Rheinisch-Bergischer Kreis

Andrea Rönz (Linz am Rhein)

Der im süd­li­chen Nord­rhein-West­fa­len ge­le­ge­ne Rhei­nisch-Ber­gi­sche Kreis grenzt im Nor­den an die kreis­frei­en Städ­te So­lin­gen  und Rem­scheid, im Os­ten an den Ober­ber­gi­schen Kreis, im Sü­den an den Rhein-Sieg-Kreis und im Wes­ten an die kreis­frei­en Städ­te Köln und Le­ver­ku­sen. Sitz der Kreis­ver­wal­tung ist die Stadt Ber­gisch Glad­bach.

Der Kreis im Re­gie­rungs­be­zirk Köln wur­de 1932 aus dem auf­ge­lös­ten Kreis Mül­heim am Rhein (Land) und den Ge­mein­den Be­chen, Hoh­kep­pel, Klüp­pel­berg, Kür­ten, Lind­lar, Ol­pe, Wip­per­feld, Wip­per­fürth und Tei­len der Ge­mein­de En­gels­kir­chen aus dem auf­ge­lös­ten Kreis Wip­per­fürth ge­bil­det und soll­te zu­nächst Ber­gi­scher Kreis hei­ßen. Noch vor In­kraft­tre­ten des Zu­sam­men­schlus­ses er­folg­te je­doch die Um­be­nen­nung in Rhei­nisch-Ber­gi­scher Kreis. Das Land­rats­amt lag zu­nächst in Köln-Mül­heim, wech­sel­te je­doch be­reits 1933 nach Ber­gisch Glad­bach. 1939 er­hielt die Ge­mein­de Rös­rath im Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis Tei­le der Ge­mein­de Wahl­scheid im Sieg­kreis. Im Zu­ge des Köln-Ge­set­zes wur­den dem Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis 1975 die Städ­te Bur­scheid, Leich­lin­gen und Wer­mels­kir­chen vom auf­ge­lös­ten Rhein-Wup­per-Kreis ein­ge­glie­dert.

Der 438 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Rhei­nisch-Ber­gi­sche Kreis mit 278.746 Ein­woh­nern (2007) setzt sich heu­te zu­sam­men aus der gro­ßen kreis­an­ge­hö­ri­gen Stadt Ber­gisch Glad­bach mit rund 100.000 Ein­woh­nern, den mitt­le­ren kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­ten Leich­lin­gen, Over­ath, Rös­rath und Wer­mels­kir­chen mit um 30.000 Ein­woh­nern, der Stadt Bur­scheid so­wie den Ge­mein­den Kür­ten und Oden­thal.

Wirt­schaft­lich be­deu­tend sind ne­ben mit­tel­stän­di­schem Ge­wer­be, Han­del und Dienst­leis­tung vor al­lem der Tou­ris­mus, da 78% der Kreis­flä­che in Land­schafts- und Na­tur­schutz­ge­bie­ten lie­gen.

Kreis Mül­heim am Rhein (Land): Das Ge­biet des spä­te­ren Krei­ses Mül­heim am Rhein (Land) lag im Her­zog­tum Berg (1806 Gro­ßher­zog­tum Berg) und wur­de dort 1808 dem Ar­ron­dis­se­ment Mül­heim am Rhein im De­par­te­ment Rhein ein­ge­glie­dert.

