Herzogtum Arenberg

Peter Neu (Bitburg)

Das Ter­ri­to­ri­um er­hielt sei­nen Na­men vom Aren­berg (623 m über NN) am Ober­lauf der Ahr. Auf sei­ner Kup­pe ent­stand ver­mut­lich im ho­hen Mit­tel­al­ter ei­ne Burg. Man kann je­doch be­reits für das Früh­mit­tel­al­ter ei­ne be­fes­tig­te An­la­ge er­war­ten. Die Be­sit­zer der Burg nann­ten sich von Aren­berg/Arem­berg. Die Schreib­wei­se va­ri­iert. Heu­te hei­ßt der Ort: Arem­berg, die Adels­fa­mi­lie hin­ge­gen nennt sich von Aren­berg.

Der ers­te be­kann­te Trä­ger des Na­mens von Aren­berg, Hein­rich, ist ur­kund­lich 1166 als Vi­ze-Burg­graf von Köln be­legt. Seit 1169 war er Burg­graf in­ ­der Rhe­in­stadt; die­ses Amt hat­ten auch sei­ne Nach­kom­men in­ne. Da­durch ent­wi­ckel­ten sich frü­he Ver­bin­dun­gen der Fa­mi­lie in den Köl­ner Raum und den Wes­ter­wald. Seit dem 14. und 15. Jahr­hun­dert ver­leg­te die Fa­mi­lie ih­re Nie­der­las­sun­gen an die Maas (Lüt­tich) und schlie­ß­lich in den Brüs­se­ler Raum, so dass das Stamm­land für die Fa­mi­lie nur noch ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Be­deu­tung hat­te.

Das Ter­ri­to­ri­um hei­ßt in ei­ner Ur­kun­de von 1300 „heyr­schaf van Arn­berch", 1417 „das lan­de van Arn­berg". Grö­ßer als der ge­frei­te Bur­gort Aren­berg/Arem­berg am Fu­ße des Burg­berges war das zen­tral ge­le­ge­ne Lom­mers­dorf, wo es ein mit 21 Schöf­fen be­setz­tes Haupt­ge­richt gab. Ihm un­ter­ge­ord­net wa­ren die Un­ter­ge­rich­te in Arem­berg, Dor­sel, Ant­wei­ler und Mül­heim. Au­ßer der Glie­de­rung in Ge­richts­be­zir­ke gab es nie ei­ne Auf­tei­lung des klei­nen Lan­des in Ver­wal­tungs­be­zir­ke. An der Spit­ze der Ver­wal­tung stand bis ins 17. Jahr­hun­dert ein Amt­mann, da­nach ein Statt­hal­ter, der im Auf­tra­ge des Lan­des­herrn von der Aren­burg aus die Ge­schäf­te führ­te.

Der kar­ge Bo­den auf den Hoch­ei­fel­flä­chen war für den Acker­bau nur be­dingt nutz­bar. Wich­ti­ger als die Land­wirt­schaft wa­ren Ei­sen­erz­gru­ben, die bei Lom­mers­dorf, Frei­lin­gen und Ant­wei­ler aus­ge­beu­tet wur­den und die das Erz für die Ei­sen­wer­ke in Ahr­hüt­te und Ant­wei­ler (be­zie­hungs­wei­se Stahl­hüt­te seit 1630) lie­fer­ten. Haupt­ein­nah­me­quel­le der Herr­schaft und des spä­te­ren Her­zog­tums wa­ren Ein­künf­te aus Erz­ab­bau und Ei­sen­ge­win­nung.

