Wälderdepartement

Sabine Graumann (Köln/Bonn)

Das Wäl­der­de­par­te­ment, be­nannt nach dem rei­chen Baum­be­stand der Ar­den­nen, wur­de am 1.10.1795 nach der Be­sitz­er­grei­fung der ös­ter­rei­chi­schen Nie­der­lan­de durch Frank­reich als ei­nes der neun bel­gi­schen De­par­te­ments ge­bil­det. Es be­stand haupt­säch­lich aus Tei­len der vor­ma­li­gen Her­zog­tü­mer Lu­xem­burg und Bouil­lon. Haupt­ort des De­par­te­ments war Lu­xem­burg (Lu­xem­bourg). Die ers­te Ter­ri­to­ri­al­ein­tei­lung des De­par­te­ments mit zu­nächst fünf Ar­ron­dis­se­ments und 26 Kan­to­nen er­folg­te am 2.5.1796. Dar­an wur­den in der Fol­ge­zeit mehr­fach Än­de­run­gen vor­ge­nom­men. Ins­be­son­de­re mit dem be­nach­bar­ten Mo­sel­de­par­te­ment kam es zu ter­ri­to­ria­len Re­gu­lie­run­gen.

Nach Kon­so­li­die­rung der fran­zö­si­schen Herr­schaft wur­de das dünn be­sie­del­te De­par­te­ment mit 219.283 Ein­woh­nern (1804) im Jah­re 1802 in die vier Ar­ron­dis­se­ments Lu­xem­burg (Lu­xem­bourg), Bit­burg (Bit­bourg), Die­kirch und Neuf­châ­teau mit fol­gen­den 28 Kan­to­nen ge­glie­dert:

Lu­xem­burg (Lu­xem­bourg): Ar­lon, Bet­tem­burg (Bet­tem­bourg), Betz­dorf, Gre­ven­ma­cher, Lu­xem­burg-Nord (Lu­xem­bourg-Nord), Lu­xem­burg-Süd (Lu­xem­bourg-Sud), Mersch, Mes­sancy und Re­mich.

Bit­burg (Bit­bourg): Arz­feld, Bit­burg (Bit­bourg), Du­del­dorf, Ech­ter­nach und Neu­er­burg.

Die­kirch: Clervaux, Die­kirch, Os­pern, Vi­an­den und Wiltz.

Neuf­châ­teau: Bas­to­gne, Étal­le, Fau­vil­lers, Flo­ren­vil­le, Houf­fa­li­ze, Neuf­châ­teau, Pa­li­seul, Si­bret und Vir­ton. 

Die­se ter­ri­to­ria­le Glie­de­rung blieb bis zum En­de der Fran­zö­si­schen Zeit be­ste­hen. Zu Än­de­run­gen kam es le­dig­lich bei den bei­den Lu­xem­bur­ger Kan­to­nen im gleich­na­mi­gen Ar­ron­dis­se­ment. Noch im April 1813 ist in Ver­wal­tungs­ak­ten der Kan­ton Lu­xem­burg-Süd nach­ge­wie­sen. 1815 hin­ge­gen wer­den in dem „At­las Na­tio­nal de Fran­ce" an­stel­le der Kan­to­ne Lu­xem­burg-Nord und Lu­xem­burg-Süd die Kan­to­ne Lu­xem­burg-Ost (Lu­xem­bourg-Est) und Lu­xem­burg-West (Lu­xem­bourg-Ou­est) ge­nannt.

Be­reits zu Be­ginn der fran­zö­si­schen Herr­schaft er­ho­ben sich im Herbst 1798, aus­ge­hend von der West-Ei­feler Be­völ­ke­rung, ver­geb­lich Bau­ern in dem so ge­nann­ten Klöp­pel­krieg (Klëp­pelk­rich) ge­gen die neu­en Macht­ha­ber. Bei Arz­feld wur­den die Auf­stän­di­schen ge­schla­gen, ge­fan­gen ge­nom­men und zu­meist in Lu­xem­burg hin­ge­rich­tet. Erst nach der Völ­ker­schlacht bei Leip­zig (16.-19.10.1813) brach die Fran­zo­sen­herr­schaft zu­sam­men. Das Wäl­der­de­par­te­ment wur­de im An­schluss im Lau­fe der nächs­ten Jahr­zehn­te drei­mal ge­teilt: 1814 wur­de es zu­nächst von den Al­li­ier­ten dem Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ment Nan­cy und am 9. 3.1814 dem Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ment Mit­tel­rhein zu­ge­ord­net. Letz­te­res wur­de we­nig spä­ter am 30. Mai mit dem Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ment Nie­der­rhein zum Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ment vom Nie­der- und Mit­tel­rhein un­ter preu­ßi­scher Lei­tung ver­eint. Ei­nen Tag da­nach wur­den die Or­te öst­lich der Mo­sel, da­mit auch ein ge­ring­fü­gi­ger Teil des Wäl­der­de­par­te­ments, an das Ge­biet der ge­mein­schaft­li­chen ös­ter­rei­chisch-baye­ri­schen Lan­des­ad­mi­nis­tra­ti­on ab­ge­tre­ten.