1816 wur­de aus den Bür­ger­meis­te­rei­en Bens­berg, Glad­bach, Heu­mar, Mer­heim, Mül­heim am Rhein, Oden­thal, Over­ath, Rös­rath und Wahn der preu­ßi­sche Kreis Mül­heim am Rhein ge­bil­det. Sitz der Kreis­ver­wal­tung war Mül­heim, der Kreis lag im Re­gie­rungs­be­zirk Köln in der Pro­vinz Jü­lich-Kle­ve-Berg (1822 bzw. 1830 Rhein­pro­vinz). Ab 1901 bil­de­te Mül­heim ei­nen ei­ge­nen Stadt­kreis, 1914 wur­de die Stadt nach Köln ein­ge­mein­det. Zwi­schen 1905 und 1910 ver­lor der Kreis Mül­heim (Land) Tei­le der Ge­mein­de Mer­heim an den Kreis So­lin­gen (Land) im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf. 1914 wur­de die Ge­mein­de Mer­heim dem Stadt­kreis Köln ein­ge­glie­dert. 1932 wur­de der Kreis Mül­heim am Rhein (Land) auf­ge­löst und mit Tei­len des auf­ge­lös­ten Krei­ses Wip­per­fürth zum neu ge­bil­de­ten Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis ver­ei­nigt.

Die Wirt­schafts­struk­tur des Krei­ses do­mi­nier­ten Berg­bau und pro­du­zie­ren­des Ge­wer­be vor al­lem im Be­reich der che­mi­schen und Tex­til­in­dus­trie so­wie der Me­tall­ver­ar­bei­tung.

Kreis Wip­per­fürth: Das Ge­biet des spä­te­ren Krei­ses Wip­per­fürth lag im Her­zog­tum (1806 Gro­ßher­zog­tum) Berg und wur­de dort 1808 dem Ar­ron­dis­se­ment El­ber­feld im De­par­te­ment Rhein ein­ge­glie­dert.

Der preu­ßi­sche Kreis Wip­per­fürth wur­de 1816 aus den Bür­ger­meis­te­rei­en En­gels­kir­chen, Klüp­pel­berg, Kür­ten, Lind­lar, Ol­pe und Wip­per­fürth ge­bil­det. Sitz der Kreis­ver­wal­tung war Wip­per­fürth, der Kreis lag im Re­gie­rungs­be­zirk Köln in der Pro­vinz Jü­lich-Kle­ve-Berg (1822 bzw. 1830 Rhein­pro­vinz). 1932 wur­de der Kreis Wip­per­fürth auf­ge­löst und der grö­ß­te Teil mit dem eben­falls auf­ge­lös­ten Kreis Mül­heim am Rhein (Land) zum neu ge­bil­de­ten Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis ver­ei­nigt.

Wirt­schaft­lich be­deu­tend für den Kreis Wip­per­fürth wa­ren ne­ben der Land­wirt­schaft bis ins 19. Jahr­hun­dert Ei­sen- und Blei­berg­bau und Me­tall­ver­ar­bei­tung.

1931 wur­de der Kreis in Rhein-Wup­per-Kreis um­be­nannt. 1955 bil­de­te die 1930 aus den Ge­mein­den Rhein­dorf, Schle­busch, Stein­bü­chel und Wies­dorf ge­bil­de­te Stadt Le­ver­ku­sen ei­nen ei­ge­nen Stadt­kreis. Der Rhein-Wup­per-Kreis wur­de 1975 auf­grund des Köln-Ge­set­zes zu­guns­ten der um­lie­gen­den Krei­se auf­ge­löst. Burg an der Wup­per wur­de dem Stadt­kreis So­lin­gen, Ber­gisch Neu­kir­chen und Op­la­den dem Stadt­kreis Le­ver­ku­sen an­ge­schlos­sen. Bur­scheid, Leich­lin­gen und Wer­mels­kir­chen ka­men an den Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis, Hü­ckes­wa­gen und Ra­de­vorm­wald an den Ober­ber­gi­schen Kreis. Der wie­der­er­rich­te­te Kreis Mett­mann er­hielt Lan­gen­feld und 1976 auch die Stadt Mon­heim am Rhein, die zu­nächst zwi­schen Düs­sel­dorf und Le­ver­ku­sen auf­ge­teilt wor­den war.

