Grafschaften Sayn

Joachim J. Halbekann (Esslingen)

Ruine der Burg Sayn bei Bendorf. (Klaus Graf, (CC BY 2.5))

Im Jahr 1139 tre­ten mit den Brü­dern Eber­hard I. (1139-1176) und Hein­rich I. (1139-um 1159) erst­mals An­ge­hö­ri­ge der Fa­mi­lie der Gra­fen von Sayn in Er­schei­nung, de­ren Na­me von der bei Ben­dorf an den west­li­chen Aus­läu­fern des Wes­ter­wal­des ge­le­ge­nen Stamm­burg her­rührt. Die fa­mi­liä­re Her­kunft der Say­ner ist eben­so un­klar wie die des von ih­rem ers­ten Auf­tre­ten an ge­führ­ten Graf­en­ti­tels, des­sen Ab­lei­tung vom Au­el­gau als ei­nem frü­hen say­ni­schen Macht­zen­trum mög­lich, aber eben­falls nicht ge­si­chert ist. Zu den frü­hes­ten Be­sit­zun­gen ge­hör­te die zu­nächst al­lo­dia­le, dann aber be­reits 1152 de­m Erz­stift Trier auf­ge­tra­ge­ne Stamm­burg Sayn. Be­reits in der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on führ­te ei­ne Hei­rats­ver­bin­dung Hein­richs II. von Sayn (1172-1202) mit den Gra­fen von Saf­fen­berg zu ei­nem er­heb­li­chen Zu­wachs an Rech­ten und Be­sit­zun­gen, nun vor al­lem am lin­ken Nie­der­rhein so­wie an Ahr und Mo­sel. Der zen­tra­le Ein­fluß­be­reich der Say­ner süd­lich der Sieg wur­de mit der Grün­dung der ver­kehrs­güns­tig ge­le­ge­nen Burg Blan­ken­berg um 1180 ab­ge­si­chert. Durch die Hei­rat Graf Hein­richs III. mit Grä­fin Mecht­hild von Lands­berg wur­de Hein­rich III. zu ei­nem der füh­ren­den Re­prä­sen­tan­ten des köl­ni­schen Lehns­hofes und ei­nem der be­deu­tends­ten Gra­fen an Nie­der- und Mit­tel­rhein mit un­be­strit­te­ner Do­mi­nanz zwi­schen Sieg und Lahn.

Ort wechseln

Grafschaft Sayn (gelb umrandet), Ausschnitt aus der Karte 'Territorien im Rheinland 1789', Bonn 2010. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Der kin­der­lo­se Tod Hein­richs III. 1246/1247 be­en­de­te den fort­ge­schrit­te­nen Ver­such der Bil­dung ei­nes groß­flä­chi­gen say­ni­schen Ter­ri­to­ri­ums zwi­schen Sieg und Lahn. Be­reits zu Leb­zei­ten der Wit­we Mecht­hild wur­de da­s Erz­stift Köln z­um Haupt­be­sitz­nach­fol­ger, da­ne­ben er­hiel­ten ver­schie­de­ne geist­li­che In­sti­tu­tio­nen be­deu­ten­de Zu­wen­dun­gen. Das Ge­biet zwi­schen Sieg und Lahn fiel an die Nef­fen Hein­richs aus den Häu­sern Spon­heim und Eber­stein. Nach ver­schie­de­nen Tei­lun­gen hielt schon 1253 Graf Jo­hann von Spon­heim (1218-1266) die Graf­schaft Sayn, der sie sei­nem Sohn Gott­fried (1247-1283) über­gab, der sich spä­tes­tens seit 1254 nach Sayn be­nann­te. Wäh­rend die im Nord­wes­ten des zen­tra­len Ein­fluss­be­reichs ge­le­ge­nen Herr­schaf­ten Blan­ken­berg und Lö­wen­burg dau­er­haft ih­re Ver­bin­dung zur Graf­schaft Sayn ver­lo­ren, konn­te Gott­fried 1268 die Herr­schaft Freus­burg von sei­nem Vet­ter Diet­rich von Heins­berg (1253-1303) über­neh­men. Im Spät­mit­tel­al­ter führ­ten, trotz ei­ner er­neu­ten Blü­te un­ter Ger­hard II. von Sayn (1420-1493), un­ter dem 1465 ei­ne ers­te Lan­des­ord­nung auf­ge­stellt wur­de, vor al­lem Erb­tei­lun­gen, Ver­pfän­dun­gen und Feh­den zum dau­er­haf­ten und tem­po­rä­ren Ver­lust von Po­si­tio­nen. Nach ver­schie­de­nen Tei­lun­gen des Er­bes Graf Jo­hanns IV. (1491-1529) war 1588 der kin­der­lo­se Graf Hein­rich IV. (1539-1606) er­neut im Be­sitz der ge­sam­ten Graf­schaft Sayn, in der 1560 die Re­for­ma­ti­on durch­ge­führt wor­den war. Die Herr­schaft Freu­den­burg ging 1589 ver­lo­ren. Hein­richs Er­be wur­de schlie­ß­lich 1606, fu­ßend auf ei­ner 1565 ab­ge­schlos­se­nen Erb­ver­brü­de­rung, nach er­bit­ter­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen der re­for­mier­te Graf Wil­helm von Sayn-Witt­gen­stein(-Sayn), ein Nach­fah­re Sa­len­tins von Sayn-Val­len­dar (ge­stor­ben 1391), der sei­ner­seits nach 1352 zum Er­ben der Graf­schaft Witt­gen­stein ge­wor­den war. Die nur noch auf den wes­ter­wäl­di­schen Be­sitz be­schränk­te und zu­m Nie­der­rhei­nisch-west­fä­li­schen Reichs­kreis zäh­len­de Graf­schaft, die den Stamm­sitz Sayn an Kur­trier ver­lo­ren hat­te, wur­de nach ver­schie­de­nen Ent­frem­dun­gen und Tei­lungs­ver­trä­gen (1652, 1662, 1671) er­neut und dies­mal end­gül­tig ge­teilt: in die nun zu­meist von lan­des­frem­den Fürs­ten be­ses­se­nen Reichs­graf­schaf­ten und Klein­staa­ten Sayn-Ha­chen­burg und Sayn-Al­ten­kir­chen. Sayn-Ha­chen­burg ge­lang­te von den Gra­fen von Man­der­scheid zu­nächst an die Burg­gra­fen von Kirch­berg-Farn­ro­de (1714) und ging an­schlie­ßend durch Hei­rat weit­ge­hend an die Fürs­ten von Nas­sau-Weil­burg über (1799), um von Nas­sau 1815 teil­wei­se und voll­stän­dig 1866 an Preu­ßen zu fal­len.

