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Grafschaft Virneburg

Die 1052 erstmals erwähnte Virneburg in der östlichen Eifel war Stammsitz des gleichnamigen Geschlechts, das seit Mitte des 11. Jahrhunderts bezeugt ist. Sein Herrschaftsgebiet beschränkte sich zunächst auf einen eng begrenzten Raum am oberen Nitzbach (Nebenfluss der Nette). Das Geschlecht erweiterte den Besitz durch Lehen. Zu den ältesten Besitzungen gehörten die Vogteien Mertloch und Nachtsheim und die Gerichte in der Pellenz, welche die Grafen von Virneburg von den Pfalzgrafen, diese wiederum von Kurtrier zu Lehen trugen.

In Monreal an der Eltz, das zur kurtrierischen Grundherrschaft Mertloch gehörte, baute Hermann III. von Virneburg (Regierungszeit 1204-1238) seit 1220 eine zweite Burg, obwohl seine Rechte dort strittig waren. Monreal wurde zu einem zweiten Sitz der Grafenfamilie. Die meisten Güter der Virneburger waren Lehen des Kurfürsten von Trier. Als Lehen des Erzbischofs galten der Turm von Virneburg, Schloss und Tal Vornehmlich im südlichen Rheinland (Eifel, Rhein-, Moselraum) Bezeichnung für einen gefreiten Ort, oft im Anschluss beziehungsweise unterhalb einer Burg gelegen. Monreal, Vogtei Mehrdeutig, bedeutet insbesondere (1) die Schutzvogtei über ein Bistum, Stift oder Kloster und deren Besitz, (2) Unterbezirk eines landesherrlichen Amtes. und Gericht Nachtsheim, das Haus Boos, der Hof Spurzenheim bei Monreal, Güter zu Kehrig, zwei Häuser in Koblenz, das Kirchspiel Das von einer Pfarrkirche aus versorgte Gebiet, siehe auch Pfarre, Pfarrsprengel. Langenfeld und die Pellenzgerichte.

Die Trierer Lehnshoheit wurde wiederholt im 15. und 16. Jahrhundert anerkannt. In einem Vergleich zwischen Graf Dietrich V. von Manderscheid (Regierungszeit 1551-1560) und dem Erzbischof von Trier vom 25.9.1551 wurde festgeschrieben, dass die „landtfürstliche Oberkeit in der Graveschafft Virnenburg dem Ertzstifft Trier zustendig" sei. Gemeinsame Rechte von Graf und Erzbischof gab es im Virneburger Hochgericht Retterath und in der Pellenz.

Die acht Pellenzgerichte (im Raum Mendig – Münstermaifeld – Alflen), die bis Anfang des 15. Jahrhunderts alle Lehen der Virneburger waren, entwickelten sich danach unterschiedlich: Das Hochgericht auf dem Mendiger Berg war nach Verträgen zwischen Virneburg und Kurtrier von 1469, 1500 und 1516 ein Kondominium Lateinisch-neulateinisch, auch Kondominat, gemeinsame Herrschaft zweier oder mehrerer Herren. , die Rechte in den Gerichten auf dem Bubenheimer Berg, zu Lonnig und zu Münstermaifeld besaßen die Grafen von Virneburg bis 1419 allein, danach waren sie an Kurtrier verpfändet. Das Hochgericht Masburg verblieb bis ins 16. Jahrhundert im Alleinbesitz des Grafen von Virneburg, die Gerichte in Alflen, im Brohltal und in Beltheim hatten die Virneburger als Lehen an die Herren von Winneburg-Beilstein beziehungsweise von Pirmont ausgegeben.