Nach­dem Jo­hann von Aren­berg 1279 sein Burg­gra­fen­amt dem Köl­ner Erz­bi­schof Sieg­fried von Wes­ter­burg (Amts­zeit 1275-1297) ver­kauft hat­te, be­an­spruch­te die Köl­ner Kir­che ein Lehn­recht über Burg und Herr­schaft Aren­berg. Jo­hann von Aren­berg be­kann­te 1279, dass er ein „ho­mo li­gius", al­so ein Lehns­mann, der Köl­ner Kir­che sei. Aber noch En­de des 13. Jahr­hun­derts konn­te die Fa­mi­lie die Köl­ner An­sprü­che zu­rück­wei­sen. Um 1300 be­an­spruch­te der Erz­bi­schof von Trier sei­ner­seits Lehn­rech­te über Aren­berg. Im 16. Jahr­hun­dert ver­such­te der Her­zog von Jü­lich, Burg und Herr­schaft Aren­berg in sei­nen Ein­fluss­be­reich ein­zu­glie­dern. Aber ihm ge­lang dies eben­so we­nig wie den Köl­nern oder Trie­rern. Seit dem En­de des 16. Jahr­hun­derts sind Burg und Herr­schaft Aren­berg ein­deu­tig als Al­lod (frei­er Be­sitz) an­zu­se­hen. Die Aren­ber­ger selbst nann­ten in der Fol­ge­zeit ihr Stamm­land wie­der­holt „ein frey son­nen le­hen, das von Gott und dern son­nen von eynem hern zu Ar­burg in­ha­ben". Es ha­be, so hei­ßt es wei­ter, kei­nen obers­ten Herrn au­ßer Gott und den rö­mi­schen Kai­ser als Schirm­herrn. Die Her­ren von Aren­berg wur­den 1509 in den Gra­fen­stand er­ho­ben; schlie­ß­lich er­hiel­ten sie 1576 den Ti­tel „ge­fürs­te­te Gra­fen". An­läss­lich die­ser Er­he­bung ließ sich die Lan­des­her­rin Mar­ga­re­tha von der Mark-Aren­berg (ge­stor­ben 1599) die Reichs­un­mit­tel­bar­keit und das Münz­recht aus­drück­lich be­stä­ti­gen. Den Her­zog­ti­tel ver­lieh Kai­ser Fer­di­nand III. (1608-1657, Kai­ser: 1637-1657) der Fa­mi­lie 1644. Sämt­li­che Ti­tel wa­ren an das klei­ne Ter­ri­to­ri­um in der Ei­fel ge­bun­den. Die Fa­mi­lie von Aren­berg blieb bis 1794 un­un­ter­bro­chen im Be­sitz die­ses Lan­des. Le­dig­lich in der Zeit 1450-1552 war der vier­te Teil der Burg und der Ein­künf­te dem Herrn von Gym­nich ver­pfän­det. Die Pfand­schaft konn­te 1552 wie­der ge­löst wer­den.

Das Aren­ber­ger Land scheint seit der frü­hen Er­wäh­nung bis ins 18. Jahr­hun­dert kaum ter­ri­to­ria­le Ver­än­de­run­gen er­fah­ren zu ha­ben. Es grenz­te an Kur­k­öln, das Her­zog­tum Jü­lich, Kur­trier und die Graf­schaf­t Blan­ken­heim. Ei­ne na­tür­li­che Gren­ze nach Os­ten und Sü­den hin bil­de­te der Ahr­fluss. Im ­Nor­den und Wes­ten wa­ren die Grenz­zie­hun­gen schwie­ri­ger und führ­ten da­mit auch hin und wie­der zu Pro­ble­men oder Strei­tig­kei­ten mit Nach­barn. Die wie­der­hol­te Auf­spal­tung der Fa­mi­lie in ein­zel­ne Zwei­ge (von der Marck-Aren­berg, von der Marck-Se­dan, von der Marck-Lum­men, von der Marck-Ro­che­fort) führ­te nicht zu Tei­lun­gen des Stamm­ter­ri­to­ri­ums. Zu ihm ge­hör­ten das ge­frei­te Tal Aren­berg / Arem­berg und 14 Ort­schaf­ten oder Wei­ler mit ei­ni­gen zu­sätz­li­chen Hö­fen und Müh­len. Im Jah­re 1782 um­fass­te es 8.800 Hekt­ar mit rund 2.300 Ein­woh­nern. In den Ak­ten des Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schlus­ses von 1803 wer­den ein Fle­cken (Arem­berg) und elf Dör­fer mit 508 Häu­sern und 2.918 Ein­woh­ner ge­nannt.