Sayn-Al­ten­kir­chen mit den Äm­tern Al­ten­kir­chen (Stadt­rech­te 1314), Frie­de­wald, Freus­burg und Ben­dorf war zu­nächst im Be­sitz der Her­zö­ge von Sach­sen-Ei­se­nach, kam dann an die Mark­gra­fen von Bran­den­burg-Ans­bach (ab 1741), mit der Mark­graf­schaft an Preu­ßen (ab 1791), als Ent­schä­di­gung an Nas­sau-Usin­gen (ab 1802/1803) be­zie­hungs­wei­se ab 1806 das ver­ei­nig­te Her­zog­tum Nas­sau, um von 1815 bis zur Neu­ord­nung nach dem Zwei­ten Welt­krieg wie­der als Kreis Al­ten­kir­chen dem Re­gie­rungs­be­zirk Ko­blenz Preu­ßens zu­zu­ge­hö­ren. 1946 wur­de der Kreis Al­ten­kir­chen - wie das ehe­ma­li­ge Sayn-Ha­chen­burg - ein Teil von Rhein­land-Pfalz.

Literatur

Dah­l­hoff, M., Ge­schich­te der Graf­schaft Sayn und der Be­standt­hei­le der­sel­ben: der Graf­schaf­ten Sayn-Al­ten­kir­chen und Ha­chen­burg, der Herr­schaft Freus­burg und des Frei­en- und Hi­cken­grun­des, be­son­ders in kirch­li­cher Be­zie­hung. Dil­len­burg 1874, Neu­druck Wal­luf 1972.
Fa­bri­ci­us, Wil­helm, Er­läu­te­run­gen zum Ge­schicht­li­chen At­las der Rhein­pro­vinz, Band 2: Die Kar­te von 1789, Bonn 1965, Nach­druck Bonn 1965, S. 356-377.
Gen­si­cke, Hell­muth, Lan­des­ge­schich­te des Wes­ter­wal­des, Wies­ba­den 1958, 2., er­gänz­ter Nach­druck Spey­er 1987.
Hal­be­kann, Joa­chim J., Die äl­te­ren Gra­fen von Sayn. Per­so­nen-, Ver­fas­sungs- und Be­sitz­ge­schich­te ei­nes rhei­ni­schen Gra­fen­ge­schlechts 1139-1246/47, Wies­ba­den 1997.
Hal­be­kann, Joa­chim J., Be­sit­zun­gen und Rech­te der Gra­fen von Sayn bis 1246/47 und ih­re Er­ben (Ge­schicht­li­cher At­las de Rhein­lan­de V/5), Köln 1996.
Mül­ler, Mar­kus, Ge­mein­den und Staat in der Reichs­graf­schaft Sayn-Ha­chen­burg 1652-1799, Wies­ba­den 2005.

Online

Hal­be­kann, Joa­chim J., Ar­ti­kel „Sayn", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 22 (2005), S. 481-482. [On­line]

Stammwappen der Sayner Grafen. (Genealogisches Handbuch des Adels, Band 125, 2005)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Halbekann, Joachim J., Grafschaften Sayn, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/grafschaften-sayn-/DE-2086/lido/57d119d9238e33.47504362 (13.12.2018)