Rhein-Wup­per-Kreis: Das Ge­biet des spä­te­ren Rhein-Wup­per-Krei­ses lag im Her­zog­tum (1806 Gro­ßher­zog­tum) Berg und wur­de dort 1808 den Ar­ron­dis­se­ments Düs­sel­dorf und El­ber­feld im De­par­te­ment Rhein ein­ge­glie­dert. 1816 wur­de aus den Bür­ger­meis­te­rei­en Dorp, Gre­frath, Höh­scheid, Kro­nen­berg, Mer­scheid, So­lin­gen und Wald so­wie aus der Ge­mein­de Burg der preu­ßi­sche Kreis So­lin­gen und aus den Bür­ger­meis­te­rei­en Bur­scheid, Mon­heim, Op­la­den, Rich­rath, Schle­busch und Witz­hel­den der preu­ßi­sche Kreis Op­la­den ge­bil­det. Bei­de Krei­se wur­den 1819 zum neu ge­bil­de­ten Kreis So­lin­gen ver­ei­nigt. Sitz der Kreis­ver­wal­tung war So­lin­gen, der Kreis lag im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf in der Pro­vinz Jü­lich-Kle­ve-Berg (1822 Rhein­pro­vinz). Zu­vor hat­te ei­ne ge­plan­te Auf­lö­sung des Krei­ses So­lin­gen und Auf­tei­lung auf die Krei­se Op­la­den und Mett­mann durch ei­ne Ein­ga­be der Stadt So­lin­gen an den preu­ßi­schen Kö­nig ver­hin­dert wer­den kön­nen. Im Zu­ge der Ver­ei­ni­gung ver­lor der Kreis die Bür­ger­meis­te­rei Burg an den Kreis Len­nep und die Bür­ger­meis­te­rei Kro­nen­berg an den Kreis El­ber­feld. 1896 wur­de die Stadt So­lin­gen aus dem Land­kreis aus­ge­glie­dert und bil­de­te fort­an ei­nen ei­ge­nen Stadt­kreis. Zwi­schen 1905 und 1910 er­hielt der Kreis So­lin­gen-Land Tei­le der Ge­men­de Mer­heim vom Kreis Mül­heim am Rhein (Land). 1914 wur­de der Sitz des Land­rats­amts von So­lin­gen nach Op­la­den ver­legt. Im Zu­ge der kom­mu­na­len Neu­glie­de­rung 1929 wur­de der Kreis So­lin­gen-Land auf­ge­löst. Die Ge­mein­den Höh­scheid, Gräf­rath, Oh­ligs und Wald kam an den Stadt­kreis So­lin­gen. Die üb­ri­gen Ge­mein­den des frü­he­ren Krei­ses So­lin­gen-Land wur­den mit Ge­mein­den des eben­falls auf­ge­lös­ten Krei­ses Len­nep zum neu ge­bil­de­ten Kreis So­lin­gen-Len­nep ver­ei­nigt. Das Land­rats­amt lag in Op­la­den.

Die Wirt­schafts­struk­tur des Rhein-Wup­per-Krei­ses war ge­prägt von pro­du­zie­ren­dem Ge­wer­be (Ei­sen­ver­ar­bei­tung, che­mi­scher und Tex­til­in­dus­trie, Schuh­pro­duk­ti­on) und Land­wirt­schaft (Obst- und Ge­mü­se­an­bau, Wei­den­wirt­schaft).

Kreis Len­nep: Das Ge­biet des spä­te­ren Krei­ses Len­nep lag im Her­zog­tum (1806 Gro­ßher­zog­tum) Berg und wur­de dort 1808 dem Ar­ron­dis­se­ment El­ber­feld im De­par­te­ment Rhein ein­ge­glie­dert.