Das Geschlecht erlebte seinen Höhepunkt im 14. und 15. Jahrhundert, als es in Köln und Mainz je einen Erzbischof und in Utrecht einen Bischof stellte. Unter den Grafen Ruprecht IV. (gestorben 1444) und Ruprecht VI. (gestorben 1459) erwarb die Familie auch Besitzungen in der Westeifel (Neuerburg, Kronenburg, Schönecken, Schönberg) und in Brabant (Durbuy). Ruprecht IV. war zeitweise Gouverneur des Herzogs von Burgund in Luxemburg.nach obenAls das Geschlecht der Virneburger 1545 erlosch, zog der Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. von Trier Teile des Virneburger Territoriums als heimgefallene Lehen ein: die große und kleine Pellenz, Ort und Burg Monreal, die Höfe Kehrig und Spurzenheim. Außerdem beanspruchte er Rechte in Schutz, Reudelsterz, Mertloch und in verschiedenen Wäldern. Nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Grafschaft Virneburg kam an Graf Dietrich IV. von Manderscheid (Regierungszeit 1501–1551), dessen Mutter Mechthild von Virneburg gewesen war. Dietrich versuchte mit kaiserlicher Unterstützung vergeblich, in den Besitz des gesamten Erbes zu gelangen; 1554 wurde Graf Dietrich V. von Manderscheid-Schleiden (Regierungszeit 1551–1560) mit der verbliebenen Grafschaft von Kurtrier belehnt. 1575 zog der Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. von Trier das Kirchspiel Das von einer Pfarrkirche aus versorgte Gebiet, siehe auch Pfarre, Pfarrsprengel. Langenfeld ein, nach dem Tode des letzten Manderscheiders der Schleidener Linie, Dietrich VI. (Regierungszeit 1560–1593), auch Boos und Nachtsheim. Nach 1593 kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen den Manderscheider Erben, die in einem Vertrag von 1615 beigelegt wurden. Die Grafschaft Virneburg fiel an die Grafen von Löwenstein-Wertheim, die sie bis zur Auflösung des Alten Reiches behaupteten. Das kleine Territorium war weder in Ämter noch Verwaltungsbezirke untergliedert. Die Grafschaft gehörte zum Oberrheinischen Kreis.

Die Grafschaft war seit 1545 nur von geringer Ausdehnung und umfasste 16 meist kleine Dörfer. Um 1780 betrug die Gesamteinwohnerzahl angeblich nur 334, die Ausdehnung rund 7.550 Hektar. Das Gebiet war umklammert durch die kurtrierischen Ämter Mayen, Monreal, Ulmen und Daun. Im Norden grenzte es an das kurkölnische Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. Nürburg. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es wegen strittiger Grenzen und wegen Wald- und Weiderechten immer wieder zu Pfändungen und Auseinandersetzungen zwischen Virneburg und dem kurtrierischen Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. Mayen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand die Reformation unter den Grafen von Manderscheid Eingang im Virneburger Land. Nach 1615 setzte sich unter den Grafen von Wertheim-Löwenstein die katholische Lehre wieder durch. Um 1800 wurde Virneburg Hauptort eines Kantons im Rhein-Moseldepartement. Nach 1815 kam es zum Kreis Mayen im Regierungsbezirk Koblenz.

nach obenQuellen

Eder-Stein, Irmtraut/Lenz, Rüdiger/Rödel, Volker, Löwenstein-Wertheim-Freudenbergsches Archiv Grafschaft Virneburg. Inventar des Bestands F US 6 im Staatsarchiv Wertheim, Urkundenregesten 1222 – 1791, Stuttgart 2000.

Heine, Martina/Lenz, Rüdiger, Löwenstein-Wertheim-Freudenbergsches Archiv Grafschaft Virneburg. Inventar des Bestands F 103 im Staatsarchiv Wertheim, Akten und Rechnungen 1192 – 1819 (1832), Stuttgart 2000.

 

Literatur

Fabricius, Wilhelm, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 2: Die Karte von 1789, Bonn 1898, Nachdruck Bonn 1965, S. 377-379.

Iwanski, Wilhelm, Geschichte der Grafen von Virneburg von ihren Anfängen bis auf Robert IV. (1383), Koblenz 1912.

Klapperich, Karl, Die Geschichte des Grafengeschlechtes der Virneburger, Bonn 1920.

Lenz, Rüdiger, Der Erwerb der Grafschaft Virneburg durch die Grafen von Löwenstein-Wertheim, in: Wertheimer Jahrbuch 1988/89, S. 231-252.

Markowitz, Klaus, Zur Geschichte des Hauses und der Burg Virneburg, in: Rheinische Heimatpflege NF 42 (2005), S. 263-273.

Neu, Peter, Geschichte und Struktur der Eifelterritorien des Hauses Manderscheid, vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert, Bonn 1972.

Schug, Peter, Geschichte der Dekanate Mayen und Burgbrohl, Trier 1961.

 

30.9.2010
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Peter Neu (Bitburg)