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Grafschaft Nieder-Isenburg

Die Grafschaft Nieder-Isenburg verdankte ihren Namen der im Sayntal (Westerwald, heute Landkreis Neuwied) gelegenen Isenburg, die im Bereich der Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. über eine Grundherrschaft der Reichsabtei Fulda errichtet worden war. Sie wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts zum Stammsitz eines bereits im 9. Jahrhundert erwähnten Edelherrengeschlechts mit den Leitnamen Reginbold und Gerlach.

Das Geschlecht verfügte über Besitz im Gau Einrich links der unteren Lahn sowie im Mittelrheingebiet, jedoch wurde eine geschlossene Herrschaftsbildung bereits im 12. Jahrhundert durch Aufspaltung des Geschlechts aus den zwei Hauptstämmen in vier Linien verhindert, die ihrerseits weitere Zweige hervorbrachten: Kempenich (erlischt endgültig 1424), Braunsberg (zwischen 1340-1462 unter dem Grafentitel von Wied), Kobern an der unteren Mosel (erlischt 1301) und Grenzau östlich von Neuwied, von der sich bereits 1248 die Linie Limburg an der Lahn abspaltete. Als Stammwappen führten sie zunächst alle zwei rote bzw. schwarze Balken in Silber.

Wichtiger Bezugspunkt und über längere Zeit Grablege der Isenburger war die Prämonstratenserabtei Rommersdorf (heute Stadt Neuwied). Als Erben der Grafen von Leiningen und von Peilstein-Mörle-Cleeberg gelangte das Geschlecht an die Lahn und den Taunusrand. Durch weitere Teilungen und Zersplitterungen jedoch grundsätzlich geschwächt, waren die verschiedenen Herrschaftsgebiete durch ihre geringe Ausdehnung und mangelnden Einfluss im Reich bedeutungslos. Die Hälfte des ursprünglich isenburgischen Besitzes befand sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Händen der Grafen von Wied.nach obenNach dem Aussterben mehrerer Seitenlinien gelang es zu diesem Zeitpunkt der auf Salentin I. (Regierungszeit 1210-1218) zurückgehenden Linie, vorübergehend an die alte Stellung der Isenburger im Mittelrheingebiet anzuknüpfen. Die Herren aus dieser Linie hatten bereits im 14. und 15. Jahrhundert durch Heiraten große Teile vom Erbe der stammverwandten Zweige Kobern, Isenburg-Arenfels und Grenzau an sich gebracht und ebenfalls durch Heirat die Herrschaft Neumagen an der Mosel gewonnen. 1547 wurde mit Johann von Isenburg-Grenzau nach fast 300 Jahren wieder ein Vertreter des Hauses zum Trierer Erzbischof gewählt. Sein Neffe Salentin von Isenburg-Grenzau war 1567-1577 Erzbischof von Köln und kämpfte nach seiner ResignationLateinisch-mittellateinisch, (1) sich einfügen in scheinbar Unabänderliches, (2) Amtsverzicht, ein Amt niederlegen. 1583 im Kölnischen Krieg als Befehlshaber im oberen Erzstift Bezeichnet die weltlichen Territorien eines Erzbischofs in seiner Funktion als Landesherr. weiter für die katholische Seite. Es gelang ihm, gegen die Interessen Kurtriers die Reichsunmittelbarkeit Nicht einem Landesherrn, sondern allein Kaiser und Reich unterstehend. für seine Grafschaft durchzusetzen. Mit dem Tode seines Sohnes, Graf Ernst von Isenburg-Grenzau (1584-1664), der als Gouverneur des spanischen Heeres in Brüssel starb, erlosch 1664 das als Nieder-Isenburg bezeichnete Haus, dessen Besitz als erledigtes Lehen der Kurfürstentümer Trier und Köln einbehalten wurde.

 

Literatur

Decker, Klaus Peter, Artikel „Isenburg", in: Lexikon des Mittelalters 5 (1991), Spalten 673-674.

Fabricius, Wilhelm, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 2: Die Karte von 1789, , Bonn 1898, Nachdruck Bonn 1965,  S. 159, 206, 217, 224, 226.

Gensicke, Hellmuth, Die Herren und Grafen von Nieder-Isenburg, in: Irene Fürstin von Isenburg in Birstein / Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen (Hg.), Isenburg-Ysenburg 963-1963. Zur Tausendjährigen Geschichte des Geschlechts, Hanau 1963, S. 22-25.

Gensicke, Hellmuth, Die Herren und Grafen von Nieder-Isenburg im Dienste für Kirche und Reich, in: Irene Fürstin von Isenburg in Birstein / Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen (Hg.), Isenburg-Ysenburg 963-1963. Zur Tausendjährigen Geschichte des Geschlechts, Hanau 1963, S. 84-87.

Gensicke, Hellmuth, Landesgeschichte des Westerwaldes, 2. ergänzter Neudruck, Wiesbaden 1987.

 

30.9.2010
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Ulrich Ritzerfeld (Marburg)