Kurrheinischer Reichskreis

Stephan Laux (Trier)

Der Kur­rhei­ni­sche Reichs­kreis ge­hör­te zu den vier 1512 von Kai­ser Ma­xi­mi­li­an I. (Re­gent­schaft 1508-1519) auf den Reichs­ta­gen zu Köln und Trier ein­ge­rich­te­ten Reichs­krei­sen. Die Auf­lö­sung war die Fol­ge des ers­ten Krie­ges zwi­schen deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Ko­ali­ti­ons- und fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen: 1794 stand der links­rhei­ni­sche Raum un­ter fran­zö­si­scher Be­sat­zung, be­vor er 1801 for­mell fran­zö­si­sches Staats­ge­biet wur­de.

Der Zu­sam­men­set­zung des Krei­ses bil­de­te in­so­fern ei­ne Be­son­der­heit, als sie kei­nen räum­li­chen, son­dern stän­di­schen Kri­te­ri­en folg­te. Das his­to­ri­sche Vor­bild des Krei­ses hat­ten die mehr­fach im Rhein­land ab­ge­hal­te­nen Kur­ver­ei­ne ab­ge­ge­ben, bei de­nen die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten seit dem 14. Jahr­hun­dert ei­ne ge­wis­se Über­ein­stim­mung ih­rer po­li­ti­schen In­ter­es­sen ge­zeigt hat­ten.

Der Reichs­kreis um­fass­te die drei geist­li­chen Kur­fürs­ten­tü­mer Mainz, Köln un­d Trier, das welt­li­che Kur­fürs­ten­tum Pfalz so­wie ei­ni­ge klei­ne­re nicht­kur­fürst­li­che Ge­bie­te von macht­po­li­tisch ge­rin­ger Be­deu­tung, die auf­grund ih­rer geo­gra­phi­schen La­ge eher de­m Ober­rhei­ni­schen Reichs­kreis zu­zu­ord­nen ge­we­sen wä­ren und die auf die Kreis­po­li­tik prak­tisch kei­nen Ein­fluss neh­men konn­ten. Der Erz­bi­schof von Mainz üb­te als rang­höchs­ter Kur­fürst das Amt des Kreis­di­rek­tors und kreisau­schrei­ben­den Fürs­ten aus. Als Kreis­o­brist fun­gier­te der Kur­fürst von der Pfalz, da die drei geist­li­chen Fürs­ten ge­mäß der Land­frie­dens­ord­nung von 1512 von mi­li­tä­ri­schen Funk­tio­nen aus­ge­schlos­sen wa­ren.

Die Zer­split­te­rung des Reichs­krei­ses wur­de durch aus­wär­ti­ge Be­sit­zun­gen der Kreis­mit­glie­der noch ver­stärkt. Für Kur­k­öln wa­ren dies die Ex­kla­ven Her­zog­tum West­fa­len und Vest Reck­ling­hau­sen. Der Kur­rhei­ni­sche Reichs­kreis durch­zog so­mit auch den ver­gleichs­wei­se ge­schlos­se­nen Nie­der­rhei­nisch-West­fä­li­schen Reichs­kreis.

Schon auf­grund der struk­tu­rell be­ding­ten Fi­nanz­schwä­che der geist­li­chen Fürs­ten wa­ren die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Krei­ses ge­ring. Da die Kur­pfalz von 1556 bis 1685 pro­tes­tan­ti­schen Fürs­ten un­ter­stand, wäh­rend die drei geist­li­chen Kur­staa­ten ka­tho­lisch blie­ben, war ei­ne un­ter­schied­li­che bünd­nis­po­li­ti­sche und kon­fes­sio­nal­po­li­ti­sche Ori­en­tie­rung der vier wich­tigs­ten Kreis­mit­glie­der (be­son­ders im Vor­feld und wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges) un­ver­meid­bar.

Mit­glie­der wa­ren 1801 (nach Ger­hard Köbler):

Kur­fürs­ten­tum Mainz

Kur­fürs­ten­tum Köln (zu­gleich um­fas­send das Vest Reck­ling­hau­sen und das Her­zog­tum West­fa­len)

Kur­fürs­ten­tum Trier (zu­gleich mit Tei­len der Herr­schaf­ten Val­len­dar, Rhau­nen, Cam­berg und Wehr­heim)

Kur­fürs­ten­tum Pfalz

Fürs­ten­tum Aren­berg

Herr­schaft Beil­stein

Graf­schaf­t Nie­der Isen­burg Burg­graf­en­tum Rheineck

Graf von Thurn und Ta­xis (in ei­ge­ner Per­son oh­ne kreis­an­ge­hö­ri­ges Ter­ri­to­ri­um)

Deut­scher Or­den (Bal­lei Ko­blenz)

Literatur

Dotzau­er, Win­fried, Die deut­schen Reichs­krei­se in der Ver­fas­sung des al­ten Rei­ches und ihr Ei­gen­le­ben (1500-1806), Darm­stadt 1989, S. 80-105.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2: Die Kar­te von 1789. Ein­tei­lung und Ent­wi­cke­lung der Ter­ri­to­ri­en von 1600 bis 1794, Bonn 1898, Nach­druck 1965, S. 53-226.
Hart­mann, Pe­ter Claus, Re­gio­nen in der frü­hen Neu­zeit. Der Kur­rhei­ni­sche und Ober­rhei­ni­sche Reichs­kreis, in: Mi­cha­el Ma­theus (Hg.), Re­gio­nen un­d ­Fö­de­ra­lis­mus. 50 Jah­re Rhein­land-Pfalz, Stutt­gart 1997, S. 31-47.
Köbler, Ger­hard, His­to­ri­sches Le­xi­kon der deut­schen Län­der. Die deut­schen Ter­ri­to­ri­en vom Mit­tel­al­ter bis zur Ge­gen­wart, 7. voll­stän­dig über­ar­bei­te­te Auf­la­ge, Mün­chen 2007, S. XX, 354-355.
Mül­ler, Mi­cha­el, Die Ent­wick­lung des Kur­rhei­ni­schen Krei­ses in sei­ner Ver­bin­dung mit dem Ober­rhei­ni­schen Kreis im 18. Jahr­hun­dert (Main­zer Stu­di­en zur Neue­ren Ge­schich­te, Bd. 24), Frank­furt a.M. 2008.
Neu­haus, Hel­mut, Die rhei­ni­schen Kur­fürs­ten, der kur­rhei­ni­sche Kreis und das Reich im 16. Jahr­hun­dert, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 48 (1984), S. 138-160.

Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Laux, Stephan, Kurrheinischer Reichskreis, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/kurrheinischer-reichskreis/DE-2086/lido/57d11c1db542d7.51526031 (16.12.2018)