Durch den Wie­ner Kon­gress wur­de 1815 das Gro­ßher­zog­tum Lu­xem­burg aus Ter­ri­to­ri­en des al­ten Wäl­der­de­par­te­ments als per­sön­li­cher Be­sitz des hol­län­di­schen Kö­nigs ge­schaf­fen und fiel an die Ver­ei­nig­ten Nie­der­lan­de. Als Gren­ze zwi­schen dem neu­en Gro­ßher­zog­tum und Preu­ßen wur­den am 5. 4.1815 die Fluss­läu­fe von Our, Mo­sel, Saar und Saur fest­ge­legt. Vom vor­ma­li­gen Wäl­der­de­par­te­ment ka­men die Kan­to­ne Arz­feld, Bit­burg, Du­del­dorf und Neu­er­burg ganz und von den vor­ma­li­gen Kan­to­nen Clervaux, Ech­ter­nach, Gre­ven­ma­cher und Vi­an­den Tei­le an Preu­ßen und wur­den dem Re­gie­rungs­be­zirk Trier im neu ge­grün­de­ten Gro­ßher­zog­tum Nie­der­rhein zu­ge­wie­sen. Das Gro­ßher­zog­tum Nie­der­rhein wie­der­um ging 1822 in der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz auf.

Im An­schluss an die Bel­gi­sche Re­vo­lu­ti­on und die Grün­dung des Kö­nig­rei­ches Bel­gi­en (1830/1839) er­folg­te die letz­te Tei­lung des vor­ma­li­gen Wäl­der­de­par­te­ments, in­dem die heu­ti­ge bel­gi­sche Pro­vinz Lu­xem­burg vom Gro­ßher­zog­tum Lu­xem­burg ge­trennt wur­de. Da­mit fie­len Ge­bie­te des al­ten Wäl­der­de­par­te­ments an Bel­gi­en.

Durch die ge­schicht­li­che Ent­wick­lung ge­hö­ren von den al­ten Ar­ron­dis­se­ments Die­kirch und Lu­xem­burg heu­te fast al­le ehe­ma­li­gen fran­zö­si­schen Kan­tons­haupt­or­te zum Gro­ßher­zog­tum Lu­xem­burg. Ar­lon und Mes­sancy aus dem vor­ma­li­gen Ar­ron­dis­se­ment Die­kirch un­ter­ste­hen eben­so Bel­gi­en wie die Kan­tons­haupt­or­te des ge­sam­ten al­ten Ar­ron­dis­se­ments Neuf­châ­teau. Die Kan­tons­haupt­or­te des vor­ma­li­gen Ar­ron­dis­se­ments Bit­burg lie­gen mit Aus­nah­me von Ech­ter­nach (Gro­ßher­zog­tum Lu­xem­burg) im Bun­des­land Rhein­land-Pfalz in Deutsch­land.

Quellen

Stein, Wolf­gang Hans (Be­arb.), Die Ak­ten des Wäl­der­de­par­te­ments im Lan­des­haupt­ar­chiv Ko­blenz, 1794-1816. In­ven­tar der Be­stän­de 300 (Wäl­der-De­par­te­ment) und 352 (Ge­ne­ral­gou­ver­ne­ments­kom­mis­sa­ri­at des Mit­tel­rheins für das Wäl­der-De­par­te­ment), Ko­blenz 1998.

Literatur

Chan­lai­re, Pier­re-Gré­go­i­re, Tar­dieu, Pier­re François: At­las Na­tio­nal de Fran­ce, No. 98: Dé­par­te­men­t ­des Forêts: Di­vi­sé en 4 Ar­ron­dis­se­mens [!] et en 28 Can­tons, Pa­ris [1815].

Le­fort, Al­fred, His­toire du Dé­par­te­ment de Fo­rets (Le du­ché Lu­xem­bourg de 1795 á 1814), Band 1, Lu­xem­burg 1905 [mehr nicht er­schie­nen].

Trausch, Gil­bert, Die Lu­xem­bur­ger Bau­ern­auf­stän­de aus dem Jah­re 1798. Der „Klöp­pel­krieg", sei­ne In­ter­pre­ta­ti­on und sein Nach­le­ben in der Ge­schich­te des Gro­ßher­zog­tums Lu­xem­burg, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 48 (1984), S. 161-237.

Zitationshinweis

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Graumann, Sabine, Wälderdepartement, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/waelderdepartement-/DE-2086/lido/57d1189846e7a2.84391701 (17.12.2018)