Der preu­ßi­sche Kreis Len­nep wur­de 1816 ge­bil­det und um­fass­te die Bür­ger­meis­te­rei­en Burg (mit Aus­nah­me der Ge­mein­de Burg), Da­bring­hau­sen, Hü­ckes­wa­gen, Len­nep, Lüttring­hau­sen, Ra­de­vorm­wald, Rem­scheid, Rons­dorf und Wer­mels­kir­chen. Sitz der Kreis­ver­wal­tung war Len­nep, der Kreis lag im Re­gie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf der Pro­vinz Jü­lich-Kle­ve-Berg (1822 Rhein­pro­vinz). 1819 er­hielt der Kreis die Ge­mein­de Burg aus dem Kreis So­lin­gen. 1888 bil­de­te Rem­scheid ei­nen ei­ge­nen Stadt­kreis, dem 1892 Ho­hen­ha­gen und Neu­en­kamp aus dem Kreis Len­nep an­ge­schlos­sen wur­den. 1929 wur­de der Kreis Len­nep auf­ge­löst. Rons­dorf und ein Teil von Lüttring­hau­sen wur­den dem neu ge­bil­de­ten Stadt­kreis Bar­men-El­ber­feld ein­ge­glie­dert, Len­nep und der rest­li­che Teil von Lüttring­hau­sen dem Stadt­kreis Rem­scheid. Wei­te­re Ge­mein­den ka­men an den neu ge­bil­de­ten En­ne­pe-Ruhr-Kreis. Die üb­ri­gen Ge­mein­den wur­den mit Ge­mein­den des Alt­krei­ses So­lin­gen zum neu­en Kreis So­lin­gen-Len­nep (1931 Rhein-Wup­per-Kreis) ver­ei­nigt.

Die Wirt­schaft des Krei­ses Len­nep wur­de do­mi­niert von pro­du­zie­ren­dem Ge­wer­be vor al­lem im Be­reich der Woll­wa­ren­fa­bri­ka­ti­on (Tuch- und Filz­her­stel­lung, Fär­be­rei­en) so­wie der Me­tall­ver­ar­bei­tung. Die Land­wirt­schaft war auf­grund der schlech­ten kli­ma­ti­schen und Bo­den­ver­hält­nis­se nur we­nig er­trag­reich.

Allgemeine Literatur

Cle­men, Paul (Hg.), Die Kunst­denk­mä­ler der Rhein­pro­vinz, Band 3,2: Städ­te Bar­men, El­ber­feld, Rem­scheid, Krei­se Len­nep, Mett­mann, So­lin­gen, be­arb. v. Paul Cle­men, Düs­sel­dorf 1894; Band 5,1: Krei­se Gum­mers­bach, Wald­bröl und Wip­per­fürth, be­arb. v. Ed­mund Renard, Düs­sel­dorf 1900; Band 5,2: Kreis Mül­heim am Rhein, be­arb. v. Paul Cle­men, Düs­sel­dorf 1901.

Pohl, Hans, Wirt­schafts­ge­schich­te des Erft­krei­ses, des Rhei­nisch-Ber­gi­schen Krei­ses und des Ober­ber­gi­schen Krei­ses seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, Köln 1998.

Verwaltungsgeschichtliche Literatur

Bär, Max, Die Be­hör­den­ver­fas­sung der Rhein­pro­vinz seit 1815, Bonn 1919.

Schütz, Rü­di­ger (Be­arb.), Grund­riß zur deut­schen Ver­wal­tungs­ge­schich­te, Rei­he A, Preu­ßen, Ban­d 7: Rhein­land, Mar­burg 1978.

Kreisperiodika

Ber­gi­scher Ka­len­der (1922-1960).

Ber­gi­scher Volks­ka­len­der (1919-1921).

Land an Wup­per und Rhein. Hei­mat­ka­len­der (1955-1975).

Neu­es Ber­gi­sches Jahr­buch (seit 1983).

Rhei­nisch-Ber­gi­scher Ka­len­der (seit 1961).

Online

Web­site des Rhein-Ber­gi­schen Krei­ses. [On­line]

Zitationshinweis

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Rönz, Andrea, Rheinisch-Bergischer Kreis, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinisch-bergischer-kreis/DE-2086/lido/57d1256a4c2477.93927742 (01.12.2018)