal­be Herr­schaft Lü­xem bei Witt­lich da­zu, die an­de­re Hälf­te war kur­trie­risch. Eben­so be­saß die Graf­schaft ge­mein­sam mit Kur­trier im 18. Jahr­hun­dert Wald Hill­scheid bei Salm-Wei­den­bach. Die­se Be­sit­zun­gen blie­ben nicht al­le un­wi­der­spro­chen in Ge­rol­stei­ner Be­sitz. Um 1800 ge­hör­ten zur Graf­schaft 22 Fle­cken und Dör­fer, 443 Häu­ser, elf Müh­len; die Ein­woh­ner­schaft be­trug 2.658 See­len.

Im Frie­den von Lun­é­vil­le 1801 kam die Graf­schaft Ge­rol­stein an Frank­reich. Ge­rol­stein wur­de Haupt­ort ei­nes Kan­tons mit den Mai­ri­en Ge­rol­stein, Hil­le­s­heim und Ro­ckes­kyll, es ge­hör­te zum Ar­ron­dis­se­ment Prüm im Saar­de­par­te­ment. Nach 1815 ge­hör­te Ge­rol­stein zum preu­ßi­schen Kreis Daun.

Literatur

Dahn, Ar­nold, Die Kas­sel­burg – Ge­schich­te und heu­ti­ge Ver­wen­dung, nach 1972.
Dohm, Bat­ty, Ge­rol­stein in der Vul­kan­ei­fel, 3. Auf­la­ge, Ge­rol­stein / Trier 1975.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Ban­d 2: Die KAr­te von 1789,  Bonn 1898, Nach­druck Bonn 1965, S. 346-353.
Ge­rol­stein, hg. von der Stadt Ge­rol­stein, 2 Bän­de, Ge­rol­stein 1986/ 2003.
Horsch, Pe­ter, Burg Ger­hard­stein, auch Lö­wen­burg ge­nannt, oh­ne Ort 1982.
Neu, Pe­ter, Man­der­scheid und das Reich, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 36 (1972), S. 53–79.
Neu, Pe­ter, Ge­schich­te und Struk­tur der Ei­fel­ter­ri­to­ri­en des Hau­ses Man­der­scheid, vor­nehm­lich im 15. und 16. Jahr­hun­dert, Bonn 1972.
Schug, Pe­ter, Ge­schich­te der zum ehe­ma­li­gen köl­ni­schen Ei­fel­de­ka­nat ge­hö­ren­den Pfar­rei­en der De­ka­na­te Adenau, Daun, Ge­rol­stein, Hil­le­s­heim und Kel­berg, Trier 1956.

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Grafschaft Gerolstein (gelb umrandet), Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 
Zitationshinweis

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Neu, Peter, Grafschaft Gerolstein, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/grafschaft-gerolstein/DE-2086/lido/57d1185c696785.85765828 (16.12.2018)