Die Re­for­ma­ti­on konn­te im Aren­ber­ger Land nicht Fuß fas­sen, da die Adels­fa­mi­lie von Aren­berg ka­tho­lisch blieb.

Ei­ne en­ge Ver­bin­dung des Ter­ri­to­ri­ums Aren­berg be­stand seit dem 13. Jahr­hun­dert mit der Herr­schaft Kom­mern, die noch 1601 als „per­pe­tu­um an­ne­xum" Aren­bergs be­zeich­net wird. Die Ver­bin­dung blieb bis zur Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on be­ste­hen.

1794 be­setz­ten fran­zö­si­sche Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen das Aren­ber­ger Land, das bei der Neu­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­wal­tung ge­teilt wur­de: Der öst­li­che Teil mit Burg und Ort­schaft Arem­berg kam zu­m Rhein-Mo­sel­de­par­te­ment der west­li­che Teil mit Lom­mers­dorf/Frei­lin­gen zu­m Ro­er­de­par­te­ment. Im ­Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss er­hielt der Her­zog als Ent­schä­di­gung das Vest Reck­ling­hau­sen und das ehe­mals Müns­te­ri­sche Amt Mep­pen an der Ems (27.265 Ein­woh­ner, 48 Qua­drat­mei­len). Im Wie­ner Kon­gress von 1815 wur­de das Amt Mep­pen als Stan­des­herr­schaft dem Kö­nig­reich Han­no­ver un­ter­stellt. Of­fi­zi­ell er­hielt es nach ei­nem Ver­trag von 1826 die Be­zeich­nung „Her­zog­tum Aren­berg-Mep­pen". Mit dem En­de des Kö­nig­reichs Han­no­ver 1866 kam die Stan­des­herr­schaft un­ter die Sou­ve­rä­ni­tät des Kö­nig­tums Preu­ßen. Durch ei­nen Staats­ver­trag von 1875 ver­lor der Her­zog von Aren­berg in der Stan­des­herr­schaft fast al­le Rech­te, dem Na­men nach blieb das Her­zog­tum Aren­berg-Mep­pen bis 1918/1919 be­ste­hen.

Literatur

Brom­mer, Pe­ter/Schleid­gen, Wolf-Rü­di­ger/Zim­mer, The­re­sia, In­ven­tar des her­zog­lich aren­ber­gi­schen Ar­chivs in Edin­gen/En­ghi­en (Bel­gi­en), Ko­blenz 1984.
De­schee­maeker, Jac­ques, La mai­son d´Aren­berg d´après les ar­chi­ves fran­Vai­ses, Neuilly 1969.
Heu­ser, Pe­ter Ar­nold, He­xen­ver­fol­gung und Volks­ka­te­che­se: Be­ob­ach­tun­gen am Bei­spiel der ge­fürs­te­ten Ei­fel­graf­schaft Aren­berg 1590-1593, in: Rhei­nisch-west­fä­li­sche Zeit­schrift für Volks­kun­de 44 (1999), S. 95-142.
Heyen, Franz-Jo­sef (Hg.), Die Aren­ber­ger. Ge­schich­te ei­ner eu­ro­päi­schen Dy­nas­tie, Band 1: Die Aren­ber­ger in der Ei­fel, Ko­blenz 1987.
Heyen, Franz-Jo­sef (Hg.), Die Fürs­ten und Her­zö­ge von Aren­berg 1527-1949, Ko­blenz 1995.
Neu, Hein­rich, Das Her­zog­tum Aren­berg, 3. Auf­la­ge, Köln 1956.
Neu, Hein­rich, Das Schloß und die Fes­tung Aren­berg, Köln 1956.
Neu, Pe­ter, Die Aren­ber­ger und das Aren­ber­ger Land, 6 Bän­de, Ko­blenz 1989-2001.
Ro­sen­thal, Ge­rold (Hg.), Arem­berg in Ge­schich­te und Ge­gen­wart, Arem­berg 1987.

Zitationshinweis

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Neu, Peter, Herzogtum Arenberg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/herzogtum-arenberg/DE-2086/lido/57ab288395df23.16299352 (02.12.2018)